Kompetenzsimulation auf LinkedIn und Co. – Interesse an einem netzökonomischen Käsekuchen-Diskurs zu diesem Thema?

Hashtag-Soziologie

Der Kölner Soziologe Klaus Janowitz hat sich der Herkules-Aufgabe gewidmet, in der vernetzten Welt für etwas mehr Klarheit zu sorgen. Erinnert sei an seine Überlegungen zur Hashtag-Ökonomie als Gegenentwurf zur durchorganisierten Gesellschaft. Es geht dabei um Verbindungen von Neigungen und Interessen. Es geht um vernetzten Individualismus fernab von Reports, Indikatoren, Kennzahlen und Excel-Tabellen, die nur Ausdruck der Hilflosigkeit in einer vernetzten Welt sind. Vor Jahren widmete sich Janowitz der Einordnung des Begriffes der Digitalen Transformation. Seit Ewigkeiten wird uns dieser Begriff um die Ohren gehauen.

Dabei findet und fand Janowitz eine Menge heiße Luft, etwa im Buch der so genannten Digital-Darwinisten Karl-Heinz Land und Ralf Kreuzer:

„Mit dem Begriff digitale Transformation wird der zielgerichtete Einsatz von digitalen Technologien bezeichnet, um die eigenen Wertschöpfungsprozesse unter Einsatz von digitalen Technologien neu- oder umzugestalten.“

Zerpflückt man diesen Satz in seine Einzelteile, bleibt wenig Substanz übrig. Was heißt denn „zielgerichteter Einsatz“? Was sind eigene Wertschöpfungsprozesse?

Was bedeutet das generell für die Tautologien, die uns von Digitalen Darwinisten oder sonstigen Digitalen Evangelisten aufgetischt werden? Solche Netz-Erklärer, die die Konferenzbühnen beherrschen, stellen sich nicht einer kritischen Überprüfbarkeit ihrer Erzählungen. Wo bleibt die theoretische Fundierung im Diskurs über die Wirkungen der Digitalisierung für Wirtschaft, Gesellschaft und Staat? Das vorherrschende Geschwätz in Netz-Debatten, die sich mit Künstlicher Intelligenz, Digitaler Transformation, Content Marketing, Storytelling, Plattformen oder Industrie 4.0 beschäftigen, bestehen aus „ganzheitlicher“ Phrasendrescherei. Das gilt für die Beraterzunft und auch für die betriebswirtschaftlich und volkswirtschaftlich ausgebildeten Stichwortgebern.

Selbstkonstruierter Unsinn

Der Wissenschaftstheoretiker Hans Albert würde das Keynote-Gemurmel als selbstkonstruierten Unsinn abtun. Belastbar seien nur Aussagen, die sich anhand einer Auseinandersetzung mit der uns umgebenden realen Welt überprüfen lassen. Es dominieren aber hypothesenlose Leerformeln, die ihre empirische Gehaltlosigkeit verschleiern. Man könnte sogar von Dogmen sprechen, da uns von vielen digitalen Vordenkern absolute Gewissheiten verkauft werden, ohne auch nur in Ansätzen empirische Einsichten zu vermitteln. Man fahndet nur nach Bestätigungen der eigenen Sichtweise und schließt von Einzelphänomenen auf die Allgemeinheit. Vermeintliche Wahrheiten wurden und werden von gläubigen Anhängern ohne Überprüfung der Fehlerhaftigkeit verteidigt. Wer nicht an sie glaubt, gilt als verstockt und rückwärtsgewandt. Eine kritische Urteilsfähigkeit kann so nicht entstehen. Selbst eine noch so oft wiederholte Beobachtung der regelmäßigen Verbindungen von Dingen oder Ereignissen rechtfertigt es nicht, daraus eine logisch zwingende Schlussfolgerung auf eine Gesetzmäßigkeit zu ziehen. Und dann gibt es noch eine beträchtlich Anzahl an Kompetenz-Simulanten, die nur ihre Ahnungslosigkeit kaschieren und auf fahrende Züge aufspringen wollen. Das gilt selbst für Informatik-Professoren, die uns irgendetwas von ISDN erzählen wollten in Zeiten, wo das zum technologischen Fallobst zählte. Hinter der Fassade der Selfies und der Schonwetter-Postings steckt schlichtweg Lüge, Angeberei und Dunnbrettbohrer-Wissen. Im Autorengespräch mit Wolf Lotter habe ich das thematisiert:

Lotter spricht über die zunehmende Tendenz unserer Gesellschaft, sich auf das Einfache und Bequeme zu konzentrieren. Er kritisiert die „Fake-Industrie“, die sich aus der Bequemlichkeit heraus entwickelt hat, und fordert ein Ende dieser Entwicklung.

Lotter hebt hervor, dass es durchaus kulturelle Praktiken gibt, die auf dem Wissen und den Werken anderer aufbauen. Zur Sprache kommen Schriftsteller wie Walter Kempowski, Thomas Mann und Bertholt Brecht, die sich auf vorhandenes Wissen berufen haben, um etwas Neues zu schaffen. Diese Praxis sieht er nicht als problematisch an, solange sie dazu dient, etwas Originelles und Erhellendes zu schaffen.

Er kritisiert jedoch die Praxis des Plagiats und des Diebstahls, die in unserer Gesellschaft und insbesondere auf Plattformen wie LinkedIn weit verbreitet ist. Lotter bemängelt, dass viele Menschen vorgeben, originelle Ideen zu haben, ohne die Quellen ihrer Inspiration anzugeben.

Lotter spricht auch über die Diskrepanz zwischen dem, was Unternehmen behaupten zu wollen – Vielfalt und Originalität – und dem, was sie tatsächlich belohnen – Anpassung und Konformität.

Er argumentiert, dass diese Tendenz zur Anpassung und Konformität dazu führt, dass echte Innovationen nicht belohnt werden und dass das mittlere Management oft daran interessiert ist, den Status quo zu erhalten.

Lotter kritisiert auch die Praxis der Selbstinszenierung, die oft auf Kosten von Originalität und Authentizität geht. Er argumentiert, dass diese Praxis dazu führt, dass Menschen, die tatsächlich originell und authentisch sind, oft übersehen werden.

Soweit der Exkurs zum Autorengespräch mit Wolf Lotter über sein neues Buch „Echt“.

Die Überprüfbarkeit von Hypothesen

Jeder sollte immer kritische Widerlegungsversuche von Hypothesen anstellen, statt nur nach Bestätigungen des eigenen Gedankengebäudes zu suchen. Bei unserem netzökonomischen Käsekuchen-Diskurs wurden Ideen verhandelt, wie man den dominierenden digitalen Plattformen des Silicon Valley Paroli bieten könnte. Zur Sprache kamen Open Source-Ideen, die zu einer Dezentralisierung des Netzes taugen. Kann man sich überhaupt aus der häufig zu beobachtenden Pareto-Verteilung befreien, die in den meisten Netzwerken vorherrscht? 20 Prozent derer, die Einkommen haben, zahlen 80 Prozent der Einkommenssteuer; 20 Prozent der Produkte eines Supermarktes machen 80 Prozent des Umsatzes aus; 20 Prozent der Wissenschaftler bekommen 80 Prozent der Zitate ab; 20 Prozent der Wissenschaftler schreiben 80 Prozent der wissenschaftlichen Texte. Selbst für Wikipedia gilt: 20 Prozent der Autoren liefern 80 Prozent der Beiträge. Wie kommt man aus diesen Machtstrukturen raus?

Raiffeisen für die Netzökonomie

Letztlich plädierte die netzökonomische Fachrunde für einen stärkeren Schulterschluss, den vor allem kleine und mittelständische Unternehmen leisten müssen. Etwa über die Raiffeisen-Idee, die im 19. Jahrhundert begründet wurde: Solche Genossenschaften seien Netzwerke, die helfen, wenn eine Branche im Wandel und im Wachsen ist, erläutert die Volkswirtin Theresia Theurl von der Uni Münster gegenüber der Wirtschaftswoche:

„Bist Du nicht groß oder besonders stark, musst du besonders schlau sein. Man kann sich Größe auch organisieren, ohne sich abhängig zu machen.“

Um das Problem der schlechten Bonität zu lösen, setzte der Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen auf das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“. Man könnte es auch nach dem Motto der „Vier Musketiere“ formulieren: „Einer für alle, alle für einen“.

Eine Gruppe Kreditbedürftiger schließt sich zusammen und stattet ihre Genossenschaften mit Haftungskapital aus. Für den Einzelnen ist die Einlage bezahlbar, doch unter dem Strich kommt ein ordentliches Kapitalpolster zusammen. Dadurch entsteht eine privat finanzierte Bank, die Geld an ihre Mitglieder verleihen kann, ohne bei Ausfällen einzelner Schuldner pleitezugehen.

Gleiches gilt für die Digitalisierung der Wirtschaft, etwa bei Investitionen in 3D-Drucker, beim Einkauf, bei der Vermarktung über Plattformen und beim Wissenstransfer. Bringt die Raiffeisen-Idee nun Impulse für die Netzökonomie in Deutschland? Bislang nicht. Wir sollten mal wieder einen netzökonomischen Käsekuchen-Diskurs auf die Beine stellen. Anfang Juni auf unserer Terrasse in Bonn-Duisdorf. Ich backe auch den Käsekuchen.

Versorgungssicherheit und technologische Souveränität: Dr. Christian Growitsch über die Notwendigkeit einer ökonomischen Sicherheitspolitik #MSC2024 Sohn@Sohn-Adhoc-Talk @FraunhoferIMWL

In einem erkenntnisreichen Gespräch mit Dr. Christian Growitsch, Institutsleiter des Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie IMW in Leipzig und Halle (Saale), dem sozio- und technoökonomischen Institut der Fraunhofer-Gesellschaft, beleuchtet der Ökonom die drängenden Fragen der europäischen Versorgungssicherheit und technologischen Souveränität. Angesichts der aktuellen globalen Herausforderungen unterstreicht Growitsch die Bedeutung einer umfassenden ökonomischen Sicherheitspolitik für Europa. Seine Einsichten reichen von der Notwendigkeit, sichere Handelsrouten zu gewährleisten und die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen zu minimieren, bis hin zur Förderung innovativer Lösungen und einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen den europäischen Staaten.

Übertragung auf LinkedIn.

Growitsch, der die vielfältigen Dimensionen ökonomischer Sicherheit – von der Rohstoffversorgung über technologische Souveränität bis hin zur Bedeutung der Kreislaufwirtschaft – diskutiert, betont insbesondere die Rolle des Staates in der Sicherung und Förderung dieser Bereiche. Er plädiert für eine Investitionspolitik, die sich auf Zukunftstechnologien, Infrastruktur und Bildung konzentriert, um so die Grundlagen für eine resiliente und nachhaltige ökonomische Sicherheit in Europa zu schaffen.

Darüber hinaus hebt das Interview die strategische Bedeutung von Deep Tech und die Notwendigkeit hervor, bestehende Stärken im Bereich der Forschung und Entwicklung zu nutzen, um Europas Position in der globalen Technologielandschaft zu stärken. Growitsch sieht insbesondere in der Zusammenarbeit und im Wissenstransfer zwischen Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft einen Schlüssel zur Beschleunigung der Technologie-Kommerzialisierung und zur Sicherung der wirtschaftlichen Zukunft Europas.

Das Gespräch liefert wertvolle Einblicke in die komplexen Herausforderungen und Chancen, die sich im Kontext der ökonomischen Sicherheitspolitik ergeben, und unterstreicht die Notwendigkeit eines proaktiven und kooperativen Ansatzes, um Europas ökonomische Resilienz und technologische Souveränität in einer sich schnell verändernden Welt zu sichern.

Wie Solingen die Stadt smart und datenschutzkonform gestaltet

Die Digitalisierung hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht und beeinflusst zunehmend unseren Alltag. Doch wie können wir sicherstellen, dass diese Entwicklung nachhaltig und transparent ist? Wie können wir die Vorteile der digitalen Technologie nutzen, ohne dabei die Privatsphäre und die Rechte der Bürgerinnen und Bürger zu vernachlässigen?

Die Stadt Solingen hat sich dieser Herausforderung gestellt und das Projekt „Open Smart City“ ins Leben gerufen. Das Ziel ist es, die Stadt intelligent zu vernetzen und Bürgern innovative Dienstleistungen anzubieten. Doch wie genau funktioniert das? Und welche Erfahrungen hat die Stadt Solingen bisher gemacht?

Das Projekt startete im Jahr 2019 und Solingen war eine der ersten deutschen Großstädte, die Fördermittel vom Bund erhielten, um Smart City Projekte umzusetzen. Dabei war es der Stadt wichtig, nicht nur technische Lösungen zu entwickeln, sondern auch ein ganzheitliches Verständnis von digitaler Nachhaltigkeit zu fördern. Denn digitale Lösungen sind mehr als nur Technik – sie müssen auch sozialen und ökologischen Aspekten gerecht werden.

Solingen hat sich daher auf drei Säulen der digitalen Nachhaltigkeit konzentriert: die Eigenschaften des digitalen Gutes, die Eigenschaften des Ökosystems und die Auswirkungen auf die Gesellschaft. Dabei wurden Kriterien wie Transparenz, Interoperabilität und Partizipation berücksichtigt.

Ein zentrales Projekt im Rahmen der Open Smart City ist die Solingen App. Diese wurde bereits im Jahr 2020 während der Corona-Pandemie entwickelt und hat sich als äußerst nützlich erwiesen. Die App ermöglichte es den Bürgerinnen und Bürgern, transparente Informationen zur aktuellen Inzidenz und zu den geltenden Maßnahmen abzurufen. Sie wurde von verschiedenen Akteuren genutzt, darunter auch Geschäftsleute und Ordnungsdienste.

Die Entwicklung der Solingen App war jedoch nicht einfach. Die Stadt musste eine passende Open-Source-Lizenz finden, die den Anforderungen aller Beteiligten gerecht wurde. Zudem musste die Finanzierung des Projekts langfristig gesichert werden, da die Fördermittel nach 2024 auslaufen.

Um die digitale Nachhaltigkeit in Solingen zu gewährleisten, wurden die Kriterien der digitalen Nachhaltigkeit in die IT-Strategie der Stadt integriert. Bei jeder Projektentscheidung werden diese Kriterien berücksichtigt und regelmäßig überprüft.

Die Open Smart City ist ein wegweisendes Projekt, das zeigt, wie digitale Technologien nachhaltig und transparent eingesetzt werden können. Es ist ein Beispiel dafür, wie Städte ihre Bürgerinnen und Bürger aktiv einbinden und innovative Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft entwickeln können.

Die Stadt Solingen hat mit ihrem Projekt gezeigt, dass eine offene und nachhaltige Smart City möglich ist. Durch die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger, die Berücksichtigung sozialer und ökologischer Aspekte und die transparente Bereitstellung von Informationen können Städte zu lebenswerten und zukunftsfähigen Orten werden.

Die Open Smart City ist ein Weg in die Zukunft – eine Zukunft, in der digitale Technologien das Leben der Menschen verbessern und gleichzeitig die Grundrechte und Bedürfnisse aller Bürgerinnen und Bürger respektieren. Es liegt an uns, diese Vision zu verwirklichen und eine nachhaltige und transparente Gesellschaft aufzubauen.

Kommunikation mit Staat und Wirtschaft ohne Medienbrüche: Das klappt noch nicht so richtig, auch nicht beim DJV #SZGipfel #SchubkraftTV

Von der Vision zur Realität: Wann werden Staat und Wirtschaft endlich papierlos? Ein Livetalk mit Hamid Salehi von Smartscribe auf dem Wirtschaftsgipfel der Süddeutschen Zeitung in Berlin. Erfahrt, warum die Umstellung auf papierlose Prozesse so wichtig ist und welche Hindernisse noch überwunden werden müssen. Ein Blick in die Zukunft der Digitalisierung.

„Berlin, Wirtschaftsgipfel der Süddeutschen Zeitung, Hotel Adlon. Hier sitze ich mit Hamid Salehi von Smartscribe, dem Mann, der die Welt papierlos machen will. Sein erster Eindruck vom Gipfel? „Spannend“, sagt er. Politik und Wirtschaft treffen hier aufeinander, und das in einer Umgebung, die kaum schöner sein könnte. Die Impulsvorträge? „Sehr interessant“, meint er.

Nachhaltigkeit ist ein großes Thema hier, ebenso wie die nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie, die die Bundesregierung nächstes Jahr vorstellen will. Doch Salehi bemerkt, dass niemand über Papierlosigkeit spricht. Dabei liegt der Gedanke nahe, Dinge erst gar nicht entstehen zu lassen. Doch der öffentliche Dienst ist noch altmodisch, die Prozesse dauern an.

Wenn wir auf Mobilität beim Berufspendeln verzichten, könnten wir pro Jahr rund 26 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Wenn wir logische Prozesse aufsetzen, um Papierverbrauch zu vermeiden, liegt hier ein ebenso gigantisches Potenzial.

Ich vergleiche die Situation mit dem Deutschen Journalistenverband, Landesverband NRW. Jedes Jahr muss man seinen Presseausweis neu beantragen, obwohl ich seit 25 Jahren DJV-Mitglied bin. Immer wieder müssen die Stammdaten online neu eingetragen werden. Immer wieder muss ich den Antrag ausdrucken, unterschreiben, scannen und wieder hochladen. Dabei wäre ein Button ausreichend. Möchtest Du wieder einen neuen Presseausweis? Drücke ja oder nein. Haben sich bei Dir die Account-Daten verändert? Nein. Dann schicken wir Dir direkt den neuen Ausweis.

Salehi glaubt, dass Prozesse nicht logisch zu Ende gedacht und Medienbrüche unterschätzt werden. Er spricht von Workflow Management und betont, dass der Prozess von A bis Z durchdacht sein muss. Die Lösungen müssen einfach und intuitiv sein, damit die Mitarbeiter ihr Verhalten nicht ändern müssen.

Salehi sieht Deutschland als Land mit einem zu ängstlichen Sicherheitsdenken. „Was ist, wenn unsere Daten gehackt werden? Was ist, wenn unsere Daten verloren gehen?“ Diese Fragen sind wichtig, aber sie dürfen die Digitalisierung nicht aufhalten. Salehi glaubt, dass Deutschland die besten Maschinen und Autos der Welt baut, weil wir ins Detail denken. Wenn wir dieses Denken mit intuitiver Software kombinieren, kann etwas Gutes entstehen.

Salehi arbeitet mit der Telekom zusammen und es gibt Fördermittel zum Thema Papierlosigkeit. Je nach Unternehmensgröße und Mitarbeiterzahl können bis zu 50 Prozent der Maßnahmen gefördert werden.

Digitaler Staat in Sicht? Noch lange nicht!

Gründungskompetenz in Deutschland: Von einer Teleshopping-Operndiva für Saugnapfmaschinen bis zu alternde Touristik-Verkäufer von vorgestern – Sessionideen für die Next Economy Open im Dezember gefragt #NEO23

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Beim Blättern durch mein Archiv fand. ich folgende Kolumne, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, aber immer noch sehr amüsant ist.

Eine Teleshopping-Operndiva, die Saugnapfmaschinen vertickt; ein Internet-Unternehmer, der eine Dokumenten-App gegen die Wand fährt sowie Kellerbier von Kölsch nicht unterscheiden kann; ein Ex-Stuntman, der in seinem Erlebnis-Geschenkportal Fahrten mit Schützenpanzern anbietet; eine Jung-Unternehmerin, die sich in das gemachte Nest von Papi legt und zur Revitalisierung der FDP beitragen will; ein alternder Touristik-Unternehmer, der die besten Zeiten schon längst hinter sich hat. Fünf Möchtegern-Unternehmer, die sich in der Vox-Sendung “Höhle der Löwen” als Investoren für Gründer mit hohlen Sprüchen und Kalenderweisheiten in Szene setzen. Kann man machen. Ist halt so eine Art “Heißer Stuhl” für die Startup-Szene. Als Katalysator für neue Ideen, die die deutsche Wirtschaft so dringend braucht, ist das Haudrauf-Format ungeeignet. Erkenntnisgewinn zieht das Notiz-Amt aus dem betagten ARD-Presseclub, der sich mit der neuen Holdingstruktur von Google auseinandersetzte.

Google-Diskussion ohne Angstreflexe

Mit Marina WeisbandMario SixtusPhillip Banse und Miriam Meckel war das sonntägliche Stelldichein in der Tradition von Werner Höfer auch gut und ungewöhnlich bestückt. Drei profunde Netzkenner und eine Vertreterin der klassischen Printmedien sprachen unaufgeregt über die Konsequenzen, die sich aus der Metamorphose des Suchmaschinen-Giganten ableiten lassen.

Google orientiert sich fortan an Berkshire-Hathaway-Holding des milliardenschweren Investors Warren Buffet und beendet damit das Dasein als Gemischt-Warenladen. Mit den neuen Führungsstrukturen kann man sich jetzt auf einzelne Sparten konzentrieren. Das Brot- und-Butter-Geschäft ist mit über 90 Prozent Umsatzanteil immer noch die Werbung via Adwords und Adsense. Mit dem Überbau “Alphabet” stärkt man den Glauben an das große Wachstum in den wilden Projekten, mit denen noch kein Cent verdient wird. Das operative Geschäft bleibt bei Google unter dem neuen Chef Sundar Pichai.

Bei einer Marktkapitalisierung von rund 440 Milliarden US-Dollar einen so radikalen Schnitt zu machen, ist für Miriam Meckel ungewöhnlich – zumindest in Deutschland und Europa. Hier werde eine neue Stufe in der digitalen Ökonomie gezündet, die man sich sehr genau anschauen sollte. Google entwickelt eine Blaupause für den radikalen Weg in die vernetzte Wirtschaft und zeigt, wie das funktionieren kann. Es erleichtert das Schrotflinten-Prinzip in den Aktivitäten außerhalb des Werbegeschäfts, betont der elektrische Reporter Sixtus: “Sie schießen ganz viele Kugeln in ganz viele Richtungen ab und hoffen, dass irgendeine Kugel treffen wird.“ Das ist wohl der einzig gehbare Weg für die digitale Transformation.

Versuch und Irrtum für Zukunftsmärkte

Wer im technologischen Sektor in zehn Jahren noch überleben möchte, der müsse jetzt Produkte und Services für Märkte und für eine Nachfrage entwickeln, die es noch gar nicht geben kann. Wie das funktioniert, demonstrierte das Mountain-View-Unternehmen mit Google Maps, das vor zehn Jahren gestartet wurde. Erst 2007 war die Geburtsstunde des iPhone und erst danach entfaltete sich das mobile Internet. Damals galt noch das Blackberry als Krönung der Handy-Schöpfung. Als die mobile Revolution einsetzte, war Google mit einer wichtigen Anwendung sofort präsent. Das Wesen dieses Unternehmens unterscheidet sich von der Return on Investment- und Rentabilitäts-Denke in Teutonien.

“Die Gründer und Macher glauben an ihre Projekte, statt Gründe zu suchen, warum etwas nicht gehen kann“, erläutert Sixtus. Suche, Mobilität, individualisierter öffentlicher Nahverkehr mit dem selbstfahrenden Auto, Vernetzung digitaler Infrastrukturen, Vernetzung von Städten, Robotik und industrielles Internet. Die Zukunftsthemen von Alphabet bauen auf die Daten-Intelligenz, die man sich seit der Gründung erarbeitet hat.

“Für das selbstfahrende Auto sind Karten unabdingbar. Nicht nur in 2-D, sondern auch in 3-D, wo selbst Ampeln und Bürgersteige abgescannt werden. Man braucht dafür die besten Daten-Ingenieure und die besten Daten“, so der Podcaster Philip Banse. Deshalb rekrutiert Google die besten Genetiker, Hirnforscher, Elektrotechniker, Maschinenbau-Ingenieure (!), Chemiker und Forscher für Künstliche Intelligenz.

Die klügsten Köpfe arbeiten in Mountain View

Die klügsten Leute wollen bei Google arbeiten, konstatiert Marina Weisband. Mit flexiblen Arbeitszeiten, einem guten Betriebsklima, modernen Beteiligungsmodellen, genügend Freiraum für kreative Hobby-Leidenschaften und der Anwerbung von Mitarbeitern mit Migrations-Hintergrund sowie gebrochenen Lebensläufen bietet der Netz-Champion eine Diversität, von der deutsche Unternehmen meilenweit entfernt sind, auch wenn kluge Personalmanager wie Thomas Sattelberger das schon seit Jahren fordern.

Wir verplempern unsere Zeit mit industriepolitischen Scheindebatten, die schon vor drei Jahrzehnten nicht mehr zeitgemäß waren. Seit 1980 sind wir selbst nach den Maßstäben der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung kein Industrieland mehr. Auch der Begriff Industrie 4.0 führt in die Irre, weil er wirtschaftliche Aktivitäten immer noch nach Branchen sortiert.

Zukunftsentscheidend ist nicht mehr die Herstellung eines Kotflügels oder einer Einspritzpumpe, sondern die Verbindung von Daten, Software, Wissen und Algorithmen. Den Rest kauft man sich ein.

Und in Deutschland?

Von der Heimvernetzung bis zur großspurig verkündeten Energiewende, die im Streit um das EEG gerade kräftig zerredet wird, verspielen für wichtige Themen, die eng mit der vernetzten Ökonomie zusammenhängen. Das gilt vor allem für den Mittelstand, der immer noch das volkswirtschaftliche Rückgrat in Deutschland ist. Die mittelständischen Märkte sind klein, die Kunden ausgewählt, die Aufträge sicher. “Besonders die mittelständischen Zulieferer, von denen es in Deutschland nicht gerade wenige gibt, leben nach wie vor in dieser Komfortzone”, weiß der Mittelstandsexperte Marco Petracca. Man agiert nicht, man reagiert.

Und kommt kein Auftrag, erhöht man den Vertriebsdruck. Die digitale Transformation gefährdet aber diese Komfortzone. Denn Kunden haben heute dank Internet einen viel umfassenderen Einblick in das Marktgeschehen und sind nicht mehr auf den klassischen Vertriebsweg angewiesen. Die Folge: Aufträge stagnieren, Preiskämpfe werden härter, die Wettbewerber potenzieren sich um die Anzahl der Suchmaschineneinträge, sagt Petracca.

Wie wäre es, wenn wir die Eigenheiten zweier unterschiedlicher, sich aneinander reibender Ökosysteme vereinen würden? Ein Denkansatz, den Petracca auf der Bonner Next Economy Open vor ein paar Jahren mit Unternehmerinnen und Unternehmern, Nerds, Hackern und Bloggern diskutierte.

Den Ansatz finde ich immer noch charmant. Auf der Next Economy Open am 7. und 8. Dezember gibt es wieder Gelegenheiten für überraschende Begegnungen, neue Allianzen und nicht vorhersehbare Verbindungen nach dem Schrotflinten-Prinzip von Google.

Ideen sind willkommen. Kontaktiert mich: 01776204474.

belgium flag on top of the building

Dominiert in Deutschland eine Verpisser-Kultur?

In ökonomischen und politischen Debatten fehlt es oft an wissenschaftlicher und empirischer Fundierung. Statt auf seriöse Wissenschaftstheorie zu setzen, dominieren Hasstiraden, Beleidigungen und Blockade-Exzesse. Die Protagonisten der Ökonomik, politischen Wissenschaft, Soziologie, Philosophie und Geschichtswissenschaft kämpfen in ideologischen Schützengräben. Die abgefeuerten Stinkbomben erzeugen zwar viel Aufmerksamkeit, tragen aber wenig zur Erkenntnisgewinnung bei.

Es sind Streitlustige, die in ihrer geschützten Laptop-Umgebung agieren und ihre Schadenfreude kaum verbergen können, wenn sie mit ihren beleidigenden Tweets Erfolge erzielen. Die empirische Evidenz dieser semantischen Scharfschützen ist jedoch kaum relevant. Sie nutzen „Fakten“ lediglich zur Untermauerung ihres eigenen Weltbildes. Sachlichkeit und Abwägung spielen dabei keine Rolle. Die Ablehnung von Bundesjugendspielen wird als Beleg für die verweichlichte junge Generation interpretiert, die angeblich keine Anstrengungen mehr unternehmen möchte. Das Fehlen von Medaillen bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften wird als Indikator für den Niedergang einer ganzen Nation betrachtet. Das Vorrunden-Aus bei der Fußball-WM in Katar wird als Zeichen von Mittelmaß und Trägheit gewertet.

Solche dämlichen Analogien können endlos fortgesetzt werden. Die Leistungsmoral junger Menschen wird stark kritisiert. Es wird behauptet, dass eine „Verpisser-Kultur“ vorherrscht, in der sich die Menschen in ihrer Komfortzone einrichten. Diese Art von Einzelfall-Empirismus erinnert an Horoskop-Schreiberlinge.

Dabei zeigt das aktuelle Karrierebarometer, das auf der Zukunft Personal vorgestellt wurde, dass die junge Generation leistungsbereit ist und angemessen entlohnt werden möchte. Dies überrascht all jene, die ganze Jahrgänge mit Vorurteilen überziehen.

Während der Pandemie haben die Schweiz und Deutschland international am schnellsten auf Homeoffice umgestellt, sofern dies möglich war. Kaum ein Wirtschaftsmedium titelte mit der Überschrift „Wir sind Remote-Weltmeister“, noch bevor die angeblichen Tech-Giganten USA, China und Co. dies taten. Kaum jemand reflektierte, wie Deutschland dank kluger Wirtschaftspolitik die Corona-Zeit ohne größere Firmenzusammenbrüche überstanden hat. Andere Länder haben nun einen größeren Nachholbedarf und liegen daher bei den Wachstumsraten vorn, wie Wolfgang Brickwedde vom Institute for Competitive Recruiting in der Sendung erklärt.

Der Arbeitsmarkt ist robust und die Stellenanzeigen deuten auf ein Ende der Stagnation hin, da sie ein Frühindikator für die Konjunkturentwicklung sind.

Der vermeintliche Rückstand Deutschlands in der KI-Forschung, weil man angeblich auf die falschen Pferde gesetzt hat, ist nicht so eindeutig. Ohne deutsche Forschung wären wir beispielsweise bei der Entwicklung von Antwortmaschinen nicht so weit gekommen, wie wir es heute sind. Die Anwendung der deutsch-schweizerischen Long-Short-Term-Memory-Software hat hierzu maßgeblich beigetragen.

Ausführlich nachzulesen in meiner September-Kolumne für New-Management.

Der Sohn@Sohn-Workflow für Live-Kommunikation – Man kann uns buchen :-)

Auf der Rückfahrt von der Zukunft Personal Süd von Stuttgart nach Bonn sinnierten Sohn@Sohn, also Constantin Sohn und Gunnar Sohn, über neue Projekte. Ein Dauerbrenner: Wie erläutern wir unsere Agenturarbeit besser. Einen Versuch kann man auf unserer Website nachlesen unter https://gunnarsohn.com/. Auszug: „Seit über 17 Jahren entwickeln wir redaktionelle Konzepte für die Live-Kommunikation in allen Facetten. Weit entfernt von den ersten Gehversuchen mit Logitech und Co. sind wir nun mit einer technischen Ausstattung unterwegs, um Bewegtbild und Audio professionell zu produzieren, zu moderieren und zu kuratieren.

Wir sehen uns nicht als reiner technischer Dienstleister, sondern als redaktionell-technisch-digitaler-Social-Web-Dienstleister.

Also so eine Art Schweizer Taschenmesser der Live-Kommunikation. Remote, hybrid, im Reportagestil, schnell und präzise (durch Constantin Sohn, dem Meister der Regie), antizipierend, orientiert am Agenda-Setting . Uns gelingt es häufig, gute Statements in Interviews heraus zu kitzeln, die Atmosphäre des Live-Geschehens einzufangen und die Basis zu leisten für gelungene Formate: Für Unternehmen, Medien, staatliche Organisationen, Wissenschaft, Verbände, Initiativen und dergleichen mehr.“ 

Soweit die Erklärung unserer Arbeitsweise. Ein wenig fließen die beruflichen Stationen ein, die Sohn Senior zurückgelegt hat: Wirtschaftsjournalismus, Leitungsfunktion in einem politischen Think Tank, demoskopische Wochenberichte für das Bundeskanzleramt, Kennenlernen der Meinungsforschung in den USA, Arbeit als Pressesprecher und als Leiter der Unternehmenskommunikation, Gründung eines Online-Magazins 1998 und Start des ichsagmal.com-Blogs 2009 zählen dazu. Sohn junior punktet mit Informatik-Studium, professionelle Gaming-Historie, E-Musik-Kompositionen, Kenntnissen in Künstlicher Intelligenz und mit einem tiefen Verständnis von Regie, Livestreaming-Software, Bildgestaltung via Canva und dergleichen. 

Auf der Zukunft Personal konnte das live im Messe-TV-Studio beobachtet werden. Den Workflow hat Constantin wie folgt dargestellt: 

Einen weiteren Baustein für die Erläuterung unserer redaktionellen Arbeit für Kunden soll ein „Lexikon des Livestreamings“ erbringen. Während der Rückfahrt sammelten wir für fast jeden Buchstaben des Alphabets bereits ein Thema.

A für Agenda-Setting. In der kurzen Version: 

Je häufger ein Thema in der medialen Berichterstattung auftaucht und je auffälliger es dabei hervorgehoben wird, beispielsweise als Aufmacher in Online- und Printmedien oder als erster ausführlicher Filmbeitrag einer Fernsehnachrichtensendung, desto eher kommt der Rezipient zu der Überzeugung, dass dieses Thema tatsächlich von Bedeutung ist. Je länger ein Thema in den Medien präsent ist, umso bedeutender erscheint es den Medienkonsumenten. 

Nachzulesen in der Nachrichtenwerttheorie von Michaela Maier, Joachim Retzbach, Isabella Blogger und Karin Stengel. 

Bei M kamen wir auf Thomas Mann, mit dem man 1929 einen der ersten Tonfilme aufnahm. Der Schriftsteller analysierte in diesem historischen Dokument brillant die bevorstehende größte Revolution des Zeitalters der Massenmedien:

„Da ich hier sprechen soll, ist es begreiflich, dass ich mir Gedanken mache über die Eigentümlichkeit und den Reiz einer Situation, in die ich ganz überraschend gekommen bin – und zwar durch die gütige Vermittlung der Berliner Lessing-Hochschule, die ich denn doch dankend erwähnen möchte. Ich erinnere mich dabei einer anderen Lebenslage, die nun schon eine ganze Reihe von Jahren zurückliegt, und der heutigen verwandt war, wenn sie ihr wohl auch noch nicht ganz gewachsen gewesen sein mag. Das war damals, als ich zum ersten Mal – es war vielleicht einige Monate nach dem Kriege – für den Rundfunk einen Vortrag hielt und zwar auf Einladung des Südwestdeutschen Rundfunks in Frankfurt am Main. Das Gefühl, das ich damals hatte, wiederholt sich heute in verstärktem Maße. Ich erlebte es damals zum ersten Mal, dass das Publikum, zu dem ich sprach, nicht in sinnlicher und gesellschaftlicher Gegenwart sich vor mir befand, nicht durch die vier Wände eines Saales zusammengefasst, sondern dass es unsichtbar, unhörbar, weit über die ganze Welt hin zerstreut, meinen Worten zuhörte, die mir beim Sprechen von Zeit zu Zeit einfielen. Heute nun aber ist dieses Publikum, zu dem ich spreche, nicht nur räumlich von mir getrennt, sondern es ist in der Zeit von mir entrückt. Und ich spreche zu einem zukünftigen Publikum in die Zeit hinein. Das ist das Phantastische und Exzentrische, fast möchte ich sagen, das ich in dieser Situation empfinde.“

Als audiovisuellen „Urknall unserer Literatur“ betitelte die FAZ diesen einmaligen Fund unter der Signatur „Archivgut 20520“, das im Bundesarchiv ausgegraben wurde. Es ist der erste und einzige Tonfilm eines deutschen Dichters vor 1933.

Es war noch die große Zeit des Stummfilms, die sich in den zwanziger und dreißiger Jahren so langsam dem Ende zuneigte. Etwa die Werke von Buster Keaton: Der General (1926) und Steamboat Bill junior (1928). Oder von Charles Chaplin: Lichter der Großstadt (1931), Moderne Zeiten (1936).

Zeugnisse einer öffentlichen Wirkung von Thomas Manns feierlichen „Beitrittsakt zur multimedialen Moderne“ gibt es übrigens nicht. Wahrscheinlich war das Ganze nur ein Experiment. Umso erstaunlicher ist die Weitsicht des Schriftstellers über die Wirkung audiovisueller Aufzeichnungen:

Es geht um die Anwesenheit der Abwesenden oder um die Kommunikation für Abwesende, wie es Hannes Schleeh und Sohn Senior in dem Buch „Live Streaming mit Hangout On Air: Techniken, Inhalte & Perspektiven für kreatives Web TV“ beschrieben haben: Bis in die dreißiger Jahre wurde im Radio ausschließlich live gesendet. Aufzeichnungsmöglichkeiten bot damals allein die Schallplatte.

Im Filmstudio gesellte sich zur räumlichen Radio-Erfahrung des Schriftstellers sofort die Erkenntnis von der Verewigung.

„Das ist die Schlüsselsentenz dieses ersten Tonfilm-Moments eines deutschen Dichters. Dass Thomas Mann diese Reflexion simultan mit einem Geschehen entwickelt, das er als Akteur gerade in Gang setzt, dessen Kamera- und Aufzeichnungsobjekt er aber gleichzeitig ist, spricht für seine stupende und spontane intellektuelle Präsenz“, so die FAZ.

Thomas Mann war sich der epochalen Bedeutung des neuen Mediums bewusst. In der zweiten Version seiner kurzen Rede, die in der DVD-Edition des Doku-Dramas „Die Manns. Ein Jahrhundertroman“ von Heinrich Breloer veröffentlicht wurde, formuliert er die Schlüsselsentenz präziser und hellseherisch:

„Die heutige Lage nun überbietet in gewisser Hinsicht die damalige, da es sich heute nicht nur um ein im Raume fernes Publikum handelt, zu dem ich spreche, sondern sogar um eines in der Zeit von mir entferntes. Ein Publikum, das eines Tages, der noch nicht da ist, mich so sehen wird, wie ich jetzt sitze und spreche, und mich so hören wird, wie ich mich heute in die Zukunft hinein zu ihm äußere.

Im Buchkapitel „Social TV und die Kultur der Beteiligung“ unseres bei Hanser veröffentlichten Livestreaming-Buches nennen wir das „Die Flaschenpost an die Zukunft“: Die perfekte Verschmelzung von synchroner und asynchroner Kommunikation. Oder wie es Hannes Schleeh in einigen Bloggercamp.tv-Sendungen formulierte:

„Ich begrüße alle Zuschauer im Hier und Jetzt und ganz besonders jene, die uns in der Zukunft sehen werden!“

Dieses Prinzip der Verlängerung von Content in die Zukunft bleibt relevant und wird dennoch häufig vernachlässigt.

Nicht so bei Sohn@Sohn, wie man an dem Blogpost auf ichsagmal.com erkennen kann: „Sohn@Sohn: Über die Livestreaming-Kunst ohne Ü-Wagen und ohne XXL-Technikteam: 29 Sessions in zwei Tagen auf der Zukunft Personal Süd #ZPSüd„.

Man hört, sieht und streamt sich im Netz im Geiste von Thomas Mann. 

Von dem „Lexikon des Livestreamings“ wird es eine Vorzugsausgabe in gebundener Form geben und die Möglichkeit, Sohn@Sohn remote als Team für ein Live-Format einzusetzen. Mit allem, was dazu gehört. Social-Web-Begleitmusik, Event-Seite auf LinkedIn etc. Preis 500 Euro zzgl. MwSt. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Zuschrift unter gunnareriksohn@gmail.com

Erste Bestellungen liegen schon vor. Jetzt müssen Sohn@Sohn noch das Opus fertig stellen. Wir werden das in diesem Jahr noch schaffen. Interessiert an einer Zusammenarbeit. Dann ruft uns an unter 0177-6204474 oder schickt uns eine E-Mail: constantin.sohn@gmail.com oder gunnareriksohn@gmail.com.

Man hört, sieht und streamt sich im Netz.

Neue Horizonte 2045 – Missionen für Deutschland: Sind wir dann klimaneutral? Man hört, sieht und streamt sich am Mittwoch, 6. September, um 18:30 Uhr in der #D2030 #FutureLounge

Das neue Szenariovorhaben führt die von uns Anfang 2018 veröffentlichten acht Szenarien für Deutschland 2030 fort. Was auch im Foresight-Bereich keine Selbstverständlichkeit ist. Wir halten dabei an unseren drei Grundprinzipien fest: Unabhängigkeit, Zukunftsoffenheit und Beteiligung.Unser neuer Zukunftshorizont reicht jetzt bis 2045. Es ist das Jahr, für das Deutschland sich vorgenommen hat, klimaneutral zu sein. Eine solch weitreichende und ambitionierte Transformation für eine sozial gerechte und klimaneutrale Wirtschaft und Gesellschaft wird nur gelingen, wenn Politik, Unternehmen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam agieren. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, den Zukunftskorridor 2045 mit Szenarien zu vermessen, die eine gelingende Transformation versprechen und deshalb an die Neue Horizonte-Szenarien von 2018 anknüpfen.

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person holding suitcase near stacks of books

Wir wollen, wir werden, es gilt, es muss, wir möchten, es soll: Die Inflation der Unverbindlichkeiten in der Politik zur digitalen Agenda bewegt sich weiterhin auf Wackelpudding-Niveau @DietmarBartsch @Bundeskanzler @c_lindner @r_c_wesel

Über allen Gipfeln Ist Ruh, In allen Wipfeln Spürest du Kaum einen Hauch; Die Vögelein schweigen im Walde. Warte nur, balde Ruhest du auch.

„Ist der Ruf erst ruiniert, wird man irgendwann gar nicht mehr ernst genommen. In Sachen Digitalisierung ist diese Entwicklung schon seit Längerem zu beobachten: Dass Deutschland bei Online-Dienstleistungen der Verwaltung nur wenig zu bieten hat, ist offensichtlich. Seit Dezember hat das Versagen auch einen Namen: ‚Onlinezugangsgesetz‘ ist sein sperriger Titel. Mit dem OZG verbindet sich das Scheitern des Staates, die deutsche Verwaltung schnell, digital und effizient zu machen. 575 Dienstleistungen sollten den Bürgern bis Ende 2022 online zur Verfügung stehen. Das Ziel wurde weiträumig verfehlt. Seitdem macht sich der Eindruck breit, die Verwaltung klebe so fest am Faxgerät wie Klimaaktivisten am Asphalt“, kommentiert FAZ-Redakteurin Corinna Budras.

Nicht nur das Faxgerät ist ein Symbol der Bräsigkeit des Staates bei der Digitalisierung. Auch mein eigener Briefkasten könnte noch Erwähnung finden. Denn der meiste Behördenkram – vom Finanzamt bis zur Rentenversicherung – läuft via Brief. Da wäre die Nutzung von Dosentelefonen schon eine gigantische Erleichterung. Intern und extern wird das nichts mit dem Digitalen Staat.

„Nachdem der Bund in den vergangenen Jahren vor allem während der Corona-Pandemie drei Milliarden Euro in die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) investiert hat, bleiben nach der derzeitigen Haushaltsplanung im Bundesinnenministerium für 2024 nur noch drei Millionen Euro übrig. Geld ist bei der Digitalisierung längst nicht alles, aber ohne Geld ist die Digitalisierung nichts“, so Budras in einem weiteren Kommentar. Sie schreibt von Zuständigkeitsproblemen, die ich vor Ewigkeiten im Tagesspiegel beschrieben habe mit der Forderung nach einem Digitalministerium. „Bundesinnenministerin Nancy Faeser, offiziell zuständig für ebenjene Verwaltungsdigitalisierung, ist vollauf mit Deutschlands Sicherheit beschäftigt, noch dazu hat sie einen milliardenschweren Tarifabschluss im öffentlichen Dienst in ihrem Haushalt zu verkraften. Sollte die SPD-Politikerin eine Leidenschaft für das digitale Amt haben, trägt sie diese jedenfalls nicht offen zur Schau“, moniert Budras. Zudem ist Faeser Spitzenkandidatin der SPD in Hessen. Da fehlt die Zeit für Wesentliches.

Der Chef des Digitalressorts, Volker Wissing, sei im Hauptberuf Verkehrsminister und hat gerade alle Hände voll zu tun, die Deutsche Bahn in einen verlässlichen Verkehrsträger zu verwandeln. „Da bleibt wenig Zeit, den Ministerkollegen auf die Finger zu hauen, wobei das ohnehin nicht seine Art ist. Der Smartphone-‚Heavyuser‘ Christian Lindner, Bundesfinanzminister und zugleich Chef der Digitalpartei FDP, lässt sich gerne in konzentrierter Pose mit dem Slogan abbilden: „Digitalisierung first, Bedenken second.‘ Nur Extrageld gibt es dafür nicht“, so Budras.

Wir wollen, wir werden, es gilt, es muss, wir möchten, es soll. Die Inflation der Unverbindlichkeiten in der Politik der Bundesregierung zur digitalen Agenda unter unterschiedlichen Koalitionen bewegt sich seit über 20 Jahren auf Wackelpudding-Niveau.Mangels zentraler Zuständigkeit und politischem Nachdruck wird die Digitalisierung in den verschiedensten Ministerien nur mit minimaler Sauerstoffzufuhr versorgt. Im Tagesgeschäft blockiert man sich mit Ressort-Eitelkeiten. Jeder kocht sein eigenes Süppchen. Wird sich das ändern? Nein. Und der Bundeshaushalt 2024 spricht eine deutliche Sprache: Die Relevanz von politischen Themen lässt sich abmessen an den Finanzgrößen im Haushaltsplan der Bundesregierung. Mit Etats wird Politik gemacht. Man muss die Digitalisierung gleichberechtigt an den Kabinettstisch bekommen und alle Zuständigkeiten in einem Digitalministerium bündeln, vom Bundes-CIO bis zur digitalen Infrastruktur.

Wie wenig sich ändert, sieht man bei der Bundestagsdebatte 2019 über den Haushaltsentwurf 2020. Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch hat das klarsichtig zur Sprache gebracht:

Angesichts der wirtschaftlichen Stagnation sollten wir die Schuldenbremse fünf Jahre außer Kraft setzen, wie es der Regierende Bürgermeister Kai Wegener in Berlin gefordert hat, und kräftig in Zukunftsthemen investieren.

Lesenswert dazu das Buch „Public Management im Wandel“:

Im Hinblick auf die Kompetenzen einer digitalen Verwaltung verzeichnet man zur Zeit eine doppelte Kompetenzlücke.

Zum einen fokussieren aktuelle Kompetenzmodelle für E-Government auf IT-Rollen als die für eine IT-gestützte Verwaltungsmodernisierung zuständigen Spezialisten. Unter der Bezeichnung E-Kompetenzen werden hierbei primär spezielle technikzentrierte Kenntnisse und Fähigkeiten betrachtet, wobei Methoden- und Sozialkompetenzen zur Entwicklung und Einführung technischer Lösungen inkludiert werden. Wenig Berücksichtigung finden allerdings digitale Kompetenzen, die auf Fachseite von Verwaltungsbehörden dringend benötigt werden, um unter Betonung von Innovations-, Kollaborations- und Agilitätsaspekten aktiv am fortwährenden digitalen Wandel teilzuhaben und die Digitalisierung der Verwaltung über alle Ebenen und in der gesamten Breite voranzutreiben.Zur Schließung dieser Lücke schlagen die Autoren dieses Kapitels ein erweitertes Kompetenzmodell für die digitale Verwaltung vor, welches sich als Weiterentwicklung bisheriger E-Government-Kompetenzmodelle unter Integration spezifischer Digitalisierungsaspekte versteht.

Zum anderen lässt sich in den Ergebnissen der Stellenanzeigenanalyse erkennen, dass diese digitalen Kompetenzen in aktuellen Stellenanzeigen für fachliches Verwaltungspersonal mit einer relativen Häufigkeit von unter einem Prozent so gut wie gar nicht nachgefragt werden.

Dies könnte im besten Fall mit der Verwendung ungeeigneter Fachbegriffe bei der Datenanalyse begründet sein, nach anderer Lesart aber auch darauf hindeuten, dass bei der Personalgewinnung für die öffentliche Verwaltung digitalen Kompetenzen wenig oder keine Relevanz für die Durchführung fachlicher Verwaltungsaufgaben beigemessen werden.