Unified Communications keine eierlegende Wollmilchsau: Was Unternehmen bei der UC-Einführung beachten müssen

Ich habe mich ja schon recht ausführlich mit der Unified Communications-Thematik beschäftigt. Siehe den Beitrag: Wie Digital Natives die Unternehmenskommunikation verändern und was ein Anbieter von Unified Communications an Kompetenzen mitbringen muss. Auf der Cebit informierte der Unternehmensberater Detlev Artelt von aixvox mit Experten den ganzen Tag über alle wichtigen Aspekte, die Unternehmen bei der Einführung von UC berücksichtigen müssen.

Siehe auch mein Interview mit Artelt und Jürgen Engelhardt, Business Development Manager von Aastra:

Wer sich ausführlicher mit UC beschäftigen will, sollte sich den Vortrag von Engelhardt anhören, den ich komplett aufgezeichnet habe:

Wie Digital Natives die Unternehmenskommunikation verändern und was ein Anbieter von Unified Communications an Kompetenzen mitbringen muss

Auf der diesjährigen Computermesse Cebit wird wieder viel von Konvergenz, Unified Communications, Web 2.0, Echtzeitkommunikation, Skype oder VoIP geredet. Experten halten es aber für notwendig, den Buzzwords, Presseschlagzeilen und PowerPoint-Folien auch Taten folgen zu lassen. „Die Konvergenz ist ja schon längst Realität. Jetzt ist es wichtig, dass die angebotenen Lösungen auch zu den Unternehmensprozessen passen“, sagt Andreas Latzel, Deutschlandchef des ITK-Spezialisten Aastra in Berlin, mit dem ich ein längeres Interview geführt habe. Um das große Thema Unified Communications ins Laufen zu bringen, müsse man die Geschäftswelt gut verstehen und die Technologie beherrschen. „Das ist unser täglicher Job. Wir kommen aus der Ecke, wo Datenübertragung in Echtzeit eine große Rolle spielt. Ein wichtiger Faktor für erfolgreiche Projekte ist auch, die Anwender auf den Entwicklungspfad mitzunehmen und nicht am Ende mit einer völlig neuen Konstellation zu konfrontieren“, so Latzel.

Beschleunigt werden die Umwälzungen der Unternehmenskommunikation durch die privaten Gewohnheiten der Digital Natives, bei denen Skype, Wikis, Blogs und Social Media intensiv zum Einsatz kommen: „Wir erleben in der Wirtschaft eine Generation mit einem völlig anderen Kommunikationsverhalten. Die kommerzielle Sinnhaftigkeit müsse im Einzelfall genau geprüft werden. Sehr viele Projekte werden in den Kreativabteilungen zwar vorgedacht, müssen aber den Test der harten Realität am Schalter des Finanzchefs erst überstehen“, erläutert Latzel.

Die Wirtschaftlichkeit von neuen Systemen müsse sich in einem Zeitraum von 12 bis 24 Monaten einstellen, dann habe Unified Communications eine große Chance. Fast alle Kommunikationslösungen seien mittlerweile Applikationen im Netz. Anbieter für Unified Communications brauchten neben dem Netzmanagement auch Kompetenzen in der Echtzeitkommunikation, völlig unabhängig, ob es um bewegte Bilder oder Sprache geht. Mit den Versuch-und-Irrtum-Verfahren, die man aus der Informationstechnologie kennt, könne man nicht arbeiten. „Dumm ist es, wenn der Anfang meines Satzes später ankommt als das Ende. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass man die Echtzeitkommunikation gut beherrscht. Da hat der klassische Sprachanbieter gewisse Vorteile, weil er sich mit diesem Faktor schon länger auseinandersetzt“, weiß Latzel. Zudem seien offene Schnittstellen und Standards wichtig, damit im Netzwerk Innovationen möglich bleiben und unterschiedliche Systeme zusammengebracht werden können.

Hier eine Kurzversion des Interviews auf Youtube:

Müde Firmen, mieser Kundenservice, bunte PowerPoint-Folien und Buzzwords

Nach einer Umfrage des Softwarespezialisten Genesys, die auf der Fachkonferenz von Nuance in München vorgestellt wurde, lassen sich deutsche Unternehmen durch schlechten Kundenservice jährlich mehr als 12 Milliarden Euro durch die Lappen gehen. Die befragten Kunden konnten angeben, wie viel die Geschäftsbeziehung, die abgebrochen wurde, jährlich wert gewesen ist. Diese Daten wurden dann durch Datamanitor/Ovum hochgerechnet. Als Gründe für die miesen Dienstleistungen in Deutschland sieht Genesys-Manager Heinrich Welter die unzureichende Qualität von Sprachdialogsystemen, die schlechte Erreichbarkeit der Agenten im Call Center, unqualifizierte Ansprechpartner, kostenpflichtige Services sowie eine fehlende Synchronisation zwischen den Kanälen für den Kundenkontakt. „Der Markt wurde jahrelang durch überzogene Versprechungen der Lieferanten einerseits und der ‚nur der Preis entscheidet-Manie’ andererseits vornehmlich mit kostengünstigen, aber durch die Bank weg schlechten Lösungen zugepflastert“, kritisiert Welter im Interview mit NeueNachricht.

An kritischen Web 2.0-Debatten mit Firmen wie Jack Wolfskin erkenne man, dass sich die Menschen immer aktiver und kritischer mit Produkten und Dienstleistungen auseinandersetzen. „Millenials, Digital Natives oder wie auch immer man die Gruppe bezeichnen möchte, sind im Bewusstsein der tradierten deutschen Unternehmen oft noch nicht angekommen. Erst langsam wird realisiert, dass sich das Verhalten der Verbraucher in den nächsten Jahren grundlegend ändern wird. Noch heute haben viele Unternehmen nicht einmal E-Mail integriert, geschweige denn SMS oder Chat. Da ist dann Social Media noch ganz weit weg“, so Welter. Oft sei es aber auch weniger die mangelnde Einsicht, etwas tun zu müssen, als das einfache Problem, wie man es denn umsetzen könnte, die Grundlage für diese Müdigkeit. „Nur Technologie ist in diesen Fällen natürlich nicht die Antwort. Denn was nützt der schönste Agent-Desktop mit Chat und SMS, wenn der Agent nicht den richtigen Ton in Chat oder SMS trifft“, führt Welter gegenüber NeueNachricht aus.

Hier geht es zum kompletten Interview.

Mit bunten PowerPoint-Folien und neuen Buzzwords kommt die Kommunikation über das Internet Protokoll nicht in die Gänge

Experten wissen, dass die Übertragung von Sprache, Bild und Daten über das Internet Protokoll kein Kinderspiel ist. Mit reinen Modephrasen bewegt sich der Markt keinen Millimeter. Man benötigt Anbieter mit Sachverstand, fundiertem Praxiswissen und einer exzellenten Expertise in der Telekommunikation. VoIP stellt langjährig eingeübte Telefongewohnheiten in Frage. „Über den Computer zu telefonieren und mit dem Telefon im Web suchen, das muss ein Anwender erst einmal verdauen“, so Dr. Jörg Fischer, Autor des Buches „VoIP-Praxisleitfaden“ (Hanser Verlag). Ähnlich sieht es Andreas Latzel von Aastra-DeTeWe http://www.aastra-detewe.de in Berlin: „Wer die alte Welt der Telekommunikation nicht versteht, besitzt keine Kompetenz, um Firmen in die IP-Welt zu transformieren. Der Philosoph Odo Marquard hat die technische Herausforderung treffend formuliert: Zukunft braucht Herkunft. Deswegen scheitern VoIP-Strategien, die den dritten vor dem ersten Schritt machen, wie es in der Software-Branche zu beobachten ist“, erläutert Latzel.

Bei der Integration der Sprachkommunikation in die IT-Infrastruktur müsse man einige Dinge berücksichtigen, wie etwa die Echtzeitanforderung und hohe Verfügbarkeit. Die klassische Telefonie biete Leistungsmerkmale, an die sich die Anwender in vielen Jahren gewöhnt haben und so in der IT nicht vorkommen: Vermittlungsarbeitsplätze, verkettete Anrufweiterschaltung, Chefsekretärin-Funktion und ähnliches. Ob der Anwender die neuen Funktionen der Unified Communications nutzen könne und möchte, hänge von Firmenkultur, Branche und dem Arbeitsplatz ab, so die Erfahrungen von Latzel. Stark virtualisierte Unternehmen der Beratungsbranche, die mit wenigen festen Büroarbeitsplätzen und Desk Sharing auskommen, stehen eher klassisch arbeitenden Produktions- und Verwaltungsbetriebe gegenüber, wo das Telefon zum Telefonieren benutzt werde und es wenig bis gar nichts mit der IT zu tun habe.

Mehr zum Thema unter „Zukunft braucht Herkunft: Konvergenz von Informationstechnologie und Telekommunikation kein Kinderspiel“.

Auf dem Weg zur Easy Economy: „Arbeiten mit wem, wo und wann man will“ – IP-Kommunikation verändert die Unternehmensorganisation

DSC_0003Die starren Kommunikationsinfrastrukturen in den Unternehmen sollen von einer neuen Gerätegeneration abgelöst werden. Die Spezialprogrammierung der herkömmlichen ISDN-Anlage weicht der Standardprogrammierung einer IP- oder Hybrid-Lösung. Letztere haben nach Ansicht von Wirtschaftsexperten einen großen Vorteil: basierend auf LAN-Leitungen in Firmen können Telefone ebenso einfach wie schon Arbeitsplatzrechner oder Notebooks ans Firmennetz angeschlossen werden.

Eine Extraverkabelung für die Sprachtelefonie ist nicht mehr nötig. Die smarten Endgeräte passen sich auch leichter dem Nutzer und seinen Anforderungen an. Man müsse nicht mehr an seinem Arbeitsplatz im Büro sitzen, um alle technologischen Ressourcen abzurufen, so die Analyse des Berliner ITK-Spezialisten Aastra. Mit konvergenten Kommunikationstechnologien könne man die Arbeit überall erledigen. Das sei besonders für Berufsgruppen interessant, deren Tätigkeit wissensbasiert ist. Die beiden Säulen für flexibles Arbeiten: VoIP und Virtual Private Networks (VPNs). Letztere garantieren den sicheren Zugang zum Firmennetzwerk.

Hier die komplette Meldung.

Ich sitze im Büro, also arbeite ich: Warum die postindustrielle Gesellschaft die Arbeitsorganisiation auf den Kopf stellt

Kicker und Obst machen die 9to5-Büroarbeit auch nicht viel besser
Kicker und Obst machen die 9to5-Büroarbeit auch nicht viel besser

Büros mit Fußballkicker, Obstkörben und bunten Büromöbeln scheinen in Deutschland schon zu Avantgarde-Erscheinungen des modernen Arbeitslebens zu zählen. Für den Publizisten Markus Albers, Autor des Buches „Morgen komme ich später rein“, sind diese Anreize eher ein Feigenblatt, um Mitarbeiter auf Effizienz zu trimmen. An starren Arbeitszeiten und Organisationsmethoden hat sich wenig geändert. „Vorbild des in Deutschland heute am weitesten verbreiteten Bürokonzeptes, des Einzelbüros, sind die im 16. Jahrhundert in Florenz gebauten Uffizien, von denen sich das englische Wort für Büro ableitet: ‚office’“. Freie Arbeitsgestaltung ist weitgehend noch Fehlanzeige. Es gilt immer noch das Motto „Ich sitze im Büro, also arbeite ich“. Ob man die Wand anstarrt, in der Nase popelt, die Minuten bis zum Feierabend zählt oder Kollegen nervt, spielt keine Rolle. Die alten Strukturen der Industriegesellschaft funktionieren immer schlechter: Abgesessene Kernarbeitszeit und exzessive Überstunden würden zwar immer noch als Beweis für echtes Engagement gelten. In Wirklichkeit erleiden wir durch Langeweile und Ineffizienz am Arbeitsplatz enorme volkswirtschaftliche Verluste.

Arbeitswelt der postindustriellen Gesellschaft
Arbeitswelt der postindustriellen Gesellschaft
Dabei sind wir schon längst eine Wissens- und Dienstleistungsökonomie. Ein Großteil der Menschen arbeitet in Informations- und Serviceberufen. Galt bisher die Maxime „Arbeiten in einer festen Struktur, am fixen Ort und zur bestimmten Zeit, so erlauben neue Entwicklungen der IT- und TK-Branche das „Arbeiten mit wem, wo und wann man will“. Gesucht werden in der „Easy Economy“ nach Auffassung von Markus Albers vor allem Experten, die per Definition mobil und flexibel arbeiten.

Nach einer BITKOM-Umfrage arbeiten zwar derzeit nur zehn Prozent der Berufstätigen in Deutschland ganz oder zeitweise von zu Hause aus. Aber 62 Prozent wünschen sich regelmäßige Arbeit im Home-Office, 41 Prozent an einigen Tagen in der Woche und 21 Prozent sogar täglich. 28 Prozent der befragten Arbeitnehmer gehen am liebsten jeden Tag ins Büro. Der Wunsch nach einem Home-Office ist bei den 30- bis 49-Jährigen am stärksten ausgeprägt. Drei Viertel der Befragten in dieser Altersgruppe will regelmäßig zu Hause arbeiten oder tut dies bereits. Die technischen Voraussetzungen sind vorhanden. „Heute kann fast jeder Büroarbeitsplatz zu geringen Kosten an den heimischen Schreibtisch verlegt werden“, sagt BITKOM-Präsident Profesor August Wilhelm Scheer. Eine schnelle Internetverbindung ermögliche den Zugriff auf Anwendungen, Datenbanken und Kommunikationssysteme des Arbeitgebers.

„Gerade in größeren Unternehmen ist die technische Integration von Mitarbeitern außerhalb der Unternehmensstandorte bereits Standard. Das betrifft mobile Mitarbeiter, Home-Office-Arbeitsplätze wie auch sogenannte nomadisierende Mitarbeiter, die mobil oder von wechselnden Standorten arbeiten“, bestätigt Andreas Latzel, Deutschlandchef von Aastra. Die technische Integration erfolge dabei über Internet-Zugänge, die mittels eines so genannten Virtual Private Networks (VPN) für gesicherte Datenverbindungen zu den Unternehmensstandorten genutzt werden, und über SIP für IP-Telefone oder IP-Kommunikationsprogramme auf dem PC oder Notebook. „Diese SIP-Anbindung erlaubt dem Mitarbeiter die gleichen Funktionalitäten wie an jedem anderen Telefonendgerät im Unternehmen. Mobiltelefone werden dabei über das GSM-Netz und eine Mobile Extension Funktion integriert – sie funktionieren ebenfalls wie eine Nebenstelle im Unternehmen“, so Latzel. Die leicht in die ITK-Struktur des Unternehmens integrierbaren Unified Communications-Lösungen von Aastra kämen letztlich dem Mitarbeiter, dem Unternehmen und sogar der Umwelt zugute. Mit der Verbreitung dieser Technologien werde auch die allgemeine Akzeptanz von flexiblen und mobilen Arbeitsbedingungen steigen.

Die ökonomische Metamorphose zur „Easy Economy“ sei nicht mehr aufzuhalten, glaubt auch Markus Albers. Mit einer Schönwetter-Thematik habe das nichts zu tun. Es sei vielmehr ein Programm zur Beschleunigung von Innovationen und zur Optimierung von Prozessen. „Sie hilft Unternehmen, die klügsten Köpfe anzuziehen, die besten Produkte zu entwickeln und nebenbei noch Immobilienkosten zu sparen, weil Büros bis zu 50 Prozent kleiner sein können, wenn nicht mehr jeder jeden Tag 9to5 am Schreibtisch sitzt. Insofern ist der Schritt zur Easy Economy die beste Vorbereitung für wirtschaftlich schwierigere Zeiten“, prognostiziert Albers. Die Krise beschleunige überfällige Anpassungen der konventionellen Organisationsstrukturen erfolgen, die so zunehmend den Anforderungen einer postindustriellen Arbeitswelt.

Auch Wilhelm Bauer vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation geht nicht von einem kurzfristigen Trend aus. Es bewege sich alles in Richtung einer Easy Economy. Aktienmärkte seien volatil, aber technologischer, arbeitsorganisatorischer und gesellschaftlicher Wandel findet vor längeren Zeithorizonten statt und ist darum vergleichsweise stabil. Also: Aktuelle Wirtschaftkrise hin oder her – wir werden in Zukunft mit Hilfe moderner Technik arbeiten, wann und wo wir wollen.