Sei ein Multimedia-Storyteller #Netzpiloten #HOA

Hangout On Air-Equipment

Der (Online)-Journalist von heute, ist nach Ansicht des Netzpiloten Andreas Weck vor allem ein Multimedia-Storyteller:

„Er setzt sich gleichzeitig mit Video, Grafiken und Audio neben seinen Texten auseinander. Er wird mehr und mehr zum Programmierer, um die vielen verschiedenen Plattformen zu bedienen und eigene zu bilden. Er muss sich zum Zwecke der Selbstvermarktung gewisse Business- und Social-Media-Fähigkeiten aneignen. Und muss nicht zuletzt bereit sein, all diese Anforderungen und das gesammelte Know-how jederzeit wieder zu revidieren, um sein Wissen neu zu ordnen.“

Online würde die Nachrichtenwelt anders ticken als auf dem Blatt Papier.

„Tools, die heute als Standard gelten, sind morgen schon wieder veraltet. Disruption führt dazu, dass soziale Netzwerke sich gegenseitig die Klinke in die Hand geben. Während man gestern noch auf MySpace mit seinen Abonnenten Kontakt hielt, trifft man sich heute auf Facebook und Twitter. Morgen vielleicht schon nur noch auf Google+ oder App.net. Wer weiß das schon“, fragt sich Andreas Weck.

Der Online-Journalist sei heute nicht selten das, was sein Verlag noch vor wenigen Jahren war.

„Er ist Projektleiter, Redaktionsleiter, Vertriebschef, Prokurist, Marketer, Systemadministrator, Autor und Grafiker in einem. Es gibt also viel nachzuholen, für einige von uns.“

Sechs wichtige Fähigkeiten hat Andreas beschrieben, die man beherrschen müsse. Eine greife ich heraus, weil sie auch für meine Arbeit immer wichtiger wird. Andreas hat mich da ja dankenswerter Weise erwähnt 🙂

„Multimedia-Storytelling ist das Buzz-Wort unter den Digitalos der Journalisten. Es bedeutet, dass man sich nicht nur damit befasst, Wörter in die Tastatur zu tippen, sondern seine Geschichte neben der allseits bekannten Textform auch mit selbstproduzierten Grafiken sowie Video- oder Audio-Files anzureichern. Der European-Kolumnist und Netzpiloten-Autor Gunnar Sohn weiß um den Erfolg dieser neuen Anforderung und unterlegt seine Artikel nicht selten mit informativen Video- und Audio-Interviews. Gerade die Google-Hangout-Funktion bietet neue ungeahnte Möglichkeiten, die einem zudem auch autodidaktisch lernen lässt.“

Der Hinweis auf Hangouts (Video-Gespräche unter Ausschluss der Öffentlichkeit) und Hangouts On Air (also der Liveübertragungs-Modus) ist dabei besonders wichtig. Denn man kann das ja nicht nur für größere Talkrunden nutzen, sondern auch für Einzelinterviews, um Storys vorzubereiten oder für Einzelübertragungen im Vollbildmodus – etwa bei Konferenzen.

Bei meinem Gespräch mit Ralf Rottmann über seinen Seitenwechsel vom iPhone 5 zum Nexus 4 bekam ich ja nicht nur Stoff für die The European-Kolumne in der vergangenen Woche. Es schafft Aufmerksamkeit in unterschiedlichen Formaten, erhöht die Halbwertzeit eines Themas und kann von vielen anderen Publizisten aufgegriffen sowie in eigenen Postings eingebettet werden. Das „Verfallsdatum“ von Nachrichten wird verlängert, wie es Mercedes Bunz in ihrem lesenswerten Buch „Die stille Revolution“ ausgeführt hat (S. 121 ff). Nutzer der neuen, digitalen Angebote seien nicht länger besorgt, etwas zu verpassen. Bei den Hangouts On Air stehen die Videos nach der Liveübertragung sofort als Aufzeichnung zur Verfügung und es entstehen Netzwerkeffekte über die asynchrone Kommunikation. Auf diese Weise entsteht eine virale Logik, die Mercedes Bunz am Beispiels des Globalisierungsvideos „Did You Know?/Shift Happens“ (Filmmusik aus Braveheart) veranschaulicht.

Der Film entstand 2006 und wurde erst im Laufe der Zeit ein Erfolg, weil immer mehr Blogger das Video kommentierten und ein halbes Jahr nach der Entstehung auf Youtube veröffentlichten. Mittlerweile liegen die Zugriffszahlen bei über 5,6 Millionen.

„Damit ist das Video zu einem viralen Erfolg geworden, mit der britischen Psychologin Susan Blackmore kann man sogar sagen, es wird zu einem ‚Meme‘. Es wird also nicht einfach nur wiedergegeben, sondern ist zum Vorbild und Muster geworden, das in verschiedenen Fassungen verbreitet wird“, schreibt Bunz.

Um das zu erreichen, müsse man den Informationsstrom „massieren“. Bunz erwähnt die Regel der drei „C“ – Content, Catching und Capacity.

„Mit dem Titel ‚Hast Du gewusst?‘ spricht er sein Publikum direkt an, sein Inhalt (Content) verspricht also einen persönlichen Nutzen. Schon gleich zu Beginn bindet er die Aufmerksamkeit des Zuschauers (Catching), indem er nach wenigen Sekunden mit der sexuellen Anspielung ‚Größe ist manchmal doch entscheidend‘ aufwartet“, erläutert Bunz.

Zudem vertiefen die Video- und Audio-Interviews die eigene Story und machen das Ganze verständlicher.

Weitere Ideen wurden übrigens in dem sehr interessanten Hangout On Air-Talk des Pearson-Verlages zusammengetragen:

Sehr hilfreich sind auch die Tipps des Hangout On Air-Kenners Hannes Schleeh.

Mit ihm zusammen organisiere und moderiere ich ja auch das Blogger Camp.

Am Mittwoch, den 30. Januar sind wir wieder auf Sendung. Man sieht und hört sich 🙂

Online-Journalismus: Zu zahlenhörig, zu platte Debatten, zu spießig und kaum Partizipation #djv_bo

Der knapp halbstündige Eröffnungsvortrag von Stefan Plöchinger von sueddeutsche.de wurde von Moderator Peter Jebsen als einer der Höhepunkte auf dem gestrigen Besser Online-Kongress im Bonner Post Tower angekündigt. Und ich muss ihm zustimmen. Plöchinger selbst hat das selbst sehr pointiert in einem Tweet ausgedrückt:

In der verschrifteten Version im Blog von Plöchinger nachzulesen.

Oder auch als Audioversion von meiner Wenigkeit aufgezeichnet:

„Peinlich“: Mit diesem Wort hat Plöchinger in seiner Rede skizziert, dass die Journalisten in Deutschland in Summe noch viel zu wenig aus dem Medium namens Online machen. Es gehe daher um Antworten auf die Frage, wie Journalisten ihr Verständnis von Online ändern sollten, um besser zu werden, und was wir Onliner ändern können, um online besser zu machen.

Etwa bei der Einbindung von sozialen Netzwerken in die tägliche Recherchearbeit. Das findet nach meiner Meinung noch sehr verschämt oder zufällig statt.

So beschäftigte sich die Panelrunde über Social Media Newsdesk (ein Begriff, mit denen die Experten auf dem Podium wenig anfangen konnten) auffällig lange mit dem Pöbelniveau der Leserkommentare und dem zeitlichen Aufwand zur Kontrolle von Einträgen, die nicht das Licht der Netz-Öffentlichkeit erreichen dürfen wegen fragwürdiger Inhalte. Plöchinger verwies auf eine Analyse von der Zeit Online-Redaktion, die untersucht hätte, welcher User-Arten es gebe.

Darunter seien beispielsweise der „Pöbler“, der „Besserwisser“ und der „Möchtegern“. Andreas Hummelmeier von tagesschau.de ergänzte das noch mit dem „Ideologen“, der sich vielleicht noch an einem zweiten Gegen-Ideologen abarbeitet, und dem Egomanen, der sich über die Zahl der Kommentare definiert.

Man müsse User-Beiträge auch rausschmeißen, so Plöchinger. Wenn die Qualität von Debatten zu schlecht sei, schreckt das andere Nutzer ab. Ob man das nun reduziert über automatische Scheiße-Filter oder über Social Media-Redakteure händisch eingreift, ist mir eigentlich wurscht. Vielleicht ist das Pöbelniveau auch so hoch, weil sich hier wirkliche Dialoge gar nicht abspielen, sondern Leser auf die Einwegkommunikation der Massenmedien nur reagieren. Früher per Brief und heute halt in digitaler Form.

Wichtig seien halt Strategien zur Integration von Social Media, sagte der Berater Christoph Salzig. Vielleicht sogar neue Formate zur Einbindung der Netzöffentlichkeit. Etwa über Google Plus-Sessions via Hangout Broadcasting. Damit experimentiere beispielsweise das Aktuelle Sportstudio nach der Sendung unter Beteiligung von einigen Fußball-Bloggern. Salzig selber war gestern Abend auch mit der von der Partie.

Entsprechend niveauvoll lief der Dialog auch mit der ZDF-Sportredaktion ab. Das ist eben ein gelungenes Bespiel für einen aktiven Dialog mit dem Publikum – die Leserkommentare sind ausschließlich reaktiv. Von den Möglichkeiten des Dialogs via Hangout mit Livestream und Aufzeichnung via Youtube ist nicht nur Christoph Salzig begeistert.

Nach einigen Experimenten hat sich das bloggende Quartett entschlossen, am 28. September das Blogger Camp komplett virtuell über Hangout ablaufen zu lassen und auf eine Präsenzveranstaltung zu verzichten. Warum also immer auf die klassischen Formate mit Frontalunterricht setzen, wenn es im Netz viel bessere Möglichkeiten gibt, ein breiteres Publikum zu erreichen. Wie sich das auf den Programmablauf des Blogger Camps auswirken wird, schildere ich in den nächsten Tagen.

Die berühmte Quellenangabe Youtube oder Internet in der Tagesschau für Videos, die man aus dem Netz fischt, verteidigte Hummelmeier. Bei einem achtsekündigen Videoausschnitt könne man die Quelle nicht im Detail nennen. Eine Anregung aus dem Auditorium fand er aber nicht verkehrt: So könnte Tagesschau.de die verwendeten Videos in einer Trackliste veröffentlichen, wenn die Beiträge indizierbar sind. Hier die Audioaufzeichnung der Runde:

Gutes Zahlenmaterial lieferte das Panel „Neue Studien zum Online-/Crossmedia-Journalismus. Etwa die Langzeitstudie der FU-Berlin zum Online-Medienkonsum, vorgestellt von Professor Martin Emmer.

Professor Martin Welker stellte empirische Befunde zum partizipativen Journalismus vor und hätte auch gut in die Social Media-Newsdesk-Runde gepasst.

Welker subsummierte die Funktion des „Laien“ (der manchmal mehr weiß als Redakteure) bei der Recherchebeteiligung als Quelle, Ideengeber, Ideenbewertet, Faktenprüfer, Vor-Ort-Reporter, Quellensucher und Interviewer. Wer das aktiv fördert, bekommt auch weniger Pöbeleien serviert.

Entsprechend müsse sich wohl auch das Selbstverständnis der Journalisten ändern, so Dr. Wiebke Loosen vom Hans-Bredow-Institut.

Alle drei Vorträge kann man sich hier anhören:

Mein Gesamturteil über den diesjährigen Besser Online-Kongress. Wenig Höhepunkte, einige sehr langatmige Diskussionen, wenig kompakte Wissensvermittlung für die Praxis, zu lange Panel-Einheiten (würde ich von 90 auf 60 Minuten reduzieren). Oder wie es Christoph Salzig auf den Punkt brachte:

Konsequenterweise habe ich das Abschluss-Panel zugunsten der Sportschau geschwänzt: Es ging um das digitale Urheberrecht. Das kann ich als Podiums-Gelaber nicht mehr ertragen.

Da in drei Blöcken jeweils fünf Panel auf dem Besser Online-Kongress stattfanden, kann ich natürlich nur meine subjektive Sicht wiedergeben. Einen guten Überblick der restlichen Panels findet man hier. Jeder Teilnehmer hat also wohl ein anderes Besser Online-Erlebnis.

Tipp an das Besser Online-Team: Im nächsten Jahr sollte Ihr das Ganze mit dynamischen URLs publizieren, damit man auf einzelne Beiträge verlinken kann.