
„Der CEO von Siemens, Roland Busch, hielt während der CES-Keynote eine beeindruckende Rede. Er präsentierte das Konzept des ‚Industrial Metaverse‘, das auch aus Deutschland kommen soll und verschiedene Anwendungsbereiche bietet. Das Industrial Metaverse ist eine Weiterentwicklung des digitalen Zwillings, der die analoge und digitale Welt miteinander verbindet“, schreibt Sascha Pallenberg in seinem Newsletter mit einer sehr spannenden Rückschau auf die CES in Las Vegas.
Tenor des Auftritts von Siemens:
Technologie hat das Potenzial, unser Leben in vielerlei Hinsicht zu verbessern. Sie kann uns unterhalten, heilen, verbinden und schützen. Technologie verändert die Art und Weise, wie wir die Welt sehen, miteinander interagieren und die Zukunft gestalten. Mit Technologie können wir die größten Herausforderungen unserer Zeit bewältigen, wie zum Beispiel die Sicherung der Nahrungsmittelversorgung, den Zugang zur medizinischen Versorgung, die Nachhaltigkeit und den Umweltschutz.
Die CES 2024 ist eine Feier all dessen, was die Technologie der Menschheit zu bieten hat. Es herrscht eine positive Energie und wir bewegen uns mit Hoffnung und Zuversicht vorwärts. Gemeinsam arbeiten wir daran, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.
Das industrielle Metaverse ist eine virtuelle Welt, die die reale und die digitale Welt miteinander verbindet. Es ermöglicht uns, das Tempo des Fortschritts zu beschleunigen und dringende Probleme anzugehen. Mit dem industriellen Metaverse können wir Innovationen vorantreiben, Nachhaltigkeit fördern und den Zugang zu neuer Technologie erleichtern. Es ist ein Ort, an dem die reale und die digitale Welt kombiniert werden, um industrielle Innovationen zu schaffen.
Der digitale Zwilling ist ein zentraler Bestandteil des industriellen Metaversums. Er ist keine einfache 3D-Darstellung, sondern eine physikalisch basierte Simulation. Mit dem digitalen Zwilling können wir komplexe Systeme wie Flugzeuge, Stromnetze und Fabriken simulieren und optimieren. Dadurch können wir Probleme frühzeitig erkennen und Lösungen entwickeln, bevor ein physisches Produkt hergestellt wird.
Die softwaredefinierte Automatisierung ist ein weiterer wichtiger Baustein des industriellen Metaversums. Sie ermöglicht es uns, Fabriken effizienter und nachhaltiger zu machen. Durch den Einsatz von softwaredefinierten Automatisierungssystemen können wir Produktionsprozesse optimieren und Energie sparen.
Daten und KI sind entscheidend für das industrielle Metaverse. In hochautomatisierten Fabriken werden enorme Datenmengen generiert. Diese Daten werden mit Hilfe von Edge-Geräten und KI analysiert, um wichtige Muster zu erkennen und verwertbare Erkenntnisse zu gewinnen. Dadurch können wir Prozesse optimieren und in Echtzeit auf Veränderungen reagieren.
Die Integration von generativer KI in Low-Code-Entwicklungsplattformen wie Mendix ermöglicht es jedem, KI-Funktionalitäten in seine Anwendungen einzubinden. Dadurch können auch Nicht-Programmierer von den Vorteilen der KI profitieren und intelligente Anwendungen entwickeln.
Das industrielle Metaverse bietet uns die Möglichkeit, die reale Welt zu verbessern und Probleme anzugehen. Es ermöglicht uns, Innovationen zu beschleunigen, Nachhaltigkeit zu fördern und den Zugang zu neuer Technologie zu erleichtern. Das industrielle Metaverse ist eine aufregende Entwicklung, die uns helfen wird, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.
So kann es in diesem Jahr weitergehen.
Meine Bewertung. Über die industriellen Anwendungen wird es den entscheidenden Schub für das Metaverse geben. Das thematisierten wir schon auf der Zukunft Personal im Jahr 2022 im Interview mit Markus Herkersdorf von der Firma TriCAT. Unser Thema: Das Metaverse – ein Balanceakt zwischen Hype und Realität im Unternehmensumfeld.
Wie viel Hype steckt im Metaverse? Wie viel Realität lässt sich bereits erkennen? Facebooks Umbenennung in Meta, um ein Metaverse zu erschaffen, ist allgemein bekannt. Doch die Realität zeigt, dass auf operativer Ebene bereits viele Elemente existieren, die dem Konzept des Metaversums entsprechen.
Viele ziehen Parallelen zu Second Life, einem Projekt, das letztendlich scheiterte. Herkersdorf sieht jedoch die Möglichkeit, eine neue Qualitätsebene in aktuellen Formaten zu erreichen. Die Pandemie hat gezeigt, dass viele Dinge über Zoom, WebEx oder andere Tools laufen können. Doch es muss mehr kommen.
Herkersdorf stellt eine provokante These auf: Mit Ausnahme von Montage und Fertigung könnte jeder Bereich potenziell virtualisiert werden. Und er wird es auch, aus Gründen wie Zugänglichkeit, Skalierbarkeit, Kosten, Ressourcenschutz, Umweltschutz, Work-Life-Balance und New Work. Die externen Treiber sind so stark, dass es nur eine Frage der Zeit ist. Auch Hybridarbeit wird stark mit virtuell immersiven Umgebungen zu tun haben.
Im industriellen Umfeld sehen wir digitale Zwillinge, mit denen gearbeitet wird. Selbst die Meisterausbildung kann virtuell ablaufen. Ein Projekt des Fraunhofer IAO in Stuttgart zeigt, dass dies auch das industrielle Umfeld erfasst.
TriCAT hat Lösungen entwickelt, die Schulungen für Unternehmen weltweit virtualisieren. Physische Anlagen, die irgendwo auf der Welt stehen, werden in Echtzeit mit digitalen Zwillingen in einer virtuellen Umgebung verknüpft. Die Manipulation im digitalen Zwilling wird auf die echte Anlage übertragen, dort sieht man die Effekte. Dies könnte die Zukunft sein.
Die Kombination von Airbus-Wartung und Protokollierung bei technischen Überprüfungen ist ein weiteres Beispiel. Dies könnte eine enorme Kostenersparnis bedeuten. In einem Forschungsprojekt im Bereich Biotech-Reaktoren wird die Ausbildung entlang des regulatorischen Prozesses an der Anlage VR-brillenbasiert durchgeführt.
Die Automatisierung durch digitale Technologien ist wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, mit dem demografischen Wandel fertig zu werden. Selbst Robotik, KI und Einwanderung werden nicht ausreichen.
In wenigen Jahren werden wir in einer Welt leben, in der viel durch KI unterstützt wird. Entscheidungsfindung, Automatisierung – der Mensch wird nur noch orchestrieren. Um in dieser Welt als aktive Akteure bestehen zu können, müssen wir viel tun, insbesondere im Bereich der Kompetenzen.
Wir müssen uns von wissenszentriertem Lernen in Schule, Hochschule und teilweise im Betrieb verabschieden und hin zu Umgebungen, in denen von Anfang an am Arbeitsplatz gehandelt werden muss. Virtuelle Umgebungen, in denen Kompetenzen am Arbeitsplatz im Arbeitsumfeld erlernt werden.
Dazu passt auch das Gespräch mit Marius Grathwohl vom Maschinenbau-Unternehmen Multivac zu den Industrie 4.0-Entwicklungsmöglichkeiten.
Die Industrie 4.0-Initiative, die ursprünglich als Wachrüttler für die deutsche Industrie gedacht war, hat laut Grathwohl zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit Digitalisierung geführt. Er sieht in der Digitalisierung eine große Chance für deutsche Unternehmen, ihre Geschäftsmodelle neu zu erfinden und weiterzuentwickeln. Dabei betont er die Notwendigkeit einer langfristigen Vision und einer schrittweisen Umsetzung von Innovationen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die internationale Wahrnehmung der deutschen Industrie. Während Länder wie China und die USA in bestimmten Bereichen der Digitalisierung führend erscheinen, verfügt Deutschland über ausgeprägte Stärken, beispielsweise in der Mensch-Maschine-Kommunikation und in der Entwicklung von Industriestandards. Grathwohl mahnt zu mehr Selbstbewusstsein und Eigeninitiative in derdeutschen Industrie und plädiert für die Entwicklung einer eigenständigen Agenda, die sich nicht nur an internationalen Vorbildern orientiert, sondern eigene Stärken und Potenziale in den Vordergrund stellt.
Ein zentrales Thema in der Diskussion ist die Kreislaufwirtschaft und das damit verbundene Konzept des digitalen Produkt-passes. Hier sieht Grathwohl erhebliche Chancen für den deutschen Maschinenbau, als Treiber und Gestalter von Nachhaltigkeitsinitiativen zu agieren. Die Fähigkeit, effizient und ressourcenschonend zu produzieren, ist ein klarer Wettbewerbsvorteil, den deutsche Unternehmen nutzen können.
Trotz der Herausforderungen, die Industrie 4.0 mit sich bringt, sind die Chancen und Potenziale enorm. Grathwohl betont die Bedeutung von Kooperationen und Ökosystemen, in denen Unternehmen nicht mehr isoliert agieren, sondern als Teil eines größeren Netzwerks. Die Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg wird immer wichtiger, um komplexe Herausforderungen zu meistern und innovative Lösungen zu entwickeln.
Die Zukunft der Industrie 4.0 in Deutschland hängt maßgeblich davon ab, wie Unternehmen und Politik die Weichen stellen. Die aktuelle Energiekrise kann als Katalysator dienen, um die Digitalisierung in den Bereichen Energiemanagement und Smart Grid voranzutreiben. Grathwohl ist überzeugt, dass Deutschland die Fähigkeit besitzt, auf globaler Ebene eine führende Rolle in der Digitalisierung der Industrie einzunehmen, sofern die vorhandenen Stärken gezielt genutzt und weiterentwickelt werden.
Insgesamt zeigt das Gespräch mit Marius Grathwohl, dass Industrie 4.0 weit mehr ist als nur ein Schlagwort oder eine technologische Spielerei. Es handelt sich um einen tiefgreifenden Transformationsprozess, der die Art und Weise, wie Unternehmen produzieren, kommunizieren und interagieren, grundlegend verändert. Der Weg dorthin mag steinig und mit Herausforderungen gespickt sein, doch die Chancen für Innovation, Effizienz und Nachhaltigkeit sind unübersehbar. Es liegt an den Akteuren in Wirtschaft und Politik, diese Chancen zu ergreifen und die Zukunft der deutschen Industrie aktiv zu gestalten.













