Discounter tragen Mehrweg zu Grabe: Politik gibt freies Geleit – Geheimniskrämerei um Dosenpfandgewinne

Hier nun die komplette Dosenpfandstory:

Bundesumweltministerium, Wirtschaftslobbyisten und selbst Umweltaktivisten bestreiten hartnäckig die negativen Folgen des falsch konstruierten Dosenpfandes auf die Mehrwegentwicklung – obwohl die Warnschüsse mittlerweile zu Salven werden: „Es ist klar, dass viele Wirtschaftsvertreter keinerlei Daten veröffentlichen. Sie würden sonst eine ihrer schönsten und geheimsten Einnahmequellen offenbaren. Es ist leider so, dass die Interessenlagen von Industrie und Umweltministerium so weit auseinanderliegen, dass sie sich schon wieder decken. Die geheimen Kassen des Handels durch den Pfandschlupf und die damit verbundene Geheimniskrämerei deckt sich mit dem Wunsch des Bundesumweltministerium, ja keine negativen Zahlen in die Öffentlichkeit zu bringen“, weiß der Abfallexperte Sascha Schuh, Chef des Bonner Beratungshauses Ascon http://www.ascon-net.de. Seine Firma habe deshalb Abfallanalysen durchführen lassen. „Beprobt wurden PET-Mischballen aus dem Dualen System von verschiedenen Sortieranlagen. Pro Ballen haben wir im Durchschnitt 1803 Pfandflaschen feststellen können. Davon waren 724 Mehrwegflaschen zu 0,15 Euro und 1079 Einwegflaschen zu 0,25 Euro. Rechnet man das auf eine Ladung von 54 Ballen hoch, dann ergibt sich daraus ein Pfandwert von rund 22.000 Euro pro Ladung. Mehr als das Zwanzigfache des Materialwertes“, so Schuh gegenüber NeueNachricht.

Auch ein Branchen-Insider bestätigt, dass die Discounter satte Dosenpfand-Gewinne einstreichen: „Die Discounter drücken die Preise für Mineralwasser immer weiter nach unten. Dahinter steht ein brutaler Verdrängungswettbewerb, der die kleineren Getränkefachmärkte zwingt, aufzugeben. Ist diese Konkurrenz erst einmal ausgeschaltet, können Lidl, Aldi & Co. die Preise diktieren. Dann wird der Verbraucher die Zeche zahlen. Der Kampf um den Getränkemarkt wird sich beim Geschäft mit Bier entscheiden. Wird diese letzte Bastion der kleinen Fachmärkte geschleift, ist die Aldisierung des Getränkehandels nicht mehr aufzuhalten“. Die Einführung des Dosenpfands durch die Verpackungsverordnung bedrohe mehr als 30.000 Arbeitsplätze. „Auf ein Konjunkturprogramm wie bei der Autoindustrie werden wir allerdings vergeblich hoffen. Entsprechende Maßnahmen zur Förderung von ökologische vorteilhaften Getränkeverpackungen würden nicht nur Arbeitsplätze sichern, sondern auch die Umwelt entlasten. Und es würde den Steuerzahler nicht einen Euro kosten. Dazu muss man nur die handwerklichen Fehler der Verpackungsverordnung beheben“, fordert der Handelsexperte, der namentlich nicht genannt werden will.

Die novellierte Verpackungsverordnung habe den Discountern jährliche Subventionen von mindestens 400 Millionen Euro beschert. Dieses Geld werde nicht nur eingesetzt, um die eigene Branche zu stützen, sondern um die benachteiligte Konkurrenz der Getränkefachmärkte auszuschalten. Es sei höchste Zeit, diesen politisch veranlassten Unfug zu beenden und die krasse Wettbewerbsverzerrung zu beseitigen. Ähnlich kritisch äußert sich Trinkgut-Chef Torsten Toeller http://www.trinkgut.de im Interview mit der Lebensmittel Zeitung http://www.lz-net.de. Die Geschwindigkeit von Geschäftsaufgaben im Getränkefachmarktbereich habe drastisch zugenommen. Allein in diesem Jahr liege die Zahl der Schließungen bei etwa 500. Als Hauptursache benennt Toeller die völlig misslungene Einwegpfand-Regelung: „Stümperhaft hat der Gesetzgeber versucht, die Mehrwegquote zu stabilisieren und über 70 Prozent zu heben. Trotz Milliardeninvestitionen ist die Mehrwegquote bei alkoholfreien Getränken innerhalb weniger Jahre auf unter 30 Prozent gesunken. Einwegpfand nebst Pfandschlupf und PET-Verwertungserlösen haben dazu geführt, dass die Getränke durch fremde Kalkulationsbestandteile unter Einkaufspreis angeboten werden können. Dieser Trend zu ‚billig’ verschaffte den Discountern enorme Zuwächse zulasten des Fachhandels“, moniert Toeller.

Der Getränkegroßhandel müsse kräftig Federn lassen. „Er verliert in der Gastronomie, durch die Einwegorientierung bei alkoholfreien Getränken und jetzt auch bei Bier. Und er verliert durch die Konzentration im Einzelhandel. Hinzu kommt noch der Druck durch politische Regulierungsinstrumente wie Nichtraucherschutz oder Werbeverbote. Und die Sandwich-Position, ein altes Problem der Großhandelsstufe, entwickelt sich immer mehr zum Gattungsproblem“, so Toeller. Auch die Großbrauereien mit ihrer derzeitigen Pfandkasten- und Flaschenvielfalt würden den Prozess beschleunigen. Das Mehrwegsystem werde auf Kosten der Getränkefachgroßhändler verkompliziert und verteuert. „Damit machen wir selbst das Chaos nach den politischen Fehleinscheidungen rund um den Einwegpfand perfekt. Ich nehme da eine gewisse Rücksichtslosigkeit war, die Logistikkosten der Zwischenstufe aufzubürden und zwar stärker denn je. Das trifft auch uns bei trinkgut“, beklagt sich Toeller.

Mehrweg geht den Bach runter – Umweltverbände und Politik stellen die Ursachen in Abrede

Das Bundesumweltministerium und auch Umweltverbände bestreiten immer noch die negativen Folgen des falsch konstruierten Dosenpfandes auf die Mehrwegentwicklung. Dabei häufen sich die Warnzeichen. So bestätigte mir ein Insider des Handels, dass die Discounter satte Gewinne machen mit Einwegpfandflaschen, die nicht in den Laden zurückgebracht werden:

O-Ton: „Die Discounter drücken die Preise für Mineralwasser immer weiter nach unten. Dahinter steht ein brutaler Verdrängungswettbewerb, der die kleineren Getränkefachmärkte zwingt, aufzugeben. Ist diese Konkurrenz erst einmal ausgeschaltet, können Lidl, Aldi & Co. die Preise diktieren. Dann wird der Verbraucher die Zeche zahlen. Der Kampf um den Getränkemarkt wird sich beim Geschäft mit Bier entscheiden. Wird diese letzte Bastion der kleinen Fachmärkte geschleift, ist die Aldisierung des Getränkehandels nicht mehr aufzuhalten. Die Einführung des Dosenpfands durch die Verpackungsverordnung bedroht mehr als 30.000 Arbeitsplätze. Auf ein Konjunkturprogramm wie bei der Autoindustrie werden wir allerdings vergeblich hoffen. Ein Konjunkturprogramm zur Förderung von Mehrweg würde nicht nur Arbeitsplätze sichern, sondern auch die Umwelt entlasten. Und es würde den Steuerzahler nicht einen Euro kosten. Dazu muss man nur die handwerklichen Fehler der Verpackungsverordnung beheben. Die novellierte Verpackungsverordnung hat den Discountern jährliche Subventionen von mindestens 400 Millionen Euro beschert. Dieses Geld wird nicht nur eingesetzt, um die eigene Branche zu stützen, sondern um die benachteiligte Konkurrenz der Getränkefachmärkte auszuschalten. Es ist höchste Zeit diesen politisch veranlassten Unfug zu beenden und die krasse Wettbewerbsverzerrung zu beseitigen“, so der Brancheninsider.

Liebe Deutsche Umwelthilfe, warum wird dieser Effekt noch immer in Abrede gestellt? Wie kommt der krasse Preisunterschied zustande? Umgerechnet auf den Literpreis kostet Mineralwasser beim Discounter 13 Cent und im normalen Einzel- oder Getränkehandel 50 Cent. Die rund 220 mittelständisch geprägten Mineralbrunnenbetriebe seien unter diesen Bedingungen nicht mehr konkurrenzfähig. Bei Aldi & Co. sind es nur noch fünf national operierende Lieferanten, die zum Zuge kommen. Nur diese Firmen beherrschen den Einwegmarkt. Die Politik muss schnell etwas tun, wenn sie den Mehrwegmarkt noch erhalten will. Das Pflichtpfand für Einweggetränke in der heutigen Ausgestaltung reicht nicht aus und sollte um eine Abgabenlösung ergänzt werden.

Elektronische Nasen erschnüffeln Krankheiten, Plagiate, Parodontose und Sprengstoff – Mikrosensoren als Alleskönner

Elektronische Nasen“ halten Einzug in das Geschäfts- und Wirtschaftsleben. Die Lebensmittelbranche ist nach einem Bericht des Bonner Fachdienstes Zukunftsletter http://www.zukunftsletter.de ebenso brennend an Geruchsgeräten interessiert wie die pharmazeutische Industrie einschließlich der Kosmetikfirmen, der Automobilhersteller, der Bauindustrie und des Umweltschutzes. Die Einsatzmöglichkeiten reichen vom Schnüffeln nach verstecktem Sprengstoff bis zur Kasse im Supermarkt. Sensoren, die auf Gase in der Luft chemisch reagieren und die Reaktion elektrisch weiterleiten, sind seit den 90er Jahren auf dem Markt und im industriellen Einsatz.

„Jetzt aber werden die E-Nasen immer billiger und für jeden Kühlschrank verfügbar. 2020 könnten die Preise für durchaus anspruchsvoll arbeitende Geruchs-Sensoren bei unter einem US-Dollar liegen. Der Grund dafür liegt in der Weiterentwicklung von Drucktechnologien. Als Basis für die Geruchssensoren dienen elektrisch leitfähige Polymere. Sie lassen sich durch neue Technologien schneller, einfacher und billiger auftragen – vor allem auf einem Chip. Ein spezieller Mikrochip wird uns beispielsweise schon morgens beim Zähneputzen sagen, ob wir von Parodontose, Mundfäule oder einer Zahnfleischinfektion befallen sind“, so Zukunftsletter-Chefredakteur Matthias Horx.

Möglich wird das durch die „Karlsruher Mikronase” von Joachim Goschnick vom Forschungszentrum  Karlsruhe (FZK) http://www.fzk.de: ein Chip so groß wie eine Cent-Münze mit 38 graduell unterschiedlichen Gas-Sensor-Segmenten. Für eine interessante Anwendung hat sich der amerikanische Kassen-Hersteller NCR ein Patent gesichert. Das Unternehmen will E-Nasen in Supermarktkassen  einbauen. Produkte, die nicht verpackt und mit Preisen ausgezeichnet sind, also beispielsweise Früchte und Gemüse, werden kurz in eine Kammer gelegt. Dort werden sie nicht nur gewogen, sondern eine  elektronische Nase erschnüffelt auch ihre Identität. Ein Computer zeigt anschließend den Preis an und  verbucht die Ware.

Als erster Automobilhersteller überprüft Ford die Ausdünstungen der Innenraum-Materialien mithilfe einer elektronischen Nase und setzt sie auch für die Routinekontrolle im  Produktionsprozess ein. Eingearbeitete Mikrokapseln melden über Duftsignale die Abnutzung von Maschinenteilen. So müssen Produktionsmaschinen nicht mehr regelmäßig angehalten werden, um deren Abrieb zu  kontrollieren. Solche „intelligenten“ Sensor-Schichten können auf Scharniere, Lager, Kugellager oder  Motorenteile aufgetragen werden. CDs und Designermode werden bald mit Duftstoffen besprüht, die sie von Piratenware unterscheiden. Die Bundesdruckerei in Berlin hat eine „elektronische Nase“ vorgestellt,  mit deren Hilfe Originale von Fälschungen unterschieden werden können. „Die verfeinerten E-Nasen sind mittlerweile sogar in der Lage, unterirdische Stoffe zu erschnüffeln: Landminen oder versteckte Kampfstoffe, aber auch versickertes Altöl oder andere Verunreinigungen“, weiß Trendforscher Horx. Im Krankenhaus sollen E-Nasen in Zukunft „Superbugs“ erspüren, also lebensgefährliche  Infektionen mit resistenten Bakterien wie etwa Staphylokokken. Der Geruchstest soll helfen, eine  drohende Infektionswelle schneller einzudämmen, denn die Geruchsanalyse dauert nun nicht mehr Tage,  sondern nur eine Viertelstunde.

E-Nasen könnten in Zukunft auch als Schlüsselkomponente eines  telemedizinischen Systems dienen. Via Computer und Datenleitung könnten nicht nur Töne und Bilder,  sondern auch Gerüche von einem Krankenhaus zum anderen zu übertragen werden. Die E-Nase erschnüffelt außerdem bösartige Veränderungen der Haut. Wenn die Tumore sehr früh erkannt werden,  bestehen meist gute Heilungschancen. Die Diagnose wird heute durch eine Untersuchung von  entnommenem Gewebe gestellt. Das könnte sich künftig ändern, denn Wissenschaftler haben ein  Verfahren entwickelt, um Basaliome anhand ihres charakteristischen Geruchs aufzuspüren. „Verfeinerte Sensortechnik und neue Messprinzipien sind nicht der einzige Grund für die großen Fortschritte beim apparativen Schnüffeln. Wesentlichen Anteil hat die Computertechnologie. Sie wird in den nächsten 10 bis 15 Jahren einen Riesenschub bei der E-Technologie auslösen“, so der Ausblick von Horx. 

Rekordumsätze im E-Commerce – Mittelständische Unternehmen schöpfen Potentiale im Internet nicht aus

In die Stadt zum Shoppen gehen oder doch lieber bequem online bestellen? Eine aktuelle Studie des deutschen Versandhandels http://www.versandhandel.org (bvh) belegt: 31,44 Millionen Online-Käufer bewirkten, dass in 2008 erstmals mehr als 50 Prozent aller Warenbestellungen online eingingen. Dabei gaben die Deutschen für Waren und Dienstleistungen im Internet rund 19,3 Milliarden Euro aus. „Der E-Commerce ist – mit einer Steigerung von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr -, als Wirtschaftsform auf dem Vormarsch. Besonders die ‚digital natives’ verhalten sich ökonomisch: Es ist Ihnen ins Blut übergegangen, etwa CD-Bestellungen schnell per Internet zu erledigen“, so Andreas Rebetzky, Director Global Information Technology beim Technologiehersteller Bizerba http://www.bizerba.de. Bewegte Bilder und Internet-Fernsehen stellen dabei Produkte auf ganz neue Art und Weise dar, sagt Thomas Lipke, Vorsitzender des Ausschusses E-Commerce im bvh: „Social-Commerce wird immer wichtiger, denn die Menschen möchten durch Empfehlungen oder Kommentare die Meinungen anderer Käufer in ihre Kaufentscheidung einbeziehen können“.

Doch fest steht: Die Branche lebt wie kaum eine andere vom Vertrauen ihrer Nutzer. Zwar hat sich auch bei der älteren Generation der „digital immigrants“ das Online-Banking mittlerweile verbreitet, „also die Transaktion mit Daten, die wir gemeinhin der Privatsphäre zuordnen“, sagt Rebetzky gegenüber NeueNachricht . Doch das Vertrauen der Online-Gemeinschaft in den Datenschutz erlebt nach wie vor Rückschläge. Der Plan von Union und SPD, dem Bundeskriminalamt bei Online-Durchsuchung von Computern mehr Freiraum einzuräumen, verunsichert die Nutzer und ruft die IT-Wirtschaft auf die Barrikaden. „Die Politik muss dafür sorgen, dass bei der Kriminalitätsbekämpfung das Vertrauen unbescholtener IT-Nutzer in ihrer Privatsphäre nicht leidet“, so BITKOM-Präsident August-Wilhelm Scheer im Gespräch mit dem Handelsblatt http://www.handelsblatt.com. Aber nicht nur die Benutzer kämpfen mit ihrem Vertrauen, auch viele Unternehmen plagen sich mit offenen Fragen. Zwar verkauft mittlerweile jedes zweite mittelständische Unternehmen online, so eine neue Studie des Netzwerks Elektronischer Geschäftsverkehr (NEG) http://www.ec-net.de. Doch trotzdem schöpfen die meisten die Potenziale vieler Internetoptionen nur ansatzweise aus. Der Grund: Kleine und mittlere Unternehmen geben zum Thema E-Business erheblichen Informationsbedarf an. Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern nannten dabei vor allem Online-Recht sowie Netz- und Informationssicherheit als bedeutendste Themen.

 

Abfallexperte: „Umweltministerium trinkt sich die Mehrwegzahlen schön“

Das 2003 eingeführte Pfand auf Einweg-Getränkeverpackungen wie Dosen und Plastikflaschen hat nach Auffassung des Bundesumweltministeriums zu einem starken Anstieg des Mehrweganteils bei Bier geführt. „2006 betrug er 87 Prozent, vor Einführung des Dosenpfandes im Jahr 2003 lag er noch bei 68 Prozent. Insgesamt erreichte der Anteil der Mehrwegverpackungen und ökologisch vorteilhafter Einwegverpackungen im Jahr 2006 knapp 60 Prozent und lag damit oberhalb der Daten vor Einführung des Dosenpfandes“, teilt das Bundesumweltministerium (BMU) http://www.bmu.de mit.
  Das BMU räumt allerdings ein, dass bei Mineralwasser und Erfrischungsgetränke ein deutlicher Rückgang des Mehrweganteils zu verzeichnen ist. . Teilweise werden mittlerweile die Werte vor Einführung des Einwegpfandes unterschritten. „Dies dürfte vor allem auf den steigenden Marktanteil der Discounter zurückzuführen sein, die Getränke ausschließlich in Einwegverpackungen verkaufen, insbesondere in Einweg-Kunststoffflaschen“, so das BMU.

 

„Die Dosenpfandwelt von Umweltminister Sigmar Gabriel stimmt nicht mit den tatsächlichen Tendenzen des Getränkemarktes überein“, kontert der Bonner Abfallexperte Sascha Schuh, Geschäftsführer des Beratungshauses Ascon http://www.ascon-net.de. Die vom BMU veröffentlichte Statistik vergleicht er mit dem VW-Effekt für den DAX. „Zieht man die wesentlich aktuelleren Zahlen der Gesellschaft für Konsumgüterforschung (GfK) heran, sieht die Lage viel dramatischer aus. So ist der Mehrweganteil bei alkoholfreien Getränken von 2002 bis 2007 von 51,4 auf unter 20 Prozent gesunken. Mineralwasser sackte sogar von 69,5 auf 38,0 Prozent. Wenn Bier und alkoholhaltige Mischgetränke dem BMU zufolge diesen Rückgang wieder wettmachen, hat die Republik ein echtes Alkoholproblem und die Gesundheitsministerin steht wohl vor explodierenden Behandlungskosten. Aber vielleicht hat sich im BMU nur einer die Zahlen schön getrunken“, sagt Schuh gegenüber NeueNachricht.

 

Kritik kommt auch aus dem Lager der Bundestagsopposition: „Bei dieser Meldung fragt man sich schon nach dem Realitätssinn von Herrn Gabriel! Das Dosenpfand wirkt eben nicht, sondern hat seine Lenkungswirkung verfehlt. Der Anteil an Mehrwegflaschen sinkt kontinuierlich, denn immer mehr Deutsche greifen zur Einwegflasche. Darüber können auch vermeintliche Erfolgsmeldungen des Bundesumweltministeriums nicht hinwegtäuschen“, kritisiert Hors Meierhofer, Sprecher für Entsorgungswirtschaft der FDP-Bundestagsfraktion.

 

Und selbst bei Bier ist die Mehrwegwelt nicht mehr in Ordnung. Nach dem Einweg-Boom im alkoholfreien Getränkegeschäft erreicht die Fachmärkte nun eine Discountoffensive in der Biersparte. Hunderte Existenzen sind schon dieses Jahr am Ende, berichtet die Lebensmittel Zeitung http://www.lz-net.de: „Der Blick von Sepp Gail, Geschäftsführer des Einkaufsring der Deutschen Getränkemärkte, ist ernst. ‚Wir stehen vor einer schlimmen Szenerie’, ist der Getränkefachmann überzeugt“, schreibt die LZ. Nach Wasser, Softdrinks und Saft würden die Discounter nun auch Bier in Einwegflaschen verstärkt anbieten. Trinkgut-Inhaber Torsten Toeller spüre schon die ersten Auswirkungen. Er geht davon aus, dass etwa 500 Händler der schätzungsweise rund 11000 relevanten Fachmarktbetreiber in diesem Jahr endgültig den Schlüssel ihrer Läden umdrehen. Der Geschäftsführer der Hoffmann-Märkte, Rolf Harder, hält das eher für die Untergrenze. Zunehmend mehr Verkaufsangebote flattern auf seinen Tisch“, so die LZ.

 

Für die Discounter sei das Dosenpfand ein lukratives Geschäft, weiß Ascon-Chef Sascha Schuh. Sehr viele Pfand-Einwegflaschen werden gar nicht in den Handel zurückgebracht. Die Schwundquote liege weit über 20 Prozent. Das könne man über Analysen des Mülls sehr schnell feststellen: „Es werden schon Sortierer in der Müllwirtschaft beaufsichtigt, damit sie keine Pfandflaschen mit nach Hause nehmen, sondern auf den Bändern liegen lassen. Da kann man sich vorstellen, wie hoch der Anteil an PET-Einwegflaschen im Abfall ist. Der Gesetzgeber muss also schnell handeln und die novellierte Verpackungsverordnung nachjustieren, sonst kann der Mehrwegaderlass nicht aufgehalten werden“, warnt Schuh.

 

 

Wie sehen Eure Erfahrungen mit dem Dosenpfand aus? Haben bei Euch auch schon Getränkemärkte dicht gemacht? Wie läuft die Rückgabe von Einwegpfandflaschen? Würde mich über Rückmeldungen freuen. E-Mail: gunnar.sohn@sohn.de

Dosenpfand: Flaschen landen im Müll – Lukratives Geschäft für Entsorger und Discounter – Die 70:30-Regel der PET-Exporteure – Sortierversuch in Erding bei München

Logistiker des Einzelhandels und auch Kenner der Entsorgungswirtschaft halten die von der Politik kolportierte Zahl für absurd, dass über 90 Prozent der Einwegflaschen von den Verbrauchern wieder zurück gegeben werden. Die Schwundquote liege weit über 20 Prozent. Das könne man über Analysen des Mülls sehr schnell feststellen: „Es werden schon Sortierer in der Müllwirtschaft beaufsichtigt, damit sie keine Pfandflaschen mit nach Hause nehmen, sondern auf den Bändern liegen lassen. Da kann man sich vorstellen, wie hoch der Anteil an bepfandeten PET-Einwegflaschen im Abfall ist. Der Gesetzgeber muss also schnell handeln und die novellierte Verpackungsverordnung nachjustieren, sonst kann der Mehrwegaderlass nicht aufgehalten werden“, sagt Sekundärrohstoff-Spezialist Sascha Schuh, Geschäftsführer der Bonner Firma Ascon http://www.ascon-net.de, gegenüber NeueNachricht.
 
Deutsche PET-Aufbereiter würden mittlerweile so genannte PET-Mischfraktionen aus den Abfallsammlungen der Dualen Systemen aufkaufen, um in ihren Anlagen die Flaschen heraus zu sortieren und lukrativ zu vermarkten: „In China hat die deutsche PET-Mischfraktion aus Dualen Systemen einen festen Namen und wird als 70:30 bezeichnet. Mindestens 30 Prozent der Lieferung bestehen aus PET-Einwegflaschen“, so die Erfahrung von Schuh, der während einer internationalen Konferenz am 25. und 26. September in Erding bei München (Schloss Aufhausen) über einen Sortierversuch demonstrieren will, wie viele Wertstoffe sich im normalen Müll befinden.
 
Getränkehersteller bestätigen den Befund des Bonner Abfallexperten: „Der Kunde denkt, er hat mit dem Pfand von 25 Cent die Entsorgung gleich mit bezahlt. Dabei sind diese 25 Cent eigentlich nur eine Art Ausleihgebüh“, so Jürgen Kunzmann gegenüber der Augsburger Allgemeinen. Für viele Kunden sei es billiger, die 25 Cent zu bezahlen und die Flaschen nicht wieder in den ursprünglichen Kreislauf zurückzuführen als Flaschen im Mehrwegsystem zu kaufen, für die sie das traditionelle Pfand wieder zurückbekämen. Discounter, die unter anderem Mineralwasser nur in Einwegflaschen aus Plastik verkaufen, spekulieren auf dieses Verhalten der Kunden. „Die Discounterpreise sind kalkulatorisch nicht nachvollziehbar. Die Märkte subventionieren mit dem teils nicht zurückerstatteten Pfand ihre niedrigen Preise quer“, weiß Kunzmann.
 
Die handwerklichen Fehler der Verpackungsverordnung, waren auch nach Auffassung der Mineralbrunnen-Branche das Einfallstor für den Siegeszug der Discounter beim Absatz von Einweggetränken. Davon habe sich der Mehrwegmarkt nicht mehr erholt. Die mangelhaft konzipierte Rechtslage führe den Discountern „Windfall Profits“ zu. Aus den größten Dosenpfand-Boykotteuren hätten sich die größten Dosenpfand-Profiteure entwickelt. „Durch die eingesparten Gebühren für den Grünen Punkt, durch Pfandschlupf und Recyclingeinnahmen für das sortenreine Verpackungsmaterial erzielen die Discounter jährliche Mehrerlöse von über 400 Millionen Euro. Mit diesem Geld können sie über Quersubventionen den Preis für Mineralwasser in Einwegflaschen künstlich niedrig halten“, bestätigt Andreas Rottke, Vorstandschef der Genossenschaft Deutscher Brunnen http://www.gdb.de. Umgerechnet auf den Literpreis koste Mineralwasser beim Discounter 13 Cent und im normalen Einzel- oder Getränkehandel 50 Cent. Die rund 220 mittelständisch geprägten Mineralbrunnenbetriebe seien unter diesen Bedingungen nicht mehr konkurrenzfähig.

Deutsche Umwelthilfe: „PET-Einwegflaschen sind eine Pest“ – Handel soll Verkauf von chemisch belasteten Billig-Mineralwasser einstellen

Ungewöhnlich hohe Verunreinigungen der Chemikalie Acetaldehyd beeinträchtigen Mineralwässer in Kunststoff-Einwegflaschen, wie eine aktuelle Untersuchung der Stiftung Warentest belegt. Besonders bei den billigen Mineralwässern der Discounter seien die Lebensmittelchemiker fündig geworden. „PET-Einwegflaschen sind eine Pest. Mit ihrer Herstellung werden wertvolle Rohstoffe zum einmaligen Gebrauch verschwendet, die Produktion und Entsorgung belasten erheblich die Umwelt, die Kohlendioxid-Bilanz ist gegenüber Mehrweg verheerend und nun stellt sich auch noch heraus, dass der Verbraucher ein mit unerwünschten Chemikalien angereichertes Produkt in den PET-Flaschen angedreht bekommt“, kritisiert Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH).

Die Stiftung Warentest hat 30 Mineralwässer in PET-Einweg und Mehrweg-Flaschen getestet und wurde schnell fündig. In zehn PET-Einwegflaschen fanden die Analytiker große Mengen an Acetaldehyd. Es verdirbt bei geschmackssensiblen Produkten wie Mineralwasser schon in sehr kleinen Mengen den Geschmack, weshalb eine Geschmacks- oder Geruchsveränderung von Getränken in PET-Flaschen verboten ist. Die Hersteller sind nach geltenden Richtlinien daher dazu verpflichtet, den Übergang der Chemikalie Acetaldehyd aus der Verpackung in ein Getränk zu verhindern. Das jedoch ist teuer – und für die Discounter und Lebensmittel-Billig-Händler offensichtlich zu teuer. Sie verkaufen 1,5-Liter Wasser in der PET-Einwegflasche für 19 Cent. So genannte Acetaldehyd-Blocker, die bei der PET-Herstellung beigemischt werden, könnten verhindern, dass die flüchtige Verbindung Acetaldehyd aus dem Kunststoff entweicht. Wasser in PET-Mehrwegflaschen, die bis zu 20 Mal wiederbefüllt werden, werden grundsätzlich mit Kunststoff-Blockern vor dem chemischen Geschmack geschützt. „Die Geiz-Mentalität bei den Discountern kennt keine Grenzen. Um Kampfpreise durchzusetzen, verwenden sie minderwertigen Kunststoff und der Verbraucher erhält ein unangenehm chemisch schmeckendes Plastikwasser. Wir fordern den Handel auf, den Verkauf dieser belasteten Wässer sofort einzustellen“, so Resch.

„Der Mineralwasserkampfpreis der Discounter wirke nach Expertenmeinung nicht nur negativ auf die Qualität, er vernichte zudem die mittelständisch geprägten Mineralbrunnen-Unternehmen. Die Todesspirale für den Mittelstand ist in vollem Gange. Einen vergleichbaren Preisunterschied zwischen Discountern und dem Getränkehandel mit einem Faktor von 4,5 findet man in keinem anderen Zweig der Lebensmittelbranche. Die Politik liefert den Discountern ein kostenloses Kundenbindungsprogramm. Normalerweise kalkulieren diese Konzerne einen Erlös von 10 Prozent. Mit den Pfandeinnahmen über die nicht zurückgebrachten Einwegflaschen erwirtschaften die Discounter mit dem Segen der Bundesregierung eine Spanne von über 40 Prozent. Die lachen sich ins Fäustchen“, moniert Ullrich Schweizer, Marketing-Geschäftsführer der Firma Hassia Mineralquellen.

Durch die eingesparten Gebühren für den Grünen Punkt, durch Pfandschlupf und Recyclingeinnahmen für das sortenreine Verpackungsmaterial erzielen die Discounter nach Berechnungen von Branchenexperten jährliche Mehrerlöse von über 400 Millionen Euro. Mit diesem Geld könnten sie über Quersubventionen den Preis für Mineralwasser in Einwegflaschen künstlich niedrig halten. Die Mehrwegquote bei Mineralwasser sei deshalb dramatisch eingebrochen. Vor elf Jahr habe sie bei über 87 Prozent gelegen. Aktuell dürfte sie auf 30 Prozent gefallen sein.

Vertreter der Getränkewirtschaft fordern deshalb von der Bundesregierung kurzfristig eine Änderung der Verpackungsverordnung. So sollte künftig das Einwegpfand treuhänderisch unter staatlicher Kontrolle verwaltet werden. Die Discounter hätten dann keinen Zugriff mehr auf Pfandgewinne.

Shop der Zukunft beantwortet Verkäuferfragen, bevor sie gestellt werden

Was schon die Retail’s Big Show http://events.nrf.com/annual08/public/enter.aspx zu Jahresbeginn in New York zeigte, bestätigt auch die Fachmesse Euroshop http://www.euroshop.de in Düsseldorf: Ohne IT-Einsatz geht es schon lange nichts mehr im Einzelhandel. Intelligente Lösungen zur Optimierung von Prozessen am Point of Sale (PoS) und verkaufsunterstützende Multimedia-Tools haben Einzug gehalten. Personal und technische Ausstattung präsentieren sich dabei als Alltagsassistenten. Wägetechnik wird zum Einkaufsberater, intelligente Etiketten machen Lebensmittelqualität sichtbar.  „Moderne IT-Systeme unterstützen den Einzelhandel zunehmend bei Prozessoptimierung, Expansion und Kundenbindung. Kunden suchen Nähe und Vertrautheit“, sagt Matthias Harsch, Mitglied der Geschäftsführung beim Technologiehersteller Bizerba http://www.bizerba.de mit Hauptsitz in Balingen. Die Digitalisierung werde den Vermarktungsprozess revolutionieren und den Anbietern und Käufern bis dato ungeahnte Möglichkeiten bieten. Auf der Euroshop präsentiert der Balinger Technologiehersteller seine intelligenten CE-Kassenwaagen-Systemen. Das Kundendisplay zeigt den Namen der Verkäuferin und aktuelle Angebote des Hauses an. „Doch das ist nur der Anfang: Da für jedes Produkt auch Nährwerte, Zusatzstoffe und Allergene sowie Hinweise zu Herkunft und der empfohlenen Lagerung hinterlegt sind, kann die Verkäuferin souverän auch darüber informieren oder die Zusatzinformationen ausdrucken. Die Waage wird zum Event-Bildschirm“, sagt Harsch. Neben statischen Bildern werden künftig immer mehr dynamische Bildvariationen und Videobotschaften über die Waage gesendet, die dem Kunden eine Vielzahl von Anregungen geben, Neues auszuprobieren. „Den Kaufanreiz kann man steigern, indem abhängig von dem gekauften Produkt gleichzeitig verschiedene Coupons ausgedruckt werden, die dem Kunden weitere Produkte zu reduzierten Preisen anbieten. Die Stunde innovativer Informationssysteme im Handel hat geschlagen. Gefordert sind heute Software- und Hardwarelösungen, die es ermöglichen, zusätzliche Funktionalitäten zu ergänzen und einzelne Komponenten kostengünstig auszutauschen“, so die Markterfahrung von Harsch. Ein weiteres Plus sieht der Bizerba-Manager bei der Einarbeitung neuer Verkaufsmitarbeiter. „Bislang wurde dafür ein ganzer Arbeitstag benötig. Argumentationssicherheit kam erst nach Wochen oder Monaten. Dieser Aufwand reduziert sich jetzt erheblich, denn schon nach wenigen Tagen ist jede neue Verkaufskraft vollständig im Bild“, führt Harsch weiter aus. Außerdem könne die Kassenwaage so eingestellt werden, dass zur gekauften Ware passende andere Produkte angezeigt werden. „Ebenso gibt das System ganze Rezeptvorschläge zu einem Produkt und liefert die notwendigen Zutaten auf einer ausgedruckten Einkaufsliste gleich mit, notiert auch, welcher Wein besonders gut zum Hüftsteak harmoniert. Die Software zerbricht sich den Kopf des Kunden, beantwortet Fragen, die noch gar nicht gestellt sind. Paradigmenwechsel im Einzelhandel? Harsch ist davon überzeugt: Apple macht mit seinen Stores vor, wohin die Reise geht. Shopping braucht Wohlfühlwelten, Authentizität. Cross Selling, Visual Merchandising und Verkaufstraining für das Personal sind nur die wichtigsten Features einer neuen Ladenwaagengeneration“, erläutert Harsch. Weil der Preisdruck enorm sei, setzen immer mehr Einzelhändler auf das Frische-Argument und Convenience-Food. Dass das gekaufte Steak ordnungsgemäß gekühlt sei, seit es die Schlachterei verlassen hat, zeigen moderne TTI-Etiketten. Mit dem Time-Temperature-Indicator (TTI) werde gewährleistet, dass Frische und Transparenz von der Herstellung bis zum Verbraucher herrschen. Das TTI-Etikett mit einer besonderen Druckfarbe, die die Frische des Produktes signalisiere, wird nach Angaben von Bizerba als zusätzliches Etikett auf jede Verkaufsverpackung aufgebracht. Der Grad der Entfärbung dieses Etiketts zeige an, ob die Ware noch voll oder nur gut genießbar ist oder ob sie schon verdorben ist. „Dabei entfärbt sich der Indikator umso schneller, je weiter das Produkt  von der idealen Lagertemperatur abweicht und beschreibt damit für jedes Produkt den individuellen Frischegrad. Die Anforderungen an ein erfolgreiches Logistik- und Kundenmanagement  steigen seit Jahren massiv an. Der Kunde verlangt heutzutage genaue Informationen über die Herkunft, Zubereitung und Lagerung des Lebensmittels“, berichtet Harschs Geschäftsführerkollege Martin Arndt. „Damit verschafft dieses Etikett nicht nur uns Verbrauchern Sicherheit, sondern auch den großen Lebensmittelhandelsketten und den kleinen Lebensmitteleinzelhändlern“, sagt Arndt. Aber auch in der Lieferkette erleichtere TTI das Handling, weil es das Aussortieren verdorbener Lebensmittel noch vor der Annahme durch den Lieferanten ermögliche, somit Kosten und unnötiger Ärger vermieden würden, weil durch TTI eine fehlerhafte Kühlung direkt nachweisbar sei. Außerdem könne durch unterschiedliche Verfärbungen die gelieferte Ware nach Frischegraden sortiert und Ware, die am Ende des Lebenszyklus stehe, als Angebot verkauft werden.

Mehrwegquote unter 30 Prozent-Marke: Dosenpfand vernichtet mittelständische Getränkeindustrie – Deutschland in der Ex-und-Hopp-Sackgasse

Das seit 2003 gültige Pflichtpfand auf Einweg-Getränkeverpackungen hat den dramatischen Verfall der Mehrwegquote bei alkoholfreien Getränken nicht stoppen können. Nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke (wafg) http://www.wafg-online.de in Berlin sank die Mehrwegquote in diesem Sektor von 51,4 Prozent im Jahr 2002 auf nur noch 29,9 Prozent Ende 2007. Mehrwegverpackungen aus Glas und PET sowie Getränkekartons würden zunehmend von PET-Einwegflaschen verdrängt; deren Marktanteil liege inzwischen bei 58,4 Prozent. Die vom Bundesrat abgesegnete fünfte Novelle zur Änderung der Verpackungsverordnung habe nach Auffassung der wafg die Mehrwegfrage ausgespart. Trotz des Pflichtpfandes für Einwegflaschen und Dosen sinke die Mehrwegquote unaufhörlich.  

„Bundesumweltminister Sigmar Gabriel glänzt auf internationalen Konferenzen als klimapolitischer Musterknabe. Seine ökologischen Hausaufgaben vernachlässigt er allerdings sträflich. Wir waren mal Mehrweg-Weltmeister und sind jetzt in einer Ex-und-Hopp-Sackgasse gelandet“, kritisiert Energieexperte Tobias Janßen, Vorstandschef der Düsseldorfer Beteiligungsgesellschaft Goldfish Holdings http://www.goldfish-holdings.com, gegenüber dem Onlinemagazin NeueNachricht http://www.ne-na.de.

 Bundestag und Bundesrat hätten bei der Verpackungsnovelle noch eine Chance gehabt, die mangelhafte Rechtslage beim Dosenpfand zu beseitigen. Mit den nicht zurück gebrachten Einwegflaschen würden die Discounter horrende Gewinne zu Lasten der Verbraucher und der mittelständisch geprägten Mehrwegbranche einfahren. „Das sind pro Flasche immerhin 25 Cent. Da verdient der Händler am Pfand mehr als am Inhalt“, moniert Janßen. Nach Angaben der Genossenschaft Deutscher Brunnen seien das jährliche Mehrerlöse von über 400 Millionen Euro. „Mit diesem Geld können die Discounter über Quersubventionen den Preis für Mineralwasser in Einwegflaschen künstlich niedrig halten“, so Andreas Rottke, Vorstandschef der Genossenschaft Deutscher Brunnen http://www.gdb.de.  

Umgerechnet auf den Literpreis koste Mineralwasser beim Discounter 13 Cent und im normalen Einzel- oder Getränkehandel 50 Cent. Die rund 220 mittelständischen Mineralbrunnenbetriebe seien unter diesen Bedingungen nicht mehr konkurrenzfähig. „Bei Aldi & Co. sind es nur noch fünf national operierende Lieferanten, die zum Zuge kommen“, sagt Rottke. Nur diese Firmen beherrschen den Einwegmarkt. Die Politik müsse schnell etwas tun, wenn sie den Mehrwegmarkt noch erhalten wolle. Das Pflichtpfand für Einweggetränke in der heutigen Ausgestaltung reiche nicht aus und sollte um eine Abgabenlösung ergänzt werden. Nach Meinung von Goldfish-Vorstand Janßen reiche es aus, die Pfandgelder über eine Treuhandstelle zu verwalten: „Dann kann man sich nicht mehr mit dem Pfandschlupf bereichern und Einweggetränke künstlich verbilligen“.