Der CIO als Futurist #CIODebatte #CIOKurator

Digitalisierung ist mehr als IT und der CIO darf sich nicht nur als Herr von Daten und Systemen verstehen. Das ist der Tenor meiner Interviews in der Debattenreihe zum CIO von morgen für das Blogprojekt CIO-Kurator.

Oder anders ausgedrückt:

Aufgrund der Schnellebigkeit mit Informationstechnologie muss der CIO in der Lage sein, sich abzeichnende Trends genauso wie Technologien, die keine Zukunft mehr haben, einstufen und beurteilen zu können…Daneben sind stete Beobachtung des relevanten Marktes und die Fähigkeit zur Einschätzung langfristiger Entwicklungslinien für Investitionsentscheidungen, mit denen hohe Beträge auf lange Zeit festgelegt werden, unerläßlich…Der CIO muss die Möglichkeiten, die die Technologie eröffnet, nicht nur ahnen und beurteilen, er muss sie auch aktiv im Unternehmen umsetzen…Er benötige bereichsübergreifende Kompetenzen und sei ein Generalist. Das bekräftigt die Forderung nach der Position eines CIO, der die technologische mit der betriebswirtschaftlich-unternehmerische Seite verbindet.

Wir könnten jetzt auch Digitalisierung statt Technologie in den Text reinschreiben.

Aber wann ist das erschienen?

Vor 30 Jahren – statt CIO sprach der Autor vom Informationsmanager. In der Dissertation von Lutz Martiny: Informationsmanagement auf der Basis gewachsener Unternehmensstrukturen – Zusammenhänge, Probleme, Lösungsansätze in der Organisation und Datenverarbeitung Diss. D83, TU Berlin 1987

So richtig ist man da nicht vorangekommen, wie die Gespräche mit Lutz Martiny und Lutz Becker belegen.

Heute folgt ein Interview mit Mark Hayes von Harvey Nash.

Siehe auch:

Brauchen wir überhaupt noch CIOs?

Entkoppelte CIOs und der zu teure IT-Einkauf

Digitale Innovatoren gesucht

IT mit digitalem Anstrich – Das wird nicht reichen

Auf der Suche nach dem CIO von morgen

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Entkoppelte CIOs und der zu teure IT-Einkauf #CIODebatte #CIOKurator

Das CIO Kuratorium

Immer häufiger werden Bestellungen oder Aufträge für IT und digitale Services nicht mehr von der Einkaufsabteilung oder der Unternehmens-IT, sondern von den Fachabteilungen direkt ausgelöst, schreibt Axel Oppermann in einem Beitrag für CIO-Kurator:

„Glaubt man den unterschiedlichen Studien, so werden bereits heute in Deutschland je Unternehmensgröße und Organisationsstruktur zwischen 10 und 30 Prozent der Ausgaben für digitale Leistungen vorbei an der IT-Abteilung getätigt. Dies ist, wie die genannten Zahlen zeigen, im internationalen Kontext relativ niedrig, aber dennoch von Bedeutung. In solchen Situationen wird dann oft von der ‚Schatten-IT‘ gesprochen. Die sogenannte Schatten-IT nimmt derzeit in den deutschen Anwenderunternehmen immer größere Ausmaße an. Darunter versteht man in der Regel den Einsatz von Informations- und/oder Telekommunikationstechnologie sowie IT-basierter Prozesse und Organisationsabläufe, die neben der regulären IT-(Abteilung) – und in der Regel ohne deren Wissen – betrieben wird. Dieses Thema, das die IT-Verantwortlichen bereits seit Dekaden beschäftigt, wird zurzeit durch die Anwender noch beschleunigt, bedingt durch Bereitstellungsmodelle wie Cloud-Computing, den Trend zur Diversifizierung von Geräten und Services und den Zugriff auf – sowie das Wissen über – Digitales.“

Eine Konsequenz dieses Wildwuchses: „Fachabteilungen kaufen zu teuer ein“.

Das korrespondiert mit einem anderen Faktum, das Johannes Wiele in einem Fachbeitrag für den Sammelband „Führungsmanagement“ beschrieben hat:

„Externe Berater für Unternehmensanwendungen, Kommunikation und Sicherheit wissen in der Mehrzahl von CIOs zu berichten, die auf Trends lediglich reagieren und ihnen inzwischen geradezu nachlaufen. Ihre Anforderungen erhalten sie von den Fachabteilungen und dem Top-Management, die ihrerseits teils auf wirtschaftlichen, teils auf kulturellen Wandel reagieren oder die Veränderungen kreativ begleiten wollen, ohne dabei alle Implikationen für die Informationstechnik im Haus zu verstehen.“

Der rasante, meist vom Marketing getriebene Einstieg in die sozialen Netzwerke sei ein Paradebeispiel dafür, wie entkoppelt die CIOs und ihre IT-Abteilungen inzwischen von der realen Nutzung der IT-gestützten Kommunikationsmittel sind.

Ist das nun eine zufällige Korrelation zur Thematik von Axel Oppermann oder eher die Ursache für den zu teuren IT-Einkauf? Das diskutieren wir gerade im CIO-Kurator-Blog in unserer #CIODebatte. Heute Abend befrage ich dazu Professor Lutz Becker von der Hochschule Fresenius, dem Herausgeber des oben genannten Bandes „Führungsmannschaft“. Am Dienstag nächster Woche folgt der IT-Experte Mark Hayes vom Beratungshaus Harvey Nash.

Wie Software den Journalismus verändert

Technologie

Schon kleine technische Variationen, Erweiterungen und minimale Änderungen der Rahmenbedingungen können etwas völlig Neues auslösen, konstatieren die Podcast-Pioniere Tim Pritlove und Philip Banse in der von Pritlove produzierten Sendung „Lautsprecher“.

Bei Verlagen, TV und Hörfunk erlebt man allerdings häufig eine ausgeprägte Feindlichkeit gegenüber Technologien und Innovationen. Ohne Buchdruck gäbe es doch den ganzen Journalismus nicht, proklamiert Pritlove. Die gesamte Medienbranche sollte zur Kenntnis nehmen, dass die Software ein redaktionelles Mittel ist. Heute ist es entscheidend, wie komfortabel man kommentieren und publizieren kann, ob die URL für jeden Beitrag einzeln zur Verfügung steht, um sichtbar zu werden. Wie sich ein System verhält, ist nicht mehr in einer Maschine integriert, die im Keller steht und vor sich hin dampft. Die Technologie ist ein entscheidender Faktor des Journalismus und die Programmierer sollten ein wichtiger Bestandteil von redaktionellen Teams sein. Die Software muss Schritt halten, um moderne Berichterstattung zu garantieren und um Sendungen interaktiv zu präsentieren.

An dieser Stelle scheitern TV, Hörfunk und Verlage, die sich aus dem Joch ihrer IT-Abteilungen nicht befreien und den Herrschaftsansprüchen der CIOs wenig entgegensetzen. Bei Bloggercamp.tv konnten wir das schon häufig erleben. Redakteure prallen an der Firewall ihrer IT ab und müssen die Live-Hangouts nach Feierabend in die eigenen vier Wände verlegen.

Es sind in Deutschland eben doch nur kleine Stellschrauben, die Medienrevolutionen behindern. Ausführlich morgen in meiner The European-Kolumne nachzulesen.

Die digitale Bräsigkeit ist nicht nur auf Politik und Wirtschaft beschränkt.

Kein überraschender Befund: Deutschland fehlt die Vision einer digitalen Gesellschaft. Aber Google Glass als Foto für diese Story zu nehmen, ist schon etwas merkwürdig. Von dieser Vision hat sich ja nun der Mountain View-Konzern sang- und klanglos verabschiedet.

Wenn sich Medien öffnen, wird wohl diese Frage sofort auf den Tisch kommen: Wie hart soll man gegen Trolle vorgehen?

Technologie außer Kontrolle: CIOs brauchen neues Rollenverständnis

Technik außer Kontrolle

Der Anteil der von Mitarbeitern genutzten Technologien, der von der IT-Abteilung nicht mehr beeinflusst werden kann, ist in den vergangenen drei Jahren von zehn auf 40 Prozent gestiegen. Das ergibt eine weltweite CIO-Umfrage von Harvey Nash.

„Was in sozialen Netzwerken unter dem Stichwort ‚Kontrollverlust’ diskutiert wird, breitet sich auch in Unternehmen aus. Die geschäftliche und private Nutzung von Geräten verschwimmt, Tablets, Smartphones und der Einsatz von Apps werden auch im Arbeitsalltag immer populärer, entsprechend sinkt die Relevanz von abgeschirmten IT-Systemen“, so Udo Nadolski, Geschäftsführer von Harvey Nash in Deutschland.

Fast jeder zweite CIO geht davon aus, dass der Anteil von privaten Geräten, die Mitarbeiter am Arbeitsplatz einsetzen, steigen wird. Entsprechend muss sich das Rollenverständnis der IT-Führungskräfte wandeln.

„Die direkte Steuerung der Technologie steht nicht mehr im Vordergrund. Eher geht es um die Förderung der Zusammenarbeit und den Anstoß von Innovationen“, sagt Nadolski.

Der Schub zu externen und offenen Systemen geht vor allem von den jungen Mitarbeitern aus. Die nötige Offenheit müssten auch die Anbieter von Kommunikationstechnologie mitbringen.

„Es wird immer mehr Mitarbeiter in Unternehmen geben, die mobil arbeiten und höchst unterschiedliche Endgeräte einsetzen. Für unsere Lösungen ist es daher unabdingbar, hier eine Integrationsleistung zu bringen. Ein CIO tut sich in Zukunft keinen Gefallen, wenn er versucht, sich auf ganz wenige Standard-Endgeräte zu konzentrieren. Das wird er nicht durchhalten können gegen die Anwender. Es rücken viele junge Mitarbeiter nach, die technologisch das nachfragen, was sie auch privat schon lange nutzen. Ein CIO sollte diese Dienste in seine IT-Infrastruktur einbauen, sonst entstehen Probleme bei der Rekrutierung von neuem Personal“, erklärt Aastra-Deutschlandchef Jürgen Signer.

Die Veränderung des IT-Managements macht sich an einem weiteren Ergebnis der CIO-Umfrage fest, an der sich mehr als 2.000 IT-Führungskräfte und Technologie-Manager in zwanzig Ländern beteiligt haben. 33 Prozent der digitalen Projekte kommen mittlerweile aus den Vertriebs- und Marketing-Abteilungen – ohne Beteiligung der IT-Abteilung. Und 42 Prozent der digitalen Projekte laufen in Kooperation zwischen IT, Marketing und Vertrieb.

„Um sich als Partner für neue Projekte zu profilieren, reicht es für IT-Führungskräfte nicht mehr aus, nur Fachkenntnisse der Informatik vorzutragen. Ein tiefes Verständnis für die Geschäftsfelder des eigenen Unternehmens ist unverzichtbar, um in der betrieblichen Organisation ein begehrter Ansprechpartner zu bleiben. Oder zu werden“, resümiert Nadolski.

Die Realität in den Unternehmen sieht allerdings noch anders aus. Oder hat sich seit dem lesenswerten Beitrag von Fiete Stegers zur Schatten-IT, der vor gut zwei Jahren erschienen ist, irgendetwas gewandelt?

“Einen Drucker anschließen? Den Büro-Kalender mit dem Handy synchronisieren? Oder gar Shareware installieren? Ohne Segen der IT-Abteilung ist da in Großunternehmen nichts zu machen. Zumindest offiziell nicht. Denn die sogenannte Schatten-IT ist schon längst Realität. Selbst programmierte Excel-Anwendungen, eigenmächtig beim Discounter gekaufte Hardware, Kommunikation mit Außendienstkollegen via Facebook-Chat oder Dateiversand über Skype: Im Schatten der offiziellen Computer-Infrastruktur blühen in Firmen kreative IT-Lösungen. Belastbare Zahlen gibt es zwar nicht – aber wer einmal ein Großunternehmen von innen gesehen hat, weiß, wie solche Schatten-IT entsteht. ‘Die Fachabteilung hat bestimmte Wünsche, die die IT-Abteilung des Unternehmens nicht oder nicht schnell genug erfüllen kann. Also wird die Fachabteilung selbst aktiv’, sagt der Informatiker Christopher Rentrop, der sich wissenschaftlich mit dem Phänomen beschäftigt. ‘Und die IT-Abteilung schweigt, weil sie keine Zeit zur Bearbeitung hätte und gegenüber den Kollegen nicht als ‘Stasi’ erscheinen möchte’.”

Das wäre doch mal ein schönes Thema für eine Bloggercamp-Sendung in den nächsten Wochen. Wer sich für eine solche Diskussion begeistern kann, ist herzlich eingeladen, an der Hangout-Talkrunde mitzumachen. Morgen diskutieren wir über Social Sharing, nächste Woche über Müll und Monopole. Übernächste Woche könnten wir die Schatten-IT auf die Agenda nehmen.

Auch wenn externe Geräte wie das iPhone cooler sind, wäre es nicht schlecht, wenn Apple dem Rat von Giga folgend würde: iOS 7: Bessere Dienste wären wichtiger als neues Design.