Um die grüne Wende zu schaffen und neue Wachstumsimpulse zu entfalten, braucht man überprüfbare Daten, so Annette Dési, Leiterin Nachhaltigkeit bei der DEKRA Germany, im Schubkraft-TV-Interview auf dem Wirtschaftsgipfel der SZ.
Es geht um harte Fakten, die überprüft und verifiziert werden müssen. Unternehmen müssen sich zertifizieren lassen und klare Daten liefern. Es geht um Datenmanagement und die Zusammenarbeit mit Wirtschaftsprüfern.
Es ist ein Irrtum zu glauben, dass nur Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern Berichtspflichten auf dem Feld der Nachhaltigkeit haben. Auch kleinere Unternehmen müssen sich an die Spielregeln halten, weil sie Teil der Lieferkette sind. Wir werden das auf dem #GreenMonday am 20. November in Düsseldorf vertiefen.
Annette Dési wünscht sich von der Wirtschaftspolitik, dass sie die heute gemachten Aussagen evaluiert und umsetzt. Sie hofft, dass die Politik die Möglichkeiten und Potenziale erkennt und die richtigen Anreize für Investitionen setzt.
Die Maßnahmen zu überprüfen und anzupassen, ist besonders in der Umweltpolitik vonnöten. Das sollte man bei der nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie der Bundesregierung, die Anfang des nächsten Jahres vorgestellt werden soll, unbedingt in den Beratungen beherzigen. Die Kreislaufwirtschaftsquote in Deutschland liegt bei mageren 13 Prozent. „Wenige Länder verbrauchen so viele primäre, also neue Rohstoffe wie die Bundesrepublik. Seit 2010 ist der Verbrauch sogar noch weiter gestiegen“, berichtet die SZ. Weltweit, sagt Lemke auf dem Wirtschaftsgipfel, sei mindestens die Hälfte aller Emissionen auf Rohstoffgewinnung zurückzuführen. „Dabei geht es nicht um den einzelnen Joghurtbecher, sondern um Masseströme wie im Baustoffsektor.“
Seit Inkrafttreten der Verpackungsverordnung (jetzt Verpackungsgesetz) im Jahre 1991 und dem Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz im Jahre 1996 wird am Prinzip der Produktverantwortung und den ökologisch ehrlichen Marktpreisen gearbeitet. Einen richtigen Durchbruch erzielte die Umweltpolitik in den vergangenen 30 Jahren nicht wirklich. Der Ansatz, möglichst viele Prozesse von vornherein so zu gestalten, dass die Wiederverwertung aller Rohstoffe und Bestandteile mitbedacht wird und Abfälle erst gar nicht entstehen, ist immer noch nicht sonderlich verbreitet. Da sei, so Lemke, „wahnsinnig viel Luft nach oben“. Es fehle ein strategischer Rahmen, „und diese Lücke versuchen wir zu schließen“.
Man könnte klare Vorgaben machen, einen bestimmten Prozentanteil an Sekundärrohstoffen bei der Produktion einzusetzen, auf die Langlebigkeit zu achten und die Wiederverwendung von bestimmen Produktteilen zu ermöglichen. Einen ähnlichen Gedanken äußerte Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gegenüber der SZ:
„Wenn man sich an Maximalforderungen nicht herantraut, dann kann man mit Mindeststandards, beispielsweise Mindestquoten für Rezyklatanteile, starten und dann sukzessive erweitern, das wäre denkbar.“ Zudem sieht er den Staat als Auftraggeber in der Pflicht, der zirkuläres Wirtschaften zur Bedingung macht. „Das fängt bei Ausschreibungen im Bauwesen an. Aber da passiert bis heute viel zu wenig“, sagt Fischer. „Aber wenn der Staat vorpredigt, aber nicht vorlebt – wer fängt dann damit an?“ Gerade wenn wir an die Wirtschaftssicherheit denken, muss mehr gemacht werden: Betrachten wir zum Beispiel Batterien für Elektrofahrzeuge. Sie enthalten wertvolle Materialien wie Lithium, Kobalt und Nickel. Können wir diese Materialien wiederverwenden?
Die Französin Sabrina Soussan hat fast 20 Jahre lang für Siemens gearbeitet, jetzt leitet sie den Umweltkonzern Suez – und wundert sich, wie unterschiedlich Deutschland und Frankreich ticken @CasparBusse#SZPlushttps://t.co/cFv0kaURjk
Wenn ja, könnten wir in Europa einen großen Schritt in Richtung Autarkie machen. Dies ist besonders wichtig angesichts der aktuellen Konflikte mit Russland und China. Das diskutierten wir mit Sabrina Soussan, Chairman und CEO von SUEZ.
Am 20. November nehmen wir diesen Faden wieder auf beim ersten #GreenMonday in Düsseldorf.
Auf der Teilnehmerliste Top-Entscheider und ESG-Verantwortliche aus dem Mittelstand:
Achenbach |AOK | auxmoney | Bundesanzeiger | DB Schenker | DDP GRUPPE | Deichmann | dhpg | Dillenberg | Douglas | Dr. Ganteführer, Marquardt & Partner | Drees + Sommer | Düsseldorf Congress | EDE |ElectronicPartner | Fahrzeugwerke Lueg | Falke | Flughafen Düsseldorf | Fraisa | FUNKE Mediengruppe | Gea | GPTW Deutschland | Hauck Aufhäuser Lampe | HKM | ISEKI |ista | Kaiser Real Estate | Konecranes | Kreissparkasse Düsseldorf | Materna | Messe Düsseldorf | Phoenix Contact | pixum | Scheidt & Bachmann | Siegenia Gruppe | Siemens AG |SMS Group | VOSS Automotive | Wilh. Werhahn | Wirtschaftsförderung Düsseldorf | WKW | WR Legal | ZINQ
Krisen und Chancen: Live vom Wirtschaftsgipfel der Süddeutschen Zeitung in Berlin berichten wir über den hochkarätigen Austausch renommierter Experten. Erfahrt, wie man aus dem „Katastrophenmodus“ rauskommen kann und positive Veränderungen entstehen. Zudem diskutieren wir die begrenzte Wahrnehmung der Wirtschaftsförderungsprogramme und geben Tipps zur Nutzung. Ein Blick hinter die Kulissen mit der Meta-Brille rundet unseren Bericht ab.
Wir sind live dabei, mitten in spannenden Sessions auf dem Wirtschaftsgipfel der Süddeutschen Zeitung. Mit der Meta-Brille, entwickelt in Zusammenarbeit mit Ray-Ban, tauchen wir ein in die wirtschaftspolitischen Debatten von Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Benjamin Springup, Leiter des Schubkraft-Programms bei der Telekom, begleitet uns. Unsere ersten Eindrücke? Beeindruckend. Ein intensiver Austausch auf höchstem Niveau, der sich auf die aktuellen globalen Krisen und die daraus entstehenden Möglichkeiten konzentriert.
In einer lebhaften Panel-Diskussion unter Beteiligung der Wirtschaftsweisen Ulrike Malmendier wird klar: Es ist an der Zeit, den „Katastrophenmodus“ zu verlassen und positive Veränderungen anzustoßen. Potenziale warten darauf, entfaltet zu werden, doch es besteht auch ein Nachholbedarf bei Investitionen. Trotz der Krisen sehen wir Chancen und erkennen die Bedeutung des Lernens aus Erfahrungen, um zukünftige Krisen zu verhindern.
Ein weiterer Diskussionspunkt ist die begrenzte Wahrnehmung und Informationsvermittlung über Wirtschaftsförderungsprogramme der Bundesregierung, Landesregierungen und Kommunen. Obwohl es zahlreiche Förderprogramme für die Digitalisierung gibt, ist die Auswahl oft überwältigend und die Nutzung dieser Programme wird durch Ängste vor möglichen negativen Auswirkungen gehemmt. Wir sind überzeugt: Kluge Unternehmerinnen und Unternehmer sollten diese Förderung nutzen, um in die Zukunft zu investieren.
Die Förder-App der Telekom und die Hotline sind dabei wichtige Kanäle, die gut genutzt werden können. Die App bietet eine anonyme Orientierungsmöglichkeit, während die Hotline persönlichen Kontakt ermöglicht. Beide Kanäle helfen Firmen dabei, den richtigen Weg für ihre Bedürfnisse zu finden.
Wir diskutieren auch die Bedeutung von Austausch und Beratung für erfolgreiche Projekte im Energiemanagement und Nachhaltigkeitsmanagement. Wir betonen die Wichtigkeit von Informationen, Netzwerken und Meinungsaustausch für die Unterstützung von Kunden bei der Erreichung ihrer Ziele, sei es die Einführung von CRM-Systemen oder die Implementierung von Nachhaltigkeitsmanagern.
Wir sprechen über bevorstehende Ereignisse wie den Green Monday 20. November in Düsseldorf und die zahlreichen Gipfeltreffen und Veranstaltungen, die Unternehmen dabei helfen, die richtigen Kontakte zu knüpfen und einen optimalen Austausch zu ermöglichen.
Zum Abschluss diskutieren wir auch die Herausforderungen und Vorteile des Sprechens mit einer Sonnenbrille. Als Tool für Reportagen wird sich die Meta-Brille gut eignen. Sohn@Sohn testen weiter.
Vor rund 20 Jahren hatte ich mal einen intensiven Kontakt zum Autor Franz Rottensteiner. Mit ihm organisierte ich auf der Cebit eine Diskussionsrunde zur Science Fiction-Literatur. Mit dabei waren Prof. Dr. Herbert W. Franke, Physiker und Publizist; Dr. Karlheinz Steinmüller, Zukunftsforscher; Andreas Zamperoni, Tenovis. Rottensteiner war Herausgeber der phantastischen Bibliothek bei Suhrkamp und für die Zusammenstellung dieser Runde prädestiniert. Er gab gibt auch eine geniale Zeitschrift heraus mit dem Titel Quarber Merkur, die er mir nach dem Treffen in Hannover zuschickte. So tauschten wir uns intensiver über SF-Autoren aus. Und als Berliner konnte ich nicht Paul Scheerbart unerwähnt lassen. Ende des 19. Jahrhunderts zählte er zu den wenigen Künstlern, die sich auf die Suche nach dem Neuen aufmachten. In seinem ersten Buch „Das Paradies. Die Heimat der Kunst“ ist das schon spürbar. Die Suche nach neuen Welten und Innovationen. Phantastik nannte Scheerbart sein künstlerisches Programm und gründete 1892 den „Verlag deutscher Phantasten“, in dem er, neben einem Bändchen mit eigenen Texten (leider nicht in meinem Besitz) Albert Girauds Gedichtzyklus „Pierrot Lunaire“ herausbrachte. Ein verlegerisches Unterfangen mit geringer Halbwertzeit.
Letzteres Werk konnte ich bei einem gut sortierten Antiquariat in Bremen erwerben. Damals bin ich noch reichlich mit den Katalogen der besten Antiquariate in Deutschland, Österreich und Schweiz versorgt worden. Alleine diese Kataloge waren sammlungswürdig. In dieser Zeit war es übrigens üblich, Verlage und Zeitschriften zu gründen und wieder zu schließen. Ein Meister dieser Projekte war Franz Blei. Auch von ihm steht einiges in meiner Bibliothek (ich werde das auf ichsagmal.com ausführlich publizieren).
Jedenfalls kommunizierte ich häufiger mit Franz Rottensteiner und wir vereinbarten die Veröffentlichung von Autorenporträts – Scheerbart, Lovecraft, Lem.
Hier sein Text über Paul Scheerbart, ein kosmischer Phantast (die anderen werden demnächst folgen):
Von Franz Rottensteiner
Paul Scheerbart (1863-1915) wird unter den verschiedensten Etiketten diskutiert und vereinnahmt, als Vorläufer der Moderne, als Autor von Lautgedichten vor den Dadaisten, als Vorläufer des Surrealimus (1958 erschien in Paris eine Scheerbart gewidmete Ausgabe der Zeitschrift Bizarre mit einer Übersetzung des Perpetuum mobile [1910], die ihn in die Nähe von Alfred Jarry rückt), als Prophet und Vorkämpfer der Glasarchitektur mit Einfluss auf Architekturströmungen der Moderne (Bruno Taut z.B.); man hat ihn apostrophiert als „Antierotiker“ (nach Erich Mühsam er selbst), als „Dichter der Sternenwelt“ (Franz Servaes), als „weisen Clown“(O.J. Bierbaum), als wiedergeborenen Dionysus“ (Anselm Ruest), aber auch als „literarischen Eigenbrötler“ (Kurt Aram). Für Arno Schmidt wieder, der das Schreiben als harte Arbeit am Wort sah und nicht hielt von der leichten Eingabe der Muse und dem dichterischen Genius, dem alles ohne Anstrengung zufalle, ohne die Mühe des Korrigierens, war er nur ein „kosmischer Schwadroneur mit beschränkter Haftung“. Natürlich sind auch Scheerbarts Anklänge an die Science Fiction unübersehbar, und einige Kommentatoren haben aufgezählt, was er alles an technischen Neuerungen vorausgesehen haben soll, als fiele Scheerbart als Autor in dieselbe Rubrik wie Jules Verne. Als solcher qualifiziert ihn vor allem seine „Flugschrift“ Die Entwicklung des Luftmilitarismus und die Auflösung der europäischen Land-Heere, Festungen und Seeflotten (1909], in der er in anscheinend paradoxem Zynismus verkündete, der Krieg lasse sich nicht durch Pazifismus überwinden, sondern nur durch die größtmögliche Perfektionierung der Zerstörungsmittel, durch geballte Luftbombardements, vor denen alle Festungsanlagen und Flotten zunichte würden. Das rückt ihn jedoch eher in die Nähe Jonathan Swifts als die Jules Vernes. Scheerbart selbst hat sich als „Phantasten“ bezeichnet, gründete einen kurzlebigen „Verlag der Phantasten“, in dem sein „Wunderfabelbuch“ Ja… was möchten wir nicht Alles! (1893) und die 2. Auflage seines ersten Buches, Das Paradies, die Heimat der Kunst (1889, 1892) erschienen und schrieb früh eine „Ästhetik der Phantastik“ (1894). Schon in seinem ersten Essay dieser programmatischen Richtung, „Die Phantastik im Kunstgewerbe“ (1891) verstand er die Phantastik im Gegensatz zum künstlerischen Realismus als eine Kunstrichtung, die hauptsächlich durch die Phantasiekraft wirken will und zugleich die Phantasie des Zuschauers in neue Bahnen zu leiten versucht. „Das Wesen der Phantastik besteht somit in der Eröffnung neuer, weiter Perspektiven.“
Mit dem literaturwissenschaftlichen Phantastik-Begriff, wie er sich in den letzten Jahren im Gefolge von Roger Caillois und Tzvetan Todorovs einflussreicher Introduction à la littérature fantastique ausgebildet hat, hat Scheerbarts Auffassung nichts gemein. Seine kosmischen Welten, wenn auch wissenschaftsverneinend, märchenhaft und antiempirisch anmutend, haben nichts Übernatürliches an sich; sie entspringen zwar einem Missbehagen an der irdischen faktischen Welt mit ihren Kriegen, Elend, Existenznöten und Lebensqualen, aber sie werden für die wahre, kosmische Wirklichkeit ausgegeben, in der das irdische Jammertal nur ein nicht sonderlich bedeutsamer Unglücksfall einer höheren Welt kosmischer Harmonie, ästhetischer Ordnung und in ihrer Unfassbarkeit erhabener Größe ist. Aber es gibt den vielbeschworenen „Riss in der Wirklichkeit“ nicht, keinen Konflikt zweier Weltordnungen, einer diesseitigen und einer jenseitigen, keine Andeutung von Supernaturalismus.
Das wichtigste Sinnesorgan im Scheerbartschen Kosmos ist zweifellos das Auge; es ermöglicht seinen Kosmosbewohnern, immer neue Aussichten zu entdecken, die ständigen wunderbaren Metamorphosen, die sich im All vollziehen, zu verfolgen und stets neue ästhetische Eindrücke zu empfangen. Wie Gustav Theodor Fechner stellte er sich auch die Planeten und Sonnen als lebende, denkende Wesen vor. Die Natur kommt seinen skurril ausgesonnen Sternenbewohnern zu Hilfe, häufig sind sie mit überlegenen Sinnesorganen ausgestattet, etwa ausfahrbaren Teleskopaugen, die es ihnen ermöglichen, das Geschehen in der Sternenwelt, das der Autor in einem opulenten Kaleidoskop mannigfaltiger visueller Eindrücke schildert, genau zu verfolgen. Oder ihr Himmelskörper selbst stellt ihnen natürliche Linsen Beobachtung der astralen Welt zur Verfügung, wie in dem Mondroman Die große Revolution (1902). Scheerbarts irdische Schauplätze, vor allem der Orient (wie in Tarub, Bagdads berühmte Köchin [1897], Der Tod der Barmekiden [1897], Machtspäße, [1904]) oder das ferne Australien [Münchhausen und Clarissa [1906], wo die Künstler ebenfalls das Alte dekonstruieren wollen und nach dem Neuen streben, sind in ihrer Exotik nicht weniger bunte „Wunderweltlaternen“ als die astralen Gefilde.
In gewissem Maße ist der Scheerbart’sche Kosmos auch ein ideales Gegenstück zu seinen eigenen, von Hunger bedrohten bohemehaften Alltagsexistenz, in der er oft und oft mehr flüssige als feste Nahrung zu sich nahm. Häufig zitiert wird die von seinem Verleger Ernst Rowohlt gemachte Mitteilung, Scheerbart habe sich von „geschabten Heringen auf Brot“ ernährt. Ähnliche Anekdoten, die den Autor als absonderlichen, eigensinnigen Außenseiter hinstellen, als schrulligen Kauz und auf Pump lebenden trinkfreudigen Philosophen sind in vielen Darstellungen der Berliner Boheme zu finden. Es scheint, dass er nur dank der Unterstützung seiner immens geduldigen Zimmervermieterin und späteren Frau Anna, des „Bärchens“, die in seinen Briefen an sie, Von Zimmer zu Zimmer (1921) ein liebevolles Denkmal gefunden hat, lange genug am Leben blieb, um 1915 buchstäblich zu verhungern – aus Protest gegen den 1. Weltkrieg, wie man u.a. bei Erich Mühsam lesen kann.
Scheerbart wurde verhältnismäßig viel kritische Aufmerksamkeit zuteil, auch solche von großem Verständnis, aber gelesen wurde er kaum; nicht zu Lebzeiten, und nicht heute, und darin hat auch die inzwischen an Umfang und Qualität respektable Sekundärliteratur nichts geändert. Der Vergessenheit, in die er in den Jahrzehnten nach seinem Tod geriet, wurde er zwar entrissen, und seine alten Bücher sind inzwischen begehrte Sammlerstücke, aber seine Neuauflagen haben kaum einen größeren Leserkreis gefunden. „Seine Tragik ist, dass er viele Anhänger hat, aber kaum Leser“ (Klaus Völker). Die sechs Scheerbart-Bände in der „Phantastischen Bibliothek“ bei Suhrkamp waren so wenig ein Erfolg wie Einzelausgaben in den Insel Taschenbüchern, bei dtv oder anderswo, und die elf Bände der Gesammelten Werke in der kleinen „Edition Phantasia“ waren sündteuer und hatten eine Auflage von nur dreihundert Stück. Die schönen, von Mechthild Rausch mustergültig kommentierten Ausgaben bei der edition text + kritik (u.a. Gesammelte Arbeiten für das Theater, Der Tod der Barmekiden, Das graue Tuch und zehn Prozent Weiß) dürften keine wesentlich höheren Auflagen haben.
Dank der beiden mit liebevoller Akribie recherchierten Forschungsarbeiten Mechthild Rauschs, 70 Trillionen Weltgrüße. Eine Biographie in Briefen (1889-1915) [1991] und Von Danzig ins Weltall. Paul Scheerbarts Anfangsjahre 1863-1895 (1997) ist über Scheerbarts Leben nun einiges bekannt. Es liegen der Briefwechsel mit Max Bruns 1898-1904 und andere Dokumente (1990) und Paul Scheerbarts Briefwechsel mit Bruno Taut und anderen (1996) und seine Briefe von 1913-1914 an Gottfried Heinersdorff, Bruno Taut und Herwarth Walden (1996) vor und dank der so aufopferungsvollen wie verdienstvollen Arbeit Michael M. Schardts und seines Igel-Verlages drei Bände mit hundert Jahren Scheerbart-Rezeption Über Paul Scheerbart (1992, 1996 und 1998). Im Igel-Verlag erschien auch eine der wesentlichsten Dissertationen bisher zu Paul Scheerbart, Clemens Brunns Der Ausweg ins Unwirkliche. Fiktion und Weltmodell bei Paul Scheerbart und Alfred Kubin (2000), eine komparatistische Arbeit über Lesabéndio und Kubins Die andere Seite.
Der Asteroiden-Roman Lesabéndio (1913), die Originalausgabe wurde von Alfred Kubin illustriert, der das Werk vermutlich auch erst an den Georg Müller-Verlag vermittelt hat, ist wohl Scheerbarts reifster Roman, eine Science-Fiction, die ganz ohne menschliche Charaktere auskommt. Der titelgebende Pallas-Bewohner Lesabéndio betreibt das Projekt, durch einen babylonischen Turmbau den Planetoiden Pallas, aus zwei verbundenen Trichtern bestehet, mit seinem durch eine gewaltige Wolke verhüllten „Kopfsystem“ zu verbinden und dadurch mit dem großen All Verbindung aufzunehmen. Wie Clemens Brunn detailliert nachweist, ist der täuschend einfach geschriebene Roman keineswegs nachlässig darauflosgeschrieben, so wie es Scheerbart gerade in den Kopf gekommen ist (wie Arno Schmidt annehmen mochte), sondern streng durchkomponiert und gegliedert, nicht nur in vertikaler Hinsicht (dem Streben nach dem Höheren), sondern auch im horizontalen Aufbau der Figuren, und bietet eine tiefgründige Reflexion über die wechselseitigen Bedingnisse von Ästhetik, Technik und selbst Religion. Schon Walter Benjamin hat dazu angemerkt; „Dabei hat die geistige Überwindung des Technischen ihren Gipfel erreicht, da die Nüchternheit und Sprödigkeit des technischen Vorgangs zum Symbol einer wirklichen Idee geworden ist.“ Der Lesabéndio hat, in den Worten Walter Benjamins, jene Reinheit, die man Stil nennt.
Der Anspruch der Kunst, die Welt umzuformen, wie in Münchhausen und Clarissa oder Die Glasarchitektur verkündet, wird hier einer fortschreitenden Kritik unterzogen, dadurch relativiert und erreicht schließlich eine religiöse Dimension. Scheerbart stellt nicht nur die Welt, wie sie ist, in Frage, sondern auch die eigenen Ideen; charakteristisch für seine Prosa ist, wie er jeden Anflug von Pathos durch bewusste Schnoddrigkeit, durch banale Einfügungen und clowneske Apercus im Keim abtötet. Scheerbart war, wie alle großen Humoristen, ein tief melancholischer Mensch, der seine zur Weltverdrossenheit gesteigerten Kritiken der verqueren Moral der bürgerlichen Gesellschaft als Narretei und Possenhaftigkeit tarnt und ihrer Scheinmoral eine radikal revolutionäre antibürgerliche Kunstauffassung entgegensetzt.
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Betterplace und die digitalen Innovationen fürs Gute. Wie lassen sich digitale Technologien besser für soziale Zwecke nutzen? FutureHubs der D2030 Initiative zur Zukunftskonferenz am 6. und 7. Juli in Berlin. Live Talk mit Stephan Peters von betterplace lab.
Informationspflichten über die Eintragungen in Kommunikationsverzeichnissen und Telefonverzeichnissen sollen den Verlegern oder Auskunftsbetreibern auferlegt werden.
„Dass diese in der Regel keinen Kontakt zu den Personen haben, die dort gefunden werden möchten und schon aufgrund anderer datenschutzrechtlicher Vorschriften gar keinen Kontakt zu diesen aufnehmen dürfen, haben die Brüsseler schlicht übersehen“, kritisiert der vdav.
Würde Artikel 15 in der vorgelegten Form Rechtskraft erlangen, wäre dies nicht nur das Aus für Kommunikationsverzeichnisse mit den Kontaktdaten Privater wie Das Örtliche oder Das Telefonbuch, sondern auch für die Telefonauskunft. Dies nicht nur in Deutschland, sondern europaweit. Die von der Kommission kommunizierten Ziele wie Entbürokratisierung, optimierter Datenschutz, fairer Wettbewerb und optimierte Kommunikationsmöglichkeiten werden so nicht nur nicht erfüllt, sondern in Gänze konterkariert.
„Die negativen Folgen einer schon aus Unkenntnis über die Regelung und deren Folgen nicht abgegebenen Einwilligung werden vielfach erst nach Monaten wahrgenommen und sind dann kaum noch zu heilen. In der Praxis heißt dies, dass nicht wenige Kunden erst Wochen nach einem Vertragsabschluss oder einer Vertragsänderung feststellen, dass sie über einen Auskunfts- oder Verzeichnisdienst nicht mehr gefunden werden können. Vielen wurde die Notwendigkeit einer zwingenden Willenserklärung dafür am Point of Sales nicht erläutert, sie haben die Regelung selbst oder aber die Folgen schlicht nicht verstanden oder damit andere Belastungen (Direktmarketing, Spam etc.) in Verbindung gebracht, obwohl sie de facto weiterhin gefunden werden wollen. Ein klares, einfach und unkompliziert auszusprechendes ‚NEIN‘ wird unseres Erachtens gerade in dieser Hinsicht auch auf Seiten der überwiegenden Mehrheit der Endnutzer als vollkommen ausreichend angesehen und trägt dem Schutzbedürfnis – wie auch die weitestgehend kritiklose Nutzung von Diensten wie WhatsApp deutlich belegt – vollkommen und umfassend Rechnung.“
Im Vergleich zur Datenerfassung, die die Silicon Valley-Giganten betreiben, ist die Regelung für den Mittelstand über die ePrivacy-Verordnung der EU ein klarer Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht. So sehe ich das.