Proust im Sportteil der FAZ: Kovac antwortet, die Langeweile siegt

Da blättert man auf dem Tablet im Sportteil der FAZ, hofft auf was Frisches über Transfers, Schiri-Skandale, vielleicht ein bisschen Klopp-Psychologie – und stolpert hinein in den Proust-Fragebogen mit Niko Kovac. Ganz brav ausgefüllt. Borussia Dortmund als literarische Sommerfrische.

Die Fragen: alt, die Antworten: frisch gewaschen, gebügelt, faltenfrei. „Was ist das größte Glück?“ – „Mit Menschen zu arbeiten.“ Klingt nach Sozialpädagoge mit Taktiktafel. „Was ist das größte Unglück?“ – „Verletzungen.“ Danke für nichts, Herr Doktor Trivial.

„Woran erkennt man einen guten Spieler?“ – „Mentalität, Technik, Disziplin.“ Revolutionär! Fast so aufregend wie die Entdeckung des Elfmeters. „Mein größter Fehler?“ – natürlich der Klassiker aus der Bewerbungshölle: „Zu perfektionistisch zu sein.“ Bald kommt noch: „Ich bin manchmal zu ehrgeizig.“

Lieblingsspieler Maradona, Lieblingskünstler Banksy, Lieblingsheilige Mutter Teresa – als hätte jemand das Panini-Album der Allgemeinplätze durchgeblättert. Sinn des Spiels? „Zu gewinnen.“ Nobelpreisverdächtig.

Und dann dieser ganze Werte-Baukasten: „Leidenschaft, Hingabe, Fleiß, Bescheidenheit, Demut.“ Man kann sich das direkt als PowerPoint-Slide im Dortmunder Presseraum vorstellen.

Das Ganze liest sich, als hätte man Proust in die Umkleide gestellt – und der wäre dann beleidigt abgedampft. Und ja, der Unterhaltungswert? Wie ein torloses Unentschieden an einem verregneten Sonntag.

Fehlt nur noch die letzte Antwort, die wirklich alles abrundet:
„Herr Kovac, Ihr größter Wunsch?“ – „Weltfrieden.“

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