Revolution in der Lebensmittelbranche: Nachhaltige Ressourcennutzung und pflanzenbasierte Innovationen – Teil 3 der Ernährungswende-Serie am Dienstag 12 Uhr

In dieser Episode unserer Ernährungswende-Serie stehen effiziente Ressourcennutzung, nachhaltige Alternativen und die wachsende Bedeutung pflanzlicher Proteine im Fokus. Friedrich Büse, ein Visionär in der Lebensmittelindustrie, beleuchtet die Herausforderungen und Chancen in der aktuellen kulinarischen Landschaft. Von der Bedrohung lokaler Geschmacksvielfalt durch große Ketten bis hin zu innovativen Ansätzen für die Revitalisierung von Innenstädten – diese Episode deckt ein breites Spektrum an Themen ab.

Kernthemen und Highlights:

  1. Verlust kulinarischer Vielfalt: Büse kritisiert den Rückgang von Spezialitätengeschäften in deutschen Innenstädten und den zunehmenden Einfluss großer Ketten im Lebensmittelsektor. Er beleuchtet die Wichtigkeit lokaler Geschäfte für den Erhalt einer vielfältigen Esskultur.
  2. Steuerpolitik und kommunale Entwicklung: Die Notwendigkeit einer gerechten Besteuerung zur Unterstützung von Kommunen und kleinen Unternehmen wird thematisiert. Büse argumentiert, dass dies essenziell für die Förderung nachhaltiger lokaler Wirtschaftskreisläufe ist.
  3. Revitalisierung von Innenstädten: Innovative Ansätze zur Wiederbelebung verödeter Stadtzentren werden erörtert. Büse betont die Rolle von Kleinunternehmen und lokalen Initiativen bei der Schaffung lebendiger Gemeinschaften.
  4. Fokus auf pflanzenbasierte Produkte: Büse stellt seine Projekte vor, die auf die Entwicklung von pflanzenbasierten Alternativen zu herkömmlichen tierischen Produkten abzielen, um die Umweltauswirkungen der Lebensmittelproduktion zu verringern.
  5. Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft: Die Bedeutung der Einbindung regionaler landwirtschaftlicher Betriebe in die Ernährungswende wird hervorgehoben. Büse sieht hierin einen Schlüssel für die Schaffung nachhaltiger und kreislauforientierter Lebensmittelketten.
  6. Soziale Verantwortung und Inklusion: Büse betont die Rolle von Inklusionsprojekten und Ausbildungsförderungen in handwerklichen Betrieben. Er sieht dies als einen Weg, um die Lebensmittelindustrie inklusiver und gerechter zu gestalten.
  7. Energie- und Klimawende: Das Interview greift auch die Themen Energieeffizienz und ökologische Nachhaltigkeit auf. Büse unterstreicht, dass die Lebensmittelbranche eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung der Klimakrise spielt.

Zusammenfassung: Die dritte Episode unserer Ernährungswende-Serie bietet tiefgreifende Einblicke in die Herausforderungen und Chancen der Lebensmittelindustrie. Friedrich Büse präsentiert innovative Lösungen und zeigt auf, wie eine nachhaltige, pflanzenbasierte Zukunft gestaltet werden kann. Von der Bedeutung kleiner lokaler Unternehmen bis hin zu groß angelegten industriellen Veränderungen – diese Episode deckt die ganze Bandbreite der aktuellen Entwicklungen in der Lebensmittelbranche ab.

Man hört, sieht und streamt sich am Dienstag, 16. Januar, um 12 Uhr auf LinkedIn, YouTube, Twitter-X und Co.

Siehe auch:

Siemens-Chef Roland Busch und die Visionen für ein industrielles Metaverse

„Der CEO von Siemens, Roland Busch, hielt während der CES-Keynote eine beeindruckende Rede. Er präsentierte das Konzept des ‚Industrial Metaverse‘, das auch aus Deutschland kommen soll und verschiedene Anwendungsbereiche bietet. Das Industrial Metaverse ist eine Weiterentwicklung des digitalen Zwillings, der die analoge und digitale Welt miteinander verbindet“, schreibt Sascha Pallenberg in seinem Newsletter mit einer sehr spannenden Rückschau auf die CES in Las Vegas.

Tenor des Auftritts von Siemens:

Technologie hat das Potenzial, unser Leben in vielerlei Hinsicht zu verbessern. Sie kann uns unterhalten, heilen, verbinden und schützen. Technologie verändert die Art und Weise, wie wir die Welt sehen, miteinander interagieren und die Zukunft gestalten. Mit Technologie können wir die größten Herausforderungen unserer Zeit bewältigen, wie zum Beispiel die Sicherung der Nahrungsmittelversorgung, den Zugang zur medizinischen Versorgung, die Nachhaltigkeit und den Umweltschutz.

Die CES 2024 ist eine Feier all dessen, was die Technologie der Menschheit zu bieten hat. Es herrscht eine positive Energie und wir bewegen uns mit Hoffnung und Zuversicht vorwärts. Gemeinsam arbeiten wir daran, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Das industrielle Metaverse ist eine virtuelle Welt, die die reale und die digitale Welt miteinander verbindet. Es ermöglicht uns, das Tempo des Fortschritts zu beschleunigen und dringende Probleme anzugehen. Mit dem industriellen Metaverse können wir Innovationen vorantreiben, Nachhaltigkeit fördern und den Zugang zu neuer Technologie erleichtern. Es ist ein Ort, an dem die reale und die digitale Welt kombiniert werden, um industrielle Innovationen zu schaffen.

Der digitale Zwilling ist ein zentraler Bestandteil des industriellen Metaversums. Er ist keine einfache 3D-Darstellung, sondern eine physikalisch basierte Simulation. Mit dem digitalen Zwilling können wir komplexe Systeme wie Flugzeuge, Stromnetze und Fabriken simulieren und optimieren. Dadurch können wir Probleme frühzeitig erkennen und Lösungen entwickeln, bevor ein physisches Produkt hergestellt wird.

Die softwaredefinierte Automatisierung ist ein weiterer wichtiger Baustein des industriellen Metaversums. Sie ermöglicht es uns, Fabriken effizienter und nachhaltiger zu machen. Durch den Einsatz von softwaredefinierten Automatisierungssystemen können wir Produktionsprozesse optimieren und Energie sparen.

Daten und KI sind entscheidend für das industrielle Metaverse. In hochautomatisierten Fabriken werden enorme Datenmengen generiert. Diese Daten werden mit Hilfe von Edge-Geräten und KI analysiert, um wichtige Muster zu erkennen und verwertbare Erkenntnisse zu gewinnen. Dadurch können wir Prozesse optimieren und in Echtzeit auf Veränderungen reagieren.

Die Integration von generativer KI in Low-Code-Entwicklungsplattformen wie Mendix ermöglicht es jedem, KI-Funktionalitäten in seine Anwendungen einzubinden. Dadurch können auch Nicht-Programmierer von den Vorteilen der KI profitieren und intelligente Anwendungen entwickeln.

Das industrielle Metaverse bietet uns die Möglichkeit, die reale Welt zu verbessern und Probleme anzugehen. Es ermöglicht uns, Innovationen zu beschleunigen, Nachhaltigkeit zu fördern und den Zugang zu neuer Technologie zu erleichtern. Das industrielle Metaverse ist eine aufregende Entwicklung, die uns helfen wird, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

So kann es in diesem Jahr weitergehen.

Meine Bewertung. Über die industriellen Anwendungen wird es den entscheidenden Schub für das Metaverse geben. Das thematisierten wir schon auf der Zukunft Personal im Jahr 2022 im Interview mit Markus Herkersdorf von der Firma TriCAT. Unser Thema: Das Metaverse – ein Balanceakt zwischen Hype und Realität im Unternehmensumfeld.

Wie viel Hype steckt im Metaverse? Wie viel Realität lässt sich bereits erkennen? Facebooks Umbenennung in Meta, um ein Metaverse zu erschaffen, ist allgemein bekannt. Doch die Realität zeigt, dass auf operativer Ebene bereits viele Elemente existieren, die dem Konzept des Metaversums entsprechen.

Viele ziehen Parallelen zu Second Life, einem Projekt, das letztendlich scheiterte. Herkersdorf sieht jedoch die Möglichkeit, eine neue Qualitätsebene in aktuellen Formaten zu erreichen. Die Pandemie hat gezeigt, dass viele Dinge über Zoom, WebEx oder andere Tools laufen können. Doch es muss mehr kommen.

Herkersdorf stellt eine provokante These auf: Mit Ausnahme von Montage und Fertigung könnte jeder Bereich potenziell virtualisiert werden. Und er wird es auch, aus Gründen wie Zugänglichkeit, Skalierbarkeit, Kosten, Ressourcenschutz, Umweltschutz, Work-Life-Balance und New Work. Die externen Treiber sind so stark, dass es nur eine Frage der Zeit ist. Auch Hybridarbeit wird stark mit virtuell immersiven Umgebungen zu tun haben.

Im industriellen Umfeld sehen wir digitale Zwillinge, mit denen gearbeitet wird. Selbst die Meisterausbildung kann virtuell ablaufen. Ein Projekt des Fraunhofer IAO in Stuttgart zeigt, dass dies auch das industrielle Umfeld erfasst.

TriCAT hat Lösungen entwickelt, die Schulungen für Unternehmen weltweit virtualisieren. Physische Anlagen, die irgendwo auf der Welt stehen, werden in Echtzeit mit digitalen Zwillingen in einer virtuellen Umgebung verknüpft. Die Manipulation im digitalen Zwilling wird auf die echte Anlage übertragen, dort sieht man die Effekte. Dies könnte die Zukunft sein.

Die Kombination von Airbus-Wartung und Protokollierung bei technischen Überprüfungen ist ein weiteres Beispiel. Dies könnte eine enorme Kostenersparnis bedeuten. In einem Forschungsprojekt im Bereich Biotech-Reaktoren wird die Ausbildung entlang des regulatorischen Prozesses an der Anlage VR-brillenbasiert durchgeführt.

Die Automatisierung durch digitale Technologien ist wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, mit dem demografischen Wandel fertig zu werden. Selbst Robotik, KI und Einwanderung werden nicht ausreichen.

In wenigen Jahren werden wir in einer Welt leben, in der viel durch KI unterstützt wird. Entscheidungsfindung, Automatisierung – der Mensch wird nur noch orchestrieren. Um in dieser Welt als aktive Akteure bestehen zu können, müssen wir viel tun, insbesondere im Bereich der Kompetenzen.

Wir müssen uns von wissenszentriertem Lernen in Schule, Hochschule und teilweise im Betrieb verabschieden und hin zu Umgebungen, in denen von Anfang an am Arbeitsplatz gehandelt werden muss. Virtuelle Umgebungen, in denen Kompetenzen am Arbeitsplatz im Arbeitsumfeld erlernt werden.

Dazu passt auch das Gespräch mit Marius Grathwohl vom Maschinenbau-Unternehmen Multivac zu den Industrie 4.0-Entwicklungsmöglichkeiten.

Die Industrie 4.0-Initiative, die ursprünglich als Wachrüttler für die deutsche Industrie gedacht war, hat laut Grathwohl zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit Digitalisierung geführt. Er sieht in der Digitalisierung eine große Chance für deutsche Unternehmen, ihre Geschäftsmodelle neu zu erfinden und weiterzuentwickeln. Dabei betont er die Notwendigkeit einer langfristigen Vision und einer schrittweisen Umsetzung von Innovationen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die internationale Wahrnehmung der deutschen Industrie. Während Länder wie China und die USA in bestimmten Bereichen der Digitalisierung führend erscheinen, verfügt Deutschland über ausgeprägte Stärken, beispielsweise in der Mensch-Maschine-Kommunikation und in der Entwicklung von Industriestandards. Grathwohl mahnt zu mehr Selbstbewusstsein und Eigeninitiative in derdeutschen Industrie und plädiert für die Entwicklung einer eigenständigen Agenda, die sich nicht nur an internationalen Vorbildern orientiert, sondern eigene Stärken und Potenziale in den Vordergrund stellt.

Ein zentrales Thema in der Diskussion ist die Kreislaufwirtschaft und das damit verbundene Konzept des digitalen Produkt-passes. Hier sieht Grathwohl erhebliche Chancen für den deutschen Maschinenbau, als Treiber und Gestalter von Nachhaltigkeitsinitiativen zu agieren. Die Fähigkeit, effizient und ressourcenschonend zu produzieren, ist ein klarer Wettbewerbsvorteil, den deutsche Unternehmen nutzen können.

Trotz der Herausforderungen, die Industrie 4.0 mit sich bringt, sind die Chancen und Potenziale enorm. Grathwohl betont die Bedeutung von Kooperationen und Ökosystemen, in denen Unternehmen nicht mehr isoliert agieren, sondern als Teil eines größeren Netzwerks. Die Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg wird immer wichtiger, um komplexe Herausforderungen zu meistern und innovative Lösungen zu entwickeln.

Die Zukunft der Industrie 4.0 in Deutschland hängt maßgeblich davon ab, wie Unternehmen und Politik die Weichen stellen. Die aktuelle Energiekrise kann als Katalysator dienen, um die Digitalisierung in den Bereichen Energiemanagement und Smart Grid voranzutreiben. Grathwohl ist überzeugt, dass Deutschland die Fähigkeit besitzt, auf globaler Ebene eine führende Rolle in der Digitalisierung der Industrie einzunehmen, sofern die vorhandenen Stärken gezielt genutzt und weiterentwickelt werden.

Insgesamt zeigt das Gespräch mit Marius Grathwohl, dass Industrie 4.0 weit mehr ist als nur ein Schlagwort oder eine technologische Spielerei. Es handelt sich um einen tiefgreifenden Transformationsprozess, der die Art und Weise, wie Unternehmen produzieren, kommunizieren und interagieren, grundlegend verändert. Der Weg dorthin mag steinig und mit Herausforderungen gespickt sein, doch die Chancen für Innovation, Effizienz und Nachhaltigkeit sind unübersehbar. Es liegt an den Akteuren in Wirtschaft und Politik, diese Chancen zu ergreifen und die Zukunft der deutschen Industrie aktiv zu gestalten.

Zitate-Ranking: Twitter-X bleibt die einzige Plattform von Bedeutung

Neben der Social Media Plattform Twitter-X kann kein anderer Social Media Titel bestehen, wenn es um Zitierungen von exklusiven Inhalten oder Einschätzungen dort geht. Der Eigentümerwechsel und die Neuaufstellung haben daran nichts geändert. Wir könnten jetzt noch über die Vermischung von Plattformen und Media-Diensten wie Pioneer oder Table.Media grübeln. Ich finde das sehr interessant, diese Newsletter-Dienste mit in die Betrachtung aufzunehmen. So richtig relevant sind diese Angebote bislang nicht. Meine Prognose: Harte Zeiten für die Investoren von Pioneer und Table.Media. Ich würde mit dem Geld eher Lotto spielen.

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Sondervermögen als Lösung für die Finanzierung öffentlicher Investitionen – Kommt es zu einer Allianz der Mitte? @jsuedekum @Bundeskanzler @_FriedrichMerz @FuestClemens @michael_huether

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Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Einhaltung der Schuldenbremse hat weitreichende Auswirkungen auf die deutsche Finanzpolitik. Insbesondere der Klima- und Transformationsfonds (KTF) für Ausgaben im Bereich der Dekarbonisierung und andere Sondervermögen wie der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) sind betroffen. Die Haushaltslücken für die Jahre 2024 und 2025 belaufen sich auf mindestens 30 Milliarden Euro, und es ist unklar, wie diese geschlossen werden sollen, obwohl bereits erste Beschlüsse über Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen getroffen wurden. Darüber machen sich in einem Beitrag für die FAZ Clemens Fuest ist (Präsident des Ifo-Instituts) Michael Hüther (Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW)) und Jens Südekum (Professor für Internationale Volkswirtschaftslehre am Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsökonomie (DICE) an der Heine-Universität) Gedanken. .

Die finanziellen Herausforderungen treffen Deutschland in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit. Der russische Angriff auf die Ukraine hat das Energieangebot in Europa verringert und verdeutlicht, dass Deutschland mehr Ressourcen für seine Verteidigung aufwenden muss. Geopolitische Spannungen mit China beeinträchtigen die exportabhängige Wirtschaft stärker als andere. Sowohl private als auch öffentliche Investitionen entwickeln sich schwach, obwohl Herausforderungen wie die Digitalisierung der Wirtschaft, der Rückgang der schulischen Leistungen, eine veraltete öffentliche Infrastruktur und die Dekarbonisierung eine deutliche Steigerung der öffentlichen Investitionen erfordern.

Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, ob das Urteil des Verfassungsgerichts eine Reform der Schuldenbremse nahelegt, sowie darüber, wie staatliche Ausgabenprogramme zur Bewältigung der genannten Herausforderungen gestaltet werden sollten. Es besteht jedoch weitgehender Konsens darüber, dass Kürzungen öffentlicher Investitionen oder Steuererhöhungen erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten würden. Die Frage ist also, wie die Finanzpolitik auf das Urteil reagieren kann, ohne die dringend benötigten Investitionen zu beeinträchtigen.

Eine Option besteht darin, die notwendigen Kürzungen auf konsumtive Staatsausgaben oder entbehrliche Subventionen zu beschränken. Beispielsweise wird oft gefordert, den Zuschuss zur Rentenversicherung zu kürzen. Allerdings ist die Umsetzung solcher Forderungen kurzfristig nicht realistisch. Zudem sieht man ja in Ansätzen bei den Bauern, was da so alles auf der Straße mobilisiert wird. Eine andere Möglichkeit wären Steuererhöhungen, aber diese könnten private Investitionen beeinträchtigen, da die Steuerbelastung in Deutschland bereits hoch ist und die Besteuerung von Unternehmen im internationalen Vergleich nicht wettbewerbsfähig ist.

Es besteht die Gefahr, dass Ausgaben im investiven Bereich gekürzt werden, da sie weniger politischen Widerstand hervorrufen. Dies wäre jedoch die falsche Antwort auf das Urteil, da die Herausforderungen der Transformation zur Klimaneutralität und die Instandhaltung der Infrastruktur zu wichtig sind.

Eine andere Option besteht darin, die erforderlichen Investitionen über Kredite zu finanzieren, die im Rahmen eines neuen, in der Verfassung verankerten Sondervermögens aufgenommen werden. Dies würde mehrjährige Investitionsprogramme transparent und rechtssicher gestalten und privaten Investoren mehr Sicherheit geben. Allerdings erfordert dies eine Zweidrittelmehrheit im Parlament, was eine überparteiliche Zusammenarbeit erfordern würde.

Eine weitere Option wäre die Reform der Schuldenbremse, um Neuverschuldung in Höhe der öffentlichen Nettoinvestitionen zuzulassen. Dies würde jedoch ebenfalls eine Zweidrittelmehrheit erfordern und es gibt derzeit keinen Konsens darüber.

Was würde das für die politische Architektur bedeuten? Jens Südekum hat das auf Twitter-X durchgespielt:

„Die Union wird der Ampel nicht umsonst aus der Patsche helfen. Die 2/3-Mehrheit für das SV gibt es, wenn überhaupt, wohl nur gegen Zugeständnisse bei Migration, Bürgergeld,… Evtl. bahnt @HendrikWuest ‚Allianz der Mitte‘ die Verhandlungen schon an? 2) Für die 2/3-Mehrheit ist die FDP nicht nötig. Aber wenn eine Kenia-Koalition das SV durchzieht, ist das Ende der Ampel wohl besiegelt. Denn so ökonomisch vernünftig die Lösung auch ist – die FDP hat sich bei Fragen rund um die Schuldenbremse intellektuell eingemauert und ihre Fundamentalopposition gegen jegliche Reform ist letztlich ihre einzige Hoffnung im Hinblick auf die nächste Wahl, denn die SB hat immer noch genug Fans. Es wäre natürlich besser, wenn auch die FDP beim SV mitmacht. Aber wahrscheinlich ist das nicht. Kurzum: einfach wird es mit dem SV „Transformation“ nicht, denn die politische Umsetzung erfordert viel Kraft Aber wenn man die Alternative – Sparkurs bei Zukunftsinvestitionen – und deren wirtschaftliche wie gesellschaftliche Implikationen betrachtet, dann ist es das wert.“

D’accord. Sohn@Sohn würden das begrüßen:

Wo bleibt die Wirtschaftspolitik als Staatskunst im Sinne von Rüdiger Altmann, dem früheren Berater von Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard? Oder Bidenomics? Das große Rad drehen, um die Unternehmen für Investitionen und Innovationen zu ermutigen.

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Über mediale Agenda-Setting-Champions, wichtige Indikatoren für die Konjunkturentwicklung und Impulse für die Innovationspolitik in Deutschland

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Gemeinsam mit Winfried Felser und der Indeed-Analystin Annijna widmeten wir uns bereits im ersten Pandemie-Jahr 2020 der Frage, wie man mit Stellenanzeigen Voraussagen für die Konjunkturentwicklung treffen kann. Wie kann die Wirtschaftspolitik in Krisenzeiten möglichst zeitnah und granular agieren? Die Entwicklung von Online-Stellenanzeigen kann als Frühindikator für die Auswirkungen von Krisen auf den Arbeitsmarkt gewertet werden. Die Daten sind hierfür nahezu in Echtzeit verfügbar.

Indeed indexiert und aggregiert Jobangebote von tausenden Karriere-Websites und einer Vielzahl von Personaldienstleistern und Jobbörsen. Die Analyse von bezahlten und unbezahlten Stellenanzeigen garantiert, dass der Gesamtarbeitsmarkt repräsentiert wird.

Zudem bekommt man für die Konjunkturpolitik einen wichtigen Orientierungspunkt für die notwendigen Maßnahmen. In welchen Berufsgruppen und Branchen muss der Staat aktiv werden? Das leisten die üblichen makroökonomischen Daten nicht wirklich. Da betracht man den Wald, vernachlässigt aber die einzelnen Bäume – etwa bei Fragen der Innovations- und Technologie-Politik. Das kritisierte der Ökonom Joseph Schumpeter schon am Anfang des 20. Jahrhunderts. Makroökonomen würden sich nur mit Aggregaten beschäftigen, also mit der Gesamtsumme der Mittel, die Volkswirtschaften für den Konsum und für Investitionen aufwenden. Einzelne Unternehmer, Firmen, Branchen, Konsumenten, die Rolle von staatlichen Institutionen und die Wirkung von Gesetzen verschwinden aus dem Blickfeld. Vor allem die Rolle von Innovationen werde heruntergespielt, bemängelte der Wirtschaftsforscher. Ausführlich in unserem Sohn@Sohn-Adhoc-Newsletter nachzulesen. Leitmotto. Steuerungskunst gefragt.

Von diesem Credo ist auch das Manifest von Rafael Laguna de la Vera und Cyriac Roeding geprägt:

„Trotz aller Spar-Dramen der Regierung: Mit einem Acht-Punkte-Programm könnten wir es unter die Top 3 der globalen Innovationsstandorte schaffen. Es ist Zeit zu investieren, damit unsere Kinder und Enkelkinder auch noch in Wohlstand leben können. In unserer Welt, in der rasante technologische Fortschritte rund um den Globus passieren, wird das Rennen um Innovation zur obersten Priorität, um den Wohlstand zu erhalten.“

Innovationen sind auch gefragt, um die dringend notwendige Ernährungswende anzugehen:

Zu den Voraussagen über Tech-Trends 2024 von Sascha Pallenberg. Mal schauen, was in Deutschland zündet.

Überfällig: Homöopathie raus aus der Erstattung durch die Kassen

Wer ist Agenda-Setting-Champion in Deutschland, wer bestimmt den Medientenor? Das untersucht regelmäßig der Schweizer Media Tenor. Die Kräfteverhältnisse an der Spitze des Zitate-Ranking bleiben 2023 im wesentlich so bestehen wie im Jahr davor: Die BILD-Gruppe bleibt deutlich vor den Markengruppen von SPIEGEL und HANDELSBLATT. Allerdings untermauert die BILD-Gruppe ihre Spitzenposition, in dem die Titel der Gruppe noch einmal etwas häufiger zitiert werden, dagegen gehen die SPIEGEL-Zitate im Vergleich zum Vorjahr etwas zurück. Auch das ZDF verliert deutlich an Aufmerksamkeit für seine Inhalte.

Das HANDELSBLATT bleibt zu Wirtschaftsthemen das Maß der Dinge und unter den deutschsprachigen
Medien ohne Konkurrenz, SPIEGEL, FAZ und WELT verlieren hier an Bedeutung. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern schiebt sich die ARD wieder vor das ZDF, die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
rangiert am Ende des Jahres vor der WELT-Gruppe, ist aber immer noch weit von früheren Erfolgen
entfernt, in denen die SZ eher zu den Top-5 gehörte.

Die Aufmerksamkeit für die SZ resultiert wesentlich aus der Flugblattaffäre von Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger, die auf zwiespältiges Echo stieß. Im Vergleich der Regionalmedien konnte der TAGESPIEGEL 2023 häufiger Themen setzen als im Jahr zuvor und rangiert wieder vor der FUNKE Mediengruppe. Eine deutlich größere Resonanz gab es auch für die NEUE OSNABRÜCKER. Die AUGSBURGER ALLGEMEINE bleibt auch nach dem Weggang des früheren Chefredakteurs Gregor Peter Schmitz zum STERN weiter relevant.

Zu den Gewinnern im Jahr 2023 zählt auch die Gruppe um RTL, N-tv, STERN und CAPITAL. „Der STERN hat sein Profil geschärft mit neuen Federn und neuen Impulsgebern. Das ist eindeutig zu erkennen“, meint Roland Schatz, Gründer von Media Tenor International. Und das nicht nur mit schlagzeilenträchtigen Interviews mit ehemaligen Kanzlern wie Gerhard Schröder, sondern auch mit exklusiven Recherchen und Interviews zu aktuellen Debatten, zuletzt dem Vorstoß von Bayerns Ministerpräsident Söder, der auf eine Verschiebung der geplanten Bürgergeld-Erhöhung drängt.

„Der STERN ist wieder zu dem Medium geworden, an das sich Politiker wenden, wenn sie gezielt solche Botschaften platzieren wollen“ , erklärt Schatz.

Bonner Verbindungen: Joseph Schumpeter, David und Gottfried Eisermann

Joseph Schumpeter ist vor allem für seine Theorien über Innovation und den kapitalistischen Entwicklungsprozess bekannt. Seine Zeit an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn von 1925 bis 1932 war besonders prägend für sein Schaffen. Schumpeter nutzte diese Jahre, um seine soziologischen und wirtschaftlichen Überlegungen zu vertiefen, wobei er regelmäßig Kollegs über ‚Gesellschaftslehre‘ hielt. Diese Bonner Periode wurde intensiv von Ulrich Hedtke, einem Berliner Sozialwissenschaftler, erforscht, der in den 1990er Jahren Schumpeters Arbeit aufgriff und dessen Einfluss auf die damalige Wissenschaftslandschaft beleuchtete. Schumpeter hielt in Bonn Vorträge zu Themen wie Staat und Gesellschaft, soziale Klassen und soziologische Übungen.

Hedtke untersucht Schumpeters öffentliche und akademische Vorträge, die sowohl in Deutschland als auch im Ausland gehalten wurden, und betont Schumpeters Interesse an der Verbindung von Wissenschaft und Politik sowie seine Bemühungen, eine wissenschaftlich fundierte Politik zu fördern. Diesen Punkt muss ich vertiefen!

Besonders bemerkenswert ist die Verbindung Schumpeters zu Gottfried Eisermann, der sich ebenfalls intensiv mit Schumpeters Werk auseinandersetzte. Eisermanns Sohn, David Eisermann, machte auf Facebook darauf aufmerksam, dass sein Vater Schumpeter seine Bonner Antrittsvorlesung im Jahr 1962 widmete. Diese Verbindung ist ein faszinierendes Beispiel für das Fortleben und die Wiederentdeckung von Schumpeters Gedanken, auch lange nach seinem Tod im Jahr 1950.

Gottfried Eisermann beschrieb Schumpeter als den sozialwissenschaftlichen Spiritus rector der Bonner Alma Mater und betonte, dass Schumpeters Werk tief von soziologischen Denkweisen durchdrungen sei. Dieser Einfluss war bereits erkennbar, als Schumpeter 1925 dem Ruf auf den Lehrstuhl an der Bonner Universität folgte.

Ein Live-Interview mit Ulrich Hedtke, dem Schumpeter-Forscher in Berlin, würde weitere Einblicke in Schumpeters Zeit in Bonn und sein Vermächtnis geben. Dies wäre eine Gelegenheit, die Bedeutung von Schumpeters Werk in der heutigen Zeit zu erörtern und seine Auswirkungen auf die moderne Wirtschaftstheorie und -praxis zu beleuchten. Mal schauen, ob ich das realisieren kann.

Ausführlich in meinem Beitrag nachzulesen für den Band „Schöpferische Zerstörung und der Wandel des Unternehmertums – Zur Aktualität von Joseph A. Schumpeter“

Schumpeters Bonner Jahre sind somit nicht nur ein wichtiger Teil seiner eigenen Biografie, sondern auch ein Zeugnis der kontinuierlichen Auseinandersetzung mit seinen Ideen und Theorien, die bis heute Wissenschaftler und Denker inspirieren.

Joseph Schumpeter, ein österreichischer Ökonom und Soziologe, ist vor allem für seine Theorien über Innovation und den kapitalistischen Entwicklungsprozess bekannt. Seine Zeit an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn von 1925 bis 1932 war besonders prägend für sein Schaffen. Schumpeter nutzte diese Jahre, um seine soziologischen und wirtschaftlichen Überlegungen zu vertiefen, wobei er regelmäßig Kollegs über ‚Gesellschaftslehre‘ hielt. Diese Bonner Periode wurde intensiv von Ulrich Hedtke, einem Berliner Sozialwissenschaftler, erforscht, der in den 1990er Jahren Schumpeters Arbeit aufgriff und dessen Einfluss auf die damalige Wissenschaftslandschaft beleuchtete.

Besonders bemerkenswert ist die Verbindung Schumpeters zu Gottfried Eisermann, der sich ebenfalls intensiv mit Schumpeters Werk auseinandersetzte. Eisermanns Sohn, David Eisermann, machte auf Facebook darauf aufmerksam, dass sein Vater Schumpeter seine Bonner Antrittsvorlesung im Jahr 1962 widmete. Diese Verbindung ist ein faszinierendes Beispiel für das Fortleben und die Wiederentdeckung von Schumpeters Gedanken, auch lange nach seinem Tod im Jahr 1950.

Zum Tod von Wolfgang Bergsdorf: Analytischer Kopf und wichtiger Berater von Helmut Kohl

Der General-Anzeiger beschreibt in einem Nachruf Wolfgang Bergsdorf, der im Alter von 82 Jahren verstorben ist, als „intellektuellen Kopf“ im Umfeld von Helmut Kohl. Diese Charakterisierung trifft den Kern seines Wirkens, denn über Jahrzehnte hinweg war Bergsdorf einer der engsten Mitarbeiter Kohls in der CDU und der Bundesregierung. „Kohl machte den gebürtigen Bensberger nach seiner Wahl zum CDU-Vorsitzenden 1973 zum Leiter seines Büros im Adenauer-Haus (also in der Parteizentrale, gs). Zudem war er Chefredakteur der Zeitschrift ‚Die Politische Meinung‘ der Konrad-Adenauer-Stiftung. Während der schwarz-gelben Koalition von 1982 bis 1998 war Bergsdorf Abteilungsleiter im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung sowie für Kultur und Medien im Innenministerium“, so der GA.

In meiner Zeit als Leiter des Bonner Büros des Instituts für Demoskopie Allensbach lernte ich Bergsdorf in seiner Funktion im Bundespresseamt zwischen 1989 und 1993 kennen. Also eine spannende und wilde Zeit des Umbruchs zur Zeit der Wiedervereinigung. Ich schrieb damals die Wochenberichte fürs Kanzleramt und erlebte Bergsdorf und den klugen Politstrategen Horst Teltschik bei den Themenkonferenzen für die Monatsumfragen kennen, die dann Grundlage für meine Analysen waren.

Anekdote am Rande: Noelle sagte zu mir folgendes: „Herr Sohn, Sie können sich erst dann ‚Demoskop‘ nennen, wenn sie 100 Wochenberichte geschrieben haben.“ Was sagte mir die Pythia vom Bodensee wohl nach dem 100. Bericht – also nach knapp zwei Jahren meiner Tätigkeit?

Stephan Eisel, seinerzeit Redenschreiber und stellvertretender Leiter des Kanzlerbüros, sagte dem GA, dass Bergsdorf einer der ersten war, der sich wissenschaftlich mit der Massenkommunikation als politischem Phänomen und der Instrumentalisierung von Sprache in der Politik befasste. Das war in er Tat so. Ein kühler Kopf, immer unaufgeregt, aber sehr kritisch und tiefgründig. So schreibt er in seinem Buch „Herrschaft und Sprache“, im 31. Kapitel „Erneuerung der CDU-Terminologie: Soziale Anreicherung der ‚Freiheits‘-Rhetorik“ (1983 (!) im Neske-Verlag erschienen): „Die Euphorisierung der politischen Terminologie durch Willy Brandt hatte die CDU/CSU nichts entgegenzusetzen. Sie hielt zunächst an den traditionellen Formeln fest, die um ihren Zentralbegriff ‚Freiheit‘ gruppiert waren und geriet mit ihnen vor allem in der ost- und deutschlandpolitischen Auseinandersetzung in die Defensive. Begriffe wie ‚Wiedervereinigung‘ und ‚Selbstbestimmungsrecht‘, mit denen die CDU/CSU in den 50er Jahren ihre Politik der West-Orientierung gegen gesamtdeutsche Einwände flankierend abgesichert hatte, gewannen nun zentrale Stellenwerte ihrer Argumentation. Vor allem die CDU/CSU-Fassung des ‚Nation‘-Begriffs – von Oppositionsführer Rainer Barzel in seiner Kritik an der Brandtschen Ostpolitik immer wieder verwandt – geben der CDU-Terminologie eine neue, national akzentuierte Einfärbung. Mit ihr unterschied sie sich gründlich vom Vokabular der Regierung. Es gelang ihr aber kaum, die von der Regierung auch terminologisch erzeugten Erwartungshaltungen zu korrigieren. Die Niederlage der Unionsparteien in der Bundestagswahl 1972 wurde so auch zu einer Niederlage ihrer Terminologie.“ Entscheidend ist der Kontext.

Unter dem neuen Vorsitzenden Helmut Kohl wurden diese Defizite unter Führung des CDU-Generalsekretärs Kurt Biedenkopf sehr schnell aufgearbeitet durch einen verstärkten Dialog der Partei mit Intellektuellen. Also nix mit Birne und Provinz-Ei. Kohl war ein Erneuerer. Biedenkopf auf dem Bundesparteitag der CDU 1973 folgendes: „Was sich heute in unserem Lande vollzieht, ist eine Revolution neuer Art. Es ist die Revolution der Gesellschaft durch Sprache…Statt der Gebäude der Regierungen werden die Begriffe besetzt, mit denen sie regiert, die Begriffe, mit denen wir unsere staatliche Ordnung, unsere Rechte und Pflichten und unsere Institutionen beschreiben.“ In der Mannheimer Erklärung wird der Begriff der „Freiheit“ eng mit dem Schlüsselwort „sozial“ verknüpft. „‚Freiheit‘, ‚Gerechtigkeit‘ und ‚Chancengleichheit‘ sowie ‚Solidarität‘ werden als ‚Grundwerte‘, die sich gegenseitig bedingen und ergänzen, bezeichnet“, erläutert Bergsdorf.

Die Freiheit des Einzelnen wurde sprachlich verbunden mit seiner Verpflichtung gegenüber der Gemeinschaft. Kann sich Merz hinter die Ohren schreiben. Unter Kohl und den Generalsekretären Biedenkopf und Geißler war die Union schon mal fortschrittlicher und sozialer orientiert. Was Geißler nach der Jahrtausend-Wende schrieb, wäre auch heute noch ein sittlicher Maßstab für eine christliche Partei. Das nur am Rande.

In dieser Zeit habe ich eine Menge über empirische Sozialforschung gelernt, über die Analyse von Umfragen und über strategische sowie taktische Politikberatung – in den Hintergrundgesprächen mit Teltschik, Bergsdorf, Noelle und Co.

Bergsdorf hörte politisch das Gras wachsen und brachte immer wieder interessante Hypothesen auf die Agenda der Mehrthemen-Befragungen von Allensbach. Erfolgschancen einer bundesweiten CSU, Rolle der Grünen, Siegchancen der Allianz für Deutschland in Ostdeutschland und vieles mehr.

Nach meinem Wechsel als Pressesprecher in die Wirtschaft verlor ich leider den Kontakt zu den Polit-Profis im Kanzleramt und im Bundespresseamt. Ich profitiere aber nach wie vor von der Klugheit von Menschen wie Bergsdorf. Für mich waren die Begegnungen mit ihm ein Glücksfall. Auch die späte Freundschaft zu Rüdiger Altmann, dem Berater von Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard.

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Zuerst Optimismus, dann Wachstum: WEF-Weltrisikobericht blickt pessimistisch in die Zukunft – Jetzt ist Wirtschaftspolitik als Staatskunst gefragt

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Die Experten des Weltwirtschaftsforums (WEF) haben ihren neuen Weltrisikobericht vorgestellt und dabei einen eher pessimistischen Eindruck hinterlassen. Die Umfrageergebnisse spiegeln die aktuelle Lage der Welt und die Stimmung vieler Menschen wider. Zwei Drittel der befragten Führungskräfte erwarten in den nächsten zehn Jahren schwere Krisen.

Der Bericht des WEF basiert auf Daten von rund 1400 Unternehmen weltweit und berücksichtigt auch Ansichten aus Politik, Wissenschaft und der globalen Zivilgesellschaft. Die Ergebnisse zeigen einen starken Anstieg des Pessimismus. Während ein Drittel der Befragten für die nächsten zwei Jahre Risiken schwerer Krisen sieht, rechnen zwei Drittel der Teilnehmer mit solchen Entwicklungen in den kommenden zehn Jahren.

Die größten Risiken für die Jahre 2024 und 2025 sind Desinformation, Extremwetter, gesellschaftliche Polarisierung, Datenunsicherheit und Krieg.

Auch das Thema Extremwetter nimmt seit Jahren eine Spitzenposition in den Risikoberichten des WEF ein. Viele Unternehmen weltweit haben erkannt, was der Klimawandel bedeutet, sind jedoch nicht immer bereit, angemessen darauf zu reagieren. In der Vorschau der größten Risiken für die nächsten zehn Jahre belegen Klima- und Umweltprobleme sogar die ersten vier Plätze.

Und in Deutschland rangiert bekanntlich das jährlich von Allensbach ermittelte Stimmungsbarometer auf einem historischen Tiefstwert wie zu Zeiten des Korea-Krieges Anfang der 1950er Jahre. Wo bleibt da die Wirtschaftspolitik als Staatskunst im Sinne von Rüdiger Altmann, dem früheren Berater von Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard? Oder Bidenomics? Das große Rad drehen, um die Unternehmen für Investitionen und Innovationen zu ermutigen: Um wieder in den Aufschwung-Modus zu kommen, brauchen wir mehr Optimismus. Darauf hat der Informatik-Professor Karl Steinbuch bereits 1979 hingewiesen. Steinbuch berechnete, dass eine seit 1949 jeweils zum Jahresende vom Institut für Demoskopie Allensbach gestellte Frage „Sehen Sie dem neuen Jahr mit Hoffnungen oder Befürchtungen entgegen“ in dem Prozentsatz der Antworten „mit Hoffnungen“ der Entwicklung des realen Bruttosozialprodukts vorauseilt. Der Verlauf des Optimismus folge nach Erkenntnissen von Steinbuch wie das Wachstum des Bruttosozialprodukts Zyklen mit einer Dauer von etwa vier bis fünf Jahren und der Optimismus in der Bevölkerung hinke nicht hinter der Konjunktur her, sondern gehe ihr voraus: Zuerst Optimismus, dann Wachstum.

Die Sparpolitik der Ampel-Regierung trägt nicht die Züge einer klugen antizyklischen Konjunkturpolitik, sondern besitzt eher den Charakter einer zänkischen internen Zerstückelung der Koalitionspartner – auf Kosten der Allgemeinheit.

Folgen wir doch den Anregungen des WEF-Reports: Lokale Strategien, die Investitionen und Regulierung nutzen, können die Auswirkungen der unvermeidlichen Risiken, auf die wir uns vorbereiten können, verringern, und sowohl der öffentliche als auch der private Sektor können eine Schlüsselrolle spielen, um diese Vorteile auf alle auszuweiten.

Die parfümierten Nazis sind die Wegbereiter für völkischen Nationalismus

Nachtigall, ick hör dir trapsen. Was Figuren wie Maximilian Krah, Spitzenkandidat der AfD für die Europawahl, und reiche Förderer der rechten Bewegung in Deutschland absondern, hinterlässt bei mir ein mulmiges Gefühl. Da wird offen über ethnische Säuberungen nachgedacht, Blut-und-Boden-Ideologie verbreitet, von deutscher Volksgemeinschaft gesprochen und zynisch von der Notwendigkeit einer Remigration fabuliert. Im ersten Schritt rücken drei Gruppen in den Vordergrund: Asylbewerber, Ausländer mit Bleiberecht – und „nicht assimilierte Staatsbürger“. Letztere seien aus Sicht der rechten Chefdenker das größte „Problem“. Es gibt dann handverlesene Menschen, die in Deutschland unbehelligt leben können und Menschen, die man verdrängen will. Die völkische getränkte Politik folgt den Spuren der Rechtsbewegung in den 1920er Jahre. Es ist das gleiche Drehbuch. Krah und Co. sprechen von der „Idee eines großen Ganzen“, von einer „natürlichen Ordnung“ und von den Kräften der Natur, der Biologie, der Gemeinschaft, von Volk, Familie und Mutterschaft. Familie, Volk und Gemeinschaft stehen bei Krah für Homogenität, Kollektivität, Vertrauen, Ehrlichkeit und Rechtstreue. „Volk ist Schicksal“, behauptet Krah, und „der Kampf um die Familie entscheidet alles“.

Freiheitsrecht und Individualismus stören in diesem Reinheitsgebot. Es ist das Anti-Schumpeter-Credo. Die „neuen Kombinationen“ im Sinne von Schumpeter zeichnen sich durch ein hohes Maß an Individualismus, durch Wettbewerb, aber auch durch Vertrauen und Fairness aus, auch und gerade gegenüber Dritten und Fremden.

Der ideologisch aufgepumpte völkische tabula-rasa Ansatz ist nicht harmlos. Er führt zu einer Konstellation, die der Ökonom Wilhelm Röpke, einer der Wegbereiter der Sozialen Marktwirtschaft nach 1945, hellsichtig analysierte. Was ihn in der kritischen Situation der Jahre 1931 und 1932 besonders empörte, war die leichtfertige Katastrophensucht, mit der viele bürgerlich-konservative Intellektuelle das Ende der Republik und das Ende ihres angeschlagenen Wirtschaftssystems herbeizureden bemüht waren, um den Weg für ein neues Zeitalter politischer und wirtschaftlicher Ordnung zu bahnen. Man braucht sich nur die heutigen Crashpropheten im AfD-Milieu, die nicht nur den Untergang von Euro und westlicher Demokratie herbeisehnen, sondern mit ihrem Krisen-Geschrei auch noch Kasse machen wollen über Gold- und Silber-Geschäfte. Das Augenmerk von Röpke richtete sich auf die „parfümierten Nationalsozialisten“, die in ihrer Zeitschrift „Die Tat“ (der so genannte Tat-Kreis) im Pessimismus schwelgten, sich an der Vertrauenskrise des Kapitalismus labten und in schwülstigen Gedanken über wirtschaftliche Autarkie ergingen. Noch stärker als das antiparlamentarische, antirepublikanische Argument wog in den Heften der Tat das Plädoyer für einen ökonomischen Systemwechsel, durch den Deutschland aus den Klauen des westlichen Kapitalismus befreit werden sollte. 

In dem rechtskonservativen Intelligenzblatt redeten Ferdinand Zimmermann alias „Ferdinand Fried“, Giselher Wirsing, Horst Gruenenberg und Hans Zehrer einem strikten Agrarprotektionismus, wirtschaftlicher Autarkie, kollektivistischer Planwirtschaft, Devisenzwangswirtschaft und staatlichem Außenwirtschaftsmonopol das Wort, um den Weg „zum nationalen Heil“ zu beschreiten. Geistige Wiedergänger finden sich heute auf der Seite der „Neuen Rechten“, wenn beispielsweise Götz Kubitschek in der Zeitschrift Sezession Vorbehalte gegen den „liberalen Markt“ formuliert und sich für ein „Wir-Denken im Volksrahmen“ ausspricht.

Röpke sprach Klartext, wurde aber zu wenig gehört: „Ein freudiges Sichwälzen in der Suhle der Barbarei“, „Nationalsozialismus der geistig Anspruchsvollen“, ein Gemisch aus Börsenklatsch und Oswald Spengler“, „neurotische Rebellen“, denen er in Anlehnung an Siegmund Freud ein „Unbehagen an der Kultur attestierte“ – in solch drastischen Formulierungen ließ er der in ihm brodelnden Empörung freien Lauf und rief zum geistigen Widerspruch auf. Als einer der wenigen Nichtjuden wurde Röpke von der ersten Säuberungswelle an den deutschen Universitäten erfasst und ging ins Exil nach Istanbul und Genf. Fried setzte seine Auseinandersetzung mit Wilhelm Röpke noch bis in die Kriegsjahre fort und verhöhnte seinen emigrierten Kontrahenten. 

Nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges konnten sich Röpkes wirtschaftliche Überlegungen in der Bundesrepublik vielfach durchsetzen. Wie lange hält das demokratische Regelwerk des Grundgesetzes noch?

Mein Weg würde nach Israel führen. Mein Großvater würde sich wohl auch so entscheiden.

Die Geschichte der Adressbüros: Eine einzigartige Vernetzungsidee von Leibniz #DasNotizAmt

Gottfried Wilhelm Leibniz war nicht nur ein herausragender Philosoph und Gelehrter, sondern auch ein visionärer Projektemacher. Im Jahr 1678 präsentierte er seinem Dienstherrn, dem Herzog von Braunschweig-Calenberg, die Idee von Adressbüros. Diese Einrichtungen sollten dazu dienen, Angebote und Anfragen zu erfassen und miteinander zu verknüpfen, um so den Handel und den Austausch von Informationen zu fördern. Das Ziel von Leibniz war es, Menschen miteinander zu verbinden und Kontakte herzustellen, selbst wenn sie sich nicht persönlich treffen konnten. Er sah in den Adressbüros auch eine Möglichkeit, Gelehrte und Erfinder zusammenzubringen.

Die Idee von Adressbüros war jedoch nicht neu. Bereits Michel de Montaigne hatte in einem seiner „Essais“ im Jahr 1580 die Einrichtung von Büros vorgeschlagen, in denen Beamte Anfragen und Angebote von Bürgern registrieren sollten. Die Idee fand Anklang und wurde in Paris und London umgesetzt. Anton Tantner, ein österreichischer Historiker, nimmt diese „Urszene“ bei Montaigne als Ausgangspunkt, um die Entwicklung und Umsetzung der Idee bis ins frühe 19. Jahrhundert zu verfolgen.

Dabei untersucht er die verschiedenen Formen und Namen, die diese Einrichtungen im Laufe der Zeit annahmen, wie zum Beispiel Adresscomptoirs, Frag- und Kundschaftsämter, Berichthäuser, Intelligenzbüros, Notizämter, bureaux de recontre und register offices. Tantner zeigt auf, dass die Idee von Adressbüros eine erstaunliche Wirkungsgeschichte hatte und auch von späteren Generationen von Pionieren aufgegriffen wurde. In Paris wurde das erste Adressbüro durch ein königliches Privileg im Jahr 1612 ermöglicht und entwickelte sich schnell zu einem umfangreichen Unternehmen, das nicht nur Medien- und Warenangebote, sondern auch Bildung und ärztliche Beratung umfasste.

In London wurden ähnliche Projekte bereits früher diskutiert und durch den Gelehrten Samuel Hartlib mit utopischen Ideen angereichert. Ab den 1650er Jahren wurden dann jedoch bodenständigere Modelle umgesetzt. In Wien und Berlin entstanden etwa drei Jahrzehnte später Oberintelligentz- und Adress-Häuser. Die Geschichte der Adressbüros war jedoch von Aufs und Abs geprägt und konnte keine eindeutige Entwicklungslinie aufweisen. Selbst die Verlagerung von Büros auf gedruckte Auszüge war keine eindeutige Tendenz, obwohl dies letztendlich dazu führte, dass die Intelligenz-Blätter und Zeitungen den Adressbüros im frühen 19. Jahrhundert den Rang abliefen.

Das Projekt von Leibniz und weitere Geschichten über das Suchen und Finden im 17. und 18. Jahrhundert kann man im vorzüglichen Buch von Anton Tantner nachlesen: “Die ersten Suchmaschinen – Adressbüros, Fragämter, Intelligenz-Comptoirs” – erschienen im Wagenbach-Verlag.

Mich regte dieses Opus an für meine wöchentliche Netzpiloten-Kolumne.

Titel der Reihe: Das Notiz-Amt.