Im Interview mit Heinrich Welter auf der GForce Kundenkonferenz seines Unternehmens in Wien vor gut zehn Jahren, ging es um Fortschritte und Herausforderungen der Sprachtechnologie. Es zeigt sich, dass ChatGPT nicht vom Himmel gefallen ist, sondern auf der langjährigen Forschungsarbeit von Unternehmen und Wissenschaft beruht. Um was ging es auf der Fachtagung?
Von „Drücken Sie die 1“ zur natürlichen Sprachverarbeitung
Lange Zeit galten Spracherkennungssysteme als unflexibel und unzuverlässig, ein Überbleibsel aus der Ära der Tastensteuerung. Welter unterstreicht jedoch, dass sich die Qualität der Spracherkennung, insbesondere im deutschen Sprachraum, erheblich verbessert hat. Große Unternehmen wie die Telekom oder Vodafone setzen mittlerweile auf diese Technologie, um einen personalisierten Kundenservice anzubieten, der die Erwartungen der Kunden nicht nur erfüllt, sondern übertrifft. Diese Entwicklung zeigt sich auch in aktuellen Marktanalysen, die belegen, dass die Akzeptanz und Nutzung von Sprachassistenten und -steuerungen in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist.
Kosteneffizienz und Zugänglichkeit durch Technologiefortschritte
Die Einführung dieser fortschrittlichen Systeme war früher mit hohen Kosten und Komplexität verbunden. Durch die Entwicklung standardisierter Software und verbesserte Hardware ist die Spracherkennung jedoch kosteneffizienter und zugänglicher geworden. Welter hebt hervor, dass diese Entwicklungen auch kleineren Unternehmen den Zugang zu fortschrittlicher Spracherkennungstechnologie ermöglichen, was zu einer breiteren Marktdurchdringung führt.
Integration in Apps: Eine neue Dimension der Kundeninteraktion
Ein zentraler Fortschritt ist die Integration von Sprachdialogsystemen in mobile Apps. Welter skizziert ein Szenario, in dem Kunden biometrisch über eine App verifiziert werden und dann Anfragen in natürlicher Sprache stellen können. Die App dient somit als visuelles und sprachgesteuertes Portal, das den Kunden direkt mit dem Unternehmen verbindet. Diese Integration erhöht nicht nur die Benutzerfreundlichkeit, sondern ermöglicht auch eine tiefere und personalisierte Interaktion zwischen Kunden und Unternehmen.
Die Überwindung von Silo-Strukturen
Welter kritisiert traditionelle Unternehmensstrukturen, in denen Marketing, Vertrieb und Kundenservice oft isoliert voneinander agieren. Er prophezeit eine Zukunft, in der intelligente Sprachdialogsysteme zu einer stärkeren Integration dieser Bereiche beitragen, was ein kohärenteres und effizienteres Kundenerlebnis ermöglicht. Diese Vision wird durch aktuelle Studien gestützt, die zeigen, dass integrierte Kommunikationssysteme zu einer Steigerung der Kundenzufriedenheit führen.
Die Bedeutung der Personalisierung
Abschließend betont Welter die Wichtigkeit der Personalisierung im Kundenservice und Marketing. Viele Unternehmen zögern jedoch, die ihnen zur Verfügung stehenden Daten vollständig zu nutzen. Welter sieht den Schlüssel darin, ein Gleichgewicht zwischen der effektiven Nutzung von Kundendaten und dem Respekt vor der Privatsphäre der Kunden zu finden. Er verweist auf aktuelle Datenschutzbestimmungen und die zunehmende Sensibilität der Öffentlichkeit für diese Themen, was Unternehmen vor neue Herausforderungen stellt.
Fazit
Der Trend geht weg von starren Systemen hin zu flexibleren, kundenorientierten Lösungen. Welter betont, dass die Zukunft der Kundeninteraktion in der intelligenten und empathischen Nutzung von Technologie liegt.
Den Schulterschluss zur Jetzt-Zeit liefert Wolfgang Wahlster vom DFKI:
Auch da hatten wir einen einen guten Riecher, auch wenn bei der Vernetzung und dem User Interface im PKW noch enorm viel Luft nach oben ist. Angefangen bei den Displays von vorgestern. Ohne die Partnerschaften mit Apple und Co. würde das nicht gut laufen.
Hier der Rückblick:
Wie viel vernetzte Intelligenz steckt bereits in unseren Autos und wie wird sich diese in Zukunft weiterentwickeln?
Einleitung: Die zunehmende Vernetzung und Elektromobilität sind Themen, die auch die Autoindustrie beschäftigen. Es wird intensiv darüber nachgedacht, wie man vernetzte Services in PKWs integrieren kann. Doch wie viel vernetzte Intelligenz steckt bereits in unseren Autos und wie wird sich diese in Zukunft weiterentwickeln?
Im Auto der gehobenen Preisklasse ist bereits eine Simkarte verbaut, die mobile Datenkommunikation ermöglicht. In den USA sind bereits Autos mit einem Wortcomputer mit Android Betriebssystem ausgestattet. Dadurch können bereits heute viele Dienste wie Verkehrsprognosen und Parkplatzfinder angeboten werden. Doch wie wird sich die vernetzte Intelligenz weiterentwickeln und welche neuen Dienste werden in Zukunft verfügbar sein?
Die Rolle der Telekommunikationsprovider und mögliche Partnerschaften: Die Telekommunikationsprovider spielen eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung der Netzinfrastruktur. Sie müssen jedoch auch ihre Dienste weiterentwickeln, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Es stellt sich die Frage, ob sie alleine in der Lage sind, innovative Dienste zu entwickeln und marktfähig zu machen. Mögliche Partnerschaften mit Unternehmen wie Apple oder Google könnten hier neue Impulse setzen.
Die Rolle von Apple und Google: Apple und Google sind bereits in verschiedenen Bereichen aktiv und könnten auch im Automobilsektor eine wichtige Rolle spielen. Apple bietet beispielsweise mit Passbook eine App an, mit der Karten und Tickets verwaltet werden können. Google hat bereits ein selbstfahrendes Auto entwickelt und könnte auch im Bereich der vernetzten Dienste neue Lösungen anbieten. Es bleibt abzuwarten, welche Rolle diese Unternehmen in Zukunft spielen werden.
Die Zukunft der vernetzten Intelligenz im Auto: Die Zukunft der vernetzten Intelligenz im Auto bietet viele Möglichkeiten. Neben Verkehrsprognosen und Parkplatzfindern könnten auch weitere Dienste wie preiswerteres Tanken oder personalisierte Services angeboten werden. Die Integration von Cloud-Services und die Nutzung von Apps im Auto könnten ebenfalls weiter vorangetrieben werden. Es bleibt jedoch die Frage, ob die Autoindustrie in der Lage ist, all diese Möglichkeiten umzusetzen.
Die Herausforderungen und Chancen der Elektromobilität: Die Elektromobilität ist ein weiteres wichtiges Thema, das mit der vernetzten Intelligenz im Auto einhergeht. Es gibt bereits innovative Elektroautos wie den Tesla S, der mit einem 17-Zoll-Display und einer Reichweite von 450 km überzeugt. Die deutschen Automobilhersteller müssen sich hier weiterentwickeln, um mit solchen Angeboten mithalten zu können. Auch Carsharing-Konzepte könnten in Zukunft eine größere Rolle spielen und den Berufsverkehr entlasten.
Fazit: Die vernetzte Intelligenz im Auto bietet viele Chancen und Herausforderungen. Es ist wichtig, dass sich alle Beteiligten auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und Partnerschaften eingehen, um innovative Lösungen zu entwickeln. Die Telekommunikationsprovider müssen ihre Netzinfrastruktur ausbauen, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Apple und Google könnten mit ihren Erfahrungen in anderen Bereichen neue Impulse setzen. Die Autoindustrie muss sich weiterentwickeln, um die Möglichkeiten der vernetzten Intelligenz im Auto voll auszuschöpfen. Die Elektromobilität bietet ebenfalls viele Chancen, die es zu nutzen gilt. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich diese Themen in Zukunft weiterentwickeln werden.
Soweit der Beitrag aus dem Jahr 2012. Da sollten wir mal ein Update machen.
Prof. Chris Wickenden, an English artist and designer who has lived in the Rhineland for many years, is not only a long-standing professor and highly esteemed colleague at the Media School at Fresenius University of Applied Sciences, but also one of the pioneers of #3D applications in higher education. There are probably few people who are able to combine #technology and #design the way he does. He also takes great pleasure in teaching students how to fly drones. And, of course, he is interested in artificial intelligence (#ai). On Friday, December 8, he will be discussing „FOMO vs. AI: Can you keep up without losing track?“ at the Next Economy Open #NEO23 in line with his motto „…learning is inevitable“ (in English language).
Der schon seit vielen Jahren im Rheinland lebende englische Künstler und Designer Prof. Chris Wickenden ist nicht nur langjähriger Professor und besonders geschätzter Kollege an der Media School der Hochschule Fresenius, sondern einer der Pioniere bei 3-D Anwendungen in der Lehre. Es gibt wohl nur wenige Menschen, die in der Lage sind, Technik und Design so zu kombinieren, wie er. Es ist über Ihn auch eine diebische Freude, den Studierenden auch das Drohnenfliegen beizubringen. Und natürlich beschäftigt er sich mit künstlicher Intelligenz (#ki). Am Freitag, 08. Dezember wird auf der auf der Next Economy Open #NEO23 ganz nach seinem Wahlspruch „…lernen ist unvermeidbar“ über „FOMO vs. AI: Can you keep up without losing track?“ (in englischer Sprache) diskutieren.
The following is perhaps important with regard to Peter Drucker. Why is economics so irrelevant for companies? It’s actually an absurdity. The following article looks for explanations.
How should companies organize their supply chains? How can we organize start-up ecosystems? Or, more generally: How should we do business in the future? How do we deal with multiple crises? How do we promote innovation?
These are questions that need to be addressed in economics. „But current management research is hardly looking for answers to these questions. This must change,“ Christoph Seckler and René Mauer demand in a FAZ guest article. For some years now, research has mainly been limited to explanatory research. Instead of coming up with ideas for shaping the future, the past is looked at in order to explain the present.
„The consequences of this one-sided research are serious. Management research is becoming less and less relevant for companies and their leaders. This problem is also recognized and discussed by management researchers. However, the responses to this are mostly only concerned with continuing to conduct explanatory research, just with a different focus,“ say the two academics from ESCP Business School in Berlin.
„The authors are right. But it won’t change. You can’t get into the top journals with practice-oriented articles. And articles in these journals are crucial for the reputation of researchers,“ comments Hidden Champion researcher Hermann Simon.
Professor Winfried W. Weber’s attempt at an explanation:
„Why is the influence of scientists on management declining? The answer is surprisingly simple. If we see management as a function of the organization that increases or decreases differences – much or little profit, innovative or incremental products and the like – the most effective observer of the manager keeps track and can influence it. And today, this observer is the consultant rather than the scientist,“ explains Weber.
This does not mean traditional consultants, but rather „management philosophers“. And these management thinkers have brought and continue to bring diversity, paradoxes and course deviations into play. They develop theories and approaches that advance management knowledge.
„Through the connection to organizational theory and practitioners, management philosophers develop a sense of which topics are connectable and which are not. In this sense, their fashions bring about a pendulum movement in management professionalization. In social systems that are never fully understood, there can never be a ‚one-best-way‘,“ emphasizes Weber.
Innovations can arise for companies precisely when they are made aware of the blind spots in their cluster, industry or company by external parties.
This is only possible with the necessary amount of surprise and chaos, which is not to be expected from pseudo-rational economists. Managers tend to look for new alternative courses of action in interpretative approaches. In this context, the chaotic thinking style of some management thinkers is closer to the practitioner than the logician. And then there is another aspect:
Without a flair for the cool and new, no management philosopher has access to top management, says Weber: „Management philosophers earn their money as coolhunters, much like Cayce Pollard, the protagonist in William Gibson’s novel ‚Pattern Recognition‘. They try to recognize patterns where there are none. They try to draw their customers‘ attention to something that does not yet exist. And: they try to create patterns. Cayce, the heroine of the novel, and the management philosophers move in intermediate spaces in which something has yet to emerge,“ writes Weber.
Weber’s conclusion: the influence of scientists is dwindling. Companies tend to look to management philosophers for answers, and well-known names such as Peter F. Drucker, Hermann Simon and Fredmund Malik come to mind.
Many other consultants are dominated by empty concepts in individual case empiricism: opinion-belief-esotericism, that is the triad of today’s babble rituals. Some kind of „spin“ is breathed into the empty words, which not only deprives them of their original meaning, but also charges them with certain interests. They are simplified, woven into the flow of existing lines of argument, altered in their form, softened or even turned into the opposite.
The whole thing is peppered with tautological sentences that cannot be refuted empirically. A rhetorical sleight of hand: if I cannot prove the non-existence of God, that is proof of existence. A bell jar of immunity is placed over the claims of the advisors to protect them from doubt and criticism. As this constructed façade can collapse at any time, some management consultants quickly jump to the next tautological „theory“.
„The result is a constantly rising and falling cycle of management fads,“ says Professor Lutz Becker.
Die Diskussionen auf der Next Economy Open im vergangenen Jahr beschäftigten sich mit der Entwicklung von speziellen Wirtschaftszonen, ähnlich wie in Shenzhen oder Silicon Valley, jedoch mit einem Fokus auf thematische statt geografische Gebiete. Dieser Ansatz zielt darauf ab, spezifische Technologien und Branchen wie erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft und künstliche Intelligenz zu fördern. Statt sich auf regionale Cluster zu beschränken, wird vorgeschlagen, nationale oder sogar europaweite Initiativen zu entwickeln, die sich auf Schlüsselthemen konzentrieren.
Ein zentrales Thema ist, wie man Start-ups und Innovationen am besten fördern kann, wobei Experten eine Abkehr von der rein regionalen Förderung hin zu einer zentralisierten, themenorientierten Herangehensweise befürworten. Die Idee ist, dass der Staat bestimmte Bereiche identifiziert, in die investiert werden soll, und dann gezielte Unterstützung bietet, etwa durch Steuererleichterungen oder direkte Förderungen.
Interessant ist auch der Blick auf die Rolle der EU in diesem Kontext. Die Frage, wie die EU die Entwicklung bestimmter Technologien oder Missionen unterstützen und fördern kann, ist besonders relevant im Hinblick auf das Ziel, bis 2045 Klimaneutralität zu erreichen. Die Herausforderungen liegen dabei nicht nur in der Auswahl und Förderung der richtigen Projekte, sondern auch in der Balance zwischen Technologieoffenheit und den notwendigen regulatorischen Rahmenbedingungen.
Die Sessions auf der Next Economy Open weisen auf eine Verschiebung hin zu einem mehr themen- und impactorientierten Ansatz in der Innovationsförderung, weg von der traditionellen regionalen Clusterbildung. Es geht um die Schaffung von Eco-Systemen, in denen Innovationen abseits starrer Regulierungen und kultureller Einschränkungen gedeihen können, was besonders wichtig ist in einer zunehmend vernetzten und virtuellen Welt.
Wir thematisierten das auch auf der Fleischerei-Fachausstellung (IFFA) in Frankfurt: Die Digitalisierung und Vernetzung im Maschinenbau schreitet voran, doch die Herausforderung liegt in der Kompatibilität der Systeme. Dr. Marius Grathwohl, ein Experte auf diesem Gebiet, erläuterte die aktuelle Situation und mögliche Zukunftsszenarien.
Viele Maschinenhersteller präsentierten auf der IFFA eigene digitale Produkte und Smart Services. Grathwohl betont, dass der erste Schritt der Digitalisierung oft darin besteht, sich mit Produkten für das eigene Portfolio zu beschäftigen. Der wesentliche nächste Schritt sei jedoch die Gestaltung von Schnittstellen und die Kooperation mit anderen Partnern, um eine ganzheitliche Lösung für den Kunden zu schaffen.
Das Projekt Industrie 4.0, das vor über einem Jahrzehnt ins Leben gerufen wurde, hat bereits einige marktreife Konzepte hervorgebracht. Ein solches Beispiel ist die Verwaltungsschale, die es ermöglicht, Stammdaten von Produkten zu publizieren und Kunden bereitzustellen. Diese Technologie bietet auch die Möglichkeit, digitale Zwillinge zu formen und diese in einem Ökosystem kommunizieren zu lassen.
Grathwohl hebt die Wichtigkeit der Herstellerunabhängigkeit hervor. Diese Offenheit ist nicht nur für Hersteller, sondern auch für Kunden entscheidend, da sie eine Abkehr vom traditionellen Shop Floor hin zur Cloud-Nutzung bedeutet.
Die Diskussion um Cloud-Dienste, speziell die „Cloud Made in Germany“ oder europäische Alternativen zu amerikanischen und chinesischen Tech-Giganten, ist ein weiteres wichtiges Thema. Obwohl Initiativen wie GAIA-X Hoffnung auf eine europäische Antwort bieten, bleibt Grathwohl skeptisch hinsichtlich der schnellen Entwicklung einer ernstzunehmenden Alternative zu den etablierten Anbietern. Damit liegt er richtig.
Im deutschen Maschinenbau und im Datenmanagement gibt es bereits viele Initiativen, die aufzeigen, dass durch bilaterale Partnerschaften schnell und unkompliziert Mehrwerte für Kunden entwickelt werden können. Grathwohl sieht den ersten Schritt in der Zusammenarbeit mit einem Unternehmen als einen wichtigen Anfang, der den Weg für weitere Kooperationen ebnet.
Abschließend spricht Grathwohl über die Rolle der Politik und empfiehlt, dass diese mehr auf das hören muss, was im Markt tatsächlich passiert. Fördermaßnahmen und eine stärkere Beachtung von Industrieinitiativen könnten hier viel bewirken.
In einem sich schnell wandelnden Umfeld wie dem Maschinenbau bleibt die Frage, wie die Industrie und Politik gemeinsam die Herausforderungen der Digitalisierung meistern können, um ein effizientes und vernetztes Ökosystem zu schaffen.
Communities abseits der Massen Powered by Restream https://restream.io/ Braucht eine Community tausende Mitglieder? Funktionieren Themen aus der Nische in Communities. Eine Diskussion zu Nutzen und Aufwand. Das diskutieren Roman Rackwitz und Detlev Artelt.
Im Jahr 2012 beschäftige ich mich auf der Berliner Wissenschaftskonferenz Informare mit dem Thema KI und Obi Wan Kenobi.
Schachcomputer waren früher materialistisch eingestellt, sie agierten als dreiste Straßenräuber. „Jetzt opfern sie sogar Figuren“, so der Schachgroßmeister Helmut Pfleger. Er billigt der Maschine gewaltige Schritte in Richtung Künstlicher Intelligenz zu. Erstmals hatte die Frage, ob eine Maschine überhaupt denken könne, der britische Computerwissenschaftler Alan Turing gestellt. Könnten unabhängige Beobachter im Turing-Test nicht mehr unterscheiden, welche Antwort von einem Menschen oder einer Maschine stammt, müsste man dieser „Intelligenz“ zubilligen. Wenn nun der Computer den Schachweltmeister schlägt, sei das wohl Künstliche Intelligenz. „Wir haben trotzdem nicht beschlossen, das deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz zu schließen“, so Professor Hans Uszkoreit vom DFKI auf der Berliner Wissenschaftskonferenz Informare.
Irreführende Nachrichten über Künstliche Intelligenz
Solche Nachrichten führten in die Irre. Maschinen seien nicht so klug wie man denkt. Aber trotzdem nützlicher, als es allgemein bekannt sei: „Seit mehr als fünfzig Jahren versuchen Wissenschaftler, die menschliche Intelligenz nachzubilden. Aber wir haben ja nicht einmal ein dreijähriges Kind nachgebildet. Wir können nicht die Kreativität, das Denken oder die Sprache eines Kleinkindes nachbilden. Was ist hier los“, fragt sich Uszkoreit. Das verwirre die Öffentlichkeit. Die wirklichen Fortschritte der Künstlichen Intelligenz werden in diesem Spannungsfeld nicht wahrgenommen. Fast alle globalen IT-Unternehmen hätten in den vergangenen 18 Monaten eine neue Generation von automatischer Übersetzungssoftware eingeführt. „Google hat gar keinen Bereich Suche mehr – was nicht richtig zur Kenntnis genommen wurde. Das heißt jetzt Knowledge und arbeitet mit semantischer Suche. Das Unternehmen Autonomy, Spezialist für Textanalysen, wurde für 11 Milliarden Dollar an HP verkauft. Apple Siri ist bereits in einigen Sprachen auf dem iPhone und fängt an, das Leben zu verändern. Was jetzt passiert, wird in den Medien kaum aufgegriffen. Dabei ist Sprachtechnologie auf breiter Front in der Wirtschaft auf dem ganzen Globus zum Durchbruch gekommen“, meint der KI-Forscher.
Entsprechende Fachleute oder Firmen werden von Google und Nuance aufgekauft. In der Forschung brauche man sich vor den USA nicht zu verstecken. Wer mache denn Google Translate? Das seien meistens Europäer, die dann allerdings nicht für europäische Firmen arbeiten.
Aber ist das alles schon Künstliche Intelligenz? Chatbots könnten schon sehr menschlich kommunizieren, trotzdem ist es immer noch nicht möglich, den Menschen nachzubilden. Es gibt keinen Computer, der auch nur einen Satz in Grimms Märchen richtig versteht. Wir haben die Definition von Intelligenz wohl etwas zu eilig gestrickt. Und Turing mit all seiner Weitsicht und Vision konnte sich 1940 keinen Test ausdenken, der heutigen Ansprüchen genügt. Die Kognitionswissenschaften kamen erst später ins Laufen.
Nahtlose Kommunikation und bessere Zusammenarbeit mit Maschinen
Um Künstliche Intelligenz richtig einzuordnen, schlägt Uszkoreit den alten DDR-Slogan „Überholen ohne einzuholen“ vor: „Das ist der Trick. Wir laufen den Besten nicht hinterher. Wir überholen ihn, ohne ihn einzuholen. Der Teil mit dem ‚nicht einholen‘ hat auch in der DDR prima geklappt. Wenn man den Slogan richtig interpretiert, ist auch was dran. Wir wollen den Menschen übertreffen, ohne ihn auch nur annähernd zu erreichen.“ Was nicht gehe in der KI-Disziplin, sind Kreativität, Assoziation, Intuition, Emotion, Bedürfnis, Intention und volles Verstehen. Vieles könne simuliert werden, aber mit dem wirklichen Nachbilden klappe es noch nicht so ganz. Was kann der Computer besser? „Er kann Millionen von Dokumenten nach komplexen Mustern durchsuchen, ohne dabei einzuschlafen. Da könnte ich keinen Menschen dransetzen. Die Maschine kann einigermaßen akzentfrei in 20 Sprachen Texte vorlesen oder ist in der beim Educational Testing Service in der Lage, tausende Essays in einer Stunde zu bewerten. Beim Schachspielen und Jeopardy ist der Computer besser. Er kann 57 Sprachen leidlich übersetzen. Spannend ist es jetzt, uns Menschen so zu erweitern, dass wir Dinge machen können, die vorher nicht möglich waren. Durch technische Vorteile der Maschinen in Perzeption, Gedächtnis, Geschwindigkeit, Ausdauer, Sprach- und semantische Technologien“, erläutert Uszkoreit.
Diese Fähigkeiten ermöglichen die nahtlose, mühelose und neue Zusammenarbeit mit Computern. Kognition und Sinne des Menschen werden verbessert. Die Maschine hat ein riesiges Kurzzeitgedächtnis. Menschen können sich im Durchschnitt nur sieben Elemente merken. Sprachtechnologie sieht der DFKI-Professor als führende Kraft der technologischen Weiterentwicklung, denn der Mensch macht seine Sache durch Sprache. Sie ist schon überall zu finden: In Microsoft Word, Voice Dialing, Web-Suche, Dialogsystemen, Lernprogrammen. „Wir haben das nur nicht richtig gefeiert. Sprache ist das natürlichste Mittel der Kommunikation und das einzige Medium, mit dem wir von Generation zu Generation unser Wissen weitergeben. Sprache ist auch das Gewebe des World Wide Web. Zwar sprechen wir über Multimedialität. Aber was nehmen wir denn, um zu suchen? Das basiert alles auf Sprache.“ Auch Bernd Stahl vom Netzwerkspezialisten Nash Technologies sieht Sprach- und semantische Technologien als wichtigen Baustein für das Future Internet.
Von links: Panel im Geiste von Obi Wan Kenobi mit Heinrich Rudolf Bruns, Bernd Stahl, Hannes Schleeh, Arnoud de Kemp. Moderation: Gunnar Sohn auf den Spuren von Harald Schmidt.
„Mein Traum ist ein Social Media Dial Tone. Darüber ist noch nicht viel gesprochen worden. Einen Dial Tone kennt jeder von uns aus dem Telefon – es geht um den Wähl-Ton. Er garantiert den ständigen Zugriff auf Dienste, unabhängig vom Operator und vom Aufenthaltsort meines Kommunikationspartners sowie ohne Ausfälle, wie es bei Skype, Twitter, Facebook oder Apps häufig der Fall ist. Beim Social Media Dial Tone stürzt nichts ab. Keine Mehrfachkonten bei Facebook, Twitter, G+, LinkedIn & Co. Keine separaten Social Media-Inseln. Ein Access. Ein View. In alle Netze. Semantisch angereichert. Sozusagen unter einer Haube. Wieso muss der Wildwuchs-Spaghetti der Entwickler dem Internet-Nutzer eins zu eins zugemutet werden? Es geht darum, aus sozialen Netzwerken echte Services zu generieren: vernetzt, hochverfügbar, flexibel und unabhängig vom Endgerät“, erklärt Stahl, der am Obi Wan Kenobi-Panel auf der Informare http://informare-wissen-und-koennen.com/ teilnahm. Gleiches gelte für die Vernetzung von Cloud-Diensten, die bislang nur als Silos angeboten werden.
Als weiteren wichtigen Schritt zu einer Vereinfachung von Netz-Diensten wertet Stahl die Sprachsteuerung Siri von Apple. „Man fragt nur noch sein Gerät und muss nicht mehr verschiedene Applikationen raussuchen. Bei einer Wetterabfrage wird automatisch mein Standort mit der Wetter-App verbunden und ich bekomme eine Information, ob ich für den morgigen Tag einen Regenschirm benötige oder nicht. Siri ist jetzt schon in der Lage, auf ein Dutzend Apps zuzugreifen und Spracheingaben intelligent zu routen. Das ist aber erst der Anfang“, resümiert Systemingenieur Bernd Stahl im Interview mit dem Hörfunkjournalisten Heinrich Rudolf Bruns.
Soweit der Beitrag aus dem Jahr 2012.
Nachtrag zum DFKI-Vortrag von Professor Hans Uszkoreit in Berlin:
Das Thema seines Vortrags lautete „Turings Traum weiter träumen: Mit Sprachtechnologie und KI auf dem Weg zur Social Intelligence“.
Es ist möglich, Emotionen nachzubilden, aber nicht wirklich zu replizieren. Computer können verstehen und simulieren, aber nicht nachbilden, da sie bestimmte Aspekte des menschlichen Verstehens nicht erfassen können. Computer können beispielsweise Millionen von Dokumenten durchsuchen, ohne dabei müde zu werden. Das ist etwas, was ein Mensch nicht leisten könnte, ohne dabei seine Arbeitskraft zu beanspruchen. Es gibt auch keine Menschen, die über Nacht Millionen von Dokumenten für den morgendlichen Kanzler des Bundespresseamtes durchdenken. Maschinen können in etwa 20 Sprachen relativ akzentfrei vorlesen, was ein Mensch nicht kann. Computer können Aufgaben wie Schachspielen besser lösen als Menschen. Google Translate kann in 57 Sprachen übersetzen, wenn auch nicht perfekt, aber für Informationsübersetzungen ausreichend. Es ist spannend zu sehen, wie sich die Menschheit durch technologische Fortschritte erweitert und Dinge tun kann, die zuvor nicht möglich waren, wie zum Beispiel medizinische Fortschritte und wissenschaftliche Erkenntnisse durch kollektive Arbeit.
Sprachtechnologie ist eine treibende Kraft hinter all diesen Entwicklungen. Sprache ist das natürliche Medium der Kommunikation und das einzige Medium, durch das Wissen von Generation zu Generation weitergegeben wird. Sprache ist das Gewebe, das alle unsere multimedialen Aktivitäten durchdringt. Sprachtechnologie ermöglicht es uns, Sprachbarrieren zu überwinden und eine bessere Zusammenarbeit und Kommunikation zu ermöglichen.
„Es gibt drei große Schwerpunktthemen, auf die ich kurz eingehen möchte. Erstens der Übergang von James Bond zu einem Traum, den wir in der Forschung verfolgen. Zweitens Cloud Computing, um jeden Menschen in jeder Sprache miteinander zu verbinden. Und drittens Business Intelligence, um bessere Entscheidungen zu treffen und kollektive Meinungs- und Entscheidungsprozesse zu ermöglichen“, so Uszkoreit.
Business Intelligence bezieht sich auf die Aufbereitung von Informationen, um bessere Entscheidungen zu treffen. Es geht darum, Informationen so aufzubereiten, dass sie für Entscheidungsträger verständlich und nützlich sind. Es geht darum, Informationen zu nutzen, um Wettbewerbsvorteile zu erlangen und Risiken zu minimieren.
Social Intelligence bezieht sich auf die Anwendung von Business Intelligence auf soziale Medien und das Internet.
Die automatische Analyse sozialer Medien und die technologische Unterstützung großer Kommunikations- und Entscheidungsprozesse werden die Art und Weise, wie wir kommunizieren und Entscheidungen treffen, nachhaltig verändern. Es wird neue Formen des kollektiven Selbstverständnisses und Selbstbewusstseins geben. Es wird neue Möglichkeiten geben, Menschen in Entscheidungsprozesse einzubeziehen und bessere Lösungen zu finden.
Es wird neue Formen der Demokratie geben, die auf kollektiver Intelligenz und Partizipation basieren.
„Es ist eine spannende Zeit, in der wir leben, und ich freue mich darauf, zu sehen, wie sich die Sprachtechnologie weiterentwickelt und wie sie unsere Gesellschaft und unsere Art zu kommunizieren und Entscheidungen zu treffen, verändert“, resümierte der DFKI-Forscher in Berlin.
Das mit der Demokratie und der Partizipation ist leider nicht eingetreten.
Auf der Next Economy Open machen wir einen Abgleich zu KI, Chatbots und Sprachtechnologie mit dem Analysten Stefan Holtel:
Ein weiterer Nachtrag zu den Figuren von Playmobil:
„Ein kleiner Scherz mit Playmobil-Figuren hat die Pressesprecherin von Playmobil auf die Palme gebracht. Vor einigen Wochen schickte sie Briefe an die Piratenpartei und beschwerte sich. Sie war verärgert, dass die Piratenfiguren von Playmobil ständig in Fotos, Plakaten und Videos der Partei auftauchten.
Ich erinnere mich an einen Tweet, den ich abgesetzt habe, als der Brief veröffentlicht wurde. Sie behauptete, dass Jungen durch die ständige Konfrontation mit den Piratenfiguren in Werbevideos dazu verführt werden könnten, später Piratenwähler zu werden.
Ich war gestern auf der Facebook-Party von Horst Seehofer. Es war interessant, denn es waren viele Piraten da. Ich habe drei sehr unterschiedliche Piraten kennengelernt und muss sagen, es ist eine tolle Truppe.
Als die Beschwerde der Pressesprecherin von Playmobil an die Öffentlichkeit kam, habe ich einen Blogpost vorbereitet. Ich habe alle Filme bei YouTube herausgesucht, in denen Harald Schmidt mit Playmobil-Figuren zu tun hat. Playmobil und Harald Schmidt, das ist eine Symbiose. Er hat die gesamte Weltgeschichte mit Playmobil-Figuren erklärt, einschließlich Geschichten über Krieg, Frieden, Drogenkonsum, Monarchie und das Dritte Reich.
Die Wochenzeitung „Der Freitag“ hat zu Harald Schmidts Abschied sein Leben und seine Stationen mit Playmobil-Figuren nachgestellt und abgelichtet.
Mein Plädoyer:
„Unser heutiges Vorhaben ist es, die Piratenfiguren von Playmobil zu politisieren. Wir versuchen das natürlich auch mit Gästen und Experten, die wir eingeladen haben.“
„Das Familienunternehmen Rügenwalder Mühle Carl Müller GmbH & Co. KG gewinnt für seine unternehmerische Weiterentwicklung das Familienunternehmen Pfeifer & Langen Industrie- und Handels-KG. Auf der Suche nach einem Partner für künftiges Wachstum hat Rügenwalder Mühle der Familienholding Pfeifer & Langen IHKG eine Mehrheitsbeteiligung angeboten. Diese steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Wettbewerbsbehörden“, heißt es in der offiziellen Pressemitteilung von Rügenwalder Mühle und Pfeiffer & Langen.
„Unser Unternehmen hat sich von der einst regionalen Wurstfabrik zu einem in Deutschland führenden Unternehmen für pflanzenbasierte Lebensmittel entwickelt. In weniger als zehn Jahren haben wir vegetarische und vegane Fleischalternativen aus der Nische geholt und in die Mitte der Gesellschaft gebracht. Mit der Beteiligung wollen wir die Chance nutzen, dieses Portfolio fortzuentwickeln, insbesondere über den deutschen Markt hinaus. Deshalb freuen wir uns, mit der Pfeifer & Langen Familienholding einen starken Partner gefunden zu haben, mit dem wir die Erfolgsgeschichte der Rügenwalder Mühle fortschreiben wollen. Diese Mehrheitsbeteiligung ist für uns eine aktiv gesuchte Partnerschaft“, so Christian Rauffus, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der Rügenwalder Mühle. Zur Familienholding des Zuckerkonzerns Pfeifer & Langen gehören auch Intersnack (Chio Chips) und die Veganmarke Endori.
Pfeifer & Langen habe nach dem Angebot zur Beteiligung die gegenseitige Passung geprüft und ist von ihr vollkommen überzeugt. „Mit unserem Zusammengehen lassen sich unsere beiderseitigen Stärken etwa in der Rohstoffbeschaffung, bei der Herstellung innovativer Produkte oder auch in der Marktbearbeitung ergänzen. Unser übereinstimmendes Denken und Handeln erlauben, die noch junge Kategorie pflanzlicher Fleischalternativen weiterzuentwickeln. Dies fordern die Bedürfnisse und Erwartungen von Kunden, ein noch immer frühes Marktstadium, die Herausforderungen zukünftiger Ernährung und nicht zuletzt der Schutz unseres Klimas von uns ein“, erläutert Uwe Schöneberg, Geschäftsführender Gesellschafter der Pfeifer & Langen.
Mit der Beteiligung sei kein Abbau von Arbeitsplätzen geplant, heißt es in der offiziellen Stellungnahme. Rügenwalder Mühle werde organisatorisch an das New Food-Geschäftsfeld „The Nature’s Richness Group“ angebunden, das die Pfeifer & Langen IHKG bereits in den vergangenen Jahren aufgebaut hat. Beide Marken – „Rügenwalder Mühle“ und „endori“ – werden weitergeführt.
Branchenkenner rechnen vor dem Hintergrund der Mehrheitsbeteiligung mit noch mehr Dynamik im pflanzenbasierten Markt. Darüber berichten Sohn@Sohn ja schon seit einiger Zeit: Alternative Proteine sind die effizienteste und wirksamste Lösung zur Bewältigung der Klimakrise. Investitionen in alternative Proteine sparen pro investiertem US-Dollar die meisten Emissionen im Vergleich zu Investitionen in die Dekarbonisierung anderer Sektoren wie Zement, Eisen, Stahl, Chemikalien oder Verkehr. Das hat dazu geführt, dass immer mehr Geldgeber:innen in alternative Proteine investieren. Das Kapital, das in alternative Proteine investiert wurde, ist von einer Milliarde Dollar im Jahr 2019 auf fünf Milliarden Dollar im Jahr 2021 angestiegen, was einer jährlichen Zuwachsrate von 124 Prozent entspricht.
Siehe auch:
In den nächsten Tagen liefern wir dazu noch ein paar Hintergrundinfos.
Gespräche mit virtuellen und intelligenten Computerprogrammen sind kaum noch von Dialogen mit Menschen zu unterscheiden.
Diesen Satz schrieb ich wann? Am 21. September 2005. Es geht um die Voice Days, die sich damals mit Spracherkennungstechnologie beschäftigte. Die Konferenz mit Professor Wolfgang Wahlster vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz als Schirmherr war ein echter Trendsetter.
Der Artikel geht so weiter:
Der britische Mathematiker Alan Turing hatte in den 50er Jahren postuliert, dass eine Maschine dann intelligent sei, wenn sich ein Gespräch mit ihr nicht mehr von einem Gespräch mit einem Menschen unterscheiden ließe. Beim Loebner-Preis, den der US-Soziologe Hugh Gene Loebner gestiftet hat und der mit 100 000 US-Dollar dotiert ist, führen seit 1991 Tester Dialoge mit sogenannten „Chatbots“ – „Chat“ steht für plaudern und „bot“ für Roboter. „Die Tester wissen dabei nicht, ob ihr Gegenpart aus Fleisch und Blut oder aus Silizium ist. Insgesamt gilt es, drei von zehn Juroren glauben zu lassen, sie hätten sich tatsächlich mit einem Menschen unterhalten“, berichtet die Welt. Mehr als eine Million verschiedene Antworten habe mancher der Chatbots parat. „Sie analysieren Sätze nach ihrem Aufbau, suchen nach Schlüsselwörtern und Wortmustern. Sie können sich merken, ob ein Tester ein Thema schon einmal behandelt hat und verweisen darauf zurück, stellen Verbindungen zu neuen Komplexen her“, führt die Welt aus.
Sie können beleidigt oder erfreut reagieren und die besten haben eine eigene Persönlichkeit mit Herkunft und Lebenslauf. „So gibt es einen Chatbot, der sich als Barkeeper ausgibt und alles über Hamster weiß, oder einen Außerirdischen, der auf der Erde gestrandet ist und die Wunder des Universums kennt“, so die Welt. Schnell entzaubern könnten Tester Chatbots, indem sie ihnen Wissensfragen stellen, zum Beispiel „Wie hoch ist der Kilimandscharo?“ Komme die Antwort prompt und exakt, ist es wahrscheinlich ein Chatbot. „Der Euphorie über Künstliche Intelligenz bei den Chatbots folgt die ernüchternde Erkenntnis, dass diese nur so gut sind, wie der Fundus an Frage- und Antwortenpaaren, mit dem Sie gefüttert wurden“, betont Bernhard Steimel, Sprecher der Brancheninitiative Voice Business.
Ob der Traum von der humanoiden Maschine überhaupt realistisch oder erstrebenswert sei, bezweifelt Peter Krieg, Dokumentarfilmregisseur und Autor des Buches „Die paranoide Maschine“ http://www.heise-medien.de: „Was wir keinesfalls erwarten oder gar wünschen sollten, sind intelligente Computer, die uns das Denken und alle Entscheidungen abnehmen“. Selbst die radikalsten Protagonisten der „Künstlichen Intelligenz“ müssten zugeben, dass man in der Forschung noch weit von intelligenten Maschinen entfernt sei. „Noch fehlt der ‚Saft‘, der den intelligenten Computer vom heutigen Schnellrechner trennt“, so Krieg. Das Problem liege nicht an der Rechnerleistung, sondern an der Dialogfähigkeit. „Jemanden, der stumm und folgsam seine Anweisungen zu befolgen hat, ohne eigene Entscheidungen zu fällen, nannte man früher einen ‚Knecht‘. In diesem Sinn sind unsere Computer dumme, aber fleißige und überaus pedantische Rechenknechte“, bemängelt Krieg.
Der Einsatz von Chatbots und Sprachcomputern weise nach Analysen von Steimel eine interessante Reihe von Parallelen auf: „Beide Technologien haben nach dem Auszug aus dem Labors nicht immer in der Praxis eine glückliche Figur gemacht. Überzogene Erwartungen haben so manche Applikation im Praxistest der Lächerlichkeit preisgegeben“, so Steimel. Die Illusion, den Maschinen ein natürliches Sprachverständnis einzuimpfen, erwecke den Anspruch „Alles“ sagen zu können. „Tatsächlich ist das ‚Verständnis’ der Sprachcomputer auf Grammatiken und Wortschatz beschränkt, den man ihnen vorher beigebracht hat. Nutzerbefragungen am lebenden Objekt stellen immer wieder unter Beweis, dass es ein tödlicher Fehler ist, wenn sich die Maschine als solche nicht zu erkennen gibt. Deshalb ist der Turing-Test für den Praxiseinsatz völlig ungeeignet“, kritisiert Steimel.
Im übrigen weisen Dialog-Designer darauf hin, dass der Benutzer beim Sprechen mit Computern automatisch sein Sprachregister, seine eingesetzten Sprachbefehle reduziere, wie beispielsweise beim Sprechen mit Tieren. “Eine Parallele zum Menschen gibt es jedoch bei Chatbots und automatischen Sprachsystemen: Sie lernen ständig durch die Interaktion mit dem Nutzer hinzu. Das tun sie allerdings nicht selbst, sondern ähnlich wie beim Wizard-Oz müssen auch hier Menschen im Hintergrund die Maschine schlauer machen“, weiß Steimel. Das Beispiel der Chatbots zeige eine interessante Perspektive für den kombinierten Einsatz mit Sprachcomputern etwa in Infotainment-Diensten auf. Initiativen wie das Skype Voice Service Programm von Skype könnten dazu führen, dass man demnächst auch per Telefonie über das Internet Protokoll mit einem Chatbot nicht nur per Maus und Tastatur plaudern könne. „Es wird interessant sein zu hören, welchen ‚Stimm-Charakter’ die künstlichen Agenten erhalten und damit mehr Persönlichkeit und Taktgefühl gewinnen, als sich mit Icons ausdrücken lässt“, so der Ausblick von Steimel.
Soweit meine Agenturmeldung vor rund 18 Jahren. Was hat sich verändert? Was können wir erwarten?
Einige der wesentlichen Entwicklungen und Trends sind:
Verbesserte Natürliche Sprachverarbeitung (NLP): Die Fähigkeit von Chatbots, menschliche Sprache zu verstehen und darauf zu reagieren, hat sich erheblich verbessert. Moderne Chatbots nutzen fortschrittliche NLP-Algorithmen, die es ihnen ermöglichen, die Absicht hinter den Worten eines Benutzers besser zu erkennen und relevantere, kontextbezogene Antworten zu geben.
Integration in Alltagsgeräte: Chatbots und virtuelle Assistenten sind nun in alltäglichen Geräten wie Smartphones, Lautsprechern und sogar Haushaltsgeräten integriert. Beispiele hierfür sind Siri von Apple, Alexa von Amazon und der Google Assistant.
Emotionale Intelligenz und Personalisierung: Moderne Chatbots sind zunehmend in der Lage, emotionale Nuancen in menschlichen Gesprächen zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Sie können personalisierte Erfahrungen bieten, indem sie lernen und sich an die Vorlieben und das Verhalten der Benutzer anpassen.
Einsatz in der Kundenbetreuung: Chatbots werden zunehmend in der Kundenbetreuung eingesetzt, um Anfragen zu bearbeiten, Unterstützung zu bieten und die Effizienz zu steigern. Sie können rund um die Uhr verfügbar sein, was den Kundenservice erheblich verbessert.
Ethische und soziale Fragen: Mit der zunehmenden Verbreitung von Chatbots treten auch ethische und soziale Fragen in den Vordergrund, insbesondere in Bezug auf Datenschutz, Transparenz und die mögliche Ersetzung menschlicher Arbeitskräfte.
Weiterhin begrenztes Verständnis: Trotz großer Fortschritte bleibt das Verständnis der Chatbots für natürliche Sprache und Kontexte im Vergleich zu menschlichen Fähigkeiten begrenzt. Die meisten Systeme sind immer noch auf spezifische Aufgabenbereiche beschränkt und können in unvorhergesehenen oder komplexen Situationen Schwierigkeiten haben.
Zukünftige Entwicklungen: In der Zukunft können wir erwarten, dass Chatbots und KI-Systeme noch weiter in unser tägliches Leben integriert werden, mit Verbesserungen in der Personalisierung und der Fähigkeit, komplexe Aufgaben zu bewältigen. Fortschritte in der KI könnten auch zu neuen Anwendungsbereichen führen, die derzeit noch nicht absehbar sind.
Wir werden das auf der Next Economy Open vertiefen am Donnerstag, den 7. Dezember, um 13. Uhr. Session mit Stefan Holtel. Autorengespräch zu seinem neuen Buch: Droht das Ende der Experten? ChatGPT und die Zukunft der Wissensarbeit.
Apropos Experten und Wissensökonomie: Was schrieb noch der Soziologe Niklas Luhmann zur Computerkommunikation nach der Logik seines Zettelkastens?
Mit der Computerkommunikation wird die Eingabe von Daten und das Abrufen von Informationen soweit getrennt, dass keinerlei Identität mehr besteht.
Wer etwas eingibt, weiß nicht, was auf der anderen Seite entnommen wird. Die Autorität der Quelle wird entbehrlich, sie wird durch Technik annulliert und ersetzt durch Unbekanntheit der Quelle. Logik des Netzes.
Die Art und Weise, wie Wissen in den Computer kommt, lässt sich schwer überprüfen. Sie lässt sich aber jedenfalls nicht mehr in Autorität ummünzen. Und genau das treibt einige Debatten-Dompteure an die Decke.
Von Goethe bis zur Popkultur: Neue Ideen für Europa! Wie transnationale Kommunikation und Popkultur die Abendländerei überwinden können. Ein Blick auf die Visionen von Goethe und die Rolle der Intellektuellen heute.
Wie froh wäre Johann Wolfgang von Goethe gewesen, das grenzenlose und echtzeitige Netz für den transnationalen Dialog einzusetzen. Der Dichterfürst nutzte den Postweg. Aber auch hier gab es eine Besonderheit. Das Postmonopol war in privater Hand und galt als Grundpfeiler der vorindustriellen Modernisierung. Ihr „Erfinder“ Franz von Taxis wurde auf eine Stufe mit Christoph Kolumbus gestellt. Der damalige Provider „Thurn und Taxis“ gewährte Goethe ein Freibriefrecht. „Für Briefe von und an Goethe musste kein Porto bezahlt werden“, erwähnt der Literaturwissenschaftler Peter Goßens im Interview mit Sabria David, Kuratorin des Projektes „Streaming Egos“.
Dichterfürst als Social Web-Enthusiast
Goethe konnte so viele Briefe schreiben, wie er wollte. Mit dieser freien Kommunikationsform entwickelte er sich zum Netzwerker für den europäischen Diskurs. Es war die Triebfeder seines kosmopolitischen Humanismus, von dem sich die völkisch gesinnten Politiker rechter Parteien eine Scheibe abschneiden sollten. Heute würde Goethe dafür Facebook, Twitter, Periscope, Hangout on Air und einen Blog einsetzen. Damals nutzte er vor allem seine eigene Zeitschrift „Ueber Kunst und Alterthum“, um mit den „Literatoren“ Europas in Kontakt zu treten. „Neben seiner umfangreichen Korrespondenz, den Besuchern und Gesprächen, die zum Weimarer Alltag gehörten, war es vor allem das Projekt der Zeitschrift, die es dem alternden Goethe ermöglichte, ein virtuelles, aber durch seine gedruckte Form manifestes Kommunikationsnetz zu spannen und seine Wahrnehmung des weltliterarisch Bedeutsamen bekannt zu machen“, schreibt Goßens in seiner Habilitationsschrift „Weltliteratur“, erschienen im J.B. Metzler-Verlag. Goethe ging es darum, dass die gebildeten Menschen seiner Zeit miteinander darüber diskutieren, wie man altes Wissen in die neue Zeit rettet und ein neues gesellschaftliches Modell entwickelt:
„Wenn wir eine europäische, ja eine allgemeine Weltliteratur zu verkündigen gewagt haben, so heißt dieses nicht, dass die verschiedenen Nationen von einander und ihren Erzeugnissen Kenntnis nehmen, denn in diesem Sinne existiert sie schon lange, setzt sich fort und erneuert sich mehr oder weniger; nein! hier ist vielmehr davon die Rede, dass die lebendigen und strebenden Literatoren einander kennen lernen und durch Neigung und Gemeinsinn sich veranlasst finden gesellschaftlich zu wirken“, schreibt der Universalgelehrte in einem Grußwort an die Versammlung von Naturforschern und Ärzten im Jahre 1828.
Programmatik zur Überwindung nationaler Verblendung– Schaffung einer europäischen Öffentlichkeit
Goethe schuf eine kleine, aber sehr einflussreiche europäische Öffentlichkeit. Er suchte und fand Verbündete für sein weltliterarisches Unterfangen zur Schaffung eines transnationalen Kommunikationssystems. Weltliteratur wird von Goethe nicht als Kanon definiert, sondern als Programmatik zur Überwindung nationaler Verblendung. Nicht die Lektüre literarischer Werke steht im Vordergrund, sondern die grundlegende Kenntnis der Kulturen anderer Länder. Der Dichterfürst verstand sich als Katalysator zur Herausbildung einer europäischen Leserschaft. Zu seiner Lieblingslektüre zählte dabei „Le Globe“, die sich nationalen Vorurteilen und kulturellen Hegemonie-Bestrebungen entgegenstellte.
Sein Anliegen wurde von nationalistischen Bedenkenträgern als undeutsche Gesinnung ausgelegt. AfD, Pegida und Co. würden es heute wohl genauso formulieren.
Mit seiner internationalen Netzwerkstärke konnte Goethe dieses Stammtisch-Gebrüll übertönen. Ähnliches erhofft sich Günther Rüther von den Intellektuellen unserer Zeit. Im 19. und 20. Jahrhundert waren es vor allem Kriege, die der europäischen Idee neue Kraft verliehen. Den Intellektuellen ging es dabei um die Überwindung nationalistischer Vorurteile, den Abbau von Hass oder Intoleranz und vor allem darum, verloren gegangene Freundschaften zwischen den Völkern erneut zu stiften, schreibt Rüther in seinem neuen Buch „Die Unmächtigen – Schriftsteller und Intellektuelle seit 1945”, erschienen im Wallstein Verlag. Europa brauche jetzt die Stimme der Intellektuellen. Sie müssen die Sprache der Macht und der Expertokratie dechiffrieren, um der europäischen Idee wieder Auftrieb zu geben.
Popkultur statt rückwärtsgewandter Abendländerei
Rüdiger Altmann, der frühere Berater von Wirtschaftsminister Ludwig Erhard, kritisierte bereits in den 1990er Jahren das schleichende Gift der rückwärtsgewandten „Ersatzideologien” unter dem Deckmantel der Abendländerei.
Es sei die Aufgabe Europas, den Kulturkonflikt einer sich wandelnden Welt auszuleben und mit neuen Ideen zu überwinden. Welches sind die europäischen Ideen, die Europas Existenz heute ausmachen? Das kann nicht die Idee eines sich gegen die übrige Welt abgrenzenden Europas sein, das um seine Identität, auch um seine geschichtliche Identität, ringt. Die entscheidende Frage ist: Findet Europa den Mut, neue Ideen zu formulieren und auszuleben, die die ganze Welt angehen, also in diesem Sinne nicht spezifisch europäische sind? Auf diese Weise könnte Europa wieder jene Weltgeltung erlangen, die es früher gehabt hat.
Altmann betont dabei die Kraft der Popkultur. Die mediale Kultur habe einen großen Bedarf und Verbrauch an Ideen.
„Darin unterscheidet sie sich deutlich von der Kultur der Klassengesellschaft alten Stils. In gewissem Sinne ist sie unideologisch. Zugleich entfaltet sie in der Massengesellschaft ein Kommunikationsfeld von großer Kraft…” Genau das sollte von der europäischen Zivilgesellschaft ausgehen. Vielleicht ist die Popkultur ein veritables Mittel, den Nationalisten und Rassisten in den europäischen Staaten das Wasser abzugraben – in transnationalen Dialogformaten. Als Vorbild für den transnationalen Netz-Diskurs könnten Goethe und die von Sabria David geförderte Salonkultur sein. Die Dialogutopie der Gelehrten des 18. und 19. Jahrhunderts war der Grundstein für Lesegesellschaften, literarische Salons und Debattierclubs. Allerdings mit den Restriktionen der örtlichen Verfügbarkeit.
Die Konvergenz der digitalen Technologien bewirkt neue Formen der Kommunikation. Was wir jetzt erleben, ist eine Abweichung von geschlossenen Medienformaten. Schon vor über 30 Jahren experimentierten die Kurd Alsleben und Antje Eske mit vernetzten Dialogen über HyperCards. Essentiell sei dabei die kulturelle Tiefe der Konversationen. Alsleben und Eske wollen die künstlerischen Qualitäten und die politische Dimension von sozialen Netzwerken im Internet abtesten. Es geht dabei um das mühsame Aushandeln von Positionen. Es geht um die Überwindung von Ressentiments und nationalistischen Vorurteilen. Eine aufgeklärte europäische Öffentlichkeit ist vonnöten, um den Vereinfachern und Verführern kein Spielfeld zu bieten, die mit simplen Antworten agitieren und zur Polarisierung anstacheln, um nicht komplexe Lösungen für komplexe Probleme anbieten zu müssen.
Das wurde auch auf der Europa-Konferenz der Willy-Eichler-Akademie zum Thema „Wende in Europa: Ausblick auf eine neue Zeit“ aufgegriffen.
Die Frage, die im Raum stand: Wie können wir die Bürgerinnen und Bürger für Europa begeistern? Wie können wir der Jugend eine attraktive Perspektive bieten?
Die Diskussion wurde live übertragen und es gab Reaktionen aus dem Netz. Ein Nutzer auf Youtube kritisierte, dass viel geredet, aber zu wenig gehandelt wird. Die Sorgen der Menschen finden in Brüssel nicht ausreichend Gehör.
Ein Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung, Eurotopics, versucht, das zu ändern. Es bietet täglich eine europäische Presseschau und dokumentiert, was wirklich in Europa passiert.
Das Auditorium der Konferenz war sich einig, dass Zuhören ein guter Ansatz ist. Es wurde hervorgehoben, dass fast jedes Thema einen europäischen Bezug hat, von hohen Lebensmittelpreisen bis hin zur Energiekrise. Im Panel schlug man vor, über ein europäisches Netflix nachzudenken, eine Mediathek, in der Inhalte aus allen Ländern verfügbar gemacht werden können.