Im Messe-TV-Studio: Lernen 2030 – Präsenz als begründete Ausnahme

Wir senden von der Zukunft Personal Europe in Köln, Stand G.59 neben der Keynote-Stage. Zu Gast im Messe-TV-Studio: Prof. Dr. Anja Schmitz (Hochschule Pforzheim), Sven Semet (Assima) und Markus Herkersdorf (TriCAT). Drei Perspektiven, ein Befund: Lernen wandelt sich vom Format-Projekt zur Systemfrage der Wertschöpfung.

Was 2020 schon galt – und heute drängt

Der ZP-Think-Tank „Learning & Development“ legte 2020 fünf Thesen vor: Digital first, Präsenz als begründete Ausnahme, L&D wird strategisch, Heterogenität der Lernenden als Schlüssel und evidenzbasiertes Lernen. Pandemie als Beschleuniger, analoger Backlash danach – und nun verschiebt KI die Debatte endgültig: Nicht ob digital, sondern wie intelligent, wie personalisiert, wie eingebettet.

Präsenz neu begründen

Präsenz ersetzt keine Stoffvermittlung. Sie stiftet Resonanz, Reibung, Charakterbildung. Wer zurück in „Vor-Lesen“ fällt, verliert. Präsenz wird wertvoller, weil sie seltener wird – und muss genau dafür kuratiert sein.

Didaktik vor Device

Ein Zoom-Account ist kein Didaktik-Upgrade. Semet fordert Lernarchitektur statt Bildschirm-Marathon: Multi-Device-Arbeitsplätze, kollaborative Tools, Micro-, Social- und On-the-Job-Learning. Informationen aus der Auswahl (Diagnostics) gehören in die Entwicklung – nicht in die Ablage. Digital ist nur dann effizient, wenn Aufbau, Rituale und Rollen mitgedacht werden.

KI-Agenten: Personal Learning Bodies

Herkersdorf skizziert die nächste Stufe: Agentic AI als 24/7-Lernpartner – diagnostiziert, motiviert, variiert Übungen, spiegelt Leistung in die Arbeit zurück. In fünf Jahren entscheidet die Rekrutierung womöglich zwischen dem klassischen Absolventen und der job-ready Kandidatin aus einem KI-gestützten Bildungsökosystem. Präsenz-Unis antworten, indem sie Persönlichkeitsbildung und Berufsreife in den Mittelpunkt rücken.

Evidenz schlägt Bauchgefühl

Schmitz verweist auf Forschung zu Learning Empowerment: Wer Bedeutsamkeit, Kompetenz, Wirksamkeit und Autonomie erlebt, lernt später messbar mehr. Auftrag an HR und Führung: Lernen sichtbar mit der Wertschöpfung verknüpfen. Noch sagen zu viele: „Ich weiß nicht, wie mein Lernen die Wettbewerbsfähigkeit stärkt.“ Das ist eine Produktivitätslücke.

White & Blue zusammen denken

Shopfloor zählt Minuten und Schichten – und braucht wertige digitale Lernformate: Learning Weeks für alle Zielgruppen, Projektlernen mit Digital Twins, VR-Trainings, feste Zeitslots. Beispiel Funke: Donnerstag nachmittags keine Meetings, Zeit für Lernen/Innovation. Parallel löst Technik die Trennlinie ohnehin auf: Robotik und Prozess-KI verändern Tätigkeiten tiefgreifend, Lernen rückt an die Maschine – mit direkt messbarer Wirkung.

Geschwindigkeit, Orientierung, Mitbestimmung

  • Geschwindigkeit: Curricula altern schneller als Gremien tagen – Lernökosysteme müssen adaptiv sein.
  • Orientierung: In dynamischen Umfeldern brauchen Teams Leuchttürme (Werte, Ziele, gemeinsame Sprache für Skills & Wirkung).
  • Mitbestimmung: Betriebsräte früh einbinden – nicht als Freigabestelle, sondern als Mitgestalter von KI-, Analytics- und Lernpfaden.

Ökonomie des Lernens

Lernen kostet – Zeit, Aufmerksamkeit, Infrastruktur. Kürzen aus kurzfristigen Gründen ist teuer: On-the-Job-Fehler, Fluktuation, Innovationsstau. Wer Lernen in den Arbeitsfluss integriert, verschiebt die Rechnung: vom Kostenblock zum Produktivitätsmotor.

Arbeit am Entwurf: Thesen 2030

Der Think Tank aktualisiert seine Thesen entlang von Agentic AI, Robotik, Analytics und Lernkultur. Erste Einsichten kamen im Learning Café auf der ZP. Weiter geht’s auf der Personalmesse München (15.–16.), Ziel ist die Veröffentlichung zur OEB in Berlin (erste Dezemberwoche).

Call to Action

Mitdiskutieren, mitgestalten, mitmessen: In der LinkedIn-Gruppe ZP Think Tank Learning & Friends laufen Austausch, Termine und Ergebnisse zusammen. Präsenz bleibt – als begründete Ausnahme. Alles andere wird intelligent, messbar und nah am Arbeitsplatz.

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