
Malt Euch was rein….
Was Roland Schatz in seinem Cicero-Stück über das World Economic Forum (WEF) vorlegt, ist mehr als eine kritische Würdigung des WEF-Mannes Klaus Schwab. Es ist eine fein komponierte Innenansicht eines elitären Reflexionsraums, der sich heute in einer Art Pappkulisse selbst feiert – überquellend von Sponsoren-Sessions, die klingen wie PowerPoint im Hochgebirge: „Innovating for Sustainable Circular ESG Impact – powered by [Insert Company Here]“.
Schatz, selbst ein Kenner der Szene, zeigt dabei ein feines Gespür für das, was einst den Zauber von Davos ausmachte: Die stille Größe kleiner Runden, in denen echte Denkarbeit stattfand.
Nun aber gleicht Davos einer Art Streichelzoo für Konzernkommunikatoren. 220 Sponsoren, 200 Panels – das Verhältnis ist so aufgebläht, dass man sich fragt, ob es bald Sessions zu „Content Drain Management“ geben wird. Schatz nennt das WEF eine „Gelddruckmaschine“, doch was dabei verloren ging, ist die kostbare Währung intellektueller Exzellenz. Das Denken wurde outgesourct, der Diskurs aufgekauft. Die Panels: vorproduzierte PR-Monologe in Business-Class-Tonlage.
Wunderbar auch die Schilderung der Schwabschen Personalpolitik: Wer zu glänzen begann, wurde entfernt – vielleicht, weil der Gastgeber nicht im Schatten stehen wollte. Der Gag mit dem nicht abgeholten Kofi Annan wirkt da wie aus einem schlecht getimten Satire-Panel.
Und doch schafft es Schatz, trotz aller Kritik, die Würde des Forums zu retten. Denn sein Text ist keine Abrechnung, sondern eine Ehrenrettung der Idee, dass es so etwas wie einen intellektuellen Resonanzraum geben könnte – jenseits von Sponsoren-Slots und Influencer-Bühnen. Dass es einst Momente gab, in denen Philosophen und Politiker gemeinsam dachten, ohne dass sofort ein Markenlogo blinkte.
Besonders elegant ist sein letzter Absatz – fast wie ein ironischer Rückruf an das verschüttete Ideal: Dass es vielleicht doch die Berge, das Datum im Januar und die Abgeschiedenheit sind, die das WEF tragen könnten – nicht, weil sie Prestige bieten, sondern Demut erzwingen. Und so bleibt nach der Lektüre von Schatz’ Artikel das Gefühl zurück, dass Davos vielleicht doch noch eine Zukunft hat – wenn es sich traut, sich wieder zu verzwergen.
Denn manchmal muss man klein denken, um wieder groß zu werden.