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Max-Planck-Institute sind der Katalysator für Nobelpreise #NobelPrize

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Die Nobelpreis-Vergabe an Forschende in Deutschland in diesem Jahr und in den vergangenen Jahren macht deutlich, wie exzellent unsere Wissenschaftslandschaft besonders in den naturwissenschaftlichen Disziplinen organisiert ist.

2020 ging der Physik-Nobelpreis für die Forschung zu Schwarzen Löchern an Reinhard Genzel vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching, den er sich mit mit Roger Penrose von der Universität Oxford und Andrea Ghez von der Universität in Kalifornien teilte.

Die Gewinner des Chemie-Nobelpreis 2021 waren der Deutsche Benjamin List und der US-Amerikaner David MacMillan für die Entwicklung der asymmetrischen Organokatalyse, ein ebenso “einfaches wie geniales” Werkzeug zur Bildung von Molekülen. List ist Direktor des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr. 

Der Physik-Nobelpreis 2021 ging an den deutschen Klimaforscher Klaus Hasselmann und an seinen US-japanischen Kollegen Syukuro Manabe sowie den Italiener Giorgio Parisi. Hasselmann arbeitete am Max-Planck-Institut für Meteorologie. Und in diesem Jahr bekommt Ferenc Krausz vom Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching den Nobelpreis für Physik gemeinsam mit Pierre Agostini von der Ohio State University in den USA und Anne L’Huillier von der Universität Lund in Schweden. Sie erhalten den Preis „für experimentelle Methoden zur Erzeugung von Attosekunden-Lichtimpulsen für die Untersuchung der Elektronendynamik in Materie“, so das Nobelpreiskomitee.

Die drei Nobelpreisträger werden für ihre Experimente ausgezeichnet, die der Menschheit neue Werkzeuge zur Erforschung der Welt der Elektronen in Atomen und Molekülen an die Hand gegeben haben. Pierre Agostini, Ferenc Krausz und Anne L’Huillier haben einen Weg zur Erzeugung extrem kurzer Lichtimpulse aufgezeigt, mit denen sich die schnellen Prozesse messen lassen, bei denen sich Elektronen bewegen oder ihre Energie verändern.

Es gibt potenzielle Anwendungen in vielen verschiedenen Bereichen. In der Elektronik zum Beispiel ist es wichtig zu verstehen und zu kontrollieren, wie sich Elektronen in einem Material verhalten. Attosekundenpulse können auch dazu verwendet werden, verschiedene Moleküle zu identifizieren, etwa in der medizinischen Diagnostik.

Und dennoch gibt es Dauernörgler, die die Leistungen der Forschungsinstitutionen schlecht reden, von der Quantenphysik bis zur Künstlichen Intelligenz. Ausgründungen oder Patente sind nicht der einzige Maßstab für die Exzellenz der Wissenschaftsorganisationen:

So hat Jens Frahm vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie die MRT revolutioniert und sie zu einem der bedeutendsten bildgebenden Verfahren in der klinischen Diagnostik gemacht. Die von ihm und seinem Team in den 1980er Jahren entwickelte FLASH-Technologie reduzierte die Bildaufnahme-Raten von Minuten auf Sekunden – erst damit wurde das MRT alltagstauglich. 2010 beschleunigten Frahm und sein Team die MRT-Aufnahmen ein weiteres Mal erheblich auf bis zu 100 Bilder pro Sekunde, indem sie ein neues mathematisches Verfahren für die Bildrekonstruktion nutzten.

Die Technik erlaube es, beliebige Vorgänge im Inneren des Körpers wie ein schlagendes Herz oder komplexe Abläufe wie das Sprechen oder Schlucken direkt zu beobachten. Für seine Arbeiten wurde Jens Frahm 2018 mit dem Europäischen Erfinderpreis ausgezeichnet. Die Technologie wird von Unternehmen wie Siemens und Bruker genutzt, die MRT-Apparate herstellen. Keine Ausgründung, aber unverzichtbar für die Herstellung und Anwendung des bildgebenden Verfahrens.

Ein weiteres Beispiel für den langen Weg von der Grundlagenforschung in die Anwendung sind die Arbeiten von Ignacio Cirac vom Max-Planck-Institut für Quantenoptik. Er ist theoretischer Physiker und als solcher ein Wegbereiter der zweiten Quantenrevolution. Seine theoretischen Arbeiten haben den Grundstein gelegt für wegweisende Experimente zu Quantencomputern und Quantenkryptographie. In einer Publikation von 1995 erklärten Cirac und sein Kollege Peter Zoller, wie man mit Ionenfallen einen Quantencomputer bauen könnte.

Weichen in die Zukunft der KI-Forschung stellt auch das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). So ist im Saarland kürzlich die Initiative CERTAIN („Center for European Research on Trusted AI“) ins Leben gerufen worden. Es setzt auf Kooperation entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von der Grundlagenforschung über die angewandte Forschung, die Industrie, die Standardisierung und Zertifizierung, bis hin zum Engagement mit der Gesellschaft. Den initialen Kern bilden neben Forschungsgruppen des DFKI die beiden Saarbrücker Max-Planck-Institute für Informatik und für Software-Systeme und die Universität des Saarlandes. Dazu kommen wichtige Partner aus der Industrie wie ZF, Daimler Trucks oder die DFKI-Ausgründung Semvox, die inzwischen ein Teil von Cariad ist. Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) beteiligt sich mit seiner auf KI fokussierten Saarbrücker Zweigstelle. Wichtige Partner bilden etwa die französische Forschungseinrichtung INRIA, das große französische Trusted-AI-Projekt „Confiance.ai“, das Luxembourg Institute of Health (LIH), TNO in den Niederlanden und CIIRC in Prag. Und auch auf europäischer Ebene bestehen enge Verbindungen über den europäischen KI-Verband CLAIRE und die großen EU-Forschungsnetzwerke für KI.

Aktive und ausgemusterte Politiker und politische Beamte sollten sich doch erst einmal diese Projekte anschauen, wenn wieder einmal der deutsche Standort bei Zukunftsthemen herunter geschrieben und geredet wird.

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Wir sind keine Wissensökonomie, sondern eine Ökonomie der schlecht bezahlten Dienstleistungsberufe: Mögliches Thema für die Next Economy Open #NEO23

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In Deutschland bekommen 21,5 Millionen von 39,8 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen Stundenlohn von unter 20 Euro brutto. Mehr als jeder Dritte bekommt weniger als 16 Euro brutto pro Stunde. „Das geht aus einer Auswertung des Statistischen Bundesamtes hervor, die die Linkenbundestagsfraktion in Auftrag gegeben hat“, berichtet die Zeit.

Die Zahlen basieren auf einer Verdiensterhebung von Oktober 2022. Die Daten schließen die Löhne von Auszubildenden nicht mit ein.

54 Prozent der Beschäftigten in Deutschland verdient demnach weniger als 20 Euro brutto in der Stunde. Unter 16 Euro erhalten 13,6 Millionen Menschen, was einen Anteil von 34 Prozent ausmacht. 6,6 Millionen Beschäftigte verdienen weniger als 13 Euro brutto pro Stunde – das sind rund 17 Prozent.

„Deutschland hat einen der größten #Niedriglohnsektoren Europas. Die hier im Regelfall un- und angelernt tätigen #Basisarbeitenden halten in unserem Land zwar oftmals den Laden am Laufen, haben aber kaum #Aufstiegschancen, nehmen nur in geringem Maße an #Weiterbildungen teil und sind aufgrund des geringen Verdienstes zudem massiv von #Altersarmut bedroht.
Um #Basisarbeitenden eine Perspektive zu geben, muss es zu einem Politikwandel kommen, bei dem das Individuum im Mittelpunkt steht. Dr. Robert Peters, Klaus Burmeister und ich haben im Jahr 2021 für das Bundesministerium für Arbeit und Soziales das Phänomen Basisarbeit untersucht und Vorschläge zur Verbesserung abgeleitet“, schreibt Marc Bovenschulte vom Institut für Innovation und Technik auf LinkedIn.

Besonders im Dienstleistungssektor ist die Bezahlung miserabel: Vom Einzelhandel bis zu Tourismus, Hotel und Gaststätten. Hier werden gerne auch die sogenannten Arbeitnehmer auf Abruf eingesetzt.

Arbeit auf Abruf, auch bekannt als „Abrufarbeit“, stellt eine flexible Arbeitsform dar, bei der Arbeitnehmer je nach Bedarf des Arbeitgebers arbeiten. Kling erst einmal harmlos. Während dies für Arbeitgeber vorteilhaft sein kann, gibt es verschiedene kritische Aspekte dieser Arbeitsform für Arbeitnehmer:

  1. Unvorhersehbarkeit: Arbeitnehmer wissen oft nicht im Voraus, wann sie arbeiten müssen, was ihre persönliche und familiäre Planung erschwert.
  2. Finanzielle Instabilität: Durch die unregelmäßigen Arbeitsstunden können Einkommen und finanzielle Sicherheit variieren.
  3. Mögliche Unterbezahlung: Es besteht das Risiko, dass Arbeitnehmer nur für die tatsächlich geleisteten Stunden und nicht für ihre ständige Verfügbarkeit bezahlt werden.
  4. Fehlende Arbeitsrechte: In einigen Fällen können gesetzliche Regelungen umgangen werden, die den Schutz von Arbeitnehmern gewährleisten sollen.
  5. Psychischer Druck: Die ständige Bereitschaft kann zu Stress und Burnout führen, da Arbeitnehmer ständig in Erwartung eines Abrufs leben.

Rund 1,5 Millionen Menschen arbeiten unter diesen Bedingungen. Von Arbeitenden in Bonner Gaststätten weiß ich, wie hier Chefs agieren.

Ich selbst komme aus einem Arbeiterhaushalt. Meine Mutter und mein Vater haben beide Vollzeit gearbeitet und konnten sich im Laufe der Jahre hoch arbeiten in leitende Positionen. Dazu kamen noch die Tätigkeiten meiner Mutter im DGB und als Betriebsrätin. Beide bekamen durch ihre guten Einkommen eine ordentliche Rente. Das hat sich in der so genannten Dienstleistungsökonomie geändert. Metaller, Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst waren und sind immer noch gut gewerkschaftlich organisiert erzielen vernünftige Gehälter. Das gilt generell für alle Beschäftigen in der Industrie. In Handel, Logistik, Tourismus und Gaststätten sieht das leider anders aus.

Menschen müssen sich in der Dienstleistungs- und Netzökonomie besser organisieren. In der industriellen Revolution ist das durch Arbeitervereine und Gewerkschaften geschehen. Die zersplitterte und hoch moderne Arbeitswelt unserer Tage hat den Organisationsgrad der Beschäftigten dramatisch reduziert.

Von einer Wissensökonomie sind wir weit entfernt. Wir brauchen eine massive Qualifizierungsoffensive für den Niedriglohnsektor. Hier liegt das Potenzial, um den Fachkräftemangel zu beheben. Das muss schon in der Schule anfangen.

Ein weiterer Punkt liegt in der Machtpolitik:

Wir brauchen Zugänge zu Wissen, Technologie, Diensten und Ideen in offenen und vernetzten Strukturen – ohne verkrustete Hierarchien, Seilschaften und Pseudoeliten. Was wir häufig in Deutschland erleben, ist das genaue Gegenteil. Die alten Eliten verbinden sich zur Absicherung ihrer Herrschaft bei gleichzeitiger Desorganisation der Gesellschaft. Je stärker das Internet die Vernetzung vorantreibt und jeder nicht nur Empfänger von Botschaften ist, sondern auch Sender, desto stärker versuchen sich die alten Eliten abzusetzen, damit es nicht zu einem übermäßigen Vordringen von “gewöhnlichen” Leuten in die innere Welt der Cliquen und Klüngel kommt. Der Zugang zu den Netzwerken der Herrschenden bleibt versperrt. Nachzulesen im Standardwerk von Manuel Castells “Das Informationszeitalter I – Die Netzwerkgesellschaft”. Zu beobachten in der Logistik- und Startup-Branche, wo jede Gründung eines Betriebsrates als Kriegserklärung gewertet wird von der Arbeitgeberseite.

Die Theorie von Castells betont, dass in der heutigen Gesellschaft Wissen und Information zu zentralen Faktoren geworden sind. Durch die beschleunigte Kommunikation und die Globalisierung von Informationen können herkömmliche gesellschaftliche Strukturen und Machtverhältnisse ins Wanken geraten.

Gegenmaßnahmen zur Desorganisation in der Netzwerkgesellschaft: Eine Kombination aus Bildung, verstärkter lokaler Vernetzung und Aufbau von digitaler Medienkompetenz könnte helfen, die Desorganisation zu mildern. Ebenso könnten Regierungen und Organisationen Maßnahmen ergreifen, um die digitale Kluft zu überbrücken und sicherzustellen, dass alle Bürger Zugang zu Informationen und Technologien haben. Wäre doch ein Thema für die Next Economy Open am 7. und 8. Dezember.

Siehe auch:

Die Nasenring-Systeme in der Netzökonomie

Über die Desorganisation der Netzbewegung und die Herrschaft der alten Eliten

white sitting behind counter under television

Technokratische Metaphern und ihre Auswirkungen auf das Denken

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Die Frage, die den Predigern des Managements gestellt werden sollte, ist, wie
viel Wert all ihre Empfehlungen, Modelle, Regeln und nicht überprüfbaren Thesen
haben, wenn es um die Rolle von Glück und Zufall geht. Michael Lewis geht in seinem Buch „Aus der Welt“ darauf ein und thematisiert dabei die Forschungsarbeit der Verhaltensökonomen Daniel Kahneman und Amos Tversky.

Sollte Erfolg nicht eher mit Glück als mit Ehrgeiz, Fleiß und Disziplin gleichgesetzt werden? Ob beispielsweise ein neuer oder eine neue CEO ein Unternehmen zum Erfolg führen wird oder nicht, lässt sich nur selten zuverlässig vorhersagen.

Besonders schwierig wird es, wenn man auf wackelige Managementmodelle zurückgreift, die sich nicht überprüfen lassen oder bewusst einer Überprüfung entziehen. Das ist natürlich schlecht für das Ego von Beratern und Führungskräften. Eine Studie von Chengwei Liu (Universität Warwick) und Mark de Rond (Business School der Universität Cambridge) kommt zu dem Schluss, dass Manager nur ungern über Glück sprechen. Die beiden Forscher werteten knapp 2000 Studien aus 60 Jahren aus und stellten fest, dass nur zwei Prozent davon sich mit dem Einfluss des Glücks auf den Unternehmenserfolg oder die Leistung von Führungskräften beschäftigten.

Laut Liu leiden Führungskräfte unter einer Illusion: Sie halten die Welt für kontrollierbarer und vorhersehbarer, als sie wirklich ist. Sie sind besessen von Kennzahlen und geraten in die Falle der Selbstüberschätzung und dem schönen Schein der tollen Zahlen, die von der eigenen Entourage auch geliefert wird: Malen nach Zahlen.

Liu und de Rond machen in ihrer Studie einen radikalen Vorschlag: Spitzenpositionen in Unternehmen sollten einfach unter geeigneten Kandidaten verlost werden. Das wäre günstiger, schneller und am Ende genauso erfolgreich wie langwierige Bewerbungsprozesse. Was für eine Zumutung für diejenigen, die sich hinter technokratischen Metaphern verstecken, um die Schwäche ihrer theoretischen und praxisrelevanten Ansätze zu verschleiern. Technokratische Metaphern und Begriffshuberei sind ein bequemer Ersatz für das Denken. Sie bleiben im Gedächtnis haften und können das Urteilsvermögen beeinflussen, selbst wenn sie unangemessen, nutzlos oder irreführend sind. Sie verdecken echte Unsicherheiten in Bezug auf die Welt und sind nichts weiter als ein Deckmantel. Der verstorbene Psychologe Amos Tversky hat dies in seinen Schriften deutlich gemacht.

Hinter modern klingenden Begriffen der Management-Bla-Bla-Welt verbirgt sich oft die alte ökonomistische Fabriklogik, die darauf abzielt, Organisationen effizienter zu machen. Egal ob man bunte Knöpfchen nach Gamification-Muster in der Fabrikhalle drückt oder am Laptop E-Mails nach Zeitvorgabe bearbeitet, die Arbeit im Büro ähnelt immer mehr der Arbeit in der Fabrik. Kleine, standardisierte Arbeitsschritte werden unter Zeitdruck wie an einem digitalen Fließband am Computer erledigt und von Software protokolliert, erklärt Johannes Böhme in einem Artikel in der Zeitschrift brandeins.

So wird das nichts mit der Wissensökonomie.

Tuning für das Gehirn und mehr Lehrstühle in der KI-Forschung #Schubkraft-TV-Studio #DigitalX

Livetalk mit dem Buchautor Johannes Lierfeld in der Venloer Str. 24 im Belgischen Viertel.

Logistik, Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammen denken: Livetalk mit @ProfHolm auf der #DigitalX #Schubkraft TV-Studio

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Mythen und Realität: Was die junge Generation wirklich im Berufsleben will #zpeurope


Geld statt Work-Life-Balance: Diese und weitere überraschende Erkenntnisse liefert das kürzlich vorgestellte Karrierebarometer. In einer umfassenden Studie hat die Initiative 1.000 Studierende und Berufsanfänger sowie 700 Recruiter befragt. Dabei traten einige Brüche mit gängigen Narrativen zutage.

Sohn@Sohn konnten dazu David Froese auf der Fachmess Zukunft Personal in Köln befragen:

1. Geld als entscheidender Faktor

Eines der bemerkenswertesten Ergebnisse der Umfrage: Geld ist für die junge Generation der entscheidende Faktor bei der Wahl eines Jobs. Dass dies keine reine Materialismus-Debatte ist, zeigt der Kontext: In Zeiten steigender Mietpreise und Inflation wird das Einkommen zum überlebenswichtigen Punkt.

2. Unsicherer Karriereweg

Ein weiteres interessantes Detail: Zwischen 70 und 80 Prozent der Studierenden und Berufsanfänger haben keinen klaren Karriereweg vor Augen, obwohl sie gut über ihre Branche informiert sind. Dies könnte eine Herausforderung für Recruiter darstellen, die gezielte Karrierepfade anbieten möchten.

3. Branchenpräferenzen

Die Studie offenbart, dass die Präferenzen bezüglich der Arbeitswelt durchmischt sind. Während etwa 50 Prozent in Konzernen arbeiten möchten, sind es nur rund 30 Prozent, die sich eine Karriere in Startups vorstellen können. Erstaunlich gering ist der Wunsch nach Selbstständigkeit.

4. Neue Bildungsparadigmen: Die schwierige Annäherung zwischen Hochschulen und der „Generation Z“

Die akademische Welt hat längst erkannt, dass Karrierezentren und Portale nicht mehr nur schmückendes Beiwerk der Bildungslandschaft sind, sondern inzwischen essenzielle Bestandteile. Sie bieten zwar Einblicke in den Arbeitsmarkt, sind aber oft nicht in den Curricula integriert. Besser ist es, spezielle Institute für Unternehmensgründungen zu schaffen. Dennoch bleibt die Frage, wie man die junge Generation effektiv für Selbstständigkeit und Entrepreneurship begeistert, insbesondere in einem bürokratisch komplexen Land wie Deutschland.

Konträr zur gängigen Kritik, dass diese Generation wenig leistungsbereit sei, zeigen empirische Daten sowie individuelle Beobachtungen, dass viele durchaus engagiert und ehrgeizig sind. Die Herausforderung für Hochschulen und Unternehmen liegt daher nicht nur in der Struktur, sondern auch in der Kommunikation. Zum Beispiel kritisieren 42 Prozent der Befragten, dass sie Stellenangebote nicht verstehen. Die junge Generation will einen sinnvollen Beitrag leisten und muss daher im Dialog auf eine Weise erreicht werden, die ihr dies ermöglicht.

Unternehmen und Hochschulen sollten ihre Rekrutierungsstrategien überdenken, um den Fokus der jungen Generation auf Themen wie „Mission“ und „Beitrag“ besser einzufangen. Schließlich sind es nicht nur die Inhalte, sondern auch die Kanäle und die Sprache, die entscheidend sind.

Das Gemurmel über die angebliche Leistungsverweigerung der jungen Generation ist mehr als ärgerlich. Ist auch Thema meiner New-Management-Kolumne für Haufe.

Ausschnitt:

Es regiert die schnelle Meinung und Aburteilung. Gekämpft wird in ideologischen Schützengräben. Je intensiver die abgefeuerten Stinkbomben riechen, um so mehr steigt die Zahl der Repostings und Likes.

Vom kranken Mann in Europa bis zur angeblich zweitklassigen deutschen Technologie-Nation im Vergleich zu China und USA wird alles an „Fakten“ instrumentalisiert, um das eigene Weltbild zu untermauern. Sachlichkeit und der Versuch des Abwägens stören da nur. Ablehnung von Bundesjugendspielen: Beleg für die verweichlichte junge Generation, die sich nicht mehr anstrengen wolle. Keine einzige Medaille bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften sei ein Indikator für den Abstieg einer ganzen Nation. Das Vorrunden-Aus bei der Fußball-WM in Katar zeuge von Mittelmaß und Bräsigkeit.

Einzelfall-Empirismus

Wir könnten international nicht mehr mithalten und seien kein Champion bei Innovationen mehr. So lassen sich die dämlichen Analogien endlos fortsetzen. Die Leistungsmoral junger Leute sei unter aller Kanone. Es dominiere eine „Verpisser“-Kultur in Komfortzonen und dergleichen mehr. Einzelfall-Empirismus auf dem Niveau von Horoskop-Schreiberlingen.

Dabei zeigt das auf der Zukunft Personal vorgestellte aktuelle Karrierebarometer, dass die junge Generation leistungsbereit ist und dafür auch ordentlich bezahlt werden möchte. Was für eine Überraschung für all jene, die komplette Jahrgangs-Kohorten mit vorurteilsgeladenen Zerrbildern überzieht.

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ifo Institut: Zahl der Kurzarbeitenden trotz Flaute gesunken – Stellenanzeigen deuten auf Ende der Stagnation hin #ZPEurope #ZukunftPersonalNachgefragt

Die Zahl der Kurzarbeitenden ist gesunken, trotz der Wirtschaftsflaute. Sie lag im August bei 110.000 Menschen, nach 150.000* im Mai.  Das geht aus Schätzungen des ifo Instituts auf Grundlage der ifo Konjunkturumfragen und Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervor. „Die schwache Konjunktur wirkt sich bislang kaum aus. Eine Rolle mag dabei spielen, dass die erleichterten Voraussetzungen für den Bezug von Kurzarbeitergeld Ende Juni ausgelaufen sind“, sagt ifo-Arbeitsmarktforscher Sebastian Link. Der Anteil an den Beschäftigten sank auf 0,3 Prozent, von 0,4 Prozent.

Etwa 80 Prozent der Kurzarbeitenden entfallen auf die Industrie. Aber auch dort gingen die Zahlen zurück, von 118.000 auf 89.000. Das sind 1,3 Prozent nach 1,7 Prozent der Beschäftigten in diesem Segment. Nicht in allen Branchen ist ein Rückgang zu verzeichnen: In der Metallerzeugung und -bearbeitung (11.000 nach 7.400) sowie im Maschinenbau (20.000 nach 13.000) stieg die Anzahl der Kurzarbeitenden. „Interessanterweise spielt die Kurzarbeit auf dem Bau trotz der extrem schlechten Stimmung bislang keine Rolle“, sagt Link weiter. Die geschätzte Zahl der Kurzarbeitenden lag dort im August mit 7.000 in etwa auf dem Niveau im Mai (8.000). Im Handel waren es 3.000 nach 6.200, bei allen Dienstleistern zusammen nur noch 11.000 nach 18.000 Kurzarbeitenden.

Im August 2022 lag die Zahl in der Gesamtwirtschaft niedriger, bei 76.000 Kurzarbeitenden oder 0,2 Prozent. Beim Höchststand während der Coronakrise im April 2020 waren es sogar 6 Millionen oder 17,8 Prozent. Kurzarbeit ist eine Art Teilzeit-Arbeitslosigkeit, vor allem bei zeitweisem Auftragsmangel. Beschäftigte erhalten Kurzarbeitergeld in Höhe des Arbeitslosengeldes für die ausfallenden Stunden.

Auch der Stellenmarkt deutet auf eine robuste Wirtschaftslage hin.

In der Sendung #ZukunftPersonalNachgefragt betont Dr. Annina Hering, Arbeitsökonomin von Indeed, dass wir die Talsohle der Stagnation erreicht haben. Noch im Juni 2023 sei erkennbar gewesen, dass es zu einer deutlichen Abkühlung der wirtschaftlichen Entwicklung komme. Jetzt stabilisieren sich die Stellenanzeigen wieder.

Indeed indexiert und aggregiert Jobangebote von tausenden Karrierewebseiten und einer Vielzahl von Personaldienstleistern und Jobbörsen. Die Analyse von bezahlten und unbezahlten Stellenanzeigen garantiert, dass der Gesamtarbeitsmarkt repräsentiert wird. 

Von ökoliberaler Transformation bis zum grünen Wachstum: Welches Zukunftsszenario ist realistisch? D2030 diskutierte mögliche Entwicklungen bis 2045 @jasonhickel @DrLutzBecker1 @breitenbach

Vorab: Es wird nicht einfach, die Klimaziele des Pariser Abkommens bis 2045 zu erreichen. Die Zukunftslounge von D2030 hat das in der Vorstellung der Szenarien klar zum Ausdruck gebracht. Während der Live-Session trafen viele interessante Kommentare ein. So der Hinweis auf eine Studie zum grünen Wachstum: Is green growth happening? An empirical analysis of achieved versus Paris-compliant CO2–GDP decoupling in high-income countries. Autoren Jefim Vogel, MSc und Prof Jason Hickel, PhD.

Schlussfolgerung: Es wird schwierig in den nächsten Jahren: Die Emissionssenkungen, die Länder mit hohem Einkommen durch die absolute Entkopplung erreicht haben, liegen weit unter den Pariser Vorgaben. Bei den erreichten Raten bräuchten diese Länder im Durchschnitt mehr als 220 Jahre, um ihre Emissionen um 95 Prozent zu reduzieren. Die in Ländern mit hohem Einkommen erreichten Entkopplungsraten vom Wachstum sind unzureichend, um die Klima- und Gerechtigkeitsverpflichtungen des Pariser Abkommens zu erfüllen. Um Paris-konforme Emissionsreduktionen zu erreichen, müssen Länder mit hohem Einkommen Strategien zur Nachfragereduzierung nach Wachstum verfolgen und die Wirtschaft auf Suffizienz, Gerechtigkeit und menschliches Wohlergehen ausrichten, während sie gleichzeitig den technologischen Wandel und Effizienzsteigerungen beschleunigen.

Frage während der Live-Session: Wie wird die Transformation finanziert?

Hier die Doku der Liveübertragungen auf LinkedIn und Co.:

Eventseite auf LinkedIn.

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„ChatGPT & Co nehmen Recruitern die Jobs weg, wenn…“: Zur Lage der Rekrutierungsstrategien von Unternehmen – Livetalk mit Wolfgang Brickwedde – Ausblick auf die Zukunft Personal vom 12. bis 14. September #ZPNachgefragt #ZukunftPersonalNachgefragt #ZPEurope

Livetalk am Donnerstag, 11 Uhr mit Wolfgang Brickwedde, TOP 1 HR Influencer laut Personalmagazin. Director ICR, Institute for Competitive Recruiting. Ausblick auf die Zukunft Personal Europe vom 12. bis 14. September. Zur Lage der Rekrutierungsstrategien von Unternehmen. Die Sessions auf der RECRUITING & ATTRACTION STAGE I.

Wie beantwortet Ihr die Überschrift meines Blogpostings?

Die Sorge, dass ChatGPT und ähnliche KI-Technologien den Recruitern die Jobs wegnehmen könnten, steht im Vordergrund des Gesprächs mit Brickwedde. Dabei sind mehrere Faktoren zu berücksichtigen:

  1. Ergänzende Funktion: ChatGPT und ähnliche Technologien dienen oft als unterstützende Tools, die den Recruiting-Prozess effizienter gestalten, ohne dabei den Menschen komplett zu ersetzen.
  2. Spezialisierung der Aufgaben: KI kann sich um repetitiven und datenintensiven Aufgaben kümmern, was den Recruitern mehr Zeit für spezialisierte und menschenzentrierte Aufgaben gibt.
  3. Qualität der KI: Während KI in manchen Bereichen, wie bei standardisierten Anschreiben, nicht immer die Qualität erfüllen kann, die von menschlichen Experten erwartet wird, ist sie in anderen Bereichen durchaus nützlich.
  4. Generationswechsel: Die Generation Z bringt neue Ansprüche an den Arbeitsmarkt, die eine andere Art von Recruiting erfordern. Das kann sowohl Chancen als auch Herausforderungen für den Einsatz von KI im Recruiting darstellen.
  5. Verändernde Joblandschaft: KI wird die Arbeitswelt verändern, aber sie wird auch neue Jobs schaffen, die derzeit noch nicht existieren.

Der Livetalk läuft vor allem über die ZP-Seite auf LinkedIn und im Multistream auf YT und Co. Ihr könnt also die Chat- und Kommentarfunktionen nutzen, um am Donnerstag, den 7. September ab 11 Uhr Fragen und Diskussionsbeiträge zu posten.

Oder direkt ein Ticket besorgen für die Session-Stage, die unter der Regie von Wolfgang Brickwedde läuft.

Oder hier.

Man hört, sieht und streamt sich am Donnerstag und natürlich im Messe-TV-Studio auf der Zukunft Personal in Kölle.

@jagodamarinic: Von der Ampel höre man zu wenig über die Gestaltung der Zukunft – #D2030-Initiative beleuchtet Szenarien bis zum Jahr 2045 – Mitmachen in der Zukunftslounge am Mittwoch @Bundeskanzler @BMWK @ABaerbock @c_lindner @foresight_lab

Wo bleibt der Aufbruch in unseren politischen Debatten? Diese Frage stellt sich nicht nur die Schriftstellerin Jagoda Marinic in einem Beitrag für den Deutschlandfunk. Von der Ampel hört man zu wenig über die Gestaltung der Zukunft. Es gibt sehr viele kleinteilige Streitereien, Tratsch und endlose personelle Auseinandersetzungen: „Wo bleiben die Grundsatzreden darüber, in welche Art von Zukunft wir uns gerade hineinarbeiten? Auf die Pandemie folgte der Krieg, darauf die Aufzählungen von Krisenszenarien und die zu schnelle intellektuelle wie politische Kapitulation vor den vermeintlich ausgemachten Erfolgen und Bündnissen der autoritär regierten Länder“, kommentiert Marinic.

Politische Prozesse werden zu Klatsch und Tratsch aus Berlin, statt den Kampf um die besten Ideen gegen die anstehenden Krisen zu präsentieren. Kein Wunder, dass der ominöse „Kulturkampf“ etwas geworden sei, womit Politik gemacht werden kann. In einer Demokratie brauche man eine streitbare Vorstellung von der Zukunft, für die Einzelne sich einbringen sollen. Und die liefert die Initiative D2030 am Mittwochabend.

Wir möchten Euch den Stand unser Szenarien für 2045 vorstellen und mit Euch diskutieren. Entstanden sind sie in dem seit Januar 2023 laufenden Szenarioprojekt Neue Horizonte 2045 – Missionen für Deutschland

Das neue Szenariovorhaben führt die von uns Anfang 2018 veröffentlichten acht Szenarien für Deutschland 2030 fort. Was auch im Foresight-Bereich keine Selbstverständlichkeit ist. Wir halten dabei an unseren drei Grundprinzipien fest: Unabhängigkeit, Zukunftsoffenheit und Beteiligung.

Unser neuer Zukunftshorizont reicht jetzt bis 2045. Es ist das Jahr, für das Deutschland sich vorgenommen hat, klimaneutral zu sein. Eine solch weitreichende und ambitionierte Transformation für eine sozial gerechte und klimaneutrale Wirtschaft und Gesellschaft wird nur gelingen, wenn Politik, Unternehmen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam agieren. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, den Zukunftskorridor 2045 mit Szenarien zu vermessen, die eine gelingende Transformation versprechen und deshalb an die Neue Horizonte-Szenarien von 2018 anknüpfen.

Trotz aller “Offenheit” ist unsere bisherige Projektarbeit durch Experten und Expertinnen geprägt. Darauf haben wir (1) mit der Bildung eines D2045-Szenarionteams reagiert, es entspricht in der Zusammensetzung unserem Verständnis von Open Foresight sowie (2) mit der ab jetzt startenden offenen und breit angelegten Bewertungs-und Beteilungsphase. Die Neuen Horizonte 2045-Szenarien stellen den aktuellen Entwicklungsstand vor der Bewertungs-und Beteilungsphase dar. Sie sind deshalb nicht fertig, stecken aber das Fundament ab. Die Online-Bewertung der Szenarien startet Mitte September und läuft bis Ende Oktober. (Der Link zur Umfrage wird dann auf unserer Website und im Newsletter bekannt gegeben.)

Die D2045-Szenarien stehen in unserem Vorhaben nicht allein, sondern werden durch ausgewählte Stakeholder-Dialoge und “Missionswerkstätten” (Arbeitstitel) ergänzt. Hier geht es darum, den gewünschten Zukunftsraum einer gelingenden Transformation durch Missionen und Transformationspfade konkreter auszuleuchten. Ein ambitioniertes Unterfangen, das darauf setzt, dass trotz manifester Zielkonflikte in allen Handlungsfeldern, Kompromisse zu entwerfen und zu diskutieren, die im Rahmen der Zukunftslandkarte vertretbar wären. D2045-Szenarien, Missionen und Transformationspfade werden verknüpft und es werden daraus, Leitlinien für eine langfristig angelegte transformativer Politik formuliert. Die Ergebnisse werden wir im Februar zur Diskussion stellen. Danach soll es weitergehen, dann weniger expertenbasiert, sondern mit breitem Fokus auf zivilgesellschaftliche  Akteure und alle interessierten Bürger:innen.

Soweit unser Plan. Es ist uns durchaus bewusst, dass wir hier versuchen, ein ziemlich großes Rad zu drehen. Wir gehen dieses Risiko bewusst ein, auch wenn wir im Prozess experimentelle Zugänge wählen und offene Fragen akzeptieren. Wir, der gemeinnützige Verein D2030 e.V., verstehen unsere Arbeit als konstruktiven Beitrag zur Gestaltung der Zukunft und sehen uns als ein Partner für eine gelingende Transformation. Ohne unser Open Foresight-Szenarioteam und ohne unsere Partner, die EnBW, die Deutsche Bahn und die AOK PLUS, wäre das nicht möglich.

Im Rahmen der 24. Futures Lounge wird Euch das D2045-Szenariokernteam den Stand der D2045-Szenarien vorstellen. Dies sind:

Als Kommentator:innen haben wir eingeladen:

Also Mitmachen direkt im Zoom-Call oder via Livestreaming auf LinkedIn und Co. Hier der Link zur Anmeldung auf LinkedIn – dort könnt Ihr über die Kommentarfunktion interagieren.

Man hört, sieht und streamt sich am Mittwoch ab 18:30 Uhr. Technik und Regie: Sohn@Sohn.