Rezession schafft ein besseres Klima – Krise für eine Effizienzrevolution nutzen!

Michael Miersch hat in der Welt einen klugen Kommentar geschrieben: Die Krise vermindert den Ausstoß von Treibhausgasen weitaus effektiver als Ökosteuern und Klimaschutzverträge. Jeder Motor, der nicht angeworfen wird, jede Maschine, die nicht läuft, jedes Flugzeug, das am Boden bleibt, hätte in Zeiten guter Konjunktur Treibstoffe verbrannt und damit Kohlendioxid erzeugt. Wirtschaftskrisen waren schon früher CO2-Senker. Als 1973 die Opec-Länder den Ölhahn zudrehten, führte das nicht nur zu einer Konjunkturflaute, sondern auch zur Effizienzrevolution. Es schärfte das Bewusstsein für die Möglichkeiten des Energiesparens und beförderte die Suche nach Alternativen. Der Untergang der DDR reduzierte die Treibhausgase noch heftiger. Nur weil in den frühen 90er-Jahren Stahlwerke, Chemiekombinate und Autofabriken im Osten pleitegingen, wurde es möglich, dass Deutschland die Ziele des Kyoto-Protokolls bereits vier Jahre vor dem Stichtag erreichen konnte. Gernot Klepper vom Kieler Institut für Weltwirtschaft sagt: „Rezession bringt Klimaschutz, und Weltrezession bringt massiven Klimaschutz. Allein wenn sich das chinesische Wirtschaftswachstum halbieren sollte, geht der Anstieg der Treibhausgasemissionen um ein Viertel zurück. Es könnte sogar sein, dass die Konjunkturkrise dieses Jahr das globale Emissionswachstum stoppt.“

Die Krise sollte – wie schon die Ölkrise der 70er-Jahre – genutzt werden, um effizientere Techniken voranzutreiben, die den Verbrauch fossiler Ressourcen weiter senken. Liest man die Aussagen der kommenden US-Regierung, wird wahrscheinlich genau dies geschehen.

Ehrliches Marketing und kein öffentlicher Raub: Das Erfolgsrezept von Comedy-Star Mario Barth

Mario Barth hat die Comedy-Szene in eine neue Dimension geführt – auch was das Business anbelangt. Der Berliner dirigiert eine kleine Firmengruppe mit vier Unternehmen, die sich um Produktion, Vermarktung und den Verkauf von Merchandising-Artikeln kümmern. Dabei vertreibt er nicht nur Produkte der eigenen Marke „Mario Barth“, sondern auch Produkte von den Simpsons, von Playboy oder Jägermeister. Im Interview mit dem Fachmagazin absatzwirtschaft erklärt Barth sein Erfolgsrezept: „Marketing ist total einfach, wenn man den Ursprung des Marketings nimmt. Wenn du ehrlich bist und deinen Fan oder Kunden nicht verarscht, dann passiert das, was im Olympia-Stadion zu sehen war“.

Mit den 70.000 Besuchern hat er einen neuen Weltrekord in der Comedy-Branche aufgestellt, den bisher Chris Rock in London mit 15.900 Zuschauern hielt. Warum war Madonna in Berlin nicht ausverkauft, fragt sich Barth. „Nur 45.000 Zuschauer im Olympia-Stadion. Ich nehme keine 250 Euro für eine Karte. Das hat nämlich nichts mehr mit Karte zu tun, sondern das ist öffentlicher Raub. Wie rechtfertige ich ein Ticket für 250 Euro? Was kann das Ticket noch? Wäsche waschen, Auto fahren? Dann geht man zu zweit hin, dann sind schon mal 500 Euro weg. Dann kostet so ein T-Shirt nicht wie bei uns 15, sondern 55 Euro und ist noch von schlechter Qualität. Zweimal gewaschen, und die Farbe ist raus. Wie haben Analysen gemacht zu unseren T-Shirts. Das ist alles fair gehandelte Baumwolle und wird in Europa produziert. Wir haben nichts aus Bangladesch“, so Barth gegenüber absatzwirtschaft.

Kritikern, die seine Programme für flach befinden, hält er seinen Markterfolg entgegen. „Zwei Millionen Leute haben mein Programm live gesehen. Dazu knapp zwei Millionen verkaufte Bücher und über eine Million verkaufte Tonträger. Mein Buch wurde in fünf Sprachen übersetzt. Hunderte von Leuten arbeiten an dem Produkt ‚Mario Barth’. Das sind doch Leute, die haben erstens eine Arbeit, und zweitens haben die Fans Spaß. Um das noch mal zu verdeutlichen. Zwei Stunden lachen die Fans, vergessen dabei den ganzen Alltagsscheiß und gehen gutgelaunt und positiv nach Hause“, kontert Barth. Die Verkaufszahlen geben ihm recht. Allein am ersten Tag des Kartenvorverkaufs für sein neues Programm, das im Mai startet, verkaufte der Comedy-Star mehr als 125.000 Karten. 24 Termine waren zunächst geplant. Dabei wird es nicht bleiben. Mittlerweile sind bereits weit über 400.000 Tickets für 2009 und 2010 verkauft.

PVC-Industrie mit Kreislaufproblemen – EU-Abfallrahmenrichtlinie sorgt für Recyclingstress

Die europäische PVC-Industrie steht in den nächsten zehn Jahren nach Prognosen des Bonner Abfallexperten Sascha Schuh vor einer ihrer größten Herausforderungen. Spätestens bis 2020 muss sie ihren Beitrag zu einer werkstoffliche Recyclingquote von mindestens 70% leisten“, sagte Schuh auf der Bonner Fachtagung „PVC – Rohstoff und Sorgenkind der Entsorger“. Auslöser dafür sei die Verabschiedung der Novelle der EU-Abfallrahmenrichtlinie. Bis 2020 müssten 70 Prozent der verwendeten Produkte aus Bau- und Abbruch wiederverwendet oder werkstofflich verwertet werden. „Da mehr als 75 Prozent der in Verkehr gebrachten PVC-Produkte auf dem Bau landen, müssen die Verantwortlichen in den nächsten Jahren noch ihre Hausaufgaben erledigen“, so Schuh, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ascon. Bei einem europäischen Marktvolumen von 6,4 Millionen Tonnen PVC und einem Produktanteil von 75 Prozent ergäbe sich ein Recyclingpotential von mehr als 4,8 Millionen Tonnen. Davon 70 Prozent seien immer noch mehr als drei Millionen Tonnen PVC, die dann auf ihre werkstoffliche Verwertung warten, es sei denn, dass sich die Kunststoffindustrie hinter den Bemühungen anderer Branchenteilnehmer verstecke.

„Wenn die Organisation Vinyl 2010 sich in den nächsten zwei Jahren rund 200.000 Tonnen PVC-Verwertung auf die Fahne geschrieben hat, dann können sie ihre Ziele für 2020 getrost um das sechzehnfache erhöhen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Richtlinie das Recycling von Produktionsabfällen und so genannten postindustriellen Abfällen – wie es in Deutschland zur Zeit geschieht – ausdrücklich ausschließt“, erklärte Schuh. Dabei gebe es nur noch einen Ausweg. Die Verordnung zielt auf Verwertungsquoten der gesamten Masse ab. „Im Endeffekt könnte sich die Industrie künftig mengenmäßig hinter der Steine- und Erdverwertung verstecken. Ich glaube aber nicht, dass sie diesen riskanten Weg einschlagen wird, der in Deutschland in anderen Bereichen schon einmal für strenge gesetzliche Reaktionen sorgte“, so die Bedenken von Schuh. Mittelständische Verwertungssysteme für gemischtes PVC-Recycling vermisst Frank Arleth, Leiter der Ascon-Systemverwertung. Es gebe in Deutschland und Europa zwei hervorragende technische Anlagen zur Verwertung von PVC. „Die Dow Chemical Anlage in Schkopau und die Vinyloop Anlage in Ravenna überzeugen durch ihre Konzeption und ihr Durchsatzvolumen. Doch beide Betriebe kein werkstoffliches Recycling von gemischten PVC-Abfällen leisten. Dow Chemical benötigt ein speziell aufbereitetes Mahlgut zur Weiterverwertung, das schon in der Vorbereitung und Endverwertung so kostenintensiv ist, dass selbst die Sondermüllverbrennung als kostengünstigere Alternative erscheint“, weiß Arleth.

Es fehle ein Unterbau für die werkstoffliche Verwertung gemischter PVC-Abfälle. Man könne nicht jede Sortieranlage zwingen, drei, vier oder mehr PVC-Fraktionen auszusortieren, um sie dann gegen Zuzahlung an einen Verwerter abgeben zu müssen. „Entsorger brauchen Alternativen, wo sie mit ihrem Material hingehen können. Da hilft es nicht, einen Abnehmer für Rohre, für Fenster und für Dachbahnen zu präsentieren. Ziel muss es sein, geeignete werkstoffliche Verwerter aufzubauen, zu unterstützen und als Alternative für die Entsorger zu installieren“, forderte Arleth. Kritik äußerte Sebastian Frings-Neß, Vorsitzender der neuen Recyclingorganisation EUPVcycle, an den nebulösen Recyclingstatistiken der Verbände AGPU http://www.agpu.de und Vinyl 2010: „Wenn zwei Verbände zusammen eine Erklärung abgeben und sich gegenseitig zwei gegensätzliche Zahlen bestätigen, charakterisiert dies den Zustand des europäischen PVC-Recyclings“, kommentierte der Vorsitzende des Vereins die Presseerklärung der beiden Lobbyistenvereinigungen. „Ich empfehle jedem, erst die Zahlen der AGPU und dann die von Vinyl 2010 zu lesen und sie mit aktuellen Verordnungen zu vergleichen. Dann kann man sich ausmalen, was auf diese Industrie in Zukunft zukommt“, warnte Frings-Neß. Er kündigte für dieses Jahr einen eigenen zertifizierten Mengenstrom für das werkstoffliche Recycling von nicht regulierten PVC-Abfallströmen an. „Es wird nicht leicht, aber unser Ziel ist es, in den nächsten zwei Jahren europaweit eine werkstoffliche Verwertung nicht regulierter PVC-Abfälle zu dokumentieren, die den Anforderungen der Abfallrahmenrichtlinie entspricht und somit den PVC-Verwertern auch langfristig eine Perspektive aufzeigt“, sagte Frings-Neß in Bonn.