Schwarzbuch der Pyromanen: Wie Kommunen die Müllverbrennung aufhübschen

Verbrennung statt Recycling?

Mit den Wolkenkuckucksheim-Planungen der Kommunen in der Abfallwirtschaft sind in Deutschland massive Überkapazitäten bei Müllverbrennungsanlagen entstanden, die nicht gerade als Wundermaschinen bei der Gewinnung von Wärme und Strom glänzen. Der Wirkungsgrad der meisten Verbrennungsöfen erreicht eher beschauliche Werte – kein Wunder, denn die MVAs wurden eher auf die Abfallbeseitigung ausgerichtet und nicht auf die Energiegewinnung.

Umso mehr lasten die Betriebskosten auf die kommunalen Finanzhaushalte, die über Müllgebühren verrechnet werden. Je weniger Müll verbrannt werden kann, desto höher sind die Kosten pro Tonnage. Gebietskörperschaften mit überdimensionierten Öfen haben demzufolge höhere Müllgebühren als der Rest der Republik.

Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) sich in einem „Schwarzbuch“ so kritisch zum Verpackungsrecycling äußert und so tut, als ob wir uns noch in den Anfangstagen des Grünen Punkt-Müllmonopols bewegen würden.

In den vergangenen 21 Jahren hat sich allerdings sehr viel bewegt. Selbst beim Kunststoffrecycling fordert mittlerweile die private Entsorgungswirtschaft eine Erhöhung der Verwertungsquote, die in der Verpackungsverordnung vorgeschrieben ist. Zur Zeit liegt die Mindestquote für die stoffliche Verwertung bei 36 Prozent. In der Öffentlichkeit wird schnell der Vorwurf erhoben, dass der größte Teil verbrannt werde und die Mülltrennung unsinnig sei. Eine Symbolhandlung zur Gewissensberuhigung, die Felix Schwenzel in seinem „Weltverbesserungsvortrag“ auf der republica in Berlin durch den Kakao gezogen hat.

Es müssten ja nur 36 Prozent der Joghurtbecher recycelt werden. Der Rest wandere in die Müllverbrennung, da diese Anlagen ja Überkapazitäten hätten (ab der 25. Sendeminute). Falsch Felix. Das hätten die Kommunen gerne. Sie buhlen förmlich um diesen Abfall mit Dumpingpreisen von 60 Euro pro Tonne, um den wirtschaftlichen Anreiz für die stoffliche Verwertung zu minimieren.

Aber selbst beim Plastikrecycling hat sich der Wind gedreht. Man erkennt es an den gesunkenen Kosten für die Verwertung. Früher war das ein Angebotsmarkt mit negativen Preisen (es mussten kräftig Zuzahlungen geleistet werden, damit der Plastikabfall in die Recyclingsanlagen wandern konnte), jetzt mausert sich das Ganze zu einem Nachfragemarkt.

Nach Angaben der Mainzer Entsorgungsfirma Landbell liegt die Quote der insgesamt verwerteten Kunststoffe deutlich über 100 Prozent, da die gesammelten Mengen die am System beteiligten Mengen übertreffen. Die stoffliche Recyclingquote liegt bei 59 Prozent, der Rest geht in andere Verwertungsverfahren. Damit übertrifft man deutlich die vom Gesetzgeber geforderte Quote von 36 Prozent. Soweit meine kleine Replik auf die ansonsten sehr informative und amüsante Rede von Felix Schwenzel. Siehe dazu auch: Faktencheck zur Plastiktüte.

Richtig sind seine Sticheleien gegen das Jürgen Trittin-Dosenpfand (ab der 16. Sendeminute). Es hat definitiv zu einem Niedergang der Mehrweg-Getränke in Deutschland beigetragen. Es sollte aber genau das Gegenteil bewirken. So wurde es jedenfalls vom früheren Umweltminister Trittin in der Öffentlichkeit verkauft.

Warum die stoffliche Verwertung besser ist als die Verbrennung, kann am Beispiel von Mehrwegflaschen ganz gut erklären. Je mehr Umläufe Plastikmaterial erlebt, desto besser schneidet Recycling ökobilanziell ab.

„Studien belegen eindeutig die 3,5-fach so hohe Nutzungsdauer eines Kunststoffs beim Recycling im Vergleich zur Verbrennung“, erläutert Eric Rehbock, Hauptgeschäaftsführer des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) in Bonn.

Im Müllofen macht es einmal puff und der Sekundärrohstoff löst sich in Rauch auf – mit schlechten Werten bei der Energiegewinnung. Zumindest gilt das für die klassischen MVAs.

Mein Kollege Walter Warnecke hat sich die Mühe gemacht, die Heizwerte aller Müllverbrennungsanlagen aufzulisten:

Im Schnitt liegt der Heizwert bei 10.000 Kilojoule pro Kilogramm – das ist mehr als dürftig. Steinkohle besitzt einen Heizwert von bis zu 32.000 Kilojoule pro Kilogramm. Holzpellets liegen bei 18.000, Braunkohlebriketts bei knapp 20.000 und Altreifen bei 32.000. Nur waldfrisches Holz schneidet mit knapp 7.000 Kilojoule pro Kilogramm schlechter als Hausmüll ab.

Man sollte eher der Empfehlung des Weltwirtschaftsinstituts in Hamburg folgen und MVAs abreißen. Denn auch zukünftig sei mit Unterauslastungen in den Verbrennungsöfen zu rechnen. Ansonsten drohen deutliche Mehrbelastungen für die Müllgebührenzahler.

Aber das hört der VKU nicht so gerne.

Übrigens: Brüssel will den zunehmenden Mülltourismus in Europa durch das „Prinzip der Nähe“ eindämmen. NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) springt auf den Zug und plant 2014 schärfere Auflagen für Kommunen. Das dürfte den Druck auf die Müllgebühren deutlich erhöhen.

In Bonn könnte man die Müllverbrennungsanlage in ihrer Größe schlicht reduzieren und auf den tatsächlichen Bedarf ausrichten.

Merkwürdige Mengenlehre mit Gelben Tonnen und Säcke

In Arnsberg gibt es Sackmangel, der die Bürger auf die Barrikaden treibt und auch bei den Systembetreibern steigt der Wutpegel.

Der Müllkonzern DSD mit dem Erkennungszeichen „Der Grüne Punkt“ verlor vor einigen Jahren seine Alleinherrschaft und steht mittlerweile im Wettbewerb mit acht weiteren Dualen Systemen, die ihre Dienstleistungen für die Mülltrennung über Gelbe Tonnen, Container und Säcke anbieten. Wie in der Telekommunikation macht es auch in der Recyclingwirtschaft keinen Sinn, eine Vielzahl von unterschiedlichen Systemen für die Infrastruktur zu etablieren. Kein Verbraucher möchte sich neben der Blauen und Grauen Tonne, noch neun weitere Tonnen für jedes Duale System vor die Haustür stellen. Alle Wettbewerber greifen also auf ein einziges Erfassungssystem zurück.

Um Ungleichgewichte bei der Lizenzierung und der Sammlung von Verpackungen zu vermeiden, wurde eine so genannte Clearingstelle aus der Taufe gehoben. Konsumgüterindustrie und Handel, die Verpackungen in Deutschland auf den Markt bringen, schließen Verträge mit den Dualen Systemen für die Entsorgungsdienstleistungen ab. Und da kann es im Laufe des Jahres natürlich zu Vertragskündigungen und Anbieterwechsel kommen. Die Clearingstelle soll diese Schwankungen ausgleichen.

Wer wenig meldet, gewinnt

Und genau hier fängt das Problem an: Nehmen wir einmal an, einer der neun Dualen Systeme hat einen Marktanteil von 50 Prozent erreicht und meldete der Clearingstelle nur 40 Prozent. Dann muss dieses Unternehmen zehn Prozent nachkaufen und in einen gemeinsamen Topf einzahlen. Dieses Geld wird dann nach den gegenwärtigen Marktanteilen an die neun Dualen System aufgeteilt. Soweit so gut. Ein Rechenbeispiel macht allerdings deutlich, dass die Väter des Clearingsystems in mathematischen Fragen nicht zu den Höchstleistern zählen. Stellen wir uns vor, in Deutschland wären jährlich 1.000 000 Tonnen Verpackungen im Umlauf. Das System mit dem Marktanteil von 50 Prozent hatte im Laufe des Jahres aber nur 40 Prozent gemeldet. Es muss für 10 Prozent und einem Tonnage-Preis von 800 Euro nachkaufen und die Summe in den gemeinsamen Topf einzahlen. Das wären dann 100.000 Tonnen zu einem Gesamtpreis von 80 Millionen Euro. Mit dem aktuellen Markanteil von 50 Prozent bekäme das nachzahlende Unternehmen aus dem gemeinsamen Topf den Betrag von 40 Millionen Euro zurück. Auf wundersame Weise reduziert sich dann der Tonnage-Preis auf nur 400 Euro und liegt weit unter den marktüblichen Preisen der Konkurrenz.

Entsprechend steigt der Spielraum für die Gewinnung von Neukunden in der Konsumgüterindustrie und im Handel. Für die kleinen Anbieter ein eklatanter Wettbewerbsnachteil. Ein dummer Fehler. Logisch wäre eine Regelung, die das nachkaufende Unternehmen von den Ausgleichszahlungen ausschließt.
Komplette Story unter: Alles klar beim Clearing? Die buchhalterischen Wunder des Gelbe Tonnen-Systems – Ein Fall für das Bundeskartellamt

Plädoyer für Verkehrszählungen an Gelben Tonnen: Wo sind die Recyclingpreller?


Der DSD-Konzern mit dem Grünen Punkt als Erkennungszeichen erzielt 2010 einen Überschuss nach Verlusten in Vorjahren, berichtet der Fachdienst Euwid. Die Müllsammler weisen einen Jahresüberschuss von 14,4 Millionen Euro aus bei einem Umsatz von 592 Millionen Euro. „Der Verzicht auf Marktanteile sei teilweise durch um 8 bis 10 Prozent höhere Lizenzentgelte ausgeglichen worden. Das geht aus dem EUWID vorliegenden Jahresabschluss des Unternehmens hervor. Wesentliche Gründe für das gesteigerte Ergebnis seien das stark verbesserte Bruttoergebnis und geringere Abschreibungen auf den Firmenwert. Zudem sei die außerordentliche Belastung durch die Abschreibung aus der Clearingstellenabrechnung für das Jahr 2008 weggefallen. DSD rechnet auch weiterhin mit einem harten Wettbewerb, jedoch nicht mit der flächendeckenden Feststellung eines weiteren Systembetreibers in diesem Jahr“, schreibt Euwid. Das wird doch vor allen Dingen die neuen Eigentümer des DSD-Konzerns erfreuen: Das Management unter Führung von Stefan Schreiter und die britische Private Equity-Gesellschaft Solidus Partner. Siehe auch: Der Grüne Punkt und die Heuschrecken.

Interessant auch der ARD-Film „Müll-Geschäfte“ (so ab der Minute 4:30 lohnt es sich, etwas genauer hinzuschauen in diesem ARD-Film).

Na dann müssen wir ja nicht mehr die Kollekte kreisen lassen nach den Horrorgeschichten, die man in den vergangenen Jahren so gehört hat. Nach der Lektüre der Frühjahrsausgabe des DSD-Kundenmagazins machte ich mir ernsthaft Sorgen, ob die Manager des Grünen Punktes noch das Licht am Ende des grausamen Recyclingpreller-Tunnels jemals wiedersehen können. Da schlug mir die Überschrift entgegen: „Noch sind Betrüger im Markt“. Gemeint sind wohl jene dunklen Gesellen, die sich an den Lizenzgebühren für die Entsorgung der gebrauchten Verpackungen trickreich vorbeimogeln und das Müllsammel-Regime in schwere Depressionen stürzen. Entsprechend wehklagend verlangte DSD-Chef Schreiter von den Vollzugsbehörden ein entschlossenes Handeln im Kampf gegen die Betrüger. Es könne doch nicht angehen, dass das DSD sich für hohe Verwertungsstandards und einwandfreie Mengenmeldungen ins Zeug legt und die Recyclingpreller ungeschoren davonkommen.

Nur, wer sind denn die Betrüger? Die werden in der Regel nicht konkret benannt. Da wird es den Müllpolizisten schwerfallen, eine Fahndungsliste zu erstellen oder Aktenzeichen XY ungelöst einzuschalten, um in Deutschland an der Gelben Tonnen-Front endlich wieder für Sauberkeit, Ordnung und Anstand zu sorgen.

Auch ein weiteres Rätsel sollte so langsam mal aufgeklärt werden. Es geht um die so genannte Eigenrücknahme des Handels. In diesem Modell werden die Verpackungen direkt im Laden gesammelt. Im vergangenen Jahr sollen es rund 125.000 Tonnen gewesen sein, die nicht den Weg in Gelbe Tonnen und Säcke fanden. Aber genau da vermutet DSD-Chef Schreiter diese Verpackungen, folgt man einem Bericht der FAZ. Diese Mengen würden in Gelben Tonnen landen, aber als Eigenrücknahme klassifiziert, um Gebühren zu prellen.

Wie schafft der DSD-Chef das bloß? Zählt er die Folien, Tüten, Blister und Flaschen, die man in Sortieranlagen des DSD findet, aber eigentlich als Eigenrücknahme klassifiziert wurden? Kann man überhaupt in dem groben Mengengerüst der Materialfraktionen Weißblech, Verbundverpackungen, Alu und Plastik erkennen, woher das Zeug kommt? Werden die gepressten Ballen wieder zerlegt und gezählt? Rund 40 bis 50 Prozent der Mengen in Gelben Tonnen und Säcken sind Fehlwürfe und Nichtverpackungen. Unheimlich viele Verpackungen werden zu Hause und unterwegs in normale Mülltonnen geworfen und landen in der Müllverbrennungsanlage.

Vor Jahren kamen Wissenschaftler der TU-Berlin daher zu einem klaren Urteil: Handel und Industrie seien logistisch und technisch gar nicht in der Lage, bei der haushaltsnahen Sammlung eine Identität zwischen der in Verkehr gebrachten und zurückgenommenen Verpackung zu organisieren. Aber vielleicht organisiert der DSD-Chef mal so eine Art Verkehrszählung an Gelben Tonnen, um die Recyclingpreller zu schnappen. Sachdienliche Hinweise von besorgten Mülltrennungsbürgern nimmt bestimmt jede örtliche Polizeidiensstelle entgegen oder auch nicht.

Siehe auch:
Nietzsche und die ewige Wiederkunft des Gelbe Tonnen-Streites.

Die Mülltonnen-Verschwörung: Warum kleine grüne Männchen Gelbe Tonnen durchwühlen und Gelbe Säcke aufschlitzen.

Neues vom Müllschwund und von der Zertifikatsbürokratie der Entsorgungswirtschaft

In einem Beitrag für NeueNachricht haben wir jetzt nachgelegt und die Hintergründe des angeblichen Müllschwundes unter wettbewerbspolitischen Gesichtspunkten analysiert. Bstimmten Lobby-Kreisen geht es wohl um noch etwas ganz anderes. Die aufwändigen Zertifizierungsprozeduren und Sicherheitsleistungen, die der BDE für die Organisation der Mülltrennung verlangt, stellen eine hohe Hürde für den Eintritt neuer Wettbewerber in den Markt dar. Gleichzeitig ermöglichen sie es den etablierten Unternehmen, ihre Deutungshoheit über die Umsetzung der Verpackungsverordnung zu wahren. Stefan Schreiter, der Geschäftsführer des zertifizierten Marktführers, des Ex-Monopolisten DSD GmbH, hat erst kürzlich die wachsende Eigenrücknahme von Leichtverpackungen durch den Handel als „Betrugsmodell“ hingestellt. Alternativen kann der Marktführer offenbar nur als „Wettbewerbsverzerrung“ wahrnehmen.

Der Wettbewerbsrechtler Professor Hans-Peter Schwintowski von der Freien Universität Berlin weist darauf hin, dass nach europäischem Recht regulierende Eingriffe in Märkte grundsätzlich nur dann zulässig sind, „wenn der Wettbewerb auf dem Markt messbare Funktionsdefizite aufweist.“ Das gelte auch für die Einführung von Zertifizierungssystemen mit Strafandrohung, selbst wenn diese formal auf freiwilliger Basis erfolgen. „Reglementierungen dieser Art sprechen eigentlich immer dafür, dass irgendeiner der Marktteilnehmer seine besondere Finanzkraft nutzen will, um die anderen mittel- und langfristig vom Markt zu verdrängen“, meint Professor Schwintowski. Bleibt also die Frage, ob der vom BDE verfochtene Eingriff in den Markt allein wegen statistischer Ungereimtheiten gerechtfertigt ist.

Hier geht es zur kompletten NeueNachricht-Story.

Wem gehört der Verpackungsabfall? Bizarrer Streit um Müll

Mit Rechtsgutachten und Lobbyarbeit wollen mittelständische Entsorger in Deutschland stärker am Geschäft mit Verpackungsabfall partizipieren. Die Margen für die Sammlung und Sortierung schrumpfen, ergo beansprucht die Müllwirtschaft Eigentumsrechte für die gesammelten Wertstoffe, die in Gelben Tonnen und Säcke landen. Wirtschaftsexperten halten das für ein merkwürdiges Rechtsverständnis.

In Deutschland sind Duale Systeme dafür zuständig, die haushaltsnahe Sammlung von gebrauchten Verpackungen zu organisieren. Sie beauftragen dafür Entsorgungsbetriebe, die für ihre Leistungen entsprechend entlohnt werden – mehr nicht. In der Rechtsverantwortung für die zu erreichenden Verwertungsquoten, die der Gesetzgeber vorschreibt, stehen die Dualen Systeme und damit Handel sowie Konsumgüterindustrie. So etwas nennt man landläufig Produktverantwortung. Als es nur ein einziges Duales System gab, hatte man aus wettbewerbspolitischen Gründen den Tätigkeitsbereich auf die Sammlung und Sortierung reduziert – mit Ausnahme von Plastik. Ins Recyclinggeschäft konnte der Ex-Monopolist DSD nicht einsteigen.

Das hat sich nun geändert. Mittlerweile stehen eine Vielzahl von Systemanbietern zur Verfügung, so dass es keinen Grund mehr gibt, wettbewerbspolitische Schranken aufrechtzuerhalten.

Gabriels Mehrweg-Scherbenhaufen – Politik sorgt für Discounter-Boom

Politik gräbt Mehrweg das Wasser ab
Politik gräbt Mehrweg das Wasser ab
Es grenzt mittlerweile an eine schlecht einstudierte Inszenierung. Keine vier Monate nach dem Inkrafttreten der fünften Novelle der Verpackungsverordnung klagen Politiker aus allen Lagern über die Probleme und die mangelnde Tauglichkeit der neuen Regelung. Jüngstes Beispiel: Bundesumweltminister Sigmar Gabriel übt sich nach den Schreckensmeldungen der deutschen Brunnenbetriebe als Mehrwegpolizist, in dem er eine Kennzeichnung für Einwegflaschen oder sogar ein europaweites Verbot fordert. Dabei ist der freie Fall der Mehrwegquote hausgemacht und wurde von den politisch Verantwortlichen lange Zeit in Abrede gestellt. Schon im Januar 2007 äußerte sich der umweltpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Gerd Friedrich Bollmann skeptisch, einen Mehrwegschutz besonders für Mineralwasser in die Verpackungsverordnung einzuarbeiten. Man sei mittlerweile politisch so weit fortgeschritten, dass diese Regelung einer sechsten Novelle vorbehalten sein müsse. „Eigentlich eine unglaubliche Haltung. Man hatte noch genügend Zeit für eine politische Feinjustierung zur Rettung von Mehrweg“, so der Bonner Umweltexperte Sascha Schuh, Geschäftsführer der Beratungsfirma Ascon.

Obwohl dem Umweltministerium schon zum damaligen Zeitpunkt die prekäre Lage auf dem Mehrwegmarkt bekannt war, packte man das Problem nicht an. „Heute versucht sich der Umweltminister als Medizinmann, der mit Handauflegen die Probleme der Mehrwegquote zu lösen versucht. Das ist nur ein billiger Werbefeldzug“, moniert Schuh. Eine abschreckende Wirkung könne eine Kennzeichnungspflicht nicht entfalten. Der Verbraucher werde schon jetzt mit Informationen auf Produkten und Verpackungen überflutet.

Flughafenkontrolle Köln/Bonn: Eldorado für Dosenfpandgewinne, denn man darf ja Flüssigkeiten nicht im Handgebäck haben.
Flughafenkontrolle Köln/Bonn: Eldorado für Dosenfpandgewinne, denn man darf ja Flüssigkeiten nicht im Handgebäck haben.
Branchenvertreter halten das Vorgehen des Umweltministers für ein Ablenkungsmanöver. Der krasse Preisunterschied zwischen Einweg- und Mehrweggetränken sei die wahre Ursache für den Boom von ökologisch nachteiligen Getränkeverpackungen. Umgerechnet auf den Literpreis kostet Mineralwasser beim Discounter nur 13 Cent und im normalen Einzel- oder Getränkehandel 50 Cent. „Einen vergleichbaren Preisunterschied zwischen Discountern und Getränkehandel mit einem Faktor von 4,5 findet man in keinem anderen Zweig der Lebensmittelbranche. Die Politik liefert den Discountern ein kostenloses Kundenbindungsprogramm. Normalerweise kalkulieren diese Konzerne einen Erlös von 10 Prozent. Mit den Pfandeinnahmen über die nicht zurückgebrachten Einwegflaschen erwirtschaften die Discounter mit dem Segen der Bundesregierung eine Spanne von über 40 Prozent“, kritisiert Ullrich Schweizer, Marketing-Geschäftsführer der Firma Hassia Mineralquellen.

So sieht es auch Sylvia Kotting-Uhl, umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion. Ohne ein „ökonomisches Anreizsystem“ werde es nicht gehen, weshalb die Grünen eine zusätzliche Einwegabgabe fordern. Die Arbeitsgemeinschaft umweltfreundliche Verpackungs- und Recyclingsysteme (AVR) hatte schon bei der Einführung des Dosenpfandes vorgeschlagen, die Pfandgelder treuhänderisch unter staatlicher Kontrolle verwalten zu lassen, damit es nicht zu Verwerfungen auf dem Getränkemarkt kommt.

Eine Verpflichtung der Discounter zum Angebot von Mehrwegmineralwasser hält Acson-Chef Sascha Schuh für einen unzulässigen staatlichen Eingriff. Das werde vor deutschen Gerichten und auch vor dem Europäischen Gerichtshof keinen Bestand haben. Eine europäische Initiative zur Abschaffung von Einwegflaschen hält er für sinnlos. „Auch wenn Gabriel einräumt, dass dieser Weg eine Weile dauern könnte, ist er so unrealistisch wie abwegig. Zum einen sieht die europäische Gesetzgebung eine weitgehende Übereinstimmung der 27 Mitgliedsstaaten bei der Verabschiedung neuer Gesetze und Verordnungen vor. Und diese scheint bei der Vielzahl betroffener Industrien als unrealistisch“, erklärt Schuh.

Gabriels Ankündigungen seien eine politische Luftblase. Rechtstechnisch sei die fünfte Novelle von Anfang an eine Katastrophe gewesen. „Die Vollzugsdefizite wurden nicht beseitigt. Und es ist doch für die verantwortlichen Umweltpolitiker und Fachbeamten kein Ruhmesblatt, wenn beispielsweise die Umweltministerin von Baden-Württemberg einräumen muss, dass die Verpackungsverordnung kein Beispiel für eine gute Rechtsetzung sei. Nun sei sie aber in Kraft und müsse von allen Betroffenen eingehalten werden, fügte Frau Gönner etwas ratlos hinzu. Das grenzt schon an Defätismus“, urteilt Schuh.

Völlig verunglückt sei das Verbot der so genannten Selbstentsorgersysteme, die in Konkurrenz zu Dualen System direkt bei Kantinen, Hotels, Kinos oder Supermärkten den Verpackungsabfall eingesammelt haben. „Mit den vielen Branchenlösungen als Alternative zu Selbstentsorgersystemen gibt die Novelle genügend Platz zum Schmunzeln. Sie bietet genügend Gestaltungsmöglichkeiten für ein ‚Lizenzdumping’. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt bei der Reduzierung von Entsorgungsgebühren für Duale Systeme, die haushaltsnah den Verpackungsabfall erfassen müssen. Die Lizenzgebühren für Kunststoffverpackungen kosteten noch vor drei Jahren bei DSD offiziell fast 1300 Euro Pro Tonne. Heute ruft man sich hinter vorgehaltener Hand Preise von 650 Euro pro Tonne zu. Mischt man dazu noch 15 Prozent Branchenlösungen ergibt sich ein Mischpreis pro Tonne Kunststoffverpackungen von etwas mehr als 500 Euro. 65 Prozent weniger als noch vor drei Jahren und schon lange nicht mehr auskömmlich“, moniert Schuh.

Tonnen aufstellen, Abfuhr, Transport zur Sortieranlage, Sortierung Restmüllbeseitigung und Verwertung. Alles für einen Dumpingpreis von 500 Euro. „Schon jetzt klagen alle Entsorgungsunternehmen über die Wirtschaftkrise, mangelnden Absatz und volle Höfe. Da bleibt kein Spielraum mehr für die Verpackungsverwertung. Die Preise sind zusammengebrochen, die Verwertung alleine ist in den vergangenen drei Monaten um mehr als 30 Prozent teurer geworden“, weiß Schuh. Mit dem Lizenzdumping bei Plastik sei eine seriöse Entsorgung nicht mehr zu leisten. Es drohten wieder Entsorgungsskandale wie in den 1990er Jahren. „Wenn der Verordnungsgeber nicht schnell eingreift, wird die Verpackungsverwertung kollabieren und es entstehen ökologisch fragwürdige Entsorgungsmethoden“, fürchtet Ascon-Chef Schuh.

Internet der Dinge: Blabla-Tsunami oder mehr?

semprom-logo_o1Ein Konsortium unter Federführung des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz hat es sich zur Aufgabe gemacht, Produkte mit Gedächtnis zu entwickeln. Das Projekt trägt den Namen „Semantic Product Memory“ (SemProM). „Die Forscher beschreiben einige Szenarien, in denen tagebuchschreibende Produkte zum Einsatz kommen könnten, etwa ein Einkaufsassistent für eine alte Dame, die schon ein wenig schusselig ist und manchmal etwas vergisst. Dem sollen merkfähige Dinge abhelfen. Wenn Oma nicht mehr weiß, was sie wollte, wird künftig ihr kluger Rollator die Kaufentscheidungen treffen. Erzeugnisse sollen bald ganz genau wissen, wem sie gehören und was sie schon alles erlebt haben, um auf diese Weise beispielsweise Produktpiraten entgegenzutreten“, so Technology Review-Blogger Peter Glaser.

Der trostlose Anhauch des Anorganischen, unter dem die meisten Objekte bislang zu leiden hatten, könnte einer Art von Intelligenz weichen, die uns als eine neue, vielfältig hilfreiche mikromaschinelle Umwelt umgeben soll. „Dabei streift mich eine Vorstellung von murmelnden Schachtelreihen im Supermarkt, ein Geräusch wie in einem gut gefüllten Restaurant, zwischendrin ein paar übellaunige Dübel in der Elektroabteilung – mir wird schon jetzt zu viel kommuniziert. Sollten nun auch noch die Dinge äußerungsfähig werden, und ich meine nicht einfach nur einen piepsenden Sensor, sehe ich einen Blabla-Tsunami auf uns zufluten“, befürchtet Glaser.

Unstrittig sind die logistischen Vorteile beim Internet der Dinge, denn Unternehmen können nur managen, was sie auch messen können. Dieser im Prinzip einfache Grundsatz, stellt sich in der Praxis häufig als Problem dar. Wenn etwa ein Einzelhändler nicht in der Lage ist, den Füllstand seiner Regale genau zu messen, dann wird er auch nicht in der Lage sein, die Verfügbarkeit seiner Handelsware in der Filiale zu erhöhen: So gehen bis zu acht Prozent des Umsatzes durch so genannte Out-of-Stock-Situationen (OOS) http://de.wikipedia.org/wiki/Regallücke verloren. Mit der RFID-Funktechnologie bekommen Informationssysteme erstmals „Augen“ und „Ohren“ und damit die Fähigkeit zur kostengünstigen Messung ihrer Umwelt. Sie haben das Potenzial, den Medienbruch zwischen physischen Prozessen und deren Informationsverarbeitung zu vermeiden. Sie ermöglichen eine vollautomatisierbare Maschine-Maschine-Beziehung. Die RFID-„Minicomputer“ übernehmen die Aufgaben eines Mediators zwischen realer und virtueller Welt. Physische Ressourcen wie Schachteln, Paletten, Lagerplätze, Regale und einzelne Produkte können ohne menschliche Eingriffe über die unternehmensinternen und externen Rechnernetze kommunizieren.

Sobald eine mit einem RFID-Etikett versehene Ware von einem Kunden gekauft und ausgebucht wird, zeigt das System diese Information je nach Konfiguration im Lager und im Backoffice an. Das Servicepersonal kann zielgerichtet entstandene Lücken in den Regalen beseitigen und neue Ware einsortieren. Selbst falsch zurückgestellte Ware lässt sich lokalisieren und kann wieder an den richtigen Platz gebracht werden. Aber nicht nur das OOS-Management kann deutlich verbessert werden. Die gesamte Logistikkette im Einzelhandel steht durch RFID vor einem Paradigmenwechsel:

Neben der Erfassung des Gewichtes gewinnt auch die Bestimmung der Größe von Packstücken mehr und mehr an Bedeutung. Ob mit Blick auf das Versandvolumen oder für die Optimierung von Lager- und Transportvolumen – Länge, Breite und Höhe spielen eine immer größere Rolle.Der Logistikmarkt mit seiner kontinuierlich wachsenden Nachfrage setzt zunehmend auf RFID-Systeme, die mit einer Einheit gleichzeitig Gewicht und Volumen erfassen sowie die Packstücke erkennen und kennzeichnen. Eine solche Lösung bietet die von Bizerba entwickelte Systemkombination aus Gewichts- und Volumenmessung, Etikettierung und Barcode-Scanning. Sie kann nach Angaben des Herstellers sowohl als komplexes Gesamtsystem als auch in einzelnen Funktionseinheiten unabhängig voneinander betrieben werden. Ebenso bieten sich auch nahezu alle Kombinationen der Einzelsysteme an.

Smart LabelMatthias Harsch, Mitglied der Bizerba-Geschäftsführung, erklärt eine mögliche Anwendung des Systems: „In der Produktion werden Kisten meist sortenrein mit jeweils einer Artikelgruppe befüllt. Damit sie während der Kommissionierung auch bei chaotischer Reihenfolge entsprechend des Produktionsauftrags auf die richtige Wäge- und Auszeichnungslinie gelangen, werden Transponder an die Kisten angebracht. Ein RFID-Reader liest die Artikelnummern aus und veranlasst die richtige Weichenstellung“. Anschließend werden die Kisten verwogen. Der GLP-Drucker erhält vom Host die variablen Daten und kann die aufzubringenden RFID-Etiketten sofort ausdrucken und codieren. „Die Kisten gelangen somit sortenrein ins Tiefkühllager oder zur Kommissionierung. Das Smart-Label an jeder Kiste rationalisiert die weitere Logistik enorm“, ist sich Harsch sicher.

Biokunststoffe und die babylonische Begriffsverwirrung – Kompostwerke zweifeln biologische Abbaubarkeit an

Biokunststoffe sind Auffassung vieler Experten nur in der Theorie ökologisch. Praktisch sind sie nicht einheitlich gekennzeichnet, leiden an einer babylonischen Begriffsverwirrung, können Schwermetalle enthalten und Kompostwerke in den Ruin treiben. Als 1988 die Recycling-Codes für die sechs meistgebrauchten Kunststoffe vergeben wurden, hatten Biokunststoffe im heutigen Sinne keine wirtschaftliche Bedeutung. Die Codes haben dreieckige Rahmen, die in der Mitte die zweistellige Materialnummer und manchmal darunter das Materialkürzel tragen. Die Initiative hatte der amerikanische Wirtschaftsverband der Kunststoffindustrie The Society of the Plastics Industry (SPI) http://www.plasticsindustry.org ergriffen.

Der Verband nummerierte die Polymere PET (Polyethylenterephthalat, Nr. 01), HDPE (Poyethylen hoher Dichte, Nr. 02), PVC (Polyvinylchlorid, Nr. 03), LDPE (Polyethylen niedriger Dichte, Nr. 04), Polypropylen (PP, Nr. 05) und Polystyrol (PS, Nr. 06). Die Nummer 07 mit dem Kürzel „O“ (für „other“) wurde für alle anderen Kunststoffe gewählt. Dazu gehören Acrylglas, Polycarbonat, Nylon, ABS, Fiberglas (GFK) und nunmehr auch Biokunststoffe wie Polymilchsäure (PLA, Polylactic Acid). Die amerikanischen Kodierungen wurden um weitere Materialien ergänzt und haben sich zu den „International Universal Recycling Codes“ entwickelt, die weltweit verbreitet sind. Die Vergabe der Nummern ging weiter. Ab Nummer 8 wurden Batterien, Papier und Pappen, Metalle, Holz, Textilien, Gläser und Verbundwerkstoffe gekennzeichnet. Sogar Bleiglas und Kork wurden berücksichtigt (Nr. 51 und Nr. 76). Biokunststoffe sind dagegen nicht integriert. Rein theoretisch könnten sie im Bereich 42 bis 49 Platz finden, der noch für organische Stoffe und Biomasse freigehalten wird.

Dem steht jedoch ein grundsätzliches Problem entgegen. Es gibt keine einheitliche Begriffsdefinition. Unter Biokunststoffen werden einerseits Kunststoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe verstanden, die biologisch abbaubar sein können, aber nicht müssen. Andererseits wird der Begriff für biologisch abbaubare Kunststoffe verwendet, die biologischen Ursprungs sein können oder auch auf Mineralölbasis hergestellt werden. Für eine Schnittmenge treffen beide Definitionen zu, etwa für Zelluloid und Kunststoffe auf Stärkebasis. Die Gruppe der biologisch abbaubaren Kunststoffe ist besonders unübersichtlich. Sie unterscheiden sich durch die Einflüsse, unter denen sie mehr oder weniger schnell zerfallen, im wesentlichen durch Sonnenlicht (UV-Licht), Sauerstoff, Wärme, Feuchtigkeit, mechanische Belastung und mikrobiologische Angriffe wie in der Kompostierung. Manche Biokunststoffe reagieren nur auf einen der Faktoren, andere auf mehrere, wiederum andere benötigen die Kombination von Faktoren, wie etwa beim oxo-thermischen Abbau (Sauerstoff und Luft).

Eine Untergruppe sind die Kunststoffe auf Mineralölbasis, zumeist Polyolefine wie Polyethylen und Polypropylen, in denen der Zerfall durch ein katalysierendes Additiv ausgelöst wird. Verbreitet hierfür sind Metallsalze. Der amerikanische Herstellerverband Oxo-Biodegradable Plastics Institute (OPI) http://www.oxobio.org teilt dazu mit, dass häufig Kobaltsalze verwendet werden. Kobalt werde jedoch in so geringer Konzentration eingesetzt, das unter Verwendung dieser Kunststoffe hergestellter Kompost weder für Pflanzen noch für Tiere giftig sei. Die Hersteller von Kunststoffen, denen ein solcher Spaltkatalysator beigemischt wird, grenzen sich gern von konkurrierenden Produkten mit anderen Zerfallsmechanismen ab. Der amerikanische Hersteller Bio-Tec Environmental, der das Additiv Bio-Batch für mikrobiellen Zerfall vertreibt, veröffentlicht ein Vergleichsliste verschiedener Biokunststoffe. Danach bleiben bei Verwendung von sauerstoffsensiblen Additiven nicht nur Kobalt, sondern unter Umständen auch Cadmium und andere toxische Reststoffe zurück. Auch bei lichtsensiblen Additiven würden Schwermetalle eingesetzt.

Die meist geheimen Rezepturen der Hersteller scheinen Betreibern von Kompostwerken suspekt zu sein. Selbst wenn die Mixturen ökologisch korrekt wären, bliebe ein noch größeres Defizit. Kompostwerkbetreiber zweifeln die biologische Abbaubarkeit nicht nur an, sie haben sie auch widerlegt. Das Amt für Abfallwirtschaft und Stadtreinigung der Stadt Heidelberg berichtet über eigene Kompostierungsversuche von Verpackungen aus biologisch abbaubaren Werkstoffen, in denen Biofolien auch nach etwa sechs Monaten noch nicht kompostiert waren. Der Rotteprozess im Heidelberger Kompostwerk sei aber verfahrenstechnisch auf zehn Wochen beschränkt. Daher würden die Biotüten, die für die Sammlung von Bioabfall verwendet werden, mit den anderen Störstoffen maschinell aussortiert und als Restmüll entsorgt http://stadtleben.de/heidelberg/aktuelles/2008/08/04/muelltueten-aus-biofolie-ungeeignet. 

Auch der Abfallwirtschaftsbetrieb Esslingen betont, dass biologisch abbaubare Kunststofftüten, zum Beispiel aus Maisstärke, nicht in die Biotonne dürfen. Die kurze Rottezeit im Kompostwerk von sechs bis acht Wochen könne zum Problem werden. Moderne Kompostwerke arbeiten also schneller als der Biokunststoff zerfallen kann. Die Betreiber sind einem großen Risiko ausgesetzt, wenn Biokunststoffe in die Anlagen kommen. Es könnte ihnen verboten werden, den Kompost zu vertreiben. Laut der Bundesgütegemeinschaft Kompost e.V. http://www.kompost.de in Köln dürfen Komposte mit mehr als 0,5 Prozent Fremdstoffen nicht abgegeben werden. Abgesehen von der Verwechslungsgefahr von normalen und Biokunstoffen können letztere aktiv dazu beitragen, dass der Grenzwert für Fremdstoffe überschritten wird. Wenn Biokunststoffe in der Verrottung trotz gegenteiliger Versuchsergebnisse schneller zerfallen, kann eine erhebliche Menge von kleinen Bruchstücken und Folienfetzen entstehen, die sich in der Fremd- und Störstoffabsiebung nicht beseitigen lassen. Auf den Anlagenbetreiber kommt dann der größte anzunehmende Unfall zu: Der Kompost muss kostenpflichtig als Restmüll beseitigt werden. Eventuell müssen auch ausgelieferte Fehlchargen zurückgenommen werden.

Der Europäische Dachverband der Kunststoffverarbeiter EuPC http://www.plasticsconverters.eu in Brüssel fordert separate Abfallströme, damit für die Kunststoffverwerter keine zusätzlichen Kosten für die Verwertung entstehen. „Es wird ebenfalls befürchtet, dass Biokunststoffe bestehende Recyclingprojekte gefährden können“, moniert EuPC. Der Verband wendet sich außerdem gegen eine Förderung von Biokunststoffen durch gesetzgeberische Maßnahmen, wie sie in Deutschland über die Verpackungsverordnung getroffen wurden. „Es gibt überhaupt keinen Grund, Bioplastik von den Grüne Punkt-Gebühren zu befreien. Die Dummheit geht ja soweit, das Zeug einfach in den Ofen zu stecken, weil man kein ordentliches Abfallkonzept auf die Beine stellen kann. So etwas darf nicht staatlich alimentiert werden“, fordert ein Vertreter der Entsorgungswirtschaft im Gespräch mit NeueNachricht. Siehe auch: http://www.bvse.de/?bvseID=6d81ff4efedb161cdb1402dd34846c53&cid=2&pid=2182; http://www.umweltlexikon-online.de/fp/archiv/RUBsonstiges/BiologischeAbbaubarkeit.php; http://www.verpackungsbranche.de/Nachrichten/na_235.html; http://www.nachhaltigkeitsreport.de/fp/archiv/AfA_recycling/print/13289.php; http://www.pressbot.net/article_l,1,i,50154.html; http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/02/22/dokument.html?titel=Bluff+mit+Becher&id=54002220&top=SPIEGEL&suchbegriff=bioplastik&quellen=&vl=0

Moderne Robotertechnik beseitigt Personal- und Produktionsengpässe

Vom 24. bis 30. April 2008 trifft sich die internationale Verpackungsbranche auf der Interpack für Interpack www.interpack.de in Düsseldorf. Auf der Fachmesse für Verpackungsmaschinen und Packmittel werden Komplettlösungen für das automatische Verpackungshandling präsentiert. Sie sollen das Problem der Produktionsengpässe lösen, die durch zu geringe Personalkapazitäten hervorgerufen werden. Hier kann nach Einschätzung von Branchenexperten der Einsatz von Robotern entscheidende Vorteile bieten: „Von der kostenoptimierten Rund-um-die-Uhr-Produktion bis hin zur fehlerfreien Rückverfolgung mit minimalem Aufwand: Vollautomatische Systeme ermöglichen Produktionssteigerungen und bringen mehr Transparenz in die Prozesskontrolle“, sagt Frank Falter vom Technologiehersteller Bizerba http://www.bizerba-openworld.de.

 

Auf der Interpack präsentiert Bizerba in Kooperation mit dem finnischen Unternehmen Kine Robot Solutions http://www.kine.fi den Nutzen automatisierter Lösungen. Am Anfang des Gesamtsystems etikettiert ein Preisauszeichner der GLM-I Serie Produktverpackungen. Sie gelangen anschließend über ein Förderband an die Roboter-Zelle PackUnit. Der Greifarm mit Saugvorrichtung nimmt die Verpackungen auf und stellt sie in Kisten ab. Das System ist für variable Gebindegrößen ausgelegt und kann nach Angaben von Bizerba sehr schnell auf die Bedürfnisse in der Produktion angepasst werden. Die Kisten werden über eine Förderstrecke zu dem Palettierroboter PalletUnit transportiert und auf eine Palette gestapelt. Auch diese Funktion ist für variable Gebinde- und Palettenabmessungen konzipiert. Die Palette selbst steht auf einer Waage, so dass der Etikettierer GLM-P abschließend das Palettengewicht auszeichnen kann. 

 

„Diese und vergleichbare Lösungen von Bizerba und Kine lassen sich variabel an die spezifischen Anforderungen des jeweiligen Interessenten anpassen. Eine einfache Verbindung zu Warehouse-Management-Systemen ist dabei ebenso möglich wie der direkte Anschluss an Waagen-, Auszeichnungs- und Verpackungssysteme“, erläutert Falter.

 

Service-Roboter werden nach Ansicht von Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge http://www.semanticedge.de in Berlin, nicht nur die Industrie umkrempeln. „So arbeitet das Microsoft-Entwickler unter Führung von Tandy Trower und Craig Mundie an roboterähnlichen Geräten für den Alltag arbeiten. Zur Lösung der Aufgabe konzipieren sie ein neues Hilfsmittel namens CCR (concurrency and coordination-run-time). Eine weitere Entwicklung von Microsoft ist der verteilte Softwaredienst DSS (decentralizend software services), der es ermöglicht, Anwendungen zu schreiben, bei denen das Programm einen Sensor auslesen oder einen Motor kontrollieren kann. Mit DSS ist es auch möglich, Roboter über eine drahtlose Breitbandverbindung via Webbrowser von einem anderen Ort zu überwachen und zu steuern. Wie in den 70er Jahren, als die Programmiersprache ‚Microsoft Basic’ zum Schlüsselfaktor der PC-Revolution wurde, geht das Team von Trower an die Arbeit, Roboter für jedermann zu konzipieren“, so der Ausblick von Pape. 

 

Microsoft-Gründer Bill Gates habe den Stand der Roboterindustrie mit dem der PC-Industrie in den späten siebziger Jahren verglichen, bestätigt Trower. Damals war der Apple-Computer populär, der keine Kleinbuchstaben kannte. Dann war da der Commodore PET, der Dateien auf Musikkassetten speicherte. Und es gab Firmen wie Atari, Coleco und Texas Instruments, die einfach Tastaturen an ihre Videospielkonsolen hängten. Also sah auch der PC-Markt damals nicht gerade vielversprechend aus – und trotzdem ist er in Fahrt gekommen“.

 

Für ihn spricht einiges dafür, dass sich die Roboterverbreitung ähnlich vollziehen wird wie die der Computer. „Erstens findet man weltweit keine Regierung und keine Industrie mehr, die nicht in Robotik investiert. Fast jede große Technische Universität forscht an Robotern. Zweitens schreitet die Robotik enorm schnell voran. 2004, im ersten Jahr der Darpa Grand Challenge, einem Wüstenrennen führerloser Autos, kam nicht ein einziges Fahrzeug ins Ziel. 2005 waren es schon vier. Welche wichtige Technologie auch immer man betrachtet – Handys, DVD-Player, das Internet -, anfangs hatten sie alle flache Wachstumskurven. Als IBM 1981 den Personal Computer einführte, ersetzte der nicht sofort alle Großrechner. Es dauerte 20 bis 30 Jahre, bis er die riesigen Eisenschränke verdrängt hatte“, so der Microsoft-Entwickler.

 

Zudem bauten Firmen wie Intel und AMD immer schnellere Prozessoren. „Früher brauchte man stets die neuesten, weil die Programme immer leistungshungriger wurden. Heute ist das nicht mehr so. Will die Hardwareindustrie überleben, muss sie andere Anwendungen finden. Die Robotik ist da ideal – ich glaube, wir werden in der Branche in drei bis fünf Jahren den Wendepunkt sehen“, prognostiziert Trower. Die International Federation of Robotics (IFR) http://www.ifr.org prognostiziert ein Wachstum der Roboterproduktion von 2008 bis 2010 von vier Prozent jährlich. 
 

 

Mehrwegquote unter 30 Prozent-Marke: Dosenpfand vernichtet mittelständische Getränkeindustrie – Deutschland in der Ex-und-Hopp-Sackgasse

Das seit 2003 gültige Pflichtpfand auf Einweg-Getränkeverpackungen hat den dramatischen Verfall der Mehrwegquote bei alkoholfreien Getränken nicht stoppen können. Nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke (wafg) http://www.wafg-online.de in Berlin sank die Mehrwegquote in diesem Sektor von 51,4 Prozent im Jahr 2002 auf nur noch 29,9 Prozent Ende 2007. Mehrwegverpackungen aus Glas und PET sowie Getränkekartons würden zunehmend von PET-Einwegflaschen verdrängt; deren Marktanteil liege inzwischen bei 58,4 Prozent. Die vom Bundesrat abgesegnete fünfte Novelle zur Änderung der Verpackungsverordnung habe nach Auffassung der wafg die Mehrwegfrage ausgespart. Trotz des Pflichtpfandes für Einwegflaschen und Dosen sinke die Mehrwegquote unaufhörlich.  

„Bundesumweltminister Sigmar Gabriel glänzt auf internationalen Konferenzen als klimapolitischer Musterknabe. Seine ökologischen Hausaufgaben vernachlässigt er allerdings sträflich. Wir waren mal Mehrweg-Weltmeister und sind jetzt in einer Ex-und-Hopp-Sackgasse gelandet“, kritisiert Energieexperte Tobias Janßen, Vorstandschef der Düsseldorfer Beteiligungsgesellschaft Goldfish Holdings http://www.goldfish-holdings.com, gegenüber dem Onlinemagazin NeueNachricht http://www.ne-na.de.

 Bundestag und Bundesrat hätten bei der Verpackungsnovelle noch eine Chance gehabt, die mangelhafte Rechtslage beim Dosenpfand zu beseitigen. Mit den nicht zurück gebrachten Einwegflaschen würden die Discounter horrende Gewinne zu Lasten der Verbraucher und der mittelständisch geprägten Mehrwegbranche einfahren. „Das sind pro Flasche immerhin 25 Cent. Da verdient der Händler am Pfand mehr als am Inhalt“, moniert Janßen. Nach Angaben der Genossenschaft Deutscher Brunnen seien das jährliche Mehrerlöse von über 400 Millionen Euro. „Mit diesem Geld können die Discounter über Quersubventionen den Preis für Mineralwasser in Einwegflaschen künstlich niedrig halten“, so Andreas Rottke, Vorstandschef der Genossenschaft Deutscher Brunnen http://www.gdb.de.  

Umgerechnet auf den Literpreis koste Mineralwasser beim Discounter 13 Cent und im normalen Einzel- oder Getränkehandel 50 Cent. Die rund 220 mittelständischen Mineralbrunnenbetriebe seien unter diesen Bedingungen nicht mehr konkurrenzfähig. „Bei Aldi & Co. sind es nur noch fünf national operierende Lieferanten, die zum Zuge kommen“, sagt Rottke. Nur diese Firmen beherrschen den Einwegmarkt. Die Politik müsse schnell etwas tun, wenn sie den Mehrwegmarkt noch erhalten wolle. Das Pflichtpfand für Einweggetränke in der heutigen Ausgestaltung reiche nicht aus und sollte um eine Abgabenlösung ergänzt werden. Nach Meinung von Goldfish-Vorstand Janßen reiche es aus, die Pfandgelder über eine Treuhandstelle zu verwalten: „Dann kann man sich nicht mehr mit dem Pfandschlupf bereichern und Einweggetränke künstlich verbilligen“.