Vom Charme der ungeplanten Resonanz #HRFestival #rpTEN #SUB7

Personalmanager mit Orchester in Berlin

Resonanzbeziehungen hängen mit einer Vielzahl von kontextuellen Faktoren zusammen, schreibt Hartmut Rosa in seinem Buch (welche eine Überraschung) „Resonanz – Eine Soziologie der Weltbeziehung“. So kann man Resonanzerfahrungen machen, die unerwartet kommen.

„Dass es beispielsweise zu einem wirklich verständigungsorientierten, berührenden Gespräch mit unserem Chef kommt, den wir für zutiefst unsymphatisch hielten und dem wir mit einer (so dachten wir) rein strategischen Einstellung gegenübertraten; dass wir uns als Atheisten unversehens von einem religiösen Gefühl ergriffen fühlen; dass uns ein Konzert zu Tränen rührt, auf das wir uns nur aus Gründen des Sozialzwangs einließen; oder dass uns eine Arbeitsaufgabe richtig packt, die wir partout nicht machen wollten – all dies sind keineswegs fiktive Szenarien“, führt Rosa aus.

Umgekehrt ist die Überfrachtung der Resonanzerwartung ein zuverlässiger Hemmfaktor für deren Erfüllung. Wer alle Bedingungen kontrollieren will, scheitert in schöner Regelmäßigkeit. Es kommt schlechter als geplant. Berühmtestes Beispiel: DER WEIHNACHTSABEND – im Resonanzhafen der Familie ein Ort des Misslingens.

„Wir können uns dann gerade deshalb in die Musik, in das Gespräch, den Sonnenuntergang oder die Arbeit versenken, weil wir die Kontextbedingungen nicht kontrollieren und keine Erwartungen erfüllen müssen“, meint Rosa.

Ein Gedankengang, den ich demnächst ausführlicher beleuchten möchte. Sitze gerade in der Podcast-Konferenz Subcribe 7 und wollte einen kleinen Schwenk zur orchestralen Aufführung beim HRFestival auf der re:publica in Berlin hinbekommen.

Denn ergriffen war ich von der Aufführung des Beethoven-Stücks Violin Concerto. Die Personalmanager der saßen direkt neben den Musikern des Kammerorchesters „Unter den Linden“. Ich stand als Livestreamer direkt dahinter. Welche Ableitungen für das Personalmanagement herausspringen, die der Musiker Miha Pogacnik mit Emphase vortrug, kann ich nicht beantworten.

Hier die Playlist zu allen von mir gesendeten Sessions und Interviews des HRFestivals.

Hier eine Fotogalerie von der re:publica und vom HRFestival.

Social Media-Mimikry der Unternehmen: Ich habe Prozesse, also bin ich

Erwachsene Branche mit Tools, Prozesse und so.
Erwachsene Branche mit Tools, Prozessen und so.

Angeblich wird die Social-Media-Branche erwachsen und weist derzeit fünf große Trends – von Communities, über eigene Abteilungen bis hin zu Social CRM – auf. So steht es zumindest in einem Fachbeitrag für gruenderszene.de.

„Durch Social Media hat sich die Art, wie Unternehmen das Internet nutzen, stark verändert. Das Bild des sendenden Unternehmens und des empfangenden Konsumenten hat sich gewandelt. So haben sich die Unternehmen angepasst und sind dorthin gegangen, wo der Kunde ist“, schreibt die Autorin Susanne Rump.

Der Dialog zwischen Usern und Unternehmen rücke im Social Web immer stärker in den Mittelpunkt und wird zum entscheidenden Kanal (was für ein Kanal?). E-Mail und Telefon werden gerade bei der jüngeren Zielgruppe immer unbeliebter. Zustimmung. Aber mehr Übereinstimmung gibt es zu diesem Beitrag nicht.

Dann folgt der übliche semantische Brei über Analyse-Software, Kundenverhalten beobachten über Monotoring-Tools, Social-CRM und ganz wichtig: Prozesse. Ich habe Prozesse, also bin ich.

Der Publizist Gunter Dueck hat das in einem Vortrag in Bonn herrlich auf die Schippe genommen:

Rump aber folgt schön der Leimspur des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW):

„Wachsende Budgets und mehr Investitionen etwa in Tools, die nicht nur zur Erfassung und zur Messung dienen, sondern auch mehr Professionalisierung des Dialogs durch Community-Management-Tools bieten, sind die Folge. ‚Die Zeit der Experimente ist vorbei‘ sagt der BVDW, und so hält die harte Währung der KPIs Einzug. Messbare Größen und definierte Kennzahlen, geregelte Prozesse und speziell geschulte Mitarbeiter, unternehmensbereichsübergreifende Projekte und die Integration in bestehende Prozesse – Social Media ist angekommen.“

Geregelte Prozesse? Solche Formulierungen machen vor allem die Controlling-Gichtlinge der Unternehmenswelt glücklich – mehr auch nicht.

Aber an einer Stelle des Beitrages möchte ich massiven Widerspruch anmelden:

„Unternehmensbereiche jenseits von Marketing und Sales entdecken allmählich das Social Web für sich – sei es die Personalabteilung, der Einkauf, die Marktforschung oder auch die Produktentwicklung.“

Knöpfen wir uns mal die Personalabteilungen vor und rufen uns das ins Gedächtnis, was Professor Peter Wippermann im ichsagmal-Interview ausführte:


In Deutschland könne man die Rückständigkeit als vernetzte Ökonomie relativ simpel überprüfen.

“Man muss sich nur das Personalmanagement anschauen. Alle großen Unternehmen sind in irgendeiner Weise im Web 2.0 aktiv. Entweder in den branchenspezifischen Angeboten wie Xing oder LinkIn oder auf Portalen wie Facebook. Aber 64 Prozent der deutschen Mitarbeiter in Personalabteilungen schauen nicht ins Internet. Die Betreuung der Web-Angebote läuft nicht über die Personalabteilung, sondern über PR, Marketing oder IT. Das macht deutlich, dass wir ganz am Anfang stehen”, erläutert Wippermann.

Wobei natürlich Personalmanager auch ins Internet schauen. Es wird aber nicht aktiv als tägliches Werkzeug für die Arbeitsorganisation eingesetzt. Den Lippenbekenntnissen nach außen folgen keine Taten nach innen. Technisch sei die Reise relativ klar vorgezeichnet, sagt Wippermann. Es gebe in den Organisationen große Widerstände, die allerdings öffentlich nicht zugegeben werden.

“Man verteidigt ein System der arbeitsteiligen Industriekultur mit einer Kommunikation, die Top-Down verteilt wird und nicht interaktiv ist. So lange wir noch von Neuen Medien und den Herausforderungen des Internets sprechen, wird es noch weitere 20 Jahre dauern, bis sich unsere Kultur umgestellt hat.”

Bestätigung erfährt die Einschätzung von Wippermann durch Björn Braune, der gerade mit einer ungewöhnlichen Selbstinszenierung zur Jobsuche via bjoernstarter.de für Schlagzeilen sorgt.

Der klassische Peronalmanager könne mit dem Social Web schlichtweg nichts anfangen, sagte Björn im Bloggercamp.tv-Interview.

Sie verstehen auch nicht seinen Webauftritt.

„Für mich dient das als Filter. Mit diesen Leuten komme ich nicht ins Gespräch. Und das gilt auch umgekehrt.“

In solchen Organisationen findet er keinen Platz und strebt das auch gar nicht an. Er schließt die Unternehmen mit einer alten Arbeitskultur bewusst aus. Nach dem Motto: Wenn ein Job für mich interessant ist, wird er mich finden.

Ein Modell, das sich nach Einschätzung von Björn Braune immer stärker ausbreiten wird. Insofern bekommen die hierarchisch geführten Unternehmen – und das ist die große Mehrheit – immer mehr Probleme, die Talente mit digitaler Kompetenz an sich zu binden. Mit oder ohne vermeintliche Social Media-Prozesse.

Susanne Rump und Vertreter des BVDW sind übrigens herzlich eingeladen, ihre Thesen in Bloggercamp.tv zu diskutieren. Da gilt aber das gesprochene Wort, ohne Tools, Sprachregelgungen und Freigabeschleifen.

Siehe auch:

The Björn: Online-Bewerbung mit gesunder Portion Selbstironie

Ferienjob via Social Web

Ferienjob auf dem Land?
Ferienjob auf dem Land?

WDR 2 hat sich gerade ausführlich mit der Ferienjob-Suche via Social Web auseinander gesetzt und einige nützlich Tipps zusammengetragen: „Quintessenz – Die Suche nach dem Ferienjob“.

„Je mehr Jobangebote in einem Portal zu finden sind, je mehr Austausch dort stattfindet, umso sicherer kann man sich dort auch fühlen. Gerade große Börsen wie Unicum für Studenten oder auch Anbieter wie Monster haben große Teams die Unternehmen überprüfen und zertifizieren und unseriöse Angebote streichen. Der Suchende selbst sollte auf eine ausführliche und transparente Job- und Aufgabenbeschreibung achten. Im Idealfall nennt das Unternehmen auch einen Ansprechpartner, der direkt bei Fragen angerufen werden kann“, so die Empfehlung der WDR 2-Redaktion.

Was generell bei Bewerbungen und bei der Kandidatensuche über soziale Netzwerke zu beachten ist, habe ich gestern auf NeueNachricht ausführlich beschrieben.

Karriere und Jobsuche im Social Web noch in den Kinderschuhen – Bewerber aktiver als Personalabteilungen.

Wer das Thema vertiefen möchte und Erfahrungen mitbringt, ist herzlich zu einem Hangout-Interview bei Bloggercamp.tv eingeladen. Einfach melden und wir vereinbaren einen Sendetermin.

Morgen geht es um 18:30 Uhr um BRAUKUNST STATT BRÜHWÜRFELBIER – DIE ST. ERHARD BLOGGERCAMP.TV-BIERPROBE und 19:30 Uhr um HIGHTECH IM STALL UND AUF DEM ACKER – PRECISION FARMING VIA CLOUD COMPUTING.