Wir können mit Medien immer nur das tun, was ihre technische Ausstattung uns erlaubt. Das gilt besonders fürs Fernsehen – vor allem bei Sendungen, die live ausgestrahlt werden. Übertragungen liefen in der Vergangenheit nur mit hohem technischen Aufwand und entsprechend hohen Kosten – von aufwändiger Kameratechnik bis zum Ü-Wagen. Im Internet wird auch diese letzte Bastion der Massenmedien angegriffen, wo der Zuschauer nur passiver Konsument ist.
Mit dem Google-Dienst „Hangout on Air“ kann jeder sein eigener TV-Produzent werden. Die Technologie ermöglicht Liveübertragungen von fast jedem Ort der Welt. Man braucht nur einen Internet-Zugang, ein Google Plus-Konto und ein Youtube-Konto, eine halbwegs vernünftige Web-Kamera, ein solides Mikrofon mit USB-Anschluss und eine gute Beleuchtung. Fertig ist das Fernsehstudio. Vereine, Verbände, Firmen, Hobbybastler, Bauern, Sportler, Briefmarkensammler, Schachfreunde, Künstler, Schriftsteller oder Maler können sich im Netz über Live-Videos präsentieren und mit der Netzöffentlichkeit in Kontakt treten. Direkt nach der Live-Sendung liegt das Video auf dem eigenen Youtube-Kanal als Aufzeichnung vor und kann im Netz dauerhaft abgerufen und geteilt werden. Auf Websites, Blogs, Facebook, Google Plus, Twitter und Co. Kein Live-Ereignis geht verloren.
Ah ja. „Das Leben des Brian“ ist nach Angaben des NRW-Kultusministerium nicht karfreitagstauglich: Selbst private Vorführungen außerhalb der eigenen Wohnung sind nicht erlaubt. Bei Schwanzus Longus, schleudert diese Verpote auf den Poden, wo wir doch so stolz sind auf die Trennung von Staat und Kirche.
„Das ist eine unzumutbare Bevormundung der Bürger und Bürgerinnen aus religiösen Gründen“, so Rainer Ponitka, Sprecher des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) in NRW.
Ponitka, den Bochumer Religionsfreien und dem Bündnis „Hasenfest 2013“ wie der Giordano-Bruno-Stiftung widersetzen sich den Restriktionen mit Aktionen und Veranstaltungen. Motto:
„Ich lass dich beten – lass du mich tanzen!“
Sehr gut.
Mit einem Beamer könnte man den Monty-Python-Klassiker zumindest gen Himmel ausstrahlen. Gilt das auch als gotteslästerliche Außenveranstaltung?
Hans-Otto Schrader, Chef des Hamburger Versandkonzerns Otto, weist Kritik an zu geringeren Wachstumsraten seines Unternehmens im Vergleich mit Online-Händlern wie Amazon und Zalando zurück:
Die Goldgräberstimmung im Online-Handel erinnere ihn fast schon an die Zeiten der Internetblase. Es müsse sich aber erst noch zeigen, ob sich die hohen Erwartungen erfüllen und hinter dem schnellen Umsatzwachstum auch ertragreiche Geschäftsmodelle stehen.
Wenn der Schrader sich da mal nicht einreiht in die Garde der liebwertesten Gichtlinge mit ihren legendären Fehlprognosen: Etwa von Bill Gates:
„Mehr als 640 Kilobyte Speicher werden Sie niemals benötigen.“
Audi-Chef Rupert Stadler ist da schon einen Schritt weiter:
“Nur wer bereit ist, auch das eigene Geschäftsmodell ständig zu hinterfragen, wird überleben.”
“Gleichzeitig brechen die Großflächen-Kaufhäuser für Bücher zusammen, weil es sich wirtschaftlich einfach nicht mehr lohnt. Redaktionen werden abgebaut, weil das Vertriebssystem Papier nicht funktioniert. Hier gerät die analoge Industriewelt in den nächsten zehn bis 20 Jahren stärker unter Druck als es in den vergangenen 20 Jahren der Fall war.”
Warum diese Wendemarken in der deutschen Wirtschaft nicht erkannt oder in Abrede gestellt werden, hat Wippermann auch recht plausibel geschildert.
“Diejenigen, die jetzt Mitte 40 sind, haben eine lange Zeit gebraucht, um in Entscheidungspositionen zu kommen. Diese Führungskräfte sind in einer Welt aufgewachsen, die sich von der Welt der Jüngeren deutlich unterscheidet. Sie verteidigen ihre Positionen.”
Die Robotik habe zu einem Wegfall von Arbeitsplätzen in der Produktion geführt. Die vernetzte Ökonomie geht jetzt auch dem Management ans Leder. Und das ruft Widerspruch und Widerstand hervor. Am Ende bleibt dann vielleicht nur noch die Botschaft übrig:
Im Bloggercamp-Gespräch mit Dennis Schenkel von der Plattform rally.org haben wir diskutiert, was man beim Start eines Crowdfunding-Projektes so alles beachten muss.
Das Ganze ist arbeitsintensiver als man denkt. Das spüren wir auch bei unserem Un-Buch-Projekt zur Popularisierung des Streaming-Dienstes „Hangout on Air“ von Google.
Da müssen wir noch einige Stellschrauben verändern, um über den jetzigen Unterstützerkreis hinaus noch weitere Menschen zu begeistern, mit kleinen oder großen Beträgen unser Vorhaben zu finanzieren.
Aber das macht ja auch den Charme unserer der Kraut-Ökonomie aus. Man muss als Anbieter von Ideen, Dienstleitungen und Produkten seine potentiellen Kunden erst einmal überzeugen, bevor eine Finanzierung unter Dach und Fach ist. Planungen im stillen Kämmerlein reichen da nicht aus. Wir erkennen sehr genau, wie wenig bekannt der Dienst von Google Plus ist. Bei fast allen Gästen, die wir bislang in unsere Gesprächsrunden eingeladen haben, ist es eine Premiere. Und alle sind danach von den Möglichkeiten für die Liveübertragung von Videokommunikation – in Kombination mit der Aufzeichnung auf Youtube – begeistert und planen eigene Formate.
So auch unser heutiger Gast Dennis Schenkel, der überlegt, eine Live-Talkshow zum Thema Crowdfunding auf die Beine zu stellen. Und natürlich werden wir sein Vorhaben unterstützen und in unser Un-Buch mit aufnehmen. Schließlich wollen wir ja Anregungen für Hangout on Air-Experimente geben und darüber auch berichten. Gute Gründe, um unser Startnext-Projekt kräftig zu unterstützen 🙂
Millionen, Billionen, Trillionen, Quintillionen – wenn es um Datenmengen geht, scheint keine Zahl mehr zu groß. Getreu dem Motto „Viel hilft viel“ hoffen viele Analysten, aus immer besseren Daten der Vergangenheit Aussagen für die Zukunft treffen zu können. Doch das wahre Leben könnte diese Hoffnungen zerstäuben. Ob Business Intelligence, Big Data oder Data Mining. Es geht um die Illusion der rationalen Entscheidungsfindung. Vielleicht erleben wir die letzte Schlacht des Controllings, um in den Zeiten des Kontrollverlustes die alte Logik des Industriezeitalters in die vernetzte Welt zu retten, um neue Übersichtlichkeit im chaotischen Universum des Cyberspace zu schaffen. Vielleicht rühren daher der Wunsch nach Rückgewinnung der Deutungshoheit und die Sehnsucht nach maschinengesteuerten Entscheidungen auf dem Fundament der Ratio.
Daten bleiben scheu und grausam, sagt etwa Nikolas Bissantz, Gründer und Mehrheitsgesellschafter von Bissantz & Company, im Interview mit GDI-Impuls.
„Es ist schwierig, aus ihnen zu lernen und noch schwieriger, das Gelernte umzusetzen.“
Gute Manager müssten in der Lage sein, das Modell zu hinterfragen, das der Analyse zugrunde liegt.
„Zaubertricks, die wir nicht durchschauen, sind sympathisch – im Varieté. Im Business nicht“, erklärt Bissantz.
Big Data sei ein Sammelbegriff für mehrere Phänomene und gleichzeitig ein verkäuferischer Geniestreich. Im Moment werde mehr Zeit in die Speicherung als in die Analyse von Daten gesteckt.
„Viele Kandidaten auf dem Personalmarkt, die aus dem Vertrieb oder der Beratung kommen, positionieren sich für Big Data-Stellenangebote, ohne genau zu wissen, was sie dabei erwartet. Ein Manager aus dem Verkauf, der in ein Unternehmen gewechselt ist, um Big Data abzudecken, stellte fest, dass er etwas zu euphorisch war und die internen Voraussetzungen beim neuen Arbeitgeber alles andere als positiv waren. Es gab noch keine Kunden und man arbeitete hoch defizitär“, so Berge.
„Viele Unternehmen in Deutschland haben zur Zeit einfach nur das Bedürfnis, irgendwie dabei sein zu müssen. Und da wird dann auf alten Technologien einfach das Etikett ‚Big Data draufgeklebt. Das ist sehr bedauerlich. Viele Kunden, die sich diese Systeme zulegen, wissen überhaupt nicht, was sie damit anfangen sollen. Ich habe noch bei keinem Anwender gesehen, dass auf Grundlage von Datenerkenntnissen wirklich logische Schlussfolgerungen gezogen werden. Da wäre mehr zu machen“, so Ripanti in Bloggercamp TV.
Zudem könnten Einzelentscheidungen nicht determiniert werden. Das sei eine Illusion:
„Egal, was in die Rechnung einbezogen wird, um beispielsweise das Wahlverhalten vorherzusagen, man darf den Faktor Zeit nicht unterschätzen. Es gibt eine Vielzahl von Verlautbarungen auf Facebook, mit denen ich definitiv nichts mehr am Hut habe. Das hat mit meinen heutigen Interessen überhaupt nichts mehr zu tun. Und diesen Cut schafft kein Big Data-System“, erklärt Ripanti.
Bauchentscheidungen, das belegen die Forschungsarbeiten von Professor Gerd Gigerenzer vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, können nach wie vor die raffiniertesten Computerstrategien in den Schatten stellen. Business Intelligence und Big Data werden die Intuition nicht überflüssig machen.