Die Einsatzmöglichkeiten von ChatGPT sind vielfältig und können Geschäftsmodelle grundlegend verändern. Es ist jedoch klar, dass Unternehmen eine angemessene Strategie für Ideenfindung, Prototyping, Testing und Umsetzung benötigen, um KI-Tools wie ChatGPT erfolgreich einzusetzen.
Oliver Gürtler, Leiter des Mittelstandsgeschäfts bei Microsoft, betont die Potenziale von ChatGPT für den Mittelstand: „Der Mittelstand kann sehr schnell punkten.“ Ein Beispiel: Ein schwäbischer Maschinenbauer, der weltweit seine Produkte liefert, hat auf jedem Teil eine spezifische Telefonnummer. Wenn ein Kunde anruft, landet er in Teams, wo ChatGPT als virtueller Agent mit den produktspezifischen Daten trainiert ist und einen Teil der Kundenfragen beantworten kann. Was ChatGPT nicht beantworten kann, wird an den Dispatcher weitergeleitet. Dieser weiß genau, was bereits geklärt wurde und kann entsprechend reagieren, beispielsweise indem er eine VR-Brille mit Reparaturinstruktionen verschickt, sodass kein Servicetechniker mehr vor Ort sein muss.
ChatGPT als Game Changer: Autonome KI-Agenten, die Benutzereingaben aufnehmen und in kleinere Aufgaben unterteilen können, eröffnen völlig neue Möglichkeiten. Sie können komplexe Aufgaben bewältigen und auf verschiedene Grundmodelle zugreifen, die nicht nur auf Sprache beschränkt sind. Dadurch eröffnen sich neue Dimensionen und die Fähigkeit, komplizierte Fragen zu lösen, die bisher nur begrenzt möglich waren. Tatsächlich könnten KI-Agenten wie ChatGPT das Spiel radikal verändern, und es ist höchste Zeit, dass wir uns ernsthaft mit dem Zusammenspiel von Mensch und KI auseinandersetzen. Dabei geht es nicht nur um die technologische Umsetzung, sondern auch um die Gestaltung neuer Geschäftsmodelle und Arbeitsprozesse. Unternehmen, die sich bereits jetzt aktiv mit diesen Fragen auseinandersetzen, können sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil sichern.
Teilen statt besitzen, das ist so eine Art Religionsersatz vieler Anbieter der Sharing Economy.
Patrick Stegemann hat das bereits 2016 auseinandergenommen. Von der Autonutzung bis zu Ferienwohnungen. Vieles davon ist schlichtweg asozial organisiert, wird schlecht bezahlt und verdeckt den Vulgärkapitalismus nach Maßgabe von Donald Trump. Die verheerenden Wirkungen für die Urbanität von Städten, der Mietwucher, das Wegdrücken von sozialen Standards, das Untergraben des Staates, die Steuertricks der Sharing-Milliardäre zu Lasten der öffentlichen Hand, die Privatisierung von Gewinnen und das Wegdrücken von Kosten auf die Allgemeinheit, all das macht die Sharing Economy so fragwürdig.
Und nun kommen auch noch betriebswirtschaftliche Probleme hinzu:
Doch die Euphorie der Anfangstage ist längst verflogen. Für viele Geldgeber ist der Traum vom Teilen inzwischen zum Albtraum geworden. Die drohende Pleite des Büroanbieters We Work ist das jüngste und deutlichste Symptom einer Krise, die schon länger vor sich hin köchelt. Das einzige ist es nicht.
„Sharinganbieter haben unterschätzt, wie personal- und damit kostenintensiv ihre Angebote sind. Elektroroller müssen aufgeladen und gewartet, Leihwagen von den Stadträndern in die Zentren gefahren, Wohnungen geputzt werden – und das alles jeden Tag. Um kostendeckend arbeiten zu können, müssen viele Unternehmen Preise aufrufen, die potenzielle Kunden nicht bezahlen wollen“, schreibt Andreas Niesmann vom RedaktionsNetzwerk Deutschland.
Erschwerend komme, dass das große Versprechen des nachhaltigen Konsums nie eingelöst wurde. Im Gegenteil: „E‑Scooter sorgen für mehr Unfälle und Elektroschrott, Carsharing führt zu mehr statt weniger Autos in den Citys. Und das Untervermieten von Wohnungen an Touristen hat vielerorts die Lage am Mietmarkt verschärft – vom Ärger der Nachbarn ganz zu schweigen.“
Seit dem Angriff der Hamas haben die Cyberattacken gegen Israel deutlich zugenommen. Viele lassen sich auf Gruppen in Russland und Iran zurückführen. Das schreiben Haya Shulman, Professorin für Informatik an der Goethe-Universität Frankfurt und Mitglied im Direktorium des Nationalen Forschungszentrums für angewandte Cybersicherheit ATHENE, und Michael Waidner, Professor für Informatik an der TU Darmstadt, Leiter des Fraunhofer SIT und CEO von ATHENE, in einem Gastbeitrag für die FAZ: Folgenreich sind beispielsweise Angriffe auf populäre Kommunikationsdienste. So drangen vermeintliche Hamas-Terroristen in über den Dienst Zoom gehaltene Schulstunden ein und terrorisierten die Schüler. Häufig beobachtet wurden sogenannte Phishing-Angriffe mittels gefälschter oder gekaperter Websites. „Hacker setzten etwa eine Internetseite auf, die täuschend ähnlich aussieht und einen ähnlichen Link (URL) besitzt wie die Seite, von der Nutzer die israelische Gefahrenwarn-App herunterladen können – ein in Israel angesichts der vielen Raketenangriffe und Terrorakte mitunter lebensrettendes Werkzeug. Die gefälschte Website verteilte wiederum Schadsoftware. Auch Privatpersonen und Haushalte werden direkt attackiert, so gab es eine Reihe erfolgreicher Angriffe gegen Smarthome-Systeme in Wohnungen“, so die Autoren.
Deutschland sollte aus den Erfahrungen Israels lernen: „Erstens sollte es sich nicht in falscher Sicherheit wiegen. Israel verfügt über hervorragende Aufklärungsfähigkeiten und wurde trotzdem durch die Hamas überrascht. Der Terrorismus ist international vernetzt und wird im Cyberraum von hochprofessionellen staatlichen Hackergruppen unterstützt. Zweitens gilt, was BND-Präsident Kahl im Interview mit der F.A.Z. sagte: ‚Es liegt in der Luft, dass der Konflikt Fortsetzung in Deutschland findet.‘ Das gilt auch im Cyberraum – entsprechend hoch muss unser Schutzniveau werden. Drittens ist dies nur erreichbar, wenn wir konsequent eine nationale, alle Sektoren und Länder gleichermaßen umfassende Sicherheitsarchitektur etablieren“, fordern Shulman und Waidner.
Jetzt zeigt sich, wie sinnvoll die Gründung der Agentur für Innovation in der Cybersicherheit in Leipzig ist. Mit dem Forschungsdirektor Dr. Christian Hummert führte ich Anfang des vergangenen Jahres ein längeres Interview. Die Digitalisierung der Landstreitkräfte und die Revitalisierung kommunaler Infrastrukturen seien wichtige Themen, die auch im Zusammenhang mit der Cybersicherheit diskutiert werden. Die Cyberagentur arbeitet daran, neue Wege der Kommunikation mit Computern zu erforschen und die Auswirkungen auf die Cybersicherheit zu verstehen.
Eine der größten Herausforderungen besteht darin, die Systemsicherheit zu gewährleisten. Dabei geht es nicht nur um die Sicherheit einzelner Software oder Hardware, sondern um das gesamte System und die Zusammenarbeit verschiedener Systeme. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der menschliche Faktor, der oft vernachlässigt wird. Die Agentur hat drei Hauptbereiche, die sich mit diesen Themen befassen: sichere Gesellschaft, sichere Systeme und neue Schlüsseltechnologien.
Die Professionalisierung von Cyberangriffen ist ein internationaler Trend, der sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich zu beobachten ist. Die organisierte Kriminalität hat sich zu einem Milliardengeschäft entwickelt, während staatliche Akteure ihre offensiven Fähigkeiten ausbauen, um ihre Ziele zu erreichen. Dr. Hummert betont, dass die steigende Komplexität der Systeme bewältigt werden müsse und ein tiefes Verständnis für diese Systeme notwendig ist. Er ist ein Befürworter von Open Source und unterstreicht die Bedeutung von Innovationen, um die Cybersicherheit voranzutreiben.
Es gehe um eine doppelte Dividende von höherer Verteidigungsfähigkeit und positiven Innovations- und Wachstumsimpulsen.
Der Bonner Philosoph Markus Gabriel hat in Luzern einen bemerkenswerten Vortrag über Möglichkeiten eines ethischen Kapitalismus gehalten. Es ist eine Idee, die uns dazu aufruft, unsere wirtschaftlichen Aktivitäten auf das höchste Gut auszurichten: ein menschenwürdiges Leben für alle. Diese Vision steht im Gegensatz zur gängigen Vorstellung vom Kapitalismus als reinem Profitstreben. Colin Mayer, Autor des Buches „Capitalism and Crisis: How to Fix Them“, bezeichnet den Kapitalismus als eine Problem-Lösungsmaschine. Gabriel hat auf das im Januar 2024 erscheinende Opus verwiesen. Mayer argumentiert, dass Profit und moralisches Handeln sich nicht widersprechen müssen. Er definiert den wahren Profit als das, was dem Menschen nützt.
Die Grundidee des Ethischen Kapitalismus ist, dass wir durch unser wirtschaftliches Handeln dazu beitragen können, die Probleme der Menschheit zu lösen und Lebensqualität für alle zu schaffen. Dabei müssen wir jedoch auch die negativen Auswirkungen unserer Aktivitäten, wie negative Externalitäten, berücksichtigen und in den Preis einbeziehen.
Ein zentraler Begriff in dieser Diskussion ist das „höchste Gut“, wie es Immanuel Kant definiert. Kant beschreibt das höchste Gut als eine Struktur, in der Glückswürdigkeit und Glückseligkeit zusammenfallen. Glückseligkeit bedeutet, dass unsere Bedürfnisse spontan befriedigt werden, ohne Lücken zwischen Begehren und Befriedigung. Kant argumentiert, dass es einen Unterschied macht, ob jemand Glückseligkeit verdient oder nicht. Das höchste Gut entsteht, wenn wir durch unser moralisches Handeln profitieren und anderen helfen.
Eine Gesellschaft, die moralisches Handeln bestraft, ist schlechter als eine Gesellschaft, die es belohnt. Der Ethische Kapitalismus fordert daher, dass wir ethische Heuristiken in unser Wirtschaftsleben integrieren. Unternehmen sollten nach Ansicht von Gabriel eine Ethikabteilung haben, die ethische Fragen beantwortet und bei der Lösung moralischer Probleme unterstützt. Diese Abteilung kann dazu beitragen, nachhaltigen Profit zu erzielen, indem sie ethische Fragen in der Unternehmenskultur und der Wertschöpfungskette professionell bearbeitet. Sozusagen über einen „Chief Philosopher Officer“. Jedes vernünftige Unternehmen brauche einen CPO, proklamiert Gabriel.
Der Ethische Kapitalismus basiert auf der Idee, dass freie Märkte von Menschen betrieben werden. Die unsichtbare Hand, wie von Adam Smith beschrieben, besteht darin, dass Menschen fähig sind, moralische Tatsachen zu erkennen und sich mit den mentalen Zuständen anderer Lebewesen zu beschäftigen. Die unsichtbare Hand ist also das menschliche Vermögen, das Gute und das Böse zu tun. Freie Märkte allein garantieren jedoch nicht automatisch moralisches Handeln. Es bedarf einer bewussten Auseinandersetzung mit ethischen Fragen und einer Integration von moralischen Prinzipien in das wirtschaftliche Handeln.
Der Ethische Kapitalismus fordert daher, dass Unternehmen ethische Fragen ernst nehmen und eine Ethikabteilung einrichten, die ihnen bei der Lösung dieser Fragen hilft. Eine solche Abteilung kann ethische Probleme analysieren und Lösungen entwickeln, die sowohl ökonomisch als auch moralisch sinnvoll sind. Unternehmen, die sich ethisch verhalten und zur Lösung der Probleme der Menschheit beitragen, werden langfristig profitabler sein.
Es ist wichtig zu betonen, dass der Ethische Kapitalismus nicht bedeutet, dass wir das Wirtschaften einstellen oder auf Privateigentum verzichten sollten. Im Gegenteil, der Ethische Kapitalismus fordert uns auf, unsere wirtschaftlichen Aktivitäten so zu gestalten, dass sie zum höchsten Gut beitragen. Dies bedeutet, dass wir uns auf die Lösung der moralischen Probleme der Menschheit konzentrieren und dabei wirtschaftliche Mittel nutzen.
Der Ethische Kapitalismus ist eine Vision für eine nachhaltige Wirtschaft, in der wir durch unser Handeln zum Wohl aller beitragen. Es ist eine Aufforderung, die moralische Dimension des Wirtschaftens anzuerkennen und ethische Prinzipien in unser wirtschaftliches Handeln zu integrieren. Indem wir uns auf das höchste Gut ausrichten, können wir eine bessere und gerechtere Welt schaffen. Der Ethische Kapitalismus ist eine Chance, den Kapitalismus zu transformieren und eine neue Form des Wirtschaftens zu etablieren, die auf moralischen Prinzipien basiert. Zur Zeit ist das allerdings noch eine Leerstelle in der Ökonomie und in der Ökonomik.
Bislang laufen solche Themen über die Marketing-Abteilung: Ethik-Camouflage.
Es geht weiter mit den WDR-Rockpalast-Crossroads-Kostproben aus der Bonner Harmonie: Während die meisten Gitarre-Schlagzeug-Duos auf Blues, Surf, Garage oder Classic Rock setzen, holen sich iedereen zumindest einen Teil ihrer Inspiration aus dem Post-Punk der späten 70er und frühen 80er Jahre. Bands wie Wire, Gang Of Four oder Devo eroberten damals nicht den Planeten, aber die Herzen der Menschen mit Ahnung, Haltung und einem Gespür für das Außergewöhnliche. Die Texte und Themen drehen sich um das Leben im Jahr 2023: Vom Self-Care Sunday bis zur geteilten Amazon-Prime-Mitgliedschaft, vom Tempolimit bis zum Tinnitus, von Niki, die WhatsApp nicht liest, bis zum modernen Mann, der sich finden, suchen oder verlieren muss – das endgültige Urteil steht noch aus.
Jeder, der schon einmal einen ihrer verrückten Live-Auftritte erlebt hat, weiß: Bei iedereen geht es nicht nur um Reflexion, sondern genauso sehr um den Moment des Schwindels, um Körperlichkeit, Feier und Hedonismus.
24/7 DIVA HEAVEN: Ihre Musik ist wütend, wild und verzichtet bewusst auf den vierten Akkord. Dabei setzen sie klare Statements zu wichtigen Themen wie Feminismus, Ungleichheit, Homophobie, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und ökologischen Problemen. Doch trotz der Ernsthaftigkeit ihrer Anliegen vergessen sie nicht den Spaß. Das Trio schafft es auf beeindruckende Weise, diese Balance zu halten: Sie tragen ihre ernsten Anliegen mit einem Lachen vor, halten uns den Spiegel vor und schreiben ihre Meinung mit Lippenstift darauf.
Vielleicht ist ihre Musik auch einfach die richtige für diese Zeit – direkt und unverblümt. Sie ist wütend, wild, laut und dennoch voller Glitzer und Glamour. Das Spiel mit Gegensätzen beherrscht 24/7 DIVA HEAVEN perfekt, egal auf welchem Spielfeld sie sich bewegen.
John Diva & The Rockets of Love sind eine energiegeladene Band, die den Glam Rock der 80er Jahre in die Gegenwart katapultiert. Mit einer Kombination aus Spandex-Hosen, jugendlichem Leichtsinn und Partystimmung erinnern sie an die goldene Ära des Rock ’n‘ Roll. Die Band hat die Fähigkeit, das Publikum mit ihrem charismatischen Frontmann John Diva in eine Zeitreise zu entführen, in der Haarspray und Lederjacken das Zepter führten.
Ihre Musik ist eine ehrliche Verbeugung vor dem Sound des legendären L.A. Sunset Strips der 80er Jahre und lässt Erinnerungen an Größen wie Van Halen und Def Leppard wach werden. Mit Songs wie „The Big Easy“ und „American Amadeus“ beweisen sie, dass sie nicht nur eine Parodie sind, sondern ihr eigenes musikalisches Erbe schaffen.
Die Band hat in den letzten Jahren an Popularität gewonnen und bleibt ihrem Stil treu, während sie das Erbe des Glam Rock weiterführt. Fans von Haarspray-Acts und nostalgischem Rock werden von John Diva & The Rockets of Love sicherlich begeistert sein. Sie sind eine Band, die es versteht, die Party am Leben zu erhalten und die Erinnerungen an eine vergangene Ära zu zelebrieren.
Am fünften Tag konnte ich nicht die Harmonie. Leider.
Brief von Roland Barthes an Georges Raillard, Paris 7. Januar 1973:
“Lieber Freund, ich danke Ihnen für Ihren Brief, aber meine Verlegenheit, Ihnen zu antworten, ist zweifach. Einerseits kann ich mich nicht verpflichten, beim Kolloquium anwesend zu sein (ich hatte es Ihnen gesagt). Ende Juni bis Anfang Juli ist die einzige Zeit im Jahr, in der ich eine Urlaubsreise machen kann, da ich vorher durch die Hochschule und nachher durch familiäre Verpflichtungen eingeschränkt bin: Ich kann diese Zeit beim besten Willen nicht entfremden; letztes Jahr hat mich das Kolloquium Bataille, das ich unvorsichtigerweise angenommen hatte, meinen Urlaub gekostet und dieses Jahr gibt es ein Kolloquium; ich muss ein wenig verschnaufen; sagen wir, wenn ich dieses Jahr nicht reise (das ist gut möglich), werde ich sicher kommen; es wird mir Freude bereiten, für Sie, für Butor; aber die Urlaubsreise, wenn sie denn stattfindet, wird vorangehen. Butor wird mich sicher verstehen: Es gibt eine Zeit im Jahr, in der man das Recht haben muss, die intellektuelle Maschine anzuhalten. Und außerdem habe ich keinen Titel, den ich Ihnen geben könnte; wenn ich komme, werde ich etwas improvisieren…“
Soweit ein Auszug des Briefes von Barthes an Raillard. Das Jahr 1973 ist wichtig, weil die Korrespondenz in eine Zeit fällt, in der sich Roland Barthes eine Wiederbelebung des Denkens von Batailles einleitete.
Erst durch Barthes‘ Auseinandersetzung mit Batailles Text „Le gros orteil“ in einem Artikel von 1972 erhielt Batailles wieder Aufmerksamkeit. Barthes interessierte sich weniger für Batailles Themen wie Erfahrung und Opfer, sondern vielmehr für die strukturellen Operationen der Verdrängung und Subversion.
Im Gespräch mit Philip Kovce kürzlich diskutierte Peter Sloterdijk in Basel das komplizierte Konzept der Freiheit im europäischen Kontext. Er verknüpfte die Freiheitsgeschichte Europas sowohl mit ihrem historischen Hintergrund als auch mit den aktuellen Steuerdebatten. Dabei ging er auf den Balanceakt zwischen Autonomie und Verantwortung ein, den die Freiheit immer mit sich bringt.
In Bezug auf die Entwicklung des Freiheitskonzepts in Europa ging er zurück zu den antiken Griechen, die sich dagegen entschieden, von Persern dominiert zu werden, ein Standpunkt, der in Schlachten wie Salamis und dem Marathonlauf verkörpert wird. Diese Urszene der europäischen Freiheit veranschaulicht den Wunsch, sich nicht von äußeren Mächten beherrschen zu lassen.
Interessanterweise verband Sloterdijk den Marathonlauf mit der tieferen Bedeutung von Freiheit. Das Laufen eines Marathons, so argumentierte er, ist nicht nur eine physische Leistung, sondern auch ein Ausdruck der Entscheidungsfreiheit und Autonomie des Einzelnen. Dieses Verlangen, autonom zu sein, steht im Widerspruch zum Wunsch, sich von höheren Mächten oder Ideologien leiten zu lassen, wie es bei den Persern der Fall war.
Doch Sloterdijk merkt auch an, dass die Grenze zwischen Freiheit und Gebundenheit fließend ist. Zum Beispiel Alkibiades, der in unterschiedlichen Kontexten unterschiedliche Identitäten annahm und so zur Personifikation des „postmodernen Europäers“ wurde, der sich nicht auf eine einzige Identität festlegt.
Der entscheidende Punkt in Sloterdijks Überlegungen ist die Unterscheidung zwischen zwei Arten von Freiheit: die Freiheit, „banal zu bleiben“, und die Freiheit, sich durch Training und Übung weiterzuentwickeln und über sich selbst hinauszugehen. Er betonte, dass wahre Freiheit nicht nur darin besteht, sich gegen externe Einflüsse zu wehren, sondern auch in der Fähigkeit, sich selbst herauszufordern und zu wachsen.
In „Du musst dein Leben ändern“ argumentiert Sloterdijk, dass Menschen, die sich einem Trainingsziel verschreiben, wie Musiker oder Sportler, Tausende von Stunden üben müssen, um Meisterschaft zu erlangen. Diese Idee des Trainings und der Übung, so Sloterdijk, ist auch in den ursprünglichen christlichen Traditionen zu finden, wo Gläubige als „Athleten Christi“ bezeichnet wurden.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Peter Sloterdijks Perspektive auf die Freiheit eine Herausforderung für moderne Interpretationen darstellt. Er betont die Notwendigkeit, sich sowohl gegen externe Kontrollen zu wehren als auch das individuelle Potential durch Training und Übung zu maximieren. In einer Zeit, in der Freiheit oft als bloße Abwesenheit von Beschränkungen verstanden wird, bietet Sloterdijk eine tiefere, nuanciertere Sichtweise auf das, was es wirklich bedeutet, frei zu sein.
Er verweist auf Arthur Koestler und der Unterscheidung zwischen dem Yogi und dem Kommissar. Diese Einsicht, dass es zwei Haupttypen von Menschen gibt, die die Realität definieren, ist heute ebenso relevant wie in den 1940er Jahren. Diejenigen, die versuchen, die Welt durch aktives Handeln zu verändern, und diejenigen, die sich in tiefe Selbstreflexion und spirituelle Praktiken vertiefen.
In der heutigen Zeit, in der der Klimawandel, geopolitische Spannungen und soziale Ungerechtigkeiten uns täglich konfrontieren, kann man argumentieren, dass beide Ansätze – der des Yogi und des Kommissars – notwendig sind. Es gibt einen dringenden Bedarf an Menschen, die aktiv in der Welt handeln und versuchen, Veränderungen herbeizuführen. Gleichzeitig gibt es einen ebenso dringenden Bedarf an Menschen, die tiefe innere Arbeit leisten, um die kollektiven und individuellen Traumata und Wunden zu heilen, die unsere Gesellschaften durchziehen.
Vielleicht ist die wahre Herausforderung unserer Zeit, einen Mittelweg zwischen diesen beiden Extremen zu finden. Ein Weg, der sowohl das Engagement für die äußere Welt als auch eine tiefe spirituelle Praxis beinhaltet. Ein Weg, der es uns ermöglicht, sowohl aktiv in der Welt zu handeln, als auch einen inneren Raum des Friedens und der Klarheit zu pflegen.
Koestlers Unterscheidung zwischen dem Yogi und dem Kommissar bietet uns eine wertvolle Linse, durch die wir diese Herausforderungen betrachten können, und sie lädt uns dazu ein, sowohl nach innen als auch nach außen zu schauen, um Antworten zu finden.
Am Schluss des sehr spannenden Interviews mit einem gut informierten und vorbereiteten Moderators ging Sloterdijk auf die Stärken und Schwächen von politischen Regelsystemen ein. Brauchen wir eine Verschweizerung der Welt?
Die Schweiz ist nicht nur ein Land, sondern ein Konglomerat von Kantonen, die in vielen Dingen ihre eigene Politik machen. Und diese Kleinheit, diese Dezentralisation ermöglicht eine Nähe zwischen dem Wähler und seinem Repräsentanten, die in großen politischen Systemen einfach verloren geht. Es gibt eine Transparenz und eine Rechenschaftspflicht, die man in großen Ländern nicht findet.
Es könnte als Vorbild dienen, dass Dezentralisation und eine Rückkehr zu kleineren, lokalen Gemeinschaften eine Antwort auf die Probleme unserer Zeit sei.
Die Globalisierung hat viele Vorteile gebracht, aber auch das Gefühl, dass die großen Entscheidungen immer weiter von uns entfernt getroffen werden. Die Helvetisierung könnte eine Antwort darauf sein, das Gleichgewicht wiederherzustellen und die Macht näher an die Menschen zurückzubringen.
Die Wahrheit sei nach Ansicht von Sloterdijk, dass wir in einer Welt leben, in der die alten Ideen von Nationen und Grenzen sich als zunehmend unpassend und problematisch erweisen. Der Wandel zu kleineren, regionalen Einheiten sei nicht nur aus organisatorischen oder administrativen Gründen sinnvoll, sondern auch aus kulturellen und ökologischen. Ein Ansatz, der den regionalen Gegebenheiten und Kulturen Rechnung trägt, ermöglicht es, Ressourcen effizienter zu nutzen und gleichzeitig kulturelle Eigenheiten zu bewahren.
Aber es gehe nicht nur darum, kleinere Einheiten zu schaffen. Es geht auch darum, wie diese Einheiten miteinander interagieren. Eine Rückkehr zum Mittelalter, in dem jede kleine Stadt oder Region ihre eigenen Gesetze und Regeln hatte, wäre sicherlich nicht wünschenswert. Aber eine Form von Regionalismus, der auf Kooperation und gegenseitigem Respekt basiert, könnte eine Lösung für viele der aktuellen Probleme bieten.
„In vielen deutschen Regionen gibt es jahrhundertealte Kompetenzen, die ihr Licht bis in die Gegenwart werfen. Heute spricht man von industriellen Ökosystemen. So wurden im Schwarzwald seit jeher Uhren gefertigt, was feinmechanische Fähigkeiten erfordert. Schließlich gilt die Uhrmacherei als ‘Schlüsseltechnologie des Industriezeitalters’. Aus dieser Tradition sind in der Schwarzwaldregion mehr als 500 medizintechnische Firmen entstanden“, sagt der Hidden-Champion-Forscher Hermann Simon.
Oder Firmen wie Bizerba auf der Schwäbischen Alb in der Lebensmitteltechnologie und Multivac als Maschinenbauer im Allgäu. Gleiches gilt für Göttingen. „Wieso findet man dort 39 Hersteller von Messtechnik?“, fragt Simon. „Die Erklärung liegt in der mathematischen Fakultät der Universität Göttingen, die über Jahrhunderte weltweit führend war. Eine dieser Firmen gehen auf Prinzipien zurück, die Carl Friedrich Gauss entdeckte. Der frühere Siemens-Vorstand Edward Krubasik bemerkte: ‘Deutschland nutzt die Technologiebasis, die bis ins Mittelalter zurückgeht, um im 21. Jahrhundert erfolgreich zu sein’.”
In einer Session auf der Next Economy Open brachte Deepa Gautam-Nigge (SAP), Herausgeberin des Buches „#EcosystemInnovation“, thematische Sonderwirtschaftszonen ins Spiel. Etwa bei Technologien, die den Klimaschutz, die Kreislaufwirtschaft und die Energiewende nach vorne bringen. „Hier liegen die Stärken von Europa und Deutschland und das sollte gezielt gefördert werden.“ Die gesellschaftliche Notwendigkeit sei evident. Die besten Köpfe, die besten Talente und Innovationen seien in Deutschland und Europa vorhanden.
Man glänzte durch die Kultur: Ingrid Bodsch über die Kleinstaaterei in Deutschland. pic.twitter.com/x6V6BIg1PA
Der Hidden-Champion-Forscher Hermann Simon äußert sich kritisch zur Industriestrategie von Robert Habeck. ES fehle eine ausgewogene Betrachtung, da hauptsächlich über die Industrie gesprochen werde und Dienstleistungen kaum erwähnt würden. Gemeint sind vor allem industrienahe Dienstleistungen Simon bemerkte auch, dass viele Modewörter verwendet wurden, die wenig inhaltliche Substanz hätten. Er betonte, dass Deutschland auch im Bereich der Dienstleistungen erfolgreich sei und dass Investitionen in Zukunftstechnologien notwendig seien.
Hermann Simon kritisiert Robert Habecks Industriestrategie: Zu lang und wenig Neues @BMWKhttps://t.co/P37LllwpOf
Simon skizziert die Bedeutung von Investitionen ausländischer Unternehmen in Deutschland, insbesondere im Bereich der Forschung und Entwicklung. Simon wies darauf hin, dass Deutschland nach den USA das wichtigste Land für Investitionen von Unternehmen wie Intel, Microsoft und Google sei.
Die Relevanz von Direktinvestitionen und die Notwendigkeit von globalen Ökosystemen sollte von Robert Habeck stärker berücksichtigt werden. Deutsche und europäische Alleingänge von KI-Forschung bis zur Digital-Ökonomie seien zum Scheitern verurteilt.
Die Straßen von Bonn Endenich hallen wider vom Echo einer neuen Rock’n’Roll-Bewegung. Sweet Electric, eine Band, die den dreckigen Sound der 70er und 80er Jahre mit dem Blitz der 2020er Jahre auflädt. Mit gewaltigen Gitarrenriffs, donnernden Bässen und Vocals, die an die Höhen von Legenden erinnern, sind sie nicht hier, um Revolutionen zu starten, sondern um eine bereits etablierte Rock’n’Roll-Welt in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.
In einer Ära, in der synthetische Beats dominieren, erinnert uns Sweet Electric daran, dass echter Rock N Roll nicht dazu bestimmt ist, in den Annalen der Geschichte verloren zu gehen. Ihr Ziel? Das klassische Rockrad nicht neu zu erfinden, sondern ihm einen modernen Anstrich zu verpassen, es mit Turbo zu boosten und es wieder ins Zentrum der Musiklandschaft zu rücken.
In der Musikszene Deutschlands gibt es viele Bands, die im Laufe der Jahre kommen und gehen. Aber einige hinterlassen einen unauslöschlichen Eindruck, der über Jahrzehnte hinweg Bestand hat. Eine solche Formation ist „The Hamburg Blues Band“. Mit ihren tief verwurzelten Wurzeln im Blues bieten sie seit ihrer Gründung in den 1980er Jahren eine rohe, unverfälschte und leidenschaftliche Darstellung des Genres.
Die Band ist bekannt für ihre kraftvollen Live-Auftritte, bei denen sie klassischen Blues mit zeitgenössischen Einflüssen verschmelzen lassen. Ihre Bühnenshows sind ein Feuerwerk aus Energie, Talent und musikalischem Können. Ratschlag: Beim Liveauftritt weniger über die gute alte Zeit erzählen. Da war zu viel Gesabbel in der Harmonie.
Das pulsierende Herz Melbournes ist bekannt für seine vielseitige Musikszene, und Dead City Ruins hat sich in diesem Geflecht als eine der markantesten Rockformationen herauskristallisiert. Die Band schmiedet in den Feuern des traditionellen Heavy Metal und Hard Rock ihre charakteristischen Klanggebilde, die einem sowohl die rauen Wüsten Australiens als auch das urbane Leben der Großstadt spüren lassen.
Mit einem Frontmann, dessen Stimme irgendwo zwischen dem rohen Schrei eines Brian Johnson und dem melodiösen Flüstern eines Ozzy Osbourne pendelt, zeichnen Dead City Ruins ein Klangbild, das unverkennbar ist. Die Gitarrenriffs sind wuchtig und erinnern an Zeiten, in denen Bands wie AC/DC und Iron Maiden die Charts dominierten. Doch es wäre ein Fehler, die Band als bloße Retro-Aktivisten abzutun. Dead City Ruins versteht es meisterhaft, klassische Rockelemente mit modernen Nuancen zu vermischen, sodass sie gleichermaßen Altrock-Fans wie jüngere Hörerschaften begeistern.
Ihr stetiger Drang, die Bühnen dieser Welt zu erobern, hat die Band auf zahlreiche Tourneen geführt. Ob in staubigen Clubs oder auf glänzenden Festivalbühnen – der Spirit von Dead City Ruins bleibt unverändert: ehrlicher, kraftvoller Rock, der keine Gefangenen nimmt.
Jeder, der nach einer frischen Rockband mit tiefen Wurzeln in der goldenen Ära des Genres sucht, sollte Dead City Ruins nicht verpassen. Ein musikalisches Erlebnis, das den roten Sand Australiens und das Adrenalin des Rock ’n‘ Roll in Einklang bringt. In der Bonner Harmonie konnten wir uns davon überzeugen:
In den versteckten Ecken des modernen Heavy-Rock-Universums ist eine Band aufgetaucht, die mit ihrem mystischen Sound und den eindringlichen Melodien die Herzen der Fans im Sturm erobert hat – Green Lung. Diese Londoner Gruppe beweist, dass die Grenzen zwischen traditionellem Folk und schwerem Doom-Rock fließend sind. Sie schaffen es, eine Brücke zwischen der alten Welt der englischen Folklore und der drückenden Intensität des Metal zu schlagen.
Ihre Songs sind gespickt mit Anspielungen auf Hexerei, Paganismus und alte Mythen, eingebettet in schwere Riffs, die an die Großen des Doom Metal erinnern, wie Black Sabbath oder Electric Wizard. Aber was Green Lung wirklich auszeichnet, ist ihre Fähigkeit, diese schwere Musikalität mit melodischen und eingängigen Refrains zu kombinieren.
Der Gesang erhebt sich klar und kraftvoll über die Instrumentierung, mit lyrischen Bildern, die Geschichten erzählen, die so alt sind wie die Hügel Englands selbst. Es ist, als ob die Geister von Led Zeppelin und Jethro Tull in einem nebligen Moor aufeinandertreffen, umgeben von den Echos des modernen Heavy Metal.
Green Lung ist nicht nur eine Band; sie sind eine Erfahrung. Eine, die sowohl Nostalgiker als auch moderne Metalheads gleichermaßen anspricht.