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Von Shenzhen bis Silicon Valley: Der Wandel globaler Wirtschaftscluster #NEO23

Die Diskussionen auf der Next Economy Open im vergangenen Jahr beschäftigten sich mit der Entwicklung von speziellen Wirtschaftszonen, ähnlich wie in Shenzhen oder Silicon Valley, jedoch mit einem Fokus auf thematische statt geografische Gebiete. Dieser Ansatz zielt darauf ab, spezifische Technologien und Branchen wie erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft und künstliche Intelligenz zu fördern. Statt sich auf regionale Cluster zu beschränken, wird vorgeschlagen, nationale oder sogar europaweite Initiativen zu entwickeln, die sich auf Schlüsselthemen konzentrieren.

Ein zentrales Thema ist, wie man Start-ups und Innovationen am besten fördern kann, wobei Experten eine Abkehr von der rein regionalen Förderung hin zu einer zentralisierten, themenorientierten Herangehensweise befürworten. Die Idee ist, dass der Staat bestimmte Bereiche identifiziert, in die investiert werden soll, und dann gezielte Unterstützung bietet, etwa durch Steuererleichterungen oder direkte Förderungen.

Interessant ist auch der Blick auf die Rolle der EU in diesem Kontext. Die Frage, wie die EU die Entwicklung bestimmter Technologien oder Missionen unterstützen und fördern kann, ist besonders relevant im Hinblick auf das Ziel, bis 2045 Klimaneutralität zu erreichen. Die Herausforderungen liegen dabei nicht nur in der Auswahl und Förderung der richtigen Projekte, sondern auch in der Balance zwischen Technologieoffenheit und den notwendigen regulatorischen Rahmenbedingungen.

Die Sessions auf der Next Economy Open weisen auf eine Verschiebung hin zu einem mehr themen- und impactorientierten Ansatz in der Innovationsförderung, weg von der traditionellen regionalen Clusterbildung. Es geht um die Schaffung von Eco-Systemen, in denen Innovationen abseits starrer Regulierungen und kultureller Einschränkungen gedeihen können, was besonders wichtig ist in einer zunehmend vernetzten und virtuellen Welt.

Wir thematisierten das auch auf der Fleischerei-Fachausstellung (IFFA) in Frankfurt: Die Digitalisierung und Vernetzung im Maschinenbau schreitet voran, doch die Herausforderung liegt in der Kompatibilität der Systeme. Dr. Marius Grathwohl, ein Experte auf diesem Gebiet, erläuterte die aktuelle Situation und mögliche Zukunftsszenarien.

Viele Maschinenhersteller präsentierten auf der IFFA eigene digitale Produkte und Smart Services. Grathwohl betont, dass der erste Schritt der Digitalisierung oft darin besteht, sich mit Produkten für das eigene Portfolio zu beschäftigen. Der wesentliche nächste Schritt sei jedoch die Gestaltung von Schnittstellen und die Kooperation mit anderen Partnern, um eine ganzheitliche Lösung für den Kunden zu schaffen.

Das Projekt Industrie 4.0, das vor über einem Jahrzehnt ins Leben gerufen wurde, hat bereits einige marktreife Konzepte hervorgebracht. Ein solches Beispiel ist die Verwaltungsschale, die es ermöglicht, Stammdaten von Produkten zu publizieren und Kunden bereitzustellen. Diese Technologie bietet auch die Möglichkeit, digitale Zwillinge zu formen und diese in einem Ökosystem kommunizieren zu lassen.

Grathwohl hebt die Wichtigkeit der Herstellerunabhängigkeit hervor. Diese Offenheit ist nicht nur für Hersteller, sondern auch für Kunden entscheidend, da sie eine Abkehr vom traditionellen Shop Floor hin zur Cloud-Nutzung bedeutet.

Die Diskussion um Cloud-Dienste, speziell die „Cloud Made in Germany“ oder europäische Alternativen zu amerikanischen und chinesischen Tech-Giganten, ist ein weiteres wichtiges Thema. Obwohl Initiativen wie GAIA-X Hoffnung auf eine europäische Antwort bieten, bleibt Grathwohl skeptisch hinsichtlich der schnellen Entwicklung einer ernstzunehmenden Alternative zu den etablierten Anbietern. Damit liegt er richtig.

Im deutschen Maschinenbau und im Datenmanagement gibt es bereits viele Initiativen, die aufzeigen, dass durch bilaterale Partnerschaften schnell und unkompliziert Mehrwerte für Kunden entwickelt werden können. Grathwohl sieht den ersten Schritt in der Zusammenarbeit mit einem Unternehmen als einen wichtigen Anfang, der den Weg für weitere Kooperationen ebnet.

Abschließend spricht Grathwohl über die Rolle der Politik und empfiehlt, dass diese mehr auf das hören muss, was im Markt tatsächlich passiert. Fördermaßnahmen und eine stärkere Beachtung von Industrieinitiativen könnten hier viel bewirken.

In einem sich schnell wandelnden Umfeld wie dem Maschinenbau bleibt die Frage, wie die Industrie und Politik gemeinsam die Herausforderungen der Digitalisierung meistern können, um ein effizientes und vernetztes Ökosystem zu schaffen.

Bemerkungen am Rande: Es gibt Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt

Fand ich schon immer langweilig: Wetten, dass…?!

Communities abseits der Massen – Live und ungeschminkt: War jut

Communities abseits der Massen Powered by Restream https://restream.io/ Braucht eine Community tausende Mitglieder? Funktionieren Themen aus der Nische in Communities. Eine Diskussion zu Nutzen und Aufwand. Das diskutieren Roman Rackwitz und Detlev Artelt. 

Mit Sprachtechnologie und KI auf dem Weg zur Social Intelligence: Überlegungen aus dem Jahr 2012 #Informare – Wir werden das auf der #NEO23 aufgreifen :-)

Im Jahr 2012 beschäftige ich mich auf der Berliner Wissenschaftskonferenz Informare mit dem Thema KI und Obi Wan Kenobi.

Schachcomputer waren früher materialistisch eingestellt, sie agierten als dreiste Straßenräuber. „Jetzt opfern sie sogar Figuren“, so der Schachgroßmeister Helmut Pfleger. Er billigt der Maschine gewaltige Schritte in Richtung Künstlicher Intelligenz zu. Erstmals hatte die Frage, ob eine Maschine überhaupt denken könne, der britische Computerwissenschaftler Alan Turing gestellt. Könnten unabhängige Beobachter im Turing-Test nicht mehr unterscheiden, welche Antwort von einem Menschen oder einer Maschine stammt, müsste man dieser „Intelligenz“ zubilligen. Wenn nun der Computer den Schachweltmeister schlägt, sei das wohl Künstliche Intelligenz. „Wir haben trotzdem nicht beschlossen, das deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz zu schließen“, so Professor Hans Uszkoreit vom DFKI auf der Berliner Wissenschaftskonferenz Informare.

Irreführende Nachrichten über Künstliche Intelligenz 

Solche Nachrichten führten in die Irre. Maschinen seien nicht so klug wie man denkt. Aber trotzdem nützlicher, als es allgemein bekannt sei: „Seit mehr als fünfzig Jahren versuchen Wissenschaftler, die menschliche Intelligenz nachzubilden. Aber wir haben ja nicht einmal ein dreijähriges Kind nachgebildet. Wir können nicht die Kreativität, das Denken oder die Sprache eines Kleinkindes nachbilden. Was ist hier los“, fragt sich Uszkoreit. Das verwirre die Öffentlichkeit. Die wirklichen Fortschritte der Künstlichen Intelligenz werden in diesem Spannungsfeld nicht wahrgenommen. Fast alle globalen IT-Unternehmen hätten in den vergangenen 18 Monaten eine neue Generation von automatischer Übersetzungssoftware eingeführt. „Google hat gar keinen Bereich Suche mehr – was nicht richtig zur Kenntnis genommen wurde. Das heißt jetzt Knowledge und arbeitet mit semantischer Suche. Das Unternehmen Autonomy, Spezialist für Textanalysen, wurde für 11 Milliarden Dollar an HP verkauft. Apple Siri ist bereits in einigen Sprachen auf dem iPhone und fängt an, das Leben zu verändern. Was jetzt passiert, wird in den Medien kaum aufgegriffen. Dabei ist Sprachtechnologie auf breiter Front in der Wirtschaft auf dem ganzen Globus zum Durchbruch gekommen“, meint der KI-Forscher.

Entsprechende Fachleute oder Firmen werden von Google und Nuance aufgekauft. In der Forschung brauche man sich vor den USA nicht zu verstecken. Wer mache denn Google Translate? Das seien meistens Europäer, die dann allerdings nicht für europäische Firmen arbeiten.

Aber ist das alles schon Künstliche Intelligenz? Chatbots könnten schon sehr menschlich kommunizieren, trotzdem ist es immer noch nicht möglich, den Menschen nachzubilden. Es gibt keinen Computer, der auch nur einen Satz in Grimms Märchen richtig versteht. Wir haben die Definition von Intelligenz wohl etwas zu eilig gestrickt. Und Turing mit all seiner Weitsicht und Vision konnte sich 1940 keinen Test ausdenken, der heutigen Ansprüchen genügt. Die Kognitionswissenschaften kamen erst später ins Laufen. 

Nahtlose Kommunikation und bessere Zusammenarbeit mit Maschinen

Um Künstliche Intelligenz richtig einzuordnen, schlägt Uszkoreit den alten DDR-Slogan „Überholen ohne einzuholen“ vor: „Das ist der Trick. Wir laufen den Besten nicht hinterher. Wir überholen ihn, ohne ihn einzuholen. Der Teil mit dem ‚nicht einholen‘ hat auch in der DDR prima geklappt. Wenn man den Slogan richtig interpretiert, ist auch was dran. Wir wollen den Menschen übertreffen, ohne ihn auch nur annähernd zu erreichen.“ Was nicht gehe in der KI-Disziplin, sind Kreativität, Assoziation, Intuition, Emotion, Bedürfnis, Intention und volles Verstehen. Vieles könne simuliert werden, aber mit dem wirklichen Nachbilden klappe es noch nicht so ganz. Was kann der Computer besser? „Er kann Millionen von Dokumenten nach komplexen Mustern durchsuchen, ohne dabei einzuschlafen. Da könnte ich keinen Menschen dransetzen. Die Maschine kann einigermaßen akzentfrei in 20 Sprachen Texte vorlesen oder ist in der beim Educational Testing Service in der Lage, tausende Essays in einer Stunde zu bewerten. Beim Schachspielen und Jeopardy ist der Computer besser. Er kann 57 Sprachen leidlich übersetzen. Spannend ist es jetzt, uns Menschen so zu erweitern, dass wir Dinge machen können, die vorher nicht möglich waren. Durch technische Vorteile der Maschinen in Perzeption, Gedächtnis, Geschwindigkeit, Ausdauer, Sprach- und semantische Technologien“, erläutert Uszkoreit. 

Diese Fähigkeiten ermöglichen die nahtlose, mühelose und neue Zusammenarbeit mit Computern. Kognition und Sinne des Menschen werden verbessert. Die Maschine hat ein riesiges Kurzzeitgedächtnis. Menschen können sich im Durchschnitt nur sieben Elemente merken. Sprachtechnologie sieht der DFKI-Professor als führende Kraft der technologischen Weiterentwicklung, denn der Mensch macht seine Sache durch Sprache. Sie ist schon überall zu finden: In Microsoft Word, Voice Dialing, Web-Suche, Dialogsystemen, Lernprogrammen. „Wir haben das nur nicht richtig gefeiert. Sprache ist das natürlichste Mittel der Kommunikation und das einzige Medium, mit dem wir von Generation zu Generation unser Wissen weitergeben. Sprache ist auch das Gewebe des World Wide Web. Zwar sprechen wir über Multimedialität. Aber was nehmen wir denn, um zu suchen? Das basiert alles auf Sprache.“ Auch Bernd Stahl vom Netzwerkspezialisten Nash Technologies sieht Sprach- und semantische Technologien als wichtigen Baustein für das Future Internet. 

Von links: Panel im Geiste von Obi Wan Kenobi mit Heinrich Rudolf Bruns, Bernd Stahl, Hannes Schleeh, Arnoud de Kemp. Moderation: Gunnar Sohn auf den Spuren von Harald Schmidt.

„Mein Traum ist ein Social Media Dial Tone. Darüber ist noch nicht viel gesprochen worden. Einen Dial Tone kennt jeder von uns aus dem Telefon – es geht um den Wähl-Ton. Er garantiert den ständigen Zugriff auf Dienste, unabhängig vom Operator und vom Aufenthaltsort meines Kommunikationspartners sowie ohne Ausfälle, wie es bei Skype, Twitter, Facebook oder Apps häufig der Fall ist. Beim Social Media Dial Tone stürzt nichts ab. Keine Mehrfachkonten bei Facebook, Twitter, G+, LinkedIn & Co. Keine separaten Social Media-Inseln. Ein Access. Ein View. In alle Netze. Semantisch angereichert. Sozusagen unter einer Haube. Wieso muss der Wildwuchs-Spaghetti der Entwickler dem Internet-Nutzer eins zu eins zugemutet werden? Es geht darum, aus sozialen Netzwerken echte Services zu generieren: vernetzt, hochverfügbar, flexibel und unabhängig vom Endgerät“, erklärt Stahl, der am Obi Wan Kenobi-Panel auf der Informare http://informare-wissen-und-koennen.com/ teilnahm. Gleiches gelte für die Vernetzung von Cloud-Diensten, die bislang nur als Silos angeboten werden. 

Als weiteren wichtigen Schritt zu einer Vereinfachung von Netz-Diensten wertet Stahl die Sprachsteuerung Siri von Apple. „Man fragt nur noch sein Gerät und muss nicht mehr verschiedene Applikationen raussuchen. Bei einer Wetterabfrage wird automatisch mein Standort mit der Wetter-App verbunden und ich bekomme eine Information, ob ich für den morgigen Tag einen Regenschirm benötige oder nicht. Siri ist jetzt schon in der Lage, auf ein Dutzend Apps zuzugreifen und Spracheingaben intelligent zu routen. Das ist aber erst der Anfang“, resümiert Systemingenieur Bernd Stahl im Interview mit dem Hörfunkjournalisten Heinrich Rudolf Bruns.

Soweit der Beitrag aus dem Jahr 2012.

Nachtrag zum DFKI-Vortrag von Professor Hans Uszkoreit in Berlin:

Das Thema seines Vortrags lautete „Turings Traum weiter träumen: Mit Sprachtechnologie und KI auf dem Weg zur Social Intelligence“.

Es ist möglich, Emotionen nachzubilden, aber nicht wirklich zu replizieren. Computer können verstehen und simulieren, aber nicht nachbilden, da sie bestimmte Aspekte des menschlichen Verstehens nicht erfassen können. Computer können beispielsweise Millionen von Dokumenten durchsuchen, ohne dabei müde zu werden. Das ist etwas, was ein Mensch nicht leisten könnte, ohne dabei seine Arbeitskraft zu beanspruchen. Es gibt auch keine Menschen, die über Nacht Millionen von Dokumenten für den morgendlichen Kanzler des Bundespresseamtes durchdenken. Maschinen können in etwa 20 Sprachen relativ akzentfrei vorlesen, was ein Mensch nicht kann. Computer können Aufgaben wie Schachspielen besser lösen als Menschen. Google Translate kann in 57 Sprachen übersetzen, wenn auch nicht perfekt, aber für Informationsübersetzungen ausreichend. Es ist spannend zu sehen, wie sich die Menschheit durch technologische Fortschritte erweitert und Dinge tun kann, die zuvor nicht möglich waren, wie zum Beispiel medizinische Fortschritte und wissenschaftliche Erkenntnisse durch kollektive Arbeit.

Sprachtechnologie ist eine treibende Kraft hinter all diesen Entwicklungen. Sprache ist das natürliche Medium der Kommunikation und das einzige Medium, durch das Wissen von Generation zu Generation weitergegeben wird. Sprache ist das Gewebe, das alle unsere multimedialen Aktivitäten durchdringt. Sprachtechnologie ermöglicht es uns, Sprachbarrieren zu überwinden und eine bessere Zusammenarbeit und Kommunikation zu ermöglichen.

„Es gibt drei große Schwerpunktthemen, auf die ich kurz eingehen möchte. Erstens der Übergang von James Bond zu einem Traum, den wir in der Forschung verfolgen. Zweitens Cloud Computing, um jeden Menschen in jeder Sprache miteinander zu verbinden. Und drittens Business Intelligence, um bessere Entscheidungen zu treffen und kollektive Meinungs- und Entscheidungsprozesse zu ermöglichen“, so Uszkoreit.

Business Intelligence bezieht sich auf die Aufbereitung von Informationen, um bessere Entscheidungen zu treffen. Es geht darum, Informationen so aufzubereiten, dass sie für Entscheidungsträger verständlich und nützlich sind. Es geht darum, Informationen zu nutzen, um Wettbewerbsvorteile zu erlangen und Risiken zu minimieren.

Social Intelligence bezieht sich auf die Anwendung von Business Intelligence auf soziale Medien und das Internet.

Die automatische Analyse sozialer Medien und die technologische Unterstützung großer Kommunikations- und Entscheidungsprozesse werden die Art und Weise, wie wir kommunizieren und Entscheidungen treffen, nachhaltig verändern. Es wird neue Formen des kollektiven Selbstverständnisses und Selbstbewusstseins geben. Es wird neue Möglichkeiten geben, Menschen in Entscheidungsprozesse einzubeziehen und bessere Lösungen zu finden.

Es wird neue Formen der Demokratie geben, die auf kollektiver Intelligenz und Partizipation basieren.

„Es ist eine spannende Zeit, in der wir leben, und ich freue mich darauf, zu sehen, wie sich die Sprachtechnologie weiterentwickelt und wie sie unsere Gesellschaft und unsere Art zu kommunizieren und Entscheidungen zu treffen, verändert“, resümierte der DFKI-Forscher in Berlin.

Das mit der Demokratie und der Partizipation ist leider nicht eingetreten.

Auf der Next Economy Open machen wir einen Abgleich zu KI, Chatbots und Sprachtechnologie mit dem Analysten Stefan Holtel:

Ein weiterer Nachtrag zu den Figuren von Playmobil:

„Ein kleiner Scherz mit Playmobil-Figuren hat die Pressesprecherin von Playmobil auf die Palme gebracht. Vor einigen Wochen schickte sie Briefe an die Piratenpartei und beschwerte sich. Sie war verärgert, dass die Piratenfiguren von Playmobil ständig in Fotos, Plakaten und Videos der Partei auftauchten.

Ich erinnere mich an einen Tweet, den ich abgesetzt habe, als der Brief veröffentlicht wurde. Sie behauptete, dass Jungen durch die ständige Konfrontation mit den Piratenfiguren in Werbevideos dazu verführt werden könnten, später Piratenwähler zu werden.

Ich war gestern auf der Facebook-Party von Horst Seehofer. Es war interessant, denn es waren viele Piraten da. Ich habe drei sehr unterschiedliche Piraten kennengelernt und muss sagen, es ist eine tolle Truppe.

Als die Beschwerde der Pressesprecherin von Playmobil an die Öffentlichkeit kam, habe ich einen Blogpost vorbereitet. Ich habe alle Filme bei YouTube herausgesucht, in denen Harald Schmidt mit Playmobil-Figuren zu tun hat. Playmobil und Harald Schmidt, das ist eine Symbiose. Er hat die gesamte Weltgeschichte mit Playmobil-Figuren erklärt, einschließlich Geschichten über Krieg, Frieden, Drogenkonsum, Monarchie und das Dritte Reich.

Die Wochenzeitung „Der Freitag“ hat zu Harald Schmidts Abschied sein Leben und seine Stationen mit Playmobil-Figuren nachgestellt und abgelichtet.

Mein Plädoyer:

„Unser heutiges Vorhaben ist es, die Piratenfiguren von Playmobil zu politisieren. Wir versuchen das natürlich auch mit Gästen und Experten, die wir eingeladen haben.“

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Ding-Dong: Pfeifer & Langen übernimmt Mehrheit bei Rügenwalder Mühle

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„Das Familienunternehmen Rügenwalder Mühle Carl Müller GmbH & Co. KG gewinnt für seine unternehmerische Weiterentwicklung das Familienunternehmen Pfeifer & Langen Industrie- und Handels-KG. Auf der Suche nach einem Partner für künftiges Wachstum hat Rügenwalder Mühle der Familienholding Pfeifer & Langen IHKG eine Mehrheitsbeteiligung angeboten. Diese steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Wettbewerbsbehörden“, heißt es in der offiziellen Pressemitteilung von Rügenwalder Mühle und Pfeiffer & Langen.

„Unser Unternehmen hat sich von der einst regionalen Wurstfabrik zu einem in Deutschland führenden Unternehmen für pflanzenbasierte Lebensmittel entwickelt. In weniger als zehn Jahren haben wir vegetarische und vegane Fleischalternativen aus der Nische geholt und in die Mitte der Gesellschaft gebracht. Mit der Beteiligung wollen wir die Chance nutzen, dieses Portfolio fortzuentwickeln, insbesondere über den deutschen Markt hinaus. Deshalb freuen wir uns, mit der Pfeifer & Langen Familienholding einen starken Partner gefunden zu haben, mit dem wir die Erfolgsgeschichte der Rügenwalder Mühle fortschreiben wollen. Diese Mehrheitsbeteiligung ist für uns eine aktiv gesuchte Partnerschaft“, so Christian Rauffus, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der Rügenwalder Mühle. Zur Familienholding des Zuckerkonzerns Pfeifer & Langen gehören auch Intersnack (Chio Chips) und die Veganmarke Endori.

Pfeifer & Langen habe nach dem Angebot zur Beteiligung die gegenseitige Passung geprüft und ist von ihr vollkommen überzeugt. „Mit unserem Zusammengehen lassen sich unsere beiderseitigen Stärken etwa in der Rohstoffbeschaffung, bei der Herstellung innovativer Produkte oder auch in der Marktbearbeitung ergänzen. Unser übereinstimmendes Denken und Handeln erlauben, die noch junge Kategorie pflanzlicher Fleischalternativen weiterzuentwickeln. Dies fordern die Bedürfnisse und Erwartungen von Kunden, ein noch immer frühes Marktstadium, die Herausforderungen zukünftiger Ernährung und nicht zuletzt der Schutz unseres Klimas von uns ein“, erläutert Uwe Schöneberg, Geschäftsführender Gesellschafter der Pfeifer & Langen.

Mit der Beteiligung sei kein Abbau von Arbeitsplätzen geplant, heißt es in der offiziellen Stellungnahme. Rügenwalder Mühle werde organisatorisch an das New Food-Geschäftsfeld „The Nature’s Richness Group“ angebunden, das die Pfeifer & Langen IHKG bereits in den vergangenen Jahren aufgebaut hat. Beide Marken – „Rügenwalder Mühle“ und „endori“ – werden weitergeführt.

Branchenkenner rechnen vor dem Hintergrund der Mehrheitsbeteiligung mit noch mehr Dynamik im pflanzenbasierten Markt. Darüber berichten Sohn@Sohn ja schon seit einiger Zeit: Alternative Proteine sind die effizienteste und wirksamste Lösung zur Bewältigung der Klimakrise. Investitionen in alternative Proteine sparen pro investiertem US-Dollar die meisten Emissionen im Vergleich zu Investitionen in die Dekarbonisierung anderer Sektoren wie Zement, Eisen, Stahl, Chemikalien oder Verkehr. Das hat dazu geführt, dass immer mehr Geldgeber:innen in alternative Proteine investieren. Das Kapital, das in alternative Proteine investiert wurde, ist von einer Milliarde Dollar im Jahr 2019 auf fünf Milliarden Dollar im Jahr 2021 angestiegen, was einer jährlichen Zuwachsrate von 124 Prozent entspricht.

Siehe auch:

In den nächsten Tagen liefern wir dazu noch ein paar Hintergrundinfos.

Chatbots, Rechenknechte und personalisierte Services: Droht das Ende der Experten? Ausblick auf die Next Economy #NEO23 am 7. und 8. Dezember – Autorengespräch mit Stefan Holtel zu seinem neuen Buch

Gespräche mit virtuellen und intelligenten Computerprogrammen sind kaum noch von Dialogen mit Menschen zu unterscheiden.

Diesen Satz schrieb ich wann? Am 21. September 2005. Es geht um die Voice Days, die sich damals mit Spracherkennungstechnologie beschäftigte. Die Konferenz mit Professor Wolfgang Wahlster vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz als Schirmherr war ein echter Trendsetter.

Der Artikel geht so weiter:

Der britische Mathematiker Alan Turing hatte in den 50er Jahren postuliert, dass eine Maschine dann intelligent sei, wenn sich ein Gespräch mit ihr nicht mehr von einem Gespräch mit einem Menschen unterscheiden ließe. Beim Loebner-Preis, den der US-Soziologe Hugh Gene Loebner gestiftet hat und der mit 100 000 US-Dollar dotiert ist, führen seit 1991 Tester Dialoge mit sogenannten „Chatbots“ – „Chat“ steht für plaudern und „bot“ für Roboter. „Die Tester wissen dabei nicht, ob ihr Gegenpart aus Fleisch und Blut oder aus Silizium ist. Insgesamt gilt es, drei von zehn Juroren glauben zu lassen, sie hätten sich tatsächlich mit einem Menschen unterhalten“, berichtet die Welt. Mehr als eine Million verschiedene Antworten habe mancher der Chatbots parat. „Sie analysieren Sätze nach ihrem Aufbau, suchen nach Schlüsselwörtern und Wortmustern. Sie können sich merken, ob ein Tester ein Thema schon einmal behandelt hat und verweisen darauf zurück, stellen Verbindungen zu neuen Komplexen her“, führt die Welt aus.

Sie können beleidigt oder erfreut reagieren und die besten haben eine eigene Persönlichkeit mit Herkunft und Lebenslauf. „So gibt es einen Chatbot, der sich als Barkeeper ausgibt und alles über Hamster weiß, oder einen Außerirdischen, der auf der Erde gestrandet ist und die Wunder des Universums kennt“, so die Welt. Schnell entzaubern könnten Tester Chatbots, indem sie ihnen Wissensfragen stellen, zum Beispiel „Wie hoch ist der Kilimandscharo?“ Komme die Antwort prompt und exakt, ist es wahrscheinlich ein Chatbot. „Der Euphorie über Künstliche Intelligenz bei den Chatbots folgt die ernüchternde Erkenntnis, dass diese nur so gut sind, wie der Fundus an Frage- und Antwortenpaaren, mit dem Sie gefüttert wurden“, betont Bernhard Steimel, Sprecher der Brancheninitiative Voice Business.

Ob der Traum von der humanoiden Maschine überhaupt realistisch oder erstrebenswert sei, bezweifelt Peter Krieg, Dokumentarfilmregisseur und Autor des Buches „Die paranoide Maschine“ http://www.heise-medien.de: „Was wir keinesfalls erwarten oder gar wünschen sollten, sind intelligente Computer, die uns das Denken und alle Entscheidungen abnehmen“. Selbst die radikalsten Protagonisten der „Künstlichen Intelligenz“ müssten zugeben, dass man in der Forschung noch weit von intelligenten Maschinen entfernt sei. „Noch fehlt der ‚Saft‘, der den intelligenten Computer vom heutigen Schnellrechner trennt“, so Krieg. Das Problem liege nicht an der Rechnerleistung, sondern an der Dialogfähigkeit. „Jemanden, der stumm und folgsam seine Anweisungen zu befolgen hat, ohne eigene Entscheidungen zu fällen, nannte man früher einen ‚Knecht‘. In diesem Sinn sind unsere Computer dumme, aber fleißige und überaus pedantische Rechenknechte“, bemängelt Krieg.

Der Einsatz von Chatbots und Sprachcomputern weise nach Analysen von Steimel eine interessante Reihe von Parallelen auf: „Beide Technologien haben nach dem Auszug aus dem Labors nicht immer in der Praxis eine glückliche Figur gemacht. Überzogene Erwartungen haben so manche Applikation im Praxistest der Lächerlichkeit preisgegeben“, so Steimel. Die Illusion, den Maschinen ein natürliches Sprachverständnis einzuimpfen, erwecke den Anspruch „Alles“ sagen zu können. „Tatsächlich ist das ‚Verständnis’ der Sprachcomputer auf Grammatiken und Wortschatz beschränkt, den man ihnen vorher beigebracht hat. Nutzerbefragungen am lebenden Objekt stellen immer wieder unter Beweis, dass es ein tödlicher Fehler ist, wenn sich die Maschine als solche nicht zu erkennen gibt. Deshalb ist der Turing-Test für den Praxiseinsatz völlig ungeeignet“, kritisiert Steimel.

Im übrigen weisen Dialog-Designer darauf hin, dass der Benutzer beim Sprechen mit Computern automatisch sein Sprachregister, seine eingesetzten Sprachbefehle reduziere, wie beispielsweise beim Sprechen mit Tieren.  “Eine Parallele zum Menschen gibt es jedoch bei Chatbots und automatischen Sprachsystemen: Sie lernen ständig durch die Interaktion mit dem Nutzer hinzu. Das tun sie allerdings nicht selbst, sondern ähnlich wie beim Wizard-Oz müssen auch hier Menschen im Hintergrund die Maschine schlauer machen“, weiß Steimel. Das Beispiel der Chatbots zeige eine interessante Perspektive für den kombinierten Einsatz mit Sprachcomputern etwa in Infotainment-Diensten auf. Initiativen wie das Skype Voice Service Programm von Skype könnten dazu führen, dass man demnächst auch per Telefonie über das Internet Protokoll mit einem Chatbot nicht nur per Maus und Tastatur plaudern könne. „Es wird interessant sein zu hören, welchen ‚Stimm-Charakter’ die künstlichen Agenten erhalten und damit mehr Persönlichkeit und Taktgefühl gewinnen, als sich mit Icons ausdrücken lässt“, so der Ausblick von Steimel.

Soweit meine Agenturmeldung vor rund 18 Jahren. Was hat sich verändert? Was können wir erwarten?

Einige der wesentlichen Entwicklungen und Trends sind:

  1. Verbesserte Natürliche Sprachverarbeitung (NLP): Die Fähigkeit von Chatbots, menschliche Sprache zu verstehen und darauf zu reagieren, hat sich erheblich verbessert. Moderne Chatbots nutzen fortschrittliche NLP-Algorithmen, die es ihnen ermöglichen, die Absicht hinter den Worten eines Benutzers besser zu erkennen und relevantere, kontextbezogene Antworten zu geben.
  2. Integration in Alltagsgeräte: Chatbots und virtuelle Assistenten sind nun in alltäglichen Geräten wie Smartphones, Lautsprechern und sogar Haushaltsgeräten integriert. Beispiele hierfür sind Siri von Apple, Alexa von Amazon und der Google Assistant.
  3. Emotionale Intelligenz und Personalisierung: Moderne Chatbots sind zunehmend in der Lage, emotionale Nuancen in menschlichen Gesprächen zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Sie können personalisierte Erfahrungen bieten, indem sie lernen und sich an die Vorlieben und das Verhalten der Benutzer anpassen.
  4. Einsatz in der Kundenbetreuung: Chatbots werden zunehmend in der Kundenbetreuung eingesetzt, um Anfragen zu bearbeiten, Unterstützung zu bieten und die Effizienz zu steigern. Sie können rund um die Uhr verfügbar sein, was den Kundenservice erheblich verbessert.
  5. Ethische und soziale Fragen: Mit der zunehmenden Verbreitung von Chatbots treten auch ethische und soziale Fragen in den Vordergrund, insbesondere in Bezug auf Datenschutz, Transparenz und die mögliche Ersetzung menschlicher Arbeitskräfte.
  6. Weiterhin begrenztes Verständnis: Trotz großer Fortschritte bleibt das Verständnis der Chatbots für natürliche Sprache und Kontexte im Vergleich zu menschlichen Fähigkeiten begrenzt. Die meisten Systeme sind immer noch auf spezifische Aufgabenbereiche beschränkt und können in unvorhergesehenen oder komplexen Situationen Schwierigkeiten haben.
  7. Zukünftige Entwicklungen: In der Zukunft können wir erwarten, dass Chatbots und KI-Systeme noch weiter in unser tägliches Leben integriert werden, mit Verbesserungen in der Personalisierung und der Fähigkeit, komplexe Aufgaben zu bewältigen. Fortschritte in der KI könnten auch zu neuen Anwendungsbereichen führen, die derzeit noch nicht absehbar sind.

Wir werden das auf der Next Economy Open vertiefen am Donnerstag, den 7. Dezember, um 13. Uhr. Session mit Stefan Holtel. Autorengespräch zu seinem neuen Buch: Droht das Ende der Experten? ChatGPT und die Zukunft der Wissensarbeit.

Ihr könnt Euch beteiligen über die Chat- und Kommentarfunktionen von YouTube und Co. im Multistream oder direkt reingehen in den Zoom-Raum. Spielregeln dort sind klar: Kamera und Mic deaktivieren. Zu Wort melden und dann alles wieder aktivieren.

Virtuelle Programmzeitschrift für die Next Economy Open 2023 am Donnerstag, den 7. Dezember und am Freitag, den 8. Dezember.

Man hört, sieht und streamt sich auf der .

Apropos Experten und Wissensökonomie: Was schrieb noch der Soziologe Niklas Luhmann zur Computerkommunikation nach der Logik seines Zettelkastens?

Mit der Computerkommunikation wird die Eingabe von Daten und das Abrufen von Informationen soweit getrennt, dass keinerlei Identität mehr besteht. 

Wer etwas eingibt, weiß nicht, was auf der anderen Seite entnommen wird. Die Autorität der Quelle wird entbehrlich, sie wird durch Technik annulliert und ersetzt durch Unbekanntheit der Quelle. Logik des Netzes. 

Die Art und Weise, wie Wissen in den Computer kommt, lässt sich schwer überprüfen. Sie lässt sich aber jedenfalls nicht mehr in Autorität ummünzen. Und genau das treibt einige Debatten-Dompteure an die Decke.

Digitale Technologien und transnationaler Dialog: Über ein europäisches Netflix nachdenken, eine Mediathek, in der Inhalte aus allen EU-Ländern verfügbar gemacht werden #EuropaKonferenz

Von Goethe bis zur Popkultur: Neue Ideen für Europa! Wie transnationale Kommunikation und Popkultur die Abendländerei überwinden können. Ein Blick auf die Visionen von Goethe und die Rolle der Intellektuellen heute.

Wie froh wäre Johann Wolfgang von Goethe gewesen, das grenzenlose und echtzeitige Netz für den transnationalen Dialog einzusetzen. Der Dichterfürst nutzte den Postweg. Aber auch hier gab es eine Besonderheit. Das Postmonopol war in privater Hand und galt als Grundpfeiler der vorindustriellen Modernisierung. Ihr „Erfinder“ Franz von Taxis wurde auf eine Stufe mit Christoph Kolumbus gestellt. Der damalige Provider „Thurn und Taxis“ gewährte Goethe ein Freibriefrecht. „Für Briefe von und an Goethe musste kein Porto bezahlt werden“, erwähnt der Literaturwissenschaftler Peter Goßens im Interview mit Sabria David, Kuratorin des Projektes „Streaming Egos“.

Dichterfürst als Social Web-Enthusiast

Goethe konnte so viele Briefe schreiben, wie er wollte. Mit dieser freien Kommunikationsform entwickelte er sich zum Netzwerker für den europäischen Diskurs. Es war die Triebfeder seines kosmopolitischen Humanismus, von dem sich die völkisch gesinnten Politiker rechter Parteien eine Scheibe abschneiden sollten. Heute würde Goethe dafür Facebook, Twitter, Periscope, Hangout on Air und einen Blog einsetzen. Damals nutzte er vor allem seine eigene Zeitschrift „Ueber Kunst und Alterthum“, um mit den „Literatoren“ Europas in Kontakt zu treten. „Neben seiner umfangreichen Korrespondenz, den Besuchern und Gesprächen, die zum Weimarer Alltag gehörten, war es vor allem das Projekt der Zeitschrift, die es dem alternden Goethe ermöglichte, ein virtuelles, aber durch seine gedruckte Form manifestes Kommunikationsnetz zu spannen und seine Wahrnehmung des weltliterarisch Bedeutsamen bekannt zu machen“, schreibt Goßens in seiner Habilitationsschrift „Weltliteratur“, erschienen im J.B. Metzler-Verlag. Goethe ging es darum, dass die gebildeten Menschen seiner Zeit miteinander darüber diskutieren, wie man altes Wissen in die neue Zeit rettet und ein neues gesellschaftliches Modell entwickelt:

„Wenn wir eine europäische, ja eine allgemeine Weltliteratur zu verkündigen gewagt haben, so heißt dieses nicht, dass die verschiedenen Nationen von einander und ihren Erzeugnissen Kenntnis nehmen, denn in diesem Sinne existiert sie schon lange, setzt sich fort und erneuert sich mehr oder weniger; nein! hier ist vielmehr davon die Rede, dass die lebendigen und strebenden Literatoren einander kennen lernen und durch Neigung und Gemeinsinn sich veranlasst finden gesellschaftlich zu wirken“, schreibt der Universalgelehrte in einem Grußwort an die Versammlung von Naturforschern und Ärzten im Jahre 1828.

Programmatik zur Überwindung nationaler Verblendung – Schaffung einer europäischen Öffentlichkeit

Goethe schuf eine kleine, aber sehr einflussreiche europäische Öffentlichkeit. Er suchte und fand Verbündete für sein weltliterarisches Unterfangen zur Schaffung eines transnationalen Kommunikationssystems. Weltliteratur wird von Goethe nicht als Kanon definiert, sondern als Programmatik zur Überwindung nationaler Verblendung. Nicht die Lektüre literarischer Werke steht im Vordergrund, sondern die grundlegende Kenntnis der Kulturen anderer Länder. Der Dichterfürst verstand sich als Katalysator zur Herausbildung einer europäischen Leserschaft. Zu seiner Lieblingslektüre zählte dabei „Le Globe“, die sich nationalen Vorurteilen und kulturellen Hegemonie-Bestrebungen entgegenstellte. 

Sein Anliegen wurde von nationalistischen Bedenkenträgern als undeutsche Gesinnung ausgelegt. AfD, Pegida und Co. würden es heute wohl genauso formulieren. 

Mit seiner internationalen Netzwerkstärke konnte Goethe dieses Stammtisch-Gebrüll übertönen. Ähnliches erhofft sich Günther Rüther von den Intellektuellen unserer Zeit. Im 19. und 20. Jahrhundert waren es vor allem Kriege, die der europäischen Idee neue Kraft verliehen. Den Intellektuellen ging es dabei um die Überwindung nationalistischer Vorurteile, den Abbau von Hass oder Intoleranz und vor allem darum, verloren gegangene Freundschaften zwischen den Völkern erneut zu stiften, schreibt Rüther in seinem neuen Buch „Die Unmächtigen – Schriftsteller und Intellektuelle seit 1945”, erschienen im Wallstein Verlag. Europa brauche jetzt die Stimme der Intellektuellen. Sie müssen die Sprache der Macht und der Expertokratie dechiffrieren, um der europäischen Idee wieder Auftrieb zu geben.

Popkultur statt rückwärtsgewandter Abendländerei

Rüdiger Altmann, der frühere Berater von Wirtschaftsminister Ludwig Erhard, kritisierte bereits in den 1990er Jahren das schleichende Gift der rückwärtsgewandten „Ersatzideologien” unter dem Deckmantel der Abendländerei. 

Es sei die Aufgabe Europas, den Kulturkonflikt einer sich wandelnden Welt auszuleben und mit neuen Ideen zu überwinden. Welches sind die europäischen Ideen, die Europas Existenz heute ausmachen? Das kann nicht die Idee eines sich gegen die übrige Welt abgrenzenden Europas sein, das um seine Identität, auch um seine geschichtliche Identität, ringt. Die entscheidende Frage ist: Findet Europa den Mut, neue Ideen zu formulieren und auszuleben, die die ganze Welt angehen, also in diesem Sinne nicht spezifisch europäische sind? Auf diese Weise könnte Europa wieder jene Weltgeltung erlangen, die es früher gehabt hat.

Altmann betont dabei die Kraft der Popkultur. Die mediale Kultur habe einen großen Bedarf und Verbrauch an Ideen.

„Darin unterscheidet sie sich deutlich von der Kultur der Klassengesellschaft alten Stils. In gewissem Sinne ist sie unideologisch. Zugleich entfaltet sie in der Massengesellschaft ein Kommunikationsfeld von großer Kraft…” Genau das sollte von der europäischen Zivilgesellschaft ausgehen. Vielleicht ist die Popkultur ein veritables Mittel, den Nationalisten und Rassisten in den europäischen Staaten das Wasser abzugraben – in transnationalen Dialogformaten. Als Vorbild für den transnationalen Netz-Diskurs könnten Goethe und die von Sabria David geförderte Salonkultur sein. Die Dialogutopie der Gelehrten des 18. und 19. Jahrhunderts war der Grundstein für Lesegesellschaften, literarische Salons und Debattierclubs. Allerdings mit den Restriktionen der örtlichen Verfügbarkeit.

Die Konvergenz der digitalen Technologien bewirkt neue Formen der Kommunikation. Was wir jetzt erleben, ist eine Abweichung von geschlossenen Medienformaten. Schon vor über 30 Jahren experimentierten die Kurd Alsleben und Antje Eske mit vernetzten Dialogen über HyperCards. Essentiell sei dabei die kulturelle Tiefe der Konversationen. Alsleben und Eske wollen die künstlerischen Qualitäten und die politische Dimension von sozialen Netzwerken im Internet abtesten. Es geht dabei um das mühsame Aushandeln von Positionen. Es geht um die Überwindung von Ressentiments und nationalistischen Vorurteilen. Eine aufgeklärte europäische Öffentlichkeit ist vonnöten, um den Vereinfachern und Verführern kein Spielfeld zu bieten, die mit simplen Antworten agitieren und zur Polarisierung anstacheln, um nicht komplexe Lösungen für komplexe Probleme anbieten zu müssen. 

Das wurde auch auf der Europa-Konferenz der Willy-Eichler-Akademie zum Thema „Wende in Europa: Ausblick auf eine neue Zeit“ aufgegriffen.

Die Frage, die im Raum stand: Wie können wir die Bürgerinnen und Bürger für Europa begeistern? Wie können wir der Jugend eine attraktive Perspektive bieten?

Die Diskussion wurde live übertragen und es gab Reaktionen aus dem Netz. Ein Nutzer auf Youtube kritisierte, dass viel geredet, aber zu wenig gehandelt wird. Die Sorgen der Menschen finden in Brüssel nicht ausreichend Gehör.

Ein Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung, Eurotopics, versucht, das zu ändern. Es bietet täglich eine europäische Presseschau und dokumentiert, was wirklich in Europa passiert.

Das Auditorium der Konferenz war sich einig, dass Zuhören ein guter Ansatz ist. Es wurde hervorgehoben, dass fast jedes Thema einen europäischen Bezug hat, von hohen Lebensmittelpreisen bis hin zur Energiekrise. Im Panel schlug man vor, über ein europäisches Netflix nachzudenken, eine Mediathek, in der Inhalte aus allen Ländern verfügbar gemacht werden können.

Nachhaltigkeitsbericht: Die Herausforderungen der EU-Regulatorik #GreenMonday

Als Wirtschaftsprüfer ist Thomas Bernhardt ständig mit regulatorischen Anforderungen konfrontiert. Ein wichtiger Aspekt davon ist die CSRD, die Richtlinie für die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Sie muss noch in deutsches Recht umgesetzt werden, was noch aussteht. Ein Referentenentwurf liegt noch nicht vor, sagte Bernhardt auf dem ersten Green Monday In Düsseldorf.

Neben der Richtlinie gibt es auch Berichtsstandards, die eine wichtige Rolle spielen. Diese sogenannten European Sustainability Reporting Standards sind umfangreich und umfassen etwa 260 Seiten. Sie enthalten 82 Pflichtangaben, die für den Nachhaltigkeitsbericht relevant sind, und über 1100 sogenannte Datenpunkte, die in den Bericht einfließen müssen.

Aber keine Sorge, nicht alle Datenpunkte sind für jeden Bericht relevant. Der Schlüssel liegt in der Wesentlichkeitsanalyse, die hilft, die Anzahl der Datenpunkte auf das Wesentliche für Ihr Unternehmen zu reduzieren.

Es gibt auch andere Rahmenwerke oder Verordnungen auf europäischer Ebene, wie die EU-Taxonomieverordnung, die für alle relevant ist, die einen Nachhaltigkeitsbericht verpflichtend erstellen müssen.

Es gibt auch wichtige Gesetze wie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und die europäische Version des Lieferkettengesetzes. Hier ist der deutsche Gesetzgeber vorausgeeilt, aber auf europäischer Ebene wird noch etwas folgen.

Die Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts ist eine Herausforderung, aber es ist wichtig, Verantwortlichkeiten im Unternehmen zu definieren. Es ist sinnvoll, diese Verantwortlichkeiten von Anfang an festzulegen.

Die Berichtsstrategie ist ein weiterer wichtiger Aspekt.

Mehr dazu in unserem Sohn@Sohn-Adhoc-Newsletter.

Organisiert von Mr. Music – Europas bester Bluesrock-Gitarrist live in der Bonner Harmonie: Julian Sas

Am Freitag erlebte das Publikum in der Harmonie Bonn eine Nacht voller bluesgetränkter Rockmusik, als Julian Sas zum zwanzigsten Mal auf der Bühne stand. Organisiert von Bernie Gelhausen, bewies der niederländische Bluesrock-Gitarrist erneut, warum er als einer der besten Live-Musiker Europas gilt.

Von dem Moment an, als Sas die Bühne betrat, war klar, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer Zeugen eines unvergesslichen Erlebnisses werden würden. Sas, bekannt für seine fesselnden Live-Auftritte, zog das Publikum sofort in seinen Bann. Seine Fähigkeit, traditionellen Blues mit einer modernen Rock-Attitüde zu verbinden, zeigte sich in jedem Lied.

Sas‘ Konzert war mehr als nur ein musikalisches Ereignis; es war eine eindrucksvolle Demonstration der Kraft und Leidenschaft, die Live-Musik entfachen kann. Für Fans des Blues und Rock war es eine unvergessliche Nacht, die zeigt, warum Julian Sas als einer der führenden Namen in der europäischen Bluesrock-Szene gilt.

Der Abend war nicht nur eine Feier der Musik, sondern auch eine Anerkennung der engen Beziehung zwischen Sas und seinem Publikum. Seit nunmehr zwei Jahrzehnten kehrt der Gitarrist regelmäßig in die Harmonie zurück, und seine Fans erwarten jedes Mal mit Spannung seine Rückkehr. Natürlich immer ausverkauft.

Der Kopf hinter diesem Auftritt von Sas in Bonn seit 20 Jahren ist Bernie Gelhausen, dem früheren Inhaber des legendären Plattenladens Mr. Music. Er war und ist eine Schlüsselfigur in der rheinischen Musikszene.

Bekannt für seine tiefe Leidenschaft für Musik und sein umfangreiches Wissen, war er mehr als nur ein Geschäftsinhaber.

Gelhausen eröffnete 1992 Mr. Music und betrieb diesen Laden fast zwei Jahrzehnte lang, bevor er ihn Ende 2020 für immer schloss. In dieser Zeit wurde Mr. Music zu einem Treffpunkt für Musikliebhaber, angezogen durch Gelhausens Fähigkeit, zielsicher Musik-Tipps zu geben. Er hatte ein besonderes Talent dafür, genau die richtigen Alben oder Künstler für seine Kunden zu empfehlen, basierend auf ihren individuellen Geschmäcken und Interessen.

Mehr als nur Verkäufe standen für Gelhausen die persönlichen Gespräche im Vordergrund. Er schuf eine Atmosphäre, in der sich Musikbegeisterte treffen, austauschen und Neues entdecken konnten. Warum von der Stadt Bonn keine Initiativen entfaltet wurden, Mr. Music zu halten oder Bernie als musikalischen Impresario anzuheuern, bleibt mir ein Rätsel. Die Eigentümer der Harmonie machen es besser. Im nächsten Jahr wird Bernie als Promoter wieder aktiv sein und einen weiteren Auftritt von Julian Sas ermöglichen.

Texte als Kunstwerke: Literaturabend bei Böttger in Bonn

In der wunderbar bibliophilen Atmosphäre der Literaturbuchhandlung Alfred Böttger sitzt Elke Engelhardt, die Autorin, gegenüber dem ehemaligen WDR-Hörspielchef Wolfgang Schiffer. Sie diskutieren ihr neues Buch „100 sehr kurze Gespräche“. Doch sind es wirklich Gespräche? Engelhardt erklärt, dass sie sich von Julietta Fix und ihrer Online-Literaturzeitschrift Fix Poetry inspirieren ließ. Fix musste die Zeitschrift aus finanziellen Gründen aufgeben, aber Engelhardt erinnert sich dankbar an ihre Zeit als Rezensentin dort.

Engelhardt sieht Literatur als Gespräch. Sie liest nie etwas, ohne dass es sie beeinflusst. Es inspiriert sie oder weckt Widerstand in ihr. Mit diesem Hintergrund hat sie ihr neues Buch geschrieben. Sie arbeitet mit Zitaten und antwortet darauf mit genau 100 Worten. Nicht mehr, nicht weniger. Die Zitate stehen für sich, unabhängig von ihrer Länge.

Die Zitate stammen aus Büchern, die Engelhardt gelesen hat. Sie begann mit dem Sammeln der Zitate, als sie Schwierigkeiten hatte, ins Schreiben zu kommen. Sie stellte sich die Aufgabe, 100 Tage lang auf 100 Zitate mit 100 Worten zu antworten. Ursprünglich veröffentlichte sie diese auf ihrem Blog Mützenfalterer. Nach positiven Reaktionen entschied sie sich, die Texte in ein Buch zu verwandeln. Sie überarbeitete einige Texte und fügte neue hinzu.

Engelhardt sieht die Begrenzung auf 100 Worte als Herausforderung und Inspiration. Es war schwierig, bei 100 Worten aufzuhören, aber sobald sie es geschafft hatte, fühlte sich der Text rund an. Der Literaturkritiker Meinolf Reul beschreibt Engelhardts Arbeit als „Spielmut“. Sie stimmt dem zu und ist ihm dafür dankbar. Jedes neue Buch erfordert Mut, da sie alle sehr unterschiedlich sind.

Am Leseabend bei Böttger entfaltet sich das zweite Autorengespräch. Wolfgang Schiffer eröffnet mit einem Gedicht von Ragnar Helgi Ólafsson. Seine tiefe Radiostimme verleiht den Worten Nachdruck:

"Ich lehne Vergleiche ab. Das, was ich sage, ist.

Ich lehne alle Vergleiche ab. Alles ist das, was es ist.

Ein Vergleich ist überdies moralisch fragwürdig. Er birgt ein Urteil in sich und Gewalt.

Was sonst ist es, wenn man einem Kind sagt, es sei wie ein anderes Kind oder einem Jugendlichen, du bist genau wie deine Mutter.
Ich lehne Vergleiche ab. Haus ist Haus, Meer ist Meer, Milch ist Milch, Punkt ist Punkt."

Ólafssons Gedichtband trägt den bezaubernden Titel „Denen zum Trost, die sich in ihrer Gegenwart nicht finden können“. 2020 folgte ein Erzählband „Handbuch des Erinnerns und Vergessens“. Ólafsson veröffentlichte auch Theaterstücke in Island und ein bemerkenswertes Buch, „Die Bibliothek meines Vaters“. Dieses Sachbuch brachte ihm eine Nominierung für den isländischen Literaturpreis ein.

Die Welt wartete dann gespannt auf einen neuen Lyrikband von ihm. „Sein Lektor in Island bat mich, Ólafsson zu ermutigen, einen neuen Lyrikband zu schreiben. Und er tat es. Oder besser gesagt, er tat es nicht, wie wir später hören werden. Der Titel seines neuen Werks, ‚Lose Blätter‘, ist inspirierend“, erläutert Schiffer.

Warum „Lose Blätter“? „Weil Poesie flüchtig ist wie ein Schmetterling. Wenn man sie nicht an die Realität bindet, fliegt sie davon und bleibt verschollen. Man braucht also Blätter, um sie festzuhalten. Es muss eine Balance zwischen der faktischen und der poetischen Seite geben“, sagt Ólafsson

Ólafsson hatte eine Sammlung von 600 Seiten Poesie. Er plante, die besten Seiten auszuwählen und daraus ein hervorragendes Buch zu machen. Aber als er die ersten 100 Seiten las, fand er sie langweilig und leblos. Schließlich entschied er sich, die Seiten wie ein Kartenspiel zu mischen und fast zufällig 150 Seiten auszuwählen. Diese wurden dann zu „Losen Blättern“ gebunden, um nicht verloren zu gehen.

Ólafsson liebt die Nacktheit der Poesie. Sie sollte alleine stehen, ohne Unterstützung durch ein Gedicht davor oder dahinter. Jedes Gedicht sollte für sich selbst sprechen:

„Ich betrachte meine Texte als Kunstwerke. Jedes Exemplar meines Buches hat eine individuelle Nummer und ein Lesezeichen, um den Lesern Freiheit zu gewähren. Ich möchte keine Kontrolle oder Manipulation ausüben. Die Strukturierung der Gedichte in einer bestimmten Reihenfolge beeinflusst jedoch, wie die Leser die Probleme verstehen. In der nächsten Ausgabe werden wir eine andere Übersetzungsmöglichkeit vorstellen.“

Ólafsson vergleicht das Schreiben mit den visuellen Künsten. Man setzt einen Rahmen und schafft etwas Neues. Genügend Anregungen für die Lektüre dieser zwei Bände, die im Elif Verlag erschienen sind.

Hier ist der komplette Leseabend:

Bei Twitter-X liegen wir besser im Rennen mit 230 Zuschauern:

close up shot of stock of coins

Transparenz und Regulierung – Herausforderungen im Umgang mit Kryptowährungen #PIFT @tante @boydroid @bpb_de

Mein Beitrag passt gut zum Kommentar von Thomas Riedel:

Auf dem Festival „Politik im Freien Theater“ in Frankfurt, haben wir uns in die Welt der Kryptowährungen begeben. Ein Thema, das in Deutschland noch nicht ganz oben auf der Agenda steht, aber in den USA und Großbritannien bereits hohe Wellen schlägt. Fußballvereine, gesponsert von Kryptowährungsanbietern, sind nur ein Beispiel dafür.

Zu diesem Thema haben wir mit dem Internet-Theoretiker Jürgen Geuther, besser bekannt als „tante“, unterhalten. Geuther hat uns einen tiefen Einblick in die Mythen rund um Kryptowährungen gegeben. Er betont, dass trotz der weit verbreiteten Vorstellung von Dezentralisierung und Demokratisierung, die Realität oft anders aussieht. Tatsächlich gibt es eine zentralistische Tendenz bei den Anbietern von Kryptowährungen und von Demokratisierung ist wenig zu sehen.

Geuther warnt vor der Macht und Machtverteilung, die mit Kryptowährungen einhergeht. Er erklärt, dass Kryptowährungen oft als Mittel des Widerstands gegen ein korruptes System dargestellt werden. Dieses Narrativ zieht vor allem junge Männer mit überschüssigem Einkommen an, die glauben, sie könnten durch ihr Verständnis des Systems reich werden.

Geuther sagt, dass die Technologie hinter Kryptowährungen nicht neutral ist. Sie ist bewusst so gestaltet, dass sie sich der staatlichen Kontrolle entzieht. Dieser antistaatliche Kern ist immer präsent und wird von einflussreichen Persönlichkeiten wie Peter Thiel unterstützt, die sich der staatlichen Kontrolle vollständig entziehen möchten.

Trotz des Versprechens von Dezentralisierung und Demokratisierung, zeigt sich in der Praxis eine zentralistische Entwicklung. Geuther erklärt, dass dies nicht auf Unwissenheit der Menschen zurückzuführen ist, sondern auf ökonomische Gründe. Er betont, dass die Regulierung von Kryptowährungen nicht neu erfunden werden muss, sondern dass bestehende Finanzmarktregulierungen angewendet werden sollten.

Geuther warnt davor, dass Transparenz allein nicht ausreicht, um die Probleme von Kryptowährungen zu lösen. Stattdessen sollten bestimmte Praktiken verboten werden. Er betont, dass es wichtig ist, Transparenz in einer nutzbaren Form zu präsentieren, da nicht jeder die Kompetenz hat, einen Transparenzbericht zu lesen und zu verstehen.

Abschließend betont Geuther, dass die Sensibilität der politischen Öffentlichkeit für das Thema Kryptowährungen gestiegen ist, aber noch nicht stark genug ist. Er fordert, dass wir uns die Situation in den USA ansehen und daraus lernen, um ähnliche Probleme in Europa zu vermeiden.