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Zuerst Optimismus, dann Wachstum: WEF-Weltrisikobericht blickt pessimistisch in die Zukunft – Jetzt ist Wirtschaftspolitik als Staatskunst gefragt

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Die Experten des Weltwirtschaftsforums (WEF) haben ihren neuen Weltrisikobericht vorgestellt und dabei einen eher pessimistischen Eindruck hinterlassen. Die Umfrageergebnisse spiegeln die aktuelle Lage der Welt und die Stimmung vieler Menschen wider. Zwei Drittel der befragten Führungskräfte erwarten in den nächsten zehn Jahren schwere Krisen.

Der Bericht des WEF basiert auf Daten von rund 1400 Unternehmen weltweit und berücksichtigt auch Ansichten aus Politik, Wissenschaft und der globalen Zivilgesellschaft. Die Ergebnisse zeigen einen starken Anstieg des Pessimismus. Während ein Drittel der Befragten für die nächsten zwei Jahre Risiken schwerer Krisen sieht, rechnen zwei Drittel der Teilnehmer mit solchen Entwicklungen in den kommenden zehn Jahren.

Die größten Risiken für die Jahre 2024 und 2025 sind Desinformation, Extremwetter, gesellschaftliche Polarisierung, Datenunsicherheit und Krieg.

Auch das Thema Extremwetter nimmt seit Jahren eine Spitzenposition in den Risikoberichten des WEF ein. Viele Unternehmen weltweit haben erkannt, was der Klimawandel bedeutet, sind jedoch nicht immer bereit, angemessen darauf zu reagieren. In der Vorschau der größten Risiken für die nächsten zehn Jahre belegen Klima- und Umweltprobleme sogar die ersten vier Plätze.

Und in Deutschland rangiert bekanntlich das jährlich von Allensbach ermittelte Stimmungsbarometer auf einem historischen Tiefstwert wie zu Zeiten des Korea-Krieges Anfang der 1950er Jahre. Wo bleibt da die Wirtschaftspolitik als Staatskunst im Sinne von Rüdiger Altmann, dem früheren Berater von Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard? Oder Bidenomics? Das große Rad drehen, um die Unternehmen für Investitionen und Innovationen zu ermutigen: Um wieder in den Aufschwung-Modus zu kommen, brauchen wir mehr Optimismus. Darauf hat der Informatik-Professor Karl Steinbuch bereits 1979 hingewiesen. Steinbuch berechnete, dass eine seit 1949 jeweils zum Jahresende vom Institut für Demoskopie Allensbach gestellte Frage „Sehen Sie dem neuen Jahr mit Hoffnungen oder Befürchtungen entgegen“ in dem Prozentsatz der Antworten „mit Hoffnungen“ der Entwicklung des realen Bruttosozialprodukts vorauseilt. Der Verlauf des Optimismus folge nach Erkenntnissen von Steinbuch wie das Wachstum des Bruttosozialprodukts Zyklen mit einer Dauer von etwa vier bis fünf Jahren und der Optimismus in der Bevölkerung hinke nicht hinter der Konjunktur her, sondern gehe ihr voraus: Zuerst Optimismus, dann Wachstum.

Die Sparpolitik der Ampel-Regierung trägt nicht die Züge einer klugen antizyklischen Konjunkturpolitik, sondern besitzt eher den Charakter einer zänkischen internen Zerstückelung der Koalitionspartner – auf Kosten der Allgemeinheit.

Folgen wir doch den Anregungen des WEF-Reports: Lokale Strategien, die Investitionen und Regulierung nutzen, können die Auswirkungen der unvermeidlichen Risiken, auf die wir uns vorbereiten können, verringern, und sowohl der öffentliche als auch der private Sektor können eine Schlüsselrolle spielen, um diese Vorteile auf alle auszuweiten.

Die parfümierten Nazis sind die Wegbereiter für völkischen Nationalismus

Nachtigall, ick hör dir trapsen. Was Figuren wie Maximilian Krah, Spitzenkandidat der AfD für die Europawahl, und reiche Förderer der rechten Bewegung in Deutschland absondern, hinterlässt bei mir ein mulmiges Gefühl. Da wird offen über ethnische Säuberungen nachgedacht, Blut-und-Boden-Ideologie verbreitet, von deutscher Volksgemeinschaft gesprochen und zynisch von der Notwendigkeit einer Remigration fabuliert. Im ersten Schritt rücken drei Gruppen in den Vordergrund: Asylbewerber, Ausländer mit Bleiberecht – und „nicht assimilierte Staatsbürger“. Letztere seien aus Sicht der rechten Chefdenker das größte „Problem“. Es gibt dann handverlesene Menschen, die in Deutschland unbehelligt leben können und Menschen, die man verdrängen will. Die völkische getränkte Politik folgt den Spuren der Rechtsbewegung in den 1920er Jahre. Es ist das gleiche Drehbuch. Krah und Co. sprechen von der „Idee eines großen Ganzen“, von einer „natürlichen Ordnung“ und von den Kräften der Natur, der Biologie, der Gemeinschaft, von Volk, Familie und Mutterschaft. Familie, Volk und Gemeinschaft stehen bei Krah für Homogenität, Kollektivität, Vertrauen, Ehrlichkeit und Rechtstreue. „Volk ist Schicksal“, behauptet Krah, und „der Kampf um die Familie entscheidet alles“.

Freiheitsrecht und Individualismus stören in diesem Reinheitsgebot. Es ist das Anti-Schumpeter-Credo. Die „neuen Kombinationen“ im Sinne von Schumpeter zeichnen sich durch ein hohes Maß an Individualismus, durch Wettbewerb, aber auch durch Vertrauen und Fairness aus, auch und gerade gegenüber Dritten und Fremden.

Der ideologisch aufgepumpte völkische tabula-rasa Ansatz ist nicht harmlos. Er führt zu einer Konstellation, die der Ökonom Wilhelm Röpke, einer der Wegbereiter der Sozialen Marktwirtschaft nach 1945, hellsichtig analysierte. Was ihn in der kritischen Situation der Jahre 1931 und 1932 besonders empörte, war die leichtfertige Katastrophensucht, mit der viele bürgerlich-konservative Intellektuelle das Ende der Republik und das Ende ihres angeschlagenen Wirtschaftssystems herbeizureden bemüht waren, um den Weg für ein neues Zeitalter politischer und wirtschaftlicher Ordnung zu bahnen. Man braucht sich nur die heutigen Crashpropheten im AfD-Milieu, die nicht nur den Untergang von Euro und westlicher Demokratie herbeisehnen, sondern mit ihrem Krisen-Geschrei auch noch Kasse machen wollen über Gold- und Silber-Geschäfte. Das Augenmerk von Röpke richtete sich auf die „parfümierten Nationalsozialisten“, die in ihrer Zeitschrift „Die Tat“ (der so genannte Tat-Kreis) im Pessimismus schwelgten, sich an der Vertrauenskrise des Kapitalismus labten und in schwülstigen Gedanken über wirtschaftliche Autarkie ergingen. Noch stärker als das antiparlamentarische, antirepublikanische Argument wog in den Heften der Tat das Plädoyer für einen ökonomischen Systemwechsel, durch den Deutschland aus den Klauen des westlichen Kapitalismus befreit werden sollte. 

In dem rechtskonservativen Intelligenzblatt redeten Ferdinand Zimmermann alias „Ferdinand Fried“, Giselher Wirsing, Horst Gruenenberg und Hans Zehrer einem strikten Agrarprotektionismus, wirtschaftlicher Autarkie, kollektivistischer Planwirtschaft, Devisenzwangswirtschaft und staatlichem Außenwirtschaftsmonopol das Wort, um den Weg „zum nationalen Heil“ zu beschreiten. Geistige Wiedergänger finden sich heute auf der Seite der „Neuen Rechten“, wenn beispielsweise Götz Kubitschek in der Zeitschrift Sezession Vorbehalte gegen den „liberalen Markt“ formuliert und sich für ein „Wir-Denken im Volksrahmen“ ausspricht.

Röpke sprach Klartext, wurde aber zu wenig gehört: „Ein freudiges Sichwälzen in der Suhle der Barbarei“, „Nationalsozialismus der geistig Anspruchsvollen“, ein Gemisch aus Börsenklatsch und Oswald Spengler“, „neurotische Rebellen“, denen er in Anlehnung an Siegmund Freud ein „Unbehagen an der Kultur attestierte“ – in solch drastischen Formulierungen ließ er der in ihm brodelnden Empörung freien Lauf und rief zum geistigen Widerspruch auf. Als einer der wenigen Nichtjuden wurde Röpke von der ersten Säuberungswelle an den deutschen Universitäten erfasst und ging ins Exil nach Istanbul und Genf. Fried setzte seine Auseinandersetzung mit Wilhelm Röpke noch bis in die Kriegsjahre fort und verhöhnte seinen emigrierten Kontrahenten. 

Nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges konnten sich Röpkes wirtschaftliche Überlegungen in der Bundesrepublik vielfach durchsetzen. Wie lange hält das demokratische Regelwerk des Grundgesetzes noch?

Mein Weg würde nach Israel führen. Mein Großvater würde sich wohl auch so entscheiden.

Die Geschichte der Adressbüros: Eine einzigartige Vernetzungsidee von Leibniz #DasNotizAmt

Gottfried Wilhelm Leibniz war nicht nur ein herausragender Philosoph und Gelehrter, sondern auch ein visionärer Projektemacher. Im Jahr 1678 präsentierte er seinem Dienstherrn, dem Herzog von Braunschweig-Calenberg, die Idee von Adressbüros. Diese Einrichtungen sollten dazu dienen, Angebote und Anfragen zu erfassen und miteinander zu verknüpfen, um so den Handel und den Austausch von Informationen zu fördern. Das Ziel von Leibniz war es, Menschen miteinander zu verbinden und Kontakte herzustellen, selbst wenn sie sich nicht persönlich treffen konnten. Er sah in den Adressbüros auch eine Möglichkeit, Gelehrte und Erfinder zusammenzubringen.

Die Idee von Adressbüros war jedoch nicht neu. Bereits Michel de Montaigne hatte in einem seiner „Essais“ im Jahr 1580 die Einrichtung von Büros vorgeschlagen, in denen Beamte Anfragen und Angebote von Bürgern registrieren sollten. Die Idee fand Anklang und wurde in Paris und London umgesetzt. Anton Tantner, ein österreichischer Historiker, nimmt diese „Urszene“ bei Montaigne als Ausgangspunkt, um die Entwicklung und Umsetzung der Idee bis ins frühe 19. Jahrhundert zu verfolgen.

Dabei untersucht er die verschiedenen Formen und Namen, die diese Einrichtungen im Laufe der Zeit annahmen, wie zum Beispiel Adresscomptoirs, Frag- und Kundschaftsämter, Berichthäuser, Intelligenzbüros, Notizämter, bureaux de recontre und register offices. Tantner zeigt auf, dass die Idee von Adressbüros eine erstaunliche Wirkungsgeschichte hatte und auch von späteren Generationen von Pionieren aufgegriffen wurde. In Paris wurde das erste Adressbüro durch ein königliches Privileg im Jahr 1612 ermöglicht und entwickelte sich schnell zu einem umfangreichen Unternehmen, das nicht nur Medien- und Warenangebote, sondern auch Bildung und ärztliche Beratung umfasste.

In London wurden ähnliche Projekte bereits früher diskutiert und durch den Gelehrten Samuel Hartlib mit utopischen Ideen angereichert. Ab den 1650er Jahren wurden dann jedoch bodenständigere Modelle umgesetzt. In Wien und Berlin entstanden etwa drei Jahrzehnte später Oberintelligentz- und Adress-Häuser. Die Geschichte der Adressbüros war jedoch von Aufs und Abs geprägt und konnte keine eindeutige Entwicklungslinie aufweisen. Selbst die Verlagerung von Büros auf gedruckte Auszüge war keine eindeutige Tendenz, obwohl dies letztendlich dazu führte, dass die Intelligenz-Blätter und Zeitungen den Adressbüros im frühen 19. Jahrhundert den Rang abliefen.

Das Projekt von Leibniz und weitere Geschichten über das Suchen und Finden im 17. und 18. Jahrhundert kann man im vorzüglichen Buch von Anton Tantner nachlesen: “Die ersten Suchmaschinen – Adressbüros, Fragämter, Intelligenz-Comptoirs” – erschienen im Wagenbach-Verlag.

Mich regte dieses Opus an für meine wöchentliche Netzpiloten-Kolumne.

Titel der Reihe: Das Notiz-Amt.

Der Glaspavillon von Bruno Taut in Köln: Ein historischer Meilenstein der Architektur

Heute tauchen wir ein in die Welt der Literatur, genauer gesagt in Manfred Schneiders Werk „Transparenztraum: Literaturpolitik, Medien und das Unmögliche“. Wir beginnen mit einem Auszug aus Kapitel 7, „Die Träume von 1900: Spirituelle Glashäuser von Bruno Taut“, eingeleitet durch ein Gedicht von Paul Scheerbart: „Im Glashaus brennt es nimmermehr, man braucht da keine Feuerwehr.“

Die legendäre Werkbundausstellung in Köln. Bruno Taut, bekannt für seine Hufeisensiedlung in Berlin-Neukölln – genauer gesagt in Britz – und seine expressionistische Architektur, hat ein Konzept realisiert, das in die Fachgeschichte eingegangen ist. Wir beschäftigen uns mit seinem Glashaus, einem Highlight der Kölner Werkbundausstellung 1914.

Die Ausstellung präsentierte neue Baukultur. Prominente Vertreter des Werkbundes, gegründet 1907, lieferten markante Beispiele. Künstler, Architekten, Publizisten, Politiker und Industrielle hatten sich der Veredelung der gewerblichen Arbeit verschrieben, durch die Verbindung von Kunst, Industrie und Handwerk.

Bekannte Architekten wie Henry van de Velde und Walter Gropius steuerten Entwürfe und Gebäude bei. Sie empfahlen den Besuchern eine neue Formensprache und Materialkultur. Doch nur wenige Werke blieben im Gedächtnis der Architekturgeschichte haften, darunter das Glashaus von Bruno Taut.

Taut entwarf das Glashaus als Werbepavillon der zeitgenössischen Glasindustrie. Doch er schrieb seinem Bauwerk auch eine sakrale Funktion zu: Es sollte ein „Gewand für die Seele“ sein. Das Gebäude bestand aus einem Betonsockel, der für eine Freitreppe geöffnet war. Darauf ruhte ein polygonaler Stützenkranz aus 14 Elementen mit dicken Glasbausteinen, der in eine spitze Kuppel aus farbigen Gläsern überging. Über dem Eingang konnte man den Spruch lesen: „Das bunte Glas zerstört den Hass.“

Im Inneren führten glasüberzogene Metallstufen zum oberen Projektionsraum, in dem ein Farbenkaleidoskop spielte. Eine künstlich beleuchtete Wasserkaskade floss über sieben Stufen. Prismengläser zerlegten das einströmende Licht in Spektralfarben. Mosaikartige Glasbilder und farbige Gläser ergänzten den zauberhaften Eindruck dieses Kunstwerks.

Zum Abschluss empfehle ich den Ausstellungsband „Kristallisationen, Splitterungen“, der einen tieferen Einblick in das Werk von Bruno Taut bietet. Bekommt man mit Sicherheit im modernen Antiquariat.

Es ist bedauerlich, dass die Stadt Köln zum hundertjährigen Jubiläum der Werkbundausstellung nicht mehr getan hat. Sie hätte zumindest eine kleine Variante von Tauts Glashaus wieder errichten können. Aber das ist eine andere Geschichte.

Siehe auch:

Über Absolutismus im Management #Trafostation #Podcast #WolfLotter #ChristophPause

In der neuesten Episode des Podcasts „Trafostation 17“ mit Wolf Lotter und Christoph Pause wird ein zentrales Thema der modernen Arbeitswelt behandelt: Die Transformation von Management zu Leadership.

Lotter und Pause argumentieren, dass in vielen Unternehmen die Vorgesetzten ohne Berücksichtigung der Meinungen und Fähigkeiten ihrer Mitarbeitenden Entscheidungen treffen. Dies führe zu einer Kultur des Absolutismus, in der Mitarbeiter ihre Entwicklungs- und Aufstiegschancen vollständig den Einschätzungen ihrer Vorgesetzten unterordnen müssen. Ein solches Management-Verständnis sei nicht nur demotivierend für die Belegschaft, sondern stelle auch eine Gefahr für den Erfolg der Organisation dar.

Die Lösung, so die Diskussion in der „Trafostation“, liegt in einer Transformation hin zu mehr Leadership. Hierbei sollen demokratische Grundstrukturen geschaffen werden, in denen die Kompetenzen und Fähigkeiten der Mitarbeitenden anerkannt und gefördert werden. Leadership bedeutet in diesem Kontext, eine Umgebung zu schaffen, in der Wissensarbeiter sich optimal entfalten können.

Des Weiteren wird in der Episode die Rolle der Transparenz diskutiert. Zu viel Transparenz kann zu Bürokratie führen, während ein Mangel an Transparenz die Mitarbeitenden im Unklaren lässt. Stattdessen wird ein Mittelweg vorgeschlagen, der Zugänglichkeit bei Bedarf und eine verständliche Kommunikation umfasst.

Lotter und Pause betonen auch, dass Konflikte in einer Organisation nicht vermieden, sondern konstruktiv genutzt werden sollten. Eine Kultur, die offen für Auseinandersetzungen und Kompromisse ist, kann als Katalysator für positive Veränderungen wirken.

Abschließend wird darauf hingewiesen, dass Streitigkeiten und Konflikte Teil des Geschäftslebens sind, solange sie konstruktiv bleiben.

Kultur des Experimentierens #SAPTF

Lese gerade eine Rezension über meinen Beitrag im SAP Training und Adoption Forum: Ich brauche noch ne Menge Kudos!!!!!

Der Autor (also icke) hebt hervor, dass viele Unternehmen die Bedeutung der täglichen Erfahrung der Nutzerinnen und Nutzer noch nicht erkannt haben. Eine klare und verständliche Kommunikation ist entscheidend, um eine Brücke zwischen Technologie und Anwendern zu schlagen. Es wird betont, dass Technologieunternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen sowohl für Experten als auch für den durchschnittlichen Benutzer zugänglich machen sollten.

Der Multi-Perspektiven-Ansatz zur Digitalen Adoption (MPADA) wird als effektive Methode vorgestellt, um die digitale Adoption erfolgreich umzusetzen. Dieser Ansatz berücksichtigt nicht nur die technologische Dimension, sondern auch die organisatorische und individuelle Dimension. Es wird betont, dass Unternehmen Implementierungsstrategien entwickeln sollten, die auf diesen verschiedenen Dimensionen basieren.

Gunnar Sohn stellt das Projekt „König von Deutschland“ als Beispiel für den erfolgreichen Einsatz des Prinzips des „Lernens durch Lehren“ vor. In diesem Projekt werden Studierende dazu ermutigt, gesellschafts- und wirtschaftspolitisch relevante Themen eigenständig zu erforschen und in Live-Formaten zu präsentieren. Die Ergebnisse sind beeindruckend und zeigen, dass das Prinzip des „Lernens durch Lehren“ zu einer intensiveren Recherche führt.

Es wird nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch die Fähigkeit, dieses Wissen in realen Situationen anzuwenden. Die Studierenden lernen, sich flexibel an verschiedene Situationen anzupassen und komplexe Probleme zu lösen. Dabei spielt die Vernetzung von verschiedenen Wissensbereichen eine wichtige Rolle.

Das Projekt „König von Deutschland“ sei ein Beispiel dafür, wie Bildung junge Menschen auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereiten kann. Das Prinzip des „Lernens durch Lehren“ wird als effektive Methode zur Entwicklung von Denk- und Problemlösungsfähigkeiten hervorgehoben.

Letztlich geht es um Weltverbesserungskompetenz 🙂

Gerade im Wissenschaftsteil der FAZ gelesen: Nanoplastik in der Getränkeflasche 

Was habe ich mir die Finger wund geschrieben über die Kollateralschäden des Pflichtpfandes für Einweg-Getränke. Der frühere Dosen-Minister Jürgen Trittin ging davon aus, dass mit die Zwangspfand auch Mehrweg stabilisiert werden könne. Passiert ist genau das Gegenteil. Die Mehrwegquote ist von rund 80 Prozent auf 40 Prozent abgesackt. Warum? Weil der Lebensmitteleinzelhandel Vereinfachungen in der Logistik liebt.

Rücknahme-Automaten erfassen im Schnitt 800 bis zu 2.800 Dosen und Flaschen pro Tag. 80 Prozent der Einweggetränke werden in großen Supermärkten und Discountern gekauft. Das sind rund 20.000 Geschäfte. Was ist passiert? Die Automaten zur Rücknahme der bepfandeten Einweg-Getränkeverpackungen gibt es fast in jedem Supermarkt. Was passierte beim Sortiment? Die Umstellung von Mehrweg-Glas auf Einweg-Plastik. Ihr kennt ja die Argumentation der Händler. Synergien, Skalierung, Logistik-Optimierung über die Automatenerfassung der Gebinde und dergleichen mehr.

Verlierer sind die mittelständischen Mineralbrunnen und andere kleinere Player im Mehrweg-Sektor. Das Ergebnis hat die Deutsche Umwelthilfe zusammen gefaßt.

  • In Deutschland werden stündlich fast 1,9 Millionen Einweg-Plastikflaschen verbraucht
  • Pro Tag sind das mehr als 45 Millionen Stück
  • Pro Jahr werden rund 16,4 Milliarden Plastikflaschen verbraucht
  • Im Schnitt verbraucht jede:r Deutsche 200 Einweg-Plastikflaschen pro Jahr
  • Einweg-Plastikflaschen sind mit einem Gesamtmarktanteil von 52,2 Prozent das dominierende Packmittel bei Getränken. Ursache siehe oben.

Konsequenz: Glas verschwindet immer mehr bei Getränken und wird durch Plastikflaschen ersetzt. Aber Plastik ist im Vergleich zu Glas kein inertes Material. Als chemisch inert (lateinisch für „untätig, unbeteiligt, träge“) bezeichnet man Stoffe, die unter den jeweilig gegebenen Bedingungen mit potentiellen Reaktionspartnern (etwa Luft oder Wasser) nicht oder nur in verschwindend geringem Maße reagieren. Und nun kommt die Meldung im Wissenschaftsteil der FAZ:

„Kunststoffpartikel, die weniger als einen Mikrometer messen, sind in größeren Mengen in Plastikwasserflaschen vorhanden, wie eine Studie amerikanischer Forscher von der Columbia Climate School in New York ergibt. Ein Liter Wasser enthielt danach etwa 240.000 nachweisbare Partikel, wie Naixin Qian und ihre Kollegen in den ‚PNAS‘ berichten. Das sei das Zehn- bis Hundertfache früherer Schätzungen. Die Forscher haben mit einem neuen Nachweisverfahren als häufigste Kunststoffe PET, Polyamid, Polystyrol, Polyvinylchlorid und Polymethylmethacrylat in den Wasserflaschen dreier gängiger amerikanischer Marken identifizieren können“, schreibt die FAZ.

Das Nanoplastik komme wohl beim Öffnen und Schließen oder Zusammendrücken der Flaschen oder durch Hitzeeinwirkung sowie bei der Herstellung und beim Abfüllen in das Trinkwasser. Nanoplastik könne, wenn es in den Körper gelangt, über Darm und Lunge in den Blutkreislauf gelangen.

Da drehe ich doch meine Glasflasche von einem mittelständischen Getränke-Händler in Bonn auf und fülle mir sprudelndes Mineralwasser in mein Glas, um über das Konsumverhalten in Deutschland nachzudenken. Letztlich haben wir als Kunden es in der Hand, Getränke im Mehrweg-Glas zu kaufen. Am besten von einem dezentralen Abfüller. Bei uns ist es ein Betrieb in der Eifel. Da geht auch mit Bier und Limonade. Prost.

Ehemalige Vorstandsmitglieder bestechen durch ihre rasche Distanz gegenüber früheren Fehlentscheidungen

Eine Erklärung für das geduldete Missmanagement in vielen Firmen lieferte vor Ewigkeiten Sebastian Hakelmacher in seinem Buch die „Falken-Parabel”:

Der in gut unterbelichteten Kreisen verbreitete Glaube, daß Aufsichtsräte zumindest geringe Ahnungen vom Geschäft des Unternehmens haben müßten, konnte trotz intensiver Beobachtung nicht durch Tatsachen gestützt werden. Auf der anderen Seite fand sich auch kein unumstößlicher Beweis dafür, daß Sach- und Fachkenntnisse die Berufung zum Aufsichtsrat verhindern. Signifikant ist, daß die meisten Aufsichtsräte hauptberuflich an der Spitze anderer Hierarchien stehen, also dort die höchste Stufe der Inkompetenz erreicht haben. Das läßt den Schluß zu, daß man Aufsichtsrat ohne Ansehen der Person werden kann, wenn man anderweitig eine angesehene Position bekleidet.

Pensionierte Vorstandsmitglieder der Gesellschaft bestechen durch ihre rasche Distanz gegenüber früheren Fehlentscheidungen des Managements, die sie durch skeptische Zurückhaltung gegen Neustrukturierungen ausgleichen.

Prominente Topmanager, die sich im Vor- oder Ruhestand anderer Unternehmen befinden, sind als Aufsichtsräte begehrt, weil sie stets zweimal nachdenken, bevor sie aus Kollegialität nichts fragen.

Der Vorsitzende des Aufsichtsrats stammt in aller Regel aus den Greisen der Aktionärsvertreter. Golfspieler sind ideale Vorsitzende, weil sie gewohnt sind, einfache Spaziergänge durch komplizierte Regeln zum Problem zu machen.

Topmanager, die ihr Image durch regelmäßige PR-Artikel auf einen durch nichts gestützten Bekanntheitsgrad von mindestens 73,28 Prozent gebracht haben, werden wieder bestellt, weil die Aufsichtsräte befürchten müssen, daß sonst der einzige Ruf des Unternehmens leiden könnte.

Heimlich renitente Spitzenmanager hören jedem Ratschlag der Aufsichtsräte, insbesondere des Aufsichtsratsvorsitzenden, aufmerksam zu, bekennen spontan, dass sie alles gut verstanden haben, bedanken sich rührend für die wertvollen Vorschläge und machen ungerührt das, was sie schon immer gemacht haben oder machen wollten.

Jeder erfahrene Manager weiß: Kontrolle ist gut, aber Transparenz liefert ans Messer. Um die Überwachung einigermaßen schmerzfrei ausführen zu lassen, wird ein sensibler Vorstand über nennenswerte Probleme erst berichten, wenn die Aufsichtsräte oder alle Kredite erschöpft sind. Er wird die Darstellung betriebswirtschaftlicher Zusammenhänge vermeiden, um nicht frühzeitige Erkenntnisse zu provozieren. Damit können die üblichen Unternehmenskrisen ungestört zur Katastrophe heranreifen.

Bei der Überwachung hängt der unabhängige Aufsichtsrat voll von den Informationen der Geschäftsführung ab. Dabei kann sich der alerte Vorstand darauf verlassen, dass Aufsichtsräte genetisch gehemmt sind, überwachungsgerechte Informationen zu verlangen. Hinzu kommt, daß die Aufsichtsräte durch die Monotonie der laufenden Berichterstattung so apathisch gestimmt werden, daß sie während ihrer Amtszeit in einem unauffälligen Dämmerzustand verharren. Die Kontinuität der Unternehmensführung und ihre störungsfreie Überwachung werden so gewahrt.

Viele Aufsichtsräte beherrschen die Kunst der virtuellen Abschlussprüfung. Sie besteht darin, den Jahres- oder Konzernabschluss und das Prüfungsergebnis des Abschlussprüfers zustimmend zur Kenntnis zu nehmen, ohne diese Unterlagen gelesen zu haben.

Die durchschnittliche Sitzungsdauer hängt nicht vom Themenkatalog, sondern von der allgemeinen Terminnot der Aufsichtsräte ab. Anfang und Dauer der Aufsichtsratssitzung werden von unumstößlicher Abflug- und Abfahrzeiten der Aufsichtsräte bestimmt, die wieder ihren Haupttätigkeiten und sonstigen Liebhabereien nachgehen wollen.

Frühzeitiges Versenden von Sitzungsunterlagen zeugt von Gedankenlosigkeit, denn die Unterlagen können von den Empfängern leicht verlegt werden oder auch sonst in unrechte Hände geraten. Daher werden wichtige Unterlagen den Aufsichtsräten erst so spät zugestellt, daß sie diese allenfalls auf dem Weg zur Sitzung zur Kenntnis nehmen können. Dann ist ihr Inhalt noch frisch in Erinnerung. Allerdings besteht die Gefahr, daß solche Unterlagen im Flugzeug oder ähnlich öffentlichen Plätzen liegen gelassen werden. Sie sollten daher keine nützlichen Informationen beinhalten.

Zur Wahrung von Betriebsgeheimnissen sieht der umsichtig handelnde Vorstand von der Versendung von Unterlagen überhaupt ab. Stattdessen bevorzugt er umfangreiche Tischvorlagen. Sie wirken aktueller und unterstreichen die Dringlichkeit der zu behandelnden Angelegenheit. Ihre Lektüre erweist sich als zu zeitaufwendig, um notwendige Beschlussfassungen aufhalten zu können. Damit kann die Aussprache so flach gehalten werden, wie man sich in der modernen Managementlehre die Unternehmenshierarchie wünscht.

Da stark beanspruchte Aufsichtsräte erst bei Sitzungsbeginn realisieren, auf welcher Veranstaltung sie sich befinden, mangelt es ihnen oft an geeignetem Spielmaterial. Vorausdenkende Vorstände machen sich daher den Spieltrieb der Aufsichtsräte zu Nutze, indem sie die spärlichen Sitzungsvorlagen durch innovative Aufmerksamkeiten wie Füllhalter mit Radio oder Feuerzeug mit Reisewecker bereichern. Üppige Büfetts sind auch nicht zu verachten. 

Ein um Selbsterhaltung bemühter Vorstand wird versuchen, die Aufsichtsräte so zu erziehen, daß sie ihren Aufgaben in Milde nachkommen, ohne anzuecken oder zu verzweifeln. Aufsichtsräte müssen von Beginn ihres Aufsichtsratsdaseins an daran gewöhnt werden, daß sie den Vorlagen und Erläuterungen des Vorstandes blind vertrauen. Daher bleibt der Vorstand gegenüber dem Aufsichtsrat in seinen Motiven rätselhaft und in seinen Äußerungen kontinuierlich diffus. Er wird aber stets den Rat der Aufsichtsräte einholen, schon deshalb, um ihn nicht zu befolgen.

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Tech-Trends 2024

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Was wichtig wird.

  1. Fortschrittliche Generative KI und Große Sprachmodelle (LLMs): Die Entwicklung generativer KI, insbesondere großer Sprachmodelle wie ChatGPT, wird weiterhin unsere Interaktion mit Daten und Technologie umgestalten. Diese KI-Modelle werden voraussichtlich von einem „Bibliothekar“-Modell zu einem „Berater“-Modell übergehen und direktere, konversationsorientierte und kontextuell relevantere Interaktionen bieten​​.
  2. Quantencomputing und Post-Quanten-Kryptographie (PQC): Das Quantencomputing wird weiter fortschreiten, aber nicht unbedingt in riesigen Sprüngen. Die Einführung der PQC wird beginnen, sogar bevor sie standardisiert ist, und bietet einen softwarebasierten Ansatz, der mit bestehenden Systemen funktioniert, um Daten vor zukünftigen Quantenangriffen zu schützen​​.
  3. Menschliche Fähigkeiten in der KI-Nutzung: Die Bedeutung menschlicher Eingriffe in KI-basierten Kundeninteraktionen bleibt entscheidend. Es wird ein stärkerer Schwerpunkt auf Umschulungs- und Weiterbildungsinitiativen gelegt werden, um den Anforderungen von KI und Big Data Analytics gerecht zu werden​​.
  4. Anstieg von Social-Engineering-Angriffen: Identitätsbasierte Angriffe, insbesondere durch Social Engineering, werden voraussichtlich eine Hauptbedrohung bleiben. Dies unterstreicht die Notwendigkeit eines stärkeren Identitätsschutzes und der Schulung von Mitarbeitern, um betrügerische Taktiken zu erkennen​​.
  5. Nachhaltige und Effiziente KI-Modelle: Da die KI-Technologie immer mehr Energie verbraucht, wird es einen Trend hin zu kleineren, effizienteren KI-Modellen für spezifische Aufgaben geben. Dieser Ansatz zielt darauf ab, den Energieverbrauch im Vergleich zu allgemeineren Systemen zu reduzieren​​.
  6. Innovationen im Gesundheitswesen: Durchbrüche bei Medikamenten zur Behandlung von Fettleibigkeit und die ersten Gentherapien für Krankheiten wie Sichelzellenanämie signalisieren bedeutende Fortschritte in der Gesundheitstechnologie​​.
  7. Verbesserte Geothermische Systeme: Neue Bohrtechniken verbessern die Fähigkeit, geothermische Energie zu nutzen, was eine saubere und nahezu unbegrenzte Energiequelle bietet​​.
  8. Fortschritte in der Chiptechnologie: Da die weitere Miniaturisierung von Transistoren schwieriger wird, entstehen Chiplets – kleine, spezialisierte Chips, die miteinander verbunden werden können – als Lösung für schnellere und effizientere Rechenleistung​​.
  9. Exascale Computing: Die Entwicklung von Supercomputern, die mehr als einen Exaflop an Berechnungen durchführen können, ermöglicht komplexere Simulationen in verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen​.

Nächstes Jahr kommt dann der Abgleich. Konjunkturprognose für 2024: Stagnation bei -0.1 Prozent.

Doku: Ehrliche Kommunikation und Aufklärung über die Fleischproduktion

Kommunikation über Ernährung und Nachhaltigkeit: Wie können wir Verbraucher besser informieren? In einem spannenden Interview spricht Friedrich Büse über die Herausforderungen der Kommunikation, ehrliche Aufklärung über die Fleischproduktion und die Bedeutung von Bildung. Erfahrt mehr über die immensen Ausmaße der industriellen Maßstäbe, die Vorteile einer Reduzierung des Fleischkonsums und die Auswirkungen auf die Umwelt. Ein aufrüttelnder Blick hinter die Kulissen der Lebensmittelversorgung.

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