
In Zeiten wirtschaftlicher Engpässe wird das Wort „Flexibilität“ gern in dieselbe semantische Schublade gelegt wie „Effizienz“ oder „Agilität“. Doch auf der Zukunft Personal Süd wurde deutlich, dass es Unternehmen gibt, die diesem Begriff eine andere, fast altmodische Bedeutung beimessen: Verantwortung. Thomas Hoppe, Bundesvorsitzender der Jungen Unternehmer, sprach im Messe TV-Interview nicht von Shareholder Value, sondern von Belegschaften als Familiengemeinschaften – ein Bild, das in DAX-Konzernen längst der Controller-Rhetorik gewichen ist.
Statt betriebswirtschaftlicher Notwehrmaßnahmen im Quartalsrhythmus, plädieren viele inhabergeführte Unternehmen für vorausschauende Personalpolitik. Hoppe verwies auf ein Beispiel aus der eigenen Praxis: Mitarbeiter werden nicht einfach freigesetzt, sondern in Schwesterunternehmen weiterbeschäftigt – eine Form der Binnenmobilität, die nicht nur arbeitsrechtlich, sondern auch moralisch signalwirksam ist. Kurzarbeit, Gehaltsverzicht, flexible Arbeitszeiten – all das wird akzeptiert, wenn der Sinn der Maßnahme nachvollziehbar kommuniziert wird.
Das unterscheidet den „Hidden Champion“ vom börsennotierten Riesen. Hier wird nicht bilanziert, hier wird gesprochen. Nicht mit dem Kapitalmarkt, sondern mit den Menschen. Dass solche Modelle auf Zustimmung stoßen, ist keine Nostalgie, sondern ein Indikator für den Relevanzverlust zentralistischer Managementkulturen.
Dabei bleibt das politische Umfeld eine Baustelle: Deutschlands Steuerbelastung liegt – laut Hoppe – knapp hinter Belgien auf dem zweiten Platz. Über 40 Prozent Lohnnebenkosten belasten Unternehmen ebenso wie regulatorische Hemmnisse und das sinkende Vertrauen in die staatliche Ordnungskompetenz. In einer aktuellen Umfrage seines Verbandes gibt mehr als die Hälfte der Mitglieder an, keine Investitionen mehr am Standort Deutschland tätigen zu wollen.
Die Forderung nach Entlastung ist eindeutig: weg von punktuellen Subventionen, hin zu struktureller Verbesserung für alle. Eine fiskalische Verjüngungskur, flankiert von entschlackter Bürokratie und einem investitionsfreundlichen Klima, sei überfällig. Andernfalls droht eine wirtschaftliche Erosion von innen – nicht durch äußeren Wettbewerb, sondern durch das Versagen, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen.
Der Appell aus Stuttgart ist somit doppelt gerichtet: an die neue Bundesregierung, die mit Friedrich Merz einen ordnungspolitischen Kurswechsel verspricht – und an die eigene Zunft, HR wieder als strategisches Steuerungselement ernst zu nehmen. Flexibilität ist in diesem Verständnis kein Mantra schneller Anpassung, sondern Ausdruck verantwortungsvoller Unternehmensführung. Nicht agil um jeden Preis, sondern resilient mit Haltung.
Mal schauen, ob wir eine neue Bundesregierung bekommen.