
Die Landwirtschaft ist ein Pionier der Technologie. Von vernetzten Kuhställen bis hin zur Präzisionskartierung durch Drohnen, sie ist immer an vorderster Front, wenn es darum geht, Neues auszuprobieren. Doch Experten der Kommission für Forschung und Innovation (EFI) sagen, wir müssen das noch weiter vorantreiben. Wie? Durch eine Erhöhung der Kosten für Düngemittel und Pestizide. Das halte ich – ehrlich gesagt – für eine Schnapsidee.
Professor Holger Hanselka (mittlerweile Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft) hat das auf dem Forschungsgipfel gut auf den Punkt gebracht: Er kritisiert die deutsche Herangehensweise, Ziele zu definieren, aber bei der Umsetzung in Maßnahmen schwach zu sein. Im Gegensatz dazu, so Hanselka, gehen die USA über die Maßnahmen und setzen sie einfach um.
Ist es also der falsche Weg, die Landwirtschaft durch Abgaben zu belasten? Wäre es nicht besser, Fördermittel zu nutzen, um die Agrarwirtschaft zu motivieren, ihre Vorreiterrolle weiter auszubauen?
Die EFI hat eine Umfrage durchgeführt, die zeigt, dass es noch erhebliche Hindernisse gibt. Die Anschaffung von Technologie ist teuer und es fehlt an Digitalisierung und Standardisierung. Aber vor allem fehlten Anreize, um den Einsatz von relativ günstigen Pestiziden zu reduzieren.
Dänemark habe gute Erfahrungen mit der Einführung von Abgaben auf Pestizide gemacht. Sie hätten es geschafft, den Einsatz von Pestiziden und bestimmten problematischen Düngemitteln um 60 Prozent zu reduzieren, so Professor Till Requate von der Universität Kiel: „Wir müssen mit Zuckerbrot und Peitsche arbeiten. Wir könnten den Landwirten Anreize geben, indem wir sie für Ökosystemleistungen belohnen, wie zum Beispiel die Wiedervernässung von Mooren.“
Subventionen, wie beim Inflation Reduction Act, seien problematisch. „Sie sind schwer zu beseitigen, sobald sie eingeführt sind. Und wir können uns diese Subventionsorgien, die wir uns in den letzten Jahren geleistet haben, nicht mehr leisten. Stattdessen sollten wir das belohnen, was Sinn macht, wie zum Beispiel Ökosystemleistungen, und an anderer Stelle belasten“, resümiert Requate.
Die Hoffnungen auf eine indirekte Wirkung bei einer Abgabenlösung halte ich ehrlich gesagt für naiv.