Die Wallbox war gestern – wie Karl Grote das Laden neu denkt: Ideenschmiede #GreenMonday

In der aktuellen Debatte um Elektromobilität dreht sich vieles um die Wallbox. Sie ist zum Fetisch der grünen Moderne geworden: kompakt und steuerlich gefördert. Wer eine besitzt, demonstriert nicht nur Umweltbewusstsein, sondern auch Eigentum. Denn die Wallbox setzt das Einfamilienhaus mit Stellplatz voraus – eine Architektur der Exklusion in einem Land, in dem 70 Prozent der Bevölkerung zur Miete wohnt.

Die neue Studie des Fraunhofer ISI („Laden in Mehrparteienhäusern“) benennt das Dilemma klar: Zwar werden 80 % aller E-Autos zu Hause geladen – doch der größte Teil der Bevölkerung hat keine Möglichkeit, eine private Ladeinfrastruktur zu installieren. Die rechtlichen Rahmenbedingungen haben sich verbessert, aber sie bleiben fragmentarisch. Komplexe Eigentumsverhältnisse, mangelnde Netzanschlusskapazität, Unsicherheit in der Nachfrage, wirtschaftliche Unwägbarkeiten – das alles hemmt den Ausbau.

Die Wallbox ist eine Lösung für wenige – nicht für die Gesellschaft.

Und hier kommt Karl Grote ins Spiel. Auf dem Green Monday stellte er eine Idee vor, die so einfach wie visionär ist: Ladehubs in Parkhäusern. Nicht der Neubau, nicht die Förderung von Einzelanschlüssen, sondern die Nutzung bestehender, bislang ungenutzter Infrastruktur. Nachts, wenn die Städte schlafen, stehen die Parkhäuser leer – und das Auto ruht. Genau dort, genau dann kann geladen werden. Ohne Transformatoren, ohne neue Trassen, ohne millionenschwere Investitionen.

Grote denkt Elektromobilität nicht als Hardwareproblem, sondern als Systemfrage. Er nimmt ernst, dass das Auto im Schnitt 23 Stunden am Tag steht. Warum also nicht diese Zeit nutzen? Warum nicht den Strom langsam, aber kontinuierlich fließen lassen – in genau dem Takt, der Netze schont, Wohnquartiere entlastet und soziale Teilhabe ermöglicht?

Die sozialen Implikationen sind gewaltig: Wer keine Einfahrt besitzt, wer keinen Arbeitgeber mit Ladepunkt hat, wer in dicht besiedelten Vierteln wohnt, bleibt bislang außen vor. Grotes Ansatz hingegen demokratisiert das Laden – er macht die Ladeinfrastruktur zugänglich, bezahlbar und integrativ.

In der Fraunhofer-Studie äußern Bewohner:innen von Mehrparteienhäusern deutlich ihre Präferenzen:

  • Die private Wallbox ist beliebt, aber nur für wenige umsetzbar.
  • Quartierslösungen ohne Kostenvorteil? Wenig attraktiv.
  • Doch mehr als 20 % der Befragten sind bereit, bis zu 500 Meter zur Lademöglichkeit zu laufen, wenn sie günstig und zuverlässig ist.

Genau hier setzt Grote an.

Statt teure Schnellladesäulen in jeden Hinterhof zu pressen, braucht es durchdachte Hub-Strategien. Es braucht einen Systemwechsel, wie ihn Grote vorschlägt: Laden als Teil der Quartiersentwicklung. Parken und Strom als kommunale Infrastrukturaufgabe. Und eine Tarifgestaltung, die nicht privilegiert, sondern beteiligt.

Die wirtschaftliche Logik ist ebenso überzeugend:

  • Parkhäuser sind meist nur zu 40–50 % ausgelastet, viele nachts nahezu leer.
  • Der ruhende Verkehr belastet Straßen und Quartiere – Ladehubs entlasten.
  • Keine Neubauten, sondern smarte Nutzung vorhandener Strukturen.

Die Wallbox ist das Symbol einer alten Denke: Jeder für sich, in seiner Garage, mit seiner Förderung. Karl Grote hingegen denkt in Systemen, in Synergien, in Stadtentwicklung.

Sein Konzept hat längst Aufmerksamkeit erregt: Das Umweltministerium, die Hannover Messe, Investoren – alle wollen mehr wissen. Und doch bleibt die entscheidende Frage: Warum wird diese Idee nicht längst umgesetzt?

Antwort: Weil wir immer noch versuchen, die Zukunft mit den Werkzeugen der Vergangenheit zu bauen.

Deshalb: Wenn Elektromobilität wirklich zum sozialen Projekt werden soll, dann müssen wir von der Wallbox auf den Ladehub umdenken.

Ein Gedanke zu “Die Wallbox war gestern – wie Karl Grote das Laden neu denkt: Ideenschmiede #GreenMonday

  1. Anonym

    Mein Reden: Schwach laden mit 2,3 kw einphasig, dafür werbe ich schon lange. Das dabei entstehende Schieflastproblem können wir lösen. Ein Patent ist dafür angemeldet. Emeko@t-online.de

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