Wir begrüßen Innovationen? Von wegen – Session auf der Next Economy Open am Donnerstag, 2. Dezember 15 Uhr #NEO21x @almucra @ahermwille @OWL_MaBau @KfW_Research

„Wir begrüßen Innovation mit offenen Armen“ ist eine Aussage, die viele Unternehmen vermutlich voller Überzeugung zustimmen würden. Dabei sieht der Alltag in Organisationen ganz anders aus – sagt nicht nur die Soziologie.

Über diese und weitere vermeintliche Wahrheiten der Organisation spricht @ Almut Rademacher, Geschäftsführerin von @ owl maschinenbau, mit @ Andreas Hermwille, Metaplaner und Moderator Podcasts „Der ganz formale Wahnsinn“.

Almut bringt die Probleme und Fragen aus der Arbeitswelt mit, Andreas die soziologische Brille um sie zu betrachten. Spannendes Thema, ich freue mich sehr drauf! Meine Gedanken dazu:

Letztlich ist das Innovations-Blabla nur Ausfluss irgendwelcher Managementmoden.

„Wenn sich ein Unternehmen einer solchen Mode verschreibt, dann neigen Manager, die etwas werden wollen, dazu, Begeisterung zu demonstrieren und Kenntnis des entsprechenden Jargons. Diese Taktik ist hilfreich für die Karriere, verbraucht sich aber in dem Maße, in dem der Trend zum Standard wird oder wieder abflacht“, so der Organisationssoziologe Alfred Kieser im Interview mit brandeins.

Dazu zählt Kieser auch die Worthülse „AGILITÄT“:

„Ich halte diese Mode für so inhaltsleer wie die Balanced Scorecard. Agilität ist ein schwammiger Begriff, unter dem vieles vorstellbar ist. Es gibt auch kein überzeugendes Vorbild, also ein größeres Unternehmen, das auf ganz neue Art organisiert wäre und deshalb in der Lage, viel schneller als die Konkurrenz auf Kundenwünsche oder andere Anforderungen zu reagieren.“

Die Realität sieht eben ganz anders aus. So sind viele Unternehmen jenseits der Phrasen nicht bereit, Neuinvestitionen zu tätigen.

„Die Unternehmens­investitionen in Deutschland sind (zu) niedrig. Die Corona-Krise hat dabei einen bereits längerfristigen Trend nochmals verschärft, speziell im Mittelstand. Doch steht gerade jetzt die Transformation in Richtung Klima­neutralität und Digitali­sierung auf der Agenda. Das erfordert enorme Investitionen. Zuversicht ist dabei die zentrale Stellschraube, damit Unternehmen Investitionen angehen. Investitions­bereitschaft, -höhe und Zielrichtung sind entscheidend von der Geschäfts­erwartung der Unternehmer und Unternehmerinnen abhängig. Auch demografische Prozesse spielen eine große Rolle. Die Neigung zu investieren sinkt mit dem Alter. Vor allem bei kleinen Unternehmen sind Investitions­entscheidungen an die Person des Inhabenden gekoppelt. Klassische Faktoren spielen dagegen eine untergeordnete Rolle. Die Wirtschaftspolitik kann helfen: Grundlegende Voraussetzung für rege Unternehmens­investitionen sind sichere wirtschafts­politische und regulatorische Rahmen­bedingungen“, so KfW-Research.

„Die Neigung zu investieren sinkt mit zunehmendem Alter der Inhabenden massiv – sowohl das Investitions­volumen wie auch der Hang, Kapazitätserwei­terungen umzusetzen. Zusammen mit dem rasanten Anstieg des Durchschnitts­alters von Unternehmens­inhabenden, verhindert dieses Muster enorme Investitionen. Seit 2002 ist das Durch­schnittsalter von Inhabern und Inhaberinnen im Mittelstand um acht Jahre gestiegen. Hinzu kommt vielfach eine bevorstehende Unter­nehmensnachfolge, die die Investitions­neigung ebenfalls belastet“, sagt die KfW-Chefvolkswirtin Dr. Fritzi Köhler-Geib. Zudem gibt bei den Jüngeren keine Bereitschaft, neue Firmen zu gründen. Eine schlechte Entwicklung, die ich übrigens in dem Schumpeter-Opus bei Metropolis eingehend untersucht habe: Wenn Volkswirtschaften in Routine ersticken.

Die #NEO21x-Session kann wie immer live und in Farbe betrachtet werden:

Dann geht es um 16:10 Uhr weiter:

Über den Autor

gsohn
Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten.

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