Basic, Alphonso, Niggemeier, Knüwer und Co.: Die neuen Alpha-Journalisten

Alpha-JournalistenDie Stephan Weichert und Christian Zabel haben ein neues Buch vorgelegt über die Alpha-Journalisten 2.0. Tauchten in ihrem ersten Werk über die Alpha-Journalisten der klassischen Medien noch die üblichen Verdächtigen wie Stefan Aust, di Lorenzo, Diekmann, Illner, Jauch oder Plasberg auf, sind es jetzt Knüwer, Don Alphonso, Niggemeier, Basic oder Sixtus. So ändern sich die Zeiten, auch wenn es Hans Urlich Jörges nicht wahrhaben will: „Die guten Redaktionen sollten ihre Siele geschlossen halten, damit der ganze Dreck von unten nicht durch ihre Scheisshäuser nach oben kommt“, mit solchen Sätzen stellt man nur seine technologische Inkompetenz unter Beweis. Die Suada zwischen der Print- und Onlinewelt verkennt die systemischen Veränderungen, egal, welche Alpha-Tierchen nun gerade saisonal zu den Stichwortgebern zählen. Siehe auch meinen Blogbeitrag „Blogger-Zoff im Handelsblatt: Knüwer und die Identitätskrise des Printjournalismus – Warum sich die Streithähne des Düsseldorfer Wirtschaftsblattes mit dem Luhmannschen Zettelkasten beschäftigen sollten“.

„Die «Alpha-Journalisten 2.0» verändern den klassischen Journalismus – auch den, der noch ganz analog zu den Kunden gebracht wird. Die publizistische Plattform der digitalen Bohémiens, das Internet, ist dabei nicht einfach ein neues, höher entwickeltes Medium; vielmehr saugt es alle bestehenden Massenmedien in sich auf, deutet sie um und definiert ihre Ausdrucksformen und ihre publizistische Wirkung neu. Es ermöglicht neue Formen der journalistischen Produktion, Distribution und vor allem Interaktion. So sind die Enthüllungen von Bildblog.de nicht Ausfluss einer grossen Redaktion von investigativen Journalisten, sondern sie stammen grossenteils von Lesern, die dem Boulevardblatt meist kritisch gegenüberstehen. Ohne die externe Hilfe wäre ein solches Produkt gar nicht möglich, wie Deutschlands bekanntester Blogger, Bildblog-Gründer Stefan Niggemeier, selber sagt“, so Weichert und Zabel.

Während sich Journalisten zunehmend mehr als neutrale Vermittler denn als Kontrolleure der Macht begreifen, zeichne sich die Blogger-Szene durch Nonkonformismus, gesteigerte Meinungsfreude und oft auch durch Ablehnung langatmiger redaktioneller Prozesse aus. Die meisten Wortführer im Internet seien begnadete Netzwerker; der von Markus Beckedahl ins Leben gerufene Blogger-Kongress „re:publica“ ermöglicht ein bundesweites Networking über die Online-Hochburgen in Berlin, Hamburg und München hinaus.

„Die Alpha-Journalisten 2.0 stehen den klassischen staatlichen Strukturen reserviert gegenüber. Die Jungen nehmen Sicherheitsversprechen im Zeitalter der Globalisierung nicht für bare Münze. Zudem setzen sie stärker auf Eigeninitiative und Unternehmertum denn auf korporatistische Karrierewege. Wenn die Sozialstandards langfristig nicht zu halten sind – so die Devise –, dann will man wenigstens Freiheit haben“, schreiben die Autoren in der Einleitung des Buch, die in der NZZ abgedruckt wurde.

Von den „neuen“ Journalisten werde erwartet, dass sie wie selbstverständlich mit Tönen, Texten und Bewegtbildern balancieren. Die Fähigkeit, diese Darstellungsformen zu kombinieren, avanciere zur Schlüsselqualifikation. „Der Journalismus, das lässt sich nach diesem Einblick in die Verfasstheit der Alpha-Journalisten 2.0 festhalten, erfährt den wohl dramatischsten Umbruch seit der Erfindung des Fernsehens“, resümieren Weichert und Zabel.

Stephan Weichert ist Professor für Journalistik und Studiengangleiter an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation in Hamburg. Christian Zabel ist Assistent des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom AG und arbeitete zuvor als freier Journalist. „Die Alpha-Journalisten 2.0. Deutschlands neue Wortführer im Porträt“ ist im Verlag Herbert von Halem erschienen.

Google Times, Buzzriders und das Ende der Zeitungspapier-Ära

jarvisCem Basman weist in einem Blog-Beitrag auf das neue Medienprojekt „Buzzriders“ von Robert Basic hin, mit der die Nachrichtenwelt revolutioniert und Giganten wie Spiegel Online oder heise.de herausgefordert werden.
Ob eine Revolution dabei herausspringt, ist gar nicht so wichtig.

Das Vorhaben ist eine richtige Weichenstellung für die Post-Zeitungspapier-Ära, die Jeff Jarvis in seinem Buch „What Would Google Do“ (mittlerweile auch in deutsch erschienen im Heyne-Verlag). So gehen Experten in den USA davon aus, dass bei der gegenwärtigen Entwicklung der Verlagswelt im Jahr 2040 die letzte amerikanische Zeitung herausgegeben wird. Und das war eine Einschätzung, die noch nicht die volle Wucht der Finanzkrise für die Printwelt einkalkuliert hat. Der Abwärtstrend hat sich noch verstärkt – mit etwas zeitlicher Verzögerung werden wir das auch in Deutschland erleben.

Deshalb der Rat von Jarvis: Wer heute neue Medienformate entwickelt, sollte dezentralisiert denken. Nachrichtenorganisationen können sich nicht mehr auf die Vorstellung verlassen, dass die Welt sich bis zu ihren Toren durchschlagen wird. „Die Menschen finden ganz allein zu den Nachrichten. über unendlich viele neue Wege: Blogs von Freunden, Nachrichten-Websites wie Google News und Daylife, kooperative Nachrichten-Websites wie Digg, Feeds auf Facebook oder Twitter“, so Jarvis. Werden Sie zu einer Plattform, proklamiert Jarvis. Werden Sie Teil eine Netzwerks. Sie können nicht mehr alles allein machen. Sich kooperativen Netzwerken anzuschließen sei hilfreich. Man sollte lokal die Hilfe des Lesepublikums in Anspruch nehmen, um Storys zu vervollständigen. Es könnte bedeuten, die Öffentlichkeit zur Berichterstattung zu rekrutieren und zu mobilisieren. Es könnte auch bedeuten, sie in dem Geschäft zu etablieren. „Es bedeutet mit Sicherheit, ihre Beiträge und Verbesserungen willkommen zu heißen“, schreibt Jarvis. Die lokale Öffentlichkeit wird der Boss. Die Zeitung 2.0 werde mit ausgewählten Bloggern, Unternehmern, Bürgern und Communitys zusammenarbeiten, die Nachrichten sammeln und verbreiten und sie unterstützen. Um das zu erreichen, müsse man im Kleinen agieren, aber in großen Bahnen denken und die Welt neu definieren.
In diese Richtung marschiert Robert Basic meiner Ansicht nach mit Buzzriders. „Sein Ziel ist eine von Nutzern generierte Nachrichtenquelle im Web, die insbesondere auch die lokalen und kleinen Nachrichten liefert. Zudem auch Kleinanzeigen. Einen News-Bereich, mit dem sich die Grossen schwer tun, der aber auf ihrer Agenda steht, wie ich gestern Abend beim media coffee gerade wiederholt auch von Christoph Keese (Springer) im Panel gehört habe. Roberts Vorhaben ist eine Art ‚micro-dpa 2.0‘. Vielleicht auch 2.5. Lobenswert. Ehrgeizig“, urteilt Basman. Seine Empfehlung kann ich nur unterstützen: „Nicht klein reden. Unterstützen! Nicht reden. Machen!“

Es wird nicht das einzige Projekt bleiben, aber wer jetzt an den Start geht, wird mit den richtigen Konzepten die Krise der klassischen Medien abfangen. Demnächst mehr auf NeueNachricht zu sehen. Das zehn Jahre alte CMS von Lotus Notes hat gute Dienste getan. Kommt jetzt auf den Müll und wir starten mit einem ganz anderen Ding. Später dazu mehr.