Dissonanzen beim Beethoven-Festspielhaus in Bonn: Planerischer Blindflug führt zum Absturz

Fachurteil zur Beethovenhalle bevor sie von der Stadt heruntergewirtschaftet wurde: Von Exper­ten wird vor allem die raum­akus­ti­sche Pla­nung des neuen Kon­zert­saa­les geprie­sen. So ist alle wis­sen­schaft­li­che Sorg­falt auf­ge­wen­det wor­den, die einem sol­chen weit wir­ken­den Zen­trum der Musik­pflege zukommt. Ent­stan­den ist einer der moderns­ten und akus­tisch ein­wand­freis­ten Kon­zert­säle, von dem sich die Beet­ho­ven­stadt Bonn im deut­schen Musik­le­ben eine beträcht­li­che Ran­ger­hö­hung ver­spricht. Die ers­ten Akus­tik­pro­ben brach­ten glän­zende Ergeb­nisse. Jeder der 1420 Plätze, im Par­kett wie auf den Rän­gen, ist mit­ten im Schall­ge­sche­hen: die dyna­mi­schen Schwan­kun­gen sind, wel­chen Stand­ort man im Raum auch immer ein­nimmt, kaum merk­lich. Ande­rer­seits ist aber auch dafür gesorgt, dass die Akus­tik nicht nur für eine bestimmte Art von Musik, etwa für roman­ti­sche Klang-Massen, vor­züg­lich ist, son­dern ebenso der kla­ren Linea­ri­tät eines baro­cken oder auch moder­nen Wer­kes gerecht wird.
Fachurteil zur Beethovenhalle bevor sie von der Stadt heruntergewirtschaftet wurde: Von Exper­ten wird vor allem die raum­akus­ti­sche Pla­nung des neuen Kon­zert­saa­les geprie­sen. So ist alle wis­sen­schaft­li­che Sorg­falt auf­ge­wen­det wor­den, die einem sol­chen weit wir­ken­den Zen­trum der Musik­pflege zukommt. Ent­stan­den ist einer der moderns­ten und akus­tisch ein­wand­freis­ten Kon­zert­säle, von dem sich die Beet­ho­ven­stadt Bonn im deut­schen Musik­le­ben eine beträcht­li­che Ran­ger­hö­hung ver­spricht. Die ers­ten Akus­tik­pro­ben brach­ten glän­zende Ergeb­nisse. Jeder der 1420 Plätze, im Par­kett wie auf den Rän­gen, ist mit­ten im Schall­ge­sche­hen: die dyna­mi­schen Schwan­kun­gen sind, wel­chen Stand­ort man im Raum auch immer ein­nimmt, kaum merk­lich. Ande­rer­seits ist aber auch dafür gesorgt, dass die Akus­tik nicht nur für eine bestimmte Art von Musik, etwa für roman­ti­sche Klang-Massen, vor­züg­lich ist, son­dern ebenso der kla­ren Linea­ri­tät eines baro­cken oder auch moder­nen Wer­kes gerecht wird.

2020 soll der 250. Geburtstag des großen Bonner Sohnes gebührend gefeiert werden. Es geht natürlich um Beethoven und er soll einen neuen Musen-Tempel erhalten – ein Festspielhaus mit Bilbao-Effekt, Weltgeltung, touristischer Anziehungskraft und sonstigen phantastischen Wirkungen. So versprechen es zumindest die Festspielhaus-Freunde. Was aus den planerischen Peinlichkeiten nun geworden ist, habe ich gestern thematisiert und mich dafür ausgesprochen, wenigstens die Beethovenhalle wieder im alten Glanz herzurichten inklusive Konzertsaal-Anbei, was man bei den Festspielhaus-Freunden abschätzig als Wurmfortsatz bezeichnet. Wenn die so weiter machen, ist noch nicht mal ein Wurmfortsatz drin.

Rheinauenschreiber Sebastian Eckert sieht das noch pessimistischer und schreibt von einem Blindflug in den Abgrund:

„In sechs Jahren soll die Halle stehen. Noch gibt es allerdings weder einen Entwurf, noch einen Architekturwettbewerb, noch einen Bauplatz, noch einen Bauplan, noch eine Ausschreibung. Es gibt keine Vorlagen, aber es soll fix gehen. Bedenkt man, dass es Rat und Verwaltung in fünf Jahren nicht geschafft haben, das Planschbecken im Römerbad zu erneuern, bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Bedenkt man, dass die Koalition in Bonn derzeit lieber zulässt, dass der Kämmerer durch Haushaltssperre spart, anstatt einen Nachtragshaushalt zu verabschieden, kann man nur noch nach Luft japsen. Wer weiß, ob nicht jeder Ratsbeschluss, sei es nur zum Umbau einer Straße an der Halle, sofort durch den Kämmerer gekippt wird? Von privaten juristischen Einsprüchen ganz zu schweigen. Denn ein Anwohner wird sicher klagen. Nicht nur wegen Lärmbelästigung durch Konzerte in der Halle. Und dass man sich da als Stadt nicht hinweg setzen kann, zeigt ein Bau an der Friedrich-Breuer Straße. Baustopps sind da vorprogrammiert.“

https://twitter.com/jpoff1/status/429642455172915200

Christian Wendling vom Haus der Architektur in Köln sieht noch Chancen für eine Realisierung – allerdings müsste jetzt der gesamte Prozess ohne weitere Reibungsverluste ablaufen:

Das A und O sei eine optimale Vorbereitung des Wettbewerbs.

„Leider müssen zu viele Wettbewerbe Fragen klären statt Antworten zu geben; die Zielvorgabe sollte aber vorher schon klar sein, und zwar nicht in etwa, sondern konkret. Das bedeutet im kulturellen und politischen Raum eine sachliche Diskussion, ggf. auch in Rückkopplung mit der Öffentlichkeit und den üblichen Beteiligungsprozessen. Je mehr im Vorfeld geklärt ist, desto passender werden die im Wettbewerb gezeigten Lösungen sein können, desto breiter wird die Zustimmung sein, die man insbesondere bei öffentlichen Gebäuden benötigt, um Projekte zügig abzuwickeln und an ihnen nicht im Nachhinein wieder dogmatische Grundsatzdiskussionen zu führen oder Überraschungen zu erleben.“

Man sollte die kleine Lösung anstreben und die Beethovenhalle sanieren sowie modernisieren.

Plädoyer für die Beethovenhalle

Luftschlösser hat Beethoven nicht verdient
Luftschlösser hat Beethoven nicht verdient

Für das neue Bonn-Portal namens „Bundesstadt.com“ habe ich mich für die Sanierung der Beethovenhalle ins Zeug gelegt. Die „Beethoven-Freunde“ kontern diese Position regelmäßig mit dem Argument der hohen Kosten von rund 40 Millionen Euro, die angeblich für die Modernisierung ausgegeben werden müsse.

Die Kosten für das neue Festspielhaus sollen dagegen aus „privaten“ Mitteln finanziert werden. Merkwürdig klingen die Formulierungen der Finanzzusagen mit „in Aussicht“ gestellt, man will dieses und jenes an Geld zusammenkratzen, selbst eventuelle Mehrkosten sollen abgedeckt sein. Im gleichen Atemzug stellen die selbst ernannten Beethoven-Freunde alle Anstrengungen in Frage, die Beethovenhalle wieder im alten Glanz erstrahlen zu lassen. Kommt mir irgendwie kindisch vor. Verliert das alte Spielzeug seine Attraktivität , schmeißt man es in die Ecke und nervt die Öffentlich so lange, bis ein neuer Prunkbau für das Abo-Publikum aus der Taufe gehoben wird.

Dabei klangen die Lobeshymnen des Fachpublikums bei der Einweihung der Beethovenhalle so vielversprechend. Kleine Kostprobe aus meiner Anthologie, die ich heute bei Bundesstadt.com veröffentlich habe:

„Bonn als illus­trer Fest­spiel­ort! Wird die Geburts­stadt Beet­ho­vens in der Lage sein, gleich Bay­reuth und Salz­burg musi­sche Atmo­sphäre inter­na­tio­na­ler Pro­ve­ni­enz, fas­zi­nie­ren­des Flui­dum einen Mythos bil­den? Dann hätte die pro­vi­so­ri­sche Metro­pole einen gro­ßen Wurf auf End­gül­ti­ges getan. Sie würde ihrer unbe­strit­te­nen Würde als tra­di­ti­ons­rei­che Uni­ver­si­täts­stadt den Glanz der Kunst­stadt hinzufügen.“

Das ist keine aktuelle Meldung der Festspielhaus-Apologeten, sondern ein Artikel aus dem Jahr 1958.

Warum soll das, was man in den vergangenen Jahrzehnten nicht auf die Reihe bekommen hat, mit einem neuen Musentempel gelingen?

Erst die Programmatik auf Vordermann bringen, statt weiter Luftschlösser zu bauen. Wie wäre es mal mit einer Bürgerbefragung in Bonn zu diesem Thema – initiiert vom Rat der Stadt und nicht von den Festspielhaus-Honoratioren?

Bonn bekommt wohl doch keine Elbphilharmonie: Puh, noch mal Glück gehabt

Konzertsaal der Beethovenhalle im alten Glanz

Kleiner Scherz. Gemeint ist natürlich der von Honoratioren ersehnte Musentempel namens „Festspielhaus“, der die Herzen des Abo-Publikums förmlich zur Raserei bringen soll. Zum 250. Geburtstag von Beethoven sollte das Prachtstück fertig werden – mit privater Finanzierung.

Nun hat die Bonner Kulturverwaltung einen niederschmetternden Sachstandsbericht vorgelegt, der die Freunde des Festspielhauses überhaupt nicht erfreut.

Für mich ist das keine Überraschung. Es reicht halt nicht aus, nette PR-Kampagnen zu starten – ohne die Bonner Bürgerschaft im Ganzen einzubeziehen.

Es sind Ehrgeizlinge wie IHK-Präsident Wolfgang Grießl, die sich wohl ein Denkmal setzen wollen. Magere fünf Millionen Euro sind bislang durch die Grießl-Initiative „5000×5000“ zusammengekommen. Die IHK betont übrigens, dass dieses Unterfangen das Privatvergnügen von Herrn Grießl ist. Warum wird er dann im Zusammenhang mit der Initiative stets als IHK-Präsident tituliert?

Mitte Juni wollen sich die unter dem Dach des Verbandes Dehoga organisierten Bonner Hoteliers und Gastwirte zu Details über einen geplanten „Beethoventaler“ äußern, berichtet der General Anzeiger.

Sie wollen sich „äußern“ – aha.

Die Baukosten sind also noch nicht einmal in Ansätzen gedeckt. Und was passiert eigentlich, wenn wir in der Beethovenstadt ein ähnliches Debakel wie mit der Elbphilharmonie erleben? Zahlt das dann Herr Grießl aus seiner Privatkasse oder lassen die Festspielhausfreunde in ihren Reihen eine Kollekte kreisen?

Zu Beginn der Planungen vor sieben Jahren ging Hamburg von mickrigen 77 Millionen Euro aus – ja, Ihr habt richtig gehört, liebe Festspielhausfreunde in Bonn. Da klingeln jetzt zu recht Eure Ohren. Denn der neue Beethoven-Tempel wird auch nur mit schlappen 80 Millionen Euro projektiert. Und auch die Argumente für das musische Millionen-Grab dürften den Bonnerinnen und Bonnern bekannt vorkommen. Da war von “Leuchtturmarchitektur”, von wirtschaftlichen Impulsen, neuen Arbeitsplätzen sowie von dem vielzitierten und vielbeschworenen “Bilbao-Effekt” die Rede.

Nachzulesen in meinem Blogpost: Der etwas andere Bilbao-Effekt: Prunkbauten, Großmannssucht und leere Kassen #Elbphilharmonie #Festspielhaus.

Man sollte sich also schleunigst von den Wolkenkuckucksheim-Planungen der Festspielhausfreunde verabschieden und sich auf die Sanierung der Beethovenhalle konzentrieren. Aber auch da hat man wertvolle Zeit verplempern lassen. Zudem: Selbst ein neues Festspielhaus macht aus Bonn noch kein Bayreuth oder Salzburg. Da fehlt es der Stadt an Programmatik. Siehe: Bonn und Beethoven: Kulturpolitischer Provinzialismus.

Alles schön dokumentiert im Sachstandsbericht der Kulturverwaltung.

Der etwas andere Bilbao-Effekt: Prunkbauten, Großmannssucht und leere Kassen #Elbphilharmonie #Festspielhaus

Liquide Demokratie in der Stadtplanung wagen

Wieder 200 Millionen Euro teurer, wieder ein Jahr Verzögerung – warum wollen die Hamburger ihre Elbphilharmonie eigentlich fertig bauen, fragt sich Spiegel-Kommentator Christoph Twickel.

Bei einem endgültigen Baustopp wäre die Stadt wieder flüssig und hätte zudem das weltweite erste Mahnmal gegen Image-Idiotie und politische Geltungssucht.

Die Elbphilharmonie sollte eine Ruine bleiben, so Twickel:

„Als unvollendetes Symbol für gescheiterte urbane Großmannssucht könnte sie um so vieles nützlicher und lehrreicher sein. Zumal das Konzept des ‚Landmark Building‘ ohnehin von gestern ist. Jede mittlere Kleinstadt leistet sich mittlerweile ihr Stararchitekten-Ufo, weil das angeblich ihre Internationalität befördert.“

Im Sommer 2016 soll das Honoratioren-Abo-Publikum-Prestigeobjekt in der Hansestadt fertig sein. In den Prognosen für die Baukosten liegt man jetzt bei 575 Millionen Euro und das dürfte wohl nicht die letzte Hiobsbotschaft sein. Zu Beginn der Planungen vor sieben Jahren ging Hamburg von mickrigen 77 Millionen Euro aus – ja, Ihr habt richtig gehört, liebe Festspielhausfreunde in Bonn. Da klingeln jetzt zu recht Eure Ohren. Denn der neue Beethoven-Tempel wird auch nur mit schlappen 80 Millionen Euro projektiert. Und auch die Argumente für das musische Millionen-Grab dürften den Bonnerinnen und Bonnern bekannt vorkommen. Da war von „Leuchtturmarchitektur“, von wirtschaftlichen Impulsen, neuen Arbeitsplätzen sowie von dem vielzitierten und vielbeschworenen „Bilbao-Effekt“ die Rede.

In seinem Buch ‚Triumph of the City‘ rechnet der US-Ökonom Edward Glaeser vor, dass der durch den Bau des Guggenheim Museums in Bilbao erhoffte ökonomische Boom weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist – und die geschaffenen 900 Arbeitsplätze die Investitionssumme von 250 Millionen Euro in keiner Weise rechtfertigen“, erläutert Twickel.

Und was sagt der selbst ernannte Beethoven-Kulturförderer Grießl zum Bau des Festspielhauses in Bonn (der Herr Grießl engagiert sich ja nur privat als Vorsitzender des Festspielhaus-Fördervereins für den Bau eines neuen Konzertsaales – mit seiner Funktion als IHK-Chef habe das Ganze nichts zu tun, bestätigte mir ein IHK-Mitarbeiter):

„Schauen Sie zum Beispiel nach Bilbao. Bis vor einigen Jahren stand die nordspanische Industriestadt nicht auf dem Reiseplan internationaler Städtetouristen. Seit dort das von dem berühmten Architekten Frank O. Gehry konzipierte, Aufsehen erregende Guggenheim-Museum entstanden ist, kommen immer mehr Besucher in die Stadt. Das spricht sich herum, immer mehr Leute werden darauf aufmerksam und reisen dorthin. Die Entwicklung hat die gesamte Stadt aufgewertet.“ In Bonn wäre er mit einem aufregenden, qualitätsvollem Festspielhaus genauso zu spüren, glaubt der Herr Grießl.

Aber selbst die kühnsten Optimisten gehen in der Elb-Metropole nicht mehr davon aus, dass die Investitionssumme von 575 Millionen wieder eingespielt werden kann. Der Hamburger Bürgermeister wäre schon froh, wenn die Vermietung der Konzertsäle die Betriebskosten deckt. Auch da gibt es wieder schöne Parallelen zur rheinischen Beethoven-Stadt.

Igitt, dieses schnöde Wort Betriebskosten möchte in Bonn niemand ernsthaft diskutieren: Was beim Betrieb des Festspielhauses jährlich auf die Bonner Bürgerschaft zukommt, will die Verwaltung noch nicht verraten. Ein Businessplan werde erst vorgelegt, wenn die Baufinanzierung steht, schreibt der General Anzeiger. Klingt irgendwie nach „Hauptmann von Köpenick“.

Aber selbst der Mythos „Landmark Buildings“ zerbröselt in Hamburg. So sollte die Elbphilharmonie als Monument der Stärke auf das globale Anlagekapital ausstrahlen und Investoren in die HafenCity anlocken.

„Die Rücksichtslosigkeit, mit der eine Stadt ihr Gemeinwesen für solche Protzbauten in Haftung nehmen kann, wird zur vertrauensbildenden Maßnahme für den Standort. Längst ist die HafenCity, in deren Mitte sich die Elbphilharmonie erhebt, für Hamburg ein massives Zuschussgeschäft geworden – wie sich Ende November einmal mehr gezeigt hat, als der Entwickler des südlichen Überseequartiers in der HafenCity in eine Finanzierungsklemme kam und absprang. Will heißen: Das Konzept ‚Hauptsache es wird teuer, sieht auch so aus und wir bauen es zu Ende‘ ist mit der anhaltenden Finanzkrise – die ja auch eine Krise der Baufinanzierung ist – noch ein bisschen abstruser geworden“, führt Twickel in seinem Spiegel-Kommentar weiter aus.

Solche Erfahrungen sind uns ja in Bonn bislang erspart geblieben – kicher. Ja, das ist natürlich nur ein Scherz, denn sonst würden ja im Verfahren um den Bau des World Conference Center Bonn (WCCB) nicht so viele Protagonisten auf der Anklagebank sitzen.

Die Elbphilharmonie ist nach Auffassung von Twickel ein Lehrstück für eine Kostenermittlung, die einzig von politischen Interessen geleitet ist (ja, ja, die 80 Millionen Euro für das Festspielhaus sind wohl ähnlich zustände gekommen – einfache Logik: Festspielhaus günstig, Sanierung der Beethovenhalle teuer – also ein neues Spielzeug kaufen).

„Hamburgs Politiker – der schwarz-grüne Senat übrigens gemeinsam mit der seinerzeit oppositionellen SPD – haben 2006 ein offensichtlich nicht mal halbfertig geplantes Gebäude in Auftrag gegeben. Diese Täuschungsoperation hat bis heute Erfolg – und wird ihn weiterhin haben, wenn die Elbphilharmonie so zu Ende gebaut wird, wie es die Vereinbarung zwischen dem Scholz-Senat und Hochtief derzeit vorsieht.“

Jetzt werden die Festspielhaus-Ultras im Fanclub von Herrn Grießl sofort „Ja aber“ rufen. Die 80 Millionen Euro kommen doch von Privatinvestoren – ähnlich wie beim WCBB – kicher…..Vor kurzem hat ja wieder eine tolle Aktion stattgefunden, die die Geld-Sammelaktion von Herrn Grießl entscheidend beflügelt: Wein-Saufen für Beethoven. Bildungsbürgerlich wird das natürlich anders umschrieben:

„Vom 1998er Château Trotanoy (Pomerol, Bordeaux) und einem Château Margaux aus dem Médoc über den 1996er Supertoskaner Sassicaia aus Bolgheri bis zum australischen Kultwein Grange von Penfolds der Jahrgänge 1995 und 1996 (97 Parker-Punkte)“ kam am 11. Dezember „wahre Schätze aus dem Weinkeller eines ungenannten Beethoven-Freundes und weiteren Privatspendern zu Gunsten des Beethoven-Festspielhauses unter den Hammer.“

Man gönnt sich ja sonst nichts.

Gehen wir mal optimistisch davon aus, dass die Festspielhaus-Ultras in ihrer Fankurve noch einige Beethoven-Taler zusammenkratzen:

Wer muss denn eigentlich haften, wenn die privaten Spender nicht auf 80 Millionen Euro kommen? Und noch viel wichtiger. Wer muss einspringen, wenn wir uns in Bonn auf den Spuren von Hamburg bewegen und sich die Kosten deutlich erhöhen? Haftet dann der Herr Grießl mit seinen Festspielhaus-Ultras? Haftet die Post, die 30 Millionen Euro „in Aussicht stellt“? Wie belastbar sind denn die Finanzzusagen von Post und anonymen Spendern wirklich? Ist die Sanierung und Modernisierung der Beethovenhalle nicht wesentlich günstiger und weniger risikoreich?

Das gesamte Verfahren könnte doch in einem Beethoven 2.0-Projekt von der Bonner Bürgerschaft beurteilt werden. Herr Grießl und sein Verein sind nicht repräsentativ für die Stadt – ich natürlich auch nicht. Also liquide Demokratie zulassen und die Menschen einbeziehen.

Der arme Revolutionär Beethoven hätte zu seinem 250. Geburtstag im Jahr 2020 eine Beteiligung 2.0 verdient. Eine Beteiligungslogik, die nicht von oben aus dem Hinterstübchen der Festspielhaus-Ultras und des Oberbürgermeisters gedacht wird, sondern von unten erfolgt. Wie das geht, demonstrierte eine Gesprächsrunde vom Haus der Architektur. Natürlich live übertragen via Hangout On Air – also schön social!

Update: Die rot-grüne Ratsmehrheit hat übrigens in Bonn durchgesetzt, für die überfällige Sanierung der Beethovenhalle Geld freizuschaufeln. Sehr löblich. Entsprechend positiv reagierte die Werkstatt Baukultur Bonn:

„Die Werkstatt Baukultur Bonn begrüßt zwei wichtige Entscheidungen des Bonner Stadtrates: Das Stadthaus soll als städtische Verwaltungszentrale beibehalten und schrittweise renoviert werden, die denkmalgeschützte Beethovenhalle wird als Konzerthalle und Veranstaltungsort denkmalgerecht saniert. Beide Beschlüsse sind Bekenntnisse zu Gebäuden, die bedeutende Vertreter der Nachkriegsarchitektur sind, untrennbar mit der Bonner Stadtgeschichte verbunden sind und für das Bonner Stadtbild einen hohen Identitäts- und Wiedererkennungswert besitzen. Auch im Sinne der Nachhaltigkeit ist der Beschluss des Stadtrates als überaus positiv zu werten. Die 1959 eingeweihte Beethovenhalle ist eines der Hauptwerke des organischen Bauens, einer wichtigen Architekturströmung der Nachkriegsmoderne in Deutschland. Mit ihren Außenanlagen stellt sie ein wichtiges Denkmal für den offenen Geist der jungen Bonner Republik dar.

Beethoven und die Frage der ePartizipation in der Stadtplanung

Bekommt Beethoven 2020 im Jahr seines 250. Geburtstages in Bonn noch eine würdige Spielstätte oder nicht? Viel Zeit bleibt nicht mehr. Und die Pläne für den Neubau eines Festspielhauses, das angeblich nur 80 Millionen Euro kosten soll, sind mehr als wacklig. Wann sind solche Schätzungen eigentlich eingehalten worden? Beispiel Elbphilharmonie: Statt den geplanten 100 Millionen Euro, die anfänglich der Öffentlichkeit als Beruhigungspille präsentiert wurden, pendelt man sich mittlerweile bei satten 350 Millionen Euro ein. Soweit entfernt liegt der ursprüngliche Preis des Hamburger Konzerthauses von der Schätzung für den Bonner Wundertempel gar nicht. Und Fehlplanungen sind bei solchen Vorhaben wohl eher die Regel.

Und selbst die Baufinanzierung in Höhe von 80 Millionen Euro ist nach wie vor ungeklärt. Der Förderkreis von Herrn Grießl (da es ja auf einem privaten Engagement des Bonner IHK-Chefs beruht, braucht man in der Berichterstattung nicht ständig seine Funktion kommunizieren, dass macht der doch als Privatmann, wie mir Michael Pieck von der IHK bestätigte) kommt auf 2,7 Millionen Euro.

„Die Deutsche Post DHL hat 30 Millionen Euro in Aussicht gestellt“, wie es der General Anzeiger sibyllinisch ausdrückt.

So richtig entschieden haben sich die Postler wohl noch nicht. Dann sollen noch zwei Unternehmer bereit sein, jeweils eine Million Euro zu geben. Sie wollen anonym bleiben, sagt der Herr Grießl. Die Suche der Stadtverwaltung nach weiteren Sponsoren bei großen Unternehmen blieb bislang erfolglos. Ganz anders als bei der Investitionsruine WCCB, wo man mit dem Investor SMI Hyundai Corporation sofort auf eine Goldader stieß…..

Also steht ja die Baufinanzierung des Festspielhauses, die nicht die Kasse der Stadt belasten soll, auf einem wirklich soliden Sockel. Was beim Betrieb des Honoratiorenbaus jährlich auf die Bonner Bürgerschaft zukommt, will die Verwaltung noch nicht verraten. Ein Businessplan werde erst vorgelegt, wenn die Baufinanzierung steht, so der GA.

Klingt irgendwie nach einer neuen Köpenickiade. Nach einem Gutachten der Stadtverwaltung soll übrigens die Sanierung und der Umbau der Beethovenhalle zu einem hochwertigen Konzertsaal rund 43 Millionen Euro kosten. Ob diese Summe nun künstlich aufgebläht wurde und der Preis für das Festspielhaus nach unten gedrückt wird, kann ich nicht beurteilen. Das Gutachten für die Beethovenhalle sollten sich neutrale Experten noch einmal anschauen.

Aber unabhängig von der Notwendigkeit, die Beethovenhalle wieder im alten Glanz erscheinen zu lassen: Wer trägt eigentlich die Verantwortung dafür, dass die Beethovenhalle so herunter gewirtschaftet wurde? Schließlich wurde nicht nur die Architektur des Hamburgers Siegfried Wolske international bejubelt, sondern auch das Akustik-Konzept des Göttingers Erwin Meyer. Wer garantiert eigentlich, dass das beim Festspielhaus anders läuft, wenn nicht ausreichende Finanzmittel für den Unterhalt des Gebäudes zur Verfügung stehen – wo Bonn doch finanziell aus den Vollen schöpfen kann? Zitat aus dem GA:

„Bei den Bädern (die man schließen will, gs) geht es nach GA-Informationen weniger um das Einsparen von Betriebskosten, sondern um Millionen, die für eine überfällige Sanierung dieser Bäder benötigt würden – Millionen, die die Stadt nicht hat. Folgt man den Hunderten Seiten zum Haushaltsentwurf 2013/14, so zittert das Rathaus inzwischen bereits vor einigen 100.000 Euro, die die Stadt vom Haushaltssicherungsgesetz oder gar dem Nothaushalt trennen.“

Der Stadtkämmerer ist echt zu beneiden. Irgendwie logisch, dass er für das Festspielhaus keinen Businessplan auf den Tisch legt. Könnte ja Badebegeisterte, Sportler und Rheinkultur-Fans etwas aus der Fassung bringen.

Wer muss denn eigentlich haften, wenn die privaten Spender nicht auf 80 Millionen Euro kommen? Wer muss einspringen, wenn wir uns in Bonn auf den Spuren von Hamburg bewegen und sich die Kosten verdoppeln oder verdreifachen?

Wie belastbar sind denn die Finanzzusagen von Post und anonymen Spendern wirklich?
Ist die Sanierung und Modernisierung der Beethovenhalle nicht wesentlich günstiger und weniger risikoreich? Fragen über Fragen, die mich mir als Bonner Bürger stelle. Und Antworten möchte ich nicht nur von irgendwelchen ehrgeizigen Privatleuten, die sich lautstark für einen neuen Prachtbau ins Zeug legen. Die Antworten erwarte ich von der Stadtverwaltung, die hier politisch die Verantwortung trägt.

Und ich bin wahrscheinlich der Einzige, der sich diese Fragen stellt. Deshalb wäre es doch höchst spannend, etwas mehr ePartizipation und liquide Demokratie zu wagen. Wie das funktionieren kann, wurde bei einer Veranstaltung vom Haus der Architektur in Köln vorgestellt. Hannes Schleeh und meine Wenigkeit sorgten für die Liveübertragung im Internet via Hangout On Air.

Die beiden Hauptredner Sally Below und Julian Petrin sprachen von den Möglichkeiten der kollaborativen Wende für die Planungskultur in Städten, die das Netz bietet. Das Desaster mit Stuttgart 21 sei so etwas wie der Turning Point, so Petrin. Es gebe auch in Hamburg eine aufgeheizte Stimmung mit vielen kritischen Initiativen, die es fast unmöglich machen, nach der alten Top Down-Devise zu handeln.

Crowdsourcing the City sei ein guter Hebel, um eine neue Kultur der Beteiligung zu ermöglichen.

„Die Menschen wollen mitreden und verlangen Transparenz“, erklärt Below, die das Beispiel „Dresdner Debatte“ vorstellte.

Petrin verwies auf das Projekt nexthamburg, mit dem man neue Wege in der Planungskommunkation geht. Das Social Web biete dafür die besten Voraussetzungen, weil jeder sowohl Sender als auch Empfänger sein könne. Im Gegensatz zur üblichen Gesprächskultur von Stadtverwaltungen, politischen Gremien, Verbänden, Förderkreisen und Stiftungen.

Gleiches sollte auch in Bonn praktiziert werden. Diktate von Honoratioren gibt es genug. Bislang kommen mir die Festspielhaus-Freunde wie Kleinkinder vor. Bekommt das Lieblingsspielzeug einige Kratzer, landet es in der Ecke und man malträtiert Mutti und Vati solange, bis ein neues funkelndes Spielzeug angeschafft wird. Könnte für die Bürgerinnen und Bürger in Bonn ein teurer Spaß werden. Man sollte sie einfach mal fragen, ob sie das wirklich wollen. Die Lautsprecher Grießl und Co. sind mir einfach nicht repräsentativ genug.

Aber vielleicht wollen diese „Freunde“ auch nur eine neue faustische Sonate inszenieren.

Siehe auch:
Jeder kann ein Sender werden.

Kulturpolitischer Provinzialismus.

Festspielhaus Bonn – Noch viele Fragezeichen und kein klares Konzept für die Beethoven-Stadt

Am Mittwoch Donnerstag (24. November!) wird sich der Rat der Stadt Bonn noch einmal mit dem Festpielhaus beschäftigen. Interessant sind die Anlagen, die man zur Tagesordnung online abrufen kann. So die Antwort der Verwaltung auf eine Anfrage des BBB:

Fragestellung

Wann und durch welche Vertreter haben die beiden Unternehmen Deutsche Telekom und Deutsche Postbank dem Oberbürgermeister gegenüber erklärt, dass sie für eine anteilige Mitfinanzierung des Festspielhauses Beethoven nicht mehr zur Verfügung stehen?

Um welche Unternehmen hat es sich gehandelt, mit denen der Oberbürgermeister, wie in seinem Interview mit dem Bonner General Anzeiger vom 14.02.2011 ausgeführt, „in Gesprächen“ stand und bei denen „man keine Angst haben“ musste, dass sie als Partner „nicht mehr zur Verfügung stehen“ würden?

Antwort

Die Deutsche Telekom AG hat im September 2010 öffentlich erklärt, dass das bisherige Bauherrenmodell (3 Unternehmen gründen eine Objektgesellschaft, die das Festspielhaus errichtet und an die Betreiberstiftung vermietet) nicht mehr realistisch sei. Der Leiter des Konzern-Sponsorings der Deutschen Telekom AG hat weiterhin ausgeführt, dass man sich vorstellen könne, den laufenden Betrieb zu unterstützen.

Die Deutsche Postbank AG hat im September 2011 erklärt, sich ebenfalls am Bau des Festspielhauses nicht mehr zu beteiligen.

Keiner der beiden Unternehmen hatte in der Vergangenheit einen Vorstandsbe­schluss herbeigeführt, der eine Beteiligung am Bau des Festspielhauses vorsah. Insofern gab es keine verbindlichen Zusagen. (ah, ja! Liest man die Kommentare auf meinem Blog, die von den Freunden des Festspielhauses kamen, wurde genau der gegenteilige Eindruck vermittelt. Dabei ist an Der Finanzierung überhaupt nichts klar, gs)

Lediglich die Deutsche Post/DHL ist nach wie vor bereit, sich mit 30 Mio. EUR an der Finanzierung eines neuen Festspielhauses zu beteiligen. Allerdings liegt auch hier bisher kein Beschluss des Vorstandes vor.

Die Anmerkungen des Oberbürgermeisters im General Anzeiger Bonn vom 14.02.2011 stehen nicht im Widerspruch zu der von der der Deutschen Telekom AG signalisierten Gesprächsbereitschaft über eine mögliche Beteiligung am laufenden Betrieb des Festspielhauses. Und auch die Deutsche Postbank AG ist bereit, als mögliche Kreditgeberin zu fungieren. Soweit die Antwort.

Hier die Beschlussvorschlage (vorbehaltlich der Anhörung der Bezirksvertretung Bonn)

Der Rat der Stadt Bonn bekräftigt vor dem Hintergrund seiner Beschlüsse vom 13.06.2007 (s. Anlage 1) und 29.04.2010 (s. Anlage 2) das Ziel, die Stadt als Ort der nationalen und internationalen Pflege des Erbes Ludwig van Beethovens auszubauen. Der Rat erkennt an, dass dieses Ziel nur erreicht werden kann, wenn Bonn über ein Konzerthaus verfügt, das den heutigen internationalen Standards gerecht wird und akustisch höchsten Ansprüchen genügt. Nur mit einem solchen Haus können die strukturellen Voraussetzungen zur Umsetzung eines überzeugenden Konzepts zur Beethovenpflege geschaffen und zugleich der Beethovenstadt und dem Wirtschaftsstandort Bonn neue und nachhaltige Impulse verliehen werden. Der Rat bekräftigt das Ziel, das Konzerthaus rechtzeitig vor dem Jahr 2020 fertig zustellen, um im Jubiläumsjahr den 250.Geburtstag des Komponisten würdigen und feiern zu können.

Dazu fasst der Rat unter Berücksichtigung seines Beschlusses vom 20.10.2011 (DS-Nr.: 1113009EB5 – s. Anlage 3) die nachfolgenden Beschlüsse:

Die Verwaltung wird beauftragt, auf der Grundlage des Beschlusses des Rates vom 29.04.2010 (s. Anlage 2) ein Konzept für die nationale und internationale Beethovenpflege zu entwickeln, das gleichzeitig der Sicherung der Zukunft des Konzertstandortes Bonn dient.

(auweia, es ist peinlich, dass über das Festspielhaus so lange sinniert wird und noch nicht einmal ein programmatisches Konzept in trockenen Tüchern ist, gs)

Mit der Errichtung eines neuen Konzerthauses soll zudem das Ziel verfolgt werden, den Wirtschaftsstandort durch die Schaffung von attraktiven Rahmenbedingungen zu stärken und den Kulturtourismus aus dem In- und Ausland nach Bonn zu fördern.

2. Für die Realisierung eines neuen Konzerthauses kommt ein Abriss der denkmalgeschützten Beethovenhalle nicht in Betracht. Im Falle der Realisierung eines Konzerthauses gemäß Ziffer 4 wird die Verwaltung beauftragt, zur künftigen Nutzung der Beethovenhalle als multifunktionale Halle ein tragfähiges Konzept zu erstellen und darzulegen, welche Betriebs- und Investitionskosten in welchem Zeitraum entstehen, um dieses Konzept umsetzen zu können.

3. Die Stadt Bonn wird sich an den Investitionskosten für ein neues Konzerthaus nicht beteiligen, daher appelliert sie an die Unternehmen aus Bonn und der Region sowie an die Bürgerinnen und Bürger, sich finanziell an dem Vorhaben zu beteiligen. Die Stadt Bonn begrüßt daher ausdrücklich die von der IHK Bonn/Rhein-Sieg geplante Initiative zur Co-Finanzierung.

4. Das Konzerthaus soll in der Rheinaue (in unmittelbarer Nähe des Post-Towers (da gibt es jetzt wohl Stress mit dem Architekten, gs), Charles-de-Gaulle-Straße) errichtet werden, sofern die Finanzierung für den Neubau und den Betrieb gesichert werden kann. Eine Realisierung des Bauvorhabens am Standort der Oper und an Stelle der jetzigen Beethovenhalle wird nicht weiter verfolgt.

Die Verwaltung wird für den Standort Rheinaue beauftragt,

a) zu prüfen, ob es möglich ist, die zur Errichtung eines Neubaus notwendigen Mittel bei privaten Unternehmen einzuwerben,

b) mit dem Bund, der Sparkasse KölnBonn, dem Rhein-Sieg-Kreis und ggf. weiteren Partnern die Gründung einer Betreiberstiftung vorzubereiten. Dabei sollen Doppelstrukturen zur bestehenden Beethovenfeste gGmbH vermieden werden,

c) einen Businessplan für den Betrieb des Hauses vorzulegen, auf dessen Grundlage der Rat darüber entscheiden kann, ob und in welchem Umfang sich die Stadt – neben anderen öffentlichen und privaten Zuschussgebern – mit einem vertraglich festzuschreibenden Zuschussbetrag an den laufenden Betriebskosten beteiligt,

d) mit dem Bauherren einen Vertrag für das in städt. Eigentum befindliche Grundstück – unter Berücksichtigung der von der Stadt zu tragenden Anteile an den Erschließungskosten und an der Umfeldgestaltung – auszuhandeln, sowie mit dem Land NRW über eine Förderung von städtebaulichen Begleitmaßnahmen aus Städtebauförderungsmitteln zu verhandeln. Darüber hinaus beteiligt sich die Stadt nicht an den Investitionskosten für den Neubau.

5. Zur Wahrung der zeitlichen Abläufe im Hinblick auf eine Projektrealisierung muss bis zum 30.06.2012 geklärt werden, ob die Errichtung und der Betrieb eines neuen Konzerthauses mit Unterstützung von Dritten finanziert werden kann.

6. Die Verwaltung wird beauftragt, den Projektbeirat Festspielhaus fortlaufend zu informieren und die notwendigen Beschlüsse für den Rat vorzubereiten.

Änderungsantrag von CDU und Grünen

Der Rat der Stadt Bonn unterstreicht mit diesem Beschluss den politischen Willen, sich nach Kräften dafür einzusetzen, einen akustisch höchsten Ansprüchen genügenden Konzertsaal in Bonn rechtzeitig vor dem Jahre 2020 zu errichten, um im Jubiläumsjahr den 250. Geburtstag Beethovens angemessen feiern zu können.

Unter der Voraussetzung, dass die Deutsche Post/DHL dem Rat bis zur Sitzung am 24.11.2011 die Bereitschaft alternativ zum bisherigen Standort Beethovenhalle den Bau des neuen Konzertsaales am Standort Rheinaue/Gronau einschließlich der anteiligen Baukostenfinanzierung in Höhe von 30 Mio. Euro verbindlich zusagt, fasst der Rat unter Berücksichtigung seines Beschlusses vom 20.10.2011 (DS-Nr.: 1113009EB5 – s. Anlage 3) nachfolgenden Beschlüsse:

1. Die Verwaltung wird beauftragt, auf der Grundlage des Beschlusses des Rates vom 29.04.2010 (s. Anlage 2) ein Konzept für die nationale und internationale Beethovenpflege zu entwickeln, das gleichzeitig der Sicherung der Zukunft des Konzertstandortes Bonn dient. Mit der Errichtung eines neuen Konzertsaales soll zudem das Ziel verfolgt werden, den Wirtschaftsstandort durch die Schaffung von attraktiven Rahmenbedingungen zu stärken und den Kulturtourismus aus dem In- und Ausland nach Bonn zu fördern.

2. Für die Realisierung eines neuen Konzertsaales kommt ein Abriss der denkmalgeschützten Beethovenhalle nicht in Betracht.

3. Die Stadt Bonn wird sich an den Investitionskosten für ein neues Konzerthaus nicht beteiligen, daher appelliert sie insbesondere an die Unternehmen aus Bonn und der Region sowie an die Bürgerinnen und Bürger, sich finanziell an dem Vorhaben zu beteiligen.

4. Das Konzerthaus soll in der Rheinaue (in unmittelbarer Nähe des Post-Towers, Charles-de-Gaulle-Straße) errichtet werden, sofern die Finanzierung für den Neubau und den Betrieb gesichert werden kann. Eine Realisierung des Bauvorhabens am Standort der Oper wird nicht weiter verfolgt.

Die Verwaltung wird beauftragt,

a) mit dem Bund, der Sparkasse KölnBonn, dem Rhein-Sieg-Kreis und ggf. weiteren Partnern die Gründung einer Betreiberstiftung vorzubereiten.

b) in den finanziellen Beitrag der Stadt für den Betrieb des Konzertsaales auf ein verantwortbares Maß, das sich am durch die mittelfristigen Finanzplanung vorgegebenen Handlungsrahmen orientiert und damit keine zusätzliche Belastung für den Haushalt generiert, zu begrenzen.

c) mit dem Bauherren einen Vertrag für das in städt. Eigentum befindliche Grundstück – unter Berücksichtigung der von der Stadt zu tragenden Anteile an den Erschließungskosten und an der Umfeldgestaltung – auszuhandeln, sowie mit dem Land NRW über eine Förderung von städtebaulichen Begleitmaßnahmen aus Städtebauförderungsmitteln zu verhandeln. Darüber hinaus beteiligt sich die Stadt nicht an den Investitionskosten für den Neubau. Dies muss ausschließlich auf privater Basis erfolgen.

d) die Sanierungskosten zu ermitteln, die eingesetzt werden müssen, um die Beethovenhalle
a. als Multifunktionshalle
b. als hochwertigen Konzertsaal
zu betreiben.

5. Zur Wahrung der zeitlichen Abläufe im Hinblick auf eine Projektrealisierung muss bis zum 30.06.2012 geklärt werden, wie die Investitions- und Betriebskosten eines neuen Konzerthauses verbindlich und auskömmlich finanziert werden können.

6. Die Verwaltung wird beauftragt, den Projektbeirat Festspielhaus fortlaufend zu informieren und die notwendigen Beschlüsse für den Rat vorzubereiten.

Soweit die Beschlussvorlagen. Das klingt nicht nach einer kommunalpolitischen Meisterleistung, die sich im Rat der Stadt abspielt…..

Siehe auch:

Beethoven und die angeblich erwachte Provinz im Bonner Rathaus.

Beethoven und die angeblich erwachte Provinz im Bonner Rathaus

Ein JUler in Bonn hat sich aufgeschwungen, eine Replik auf meine Montagskolumne im Debattenmagazin The European zu fabrizieren.

Hier nun meine Re-Replik:

Aus meiner Anthologie fachlicher Reaktionen zur Einweihung der Beethovenhalle kann auch der JUler aus Bonn klar erkennen, was in den vergangenen Jahrzehnten mit dem Gebäude passiert ist und wie man das architektonische Vorzeigeprojekt heruntergewirtschaftet hat zum Partyhaus für einsame Herzen.
Herr Sohn möchte die Beethovenhalle nicht für einen Konzertsaal „umrüsten“, sondern jene Funktion wiederherstellen, die dem Glanz der Beethovenhalle zusteht. Hier liegt Ihre kommunalpolitische Verantwortung. Und der JU-Bonn-Chef sollte doch nicht in der Wir-in-Bonn-Form reden, wenn es um die Hon0ratioren-Interessen der Festspielhaus-Freunde geht, die keine Gelegenheit ausgelassen haben in der Vergangenheit, die Beethovenhalle madig zu machen. Machen Sie doch eine Bürgerbefragung, dann werden Sie sehen, ob eine Mehrheit für den Bau des Festspielhauses ist. Wie gut die Stadt die Betriebskosten kalkulieren kann, möchte ich an dieser Stelle gar nicht kommentieren. Da haben Sie wohl im Rathaus derzeitig ganz andere Probleme. Ob das mit den DAX-Konzernspenden und dem Standort dann noch so rund laufen wird, weiß wahrscheinlich keiner so richtig.

Und ein Neubau eines Konzertsaales macht aus Bonn nicht direkt Salzburg oder Bayreuth – Beethovenfest hin oder her. Masse ist nicht gleich Klasse. Warum Bonn nicht „die“ Beethovenstadt mit internationalem Ruf ist, konnte auch der JU-Funktionär nicht beantworten.

Wo man als Beethovenstadt wirklich steht, hat Andreas Rossmann in der FAZ im März sehr eindrucksvoll dargelegt. Stichwort: Das Beethoven-Werk und die Provinz. So ist über das Beethoven-Geburtshaus zu lesen:

„Die Beleuchtung ist funzelig, die Rezeptionsgeschichte kein Thema, und die Beschriftung – obwohl hier ganze Rheindampfer voller Asiaten durchgeschleust werden – ausschließlich in deutscher Sprache. Weniger eine vergangene Lebenswelt als inszenierte Aura ist zu besichtigen. Das (angebliche) Geburtszimmer ist ihre Krönung: Nur eine steinerne Statue steht in dem leeren Raum: Wo Erläuterungen fehlen, ist begriffsloses Staunen angesagt. Seit 1995 wurde hier kaum etwas verändert: Der ausgestellte Stillstand ist ein Bild für den Zustand des Hauses, das neben Museum auch Archiv und mit dem 1989 eröffneten Kammermusiksaal sogar Konzertveranstalter ist. Die wissenschaftliche Arbeit stand lange in der Kritik, die Gesamtausgabe, Ende der fünfziger Jahre begonnen, ist gerade einmal zur Hälfte gediehen. Erst 1998 wurden die Leiter der drei Sektionen einem Direktor unterstellt. Andreas Eckhardt, bis 2009 im Amt, hat sich allein schon mit der Erwerbung der Diabelli-Variationen ein Denkmal gesetzt (F.A.Z. vom 28. April 2007 und 21. Dezember 2009). ‚Er war ein wunderbarer Kommunikator‘, sagt ein guter Kenner des Instituts, der nicht genannt werden will, ‚aber die Käseglocke über der Ausstellung hat er nicht angerührt.‘ Den Reformstau aufzulösen und das Haus ins Jahr 2020 zu führen, in dem Beethovens zweihundertfünfzigster Geburtstag gefeiert wird, waren die ersten Anforderungen an den Nachfolger. Nach intensiver Suche einigte sich der Vorstand, ein Elferrat, bestehend aus zehn älteren Herren und einer Dame, auf einen Kandidaten, der ihn voll und ganz überzeugte: den Musikwissenschaftler und Juristen Philipp Adlung, Jahrgang 1965. Anfang 2007 hatte er in Halle das Händel-Haus übernommen und sich für größere Aufgaben empfohlen: indem er das angestaubte Institut in eine Stiftung überführte, die Modernisierung voranbrachte und eine neue Dauerausstellung einrichtete. Am 1. Juli 2009 trat Adlung in Bonn an“, schreibt Rossmann.

Ein knappes Jahr später legte der neue und inzwischen wieder rausgeekelte Direktor ein Papier vor, das eine schonungslose Bestandsaufnahme und den Entwicklungsplan „Beethoven 2020“ enthält. Auf vier engbedruckten Seiten werde ein Bedeutungsverlust „in Gestalt von Besucherrückgängen und vor allem Spitzen-Beethovenforschung an anderen Orten“ konstatiert: „Die Antwort auf diese bedenkliche Entwicklung liegt in einer umfassenden ,Öffnung‘ des Hauses.“ Vor allem auf die Erneuerung des Museums werde gedrängt: „Die Ausstellung“ gleiche „eher einer Weihestätte mit kultischem Anstrich als einem besucher- und benutzerfreundlichen Haus mit einem echten Vermittlungsanliegen“. Von einer überfälligen Reform ist man weiter entfernt denn ja. Der Klüngel bleibt unter sich. Träumt im Rathaus also nicht von einem Salzburger Festspielniveau mit Weltgeltung, sondern macht Eure Hausaufgaben.

Blicke auf Bonn: Von der Beethovenhalle bis zu den Binnenschiffern – Tätigkeitsbericht des Beschaffungsamtes


Blicke auf Bonn nennt sich der Tätigkeitsbericht des Beschaffungsamtes des Bundesinnenministeriums, der gleichzeitig als Jahreskalender verwendet werden kann. Eine hübsche Idee.

Für die Fotostrecke wurde die virtuelle Ausstellung „Bonn in 100 Tagen“ ausgewählt. „Wie bereichernd es sein kann, Dinge in einem anderen räumlichen und optischen Zusammenhang wahrzunehmen, dokumentieren Volker Lannert und Benjamin O’Daniel eigentlich online – und nun auch mit ihren Fotos in diesem Kalender“, schreibt Klaus-Peter Tiedtke, Direktor des Beschaffungsamtes im Vorwort.

Die Fotoarbeiten der beiden Bonner Journalisten regen die Sinne an, lenken den Blick auf bisher Unentdecktes und machen wieder neugierig auf das scheinbar Alltägliche. Auch baukulturelle Kostbarkeiten, wie die Beethovenhalle, werden abgebildet. Zu Beethoven in Bonn schreibt das Beschaffungsamt: „Die Beethovenhalle, benannt nach dem größten Sohn der Stadt. In den Fenstern des Konzerthauses spiegelt sich der Herbst – während die Halle ihren zweiten Frühling erlebt. Eigentlich sollte sie einem Festspielhaus Platz machen, doch viele Bonner haben sich für den Erhalt eingesetzt“, so das Beschaffungsamt des Bundesinnenministeriums!

Recherche Bonner Festspielhaus – Warum wurde die Beethovenhalle nicht miteinbezogen?

Wie kann man denn eigentlich die Post-Spende eines ganzen Festspielhauses einordnen und planerisch bewerten, wenn als Konsequenz ein städtisches Gebäude wie die Beethovenhalle abgerissen werden soll?

Der Abriss-Fan von der Bonner CDU, Herr Stephan Eisel, hat das in seiner Kommentarlaune ja schon gepostet: „Der Deutsche Bundestag hat im Herbst 2007 das Projekt einer ‚Stiftung Festspielhaus Beethoven‘ in Bonn in die Liste für ’national bedeutsame Kulturinvestitionen‘ aufgenommen und dafür eine Bundesförderung in Höhe von 39 Mio Euro beschlossen. Das Geld ist nicht für kommunale Kulturpolitik nutzbar. Die Bonner DAX-Unternehmen Post AG und Postbank wollen in Bonn ein neues Festspielhaus Beethoven bauen, dafür 75-100 Mio Euro ausgeben und es spielfertig einer Stiftung für den Betrieb übergeben. Vorschläge von zehn internationalen Spitzenarchitekten für ein Haus mit einem Konzertsaal mit weltweit anerkannter Spitzenakustik und -architektur liegen vor. Die Entwürfe von Zaha Hadid und Hermann & Valentiny wurden von einem Expertenkreis in die engere Wahl genommen….Für das Stiftungskapital hat der Bund bereits 39 Mio Euro zugesagt. Außerdem liegt bereits die Zusage des Rhein-Sieg-Kreises über 3 Mio Euro und der Sparkasse Köln-Bonn über 5 Mio Euro vor. Das Land hat eine Million Euro jährlich zugesagt. Auch die Telekom AG ist bereit, zur Finanzierung des Betriebes beizutragen. Offen ist noch die Höhe der Beteiligung der Stadt. Da das neue Festspielhaus die Beethovenhalle ersetzt, spart die Stadt Geld: Ca. 1,5 Mio Euro an jährlichen Betriebskosten für die jetzige Halle und die absehbaren Grundsanierungskosten von mindestens 20 Mio Euro. Für die alte Beethovenhalle gibt es keinen Nutzungsbedarf, wenn die klassische Musik in einem Festspielhaus gespielt wird. Die Stadt sollte zum Stiftungskapital beisteuern, was sie durch den Wegfall der Beethovenhalle spart. Da das Festspielhaus kein kommunales Kulturprojekt ist, kann seine Finanzierung auch nicht zu Lasten des kommunalen Kulturhaushaltes gehen“, soweit ein kleiner Ausschnitt der Blog-Kommentare des Herrn Eisel.

Aber wo liegt jetzt die politische Verantwortung für das Projekt? Wer ist vergaberechtlich zuständig? Wer bewertet die Vorauswahl der Architekten? Warum wurde eigentlich für das Festspielhaus kein Entwurf genommen, der die Einbeziehung der Beethovenhalle vorzieht? Wer zahl die Zeche für die Unterhalt des Hauses? So schreibt Doro Schmitz in einem Leserbrief an den General Anzeiger: „Auch bei einem ‚Geschenk‘ der nunmehr noch zwei verbliebenen DAX-Unternehmen (Post und Postbank), die den Bau sponsern, verbleibt als ‚Geschenk für den Bonner Steuerzahler‘ die enorme Zeche des Festspielhausbetriebs zu zahlen. Schätzungen des von den Sponsoren mit einem Konzept beauftragten Karsten Witt zufolge sind jährliche Betriebskostenzuschüsse seitens der Stadt in Höhe von 4,7 Millionen Euro zu erwarten“, so Doro Schmitz. Offiziell ging man doch von 3,8 Millionen Euro Betriebskosten für die Stadt aus. Sind die Kosten nun doch höher?

Was ist mit den Kosten für den Abriss der Beethovenhalle? Ein Experte sagte mir, dass das bei rund 5 Millionen Euro liegen könnte.

Der Bonner Architekt Peter Baumgärtner stört sich an der Arroganz des Festspielhaus-Architekten Valentiny: „Wenn Herr Valentiny glaubt, daß ihm die Entscheidungsstrukturen in China besser gefielen, dann möge er bitteschön da bauen, ich rate ihm aber seine Zunge zu hüten, das freie Wort liegt dort in Ketten. Die Öffentlichkeit soll nicht darüber entscheiden, welcher Entwurf umgesetzt wird, aber sie muß darüber befinden dürfen, wofür ihr Geld eingesetzt wird und man muß ihr vor der Entscheidung verlässliche Zahlen vorlegen. Die finanziellen Vorzüge des Schnäppchens Kongreßzentrum haben wir schon genug genossen. Wenn die Befürworter des Festspielhauses einem solchen Redner applaudieren, diskreditieren sie sich selbst.“

Warum wurde die Beethovenhalle in die Planungen nicht miteinbezogen? „Fest steht, dass es im Ausschreibungstext für den Architekten-Wettbewerb die Vorgabe gab, das Gebäude im wesentlichen zu erhalten, da es unter Denkmalschutz steht“, so Peter Finger von den Grünen. Die Beethovenhalle sei Teil der Geschichte der Stadt Bonn als Bundeshauptstadt und Regierungssitz. „Die meisten Entwürfe zum Beethoven-Festspielhaus haben diese Vorgabe des Denkmalschutzes nicht berücksichtigt. Ich bin der Überzeugung, dass es – ungeachtet der vielen anderen offenen Fragen im Zusammenhang mit dem Festspielhaus – gelungene architektonische Lösungen gibt, bei denen die wesentlichen Gestaltungsmerkmale der Beethovenhalle (Erscheinungsbild des Hallenkörpers, das Foyer mit den Wandmalereien von Joseph Fassbender) im Sinne des Denkmalschutzes erhalten werden können“, erklärt Finger.

Fragen über Fragen, die die Festspielhausfreunde noch nicht so richtig beantwortet haben. Zum Vergaberecht wollte ich es etwas genauer wissen und schickte folgende Mail an die Pressestelle der Stadt Bonn:

Sehr geehrte Frau Dr. Hörig,

ich recherchiere zum Thema Bonner Festspielhaus (auch wenn das Projekt zur Zeit auf Eis liegt) und möchte Sie bitten, mir den seinerzeit veröffentlichten öffentlichen Ausschreibungstext zum Neubau des Festspielhauses zu übersenden.

Desweiteren bitte ich um Beantwortung folgender Fragen:
1) Wieviele Angebote wurden eingereicht, die den formalen Kriterien entsprachen?
2) Wieviele nicht berücksichtigte Bieter haben ein Konzept eingereicht, das den Erhalt der Beethovenhalle im Gesamtkonzept berücksichtigt?
3) Bitte übersenden Sie mir auch die Preisfolgeliste der Angebotsauswertung. Um das Geschäftsgeheimnis nicht zu verletzten bin ich damit einverstanden, die Namen der Bieter zu schwärzen.

Vielen Dank für Ihre Bemühungen
Gunnar Sohn

Da bekomme ich von der Stadt Bonn folgende Antwort:

Hallo Herr Sohn,
bitte wenden Sie sich an die Deutsche Post AG, die den Architekturprozess damals organisiert hat.

Schöne Grüße
Monika Hörig

Dr. Monika Hörig
Bundesstadt Bonn
Stellvertretende Pressesprecherin
Presseamt
Stadthaus, Berliner Platz 2, 53111 Bonn
Telefon +49(0)2 28.77 2112
Telefax +49(0)2 28.77 2468
E-Mail monika.hoerig@bonn.de
Internet http://www.bonn.de

Merkwürdig, wie dieser Prozess abläuft. Dagegen ist Stuttgart 21 ja noch richtig gut durchschaubar. Ich werde meine Fragen also an den DAX-Konzern richten. Bin gespannt, ob ich von dort wieder an die Stadt verwiesen werde, oder an die Stiftung oder an die Festspielhausfreunde. So macht die Recherche richtig Spaß.

WDR-Magazin west.art: Beethovenhalle als Zeichen für den politischen Neuanfang der Bundesrepublik

http://twitter.com/#!/gsohn/status/2306030616711168

Schöner Fernsehbeitrag über den Denkmalschutzpreis 2010 für Bonner Kunstgeschichtsstudenten.

Siehe auch:
Meilensteine der Demokratie.

Diskurs über die Nachkriegsmoderne vonnöten – Baudenkmäler wie die Beethovenhalle gehören zur Identität der Bundesrepublik. Auszug:
Selten erfahren Bauwerke einer gerade zurückliegenden Epoche eine große Wertschätzung. Derzeit ergeht es vielen bedeutsamen Bauten der Nachkriegsmoderne so. 50 Jahre wurden die Gebäude sich selbst überlassen; Bauerhaltung, Instandsetzung, Renovierung oder Sanierung erfolgten so gut wie nicht. Deshalb sei es wichtig, so Professor Michael Braum von der Bundesstiftung Baukultur, über diese Themen in der Öffentlichkeit vehementer zu streiten, wie es derzeit bei Stuttgart 21 der Fall ist. „Baukultur muss wehtun“, so Braum beim Netzwerktreffen mit Architekten und Publizisten im Kölner „Kulturzentrum am Neumarkt“, das in Kooperation mit dem Haus der Architektur veranstaltet wurde.
Von einer Baukultur als Gesamtkunstwerk sei man noch weit entfernt.

Das zeige die Baukultur des Alltags: „Sind es die eingezäunten Straßenbahntrassen, die miserablen Brücken, die unsäglichen, dem ordnungsrechtlichen Überregulierungswahn entsprechenden Schilderwälder, die Lärmschutzwände, die wärmegedämmte Fassaden, unsere photovoltaischen Dachlandschaften oder einfach nur unsere Bahnhöfe und Bahnhofsvorplätze, um nur einige ganz offensichtlichen baukulturellen Desaster zu nennen“, sagte Braum in seiner Eröffnungsrede.

Man müsse bessere Wege finden, die Öffentlichkeit, die Baukultur alltäglich nutzt, mitzunehmen. „Die Möglichkeiten reichen dabei von einer transparenten und frühzeitigen Kommunikation bis zur begleitenden aktiven Beteiligung. Wir müssen eine Akzeptanz dafür schaffen, Neues zu bauen, Altes zu bewahren und Vorhandenes zu pflegen“, so das Plädoyer des Stiftungspräsidenten. Man müsse die Nachkriegsmoderne weiterdenken und nicht verdrängen, forderte Jörg Jung von der Initiative „Mut zur Kultur“ in seinem Vortrag. Man benötige den öffentlichen Diskurs über die Zukunft von Bauten, die zur Identität der Bundesrepublik Deutschland gehören. Dazu zähle das Schauspielhaus in Köln und die Beethovenhalle in Bonn.