
„Lern programmieren und du hast einen sicheren Job, hieß es lange. Jetzt schreibt plötzlich die Künstliche Intelligenz den Code – und macht einen Teil der Informatiker überflüssig“, behauptet Alexander Wulfers in einem Beitrag der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Bestätigung findet der Autor in Aussagen von Jensen Huang. Er ist Ingenieur und Chef des Chipherstellers Nvidia. Er ist einer der großen KI-Gewinner und wurde vor Kurzem gefragt, was junge Menschen heute studieren sollten. Huang antwortete: Biologie. „In den letzten zehn bis 15 Jahren hat Ihnen fast jeder gesagt, es sei wichtig, dass Ihre Kinder Informatik lernen. Heute ist das Gegenteil wahr. Es ist unsere Aufgabe, dass niemand programmieren lernen muss. Jeder ist jetzt ein Programmierer.“
„Erste Anzeichen dieses Wandels gibt es bereits auf dem Arbeitsmarkt. Das Beratungsunternehmen Index hat für die F.A.S. Stellenanzeigen in Deutschland auf die Relevanz von IT-Fähigkeiten ausgewertet. Das Ergebnis zeigt nach Jahren des Wachstums nun einen deutlichen Abwärtstrend. Die Stellenausschreibungen für Softwareentwickler sind im Jahr 2023 um 9 Prozent zurückgegangen. Anzeigen, die explizit die am weitesten verbreiteten Computersprachen als Voraussetzung nennen, gab es ebenfalls weniger: 4 Prozent weniger Nachfrage für Python, 10 Prozent für HTML, 13 Prozent für Javascript. Der Abwärtstrend mag auch etwas mit der Rezession zu tun haben, aber nicht nur: Die Gesamtzahl aller Stellenanzeigen wuchs im selben Zeitraum um 3 Prozent. Hinzu kommt: Im selben Zeitfenster stieg die Nachfrage nach KI-Fähigkeiten in Stellenausschreibungen besonders stark an, wie Index zuvor für den F.A.Z.-Newsletter ‚D:Economy‘ ausgewertet hat“, schreibt Wulfers.
Witzig. Wir – also Winfried Felser, Annina Hering und meine Wenigkeit – waren wohl die Ersten, die Stellenanzeigen als Konjunkturbarometer herangezogen haben. Auch für arbeitsmarktpolitische Feinanalysen. Ob der von Index darlegte Trend dauerhaft so anhält, bezweifeln Sohn@Sohn.
Die strategische Neuausrichtung großer Tech-Unternehmen auf KI, wie sie von SAP-Chef Christian Klein angekündigt wurde, verdeutlicht die Notwendigkeit für Programmierer, ihre Fähigkeiten anzupassen und weiterzuentwickeln. Diese Verschiebung erfordert nicht nur technische, sondern auch ethische, soziale und kreative Kompetenzen. Erfahrene Programmierer stehen vor der Herausforderung, KI-Systeme zu trainieren, zu überwachen und ethisch zu gestalten – eine Rolle, die weit über das traditionelle Programmieren hinausgeht.
Die Bildung und Weiterbildung in der IT-Branche müssen sich an diese neuen Realitäten anpassen. Universitäten und Bildungseinrichtungen sind gefordert, Curricula zu entwickeln, die nicht nur technische Fähigkeiten vermitteln, sondern auch kritisches Denken, ethische Überlegungen und interdisziplinäres Wissen fördern. Die Fähigkeit, mit KI zusammenzuarbeiten und sie zum Wohle der Gesellschaft einzusetzen, wird zum entscheidenden Faktor.
Während KI die Grenzen dessen, was möglich ist, erweitert, werden erfahrene Programmierer und Entwickler an der Spitze dieser Bewegung stehen. Sie sind die kritischen Denker, die Ethiker, die Innovatoren – diejenigen, die die Richtung vorgeben, in die sich unsere technologische Zukunft entwickelt. In dieser neuen Ära der Programmierung zählt nicht die Fähigkeit, Code zu schreiben, sondern die Fähigkeit, mit KI zusammenzuarbeiten, um kreative, innovative und ethisch verantwortungsvolle Lösungen zu schaffen.
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Genügend Stoff für die Zukunft Personal Süd in Stuttgart am 5. und 6. März. Wir werden da wieder aktiv sein und uns zu den Trendergebnissen des FAZ-Newsletter D:Economy umhören.