Zukunft Personal Nachgefragt Day – Live von der Online Educa Berlin: Vier Stunden Zukunft der Arbeit

Zukunft Personal Nachgefragt Day – Live aus Berlin: Vier Stunden Zukunft der Arbeit
📅 Donnerstag, 4. Dezember 2025 | 10:00–16:00 Uhr
📍 Live von der Online Educa Berlin (OEB) 2025 | Streaming auf LinkedIn, YouTube und Co.


Am 4. Dezember senden wir den Zukunft Personal Nachgefragt Day erstmals live von der Online Educa Berlin (OEB) – Europas wichtigste Konferenz für technologisch gestütztes Lernen und Personalentwicklung.

Ein Tag wie ein Programmheft der Zukunft: Vier Sessions, vier Themen, vier Blickwinkel auf die neue Arbeits- und Lernökonomie. Zwischen Learning Tech, KI und Human Skills geht es um die große Frage, wie Unternehmen, Politik und Bildung gemeinsam die Arbeitswelt von morgen gestalten.


🎬 10:00–10:45 Uhr

1️⃣ Review Zukunft Personal – Erkenntnisse… was bleibt!
Der Auftakt blickt zurück – und nach vorn.
Nach einem Jahr voller Transformation, Fachkräftemangel und KI-Dynamik fragen wir:
Was bleibt von den Impulsen der Zukunft Personal Events 2025 – und was prägt 2026?
Im Mittelpunkt steht die aktuelle Studie des Think Tank Innovation, deren Thesen weit über das Messejahr hinausreichen. Sie liefert Orientierung für HR-Strateg:innen, Entscheider:innen und Innovator:innen – in einer Zeit, in der KI, Datenkompetenz und neue Arbeitsmodelle das Personalmanagement neu definieren.
💬 Mit Stimmen aus Wissenschaft, Wirtschaft und der ZP-Community.
🎯 Ziel: Erkenntnis in Konsequenz verwandeln.


🕚 11:00–11:45 Uhr

2️⃣ Zukunft ohne Nachwuchs? – Was der Fachkräftemangel wirklich kostet
Der Fachkräftemangel ist keine Prognose mehr – er ist Realität.
Er dämpft Wachstum, gefährdet Innovationskraft und wird zum neuen Wohlstandsrisiko.
In dieser Session geht es um harte Zahlen und politische Konsequenzen:
👉 Wie stark bremsen fehlende Kompetenzen die Wirtschaftsleistung?
👉 Was hilft wirklich – Zuwanderung, Ausbildung oder Automatisierung?
👉 Warum scheitern viele Initiativen im Klein-Klein?
Eine Diskussion über mutige Fachkräftestrategien – und über die Frage, ob Demografie zur neuen ökonomischen Schicksalsfrage wird.


🕓 14:00–14:45 Uhr

3️⃣ KI am Arbeitsplatz – Wer steuert hier eigentlich wen?
Künstliche Intelligenz verändert Arbeit in Echtzeit – sie bewertet, empfiehlt, entscheidet mit.
Doch wer behält die Kontrolle?
In dieser Session diskutieren Expert:innen, wie agentische Systeme, Decision Automation und algorithmische Performance-Messung das Verhältnis von Mensch und Maschine neu ordnen.
👉 Was kann HR mit KI – und was muss sie können?
👉 Wie regulieren wir Verantwortung, wenn Entscheidungen in Millisekunden fallen?
👉 Warum die Technologie schneller ist als der Diskurs.
Vom Tool zur Transformation: KI wird zum Betriebssystem der Zukunft – aber nur, wenn wir sie verstehen, gestalten und begrenzen.


🕔 15:00–15:45 Uhr

4️⃣ Wie Hidden Champions neue HR-Pfade gehen
Die Deep-Tech-Wirtschaft wächst – und mit ihr der Wettbewerb um Köpfe.
Robotik, Quantentechnologie, Cybersecurity – die neue industrielle Intelligenz verlangt nach neuen Formen des Personalmanagements.
👉 Wie verändert Deep Tech den Arbeitsmarkt?
👉 Welche Strategien brauchen Mittelständler, um Talente global zu gewinnen und zu halten?
👉 Warum müssen Talentstrategien künftig georealistisch gedacht werden – zwischen Standort, Sicherheit und Skalierung?
Eine Session über die Zukunft der Arbeit im Hochtechnologiesektor – und die Menschen, die sie möglich machen.


🎥 Live von der Online Educa Berlin (OEB) 2025

Die OEB gilt als internationaler Hotspot für Learning Innovation, EdTech und digitale Transformation.
Inmitten von Lern-Apps, AR-Systemen, KI-Tools, Learning-Management-Plattformen und neuen Raumkonzepten senden wir aus dem Epizentrum technologischer Bildungstrends – direkt dorthin, wo Lernen, Arbeiten und Technologie ineinandergreifen.


Der Zukunft Personal Nachgefragt Day verbindet Debatte, Forschung und Praxis – aus Berlin in die Welt.
Ein Tag, an dem Erkenntnis zur Konsequenz wird.
Ein Programm für alle, die Zukunft nicht nur beobachten, sondern gestalten wollen.

📡 Live am 4. Dezember von 10:00 bis 16:00 Uhr auf LinkedIn
Constantin Sohn, Gunnar Sohn & Gäste

Yogeshwar & Schätzing rechnen ab: Warum Europas klügster KI-Weg die Rechenzentren der USA kollabieren lassen könnte #RhAInlandDay

Mit einer spektakulären These sorgt Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar auf dem in Siegburg für Aufsehen:

„Irgendwann kommen kluge Köpfe in Europa und sagen: Wir haben ein Modell, das braucht nur einen Bruchteil der Computerpower – und dann kollabieren die großen Datencenter in den USA.“

Im Zentrum der Diskussion mit Bestsellerautor Frank Schätzing steht nicht nur die technische, sondern auch die politische und wirtschaftliche Wende in der KI-Entwicklung. Während die USA und China in ein immer gigantischeres Wettrennen um Rechenleistung und GPU-Farmen eingestiegen sind, plädiert Yogeshwar für einen europäischen Weg: neue Rechenmodelle, weniger Energie, mehr architektonische Intelligenz.

Frank Schätzing bringt die gesellschaftliche Blockade auf den Punkt:

„Wir waren ein Land, das das Meiste richtig machen wollte – und sind zu einem geworden, das das Wenigste falsch machen will.“

Die Diskussion liefert mehr als Visionen: Es geht um eine fundamentale Kritik am Rechenmacht-Mantra des Silicon Valley – und um Europas letzte Chance auf technologischen Einfluss. KI als Investition in Produktivität? Ja – aber nur mit Mut zur Disruption.

#Schätzing #KünstlicheIntelligenz #Produktivität

Zwischen Kettensäge und Gießkanne: Wie die Soziale Marktwirtschaft neu kultiviert werden muss @haucap @BMWE_ @GrimmVeronika

Wettbewerb und wirtschaftliche Freiheit sind das normative Fundament der Sozialen Marktwirtschaft. Nur eine funktionierende Wettbewerbsordnung verbindet Wachstum mit sozialer Gerechtigkeit. In Zeiten tiefgreifender Umbrüche muss dieser Kern aktiv verteidigt werden: Freiheit ist kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für Innovation und Wohlstand. Die soziale Komponente verlangt zugleich, dass staatliche Rahmenbedingungen Fairness garantieren. Ein klares Wettbewerbsregime bildet so das „Salz in der Suppe“ einer gerechten Wirtschaftsordnung.

Reiche räumt auf: Agenda 2030 und marktwirtschaftlicher Reformkurs

Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche umriss auf dem Symposium eine Art Agenda 2030 für Deutschland. Im Geiste Ludwig Erhards proklamierte sie: „Mehr Wettbewerb, weniger Staat“. Sie skizzierte fünf Leitlinien, um die Wirtschaft wieder „in Fahrt“ zu bringen.

  • Mehr Freiräume und Eigenverantwortung
  • Tragfähige Staatsfinanzen (Schuldenabbau)
  • Verbesserte Aufstiegschancen und Bildungschancen
  • Verzahnung von Wirtschafts- und Sicherheitspolitik
  • Starkes europäisches Teamplay

Dabei forderte Reiche einen konsequenten Entbürokratisierungs‑ und Deregulierungs‑Kurs: Die staatliche Steuerung „bis ins allerkleinste Detail müsse ein Ende haben“. Subventionen sollen „rückwirkend auf den Prüfstand“ und Förderprogramme strikt auf ihre Wirksamkeit hin gestutzt werden. Energiepolitik müsse marktwirtschaftlicher gestaltet und Kosten gesenkt werden. Insgesamt betonte die Ministerin, Deutschland brauche einen wirtschaftspolitischen Paradigmenwechsel – weniger kleinteilige Planung, mehr Wachstumsanreize. Mit anderen Worten: Die Regierung signalisiert, mit der Heckenschere statt der Kettensäge zu schneiden – gezielt reformieren statt radikal umstürzen.

Wettbewerb stärken statt Protektion: Haucaps ordnungspolitische Lektion

Der Wettbewerbsökonom Prof. Justus Haucap mahnte in die gleiche Richtung: Statt neue Sonderrechte zu gewähren, müsse der Wettbewerb überall gestärkt werden. Er stößt sich etwa am geplanten Besonderen Schutz für Apotheker und warnt, dass solche Sonderregelungen kontraproduktiv seien. Deutlich positiver bewertet Haucap dagegen Vorstöße zu mehr Wettbewerb in Bereichen wie Post, Bahn und Energie. Sein Credo ist ordnungspolitisch klassisch: Marktöffnung und Konkurrenzdruck statt Protektionismus. Damit liegt er ganz auf Reiches Linie, denn echte Dynamik entsteht nur, wenn Unternehmen miteinander konkurrieren können. Praktisch heißt das: Monopolen und Staatskonzernen auf die Finger schauen, Marktzutritt erleichtern und Privatisierungen dort vorantreiben, wo der Staat zum Wachstumshemmnis wird. Haucap mahnt also eine marktorientierte Reformökonomie an, die sich von Erhards Grundregeln leiten lässt.

Resilienz als Gärtnerarbeit: Brunnermeiers Metapher

Der Internationale Finanzökonom Markus Brunnermeier brachte das Bild eines Gärtners ins Spiel: Eine widerstandsfähige Wirtschaftspolitik müsse behutsam, nicht zerstörerisch sein. Die Metapher lautete sinngemäß: Anstatt mit der Kettensäge radikal alles abzuschneiden, sollte man mit der Heckenschere gezielt trimmen und den Boden düngen. In der Analogie kultiviert der Gärtner den Garten – er pflanzt Vielfalt, beseitigt nur verkorkstes Wachstum und stärkt das Ökosystem Dieses Bild war in Zeiten geopolitischer Spannungen und mehrfacher Krisen zentral. Es steht für ein Maßhalten: Eingriffe und Reformen sind nötig, aber in Maßen. Brunnermeier warnte implizit davor, ökonomische Risiken vollständig auszuschließen – die Krisenresistenz wächst nicht durch Abschottung oder Extremschnitte, sondern durch kluge Diversifizierung und Stabilitätsmechanismen. Seine Botschaft: Pflegen wir unseren wirtschaftlichen „Garten“ sorgfältig, sonst büßen wir langfristig an Prosperität.

Sondervermögen: Pflaster oder Wachstumstreiber?

Der neue Sondervermögenstopf „Infrastruktur und Klimaneutralität“ (SVIK) soll Milliarden für Verkehr, Bildung, Digitalisierung und Forschung mobilisieren. Rein technisch könnte er enormes Wachstumspotenzial freisetzen. Doch bisher gleicht er eher einem kurzfristigen Pflaster: Der Bund nutzt den Topf teils, um Haushaltslöcher zu stopfen, statt neue Projekte zusätzlich zu finanzieren. Anstatt echten Investitionszuwachs ermöglicht das Sondervermögen kaum zusätzliche Hebelwirkungen – es transferiert nur Gelder aus dem normalen Etat. Das unterhöhlt das ohnehin hohe Investitionsdefizit. Branchenkenner warnen, dass SVIK ohne klare Zusätzlichkeit nur eine „Stimmungsaufhellung“ bleibt, die über strukturelle Reformschwächen hinwegtäuscht. Was zu tun ist, liegt auf der Hand: Die Mittel müssen stringenter verwendet werden – weg von Pauschalhaushaltsauflagen, hin zu konkreten, nachhaltigen Großprojekten. Investitionen sind nötig, aber nur wenn sie Produktivitäts- und Innovationskapazitäten stärken (z.B. Netzausbau, KI, erneuerbare Energiequellen). Einfaches Geldausgeben kann keine Dauerlösung sein – ohne tiefgreifende Entbürokratisierung bleiben Milliarden wirkungslos.

Globales Gerangel um Wirtschaftsmodelle

Deutschland steht zwischen zwei Extremen. Auf der einen Seite propagieren Tech-libertäre wie Elon Musk und Argentiniens Präsident Javier Milei radikale Kürzungen: Mit der Kettensäge treten sie an (symbolisch gesehen) und wollen Staatsausgaben und Bürokratie stutzen Auf der anderen Seite gibt es staatsdirigistische Ansätze, etwa von US-Politiker Zohran Mamdani, der als demokratischer Sozialist Mietendeckel, kostenlosen Nahverkehr und Kinderbetreuung durch höhere Spitzensteuern fordert. Beide Modelle haben in jüngster Zeit Zulauf: Die einen versprechen frischen Aufbruch durch „freiheitsfixierte“ Reformen, die anderen soziale Gerechtigkeit durch staatliche Allokation. Die deutsche Soziale Marktwirtschaft muss sich da positionieren – nicht im Gleichschritt hinter ideologische Extremen her. Sie braucht weder einen Überwachungsstaat noch eine Enthemmung der Märkte. Stattdessen gilt es, international zu vermitteln: Zwischen den Prophezeiungen der Kettensäge-Ökonomik und den Utopien bürokratisch zentralisierter Planwirtschaft setzt man auf europäische Kooperation, faire Spielregeln im Welthandel und ethische Standards (etwa bei KI oder Lieferketten). Deutschland kann zeigen, dass Freiheit und Sozialstaat kein Gegensatz sind, sondern sich ergänzen: Eine exportorientierte Industrie neben einer handlungsfähigen Sozialversicherung, technologische Pionierleistungen neben Klimaengagement.

Heckenschere statt Kettensäge

Wirtschaftspolitisch konkret bedeutet das: Wir brauchen Wachstum durch Innovation und fairen Wettbewerb, jedoch durchdacht und nachhaltig. Fünf Schritte könnten den Kurs vorgeben: erstens bürokratische Hürden abbauen (Heckenschere statt Kettensäge), zweitens in Bildung und Zukunftstechnologien investieren (substanziell, nicht nur symbolisch), drittens den Sozialstaat klug reformieren (Anreize statt Überbürokratie), viertens Energie- und Infrastrukturkosten senken (marktwirtschaftlich und diversifiziert) und fünftens die europäische Zusammenarbeit vertiefen. Dabei darf man weder das Marktrad auf unkontrolliertem Tempo beschleunigen noch den Steuervogel mit einem allzu breiten Netz ersticken. Wettbewerb und Freiheit bleiben unser Kompass – als Gießkanne für Gemeinwohl und Motor für Wachstum. Jetzt geht es darum, den Garten der Sozialen Marktwirtschaft weitsichtig zu pflegen: gezielt schneiden, wo nötig düngen, und nicht alles über den Haufen werfen. Nur so kann Deutschland mit festem Wurzelwerk in den Böden von Freiheit und Verantwortung in die Zukunft wachsen.

Antwort auf die Debatte: Zwischen Rechenmacht und Denkmut – was Europas KI-Weg wirklich braucht #RangaYogeshwar #FrankSchätzing

Die Resonanz auf meine Meldung zum in Siegburg war und ist enorm – und vor allem: vielstimmig. Genau das brauchen wir, wenn wir von Europas Rolle im KI-Zeitalter sprechen. Danke an alle, die sich beteiligt haben – zustimmend, kritisch, ironisch oder analytisch. Weitermachen 🙂

Einige Gedanken zur Einordnung:

💡 Zu Jens Nachtwei: Ja – die Rückbesinnung auf Urteilskraft, Maß und Verantwortung ist kein Rückschritt, sondern strategischer Vorsprung. Eine KI, die Europa verdient, denkt nicht nur schneller – sie denkt weiter.

⚙️ An Marc Bohlmann & Markus G. Bußmann: Die Macht der Skalierung ist unbestritten. Aber auch: Das Dogma „mehr Daten, mehr Rechenleistung“ ist kein Naturgesetz, sondern eine Branchenkonvention. Wer nur in exponentieller Infrastruktur denkt, verwechselt Fortschritt mit Verdopplung. Die Frage ist nicht, ob Europa gegen die USA gewinnen kann – sondern ob Europa das Spielfeld neu definiert.

🔬 Zu Christoph Pingel & Deepseek: Der Beweis, dass Effizienz kein Mythos ist. Aber: Warum nicht auch in Köln, Wien oder Lund? Die These war nicht, dass Europa automatisch vorn liegt – sondern dass es Potenzial hätte, wenn es seine Kreativität nicht selbst deckelt.

🤖 Zu Andrea Buettner: Die Natur ist der beste Lehrmeister für smarte Systeme. Kein Tier rechnet mit Milliarden Parametern – und dennoch erkennen wir ein Gesicht, eine Stimme, eine Gefahr in Millisekunden. Von dieser Schule sollten unsere Modelle lernen.

📉 An alle Skeptiker à la „Pfeifen im Walde“ oder „Der Drops ist gelutscht“: Europa war immer dann stark, wenn es nicht einfach kopiert hat. Vom Buchdruck bis zur MP3. Auch in der KI ist die nächste Disruption nicht zwangsläufig ein US-Patent.

🧠 „Europa gewinnt durch Denken“ – ein hohles Mantra? Vielleicht. Aber was wäre die Alternative? Resignation? Zynismus? Noch ein Datenzentrum mehr? Dann lieber Denken als Dauer-Deployment.

➡️ Wer glaubt, Europa könne im KI-Spiel keine Rolle mehr spielen, hat den Kopf vielleicht schon abgeschaltet – das Herz gleich mit. Die Frage ist nicht, ob wir BigTech imitieren können – sondern ob wir Mut zu Systemarchitekturen haben, die Ressourcen, Ethik und Effizienz zusammendenken.

Zum Nachhören: Diesen Teil des Talks mit Julian und Ranga Yogeshwar und Frank Schätzing sowie die Keynote von Ranga Yogeshwar bringen wir am Mittwoch noch einmal im Livestream auf LinkedIn und Co.

#KünstlicheIntelligenz #Schätzing

430 Milliarden Euro Wachstumspotenzial: Warum der Mittelstand jetzt in KI investieren muss

Frank Schätzung und Ranga Yogeshwar auf dem RhAInlandDay in Siegburg

Die Debatte um KI läuft heiß – doch viele Führungskräfte fragen sich, was davon wirklich im eigenen Unternehmen ankommt. Die Fakten sprechen für sich: Alleine der Einsatz von KI im deutschen Mittelstand könnte nach PwC eine zusätzliche Wertschöpfung in Höhe von rund 10–11 % des BIP bringen – das sind etwa 400–450 Mrd. Euro bis 2030. PwC-Experten betonen, dass KI „der Schlüssel zur digitalen Wertschöpfung“ ist: Unternehmen können Prozesse verschlanken, datengetriebene Entscheidungen treffen und damit ihre Innovationskraft deutlich stärken. Dieses Potenzial ist umso wichtiger, als dass Deutschland derzeit nur einen geringen Anteil hochdigitalisierter Branchen hat. Verschärft wird die Lage durch Zögerlichkeit: Deutschland befindet sich bei generativer KI global im Mittelfeld. Experten warnen, dass wir uns keine weitere Verzichtspolitik leisten dürfen – das „Schlafmützen“-Denken muss einem mutigen Gestalten weichen.

Riesiges Potenzial nach PwC

Die PwC-Prognose ist beeindruckend: KI-Einsatz könnte das Bruttoinlandsprodukt bis 2030 um bis zu 11 % steigern. Rechnerisch entspricht das etwa 430 Mrd. Euro zusätzlicher Wertschöpfung, die der Wirtschaft in Deutschland zufließen könnte. Damit ließe sich nicht nur Produktivitätsschub realisieren, sondern auch ein Teil der langjährigen Wachstumsflaute überwinden. PwC weist darauf hin, dass KI neben Effizienzgewinnen vor allem durch neue Geschäftsmodelle und bessere Wettbewerbsfähigkeit wirkt. Anwendungsfälle gibt es zuhauf, von der Qualitätskontrolle in der Produktion bis zur autonomen Prozesssteuerung.

Praxisbeispiele aus dem Mittelstand

Die PwC-Prognosen werden durch die Zukunftsmacher-Studie untermauert: KI ist bei vielen Mittelständlern bereits Alltag und liefert handfeste Vorteile. Effizienzgewinn ist hier das Stichwort: 64 % der befragten Unternehmen berichten messbare Produktivitätssteigerungen durch KI – in einzelnen Prozessen bis zu 80 % schnellere Abläufe. Typische Einsatzfelder sind etwa Chatbots und Automatisierung in Vertrieb und Support, die Durchlaufzeiten verkürzen und die Qualität sichern. So nutzt Miele die KI zur digitalen Qualitätssicherung im Backofenbau. Leistungsfähigkeit steigt, indem KI Mitarbeitende entlastet und Wissen sofort bereitstellt: 91 % der Führungskräfte bestätigen, dass KI das Wissen im Unternehmen umgehend verfügbar macht. Auf diese Weise können sich Mitarbeitende stärker auf komplexe Aufgaben konzentrieren. Wachstum entsteht vor allem durch neue digitale Erlösquellen: Unternehmen mit hohem KI-Reifegrad erzielen bis zu 41 % ihres Umsatzes aus KI-gestützten Services und Geschäftsmodellen. Beispiele aus der Studie reichen von Verlagskonzernen (DuMont) über Automobilzulieferer (EDAG) bis zu Maschinenbauern (Reifenhäuser oder Fiege) – alle schildern, wie KI-Prognosen, datengetriebene Wartung oder smarte Zusatzservices ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. In der Summe zeigt sich: KI schafft „vorwärtsgewandte“ Mittelständler, die trotz Gegenwind wachsen. 87 % der Studienteilnehmenden berichten derzeit steigende Umsätze.

Politische Handlungsdefizite

Die Potenziale der KI sind enorm, die Praxisbeispiele ermutigend. Umso deutlicher treten die Versäumnisse ins Licht. Frank Schätzing kritisiert auf dem RhAInlandDay 2025 eine gefährliche Visionslosigkeit: Deutschland gehe lieber „möglichst wenig falsch“ anstatt mutig Neues zu tun. Er fordert eine neue Gestaltungsmentalität: „Deutschland brauche mehr Wagnis und Investition“, gerade auch in technische Spitzenanwendungen. Dieser Weckruf unterstreicht die drängende Realität, dass technologische Zurückhaltung die Zukunftsfähigkeit gefährdet. Ohne gezielte staatliche Impulse zur KI-Ausbildung, zur Digitalisierung der Verwaltung und zur Kapitalbereitstellung für KMU droht der Standort zurückzufallen. Gerade unsere Hidden Champions, Familienbetriebe und digitalen Vorreiter brauchen planbare Rahmenbedingungen, sonst verpufft das Innovationspotenzial.

Ausblick und Appell an die Merz-Regierung

Die Bundesregierung unter Friedrich Merz steht vor einem klaren Auftrag: Jetzt muss der Deutsche Mittelstand als Herzstück der Wirtschaft ins Zentrum der KI-Agenda rücken. Empfohlen werden zum Beispiel:

  • Investitionen erhöhen: Steuersignale sollten gezielt auf KI-Projekte im Mittelstand ausgerichtet sein (Forschung, Cloud-Infrastruktur, Data Excellence).
  • Ausbildung und Zuwanderung: KI-Kompetenzen in der Ausbildung stärken und Fachkräfte gewinnen, damit Mittelständler die Technologiepersonalisierung vorantreiben können.
  • Digitalisierung vereinfachen: Bürokratie abbauen und regulatorische Hürden senken, damit KI-Startups als Zulieferer und etablierte Familienunternehmen ihre Innovationen schnell einsetzen können.
  • Kooperation fördern: KI-Potentialzentren an Hochschulen und Clustern aufbauen, in denen Hidden Champions und Startups zusammenarbeiten, um smarte Produktion und Service-Ökosysteme zu realisieren.

Diese Maßnahmen müssen Hand in Hand gehen mit einer strategischen Leitlinie, die KI-Forschung ethisch verantwortungsvoll, aber entschlossen fördert. Noch in diesem Jahrzehnt muss klar werden, dass Deutschland nicht weiter skeptisch abwartet, sondern KI als tragende Säule einer neuen Wachstumsagenda begreift.

Die Zahlen sind unmissverständlich: Künstliche Intelligenz kann den deutschen Mittelstand zu einem neuen Wachstumsschub führen. Verpasste Chancen wären angesichts des beschriebenen Potenzials gravierend. Nun ist die Politik am Zug – unser Mittelstand erwartet einen entschlossenen Rahmen, keine bloße Absichtserklärung. Gemeinsam sollten Regierung, Wirtschaft und Wissenschaft die KI-Revolution gestalten, statt sie zu fürchten. Nur so kann Deutschland seine Innovationskraft erneuern und seine Weltmarktführer sichern. Wenn die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz jetzt die richtigen Signale setzt, kann der Mittelstand seine Rolle als Motor der deutschen Wirtschaft wieder voll ausspielen und zu einem Eckpfeiler der Wachstumsagenda werden.

🗞️ Daily Brief Bonn #016 – Stimmen, Zeichen, Zwischenräume

Ein Tag zwischen Poesie und Politik, Klang und KI: Acht Bonner Blogs und Stimmen aus der Region zeichnen das Panorama einer Stadt, die zugleich reflektiert und experimentiert.

In der Gesundheitspolitik entwerfen die Grünen Ahrweiler eine Vision für eine moderne, regionale und digital vernetzte Versorgung – ein Thema, das auch für Bonn immer drängender wird.

Kulturell schwingt der Tag leise: Das Gedicht „Selbstgeflüster“ von Christiane Leweke-Ostholt erinnert daran, dass Innenschau Teil der öffentlichen Kultur sein kann. Dazwischen lotet Carsten Agthe mit „Blue Heron – Emulations“ den Raum zwischen analogem Klang und digitaler Präzision aus – Musik als Denkfigur.

Im digitalen Feld testen Benjamin O’Daniel und das Team von Jaeckert & O’Daniel den neuen AI Mode von Google und vergleichen ihn mit ChatGPT – ein Versuch, maschinelle Beratung mit menschlicher Erwartung zu messen.

Zugleich wird es persönlich: Im Podcast „Esel und Teddy“ wird der Alltag mit liebevoller Ironie zerlegt, während der Blog Postwestfale in seiner Wochenchronik über kleine Routinen, Stimmungen und Selbstgespräche reflektiert.

Gesellschaftlich schließt sich der Kreis mit zwei ernsteren Tönen: Hans Conrad Zander fragt im Beueler Extradienst nach dem Sinn der Schöpfung und den Grenzen menschlicher Vernunft, während in Bad Honnef eine Gedenkveranstaltung an die Mahnung gegen das Vergessen und den wachsenden Antisemitismus erinnert.

So entsteht ein Tag, der Bonn in vielen Registern zeigt – nachdenklich, kreativ, experimentell, politisch. Ein Tag, der nicht laut ist, aber bleibt.


Zitat des Tages:

„Bevor es Google gab, gab es Taubes.“ – Walter Sokel

Zahl des Tages: 8 – so viele Stimmen und Perspektiven machten heute die Vielfalt Bonns hörbar.

Hier geht es zur Ausgabe auf ne-na.me:

Europa im Orbit: Warum der neue Strukturwandel auf dem Mond beginnt

Jahrzehntelang gilt der Weltraum als Bühne für romantische Pioniere, amerikanische Superhelden und milliardenschwere Visionäre. Jetzt wird klar: Der Orbit ist kein Symbol, sondern das strategische Fundament der Ökonomie.

Der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer bringt es in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 9. November 2025 auf den Punkt: Europa darf im All nicht länger „per Anhalter unterwegs sein“.
Wer auf fremde Raketen angewiesen bleibt, riskiert nicht weniger als den Verlust technologischer Selbstständigkeit.

Der Mond rückt damit in den Fokus einer neuen europäischen Strategie. In den ewigen Schatten seiner Polarregionen ruht Wassereis – ein Relikt aus der Entstehungszeit des Sonnensystems, zugleich Rohstoffquelle und Energiespeicher. Aus diesem Eis lassen sich Trinkwasser, Sauerstoff und Wasserstoff gewinnen – Lebensgrundlagen, Energie und Raketentreibstoff in einem. Der Mond wird zur Tankstelle des 21. Jahrhunderts.

Doch der entscheidende Punkt liegt tiefer: Der Aufbau einer europäischen Mondforschung ist nicht nur eine wissenschaftliche Mission, sondern ein Industrieprojekt. Technologien, die für den Bergbau im All entwickelt werden, verändern auch die Wirtschaft auf der Erde – von der Ressourceneffizienz über die Robotik bis zur Energieversorgung.

Was in den Kältefallen des Mondes erprobt wird, kann für Regionen wie das Ruhrgebiet oder das Saarland zur Blaupause werden. Bergbaukompetenz, Maschinenbau, Materialwissenschaft – all das bildet die Basis, um Europas industrielle DNA in die nächste Umlaufbahn zu überführen.

Der Weltraum wird so zur Projektionsfläche des Strukturwandels.
Während andere Nationen längst über extraterrestrische Rohstoffgewinnung nachdenken, entdeckt Europa seine alten Stärken neu – Präzision, Ingenieurskunst, Systemdenken.

Raumfahrt ist kein Zukunftsspektakel mehr, sondern ein Testfeld für die Wiedergeburt der europäischen Industrie. Was einst Kohle und Stahl waren, sind heute Daten, Materialien und Moleküle – gewonnen nicht unter Tage, sondern jenseits der Erde.

Ausführlich nachzulesen unter:

Witzig auch:

Realpolitik? Tot. Wir streamen Moral.

Immer dieser moralische Schaum, der uns jeden Morgen entgegenschwappt. Aufkochen, abschäumen, umrühren, Meinung servieren. Wer sich verweigert, ist raus. Pandemie war nur der Anfang, das Symptom, das große Aufräumen der richtigen Gefühle. Jetzt, Jahre später, hat sich der Reflex verselbständigt: erst die Diagnose, dann der Pranger. Klimaleugner, Putinversteher, Palästina-Relativierer, Verpackungs-Verschwender. Alle im selben Dunstkreis der Gerechten. Ein Land im Dauer-Lynch der Gesinnung.

Und keiner redet mehr über Politik. Über Politik! Über die Frage, warum die Mehrwegquote in der Kohl-Ära bei 80 Prozent lag und heute bei 40 herumkriecht. Weil? Trittin-Pfand, Dosenautomaten, PET-Orgien. Weil niemand den Unterschied kennt zwischen Anreiz und Steuer, zwischen Preiswahrheit und Mengensteuerung. Aber Hauptsache: Thermosbecher aus recyceltem Bambus. Selfie mit Jutebeutel. Haltung beim Latte. In der Wirklichkeit: Camouflage.

Wir brauchen Vernunft, nicht Betroffenheitskunst. Marc Aurel, Kants Imperativ, Helmut Schmidt im Geiste: Gelassenheit, Urteilskraft, Pflicht. Nicht dieses ewige TwitterX-Bluesky-Mastodon-Gefühl, das sich an provokativ-frechen Postings wundreibt. Mehr Schmidt wagen, weniger Moral-Schminke. Vernunft als Pflichtübung, nicht als Pose.

Schmidt hätte die Timeline nicht ausgehalten. Dieses permanente Schrei-Turnen, diese rhetorischen Schnellschüsse, die sich für Erkenntnis halten. Er hätte die Zigarette angezündet, den Rauch zur Seite geblasen und gefragt: „Und was genau ist jetzt Ihr politisches Konzept?“ Kein Mensch hätte geantwortet, alle hätten Moral getweetet.

Der Diskurs als Straflager. Das Denken als Risiko. Wer abweicht, kriegt Etikett. Wer nachfragt, steht unter Verdacht. Dabei beginnt alles Denken mit dem Zweifel. Wissenschaftstheoretiker Hans Albert wusste das, Popper sowieso: Falsifikation, nicht Fühlisation.

Vielleicht ist das die eigentliche Zumutung der Gegenwart: dass wir alles durch moralische Schablonen jagen, aber kein Werkzeug mehr besitzen, um Wirklichkeit zu gestalten. Statt Pragmatismus in sittlicher Absicht – Gesinnung in hysterischer Dauerrotation. Kant würde die Augen verdrehen, Schmidt den Kaffee nachgießen, Popper die Hypothese verwerfen.

Kistenkultur – ein Bonner Drama #Stadtmuseum

Manchmal reicht eine einzige Schachtel Luftpolsterfolie, um den Zustand einer Stadt zu lesen. 3.000 Objekte – Gemälde, Statuen, Vasen – verschwinden in Kartons und klimatisierten Lastwagen. Kunstpacker, Spezialfirma, mechanische Präzision. Das Bonner Stadtmuseum wandert ins Depot. Vorläufig, sagen sie. Langfristig ohne Bleibe, sagen die anderen. Für diese Provinzposse braucht es keinen Roman, es reicht ein Blick hinter die Kulissen.

Kein Pathos, keine Ergriffenheit, nur ein fotografiertes Grinsen. Die städtische Presseabteilung hält drauf, als der neue Leiter und die oberste Kulturbeamtin im Entresol zwischen Staub und Spiegeln posieren. Kisten, Klebeband und ein Lächeln, das so tut, als wäre das alles eine Riesenchance. Bonns Geschichte verschwindet im Bunker? Nun, immerhin sieht es hübsch aus. Ein Insider chreibt mir: „Dieses fröhliche Posieren ist der Gipfel der Banalisierung.“ Und fügt hinzu, dass der Mann erst seit einem Jahr im Amt ist, aber schon Lieblingsspiegel aus dem 18. Jahrhundert hat, von denen er aus der von der Vorvorvor-Vorgängerin (man kommt so langsam durcheinander) verfassten Beschriftungskarte erfahren hat. Die Inszenierung ist perfekt: Die große Kultur der Stadt wird zum Selfie‑Accessoire.

Der gleiche Mann, der jetzt antiquarische Brandspuren besingt, hat gerade erst gelernt, wie man einen Spediteur beauftragt. Und die Frau neben ihm lächelt, weil sie das Problem für gelöst hält. Dabei ist die Verlegenheit der Stadtverwaltung kaum zu fassen. Der Bau im Viktoriakarree – verkauft ans Land Nordrhein‑Westfalen. Dort soll ein „Forum des Wissens“ entstehen. Der Name klingt nach Zukunft, aber gegenwärtig ist nur eines: Bonn hat kein Zuhause für sein Gedächtnis, und das seit Jahren. Die Pestalozzi‑Turnhalle war mal im Gespräch, dann die Münsterschule. Nichts ist entschieden. 2028, sagt der Förderverein, ist frühestens eine Interimslösung möglich. Bis dahin bleibt das Museum ein Konzept und ein Aktionswort in Beteiligungsworkshops.

Während die Verwaltung verpackt, verpackt sie auch die Diskussionen. Beteiligungsrunden, co‑kreierte Visionen, „Kultur für alle“ – es klingt nach großer Bürgernähe, doch inhaltlich bleibt es kalt. „Leerstelle, abgebrochene Ausstellungen, depothafter Stillstand, kuratorisches Vakuum“, nenne ich das in einem Kommentar. Und plötzlich schreiben mir die Leute zurück, dass das Museum vorher auch nicht viel besser war: zu versteckt, ohne leuchtenden Eingang, wenig Interesse bei den Jungen. Ein anderer schreibt: Man sollte das Potenzial der Bonner Bürgerinnen und Bürger abschöpfen. Wie bitte? Als wäre das Museum ein Recyclingtonnenprojekt. Daran ändert auch die Beteiligungslyrik nichts: Wenn alles möglich ist, ist nichts notwendig.

Die Ironie: Bonn hat Orte. Windeck-Bunker, Landesbehördenhaus, Pestalozzi‑Schule, alte Münsterschule. Jedes Jahr auf der Liste, jedes Jahr neu verworfen. Anstatt sich zu entscheiden, wird geprüft, nachgedacht, evaluiert. Der zuständige Amtsleiterin entgleiten die Monate wie Luftballons. Dass das Museum jahrelang ohne Räume dasteht, nennt man „Planungsphase“. Die Verantwortliche sagt, man prüfe Interims- und Dauerlösungen. Der Museumsleiter sagt: „Es dauert, solange es dauert.“ (Und lacht. Es gibt ein Foto.)

Das Ganze ist eine Dystopie in Versatzstücken. Während Bonn sich mit gesperrten Straßen und roten Linien als Avantgarde der Verkehrsplanung geriert, schafft es die Stadt nicht, ihre eigene Geschichte zu beherbergen. Man kann sich nur vorstellen, wie in der Bubble‑Wrap‑Hölle die Hologramme der Vergangenheit flüstern: „Wir hatten ein Haus. Wir hatten eine Dauerausstellung. Wir hatten einen Plan.“ Und dann flüstert jemand von draußen: „Ja, aber der Plan war von gestern.“

Die Stadtgesellschaft ist gespaltener, als sie zugeben will. Manchen ist das Museum egal – noch so ein Laden aus der Biedermeierzeit. Andere leiden unter dem Verlust der Identität. Manche freuen sich auf das „Forum des Wissens“ und glauben an die Zukunft. Andere sehen im Umzug nur einen weiteren Abbruch der Bonn‑typischen Kultur, wie beim Stadthaus, wie beim Landgericht. Sie nennen es „Kistenkultur“: Die Dinge überleben, die Ideen sterben.

Man könnte es auch pragmatisch sehen: Vielleicht gibt es irgendwann ein digitales Stadtmuseum, zugänglich per App, interaktiv, jung. Vielleicht braucht es keinen Ort, keine Wände. Vielleicht reicht ein Container voller Datensätze, archiviert zwischen Google und ChatGPT. Aber Kultur entsteht nicht im Lager, sie entsteht im Diskurs, im Austausch, im Raum. Und der fehlt.

Die Wahrheit: Der Spiegel mit den Brandschäden und die 3.000 Kunstwerke werden überleben. Der Museumsleiter wird weiter Lächeln. Die Kulturdezernentin wird weiter moderieren. Die Bürger werden weiter kommentieren. Die Politik wird weiter vertagen. Und der wütende Mann, der diese Zeilen schreibt, erinnert sich an eine Stadt, in der man wenigstens wusste, wo das Gedächtnis steht. Heute weiß man nur: Es steht im Stau, irgendwo zwischen Lager und Vision.

Bonn, 2025. Kistenkultur und Beteiligungsprosa. Eine Lachnummer, wenn sie nicht so traurig wäre. Noch so ein Spiegel, der alles zeigt.

„Riesenwette“ auf KI droht zu platzen – Yogeshwar und Schätzing fordern Europas Denkoffensive #RhAInlandDay

In einem von Julian Yogeshwar moderierten Bühnengespräch beim RhAInland-Day in Siegburg diskutierten der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar und Bestsellerautor Frank Schätzing über die Zukunft der Künstlichen Intelligenz (KI) – und über Europas Rolle darin. Yogeshwar skizzierte dabei ein kühnes Zukunftsszenario: „Ich könnte mir vorstellen, dass irgendwann richtig schlaue Leute in Europa kommen und sagen: Wir haben ein Modell, das viel cleverer ist – es braucht nur einen Bruchteil der Computerpower. Und dann kollabieren die großen Datencenter in den USA“. Mit diesem Kerngedanken – weniger Rechenpower, mehr geistige Effizienz – lieferte Yogeshwar den Aufhänger für eine Debatte, die weit über technische Details hinausgeht. Es geht um nicht weniger als einen möglichen Paradigmenwechsel in der KI-Entwicklung: Setzt Europa auf besseres Denken statt auf brachiale Rechenleistung?

Die Riesenwette auf Hardware

Derzeit dominieren die USA (und in ähnlicher Weise China) das KI-Wettrennen mit einem nahezu unbegrenzten Einsatz von Ressourcen. Tech-Giganten wie OpenAI, Google oder Meta investieren Milliardensummen in immer größere Rechenzentren, spezialisierte KI-Hardware und gigantische Modelle, die nur mit massiver Rechenleistung funktionieren. Yogeshwar spricht von einer „Riesenwette“ auf Hardware-seitige KI-Entwicklung: Immer größere Server-Farmen, befeuert durch leistungsstarke Grafikprozessoren, sollen den Fortschritt erzwingen – sehr zur Freude von Chip-Herstellern wie Nvidia, die als Profiteure dieses Booms gelten. Diese Entwicklung schaukelt sich wechselseitig hoch: Jeder Erfolg eines riesigen KI-Modells animiert die Konkurrenz, mit noch mehr Computerkapazität nachzulegen.

Doch dieses Wettrüsten in den Rechenzentren könnte riskanter sein, als es den Anschein hat. Yogeshwar erinnert daran, dass viele in der Branche bereits vor einer möglichen Blase warnen. Die Logik dahinter: Wenn der Fortschritt ausschließlich von immer mehr Hardwareeinsatz abhängt, könnte ein Punkt kommen, an dem der Ertrag in keinem Verhältnis mehr zu den Kosten steht – oder an dem eine völlig neue Methode das gesamte Modell infrage stellt. Genau hier setzt Europas potentieller Gegenentwurf an.

Europas Gegenentwurf: kognitive Effizienz

Europa verfügt zwar nicht über Tech-Giganten von der Größe eines Google oder Tencent, doch es könnte mit kreativerer KI-Forschung punkten. Yogeshwars Vision zielt auf eine Stärke, die Europa traditionell auszeichnet: Ingenieurskunst und geistige Wendigkeit. Irgendwann, so seine Hoffnung, könnten europäische Forscher ein KI-Modell entwickeln, das mit klügeren Algorithmen denselben Output mit einem Bruchteil der Rechenpower erreicht. Ein solches Durchbruch-Modell würde das bisherige Paradigma auf den Kopf stellen – die gigantischen Server-Farmen der Gegenwart wären plötzlich überdimensioniert und ökonomisch obsolet. Die großen Datencenter würden kollabieren, weil man merkt, dass es auch mit wesentlich weniger geht.

Dieses Konzept einer kognitiven Effizienz – mehr Intelligenz im System statt bloßer Rohleistung – hat geopolitische Sprengkraft. Es spielt auf Europas Trumpfkarte an: statt im Hardware-Wettrennen hinterherzulaufen, einen anderen Weg zu gehen. Während Silicon Valley und chinesische Tech-Metropolen auf das Prinzip „viel hilft viel“ setzen, könnte Europa mit „clever statt massiv“ kontern. Das bedeutet Investition in Systemintelligenz: besser auf den Kontext zugeschnittene KI-Modelle, effizientere Algorithmen, eine symbiotische Verzahnung von Mensch und Maschine. Die Grundfrage dahinter lautet: Lässt sich künstliche Intelligenz auch mit weniger Daten und weniger Rechenaufwand auf ein hohes Niveau bringen – durch elegantere mathematische Ansätze oder smartere Nutzung von Vorwissen? Sollte dies gelingen, würde es den aktuellen KI-Markt fundamental verändern und Europa eine verspätete Chance zur Technologieführerschaft bieten.

Noch ist dieses Szenario hypothetisch. Doch in der Diskussion wurde deutlich, dass Europas Aufholjagd in der KI nicht zwingend über das Nachbauen amerikanischer oder chinesischer Rechenzentren führen muss. Stattdessen könnte ein europäischer Weg darin bestehen, Innovationsgeist über Investitionsvolumen zu stellen. Dafür allerdings – so der Tenor des Dialogs – braucht es mehr als technische Finesse: Es braucht vor allem Mut zum Umdenken. Hier kommt Frank Schätzing ins Spiel.

Lähmende Angst und verpasste Chancen

Schätzing, bekannt durch techniknahe Thriller und als engagierter Kommentator, richtete den Fokus auf eine mentale Blockade in Deutschland und Europa: Angst und Visionslosigkeit. Er diagnostiziert eine gefährliche Zögerlichkeit in Politik und Wirtschaft. „Wir waren ein Land, das das Meiste richtig machen wollte – und sind zu einem geworden, das das Wenigste falsch machen will“, hielt Schätzing kritisch fest. Diese Entwicklung über die letzten zwei Jahrzehnte – vom Gestaltungswillen hin zur Vermeidungsstrategie – habe zu einer Kultur der Vorsicht geführt, die Innovation lähmt. Man fahre „auf Sicht, aber ohne Vision“: Politik und Unternehmen agieren nur noch kurzfristig und risikoscheu, statt mutig langfristige Ziele zu formulieren.

Die Konsequenzen dieser Haltung sind laut Schätzing fatal, denn die Chancen liegen auf dem Tisch. Gerade der Mittelstand könnte von KI enorm profitieren – wenn er sich denn traut. Zahlen untermauern diese These eindrucksvoll: Eine aktuelle Studie von PwC beziffert das zusätzliche Wertschöpfungspotenzial durch KI-Anwendungen allein für Deutschlands Mittelstand bis 2030 auf 10–12 % des Bruttoinlandsprodukts, was 400 bis 450 Milliarden Euro entspricht. Es geht also um Hunderte Milliarden Euro, die buchstäblich auf der Straße liegen. Doch vielerorts dominieren Bedenken: Kostet KI Arbeitsplätze? Können wir uns das leisten? Fehlen die Fachkräfte? Schätzings Appell: Diese lähmende Angst müsse dringend abgelegt werden. Weder dürfe die Politik weiter durch zögerliche Regulierung und fehlende Strategie bremsen, noch sollten Unternehmen in der Schockstarre verharren. KI ist eine Anfangsinvestition, so Schätzing sinngemäß – der Nutzen komme oft erst mittelfristig. Aber wer den Schritt nicht wage, riskiere den Anschluss endgültig zu verlieren.

Am Ende wurde klar: Nicht die Maschinen selbst sind Europas Problem, sondern die menschliche Haltung. Weder Yogeshwar noch Schätzing malen dystopische Bilder allmächtiger KIs, die den Kontinent unterjochen. Die eigentliche Gefahr für Europa besteht in Denkfaulheit und politischer Mutlosigkeit. Wenn Europa im KI-Zeitalter ins Hintertreffen gerät, dann weil es an Visionen fehlt – nicht an Rechenzentren. Die Botschaft des Abends lässt sich daher auf einen Nenner bringen: Die Wende gelingt nur mit Köpfchen. Europe’s Schicksal im KI-Wettrennen entscheidet sich weniger an der Zahl der Computer, sondern an der Bereitschaft, groß zu denken und mutig zu handeln. Wie Schätzing eindringlich formulierte: „Wir fahren auf Sicht, aber ohne Vision.“ – höchste Zeit also, den Nebel aus Angst zu lichten und den Kurs auf die Zukunft zu setzen.