Bonn packt sich ein – Ein Stadtmuseum in Kisten

Bonn, die Stadt, die Beethoven hat und Eichhoff nicht will. Die Stadt, die sich gern mit ihrer Geschichte schmückt, sie aber lieber verpackt, als sie zu zeigen. Das Bonner Stadtmuseum ist nach dem Auszug aus der Franziskanerstraße nun – wie soll man es sagen – auf Wanderschaft? In der Warteschleife? Oder einfach nur: in Kisten.

Ja, richtig gelesen. Ein Stadtmuseum, das einst als Schaufenster der Bonner Geschichte dienen sollte, ist nun ein Provisorium. Ein Provisorium mit ungewisser Zukunft. Bis zu zehn Jahre kann es dauern, bis es einen neuen Standort gibt. Eine Dekade, in der Exponate ruhen, während die Stadtpolitik mit der Standortsuche jongliert.

Man kennt das. Platzgründe! Die gleiche Begründung, mit der man das Porträt von Johann Joseph Eichhoff abgelehnt hat. Ein Bild des ersten Bürgermeisters Bonns unter Napoleon, der die Stadt durch Krisen steuerte – abgelehnt, verbannt, überflüssig. Wozu Geschichte bewahren, wenn sie stört? Wozu ein Stadtmuseum, wenn Kisten auch reichen?

In anderen Städten nennt man so etwas einen Skandal. In Bonn nennt man es eine „Übergangslösung“. Das bedeutet: Ungewissheit als Dauerzustand, Verwaltungssprech statt Vision. Vielleicht könnte man die Kisten ja gleich als Exponat präsentieren. Titel der Sonderausstellung: „Provisorium für die Ewigkeit – wie Bonn mit seiner Geschichte umgeht.“

Denn seien wir ehrlich: Wer glaubt wirklich daran, dass in zehn Jahren alles anders ist? Dass es dann einen neuen, repräsentativen Standort gibt? Dass Bonn plötzlich merkt, dass ein Stadtmuseum mehr ist als ein Lagerhaus für Erinnerungen?

Eichhoff hätte den Kopf geschüttelt. Beethoven wohl auch. Aber zum Glück kann man beide nicht mehr fragen. Vielleicht wäre ja genau das die beste Strategie für Bonn: Geschichte nur dann ernst nehmen, wenn sie nicht mehr antworten kann.

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