Konjunkturentwicklung im V oder im Badewannen-U? Arbeitsmarkt stagniert #EconTwitter @derspiegel @anninahering

Dat sind die Höhenmeter meiner Europatour im vergangenen Jahr – also die Höhenmeter in der ersten Woche. Alpen, Bayerischer Wald und Böhmer Wald kamen ja dann noch.

Die Stimmung in der Wirtschaft hellt sich nach einem Bericht des Spiegels auf. Dem steilen Absturz könnte ein ähnlicher Anstieg folgen – das herbeigesehnte „V“ in der Konjunkturentwicklung:

„Ein v-förmiger Verlauf der Rezession würde bedeuten, dass sich die Wirtschaft nach dem rasanten Absturz durch die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung in ähnlich schnellem Tempo auch wieder erholt.“

Abgeleitet wird das von unterschiedlichen Indikatoren:

Beispielsweise vom Lkw-Maut-Fahrleistungsindex. Er liefere frühzeitig ungefähre Anhaltspunkte zur Entwicklung der Industrieproduktion in Deutschland. „Der Index wird aus digitalen Prozessdaten der Lkw-Mauterhebung berechnet und während der Corona-Krise arbeitstäglich aktualisiert. Die Ergebnisse bilden damit die Fahrleistung mit fünf- bis neuntägigem Abstand sehr aktuell ab“, so das Statistische Bundesamt.

Ein V sehe ich da nur mit viel Fantasie.

Beim ifo-Geschäftsklima-Index ist das schon klarer:

Der IHS-Einkaufsmanagerindex ist für die Eurozone auf den höchsten Wert seit 22 Monaten gestiegen.

Nur auf dem Arbeitsmarkt kann man diese Dynamik noch nicht beobachten. Nicht in Deutschland und auch nicht international. Besonders interessant als Frühindikator für die Konjunkturentwicklung sind die Echtzeitdaten für die Stellenausschreibungen – sozusagen als Signal für die Investitionsbereitschaft in die Zukunft.

Wir haben ja auch eine Menge einzuholen:

Empfehlungen der Monopolkommission zu China reichen nicht aus #EconTwitter @Monopolkom @peteraltmaier @BMWi_Bund

Meister der Strategem-Lehre

In China werden Ziele und Massnahmen transparent in amtlichen Verlautbarungen bekanntgegeben, die aber westliche Entscheider nicht ernst nehmen.

Darauf verweist der Sinologe Professor Harro von Senger seit Jahren: „Anstatt mühsam und arbeitsaufwendig auf induktivem Weg, durch Feldforschungen, Umfragen, Interviews, Inspektionsreisen, die Sammlung und Auswertung von Einzeleindrücken allmählich gewisse Verhaltensmuster herauszukristallisieren, die Chinas Aufbau erklären, könnte man umgekehrt eine vergleichsweise arbeitssparende Methode einsetzen. Sie bestünde darin, das, was in China unter amtlicher Leitung vor sich geht, deduktiv, aus der Sicht der geltenden generell-abstrakten Partei- und Gesetzesrechtsnormen wahrzunehmen“, so von Senger. Dann verstünde man über Jahre und Jahrzehnte hinweg eine riesige Zahl von durch die Partei gelenkten Einzelvorgängen.

So proklamierte die Kommunistische Partei China bereits 1978 in der Verfassung die vier Modernisierungen der Landwirtschaft, Industrie, Landesverteidigung sowie Wissenschaft und Technik. Es geht nicht um globale Expansion, sondern um die Verwirklichung der innenpolitischen vier Modernisierungen nicht nur über Joint Venture-Projekte Modernisierungspotenzial aus dem Westen abzuziehen, sondern auch über Unternehmen, die man im Ausland kauft, um an Technologien und an ausländische Kunden heranzukommen. Das betrifft bekanntlich auch Hidden Champions in Deutschland, wie den Augsburger Roboterhersteller Kuka.

Dass Ausländisches in der Volksrepublik China Überhand nimmt, wird die KP China niemals zulassen. Es geht um die Befolgung der von Mao Zedong 1964 festgelegten Polaritätsnorm: „Ausländisches für China nutzbar zu machen, wobei China den Ton angibt“. Im Wirtschaftsverkehr mit dem Ausland bedeutet das konkret: „Vom Import zum Export, vom Lernen zur Neuschöpfung“.

Jetzt greift die Monopolkommission der Bundesregierung in ihrem Herbstgutachten zumindest in Ansätzen diese Problematik auf.

„Vor dem Hintergrund der zunehmenden Konkurrenzsituation zwischen europäischen und chinesischen Unternehmen werden einige industriepolitische Praktiken Chinas, die auf unterschiedlichen Märkten zu Wettbewerbsverzerrungen führen, zunehmend kritisch hinterfragt. Grob unterscheiden lassen sich dabei einerseits Maßnahmen, die den Zugang zum chinesischen Markt für europäische Unternehmen einschränken, und andererseits Maßnahmen, die zu Wettbewerbsvorteilen für chinesische Unternehmen führen, wobei diese Wettbewerbsvorteile sich sowohl in China selbst als auch auf den internationalen Handel und auf den EU-Binnenmarkt auswirken können“, schreiben die Autoren.

Um die asymmetrischen Bedingungen des Marktzugang abzubauen, werde seitens der EU sowie der europäischen Wirtschaft bereits seit längerem auf eine weitergehende Öffnung des chinesischen Marktes gedrängt und allgemein mehr Reziprozität im Umgang mit China gefordert. Das ist der Mühe nicht wert – siehe die Polaritätsnorm der KP China „Vom Import zum Export, vom Lernen zur Neuschöpfung“.

Wenn es um Machtinteressen geht, fokussiert sich die Monopolkommission auf Unternehmen mit sicherheitsrelevanten Themen. Eine Reduktion, die sich aus den Parteinormen der KP China nicht ableiten lässt. Hier geht es dem chinesischen Staat generell um Machtinteressen im Sinne der Parteinormen. Jeder Schritt zahlt auf die vier Modernisierungen in der Verfassung ein. Der Westen agiert hier nach wie vor naiv. Siehe auch im Herbstgutachten: „Aus Sicht der Monopolkommission ist mit Blick auf die Bewertung chinesischer Übernahmen europäischer Unternehmen bzw. Direktinvestitionen in der EU zu betonen, dass wettbewerbspolitische Aspekte strikt von Aspekten, welche die öffentliche Sicherheit und Ordnung betreffen, zu trennen sind. Etwaige sicherheitspolitische Argumente sollten insbesondere nicht missbraucht werden, um nicht sicherheitsrelevante Übernahmen aus rein industriepolitischen Gründen zu untersagen.“

Die Monopolkommission befürwortet ein einheitliches Drittlandsbeihilfeinstrument, mit dem drittstaatliche Subventionen und mitgliedstaatliche Beihilfen in der Sache gleichgestellt werden. „Das Drittlandsbeihilfeinstrument sollte bei allen drittstaatlichen Subventionen eingreifen, die als mitgliedstaatliche Maßnahme gegen Art. 107 Abs. 1 AEUV verstoßen würden. Zuständig für die Durchsetzung sollte allein die Europäische Kommission sein. Das Drittlandsbeihilfeinstrument sollte die Europäische Kommission ermächtigen, den mit der Maßnahme verbundenen Vorteil über die Verhängung einer Ausgleichsabgabe abzuschöpfen. Alternativ sollte es jedoch den Unternehmen gestattet werden, den Vorteil durch Rückzahlung an den gewährenden Drittstaat zu neutralisieren.“ Soweit ein winzig kleiner Ausschnitt aus den Maßnahmen, die von der Monopolkommission empfohlen werden.

Die wirtschaftlichen Verflechtungen und Abhängigkeiten dienen der KP China und ihrem Parteiführer auf Lebenszeit Xi Jinpings generell als politische Waffe. Ich empfehle der Monopolkommission das Buch von Clive Hamilton und Mareike Ohlberg „Die lautlose Eroberung – Wie China westliche Demokratien unterwandert und die Welt neu ordnet“.

Ein politisches Konzept der EU wäre vonnöten.

Siehe auch:

Gekommen um zu kaufen

Feigheit und Faulheit sind die Träger der Unfreiheit @wolflotter

Aus dem Autorengespräch mit Wolf Lotter zu seinem neuen Opus Zusammenhänge:

Können Unternehmen Chaos, Kontingenz und Innovation? #NextTalk um 18 Uhr @AlexandVerne

#NextTalk mit Dr. Lars Immerthal, Gründer und Managing Director der Strategieberatung Alex & Verne, zur Studie „Sturmreiter“. Über die Strategien der TecDAX-Konzerne. Vier Thesen für das Live-Gespräch um 18 Uhr:

Unternehmenskultur: Es drängt sich der folgende Befund auf: Ein Großteil dessen, was die untersuchten Unternehmen als Kultur bezeichnen, sollte als Strategie betrachtet werden.
Für radikale Innovationen muß es Imaginationsräume (strukturelle Freiräume) geben. Der Kunde allein kann es nicht richten. Für radikale Innovationen kann nicht alleine der Kunde (als Dusche) herhalten, sondern es bedarf an Imaginationsräumen (strukturellen Freiräumen), siehe auch Googles Blue Sky Thinking
Die Strategen arbeiten sich an Konzepten ab, deren Ursprung schon relativ lange zurückliegen. Dezentrale, hierachielose, intelligente Organisationen, New Work, die jetzt aber erst wirkmächtig werden. 
Eine Vision, die an „Halteseilen der Umsetzbarkeit und Operationalisierung“ befestigt ist, entbehrt einer visionären Kraft. Ihr fehlt entweder ein deutlich über sie hinausweisender Zweck oder ein Bild, das so ambitioniert und so entfernt ist, dass es Fantasien und Ressourcen mobilisiert und nach nichtlinearen Sprüngen verlangt.

Zum Einlesen:

Man hört, sieht und streamt sich um 18 Uhr: