Die Frau, mit deren Anblick sich alles verändert: #DasLiterarischeSommerinterview in Bonn mit Frank Baake

Der Band „Café Meridian“ von Frank Baake versammelt vier Erzählungen über Sehnsucht in einer Welt fragmentierter Existenzen. Da ist der Mann, dessen Kopf nur seinem Hut zusammengehalten wird, und der sich nichts mehr wünscht, als. wenigstens den Hutmacher zu treffen, der einst seiner verloren gegangenen, großen Liebe jenen Hut verkauft hat, der nun seinen Kopf zusammenhält. Was das Ganze mit einem Taxifahrer und einem Mord in der Badewanne zu tun hat, mit zwei toten Teanagern, Staubsaugern, einer Frau mit Hasenzähne und verunglückten Mopefahrern zu tun hat, wird an dieser Stelle nicht verrate. Es gibt zersplitterte Biografien, unerfüllte Träume und einen sehnsüchtigen Banker. Letzterer versucht mit aller Konsequenz, seine Obsessionen nach der Frau, die am Dichter Baudelaire vorüberging, zur Wirklichkeit werden zu lassen.

Die titelgebende Erzählung „Café Meridian“ schildert die Begegnung von vier Personen in einem Café – das sich fremdgewordene Besitzer-Ehepaar, eine von weither geflüchtete Kellnerin und ein Mann in den Vierzigern, der seinen Job bei einer Werbeagentur wegen eines rechtspopulistischen Kunden kündigt.

Am Freitag sprechen wir mit Frank Baake über sein Opus: #DasLiterarischeSommerinterview in Bonn-Duisdorf. Start 19 Uhr.

Über Publikum im Garten würden wir uns freuen. Bitte anmelden, damit ich genügend Stühle auf die Terrasse stelle und ausreichend Weißwein vorhalte. Die Teilnahme ist kostenlos.

Für Abwesende gibt es einen Livestream.

Der Erzählband ist im Bernstein-Verlag erschienen.

Klimaanpassung und Neue Ökonomie – Expertenwissen endlich in #NRW nutzen @landnrw #Hochwasserkatastrophe

Vor drei Jahren diskutierte ich mit Professor Lutz Becker und Professor Dr. Mahammad Mahammadzadeh über Klimaanpassungsstrategien in allen Facetten. Von der Notwendigkeit einer zukunftsfähigen Klimapolitik bis zu Maßnahmen zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels. Insbesondere wurden die unterschiedlichen Arten und Auswirkungen von Klimabetroffenheit sowie Optionen zur strategischen Umsetzung diskutiert.

Damals ist diese Fachdiskussion nur auf ein mäßiges Interesses gestoßen. Auch bei einigen, die jetzt andere Töne anschlagen.

Jetzt sollten die politische Verantwortlichen auf Experten wie Lutz Becker und Mahammad Mahammadzadeh zugehen und deren Rat für die notwendigen Weichenstellungen in der Klimapolitik einholen.

http://lehreundforschung.hs-fresenius.info/klima-lo-klimaanpassung-und-neue-oekonomie-auf-der-neo18x?fbclid=IwAR2POrifDUaSew49rT4yKmmaj24k_5OlaXc8dDMMUL_fy0KlPg2Szc4yIpE

Arbeiten in der Corona-Pandemie @iaostuttgart @dgfp

Fraunhofer IAO hat in Kooperation mit der DGFP eine Kurzstudie zur Führung im neuen Normal veröffentlicht. 

Ergebnisse:

Gefragt nach den Kernherausforderungen wurde bestätigt, dass es in der Pandemie-Situation zuallererst um die Bewältigung einer Vielzahl veränderter, vielkanaliger Kommunikationsanforderungen geht, die auch mit zeitlichen Mehrbelastungen verbunden sind. Klappen Regelkommunikation und Day-to-Day-Business noch recht gut, wird es dann deutlich schwieriger, wenn es um die Aufrechterhaltung sozialer Bindungen und informeller Kontakte geht. Es zeigt sich, dass das Fehlen der gemeinsamen räumlichen Präsenz mit all ihren Nebeneffekten eine sehr dedizierte, aktive Kommunikationsarbeit nötig macht. In der virtuellen Zusammenarbeit muss diese eben auch anders geplant und teilweise aufwendiger in der Durchführung gemanagt werden. Das führt gerade für Führungskräfte zu nicht unerheblichen zeitlichen Mehrbelastungen. Dazu passen auch die beschriebenen Schwierigkeiten, adäquat mit dem Phänomen der Entgrenzung umzugehen.

„Hier sehen wir das klare Dilemma der Führungskräfte, die eben nicht nur fachliche Vorgesetzte, sondern im besten Fall auch zentrale Enabler eines guten Miteinanders und Arbeitsklimas sind. Wo Fürsorge aufhört und Einmischung in private Angelegenheiten anfängt, wird auch sicherlich individuell differenziert beurteilt. In jedem Fall steigt der Druck, sich mit dem Phänomen der Entgrenzung auseinanderzusetzen“, schreibt Josephine Hofmann in ihrem Blog.

Sehr aufschlussreich und folgerichtig seien die Ergebnisse zur Frage, welche Kompetenzen von Führungskräften in Zukunft dann die wesentlichen sind. Hier wurden die Teilnehmenden gebeten, ein Ranking abzugeben. „Absolut herausragend sind die Spitzenwerte: Vertrauen (zu geben und zu erhalten) und Kommunikationsfähigkeit werden von den meisten Befragten mit weitem Abstand an die Spitze gevotet. Die Kommunikationsfähigkeit erklärt sich sicher bereits durch die anfangs beschriebenen Veränderungen der täglichen Führungsarbeit, in welcher Kommunikation und Interaktion auf allen Kanälen eine große Rolle spielt, auch um die verminderte räumliche Co-Präsenz zu kompensieren. In der hybriden Arbeitswelt wird ebenso proaktive wie medienkompetente, wertschätzende Kommunikation und Ansprechbarkeit ein wesentlicher Schlüssel für gute Zusammenarbeit, Leistung und Bindung sein. Dennoch wird das Ausmaß direkter Begegnung und sozialer Einbindung und damit auch der (impliziten und expliziten) Kontrolle geringer sein als vor der Corona-Pandemie, was die Bedeutung des Vertrauens so stark wachsen lässt“, betont Hofmann.

Hier ist die Studie abrufbar.

Siehe auch:

Hans-Matthöfer-Preis für Wirtschaftspublizistik: Beiträge für Theorienvielfalt, Methodenpluralismus und Interdisziplinarität #EconTwitter

Die Hans-und-Traute-Matthöfer-Stiftung in der Friedrich-Ebert-Stiftung schreibt erneut den Hans-Matthöfer-Preis für Wirtschaftspublizistik aus. Er wird im Frühjahr 2022 in der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin auf einer Festveranstaltung verliehen.

Das Preisgeld des Hans-Matthöfer-Preises für Wirtschaftspublizistik beträgt 10.000 Euro. Das Preisgeld ist teilbar. Die Jury behält sich das Recht vor, jenseits der vorgegebenen Kriterien einen Sonderpreis für außerordentliche wirtschaftspublizistische Leistungen zu vergeben. Dieser Sonderpreis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Spätestens seit Ausbruch der letzten Finanz- und Wirtschaftskrise und jüngsten Corona-Pandemie ist es offensichtlich, dass die bisherigen wirtschaftspolitischen Modelle und viele gängige Rezepte an ihre Grenzen stoßen.

Nur durch eine größere Theorienvielfalt, durch Methodenpluralismus und durch Interdisziplinarität kann der wissenschaftliche Wettstreit um die besten und richtigen ökonomischen Ideen, Modelle und Politikempfehlungen gelingen. Mit dem Preis will man wissenschaftliche Protagonisten ehren, die jenseits der volkswirtschaftlichen Standardtheorie oder des makroökonomischen Mainstreams neue Antworten auf die großen wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Herausforderungen suchen.

Bis zum 15. Oktober 2021 können deutschsprachige Blogs, Kolumnen, Kommentare und Reportagen in zum Beispiel Zeitungen und Zeitschriften, Artikel in Fachzeitschriften oder deutschsprachige Bücher nominiert werden, die nicht mehr als ca. 12 Monate vor dem 15. Oktober 2021 erschienen sind.

Autorinnen und Autoren können sich nicht persönlich um den Hans-Matthöfer-Preis für Wirtschaftspublizistik bewerben, sondern müssen nominiert werden. Nun: Bis Oktober müsste eigentlich unser Utopie-Buch auf dem Markt sein. Dann müsste uns halt noch einer nominieren.

König von Deutschland ist übrigens ein Zitat aus dem Rio Reiser-Song. Gemeint sind natürlich auch Königinnen.

#Notizzettel: Ich habe Zertifikate, also bin ich – Livetalk mit @acwagner um 12 Uhr

Bürokraten-Regime

Irren ist menschlich. Auf Kontrollverlust allerdings mit Zertifikaten zu antworten, ist ein völlig falscher Schluss.

Das war mal die Subline einer Kolumne, die ich für ein Debattenmagazin verfasste, das früher mal gut war.

Und dann geht der Text so weiter:

Von Professor Rupert Hasenzagl gibt es eine vernichtende Prophezeiung für das Management: „Wir bedienen uns derzeit eines toxischen Systems und fahren mit 300 Stundenkilometer gegen die Wand.“ Wir könnten uns noch gar nicht vorstellen, wo wir in fünf Jahren stehen würden, weil uns die Dimensionen fehlen. Weil wir uns in einem enormen Umbruch befänden. Weil Unsicherheit und Angst zunähmen. Weil es vielen Managern an der Profession fehle, um die Komplexität zu erfassen. Stattdessen würden wir die Dosis an Macht und Bürokratie erhöhen. In diesen bürokratischen Organisationen blühe zudem die Rationalitätsfantasie. Sie verschanzt sich hinter Controlling-Kennzahlen, Erbsenzähler-Monitoring-Systemen, ISO-Normen, Zertifikaten, Testaten und sonstigen Hilfsmitteln der Planungsgläubigkeit.

Die Evaluations-Diktatur

Der britische Soziologe Michael Power vertritt die These, wir lebten in Audit-Gesellschaften, in denen immer mehr beobachtet und immer weniger gehandelt wird. Sozusagen eine Evaluations- und Buchführungs-Diktatur.

Nachzulesen in dem äußerst bemerkenswerten Opus „Leben im Büro“ von Christoph Bartmann – erschienen im Hanser Verlag. Der Autor erkennt im „modernen“ Management von Staat und Wirtschaft eine Tendenz zu einer neureligiösen „Fähigkeitsmystik“. Die Adepten dieser Wunder-Ideologie schwallen in endlosen Monologen von perfekter Prozessoptimierung und Qualitätssicherungsmaßnahmen und ernähren ganze Heerscharen von Beratern, die Inspektionen, Audits, Testate, Analysen, Klassifikationen und Zertifikationen wie warme Semmeln verkaufen.

Im sogenannten New Public Management gedeiht eine Neo-Bürokratie, die den Bürokratieabbau mit neuer Bürokratie übersät. „Der flächendeckende Einsatz von NPM lässt eine Audit-Gesellschaft entstehen, in der die Rechenschaftslegung und Evaluation von Tätigkeiten einen solchen Umfang annimmt, dass die Tätigkeiten selbst von dem Zwang zur Berichterstattung und dem Aufwand der Evaluation deformiert und überfrachtet werden und so ihren ursprünglichen Sinn und Zweck verlieren“, schreibt Richard Münch in seinem Buch „Globale Eliten, lokale Autoritäten: Bildung und Wissenschaft unter dem Regime von PISA, McKinsey & Co.“

Wo das hinführt, dokumentiert „FAZ“-Redakteur Carsten Knop in einer “Story über die Kapitulation eines Bankberaters”: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/beratungsprotokolle-bei-wertpapieren-die-kapitulation-eines-bankberaters-12538436.html.

So werden die Kunden mit einem Protokollwahnsinn überzogen, um vor unsicheren Finanzprodukten geschützt zu werden. Als Ergebnis bleiben frustrierte Angestellte und verwirrte Verbraucher zurück, die tonnenweise Papierstapel entsorgen müssen. Handeln nach Maßgabe von professionellen Ethiken wäre wohl der bessere Weg, als über eine Instrumenten-Herrschaft undurchschaubare Apparate heranzuzüchten. Dann geht das Opus über ein neobürokratisches Trauerspiel des Bundesverbandes der Entsorgungswirtschaft weiter. Das würde aber jetzt zu weit weg führen vom Livetalk mit Anja C. Wagner.

Update:

Doku zum Livetalk mit Anja C. Wagner: