Wie kommt der Mittelstand durch die Corona-Krise? Interview mit KfW-Chefvolkswirtin Dr. Fritzi Köhler-Geib @KfW_Research #Doku

Hier das komplette Interview auf verschiedenen Plattformen.

Bestform wieder auf LinkedIn mit einigen tausend Abrufen:

Weit über 5000 10.000 Aufrufe – Tabellenspitze LinkedIn.

Holistisches Labern in der Netzökonomie

Berater des digitalen Wandels sind merkwürdige Gestalten. Sie hämmern Begriffe, PowerPoint-Folien, Best Practice-Beispiele, Benchmarks, Empfehlungen für das Prozessmanagement und technokratisch-ganzheitliche Werkzeuge in den Raum und bleiben dabei Diener des alten Systems. In ihren Habitus-Inszenierungen vermitteln sie Gewissheiten und goldene Erfolgsregeln mit der Halbwertzeit von Hustinetten-Lutschpastillen. Egal, ob es um New Work, Industrie 4.0, Content Marketing, Unternehmensgründungen oder Transformationstools für Mittelständler oder Konzerne geht, sind die Consultants eher Agenten des Stillstands. Die Angst der Mächtigen in Organisationen korreliert mit der Angst und dem Opportunismus der Berater um ihre Pfründe.

„Wilde“ Ideen mit Prozess-Management

Beide Seiten – also Berater und Klient – agieren im Steuermann-Modus. Sie geben vor, mit der richtigen Navigationstechnik den Kurs auch in rauer See zu halten. Da reden Gartner, McKinsey und Co. von der Notwendigkeit des bimodalen oder trimodalen Managements. In unterschiedlichen Ausprägungen geht es dabei um das normale Tagesgeschäft, um wilde Ideen und um neue Geschäftsprozesse. Wer alle Disziplinen beherrscht, bleibt zukunftsfähig. Blöd nur, wenn das von Top-Managern orchestriert wird, die die Welt nur unimodal betrachten. 

Die unimodalen Führungskräfte suchen in den Herausforderungen der Netzökonomie nach einer neuen Normalform, „die dann wieder durch neue einheitliche Prozesse beschrieben werden kann“, erläutert Günter Dueck und sagt weiter:  „Change Management beschäftigt sich mit dem aktiven Wandel von einer Normalform in die andere. Dann – so stellt sich das ein MBA und vielleicht ein Fertigungsingenieur vor – geht alles seinen neuen gemächlichen Trott weiter.“

Man spendiert den geplagten Mitarbeitenden „einen halben Tag gute Ratschläge, wie Design Thinking geht“, bemerkt Dueck. Am Nachmittag geht es dann wieder um das Brot-und-Butter-Geschäft. So sieht bimodal oder trimodal in der Praxis aus. 

Daran wird sich nichts ändern, wenn die digital-transformatischen Berater in Teutonien auf ihren Keynote-Präsentationsfolien die immer gleichen disruptiven Schreckbeben-Beispiele ins Auditorium senden und nach ihrer  Bühnenshow Visitenkarten, gesponserte Büchlein und Workshop-Angebote für das digitalisierte und holistische Management feil bieten. 

Handel durch Nicht-Handeln – Beratung durch Nicht-Beratung

Aus Beratern sollten wieder Konsultanten werden, die nicht im Best Practice-Gewand irgendwelche Gewissheiten verkaufen. Sie sollten eher Ungewissheiten vermitteln, wie sie der Philosoph Peter Sloterdijk ivor einigen Jahren in der „Revue für postheroisches Management“ beschrieben hat. 

Beispielsweise die Diskontinuität als Element der Beratung. So versucht man in den chinesischen Klugheitslehren den Faktor der Entscheidung auszuschalten, um sich beim Handeln ganz von der Macht der Umstände und ihrer Neigungen tragen zu lassen. Handeln durch Nichthandeln. Damit würde man sich schon mal von einem prozessgetriebenen Aktionismus abkoppeln. 

In den Ideenlaboren der Renaissance verbündeten sich die Konsultanten mit der Unberechenbarkeit. Unternehmerische Menschen gelangen nicht durch Prinzipientreue zum Erfolg, sondern dank ihrer Geistesgegenwart und ihres Sinns für das Glücksangebot. Es zählen nicht Prozesse, sondern das Erkennen von Gelegenheiten. Der Hofnarr ist immer noch der beste Berater. In seinem Zentrum stehen die Störung von Abläufen und der Anstoß zur Selbsterkennung jenseits von pseudo-rationalen Steuerungslehren. 

Welche Zukunft hat der stationäre Handel? #ZPSpätschicht mit Kai Hudetz von @IFHKoeln, Andreas Gutt von @rewe_group, @StefanBinkowski und @ProfHeinemann 

ZP Spätschicht: An vorderster Front – Die unterschätzte Rolle der Mitarbeiter im stationären Handel.

Am Donnerstag, 7. Oktober um 16 Uhr Rückblick auf den #ZukunftPersonalReconnect-Livetalk mit Gerrit Heinemann (Professor für BWL, Management und Handel, Hochschule Niederrhein), Stefan Binkowski (Director Business Development Retail & Consumer SAP Deutschland SE & Co.KG), Andreas Gutt (Leiter HR Vollsortiment national Rewe Group), Kai Hudetz (Geschäftsführer IFH KÖLN).

Der digitale Wandel und vor allem die Plattformökonomie bewirken einen historischen Wandel in der Arbeitswelt: Vor allem der stationäre Einzelhandel ist davon besonders stark betroffen. „Eine seiner größten Schwachstellen ist die geringe Attraktivität als Arbeitgeber für qualifizierte Arbeitskräfte. Dieses wurde in Studien nachgewiesen und betrifft insbesondere Akademiker und digitale Talente. Demnach steht der deutsche Einzelhandel vor einem spürbaren Fachkräftemangel. Selten werden jedoch Maßnahmen, die dem Mangel an passenden Mitarbeitern aktiv entgegenwirken können, eingeleitet. Zugleich hat gerade der Handel gute Chancen, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Er muss dafür seinen digitalen Bedarf sichtbar machen und an seinem Employer Branding arbeiten. Gelingt ihm das nicht, werden die Online Pure Players den Krieg der Talente für sich gewinnen“, prognostiziert Professor Gerrit Heinemann in seinem Fachbuch „Intelligent Retail“.

Das sei eine große Gefahr, da die fortschreitende Digitalisierung einen enormen Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften im stationären Handel entstehen lässt. Sowohl die Verknappung von Arbeitskräften als auch die wandelnden Qualifikationsanforderungen stellen das Personalmanagement im stationären Einzelhandel vor große strategische Aufgaben. Vor allem die Gewinnung und Bindung von qualifizierten qualifizierten Arbeitskräften stellt sich als zentraler Wettbewerbsfaktor heraus, um den bereits 1996 von Amber und Barrow beschriebenen „War for Talents“ zu gewinnen.

Dabei geht es nach Einschätzung von Heinemann um fünf Themen und zwar die Neupositionierung des Employer Branding, die Attraktivitätssteigerung als Arbeitgeber, das Active Sourcing zur Personalgewinnung und Loyalitätssteigerung, die Schaffung von „Digital Attractiveness“ als Arbeitgeber sowie den Sieg im Kampf um die IT-Talente (Amber & Barrow, 1996). Der Fachkräftemangel steht beim Hauptverband des deutschen Einzelhandels ganz oben auf seiner Agenda.

So will der Spitzenverband mit der Initiative „Jetzt schon Profi“ die Branche in ein modernes Licht rücken. Nachwuchskräfte sollen mit Verdienstmöglichkeiten, Karrierechancen und auch dem Klima-Engagement des Handels gelockt werden. Wie das gelingen kann, diskutierten wir in der #ZPSpätschicht unter dem Thema: „An vorderster Front: Die unterschätzte Rolle der Mitarbeiter im stationären Handel.“

Siehe auch:

5 Lösungen, um den stationären Einzelhandel zu retten

Digitalpolitische Empfehlungen von @lietzkow an die neue Bundesregierung

Hier noch einmal alles fein kuratiert für all jene, die den Multistream verpasst haben.