#LassmalCut: Immer noch ikonisch im #Corona-Jahr – #NextAct virtuell @netzabine @winfriedFelser @constantinsohn @MarcWagner1975 @th_sattelberger

Nicht viele hatten seit den Corona-Beschränkungen den Mut wie Mister NextAct Winfried Felser, bei virtuellen Formaten radikal neue Wege zu gehen, viele verrückte Dinge auszuprobieren und sich von den üblichen einschläfernden Webinaren zu verabschieden.

Blecherne Stimmen, verkrampfte Moderation, kaum Interaktion und Referenten, die mit einer Flut von propagandistischen Powerpoint-Folien im sonoren Ton loblabern und ein wehrloses Publikum in den Netzschlaf wiegen: Man nennt das Ganze auch Heizdecken verkaufen über so genannte Webinare. 

Selbstgefällige Redner, die sich als schlechte Vorleser von übel gestalteten Textfolien mit phrasenhaften Bullet-Points darstellen, nerven schon bei normalen Präsenzveranstaltungen. Virtuell wirken sie besser als jedes handelsübliche Schlafmittel.

Im Auditorium eines Kongresses unterhält man sich mit der Nachbarschaft, studiert die neuesten Nachrichten auf dem Smartphone oder übersät seine Tagungsunterlagen mit „Das-ist-das-Haus-vom-Nikolaus“-Zeichnungen. 

Was bei einem normalen Kongress schon tödlich sein kann, beschleunigt sich bei Webinaren wie in einem Katalysator. Als Vortragender bekomme ich virtuell kaum eine Chance, das Ruder herumzureißen und mit einem Witz oder einer Anekdote das Publikum wieder für mich zu gewinnen.

Wenn Referenten dann noch mit monotoner Stimme aufwarten, ihre Denkpausen mit „Ähs“ und „Ähms“ überspielen, Silben verschlucken und ständig ins Mikrofon bellen, wirkt das Gesagte wie eine Foltermethode für die Ohren.

Da fand ich den Bullshit-Einstieg von Marc Wagner und den Ablauf der NextAct doch viel erfrischender.

Was für ein prägendes virtuelles Format habt Ihr denn in den vergangenen Monaten erlebt?

Siehe auch:

Mach mal Cut, das macht so keinen Sinn – über das ginlose Leben vor, auf und nach der #NextAct

#NextWirtschaftswunder auf der heutigen virtuellen #NextAct

Über Narzissten im Management, Machiavelli und Wirtschaftsethik ohne Naivität @ute_cohen @SeptimeVerlag #EconTwitter

Autorengespräch mit Ute Cohen über ihren Roman „Poor Dogs“, erschienen im Septime-Verlag.

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Siehe auch:

Notizen zur Wirtschaftsethik

Aufsteigen oder rausfliegen – Ute Cohen über „Poor Dogs“

#NextWalk mit Todesangst, Federweißer und letzten Worten #Calmont #Mosel

Diesmal führte uns der #NextWalk zum steilsten Weinberg in Europa. Wir stiefelten am Calmont an der Mosel umher – organisiert vom Hashtag-Soziologen Klaus Janowitz. Später kamen dann noch Überraschungsgäste dazu.

Arbeitsmarkt-Schwurbeleien von Osborne und Frey über die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz

Automatisierung und Künstliche Intelligenz – Mehr als ein Hype? Über das Wechselspiel von Mensch und Maschine: Über dieses Thema diskutierten wir beim Evening Talk in Kooperation mit @piqd_de  in Berlin. Dabei waren Mads Pankow, Axel Oppermann und IBM Automation-Expertin Heike Figge. 

Über welches Ausmaß sprechen wir überhaupt, wie gravierend ist der Wandel und sind die Auswirkungen für die Arbeitnehmer? Davon ausgehend natürlich auch die Frage, wie Arbeit in Zukunft aussehen könnte?

Fast die Hälfte aller Arbeitsplätze sei durch den technischen Wandel gefährdet. Wir kennen diese verkürzte Darstellung unterschiedlicher Studien, die in den vergangenen Jahren öffentlich präsentiert wurden. Etwa die viel zitierte Studie von Osborne und Frey (2013). So sollen 47 Prozent der im Jahr 2010 in den USA ausgeübten Berufe in den nächsten zehn bis 20 Jahren von der Ersetzung durch Maschinen bedroht sein. Die Forscher bewerteten 702 Berufe nach ihrer Automatisierungswahrscheinlichkeit. Osborne und Frey sprechen allerdings von den Fähigkeiten am Arbeitsplatz, die sich in Zukunft radikal ändern werden.

Nur wie sieht die Realität wirklich aus? Wie viele von diesen 47 Prozent aller Jobs wurden seither bereits wegautomatisiert, fragt „Die Presse“ in einem sehr interessanten Interview mit Carl Benedikt Frey. Seine Antwort:

„Nicht sehr viele. Und ich hätte das auch nicht erwartet. Das Papier, welches wir 2013 veröffentlichten, beinhaltete eine Schätzung des potenziellen Ausmaßes der Automatisierung. Wir sagten uns: Das sind jene Bereiche, in denen Computer noch sehr schwache Leistungen bringen, also in Kreativität, komplexer sozialer Interaktion, in Wahrnehmungs- und Manipulationsaufgaben. Und wir schätzen, dass 47 Prozent aller Jobs nicht sehr stark von diesen Eigenschaften geprägt sind. Weiters haben wir untersucht, wie Entscheidungen zu automatisieren, gefällt werden.“

Und ein Punkt ist noch viel wichtiger. Sein Rat an die Politik, Arbeitsmärkte fit für die neuen Technologien zu machen:

„Die wichtigste Beobachtung ist: Seit gut drei Jahrzehnten ist in fast allen Staaten die Besteuerung von Arbeit im Vergleich zu jener von Kapital stark gestiegen. Man hat die Körperschaftsteuersätze gekürzt. Allein durch die Steuerpolitik hat man also Anreize geschaffen, menschliche Arbeitskraft durch technologische Innovationen zu ersetzen. Das müsste man also als Erstes angehen“, sagt Frey. Und da liegt er goldrichtig.

Seine erste Antwort zur Automatisierung erinnert ein wenig an die Boes-Sohn-Kontroverse – so nenne ich mal die Diskussion, die ich mit Andreas Boes vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung geführt habe. All das, was als Szenarien für die Zukunft durch den Einsatz von KI gesagt wird, kann für die Gegenwart nicht klar benannt werden. Noch nicht einmal in Ansätzen. Auch nicht die angebliche Rückständigkeit Deutschlands in der KI-Forschung und bei der Anwendung von KI im Vergleich zu den USA und zu China.

Es gibt noch einen grundlegenden Punkt in der Debatte, der viel stärker ins Zentrum gerückt werden sollte: Mal abgesehen von der Unfähigkeit der Forscher, wirklich belastbare Aussagen über die Zukunft über einen Zeitraum von 12 Monaten vorzulegen, sind alle Protagonisten von der Überlegung beseelt, dass es ausschließlich um die Steigerung der Produktivität und um die Senkung von (Lohn)-Kosten geht. Vielleicht sollten die “Forscher” stärker darüber nachdenken, was erfolgreiche Unternehmer in der Vergangenheit ausmachte und Szenarien darstellen, wie es auch anders laufen könnte.

Holger Bonin, Forschungsdirektor am Institut zur Zukunft der Arbeit in Bonn und Professor für Volkswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik an der Universität Kassel, geht in einem Gastbeitrag für die FAZ differenzierter ran.

So gibt es die Vorstellung, dass die moderne Technik die Menschen vom Joch der Arbeit befreien wird, so dass sie mehr Zeit für Tätigkeiten aus purer Neigung oder auch Müßiggang verwenden können.

„Schon John Maynard Keynes schrieb in der Zwischenkriegszeit über die ‚ökonomischen Möglichkeiten unserer Enkelkinder‘, dass sie ihre Wochenarbeitszeit auf wenige Stunden verringern könnten – die Arbeit übernähmen die Maschinen. Der Hoffnung, dass mit der Digitalisierung eine Art Schlaraffenland entstehen könnte, stehen andererseits düstere Prognosen von einem Ende der Erwerbsarbeit gegenüber, von baldiger Massenarbeitslosigkeit und Prekarisierung großer Teile der Bevölkerung. Damit verbunden sind auch Kassandrarufe von einem Ende des traditionellen Sozialstaats, dessen Sicherungsversprechen und Finanzierung vor allem an die auf dem Markt erzielten Erwerbseinkommen anknüpfen. Ein genauer Blick auf vorhandene Daten und Erfahrungen führt jedoch eher zu der Botschaft: Wir werden auch in Zukunft arbeiten können – und müssen.“

Die Betrachtung von Frey und Osborne gehe von der Automatisierbarkeit ganzer Berufe aus. Dieser Ansatz würde aber übersehen, dass Erwerbstätige immer Bündel von unterschiedlichen Tätigkeiten ausführen, die jede für sich unterschiedlich gut automatisierbar sind:

„Die Tätigkeitsprofile, die einen Beruf ausmachen, entwickeln sich mit den technologischen Möglichkeiten weiter. So ändern sich die Anforderungen an die Beschäftigten, ihr Beruf aber überlebt“, schreibt Bonin.

Eine empirische Untersuchung von Forschern des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), an der auch Bonin mitwirkte, kommt zu dem Ergebnis, dass in Deutschland nur 12 Prozent der Jobs ein Tätigkeitsprofil mit hoher Wahrscheinlichkeit der Automatisierung aufweisen.

Dass die Automatisierung mehr neue Jobs schaffen könne als sie zerstört, zeigen die Ergebnisse einer noch unveröffentlichten Studie, an der Terry Gregory vom Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) mitwirkt.

„Demnach hat der Einsatz von arbeitsparenden Maschinen in Europa in den Jahren 1999 bis 2010 alles in allem etwa 1,6 Millionen Jobs vernichtet, viele davon in der Produktion. Im gleichen Zeitraum sind jedoch durch die Automatisierung fast zweimal so viele Arbeitsplätze neu entstanden. Unter dem Strich hat Europa also durch den technologischen Fortschritt rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze dazu gewonnen, viele davon im Bereich der Dienstleistungen. Darunter sind nicht nur einfache Jobs, wie sie etwa der Internethandel in Vertrieb und Logistik schafft. Auch anspruchsvolle Betätigungsfelder wachsen – so die Bereiche Software, Marketing und Medien“, erläutert Bonin.

Eine große Herausforderung sei es, über Weiterbildung qualifikatorische Ungleichgewichte abzubauen. Dabei werde es nicht reichen, allein auf mehr höhere Bildung zu setzen. Die Bildungsinhalte müssten stetig aktualisiert werden, damit möglichst viele Menschen neue Technik schöpferisch gestalten oder zumindest anwenden können.

Insgesamt geht es also nicht um digitalen Taylorismus. Es geht um einen grundlegenden Paradigmenwechsel im Zusammenspiel von Mensch und Maschine. Wie wird sich das Verhältnis von Mensch und Maschine neu ausbalancieren? Welche Entscheidungsbefugnisse gliedern wir an Maschinen aus und wo sind die Grenzen? 

“Gerade weil Diskussionen über Zukunftsszenarien allzu oft ahistorisch geführt werden, rutschen sie nicht selten, ohne sich dessen bewusst zu werden, in überkommene Denkmuster hinein. Vielleicht besteht der beste Gewinn des Rückblicks auf die vielen Fehlprognosen der Vergangenheit darin, das Neue der Gegenwart schärfer ins Visier zu nehmen und sich von eingefahrenen Gewohnheiten der Zukunftsschau zu befreien. Dazu gehört auch, über technische Innovationen möglichst konkret zu reden”, fordert der Historiker Professor Joachim Radkau in seinem Opus “Geschichte der Zukunft”, erschienen im Hanser Verlag.

Überprüfen wir also die so inflationär verbreiteten Wunderthesen über die Wirkung der KI mit dem Status quo. Da kommt der eine oder andere Protagonist bei seinen Prognosen direkt ins Stottern.

Siehe auch:

Arbeit und Künstliche Intelligenz – Gestaltungsaufgaben für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Kommt nun im Digitalen die ultimative Automatisierungswelle? @axelopp neigt zu dieser Prognose #9vor9

Grenzen der KI:

Besonders in der Corona-Krise sollten wir uns auf die Fähigkeiten und Qualitäten der Menschen besinnen und Ideenpotenziale zur Bewältigung der Weltwirtschaftskrise wecken. Oder in den Worten von Next Act-Denker Winfried Felser:

„Durch die Demokratisierung von Kompetenz und Entscheidungen sorgt man für das Heben von Potenzialen.“

Über Schafe, Roboter und das Lieferkettengesetz – Eine Antwort auf Dalia Marin @LMU_Muenchen #EconTwitter

Hatte gerade kein Schaf griffbereit 🙂

Ein Herr Dr. Schäfer, Lobbyist der Textilindustrie, hat ein sehr metaphorisches Verhältnis zum Schaf. Denn in seinem ermüdenden Powerpoint-Vortrag im Bonner Beschaffungsamt  stellte er sich vor einigen Jahren mit dem Foto eines Schafes vor (oben wählte ich eine Kuh – da bin ich an der Hand meiner Mutter abgebildet). Wie originell.

Früher weidete das Schaf in Deutschland und die Wolle wurde im eigenen Land verarbeitet. Von der Spinnerei, über die Weberei und Färbung bis zum Nähen. Dann wurden die Endprodukte verkauft. Heute sei ja alles so komplex, kompliziert und internationalisiert, sagte der Herr Schäfer.

Es seien so viele Akteure mit im Spiel, dass es sehr schwierig sein wird, einen nachhaltigen Einkauf sicherzustellen. Und wenn NGOs mit ihren Wünsch-Dir-was-Vorstellungen kommen, dann gewinnt man den Eindruck, hier gehe es gar nicht mehr um Wirtschaftlichkeit. Mit dem bunten Strauß an Vorschlägen, den die NGOs für die Nachhaltigkeit machen, bleibe der Gewinn auf der Strecke. Zudem sei das mit dem Vergaberecht auch so eine problematische Sache. Wenn der Staat das Anspruchsniveau anhebt, fallen die deutschen Anbieter weg. 

Beim überfälligen Lieferkettengesetz, das Ende September vom Bundestag beschlossen werden soll, argumentiert man jetzt genau andersherum: Es stehe nicht für den Schutz der Menschenrechte, sondern ist purer Protektionismus, behauptet die VWL-Professorin Dalia Marin in einem Gastbeitrag für die Welt. 

„Verstärkt werden die Anreize zur Rückverlagerung der Produktion nach Deutschland noch dadurch, dass die Verwendung von Robotern heute billiger ist als jemals zuvor. Die Rechnung ist einfach: Ein Unternehmen in Deutschland müsste einem deutschen Arbeiter viel mehr zahlen als beispielsweise einem aus China. Aber ein deutscher Roboter fordert überhaupt keinen Lohn, ganz zu schweigen von Sozialleistungen wie Krankenversicherung oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall“, schreibt Marin. 

Warum gab und gibt es denn eine Deindustrialisierung in der Autoindustrie? Hier gibt es schon seit langer Zeit eine hohe Automatisierung in der Produktion durch Roboter und spezielle CIM Fertigungslinien. Dennoch wächst der Druck, die Produktion in Billiglohn-Länder zu verlagern. 

In Indien arbeitet ein CAD-Entwicklungsingenieur für rund fünf Prozent des deutschen Gehaltsniveaus und zusätzlich ohne Arbeitszeitbegrenzung. Darüber hinaus erfolgt die Produktion der meisten Werkzeuge und Maschinen ohnehin schon in Asien. Das Roboter-Argument der Ökonomin geht also ins Leere. 

Mit dem Lieferkettengesetz müsste auch international für eine internationale Durchsetzung der Kernarbeitsnormen der internationalen Arbeitsorganisation gesorgt  werden. Wenn der Druck aus Deutschland und anderen Ländern zunimmt, nimmt natürlich auch der Druck auf die Zulieferer der Zulieferer zu. Zudem gibt es in den vielen armen Ländern bereits NGOs, die Lieferketten durchleuchten und transparent machen. 

Aber da gibt es ja noch das Schaf von Herrn Schäfer, das unter Kontrollverlust leidet. Gehen wir einmal von der These aus, dass man für das Schaf eine ordentliche Kostenrechnung in der Textilkette aufstellen könnte, etwa bei der Herstellung eines T-Shirts. Was wäre, wenn sich die bislang nicht berücksichtigten ökologischen und sozialen Kosten genau quantifizieren und zuordnen ließen? Das günstigste T-Shirt wäre dann jenes, dessen Produktion Umwelt und Gesellschaft am wenigsten schadet. Schnäppchen-Jäger würden dann, ohne es zu wollen, einen positiven Beitrag für die Nachhaltigkeit leisten. Es gibt mittlerweile internationale Indizes, die es möglich machen, diese Standards durchzusetzen. Ein Mausklick reicht heute aus, um soziale und ökologische Fehltritte öffentlich zu machen.

Wenn man sich das Lohnniveau in Indien und vielen anderen Ländern anschaut, bleiben die Kostenvorteile erhalten, auch wenn die Standards für ökologische und soziale Nachhaltigkeit angehoben werden. Frau Marin kann ja mal bei einem Zulieferer der Autoindustrie anrufen. Ich könnte ihr ein paar Telefonnummern geben.