@lietzkow plädiert für Minderheitsregierung #JamaikaAbbruch

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#JamaikaAbbruch und nu? Live-Interview mit @foresight_lab von #D2030 #Neuwahlen #Minderheitsregierung

Siehe auch:

Ende der Jamaika-Sondierungen – Die Nacht der Entscheidung

Jamaika gescheitert – FDP bricht Sondierungen ab

Mit der Idee des Ateliers eine neue digitale Kultur begründen @bildungsdesign

Fantastisches ciokurator.com Interview mit dem Bildungsethiker Christoph Schmitt auf dem Watson Summit in Luzern zu seinem Konzept des Ateliers als Mittelpunkt einer urbanen digitalen Kultur jenseits des funktionalistischen Optimierungswahns von Protagonisten, die den arbeitsteiligen Industriekapitalismus mit digitalen Werkzeugen auf die Spitze treiben wollen. Im Mittelpunkt des Gesprächs steht das neue Buch von Christoph „Digitalisierung für Nachzügler“. Sehr lesenswert 🙂

Am Freitag werde ich in meiner Netzpiloten-Kolumne ausführlich über die Atelier-Idee schreiben.

Kein Digitalministerium, Bevorzugung der Deutschen Telekom, falsche Einschätzung der Lage – Zur Digitalpolitik in Deutschland

#WortzumSonntag im Tagesspiegel

Kein Digitalministerium, Bevorzugung der Deutschen Telekom, falsche Einschätzung der Lage: Die deutschen Politiker seien mit dafür verantwortlich, dass Deutschland in der Digitalisierung hinten liege. Das sagt Ralph Dommermuth, Chef des Unternehmens United Internet, im Gespräch mit dem Spiegel. golem.de hat das aufgegriffen.

Zu den Gründen zählt Dommermuth auch die Aufteilung der Digitalwirtschaft auf verschiedene Ministerien. Dies habe in der vergangenen Legislaturperiode dazu geführt, dass sich keiner als zuständig betrachtete. Meine Rede. Im Tagesspiegel habe ich das ausführlich begründet. Auf ciokurator.com will ich dazu noch ein paar Interviews führen.

Hobbes, Kant und die Next Economy – Ein Interview zur #NEO17x

Joachim Neubauer, Redakteur der Hochschule Fresenius, hat mich zu meinem Lehrauftrag und zur diesjährigen Next Economy Open befragt. Hier die Audio-Aufzeichnung:

Er war sogar so nett, das Ganze zu transkribieren. Hier das Ergebnis:

JN:Vielen Dank , dass du Zeit hast für uns. Du bist Lehrbeauftragter hier an der Hochschule Fresenius. Könntest du kurz auf die Kerngebiete und die Hauptforschungsinteressen kurz eingehen, die du hier mit den Studierenden durchgehst.

GS: Der Schwerpunkt ist hier eine Mischung aus Volkswirtschaft und Wirtschaftsethik als Schwerpunkt, noch in Richtung CR, Unternehmensverantwortung. Der Schwerpunkt ist aber schon Wirtschaftsethik. In meiner Auslegung fange ich da nicht bei Aristoteles oder Platon in der Antike an, sondern dass ich das eher auf der Ebene des Methodenstreits der Ökonomie behandele. Der alte Werturteilsstreit zwischen Max Weber und den Kathedersozialisten, der schwingt bis in die heutige Zeit rein, wenn man sich auch die aktuellen Auseinandersetzungen anschaut, beispielsweise mit Professor Lutz Becker, als Vertreter der transformativen Ökonomik, da wird als politischer Wissenschaft gewertet und vom Mainstream abgelehnt. In diesem Spannungsfeld baue ich Wirtschaftsethik ein.

JN: Kannst du noch genauer auf die Forschungsgegenstände eingehen?

GS: Letztlich ist es der Streit in der Ökonomik, ob man normativ ausgerichtet ist. Wenn ich Wirtschaftsethik mache, bin ich automatisch in einer normativen Schiene, was die herrschende Lehre der Wirtschaftsethik von Professor Homann und seinen Jüngern, sage ich mal ein bisschen despektierlich, anders gesehen wird. Die betrachten einfach nach der Logik der Mainstream-Ökonomik die wirtschaftlichen Verhältnisse und sagen dann, was muss die Rahmenordnung tun, damit die Player sich fair verhalten. Die Verantwortung wird weggeschoben von den Akteuren, zu irgendetwas Metaphysischem. Das ist dann Herr Schäuble oder was auch immer. Das ist keine Wirtschaftsethik, das ist eine Beschreibung des Status quo. Das ist der Hauptstrang in der Disputation. Ich habe ja auch mit Mainstream-Ökonomen Streitgespräche in der Öffentlichkeit. Darum geht es dann auch in meinen Vorlesungen. Die großen zwei Denkrichtungen, sind Thomas Hobbes, als Vertreter der egoistischen Lehre und Immanuel Kant. Diese Antipoden sind das, was bis zum heutigen Tag den Streit in der Wirtschaftswissenschaft ausmacht.

JN: Du betreust ja auch hier den Wirtschaftsethik-Kurs mit. Da wollte ich nachfragen, wie du die Verbindung von Wirtschaft und Ethik einschätzen würdest. Es ist ja ein schwieriges Thema und heiß diskutiert.

GS: Ein Rechtsanwalt hat mir mal geschrieben, dass Wirtschaftsethik und Unternehmen sind ein Widerspruch, weil schon § 1 eines Gesellschaftsvertrages einer Kapitalgesellschaft, da steht genau das Gegenteil. Das ist halt genau der Punkt. Aber Wirtschaft ist keine Himmelsphysik, das ist ein humanes Feld, in dem wir uns bewegen. Wie Herr Prof. Lesch aus München das als Naturwissenschaftler gesagt, Ökonomik kann auch anders. Wir können es als Menschen anders gestalten, und da sind wir wieder bei Kant. Und dann sind wir bei der Frage, was können Unternehmen tun, um für das gute Leben zu sorgen.

JN: Welche Forschungsinhalte liegen dir da am meisten am Herzen, was motiviert dich da?

GS: Mich motiviert, was mich seit Ewigkeiten umtreibt: die sehr empiristische Orientierung der Ökonomik, die mich stört. Wiewohl immer ein großes Missverständnis besteht. Ökonometrie, Spieltheorie und alles was mit mathematischen Verfahren zusammenhängt, sind durchaus interessant. Die Kritiker der neuen, pluralen, heterodoxen Ausrichtung sagen: Die können kein Mathe! Ich habe mich mal mit einem Mathematiker unterhalten. Der hat gesagt: Ökonomie ist lachhaft! Die können ja noch nicht einmal diskrete Mathematik. Da könnte man sich auch noch stundenlang drüber streiten. Das rein quantitative Gebäude der herrschenden Lehre, das greife ich an.

JN: Dann etwas spezifischer zu deinem Blog und einem Streitgespräch mit Hakan Cengiz im Rahmen der #NEO17x. Da attackierst du recht schroff das Online-Marketing und Suchmaschinen-Optimierung (SEO). Woher rührt dort deine Kritik?

GS: Im Grunde ist das auch wieder der Kampf von Hobbes gegen Kant. Die Mechanisten, die uns an der Nase herumführen wollen, die operieren mit Thomas Hobbes rein utilitaristisch ausgerichtet. Die andere Seite ist die aufgeklärte nach Kant. Ich glaube, dass die User nicht so bescheuert, sind, dass sie dauernd auf irgendwelche Fallen hereinfallen, wo man wie eine weiße Maus in einem A/B-Testingverfahren geschoben wird. Deshalb glaube ich, dass in dem Moment, wo diese Verfahren öffentlich werden, verfallen diese Modelle. Das hat ein Brand-1 Redakteur ganz gut ausgeführt: Warum steigen eigentlich die Ad-Blocker zahlen so an, wo die User von vorneherein die Werbung ausschließen. Da sieht man eine exponentielle Kurve und die User sind schlauer, als die Werber denken.

JN: Zum abschließenden Teil, was diesen Blog angeht. Abschließend plädierst du dafür, dass der Austausch mit den Usern direkt gelingen muss und dass die Abrichtung des Konsumenten durch das Marketing nicht mehr in einer Topdown-Hierarchie passieren darf. Welche Vorstellungen hast du da für die Zukunft?

GS: Der Erfinder des Marketings, Heribert Neffert, verabschiedet sich mittlerweile von dem Begriff des Marketings, weil er sagt, dass dieser Begriff mittlerweile toxisch ist. Man versucht da mit so einer Verkaufsmentalität vorzugehen und den Leuten etwas vorzumachen. Ich denke, dass die normative Kraft des Faktischen dies regeln wird. Wir sind mittlerweile nicht mehr nur Konsumenten, sondern auch Sender, im Kleinen und im Großen. Das merkt man bei Shitstorm-Debatten, wenn beispielsweise Lebensmittelkonzerne Wasserrechte privatisieren wollen und bei anderen Konzernen, die dann wirklich mal zwischen die Hörner genommen werden. Dazu gibt es auch Statistiken vom Europäischen Handelsinstitut, dass die Reputation der Markenartikler und des Einzelhandels im freien Fall ist. Wenn die uns als Konsumenten nicht ernst nehmen und richtige Gespräche mit uns führen, wenn etwas schlecht oder gut läuft, dann wird diese Reputation noch weiter sinken.

JN: Also richtest du dich gegen die Bevormundung der User und lasst die einfach sage, was sie haben wollen?

GS: Absolut! Ich will da jetzt nicht von Influencern reden, das ist für mich eine Seifenblase. Aber es gibt Super-User, die sich bspw. mit Logitech-Geräten besser auskennen, als Logitech selbst. Und die sollte man in einem offenen Format miteinbinden. Das wäre für Logitech ein absoluter Gewinn. Die Abrichtungs-Mentalität muss wegfallen. Auch die Unternehmenskommunikation besteht heute noch aus solch einer Kontrollsucht. Man will im Schönwetter-Modus einfach weitermachen, auch wenn die Realität schon eine andere ist. Dann verfolgt man so eine Blockadetechnik, mit der man das Schlimme auszuklammern und sektenhaft in eine andere Richtung zu marschieren versucht. Das funktioniert nicht. In der Social-Web-Kommunikation noch weniger.

JN: Die #NEO17x ist als eine Konferenz zu verstehen. Das grundlegende Format gibt es seit 2015. Im letzten Jahr wurde dieses digital vernetzt. Die Teilnehmer sind dabei in unterschiedlichen Städten verteilt. Kannst du da den Werdegang erläutern?

GS: Also wir hatten die erste Konferenz als stationäres Event geplant. Dann haben wir gesehen, dass da 150 Teilnehmer waren. So wurde es als das Newcomer-Event des Jahres gefeiert, da wir auch offene Bühnen geboten haben und jeder Teilnehmer seine eigene Session machen konnte. Das war nicht wie im wissenschaftlichen Betrieb mit gremiengesteuerten Call-for-Papers, sondern durchlässiger, transparent und demokratisch. Da haben wir allerdings auch gemerkt, was das für ein riesiger Aufwand ist. Technisch war das eine riesige Herausforderung. 
Im nächsten Jahr kam die Idee ein rein virtuelles Konzept zu machen, mit dezentralen Events, mit Subevents, auch im internationalen Rahmen. Heute ist die Konferenz verteilt von Hamburg, Paderborn, Köln, Overath, also ebenfalls wieder breit gestreut.

JN: Dann eine Frage zum Titel der Veranstaltung: Was bedeutet das x in #NEO17x?

GS: Das x steht genau für die Subevents und ist im letzten Jahr dazugekommen. Diese Subevent-Idee muss im Namen der Veranstaltung auch eine Stelle bekommen. Da kam das x ins Spiel.

JN: Bis zum 1. September wurden noch Ideen für die Sessions gesammelt. Man konnte sich recht einfach und unkompliziert bewerben. Wie stark war da der Andrang?

GS: Das ist von den Themen her sehr unterschiedlich. Es gibt ein paar, die sofort das Prinzip verstanden haben und dann auch experimentell mitspielen (bswp. Co-Working-Space in Overath). Die haben völlig selbständig das Programm für den 2. Tag gestaltet. Dort wird die Konferenz mit den Co-Working-Aktivitäten verzahnt. Hier an der Hochschule Fresenius war das Prof. Lutz Becker, der sofort den Ball aufgenommen hat und die Sendezentrale am ersten Tag und zur Preview an der Hochschule Fresenius in Köln.

JN: Also sind auch die Sessiongeber mitgestaltend tätig?

GS: Genau. Ich bin da nur der Plattform-Geber und in 2 Sessions involviert. Bei der „transformativen Ökonomik“ von Prof. Lutz Becker und beim das Battle zum Thema SEO mit Hakan Cengiz von Coworking4You.

JN: Wie waren die Studierenden im Vorfeld der Konferenz involviert?

GS: Die Preview-Idee war bereits im letzten Jahr von prof. Lutz Becker geboren. Da hat er das mit seinem Kurs gemacht. Mein Wirtschaftsethik Kurs muss in diesem Jahr drei bis vier Projekte machen. Ich wollte dann eine Variante wählen, wo der Praxisanteil viel viel höher ist und wir nutzen das in einer Projektarbeit mit drei Live-Sendungen. Wirtschaftsethik ist da erstens das Thema Fleischkonsum: Nachhaltigkeit, Klimapolitik. Dann das Thema Biosiegel: Etikettenschwindel – ja oder nein. Und die dritte Runde beschäftigt sich mit Gründerfinanzierung – Aufbau oder Ausbeutung im Bereich der Kapitalgeber und deren, teils unethischen, Investitionen. Da ist dann die Frage, ob diese Situation, in so ein Abhängigkeitsverhältnis zu geraten, für einen Gründer gesund ist. 
Das machen die Studenten mit großer Leidenschaft. Die Vorlesungen waren dabei immer sehr lustig und kombiniert aus einem Theoriestrang zur Vermittlung der Wirtschaftsethik und der praktischen Übungen, hier im medialen Bereich mit Kamera und Aufnahme und der redaktionellen Aufarbeitung. 
Im Rahmen der Konferenz in der Vorbereitung haben die Studenten sofort angefangen, in den Formaten zu denken, mit Online-Umfragen und Umfragen auf der Straße. Die Studierenden haben sich richtig eingelebt in die Geschichte und hervorragendes Material produziert.

JN: Was würdest du sagen, welchen Gewinn die Studierenden hier mitnehmen können?

GS: Ich glaube dass sie das sofort von einer abstrakten Methodenebene runterbrechen. Damit also das, was der Nukleus von Fresenius ist, also angewandte Wissenschaft. Das lernen sie damit ganz intensiv. Im Bereich der Medienwirtschaft ist es vielleicht für die Studierenden nicht schlecht, dass sie sich an Formaten ausprobieren, die selbst klassische Journalisten noch nicht beherrschen.

JN: Welche Formate gibt es denn dort?

GS: Die drei Gruppen haben sich da einiges gedacht. Es wird bspw. einen Blindtest geben live, dann gibt es auch Gäste die hier live ins Studio kommen und auch bei den Einspielern und bei der Online-Umfrage zum Thema Bio-Siegel kommen sehr, sehr interessante Ergebnisse heraus, die sogar wissenschaftlich interessant sind.

JN: Die Inhalte werden auch langfristig abrufbar und verwertbar sein?

GS: Das ist das Schöne. Unser virtueller Rekorder ist Facebook. Die Aufnahmen sind dann sowohl auf dem Rechner als auch bei Facebook sofort gespeichert und abrufbar. Die Konserve ist sofort da.

JN: Das Schlagwort der #NEO17x ist ja die Digitale Transformation. Wie schätzt du die Risiken und Chancen dieser neuen ökon., ökol., gesellschaftlichen Ordnung ein? Ängste, Risiken, Vorteile?

GS: Das ist nicht entschieden, wo es hingeht. Ob wir am digitalen Nasenring fortgeführt werden mit digitalen Werkzeugen. Ob der Taylorismus jetzt sogar noch auf die Spitze getrieben wird, dass Menschen jetzt sogar bei Wissens-Arbeiten getaktet werden, dass Algorithmen immer relevanter werden und Maschinen und KI. Oder ob wir diese Räume nutzen, wie wir es beispielsweise machen, für partizipative Konzepte und kollaboratives Arbeiten und das Aufbrechen der Strukturen. Wenn ich mir die alten Industrieunternehmen anschaue, habe ich da meine Zweifel. Bei der Start-Up Szene weiß ich nicht, das ist in Deutschland schwach ausgeprägt. Wir haben leider eine negative Gründertätigkeit. Da fragt man sich dann schon: Was läuft falsch? Was müsste Fresenius mehr machen, damit mehr Gründer aus dieser Hochschule rausgehen? Dennoch ist der Blick nicht dystopisch, weil die Möglichkeiten, Dinge öffentlich zu disktuieren, die sind stärker denn je. Es müssen einfach diejenigen, die das positiv konnotieren, nicht verprellen lassen von den Hatern. Da bin ich dann doch relativ optimistisch.

Soweit das Interview. Wer an der #NEO18x mitwirken möchte, sollte sich einfach bei mir melden.