Bioplastik und die Verwertung im Konjunktiv

Vor rund 15 Jahren habe ich mich schon mit der Umweltverträglichkeit von Bioplastik beschäftigt. Etwa für das Handelsblatt. Meine Recherchen damals: Das Ganze lässt sich nur im Konjunktiv verwerten – Kompostwerke zweifeln biologische Abbaubarkeit an. Damals schrieb ich:

Als 1988 die Recycling-Codes für die sechs meistgebrauchten Kunststoffe vergeben wurden, hatten Biokunststoffe im heutigen Sinne keine wirtschaftliche Bedeutung. Die Codes sind gepfeilte dreieckige Rahmen, die in der Mitte die zweistellige Materialnummer und manchmal darunter das Materialkürzel tragen. Die frühe Initiative hatte der US-amerikanische Wirtschaftsverband der Kunststoffindustrie The Society of the Plastics Industry (SPI) ergriffen.

Der Verband nummerierte die Polymere PET (Polyethylenterephthalat, Nr. 01), HDPE (Poyethylen hoher Dichte, Nr. 02), PVC (Polyvinylchlorid, Nr. 03), LDPE (Polyethylen niedriger Dichte, Nr. 04), Polypropylen (PP, Nr. 05) und Polystyrol (PS, Nr. 06). Die Nummer 07 mit dem Kürzel „O“ (für „other“) wurde für alle anderen Kunststoffe gewählt. Dazu gehören Acrylglas, Polycarbonat, Nylon, ABS, Fiberglas (GFK) und nunmehr auch Biokunststoffe wie Polymilchsäure (PLA, Polylactic Acid). 

Die amerikanischen Kodierungen wurden um weitere Materialien ergänzt und haben sich zu den „International Universal Recycling Codes“ entwickelt, die weltweit verbreitet sind. Die Vergabe der Nummern ging weiter. Ab Nummer 8 wurden Batterien, Papier und Pappen, Metalle, Holz, Textilien, Gläser und Verbundwerkstoffe gekennzeichnet. Sogar Bleiglas und Kork wurden berücksichtigt (Nr. 51 und Nr. 76). Biokunststoffe sind dagegen nicht integriert. Rein theoretisch könnten sie im Bereich 42 bis 49 Platz finden, der noch für organische Stoffe und Biomasse freigehalten wird.

Dem steht jedoch ein grundsätzliches Problem entgegen. Es gibt keine einheitliche Begriffsdefinition. Unter Biokunststoffen werden einerseits Kunststoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe verstanden, die biologisch abbaubar sein können, aber nicht müssen. Andererseits wird der Begriff für biologisch abbaubare Kunststoffe verwendet, die biologischen Ursprungs sein können oder auch auf Mineralölbasis hergestellt werden. 

Für eine Schnittmenge treffen beide Definitionen zu, etwa für Zelluloid und Kunststoffe auf Stärkebasis. Die Gruppe der biologisch abbaubaren Kunststoffe ist besonders unübersichtlich. Sie unterscheiden sich durch die Einflüsse, unter denen sie mehr oder weniger schnell zerfallen, im wesentlichen durch Sonnenlicht (UV-Licht), Sauerstoff, Wärme, Feuchtigkeit, mechanische Belastung und mikrobiologische Angriffe wie in der Kompostierung. Manche Biokunststoffe reagieren nur auf einen der Faktoren, andere auf mehrere, wiederum andere benötigen die Kombination von Faktoren, wie etwa beim oxo-thermischen Abbau (Sauerstoff und Luft). 

Eine Untergruppe sind die Kunststoffe auf Mineralölbasis, zumeist Polyolefine wie Polyethylen und Polypropylen, in denen der Zerfall durch ein katalysierendes Additiv ausgelöst wird. Verbreitet hierfür sind Metallsalze. Der amerikanische Herstellerverband Oxo-Biodegradable Plastics Institute (OPI) www.oxobio.org teilt dazu mit, dass häufig Kobaltsalze verwendet werden. Kobalt werde jedoch in so geringer Konzentration eingesetzt, das unter Verwendung dieser Kunststoffe hergestellter Kompost weder für Pflanzen noch für Tiere giftig sei…..Kompostwerkbetreiber zweifeln die biologische Abbaubarkeit nicht nur an, sie haben sie auch widerlegt. Das Amt für Abfallwirtschaft und Stadtreinigung der Stadt Heidelberg berichtet über eigene Kompostierungsversuche von Verpackungen aus biologisch abbaubaren Werkstoffen, in denen Biofolien auch nach etwa sechs Monaten noch nicht kompostiert waren. Der Rotteprozess im Heidelberger Kompostwerk sei aber verfahrenstechnisch auf zehn Wochen beschränkt. Daher würden die Biotüten, die für die Sammlung von Bioabfall verwendet werden, mit den anderen Störstoffen maschinell aussortiert und als Restmüll entsorgt. 

Auch der Abfallwirtschaftsbetrieb Esslingen betont, dass biologisch abbaubare Kunststofftüten, zum Beispiel aus Maisstärke, nicht in die Biotonne dürfen. Die kurze Rottezeit im Kompostwerk von sechs bis acht Wochen könne zum Problem werden.

Moderne Kompostwerke arbeiten also schneller als der Biokunststoff zerfallen kann. Die Betreiber sind einem großen Risiko ausgesetzt, wenn Biokunststoffe in die Anlagen kommen. Es könnte ihnen verboten werden, den Kompost zu vertreiben. Laut der Bundesgütegemeinschaft Kompost e.V. in Köln dürfen Komposte mit mehr als 0,5 Prozent Fremdstoffen nicht abgegeben werden. Abgesehen von der Verwechslungsgefahr von normalen und Biokunstoffen können letztere aktiv dazu beitragen, dass der Grenzwert für Fremdstoffe überschritten wird. Wenn Biokunststoffe in der Verrottung trotz gegenteiliger Versuchsergebnisse schneller zerfallen, kann eine erhebliche Menge von kleinen Bruchstücken und Folienfetzen entstehen, die sich in der Fremd- und Störstoffabsiebung nicht beseitigen lassen. Auf den Anlagenbetreiber kommt dann der größte anzunehmende Unfall zu: Der Kompost muss kostenpflichtig als Restmüll beseitigt werden. Eventuell müssen auch ausgelieferte Fehlchargen zurückgenommen werden. Soweit mein Bericht, der nun schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat.

Status heute nach Auskunft von Fraunhofer UMSICHT:

„Nur zertifiziert kompostierbare Bioabfallsammelbeutel dürfen überhaupt in die Bioabfallsammlung gegeben werden. Alle anderen Kunststoffteile aus kompostierbaren Materialien müssen in Deutschland anders – wenn es Verpackungen sind beispielsweise über den gelben Sack – entsorgt werden. Und selbst die Abfallsammelbeutel werden bei vielen Kompostwerken mittels der kommunalen Entsorgungssatzungen ausdrücklich ausgeschlossen. Man sieht zu große Gefahren, dass Bürger*innen bei der Freigabe von kompostierbaren Kunststoffbeuteln auch nicht-abbaubare Plastiktüten verwenden.“

Und die unterschiedliche Rottezeit ist wohl auch nicht gelöst.

Ende vom Lied: Einweg-Verpackungen – egal in welcher Materialart – schneiden ökologisch nicht sehr gut ab.

Setzt auf Mehrweg und verzichtet auch auf Bioplastik.

Das Problem in den Kompostwerken besteht wohl weiter oder haben Praktiker da mittlerweile andere Ergebnisse zur Verfügung? Dann bitte melden.

@BMWi_Bund @peteraltmaier – (Fast) keine Auskunft zum Sachverständigenrat @SVR_Wirtschaft

Ihr Antrag vom 11. November 2019 nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) über fragdenstaat.de[#170240] Bescheid zu Ihrem Antrag

„Sehr geehrter Herr Sohn, über die Internetplattform fragdenstaat.de beantragten Sie Informationen darüber, welche Medien zu welchem Zeitpunkt das Jahresgutachten 2019/2020 des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung vorab erhalten haben und wer die diesbezüglichen Entscheidungen getroffen hat. Weiterhin beantragten Sie Informationen zu den jährlichen Haushaltsmitteln des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Hierzu ergeht folgende Entscheidung:

1. Ihr Antrag wird abgelehnt.

2. Der Bescheid ergeht gebühren-und auslagenfrei (wie großzügig, gs).

Begründung: Im Hinblick auf die Weitergabe des Sachverständigengutachtens an die Medien wird der Antrag abgelehnt, weil hierzu keine amtlichen Informationen vorliegen. Eine eventuelle Weitergabe von Vorabversionen des Gutachtens an die Presse liegt allein in der Hand des Sachverständigenrates, den Sie dazu direkt ansprechen müssten.

Im Hinblick auf den Etat des Sachverständigenrates wird der Antrag abgelehnt, weil die von Ihnen beantragten Informationen zu den jährlichen Haushaltsmitteln des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung öffentlich verfügbarsind (§ 9 Abs. 3 IFG). Sie finden die Informationen im Online-Angebot zum Bundeshaushalt unter https://www.bundeshaushalt.de/#/2019/soll/ausgaben/einzelplan/061452632.html

Nach §10 Absatz 1 Satz 2 IFG ergeht dieser Bescheid gebührenfrei. Gegen diese Entscheidung kann innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Widerspruch beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit Sitz in Berlin und Bonn erhoben werden….“

Soweit das Hin-und-Her-Zottelbär-Spiel des Wirtschaftsministeriums. Die zentrale Frage der Vorabinformationen von Medien vor der Pressekonferenz wird nicht beantwortet. Der zweite Teil wäre dann eine Serviceleistung des Ministeriums gewesen – aber da bleibt man bürokratisch. Die Antwort der Pressestelle des Sachverständigenrats lautet:

„Üblicherweise bekommen die Ministerien das Jahresgutachten vorher, damit sie sich inhaltlich auf die Übergabe vorbereiten können, da sie gesetzlich verpflichtet sind, darauf zu reagieren. An die Medien haben wir das Jahresgutachten erst am 6. November herausgegeben. 
Gemäß dem Gesetz über die Bildung eines Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung trägt der Bund die Kosten des Sachverständigenrates. Das Gesetz können Sie hier einsehen: https://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/fileadmin/dateiablage/Sonstiges/Gesetz_SRW.pdf Die Höhe des Etats kläre ich noch und melde mich bei Ihnen.“

Auf die Rückmeldung warte ich noch bis heute.

Aber der Link zum Haushalt bringt ja schon Klarheit, den die Pressestelle des Sachverständigenrats wohl nicht hat:

Gesamtetat für 2019: 2,4 Millionen Euro (aufgerundet). Hier die Aufteilung:

Der Vorsitzende des Sachverständigenrats bekommt jährlich 37.000 Euro, die vier weiteren Sachverständigen erhalten jeweils 33.000 Euro – als Nebenverdienst doch ein hübsches Sümmchen für die VWLer.

Die Ablehnung meiner Anfrage liegt übrigens im Trend.

Bei Anfragen von Journalisten und Zivilgesellschaft überbieten sich die Behörden in der Kunst des Abwimmelns (Insiderinformation aus einem Bundesministerium). Die Gummiparagrafen des IFG machen es möglich. Der Exekutive wird es leicht gemacht, unliebsam Fragende in die Schranken zu weisen. Ein stattlicher Anteil der insgesamt 13 Paragrafen regelt, wie man Bürgerinnen und Bürger wieder los wird: Etwa Paragraf 3: Schutz von besonderen öffentlichen Belangen, Paragraf 4: Schutz des behördlichen Entscheidungsprozesses, Paragraf 5: Schutz personenbezogener Daten oder Paragraf 6: Schutz des geistigen Eigentums und von Betriebs- oder Geschäftsgeheimnissen.

Sehen sich die Behörden mit besonders hartnäckigen Fällen konfrontiert, die sich nicht abblocken lassen und auf ihrem Recht auf Informationsfreiheit bestehen, greifen die liebwertesten Beamten-Gichtlinge zur Allzweckwaffe:

Paragraf 10: Gebühren und Auslagen.

Wie hoch diese tatsächlich sein können, liegt im Ermessen der Behörde und variiert je nach Hartnäckigkeitsgrad. Also ist das nur schwer kalkulierbar. Die Abschreckung wirkt erstaunlich gut. Wer nicht über entsprechende Budgets verfügt, zieht die Anfrage lieber zurück.

Habt Ihr noch Fragen zum Sachverständigenrat oder zu den Wirtschaftsforschungsinstituten, die über die Blaue Liste des Bundeshaushalts finanziert werden? Dann einfach FragdenStaat nutzen.

So hochtrabend kommunizierten Schweigeperiode des Sachverständigenrats.

Macht und Windfall Profits #NEO19x

Letztlich dient das wichtigtuerische Management-Mimikry dem Machterhalt und dem maßlosen Zugriff auf Profite: „In den Wirtschaftswissenschaften gibt es das Dogma, dass der Unternehmer eine heilige Person ist und das Geld, was er bekommt, auch verdient. Das ist natürlich falsch“, so Professor Frank H. Witt in seiner #NEO19x Session.

Unternehmen können mit digitalen Technologien und neuen Geschäftsmodellen ihre Effizienz relevant erhöhen sowie ihre Wertschöpfung massiv verbessern. Solche Sätze werden einem in unterschiedlichen Variationen jeden Tag an den Kopf geballert. Egal, ob es um Plattform-Ökonomie, Internet der Dinge, vernetzte Fabriken oder gähnend langweilige Powerpoint-Monologe zur Digitalen Transformation geht. Die immer gleichen Wortkaskaden werden zu neuen […]

Macht und Windfall Profits #NEO19x #Witt @DrLutzBecker1 @gsohn — #NEO19x Matchen, Moderieren, Managen

#9vor9 – Batterien in Lautern, Glasfaser am Bahndamm und die Reichweite von #Facebook & Co.

Wieder in trauter Zweisamkeit ein bunter Reigen an Digitalthemen in #9vor9 mit Gunni: Wir schießen uns beim Glasfaserausbau immer wieder gegenseitig ins Knie. Ein sehr informativer Bericht auf heise.de: Gutachten Monopolkommission: Bis 2025 müssten rund 12 Millionen neue #Glasfaser-Anschlüsse verlegt werden, um #Gigabit-Ziele der Bundesregierung zu erreichen. Bei derzeitigem Ausbautempo daran nicht zu denken, Kapazitätsprobleme […]

#9vor9: Batterien in Lautern, Glasfaser am Bahndamm und die Reichweite von Facebook & Co – auch für Trolle und Bots — StefanPfeiffer.Blog

Erfahrungsberichte aus dem Redaktionsalltag: Konfetti, Caipirinha und lange Schlangen am Faxgerät

Der Artikel ist auf journalist.de nicht mehr abrufbar. Daher hier noch einmal mein Opus: Es wurde in Redaktionen viel geraucht, diskutiert und gelacht. Erfahrungsberichte. 

Moderne Redaktionen sind im Echtzeitstress: Technisch am Newsdesk perfekt ausgestattet als Koordinations- und Produktionszentrale. Der Newsroom ist heute in der Regel ein Großraumbüro, das architektonisch neue redaktionelle Konzepte des ressort- und medienübergreifenden Planens und Arbeitens unterstützt. 

Der Umbau zur „medienkonvergenten Redaktion“, die alle Publikationsplattformen vereint, ist komplex und kann über unterschiedliche Modelle erfolgen. In manchen Medienhäusern ist mit dem Newsdesk ein zentraler Arbeitsbereich gemeint, an dem ein Dutzend Redakteure verschiedener Ressorts gemeinsam produzieren und verschiedene Medien bedienen. Ein anderes Konzept sieht einen gemeinsamen Newsdesk für mehrere Lokalredaktionen vor wie bei der Mainpost und beim Südkurier. In anderen Redaktionen wurde ein großer gemeinsamer Newsroom für 30, 50 oder gar 100 Journalisten geschaffen. Die zeitlichen Freiräume werden enger, der persönliche Stress nimmt zu. 

Was früher ehrfürchtig als ‚Agentur-Geschwindigkeit‘ galt, ist heutzutage der Normalzustand. Ende der 1970er Jahre war das noch ganz anders. Etwa beim Spiegel: „Man hat am Montag seine Themen angeboten und intensiv darüber gesprochen. Mit dem Ressortleiter konnte ich mich sehr ausgiebig streiten, ohne nachteilige Auswirkungen befürchten zu müssen“, so der ehemalige Spiegel-Redakteur Walter Tauber. 

Die Arbeit in der Zentralredaktion habe ihm Spaß gemacht. „Wir hatten kleine Einzelbüros und ließen die Tür offen. Ein Kollege brüllte immer ‚Der Mensch’ und wir antworteten ‚…ist eine Sau.’ Ein deftiges und liebevolles Ritual. Wenn ich konzentriert schreiben musste, schloss ich die Tür und wurde von den Kollegen in Ruhe gelassen. Technisch waren wir sehr einfach ausgestattet. Olympia-Schreibmaschine, Papier und Telefon. Wenn ich den Artikel fertig hatte, wurde das im Sekretariat mit Durchschlägen abgeschrieben und vom Ressortleiter redigiert. Eine kleine Marotte hatte mein Chef. Wenn ich telefonierte, benutzte er die Gegensprech-Anlage, um mir mitzuteilen, dass ich in sein Büro kommen solle. Generell war die Atmosphäre sehr angenehm“, betont Tauber. 

Redaktionsbüro mit Panoramablick 

Noch angenehmer war es in seiner Zeit als Auslandskorrespondent in Brasilien. „Ich mietete in Rio de Janeiro einen Büroraum in einer Villa, die auch von Newsweek, BBC und Los Angeles Times genutzt wurde. Ich hatte ein Panoramafenster mit einem wunderbaren Blick auf die Bucht von Guanabara. Traumhaft. Ab und zu ging ich mit den internationalen Kollegen zum Mittagessen. Wenn ich dann die zweite Runde Caipirinha bestellte, mussten die Vertreter von Newsweek und der Los Angeles Times passen. Sie könnten noch Arbeitsaufträge bekommen. Ich schaute auf die Uhr und sagte, in Hamburg sind schon alle im Feierabend. Die Zeitverschiebung kann bei Abstimmungsfragen lästig sein, in diesem Fall hatte sie auch Vorteile“, sagt Tauber. 

Als Korrespondenten noch Erstquelle waren 

Als Auslandskorrespondent hatte man vor 40 Jahren den Vorteil, als Erstquelle zu fungieren, wenn wichtige Nachrichten aufkamen. „Wenn ich in der Zentralredaktion angerufen und eine Story angeboten habe, gab es nicht viele Vergleichsmöglichkeiten bei meinen Hamburger Ressortkollegen. Was ich sagte, hatte Gewicht. Heutzutage existieren direkt 1000 Onlinequellen, die bei den Kollegen in der Heimat zu einem gefestigten Meinungsbild beitragen. Man ist als Korrespondent nicht mehr der wichtigste Vermittler von Nachrichten“, erläutert Tauber. 

Der frühere WDR-Hörspielchef Wolfgang Schiffer erinnert sich noch an die technologische Revolution bei der Einführung der Faxgeräte in seiner Redaktion in den 1980er Jahren: Allerdings „Nicht jeder hatte ein eigenes Faxgerät – nicht einmal jede Redaktion: ich erinnere langwierige Sitzungen, in denen geklärt werden sollte, wie viele Mitarbeiter sich ein Gerät teilen könnten“. Weniger nervig war die Möglichkeit, nach Lust und Laune zu qualmen. „Es wurde viel geraucht in den Redaktionsräumen. Allerdings hatte in meinem Arbeitsumfeld seinerzeit auch jeder Redakteur oder Dramaturg noch ein Zimmer für sich. Das mit dem Einzelzimmer ist für mich zum Glück bis zu meinem hauptberuflichen Ende so geblieben – so dass ich trotz eines späteren allgemeinen Rauchverbots im gesamten Gebäude in meinem Arbeitszimmer stets weiter geraucht habe“, so Schiffer. 

Inspiration im Großraumbüro

Peggy Schmidt, seit 1995 Moderatorin bei Radio PSR in Leipzig, hat früher in einemGroßraumbüro an der Delitzscher Straße gearbeitet. „Da war alles etwas beengter. Aber seit dem Umzug in die Thomasgasse zum Jahreswechsel 2005/06 haben wir richtig viel Platz. Ringsum sind Fenster, die bis zum Boden gehen. Wir haben Licht, wir haben Luft. Da kann man auch mal für sich sein oder sich so unterhalten, dass es nicht alle mitbekommen. Aber grundsätzliche finde ich es praktisch, in einem Großraumbüro zu arbeiten.“ Wenn man im kreativen Bereich tätig ist, findet sie den Austausch mit Kollegen wichtig. „Und auch lustig, wir sind hier ein cooles Team, da setzt immer gern jemand noch einen oben drauf. Aber es gibt auch Phasen, in denen man merkt, die Kollegen sind jetzt alle konzentriert, da ist keine Zeit für Konfetti. Manche setzen sich dann Kopfhörer auf. Das machen wir aber auch zum Schneiden. Dafür müssen wir nicht mehr an einen extra Schnittplatz“, sagt Schmidt.  Heute könne jeder an seinem eigenen Platz schneiden.