
Die Rede vom „Feng-Shui-Moment“ ist ein Paradebeispiel für ein großes Missverständnis in der Politik. Omid Nouripour hat es selbst gesagt: „Der große Feng-Shui-Moment wird nicht mehr kommen.“ Was er damit meint, ist die Sehnsucht vieler Akteure in der politischen Arena nach einem magischen Moment, nach einem symbolischen Neustart, der die Wende bringen soll. Doch genau das ist das Problem – Politik ist kein Ort für kosmische Harmonie. Der Rücktritt von Omid Nouripour und Ricarda Lang ist kein Zeichen eines solch erhofften Wendepunkts, sondern vielmehr das Eingeständnis, dass man sich lange Zeit in falschen Illusionen bewegt hat.
Manchmal könnte man meinen, die Grünen verwechseln den Bundestag mit einem Zen-Garten. Omid Nouripour spricht vom fehlenden „Feng-Shui-Moment“ – als wäre das politische Geschäft ein Möbelsortiment von IKEA, bei dem man nur den richtigen Schreibtisch ins Chi rücken muss, und schon fließen die Wählerstimmen wie durch Zauberhand. Leider war das letzte Landtagswahlergebnis nicht der harmonische Fluss des Wohlstands, sondern eher ein steiniger Pfad, auf dem sich die Partei schon mal selbst den Fuß verknotet.
Politik, liebe Grünen, ist keine Frage der Energieflüsse oder der richtigen Farbe im Büro. Es geht um harte Arbeit. Um Pragmatismus, Entscheidungen, Lösungen. Und wenn der Chef dann auf die Bühne tritt und sagt, „der große Feng-Shui-Moment wird nicht mehr kommen“, dann ist das keine Weisheit, sondern die Bankrotterklärung eines Traums, der sich längst in Luft aufgelöst hat.
Die Grünen haben in den letzten Monaten den Kontakt zur Realität verloren. Wahlniederlagen in Serie, enttäuschte Wähler und ein parteiinternes Machtvakuum. Brandenburg, Sachsen, Thüringen – überall das gleiche Bild. Die Partei ist geschwächt, zersplittert in Realos und Parteilinke, die zunehmend inkompatibel scheinen. Aber anstatt sich der harten Arbeit zu widmen, die eine Rückkehr zur Realität erfordert, spricht Nouripour von einer Koalition, die „eingefahren“ ist und den Wahlkampf beschädigt hat. Doch ist es nicht die Koalition, die das eigentliche Problem darstellt. Es ist die grundlegende Fehlinterpretation dessen, was Politik heute erfordert: Sacharbeit, keine Emotionen.
Die Vorstellung, dass irgendwann ein großer Moment kommt, der alles ins Lot bringt, ist eine gefährliche Illusion, die die Grünen in eine politische Starre geführt hat. Es ist die Hoffnung auf eine plötzliche Wendung – als könnten Moral und Vision allein das Blatt wenden. Doch in der Politik geht es um Pragmatismus und die Fähigkeit, die Wirklichkeit zu gestalten. Habeck hat das längst erkannt, er weiß, dass es nicht mehr um Visionen, sondern um wirtschaftliche Stabilität und vernünftige Regierungspolitik geht(pdf Lösungskompetenz). Es ist kein Zufall, dass er nun die Regie übernimmt und klarstellt, dass die Parteispitze nicht mehr nur Symbol, sondern Instrument zur Umsetzung von Lösungen sein muss.
Aber ja, macht nur weiter mit der Suche nach den passenden Wohlfühlmomenten. Vielleicht hilft ja ein Duftkerzen-Workshop zur strategischen Neuausrichtung. Nur: Im Zen-Garten herrscht jetzt ein Sturm – und der Wahlkampf steht vor der Tür. Da hilft auch kein perfekt arrangierter Schreibtisch.
Die Konstellationen, die zum Rücktritt führten, waren lange absehbar. Die Europawahl, die Niederlagen in den ostdeutschen Bundesländern und der katastrophale Wahlkampf in Brandenburg sind Ausdruck einer Partei, die nicht mehr weiß, wofür sie eigentlich steht. Die Kritik an der Parteiführung war nicht mehr zu überhören. Emily Büning, die Generalsekretärin, wurde öffentlich zerrissen für ihren desaströsen Auftritt in der Berliner Runde. Die linke Flanke der Partei ist unfähig, die Realitäten der Wähler zu erfassen, und die Realos verlieren das Vertrauen der Basis. Was übrig bleibt, ist eine tief gespaltene Partei, die sich nur durch einen grundlegenden Neustart – und nicht durch kosmetische Veränderungen – retten kann.
Der Rücktritt von Nouripour und Lang ist kein großer Dienst an der Partei, wie Habeck es formulierte. Es ist ein Notwendigkeitsschritt, der längst überfällig war. Die Grünen müssen begreifen, dass Politik keine Bühne für Visionen ist, sondern ein Ort für Entscheidungen, die das Leben der Menschen verbessern. Das Prinzip der Lösungskompetenz muss über allem stehen: Entscheidungen müssen pragmatisch, nicht ideologisch getroffen werden. Und genau das haben Nouripour und Lang in den letzten Monaten versäumt(pdf Lösungskompetenz).
Der große Feng-Shui-Moment kommt nicht, und das ist gut so. Denn die Lösung liegt nicht in der Harmonie, sondern in der harten Arbeit.
Siehe auch:
und was hat der Beitrag mit Feng Shui zu tun?
Lg Petra von https://feng-shui.de/
Steht doch im ersten Absatz. Es bezieht sich auf die Aussagen, die während der Pressekonferenz gemacht wurden: Die Rede vom „Feng-Shui-Moment“ ist ein Paradebeispiel für ein großes Missverständnis in der Politik. Omid Nouripour hat es selbst gesagt: „Der große Feng-Shui-Moment wird nicht mehr kommen.“ Was er damit meint, ist die Sehnsucht vieler Akteure in der politischen Arena nach einem magischen Moment, nach einem symbolischen Neustart, der die Wende bringen soll. Doch genau das ist das Problem – Politik ist kein Ort für kosmische Harmonie. Der Rücktritt von Omid Nouripour und Ricarda Lang ist kein Zeichen eines solch erhofften Wendepunkts, sondern vielmehr das Eingeständnis, dass man sich lange Zeit in falschen Illusionen bewegt hat.