Der Mittelstand zwischen Tradition und Aufbruch: Künstliche Intelligenz als Lackmustest #ZukunftPersonal #ZPE25 #IHKWürzburg

Im Messe-TV-Studio auf der Zukunft Personal Europe in Köln trat mit Dr. Lukas Kagerbauer ein Vertreter des Mittelstands auf, der zugleich Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit im Blick behält: Volkswirt, IHK-Mann in Würzburg und Gastgeber des Podcasts Arbeit, Bildung, Zukunft. Er brachte eine Diagnose mit, die gleichermaßen ermutigt wie alarmiert.

Die neue Selbstverständlichkeit

Kaum ein Unternehmer in Deutschland könne heute noch behaupten, die Künstliche Intelligenz gehe ihn nichts an, sagt Kagerbauer. Die Phase des Abwartens sei vorbei. Doch zwischen den Vorreitern, die längst mit neuen Geschäftsmodellen experimentieren, und jenen, die noch am Anfang stehen, liege ein tiefer Graben. Diese Heterogenität macht die eigentliche Herausforderung aus: den Mittelstand in der Breite mitzunehmen.

Demokratisierung der Technologie

Kagerbauer erzählt die Geschichte eines Fliesenlegers, der gemeinsam mit einer Würzburger Universität eine App entwickelt hat: Raum scannen, Materialbedarf berechnen, Bestellung auslösen – in Sekunden. Was einst die Domäne von Airbus und Fraunhofer war, ist nun Handwerksbetrieben zugänglich. Darin liegt der stille, aber tiefgreifende Demokratisierungseffekt der KI. Nicht die Technologie selbst sei riskant, betont Kagerbauer, sondern das Zögern. Das eigentliche Risiko bestehe darin, wenn andere die KI nutzen – und man selbst nicht.

Der Rohstoff der Zukunft

Deutschland hat keine Bodenschätze im Überfluss. Der eigentliche Reichtum liegt in Bildung und Qualifizierung. Kagerbauer sieht hier die Chance: Nur wer seine Belegschaft hält und weiterbildet, wird die nächste Welle der Automatisierung und Robotik bestehen. Der Mittelstand, so die These, bleibt nur stark, wenn er seine Leute fit macht für eine Arbeitswelt, die sich in atemberaubendem Tempo verändert.

Zwischen Strukturwandel und Wertschöpfung

Der Umbau der Industrie vollzieht sich als Operation am offenen Herzen: Personal wird abgebaut, Wertschöpfung droht verloren zu gehen, und doch müssen neue Felder erschlossen werden – vom iPhone-Sensor bis zur Raumfahrtkomponente. Wer in Deutschland durch die Provinz fährt, stößt auf unscheinbare Weltmarktführer, die niemand kennt und die doch unverzichtbar sind. Kagerbauer erinnert an Hermann Simons „Hidden Champions“ – und mahnt zugleich: Stehenbleiben ist keine Option.

Politische Rahmenbedingungen

Von der Bundesregierung erwartet Kagerbauer weniger Ankündigungen und mehr Umsetzung: weniger Bürokratie, verlässliche Energiepreise, schnellere Genehmigungsverfahren. Sonst droht das Kapital, aber auch die Innovationskraft, ins Ausland abzuwandern. Schon heute gehen Börsengänge nach Kanada, weil die Bedingungen dort günstiger sind.

Arbeit, Bildung, Zukunft

Mit seinem gleichnamigen Podcast schlägt Kagerbauer eine Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Er sucht die Debatte, die über den Tag hinausweist: Welche Technologien prägen die Arbeitswelt von morgen? Wie verändert sich Bildung? Welche Qualifikationen sichern den Standort? Sein Ziel ist es, Impulse zu setzen – nicht nur für die Hörer, sondern für ein Land, das im Begriff steht, seinen industriellen Kern neu zu definieren.

Kagerbauers Auftritt in Köln zeigte die Zerrissenheit des deutschen Mittelstands: zwischen Bewunderung aus dem Ausland und Selbstzweifeln im Inland, zwischen Tradition und notwendigem Aufbruch. Der Lackmustest der kommenden Jahre wird sein, ob es gelingt, den Rohstoff Bildung mit der Technologie der Künstlichen Intelligenz zu veredeln. Denn daran entscheidet sich, ob die „Arbeit, Bildung, Zukunft“ in Deutschland gestaltet wird – oder anderswo.

https://www.wueconomics.de/podcast/abz-staffel2

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.