Auf die Inflation richtig reagieren #SchubkraftTV #DigitalX @HermannSimon @bmwk_Econ #Fördermittel

Wir vertiefen das Inflationsthema auf der Digital X in Köln.

Warum man gerade in Zeiten der Inflation auf Digitalisierung setzen muss. Antworten von Hidden-Champion-Forscher Professor Hermann Simon und Benjamin Springub von der Telekom.

Zur Lage:

Innerhalb kürzester Zeit gibt es kritischen Parameter der Unternehmenssteuerung wie Rohstoffkosten, Zinsen und Preise verändern, Löhne welche an Inflation angepasst werden. CEO muss bei allen Führungskräften und Mitarbeitern Bewusstsein schaffen, dass das Unternehmen sehr schnell in eine gefährliche Situation geraten kann.

Wenn nominaler Umsatz und Gewinn durch inflationierte Preise aufgebläht werden, der reale Gewinn jedoch stagniert oder der Economic Profit sogar sinkt, dann ist nichts gewonnen. 

Die letzte vergleichbare Inflationsphase liegt mehr als 40 Jahre zurück.

Viele Unternehmen fallen jetzt in eine Schockstarre, dabei ist es gerade jetzt wichtig zu investieren, um das Unternehmen für die Zukunft fit zu machen.

Zahlen dazu: 81 Prozent der Mittelständler, denen Fördermittel bewilligt wurden, sagen, dass sich die Digitalisierung in ihrem Unternehmen durch diese Unterstützung beschleunigt hat. Leider rufen nur 18 Prozent der Unternehmen im Mittelstand Fördergelder ab, um ihre Vorhaben zur Digitalisierung zu beschleunigen. Fehlende Transparenz und bürokratische Hürden werden als größte

Hindernisse genannt.

Agilität erhöhen  

  • Ähnlich wie in den 1970er Jahren hat die Inflation ruckartig eingesetzt. Gleichzeitig propagierten Zentralbanken und Makroökonomen, es handele sich um ein temporäres Phänomen, das mit der Beseitigung sektoraler Engpässe verschwinde, und ließen sich viel Zeit mit ihren Reaktionen. Doch diese Erwartungen haben sich bereits nach kurzer Zeit als Illusion erwiesen und werden dies weiter tun. Es ist mit über Jahre andauernden Kosten- und Preissteigerungen zu rechnen, die irregulär und ohne große Vorankündigung kommen. 
  • Daraus ergibt sich der Zwang, die Agilität des Unternehmens durchgängig zu erhöhen. Das gilt für Informationen über Kosten genauso wie für solche über Preise. Der Informationsagilität folgt die Aktionsagilität. Neuen Erkenntnissen müssen schnellstmöglich Taten folgen. Eine Spedition kann nicht ein Vierteljahr warten, bis sie die Kostensteigerungen bei Kraftstoffen weitergibt. Das muss sofort geschehen. 
  • Unternehmen und Staat müssen schneller agieren – was bedeutet das für Fördermittel? Mehr Klugheit gefordert, schnellere Mittelvergabe. Beispiel Ladesäulen-Infrastruktur für E-Fahrzeuge: Das derzeit geschlossene Programm fördert bis 2025 die Einrichtung von Ladesäulen an „attraktiven Zielstandorten des Alltags“ beispielsweise im Einzelhandel, in der Gastronomie oder bei Kultureinrichtungen mit bis zu 60 Prozent der hierfür nötigen Investitionen. (Ursprünglich 80% wurde gesenkt) -> ist es das richtige Signal, wenn Förderungen gekürzt werden oder auslaufen? Es sollte es mehr Mittel geben, die Unternehmen resilienter macht.
  • Nichts desto trotz gibt es noch genug Mittel aus denen Unternehmen schöpfen können: 200,36 Milliarden Euro stellt der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) bis 2027 den EU-Mitgliedsstaaten bereit, damit sie Unternehmen in den Bereichen Innovation, Digitalisierung und Klimaschutz finanziell unterstützen können.
  • 100.000 Euro können Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten als Zuschuss im Rahmen Von „Digital jetzt – Investitionsförderung für KMU“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz erhalten, um in digitale Technologien oder die Weiterqualifizierung ihres Personals zu investieren.

Digitalisierung nutzen

Der Digitalisierung kommt in der aktuellen Inflation große Bedeutung zu. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zur Inflation der 1970er Jahre. Die Digitalisierung hat eine radikale Erhöhung der Transparenz bewirkt. Das gilt am stärksten für die Preistransparenz. Aber auch die Nutzentransparenz gewinnt kontinuierlich an Bedeutung. Mit erhöhter Preistransparenz nehmen die Steigung der Preisabsatzfunktion und die Preiselastizität zu. Bei digitalen Produkten mit Grenzkosten von oder nahe an Null liegt der optimale Preis beim Umsatzmaximum. Verändert sich die Preisbereitschaft nicht, so bleibt der optimale Preis unverändert. Null-Grenzkosten wirken insofern inflationsdämpfend. Es entsteht jedoch ein Wachstumsdruck, da die Break-Even-Mengen steigen. 

Die Digitalisierung ermöglicht einen Fortschritt, in einem Ausmaß, den es seit der industriellen Revolution nicht mehr gegeben hat. Und die Möglichkeiten sind bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Metaverse//künstliche Intelligenz//Gigafactory – sind nur einige Trends, die wir übrigens auch auf der DIGITAL X am 13. Und 14. September in Köln vorstellen. Laut IDC wird jede Person mit einem Internetzugang 2025 bereits 5000 digitale Interaktionen pro Tag haben. Von der Website, über Social Media Kanäle bis ins virtuelle Metaverse – an allen Touchpoints entscheiden Inhalte über die Qualität der einzelnen Customer Experiences mit Unternehmen. Deswegen ist der Invest in Digitalisierung kein „Nice to have“ für Unternehmen, sondern relevant für den Wettbewerb. Und auch hier gibt es zahlreiche Förderungen. Bund und Länder unterstützen in Deutschland Unternehmen, aber auch die öffentliche Hand mit rund 3.000 Programmen bei Investitionen in digitale Vorhaben. Nicht zuletzt bei der Förderung der Digitalisierung von deren Prozessen und Infrastrukturen. Und: Diese Programme übernehmen Investitionen zu bis zu 70 Prozent – im öffentlichen Bereich teilweise sogar komplett.

Kosten senken

Zur Gewinnverteidigung muss in der Inflation auch das Kostenmanagement beitragen. In der Praxis kann dieser Beitrag etwa 20 bis 30 Prozent der entstehenden Gewinnlücke erreichen. Zusammen mit der Preisseite, von der etwa 50 Prozent kommen, resultiert ein Beitrag von 70 Prozent. Die restlichen 30 Prozent müssen in vielen Fällen – zumindest vorübergehend – als Gewinnreduktion in Kauf genommen werden. Die beiden wichtigsten Kostentreiber sind die Faktoren Arbeit und Materialeinsatz. Das Kostenmanagement konzentriert sich auf den Faktor mit dem höchsten Kostenanteil. Bei niedriger Wertschöpfung wie etwa im Handel oder auch in der Autoindustrie sind das die Lieferanten. Auf sie wird bei Preisverhandlungen maximaler Druck ausgeübt. Hierbei spielt die relative Pricing Power eine entscheidende Rolle. In manchen Branchen liegt die größere Pricing Power beim Nachfrager, man spricht von Nachfragemacht. 

Ist die Wertschöpfung hoch, so müssen Kostensenkungen vor allem beim Faktor Arbeit ansetzen. Auf den Preis der Arbeit, also die Löhne, haben die Unternehmen nur begrenzten Einfluss. Ihre Pricing Power wird durch den Nachwuchsmangel weiter geschwächt. Daher konzentrieren sich die Bemühungen zur Kostensenkung vor allem auf die Arbeitsmenge. Das heißt, die Inflation wird zum Abbau von Arbeitsplätzen führen. Daraus entstehen Einkommensverluste für die betroffenen Arbeitnehmer und zusätzliche Belastungen für den Staat.

Ein Fazit von Hermann Simon:

„Die Inflation ist da und sie wird bleiben. Mit Wehmut werden wir noch an die preisstabilen Jahrzehnte seit 1990 zurückdenken. Die Tatsache, dass das Geld seine Funktion als Wertspeicher verliert, bringt ungewohnte Risiken für alle Wirtschaftsteilnehmer. Es gibt wenige Profiteure der Inflation, die meisten Unternehmen und Verbraucher werden auf der Verliererseite stehen. Denn es ist unmöglich, sich den Wirkungen der Inflation vollständig zu entziehen. Insofern ist Realismus angezeigt. Es geht nicht darum, die Inflation aus der Welt zu schaffen, das könnten allenfalls die Zentralbanken erreichen. Das einzelne Unternehmen genauso wie jeder Verbraucher muss hingegen alles tun, um mit der Inflation zurecht zu kommen und dabei möglichst geringen Schaden zu erleiden. Da Inflation sich in Preisen ausdrückt, spielen Preise und Pricing für deren Bewältigung eine zentrale Rolle. Aber die unternehmerischen Reaktionen dürfen sich keineswegs auf das Preismanagement beschränken, sondern müssen Vertrieb, Finanzen, Einkauf, Kostenmanagement, Digitalisierung und Innovationen gleichermaßen einbeziehen. Inflation ist keineswegs nur eine Frage der Kostenüberwälzung durch höhere Preise, sondern fordert vielmehr einen Kulturwandel im gesamten Unternehmen. Wenn dieser Wandel schnell und erfolgreich bewältigt wird, dann kann es gelingen, die Inflation zu schlagen und damit das Überleben des Unternehmens zu sichern. 

Die empirische Beobachtung, dass die Preissteigerungen von Produkt zu Produkt sehr unterschiedlich ausfallen, trifft auch auf andere Märkte zu. So hat Tesla im April 2022 den Listenpreis für das Model 3 von 42 990 Euro auf 49 990 Euro erhöht. Das entspricht einer Steigerung von 16,3 Prozent. Für den deutschen Käufer kommt hinzu, dass sich der von Staat und Herstellern gewährte Umweltbonus für E-Autos um 1 500 Euro reduziert. Rechnet man beides zusammen, so muss der Tesla-Käufer nach Umweltbonus statt bisher 33 990 Euro jetzt 42 490 Euro zahlen, das sind geschlagene 25 Prozent mehr. Am unteren Ende der Preisskala wird das Elektroauto Dacia Spring im Frühjahr 2022 zu einem Listenpreis von 20 940 Euro angeboten.

Agilität und Timing sind für die Umsetzung von Preiserhöhungen von entscheidender Bedeutung. Normalerweise brauchen solche Maßnahmen beträchtliche Zeit für Analyse, Entscheidung, Information des Außendienstes und Verhandlungen mit den Kunden. Unter inflationären Bedingungen kann man sich diesen Verzug nicht erlauben, sondern muss den Zeitbedarf für die Umsetzung massiv komprimieren. Man spricht auch von »agilen Preismodellen«. Das richtige Timing hat enormen Einfluss auf das Jahresergebnis.

Der Beginn einer Inflation lässt sich schwer vorhersehen. Inflationen setzen oft unerwartet heftig mit einem Schnellstart ein. Ein frühzeitiges Verständnis vorhersehbarer Ursachen, die letztlich zu Inflation führen, kann sehr hilfreich sein. Ein Beispiel ist die seit Jahren fortschreitende Expansion der Geldmenge. Daneben gibt es inflationstreibende Ereignisse wie die Covid-19-Pandemie, die nicht vorhersehbar sind. Noch schwerer vorhersehbar als eine allgemeine Inflation sind Preisentwicklungen für einzelne Branchen oder gar Produkte. Für das Management sind solche speziellen Entwicklungen jedoch wichtiger als allgemeine Preistrends. Gegen diese Unvorhersehbarkeit hilft nur ein möglichst zeitnahes Informationssystem. Um gewinnschädigende Verzögerungen zu vermeiden, muss das Management für eine Erhöhung der Agilität und für richtiges Timing in der Umsetzung sorgen. Konkret geht es darum, mit Preisanpassungen »vor die Kostenwelle zu kommen«. Statt großer und seltener Preiserhöhungen sind bei kontinuierlich fortschreitender Inflation häufigere und jeweils angepasste Preiserhöhungen ratsam.

Auswirkungen der Inflation auf Fördermittel:

Im Zuge der Inflation steigen auch die Zinsen. Diese unvermeidlichen Zinserhöhungen beinhalten für den Staat beträchtliche Risiken. Wenn die extrem niedrigen, teilweise negativen Zinsen für Staatsanleihen in einigen Jahren auslaufen und eine Refinanzierung zu deutlich höheren Zinsen notwendig wird, entstehen für die hochverschuldeten Staaten gravierende Probleme. Zusätzliche Lasten ergeben sich beim Staat durch Erhöhungen von Renten, Sozialhilfen und Arbeitslosengeld sowie durch Subventionen für inflationsbetroffene Unternehmen oder Verbraucher. Ein Beispiel sind die Energiebeihilfen für verschiedene Zielgruppen im Frühjahr 2022.

Ein gravierendes Manko bildet die fehlende Inflationserfahrung der heutigen Managergeneration. Denn ein dem jetzigen ähnelndes Inflationsszenario gab es zuletzt in den 1970er Jahren. 

Welche Folgen wird die Inflation auf konjunkturpolitische Maßnahmen des Staates haben, wie Smart City, KI, Datenökonomie?

Folgende Punkte aus der Quelle Deloitte: https://www2.deloitte.com/de/de/pages/sustainability1/articles/foerdermittel-nachhaltigkeitsprojekte.html 

  • Das Bundesumweltministerium (BMU) fördert Innovationen und Investitionen zur Reduktion prozessbedingter Treibhausgasemissionen in Branchen wie der Stahl-, Chemie-, Zement-, Kalk- und Nichteisenmetallindustrie. Von 2020 bis 2023 sind Fördermittel von einer Milliarde Euro vorgesehen.
  • So stehen vielfältige Fördermittel für nachhaltige Maßnahmen, Investitionen und Innovationen bereit, beispielsweise die Mittel des EU Green Deal: ein Drittel der Investitionen aus dem Aufbaupaket NextGenerationEU und dem Siebenjahreshaushalt der EU mit einem Umfang von insgesamt 1,8 Billionen Euro fließt in den Green Deal.

Wir vertiefen das Thema auf der Digital X am 13. und 14. September in Köln.

Kommt vorbei.

Braucht jemand noch Tickets? Dann bei mir melden: 01776204474.

Siehe auch:
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Über den Autor

gsohn
Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten.

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