Studie: Mittelstand verplempert Milliarden durch TK-Anlagen – Telefon-Steuerung über Web-Browser könnte Abhilfe schaffen

Laut einer aktuellen Untersuchung der Deutschen Telefon Standard AG http://www.dtst.de in Mainz sind rund 75 Prozent der deutschen Mittelständler mit ihren Telekommunikationsanlagen unzufrieden. Die Anwender schätzen den Schaden, vor allem durch zu komplizierte und nicht ausgelastete Anlagen, auf bis zu 5 Milliarden Euro jährlich. Nach der Telekom-Studie nutzen 72 Prozent der Unternehmen nur magere ein bis fünf Prozent der Möglichkeiten ihrer Telekommunikationsanlagen auch aus. „Meist handelt es sich hierbei nur um Basismerkmale wie Rufweiterleitung“, berichtet Informationweek http://www.informationweek.de. Komplexere Funktionen kommen lediglich acht Prozent der Befragten zum Einsatz – magere drei Prozent zählen sich zu den „Power-Usern“. 

Die Hauptursache für die überdimensionierte Technik liege bei den Herstellern, die den Mittelstand stiefmütterlich behandelt. Die Telefonanlagen seien nicht bedürfnisgerecht konzipiert, und kompliziert zu bedienen. „Von den Anwendern in den Unternehmen werden vor allem das umständliche Suchen nach Telefonnummern, die erneute Eingabe von Rufnummern nach Verwählen sowie das wenig intuitive Einrichten von Rufumleitung und Telefonkonferenzen bei vielen Anlagen kritisiert“, so Informationweek. Die Hälfte der Firmen schätzt, dass dadurch pro Mitarbeiter und Arbeitstag etwa 5 Minuten verloren gehen. Weitere 23 Prozent beziffern den Zeitverlust mit 10 Minuten, rund 22 Prozent der Befragten sogar mit mehr als 10 Minuten. Nur fünf Prozent der Unternehmen halten hingegen die Bedienung ihrer TK-Anlagen für so einfach, dass die Mitarbeiter damit keine nennenswerte Zeit verlieren. „Unter dem Strich ergeben diese sinnlosen Verzögerungen bei 60 Prozent der Mittelständler einen theoretischen finanziellen Schaden von 5 Milliarden Euro im Jahr durch nicht genutzte Arbeitszeit und Kapazitäten“, schreibt Informationweek. 

Einen Ausweg aus dem Dilemma könnten Voice-over-IP-Systeme bieten. Beim „Standard-Telefon-System“, einer VoIP-Anlage auf Basis von IP-Centrex, stelle etwa der Nutzer die Telefonfunktionen selbst über den Web-Browser ein. „Somit kann sich jeder Mitarbeiter die Funktionen zurechtlegen, die er benötigt, und somit effizienter mit seinem Telefon arbeiten. Als Endgeräte kommen Telefone von Anbietern wie Aastra, Polycom und Siemens zum Einsatz“, so Informationweek. „Auch Anwender mit wenig Affinitiät zur Technik können die webbasierte Nutzerverwaltung unserer TK-Systeme spielend einfach bedienen“, bestätigt Andreas Latzel, Deutschland-Chef von Aastra http://www.aastra.de. Nicht nur die IP-Centrex-Systeme, sondern alle TK-Systeme seines Unternehmens stellen eine webbasierte Nutzerverwaltung zur Verfügung. „Über die Einstellung der Benutzerdaten hinaus kann der Anwender unterstützende Services für die Telefonie über denselben Browser nutzen“, sagt Latzel im Gespräch mit NeueNachricht http://www.ne-na.de. Es sei keine Installation auf dem Arbeitsplatz nötig. Es werde ausschließlich ein Browser verwendet, der den Anwender mit seinem Kommunikationsportal verbindet und über die Administration seiner Userdaten hinaus weitere Anwendungen wie CTI oder Voicemail. „Einfachheit, Flexibilität und ein exaktes Anpassen des TK-Systems an die Bedürfnisse des Kunden sind wichtig, um auf dem TK-Markt bestehen zu können“, erklärt Latzel.

 

IT-Gipfel: Bürgertelefon 115 kostenpflichtig und ohne Automatisierungsintelligenz – Branchenexperte: „Merkel-Prestigeprojekt könnte in die Hose gehen“

Das Bundesinnenministerium und das Bundesland Hessen haben auf dem IT-Gipfel in Darmstadt die Entwicklung des Bürgertelefons mit der Rufnummer 115 vorgestellt. Es solle ein unkomplizierter Draht in die Verwaltung eingerichtet werden. „Welche Verwaltungsebene, welche konkrete Behörde oder Dienststelle für das jeweilige Anliegen zuständig ist, spielt für die Anrufer keine Rolle“, sagte der Bundes-CIO Dr. Hans Bernhard Beus. In der Pilotphase sei die 115 allerdings nur von Montag bis Freitag in der Zeit von 8 bis 18 Uhr erreichbar. 

Danach solle der Service zu jeder Tages- und Nachtzeit angeboten werden. Konsequente Bürgerorientierung beinhalte auch ein konkretes Leistungsversprechen. Deshalb haben sich Kommunen, Länder und Bund auf einheitliche Kriterien geeinigt. 75 Prozent der 115-Anrufe werden innerhalb einer Frist von 30 Sekunden durch einen Call Center-Mitarbeiter angenommen werden. 55 Prozent sollen beim ersten Anruf auch beantwortet worden. Allerdings teilte Beus mit, dass die Anrufe kostenpflichtig seien. Entsprechende Gespräche laufen mit Unternehmen der TK-Branche. Die Abrechnungen erfolgt wohl nach Minutenpreisen. Auf eine Automatisierung werde man verzichten. Die Bürger würden nicht gerne mit einem Sprachcomputer reden. Das sei eine Vertrauensfrage. dsc_0096„Die öffentliche Hand wird das nicht durchhalten. Es ist nicht nachvollziehbar, dass man beim IT-Gipfel über Future-Internet, semantische Technologien und moderne Sprachsteuerung spricht und beim 115-Projekt völlig auf intelligente Selbstbedienungstechnik verzichten will“, kritisiert Bernhard Steimel, Sprecher der Brancheninitiative Voice Business http://www.voicedays.de. Hightech sehe anders. „Wer auf ‚One-Stop-Government setzt, der muss damit rechnen, dass die Bürger das Angebot ernst nehmen und wirklich jedes Anliegen bis hin zum Zaunkrieg mit dem Nachbarn vorbringen. Ohne ein vernünftiges Automatisierungskonzept werden die Bürgertelefone heiß laufen und die Kosten explodieren“, warnt Steimel. Das Merkel-Prestigeprojekt in Sachen bürgerfreundliche Verwaltung könnte sonst in die Hose gehen. 

 

Mobilfunker blockieren Voice over IP – Next Generation Networks führt zu mehr Wahlfreiheiten für Kunden

Medienberichten zufolge überprüft die EU-Kommission die Rechtmäßigkeit der Blockade von Telefonaten über das Internet Protokoll (VoIP) im Mobilfunk. „In Deutschland untersagen alle vier großen Netzbetreiber VoIP-Telefonate über ihr Mobilfunknetz, T-Mobile und Vodafone verbieten auch Chats. Teilweise blockieren sie durch ein eigenes Branding der Handys auch die Funktion, mit der die Nutzer per WLAN Internet-Telefonate führen können. Um ihren Verboten Nachdruck zu verleihen, werden die Ports gesperrt, über die VoIP-Anwendungen wie fring, Nimbuzz oder truphone kommunizieren, oder der Zugang zu bestimmten Telefonnummern eingeschränkt“, berichtet PC-Welt http://www.pcwelt.de.

Das Unternehmen O2 habe eine Protestwelle ausgelöst, weil der Netzbetreiber den Zugang zu den deutschen Festnetznummern des VoIP-Anbieters Rebtel „limitierte“. „Von hundert Versuchen brachte nur einer eine Verbindung zustande. Eine vollständige Blockade war nicht möglich, weil die Kunden von ihrem Vertrag zurücktreten können, wenn Anrufe zu bestimmten Festnetznummern nicht durchgestellt werden. Nach zwei Wochen hob O2 die Sperre aufgrund massiver Kundenbeschwerden wieder auf“, so PC-Welt.

In der TK-Branche stößt die Geschäftspolitik der Mobilfunkunternehmen auf Unverständnis. „Gerade in Deutschland zeigt sich, dass der Mobilfunk eher als Oligopol denn als Wettbewerb funktioniert. Im Festnetz gab und gibt es keine Blockaden der IP-Telefonie. Das Ganze ist eine heißes Eisen, denn mit den schnellen UMTS-Verbindungen wollen die Mobilfunknetzbetreiber konkurrierende Angebote zum DSL-Angebot im Festnetz etablieren. Solange aber das Geschäftsmodell im Mobilfunk auf der Subventionierung der Endgeräte und entsprechenden Minutenpreisen beruht, unterlaufen VoIP-Verbindungen dieses Modell“, weiß Bernhard Steimel von der Düsseldorfer Unternehmensberatung Mind Business http://www.mind-consult.net. Mittel- bis langfristig werde aber die Netzkonvergenz über Next Generation Networks zum generellen Einsatz von IP-Telefonie führen – aus Sicht der Netzbetreiber als Netzbetreiberservice.

„Dafür sprechen neben dem Druck aus Brüssel zwei starke aktuelle Entwicklungstendenzen: Erstens verlagern die Mobilfunknetzbetreiber ihren Schwerpunkt zunehmend von Sprach- zu Datendiensten hin und zweitens wird im NGN-Umfeld zunehmend die Trennung des Transports und der Dienste voranschreiten. Insofern werden bei den Mobilfunknetzbetreibern Anschluss und Dienste bald entkoppelt“, resümiert Omar Khorshed, Vorstandschef von acoreus http://www.acoreus.de. Dauerhaft werde es nicht gelingen, Mobilfunkkunden Wahlfreiheiten vorzuenthalten. 

Zaunkriege am Bürgertelefon und die Illusion vom Amt 2.0: IT-Gipfel muss Impulse geben für Hightech im öffentlichen Dienst

Die im September 2000 gestartete E-Government-Initiative „BundOnline 2005“ hatte zum Ziel, die Dienstleistungs- und Kundenorientierung von Staat und Verwaltung zu stärken. Dazu waren alle internetfähigen Dienstleistungen des Bundes bis zum Jahr 2005 online bereitzustellen. Inzwischen sind nach Angaben der Bundesregierung 440 Verwaltungsdienste online erreichbar. Weitere folgen in den kommenden Jahren. BundOnline habe damit einen deutlichen Modernisierungsschub in der Bundesverwaltung ausgelöst, leistungsfähige IT-Strukturen geschaffen und den Bürokratieabbau unterstützt. Mit BundOnline hat die Bundesverwaltung den Einstieg in das Online-Zeitalter geschafft, die Effizienz und Kundenfreundlichkeit des Verwaltungshandelns verbessert und ein Fundament für die weitere Optimierung der Leistungen der Bundesverwaltung in den kommenden Jahren gelegt“, verkündet stolz das Bundesverwaltungsamt http://www.bund.de auf der eigenen Website.

Von einer nachhaltigen Verbesserung der Serviceleistungen des öffentlichen Dienstes sei man nach Ansicht von Udo Nadolski, Geschäftsführer des Düsseldorfer Beratungshauses Harvey Nash http://www.harveynash.com/de, noch weit entfernt: „Es wird zwar viel über E-Government auf Konferenzen geredet. Geändert hat sich wenig. Bund, Länder und Kommunen sind noch immer nicht in der Lage, ein bürgerfreundliches Amt 2.0 oder das Alles-aus-einer-Hand-Prinzip umzusetzen. Das kann nur funktionieren, wenn man die verkrusteten Strukturen der öffentlichen Verwaltung ordentlich aufmischt“, sagt Nadolski.

Nicht selten gehe ein Vorgang durch dutzende Hände. Das liege nicht etwa an der Unfähigkeit der Mitarbeiter, sondern an den Verfahrensabläufen, die fern der Amtsstuben festgelegt und über die Jahre hinweg ständig schlimmer statt schlanker werden. E-Government brauche in erster Linie anwenderfreundliche Internetangebote für den Bürger. „Nicht selten sind die Nutzer mit einem Absurdum konfrontiert: Die aufwändigen und verworrenen Verfahren werden nun auch elektronisch abgebildet, das war es dann auch schon. Um E-Government wirklich sinnvoll in den Dienst der Menschen zu stellen, müssten erst einmal die Verfahren, die den Bürger allzu oft überfordern, abgespeckt werden. Dass etwa ein unsinniges Formular nun auch online ausgefüllt und elektronisch übermittelt werden kann, ist eben nur die halbe Miete, wenn überhaupt“, so Nadolski.

Kaum ein Online-Projekt des Bundes habe bislang die erhoffte Nutzerfrequenz erreicht. Von einer Führungsrolle des Bundes beim Thema E-Government könne also keine Rede sein. „Bundeskanzlerin Angela Merkel sollte beim IT-Gipfel in Darmstadt keine neuen Projekte in die Welt setzen, sondern einen Rechenschaftsbericht ablegen über den Status quo der Online-Initiativen der vergangenen Jahre. Merkel oder der Bundes-CIO Hans Bernhard Beus müssten dazu Stellung beziehen, wer die Internetdienstleistungen überhaupt in Anspruch genommen hat und was getan werden muss, damit sich der Nutzungsgrad verbessert“, fordert Nadolski. Ein Blick in die Berichte des Bundesrechnungshofes könne dabei helfen.

Der Verband BITKOM http://www.bitkom.de spricht sich für eine konsequente Modernisierung der öffentlichen Verwaltungen, des Gesundheitssystems und des Bildungswesens aus. „Jetzt ist die Gelegenheit, ohnehin notwendige und vielfach überfällige Investitionen in die Hightech-Infrastruktur von Bund, Ländern und Kommunen zu tätigen“, fordert BITKOM-Präsident Professor August-Wilhelm Scheer.

Damit könne die öffentliche Hand zusätzliche Impulse setzen. „Das Gesundheitssystem befindet sich hinsichtlich der Datenverarbeitung noch in der Steinzeit“, sagte Scheer. Die elektronischen Gesundheitskarte komme drei Jahre später als geplant und nur in einer abgespeckten Version, die den Patienten kaum einen Mehrwert biete. Neben neuen Anwendungen für die Gesundheitskarte fordert der BITKOM, den neuen Personalausweis mit einer elektronischen Signatur auszurüsten. „Die Folge wäre ein echter Sprung in der Kommunikation zwischen Bürger und Staat“, erklärt Scheer. Damit könne man die meisten Behördengänge bequem am heimischen Computer erledigen. Als weitere öffentliche Hightech-Projekte nannte Scheer den bislang schleppenden Ausbau des digitalen Behördenfunks sowie eine bessere Ausstattung der Schulen mit neuen Medien. Der IT-Gipfel wird zeigen, wie die BITKOM-Branche Wirtschaft und Verwaltung leistungsfähiger machen kann“, so Scheer. 

Hightech sei nach Ansicht von Bernhard Steimel, Sprecher der Brancheinitiative Voice Business http://www.voicedays.de, auch beim Behördenruf 115 gefragt. „Wer auf ‚One-Stop-Government setzt, der muss damit rechnen, dass die Bürger das Angebot ernst nehmen und wirklich jedes Anliegen bis hin zum Zaunkrieg mit dem Nachbarn vorbringen. Ohne ein vernünftiges Automatisierungskonzept werden die Bürgertelefone heiß laufen und die Kosten explodieren“, warnt Steimel. Das Merkel-Prestigeprojekt in Sachen bürgerfreundliche Verwaltung könne sonst in die Hose gehen.  

Rekordumsätze im E-Commerce – Mittelständische Unternehmen schöpfen Potentiale im Internet nicht aus

In die Stadt zum Shoppen gehen oder doch lieber bequem online bestellen? Eine aktuelle Studie des deutschen Versandhandels http://www.versandhandel.org (bvh) belegt: 31,44 Millionen Online-Käufer bewirkten, dass in 2008 erstmals mehr als 50 Prozent aller Warenbestellungen online eingingen. Dabei gaben die Deutschen für Waren und Dienstleistungen im Internet rund 19,3 Milliarden Euro aus. „Der E-Commerce ist – mit einer Steigerung von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr -, als Wirtschaftsform auf dem Vormarsch. Besonders die ‚digital natives’ verhalten sich ökonomisch: Es ist Ihnen ins Blut übergegangen, etwa CD-Bestellungen schnell per Internet zu erledigen“, so Andreas Rebetzky, Director Global Information Technology beim Technologiehersteller Bizerba http://www.bizerba.de. Bewegte Bilder und Internet-Fernsehen stellen dabei Produkte auf ganz neue Art und Weise dar, sagt Thomas Lipke, Vorsitzender des Ausschusses E-Commerce im bvh: „Social-Commerce wird immer wichtiger, denn die Menschen möchten durch Empfehlungen oder Kommentare die Meinungen anderer Käufer in ihre Kaufentscheidung einbeziehen können“.

Doch fest steht: Die Branche lebt wie kaum eine andere vom Vertrauen ihrer Nutzer. Zwar hat sich auch bei der älteren Generation der „digital immigrants“ das Online-Banking mittlerweile verbreitet, „also die Transaktion mit Daten, die wir gemeinhin der Privatsphäre zuordnen“, sagt Rebetzky gegenüber NeueNachricht . Doch das Vertrauen der Online-Gemeinschaft in den Datenschutz erlebt nach wie vor Rückschläge. Der Plan von Union und SPD, dem Bundeskriminalamt bei Online-Durchsuchung von Computern mehr Freiraum einzuräumen, verunsichert die Nutzer und ruft die IT-Wirtschaft auf die Barrikaden. „Die Politik muss dafür sorgen, dass bei der Kriminalitätsbekämpfung das Vertrauen unbescholtener IT-Nutzer in ihrer Privatsphäre nicht leidet“, so BITKOM-Präsident August-Wilhelm Scheer im Gespräch mit dem Handelsblatt http://www.handelsblatt.com. Aber nicht nur die Benutzer kämpfen mit ihrem Vertrauen, auch viele Unternehmen plagen sich mit offenen Fragen. Zwar verkauft mittlerweile jedes zweite mittelständische Unternehmen online, so eine neue Studie des Netzwerks Elektronischer Geschäftsverkehr (NEG) http://www.ec-net.de. Doch trotzdem schöpfen die meisten die Potenziale vieler Internetoptionen nur ansatzweise aus. Der Grund: Kleine und mittlere Unternehmen geben zum Thema E-Business erheblichen Informationsbedarf an. Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern nannten dabei vor allem Online-Recht sowie Netz- und Informationssicherheit als bedeutendste Themen.

 

Speak now! iPhone mit der eigenen Stimme steuern – Google-Programm wird als Meilenstein für die Durchsetzung der Sprachautomatisierung gewertet

01Jetzt ist es offiziell. Google stattet das iPhone von Apple mit einem Programm zur Sprachsteuerung aus. Das Mobile App macht es möglich, die Websuche mit der eigenen Stimme zu starten, heißt es im Mobile-Blog von Google http://googlemobile.blogspot.com. Bislang allerdings nur in englischer Sprache. Die umständliche Bedienung der Handytastatur fällt weg. In Kombination mit My Location kann man auch standortbezogene Informationen beziehen. Experten halten das für einen Meilenstein bei der Durchsetzung von Programmen für die Sprachautomatisierung. Anfang des Jahres wurde auf der Call Center World http://www.callcenterworld.de in Berlin noch darüber spekuliert, wie die Sprachdialogszene am Super-Handy bastelt: Fortschrittliche Mensch-Maschine-Schnittstellen wie Spracherkennung oder Gestensteuerung könnten aus dem Handy eine Steuerzentrale für Online-Inhalte machen und neue Geschäftsmodelle eröffnen: Sprachdialogsysteme sind nach Auffassung von Lupo Pape, Geschäftsführer des Berliner Unternehmens SemanticEdge http://www.semanticedge.de, ein wichtiger Baustein für das Super-Handy der Zukunft: „Wie häufig hätten wir gerne im Alltag genaue Informationen zu Sportergebnissen, Telefonnummern oder Adressen. Unendlich viele Dinge, die wir, wenn wir gerade im Internet wären, sofort über Google abrufen würden. Da das aber in der Freizeit und von unterwegs selten der Fall ist und der Zugriff über das Handy mit Tastatur oder Touchscreen zu mühselig ist, verzichten wir meistens darauf, unseren Wissenshunger sofort zu stillen. Anders wäre es, wenn wir mit einfachen gesprochenen Suchbefehlen unsere Anfrage starten und die Suche dann bei Bedarf eingrenzen könnten, genauso, wie wir es derzeitig mit der PC-Tastatur und Maus tun und das ganze jederzeit und von jedem Ort aus”, erklärte Pape in Berlin. Mit der Sprachsteuerungstechnik für das iPhone wird diese Vision zur Realität. Am Nutzer der frei abrufbaren Anwendung müssen nur das Telefon an ihr Ohr halten und können dann praktisch jegliche Art von Fragen stellen, wie beispielsweise „Wo finde ich den nächst gelegenen Starbucks?“ oder „Wie hoch ist der Mount Everest?” Der Sprachlaut wird in eine digitale Datei konvertiert und anschließend an die Server von Google weitergeleitet. Die Suchergebnisse schließen zum Teil lokale Informationen mit ein. Dabei nutzt man die iPhone-Funktionen für die Bestimmung des konkreten Standorts. Die Fähigkeit, fast jeden gesprochenen Satz von einer x-beliebigen Person identifizieren zu können, war lange Zeit das höchste Ziel der Forscher für Künstlichen Intelligenz. Das Management von Google hat noch nicht kommuniziert, wann der Service ausgereift sein soll. Die Verantwortlichen sagten nur, dass der Service zumindest akkurat genug ist, um den Nutzern den großen Vorteil zu bieten, nicht mehr wie bisher ihre Anfragen auf der Bildschirm-Tastatur ihres iPhones eintippen zu müssen. Der Service kann genutzt werden, um Restaurant-Empfehlungen und Anfahrtsbeschreibungen zu erhalten, oder aber um Kontaktadressen aus dem Adressverzeichnis abzurufen. Auf die Frage “Welches ist das beste Pizza-Restaurant in Noe Valley?” würde das Google-System beispielsweise mit einer Liste von drei Restaurants in der Nachbarschaft von San Francisco reagieren, jede einzelne mit Sterne-Kategorie-Beurteilungen der Google-Nutzer und weiterführenden Links, durch die man Telefonnummern und Wegbeschreibungen anklicken kann.

Für Google ist die Technologie von entscheidender Bedeutung, um den nächsten Ansturm auf die Werbewelt vorzubereiten. Das Management kommentierte dies mit der Aussage, dass man durch lokale Anfragen beispielsweise höhere Werbekostensätze von Unternehmen aus der Region verlangen könne, obgleich der Verkauf einer solchen Werbeform bisher nicht Bestandteil ihres Portfolios sei. Wie auch bei den übrigen Produkten von Google ist dieser Service für die Nutzer frei verfügbar. Außerdem plant das Unternehmen, den Service später auch anderen Telefonsystemen zur Verfügung zu stellen. „Durch die Aspekte ‘Standort’ und ‘Sprache’ erhöhen wir gegenüber den Werbeträgern den Service-Nutzen auf dramatische Weise,” erklärte Vic Gundotra, Ex-Manager von Microsoft und nunmehr verantwortlich für das Mobile Business bei Google. Gundotra wies darauf hin, dass Google es geschafft hätte, das doppelte Problem der Informationseingabe und der Informationsabfrage für mobile Endgeräte erfolgreich zu lösen. „Diese zwei zusammenhängenden Probleme auf Weltklasse-Niveau zu lösen, ist unser oberstes Ziel“, erklärte Gundotra.

Die neue iPhone-Suchmöglichkeit ist nicht das erste Sprachdialog-System von Google. Schon im März hatte das Unternehmen verlauten lassen, dass der Auskunftsdienst GOOG-411 bereits zu einem reellen Produkt herangereift sei. Die Erfahrungswerte und Dateninformationen, die es durch das GOOG-411 gewinnen konnte, wurden für die Entwicklung für das iPhone herangezogen. Die neue Dienstleistung ist nach Expertenmeinung ein gutes Beispiel dafür, wie Google es schafft, elementare Informatik-Forschung mit Produkttechnik zu verbinden. Um dies zu erreichen, wurden einige der besten Spracherkennungs-Forscher der Welt engagiert. Die Teams in New York, London und Mountain View bearbeiten die Problematik aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Wer von den Suchanbietern das Rennen um die Hoheit beim mobilen Internet gewinnen wird, hängt nach Auffassung von Voice Days-Sprecher Bernhard Steimel http://www.voicedays.de davon ab, wer den „Kampf um die besten Köpfe“ mit der größten Marktmacht verbinden kann. „Den Kampf um die Köpfe hat Google bereits gewonnen – besonders durch die Art von Google, immer alles neu zu entwickeln und die geniale Strategie, mit GOOG411 im weltgrößten ‚Freiland-Versuch’ das eigene Sprachmodell zu validieren und mit einer exzellenten Qualität aufzuwarten“.

Siehe auch:

http://de.youtube.com/watch?v=y3z7Tw1K17A&eurl=http://googlemobile.blogspot.com/

http://googleblog.blogspot.com/2008/11/now-you-can-speak-to-google-mobile-app.html


Sprachsteuerung: Google macht das iPhone zum Super-Handy

Im Februar 2008 hatte ich schon darüber berichtet, wie die Sprachdialogszene am Super-Handy bastelt: Fortschrittliche Mensch-Maschine-Schnittstellen wie Spracherkennung oder Gestensteuerung könnten aus dem Handy eine Steuerzentrale für Online-Inhalte machen und neue Geschäftsmodelle eröffnen: Sprachdialogsysteme sind nach Auffassung von Lupo Pape, Geschäftsführer des Berliner Unternehmens SemanticEdge http://www.semanticedge.de, ein wichtiger Baustein für das Super-Handy der Zukunft: „Wie häufig hätten wir gerne im Alltag genaue Informationen zu Sportergebnissen, Telefonnummern oder Adressen. Unendlich viele Dinge, die wir, wenn wir gerade im Internet wären, sofort über Google abrufen würden. Da das aber in der Freizeit und von unterwegs selten der Fall ist und der Zugriff über das Handy mit Tastatur oder Touchscreen zu mühselig ist, verzichten wir meistens darauf, unseren Wissenshunger sofort zu stillen. Anders wäre es, wenn wir mit einfachen gesprochenen Suchbefehlen unsere Anfrage starten und die Suche dann bei Bedarf eingrenzen könnten, genauso, wie wir es derzeitig mit der PC-Tastatur und Maus tun und das ganze jederzeit und von jedem Ort aus”, erklärt Sprachdialogexperte Pape zum Start der Call Center Worldhttp://www.callcenterworld.de in Berlin. Seit Freitag wissen wir, dass das keine Hirngespinste sind. Google bringt die Sprachsteuerungstechnik auf das iPhone. 

Nutzer der frei abrufbaren Anwendung müssen nur das Telefon an ihr Ohr halten und können dann praktisch jegliche Art von Fragen stellen, wie beispielsweise „Wo finde ich den nächst gelegenen Starbucks?“ oder „Wie hoch ist der Mount Everest?“ Der Sprachlaut wird dann in eine digitale Datei konvertiert, die anschließend an die Server von Google weiter geleitet wird. Dort werden die gesprochenen Worte ermittelt, die im Anschluss daran an die Google Suchmaschine gehen. 

Die Ergebnisse dieser Suche, die in nur wenigen Sekunden auf einem schnell arbeitenden drahtlosen Netzwerk angezeigt werden können, schließen zum Teil lokale Informationen mit ein. Dabei macht man sich die Funktionalitäten des iPhones zu Nutze, über die man den konkreten Standort bestimmen kann.

Die Fähigkeit, fast jeden gesprochenen Satz von einer x-beliebigen Person identifizieren zu können, war lange Zeit das höchste Ziel der Forscher für Künstlichen Intelligenz. Ihr Bestreben galt dabei besonders dem Erforschen von Methoden, die bewirken sollen, dass die Interaktionen zwischen Mensch und Maschine zu einer Selbstverständlichkeit werden. Systeme, die mit einer solchen Fähigkeit ausgestattet sind, haben kürzlich damit begonnen, als kommerzielle Produkte die Märkte zu erobern.

Sowohl Yahoo als auch Microsoft bieten bereits Sprachdienstleistungen für Handys an. So gibt der Microsoft Tellme Service Informationen nach speziellen Kategorien, wie beispielsweise Anfahrts- und Wegbeschreibungen, Landkarten und Spielfilme wieder. Das Yahoo oneSearch System mit Spracherkennung ist im Vergleich dazu flexibler, dafür scheint es aber nicht so akkurat zu funktionieren wie das Angebot von Google. Das Google-System ist noch lange nicht perfekt und sendet beispielsweise Anfragen zurück, die wie Kauderwelsch klingen. Das Management von Google hat sich bisher zurückgehalten, Schätzungen bekannt zu geben, die besagen, wie oft der Service korrekt funktioniert. Die Verantwortlichen sagten nur, dass sie der Meinung seien, dass der Service zumindest akkurat genug ist, um den Nutzern den großen Vorteil zu bieten, nicht mehr wie bisher ihre Anfragen auf der Touchbildschirm-Tastatur ihres iPhones eintippen zu müssen.

Der Service kann genutzt werden, um Restaurant-Empfehlungen und Anfahrtsbeschreibungen zu erhalten, oder aber um Kontaktadressen aus dem iPhone Addressverzeichnis abzurufen. Genauso kann der Service dafür nützlich sein, Auseinandersetzungen in Bars zu bereinigen. Auf die Frage “Welches ist das beste Pizza-Restaurant in Noe Valley?“ würde der Service beispielsweise mit einer Liste mit drei Restaurants in der Nachbarschaft von San Francisco reagieren, jede einzelne mit Sterne-Kategorie-Beurteilungen von Google Nutzern und weiterführenden Links, durch die man Telefonnummern und Wegbeschreibungen anklicken kann.

Raj Reddy, ein Wissenschaftler der Künstlichen Intelligenz an der Carnegie Mellon University, der Pionierarbeit in der Spracherkennung geleistet hat, sagte, dass der Vorteil von Google sei, riesige Mengen an Daten zu speichern und zu analysieren. „Welches Produkt Google auch immer zum jetzigen Zeitpunkt auf den Markt bringt, wird schon in drei oder sechs Monaten signifikant an Fehlerfreiheit und Akkuratesse hinzu gewonnen haben“, erklärte Reddy.

Reddy fügte ferner hinzu: „Es ist wichtig zu verstehen, dass Spracherkennungssysteme nie richtig perfekt sein können. Die Frage sollte vielmehr lauten: bis zu welchem Punkt ist die Maschinenleistung in der Lage, sich der menschlichen Leistung zu nähern?“ Für Google ist die Technologie von entscheidender Bedeutung, um den nächsten Ansturm auf die Werbewelt vorzubereiten. Das Management von Google kommentierte dies mit der Aussage, dass man durch lokale Anfragen beispielsweise höhere Werbekostensätze von Unternehmen aus der Region verlangen könnte, obgleich der Verkauf einer solchen Werbeform bisher nicht Bestandteil ihres Portfolios sei.

Wie auch bei den übrigen Produkten Googles ist dieser Service für die Nutzer frei verfügbar. Außerdem plant das Unternehmen, den Service später auch anderen Telefonsystemen zur Verfügung zu stellen.

„Durch die Aspekte ‚Standort‘ und ‚Sprache‘ erhöhen wir gegenüber den Werbeträgern den Service-Nutzen auf dramatische Weise,” erklärte Vic Gundotra, ein ehemaliger leitender Angestellter von Microsoft, der nun das Mobile-Business bei Google leitet.

Dabei ist Google keinesfalls das einzige Unternehmen, das daran arbeitet, zukunftsweisende Spracherkennungs-Ressourcen zu erschließen. Eine so genannte Spracherwiderungstechnologie kommt schon heute regelmäßig bei telefonischen Anrufbeantwortersystemen und anderen Verbraucherdienstleistungen und -produkten zum Einsatz. Allerdings haben diese Systeme oft Schwierigkeiten mit der Komplexität von Dialogen. Außerdem offerieren sie in der Regel nur ein eingeschränktes Repertoire an Antworten auf die eingehenden Anfragen.

Vor einigen Wochen hatte Adobe seiner Creative Suite Software die von dem britischen Unternehmen Autonomy entwickelte Spracherkennungstechnologie hinzugefügt. Dadurch wurde die Möglichkeit geschaffen, Videokopien und Audio-Aufzeichnungen mit einem hohen Grad an Genauigkeit zu erstellen.

Gundotra wies darauf hin, dass Google es geschafft hätte, das doppelte Problem der Informationseingabe und der Informationsabfrage für mobile Endgeräte erfolgreich zu lösen.

„Diese zwei zusammenhängenden Probleme auf Weltklasse-Niveau zu lösen, ist unser oberstes Ziel“, erklärte Gundotra.

Die neue iPhone Suchmöglichkeit ist nicht das erste Sprach-basierte Angebot von Google. Schon im März hatte das Unternehmen verlauten lassen, dass das GOOG-411, ein experimenteller Auskunftsdienst, bereits zu einem reellen Produkt herangereift sei. Der Service eröffnet Nutzern die Möglichkeit, Geschäfts-Telefonnummern und Adressinformationen abzufragen. Google sagte, dass es sich die Erfahrungswerte und Dateninformationen, die es durch das GOOG-411 gewinnen konnte, für die Entwicklung des iPhone Services zu Nutze gemacht hätte.

Die neue Dienstleistung ist ein gutes Beispiel dafür, wie Google es schafft, elementare Informatik-Forschung mit Produkttechnik zu verbinden. Um dies zu erreichen hat das Unternehmen einige der besten Spracherkennungs-Forscher der Welt engagiert. Die Teams in New York, London und dem Hauptsitz in Mountain View bearbeiten die Problematik aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Ein verblüffender Teil des Gesamtdesigns der Dienstleistung wurde von einem Google-Researcher aus London beigesteuert, der eine Möglichkeit entdeckte, wie man den iPhone Akzelerometer nutzen kann — das Gerät, das per Sensortechnik erkennt, wie das Telefon gehalten wird. Die Researcher von Google erklärten, dass ein weiterer Vorteil gegenüber der Konkurrenz in der Tatsache bestehen würde, dass die Verbraucher in den vergangenen Jahren bereits Milliarden von Anfragen bei Google getätigt hätten, was allein schon für eine große Erfahrungskompetenz spräche.

„Eine Sache, die sich geändert hat, ist die heute verfügbare Berechnungsgröße und die Datenmenge“, erklärt der Sprachforscher Mike Cohen, der bevor er zu Google kam, als Mitbegründer bei Nuance Communications tätig war. Cohen empfahl darüber hinaus, dass frühere Anfragen dazu genutzt werden könnten, ein statistisches Modell zu erstellen, das demonstriert, auf welche Art und Weise Wörter häufig in einer aneinander gereihten Form auftreten. Dies ist nur eine der vielen Komponenten des Spracherkennungssystems, zu dem außerdem ein Sprachlaut-Analyse-Modell zählt ebenso wie ein Mechanismus, der es ermöglicht, die elementaren Sprachkomponenten mit tatsächlichen Wörtern zu verknüpfen.

Google hat vor kurzem ein technisches Dokument über die Entwicklung von umfangreichen Modellen zur maschinellen Übersetzung der Sprache veröffentlicht. Die Forscher schrieben dazu, dass sie das System an zwei Billionen „Informationsmerkmalen“ oder Wörtern erprobt hätten.

Hier die Demonstration des Dienstes auf Youtube: http://de.youtube.com/watch?v=GQ3Glr5Ff28


 

Weltweit kolportierte Endzeitstimmung hat fatale Folgen für die Konjunktur – Harvey Nash-Chef plädiert für antizyklisches Verhalten

Bei der täglichen Lektüre der Schreckensnachrichten über eine drohende Rezession der Weltwirtschaft sollte man sich nach Ansicht von Harvey Nash-Chef Udo Nadolski mit dem Informatik-Professor Karl Steinbuch beschäftigen. „Er hat 1979 eine interessante Korrelation entdeckt. Er hat berechnet, dass eine seit 1949 jeweils zum Jahresende vom Institut für Demoskopie Allensbach gestellte Frage ‚Sehen Sie dem Neuen Jahr mit Hoffnungen oder Befürchtungen entgegen’ in dem Prozentsatz der Antworten ‚mit Hoffnungen’ der Entwicklung des realen Bruttosozialprodukts vorauseilt“, schreibt Nadolski in seinem Unternehmens-Blog. Der Verlauf des Optimismus folge wie das Wachstum des Bruttosozialprodukts Zyklen mit einer Dauer von etwa vier bis fünf Jahren und der Optimismus in der Bevölkerung hinke nicht hinter der Konjunktur her, sondern gehe ihr voraus: Zuerst Optimismus, dann Wachstum. Die persönliche Einschätzung der Zukunft sei scheinbar ein besserer Indikator für die Entwicklung der Konjunktur, als die mit großem wissenschaftlichen Aufwand betriebenen Vorhersagen der Wirtschaftsforschungsinstitute. 

„Der von Steinbuch entdeckte Effekt gilt leider auch in umgekehrter Richtung. Die weltweit kolportierte Endzeitstimmung könnte eine gefährliche Abwärtsspirale in Gang setzen: Die wirtschaftliche Dynamik ist nicht nur abhängig von äußeren Faktoren wie Steuerlast oder Arbeitsgesetzen, sondern in hohem Maß auch von Psychologie. Für die Konjunkturentwicklung ist es relevant, wie es zu gleichgerichteten Verhaltensweisen der Bevölkerung bei jenen Faktoren kommt, die Expansion und Rezession beeinflussen; denn erst der Gleichschritt erzeugt die Durchschlagskraft, verstärkt die Wirkung so sehr, dass der Konjunkturverlauf einen schicksalhaften Rang erhält“, so Nadolski.

Als Ursache sei ein sozialpsychologischer Faktor herausgearbeitet worden – Ansteckung. Sie werde ausgelöst durch übereinstimmende Motive der Wirtschaftsakteure, gemeinsame, unter bestimmten Umständen erweckte Vorstellungen, Nachahmung, Übertragung von Gefühlen und überspringende Stimmung. 

„Wenn jetzt kollektiv von Marktversagen und vom Niedergang des so genannten Neoliberalismus gesprochen wird, hat das fatale Folgen. Über 60 Prozent der Bevölkerung in Deutschland setzen auf mehr Staat statt auf mehr Markt“, führt der Harvey Nash-Chef weiter aus.

Unisono vertreten mittlerweile alle politischen Akteure die Auffassung, dass man sich von der liberalen Marktgläubigkeit verabschieden müsse. Dabei blende man die Ursachen der geplatzten Finanzblase gerne aus.

„Verschulden Sie sich. Bei uns kostet der Kredit nur ein Prozent Zinsen im Jahr“, das war über viele Jahre die Botschaft der amerikanischen Notenbank an die Kreditinstitute. Die Banken spielten gerne mit. In Deutschland waren es auffällig viele Finanzinstitute der öffentlichen Hand. 

„Die Finanzkrise ist also im Kern von einer staatlichen Institution ausgelöst worden – durch die legere Geldpolitik der Federal Reserve Bank. Ein Versagen der Marktwirtschaft sieht anders aus. Deshalb sollten wir uns in der Realwirtschaft vom Chorheulen der Wölfe verabschieden und antizyklisch agieren. Investieren, konsumieren, Firmen gründen, zukunftsfähige Produkte und Dienstleistungen entwickeln“, fordert Nadolski.

Innovatoren und das heilige Feuer der Unzufriedenheit: Fraunhofer-Präsident plädiert für mehr Erfinder- und Unternehmergeist

„Jede Schöpfung ist ein Wagnis“ – diese Erkenntnis von Christian Morgenstern gilt nicht nur für Dichter, sondern auch für Ingenieure, die technische Kunstwerke erschaffen, und für Unternehmer, die Firmengründen. „Kreative Köpfe waren es, die Deutschlands Ruf als Land der Dichter und Denker in der Welt begründeten. Erfinder, Forscher und Unternehmer in einer Person waren viele der Pioniere des

Industriezeitalters wie Otto, Benz, Siemens oder Bosch. Mit ihrem Erfinder- und Unternehmergeist bauten sie nicht nur Firmen von Weltruf auf, sondern schufen auch die Marke ‚Made in Germany’, die für technische Spitzenleistung und höchste Qualität bürgte. Um diesem Ruf auch in Zukunft gerecht zu werden, brauchen wir mehr Innovatoren, die neue Möglichkeitsräume eröffnen. Persönlichkeiten, die mit Ausdauer und Durchsetzungsvermögen neue Chancen verfolgen und konsequent nutzen“, sagte Professor Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft http://www.fraunhofer.de, auf dem Deutschen Wirtschaftsingenieurstag (DeWIT) http://www.dewit.de im Mercedes Event Center in Sindelfingen. 

Dazu gehöre auch das Risiko des Scheiterns. Nicht jeder Geistesblitz werde zur Innovation, die meisten Ideen verlaufen im Sande oder durchlaufen schwierige Veränderungsprozesse, bis der richtige Zeitpunkt gekommen ist. „Innovationsprozesse sind mit hohem Risiko behaftet, zäh und langwierig. Die Umsetzung von Ideen in neue Produkte, Dienstleistungen oder Prozesse ist riskant. Und das Wagnis wird mit jedem Schritt größer. Innovation ist keine einfache lineare Abfolge von der Erfindung zum fertigen Produkt, sondern ein komplexes Zusammenspiel zwischen wissenschaftlichen, technischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kräften“, so Bullinger. Fraunhofer habe bei einem mittelständischen Unternehmen untersucht, wie heute Innovationsprozesse verlaufen. Dabei seien von fast 2.000 Ideen nur etwa elf zu am Markt erfolgreichen Produkten geworden. Deshalb brauche man einen riesigen Speicher von unterschiedlich ausgereiften Ideen anlegen. „Man muss viele Frösche küssen, um auf einen Prinzen zu stoßen“, antwortete Arthur Frey, der Erfinder der gelben Haftzettel, auf die Frage, warum nicht mehr seiner Erfindungen so erfolgreich wurden. Der Philosoph Peter Sloterdijk spricht vom „heiligen Feuer der Unzufriedenheit“, die Wissenschaftstheoretikerin Helga Nowotny von „Unersättlicher Neugier“. 

Jeder kenne den Geistesblitz – den magischen Augenblick, wenn es funkt und Puzzlestücke sich zusammenfügen. Heureka – ich habe es gefunden. „Doch der zündende Einfall ist alles andere als Zufall, Erfindungen und Entdeckungen haben meist eine lange Vorgeschichte und basieren auf breitem Wissen. Wissen allein genügt aber nicht, man muss das Wissen organisieren, kombinieren und – vor allem – neu zusammensetzen. Grundlegend Neues entsteht meist an den Grenzbereichen der Disziplinen und – durch Zusammenarbeit im Team“, erklärte der Fraunhofer-Präsident. Kreativität sei das gezielte Suchen ebenso wie das spontane Sammeln von Ideen – ein Umherschweifen im Raum der Möglichkeiten. „Kreative Menschen warten nicht, bis sie die Muse küsst, sondern arbeiten viel und intensiv. So ist jede Idee das Ergebnis harter Arbeit und eines anregenden Umfelds. Das entscheidende Merkmal kreativer Menschen ist, sich nicht mit dem Vorhandenen zufrieden zu geben und über das Bekannte hinauszugehen. Die kreativen Köpfe sind es, die unserem Land zu neuer Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit verhelfen können“, führte Bullinger aus.

In der europäischen Benchmark-Studie IMP-Grove habe sein Institut den Vernetzungsgrad der Unternehmen analysiert und herausgefunden, dass Wachstumschampions unter den klein- und mittelständischen Unternehmen in Europa auf „offene“ Modelle der Wertschöpfung setzen. Eine enge Zusammenarbeit mit Netzwerkpartnern bei Kooperationen sei ein wesentlicher Hebel für die Steigerung der eigenen Innovationsfähigkeit. Mehr als 86 Prozent der Wachstumschampions binden Partner über den gesamten Innovationsprozess hinweg wesentlich enger ein. Stark vernetzte Unternehmen generieren mehr als 25 Prozent ihres Umsatzes aus Produkt- und Dienstleistungsinnovationen, die jünger als drei Jahre sind – im Vergleich zu circa 10 Prozent bei den „wenig“ vernetzten Unternehmen. Im europäischen Vergleich erzielen stark vernetzte Unternehmen Umsatzwachstumsraten von 7,1 Prozent, „wenig“ vernetze Unternehmen dagegen nur 3,2 Prozent.

„Für ein Hochlohnland wie Deutschland liegt die größte Herausforderung darin, was und wie künftig am Standort Deutschland produziert wird. Wichtig ist dabei die Innovationsbeschleunigung“, betonte Bullinger. Gemeistert werden die Herausforderungen durch Netzwerke der Kooperation. Gerade in Zeiten der Unsicherheit könne Deutschland auf seine gute realwirtschaftliche Position in der Elektrotechnik und Informationstechnik, auf seine gute Forschungslandschaft und exzellente Ingenieure und Wissenschaftler bauen, sagte Professor Josef A. Nossek, Präsident des Verbandes der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) http://www.vde.com, in seinem DeWIT-Vortrag. Allerdings müsse man sich mehr um die besten Köpfe, Innovationsstandorte, Technologien und Anwendungen kümmern: „Um die gute Position zu halten und der ‚asiatischen Herausforderung’ erfolgreich zu begegnen, muss Deutschland noch stärker in Bildung und in aussichtsreiche Forschungs- und Entwicklungs-Cluster investieren. Selbst die gegenwärtige Krise bietet Chancen, gute Technologiepositionen auszubauen, beispielsweise bei  der Energietechnik, Energieeffizienz, Ambient Assisted Living, Automotive und Future Internet“, so Nossek. Der VDE erwartet aufgrund der deutschen Stärken in den Basistechnologien, im Systems-Engineering und in der engen Verknüpfung von Hochschulen und Wirtschaft starke Impulse auch für den Export. Man werde sich allerdings im globalen Wettbewerb nur behaupten, wenn Deutschen die Exzellenz des Ingenieurnachwuchses sichert.

 

BVMW-Präsident Mario Ohoven: Abgabensenkung statt Subventionen

Als inhaltlich nicht in allen Punkten überzeugend hat der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven, das Jahresgutachten des Sachverständigenrats kritisiert. „Die fünf Wirtschaftsweisen haben zutreffend die Schwachstellen des Wachstumspakets der Bundesregierung aufgezeigt.“ Allerdings sei die Empfehlung des Gremiums, vor allem die Verkehrsinvestitionen um den Preis einer höheren Neuverschuldung aufzustocken, nicht nachvollziehbar.

Richtig sei, dass es keinen Sinn habe, einzelne Branchen zu subventionieren. Genau so falsch sei es aber auch, Steuermilliarden in den Ausbau der Verkehrswege zu stecken. Entscheidend sei vielmehr, dass die Nachfrage wieder angekurbelt werde. „In der gegenwärtigen Krise legen viele Bürger ihr Geld lieber auf die hohe Kante. Darin liegt die eigentliche Gefahr für die konjunkturelle Entwicklung“, so der Mittelstandspräsident. Die Konsequenz könne also nur heißen, Betriebe und Bürger bei Steuern und Abgaben zu entlasten.

Konkret schlug Ohoven die sofortige Abschaffung des Solidaritätszuschlags vor. „Diese umfassende Maßnahme wäre nicht nur ein psychologisch wichtiges Signal, sondern würde auch 13 Milliarden Euro für Konsum und Investitionen freisetzen.“ Daneben forderte der BVMW-Präsident die Senkung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung auf 2,3 Prozent. Dies sei durch Einsparungen, etwa bei versicherungsfremden Leistungen, durchaus zu erreichen. 

Ohoven warnte angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten davor, Ängste zu schüren und in Schwarzmalerei zu verfallen. „Deutschland gehört zu den stabilsten und leitungsfähigsten Wirtschaftsstandorten der Welt. Wir haben dank des innovativen Mittelstands die Chance, diese Krise mit einem blauen Auge zu überstehen.“ 

Siehe auch: 

http://www.openpr.de/news/251219/BVMW-Praesident-Mario-Ohoven-Staat-muss-Macht-ueber-Finanzmaerkte-zurueckerobern.html 

http://www.openpr.de/news/258806/Erbschaftssteuer-Kompromiss.html 

http://www.openpr.de/news/253539/Mittelstand-aus-der-Kreditklemme-befreien.html

 

http://www.energieportal24.de/pn_63019.htm 

http://www.openpr.de/news/244367/Boersenzocker-und-geldgierige-Egozentriker-schaden-dem-Unternehmertum.html 

http://www.online-artikel.de/article/boersenzocker-und-geldgierige-egozentriker-schaden-dem-unternehmertum-9695-1.html 

http://www.online-artikel.de/article/plaedoyer-fuer-unternehmerisch-gefuehrte-unternehmen-8493-1.html 

http://www.absatzwirtschaft-biznet.de/home/artikel/gastbeitraege/10/0/4188/Boersenzocker_und_geldgierige_Egozentriker_schaden_dem_Unternehmertum_.html

http://www.absatzwirtschaft-biznet.de/home/artikel/gastbeitraege/10/0/3538/Plaedoyer_fuer_unternehmerisch_gefuehrte_Unternehmen_.html