Mehr Nerd-Geist für die Wirtschaft – Matchen, Moderieren und Managen auf der Next Economy Open in Bonn #NEO15

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gsohn:

Programmatischer Ausblick auf die #NEO15

Ursprünglich veröffentlicht auf #NEO15 Matchen, Moderieren, Managen:

Digitale Entdecker gefragt Digitale Entdecker gefragt

Wer sich mit der digitalen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft beschäftigt, sollte nicht nur Internet-Werkzeuge im Blick haben, sondern muss die Veränderungen betrachten, die sich aus der Logik des Netzes ableiten:

„Wirtschaft, die im Internet stattfindet, kann kaum mehr sinnvoll abgegrenzt werden von solcher, die nicht im Internet stattfindet“, so die Einschätzung von Christoph Kappes.

Digitalisierung der Landwirtschaft, Robotereinsatz in der Altenpflege oder Online-Marktplätze für Handwerker sind nur einige Phänomene, die auch traditionelle Branchen auf den Kopf stellen.

„Wenn heute jeder mit jedem online kommuniziert, Geschäfte zunehmend nicht mehr im sauerländischen Konferenzraum, sondern weltweit im Browser getätigt werden, Arbeitsplätze nach digitaler Sexyness ausgewählt werden, das Netzwissen unseren Alltag und unsere Kultur prägt, stellt sich die Frage, wie die deutschen Traditionsunternehmen in Zukunft bestehen sollen“, fragt sich der Mittelstandsexperte Marco Petracca.

Besonders in diesen Unternehmen wird nach Ansicht von Professor Peter von Mitschke-Collande unterschätzt, dass die Digitalisierung nur…

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Mit Vernetzungskonzepten überzeugen – Lernen vom ersten Hacker des 13. Jahrhunderts: Next Economy Open #NEO15

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Auf zur #NEO15

Auf zur #NEO15

In der Next Economy Open-Initiative ist ein höchst pragmatischer Vorschlag in die Diskussion geworfen worden, wie man internet-aversive Unternehmer, Verbandsfunktionäre und sonstige relevante Entscheider ins Netzzeitalter katapultieren könnte. Man ummantelt schlichtweg die analogen Organisationen, Maschinen, Produkte, Services und Verwaltungsaufgaben mit einer digitalen „Schicht“. So eine Art „Verwaltungsschale“. Dann wird vielleicht auch dem Mittelständler im schönen Westerwald, dem Kommunalpolitiker in Buxtehude und dem Wissenschaftler am Overhead-Projektor an der Uni Koblenz klar, was passiert, wenn man sich nach außen vernetzt. Alles, was analog ist, bekommt an irgendeiner Schnittstelle den Zugang zur binären Logik.

In unserem eigenen Haus habe ich das schon längst umgesetzt, da es immer noch keine umfassenden Vernetzungskonzepte für die eigenen vier Wände aus einer Hand gibt. Unsere alte Yamaha-Musikanlage – der unkapputbare Verstärker stammt noch aus meiner Uni-Zeit in den 1980er-Jahren – ist beispielsweise mit dem Airport von Apple verdrahtet und spult alles herunter, was in der digitalen Bibliothek abgerufen werden kann. Warum sollte ich also die High-End-Teile für satten Sound als Elektronikschrott entsorgen?

Legobau-Kenntnisse: Kleine Schritte in die digitale Transformation

Wer mit kleinen Digital-Experimenten operiert, bekommt schnell Appetit auf mehr. Was mit robusten Verstärkern möglich ist, kann man auch mit TV, Waschmaschine, Geschirrspüler, Beleuchtung und mit dem kompletten Haus bewerkstelligen – unabhängig vom Hersteller und vom Betriebssystem. Schnell landet man bei Open Source, offenen Schnittstellen und Protokollen – auch wenn man diese Begriffe überhaupt nicht im Vokabular führt. Legobau-Kenntnisse aus der Jugendzeit reichen aus.

So kann man mit Legostein-ähnlichen Klemmen des Anbieters Digitalstrom analoge Geräte wie Lampen, Rauchmelder, Rollos und Haushaltsgeräte mit wenigen Handgriffen digital aufrüsten. In dem Lichtschalter von Digitalstrom befindet sich nicht nur eine Kommunikationseinheit, die man über das Internet steuern kann, sondern auch ein Sensor für Licht und Geräusche, wie Hannes Schleeh in einem Blogbeitrag ausführlich erläutert: Allein dadurch könne die bisher nur ein- und ausschaltbare Leuchte gedimmt, per Licht und Geräusch gesteuert werden. Das offene und modulare Konzept bietet Herstellern und Kunden nach Ansicht von Schleeh die Möglichkeit, individuelle Konzepte mit unendlichen Variationen auf den Weg zu bringen und eine Schneise für das Internet der Dinge zu schlagen.

Kleine und pragmatische Schritte in die digitale Transformation mit großer Wirkung. Wer den Nutzen der Vernetzung im Privathaushalt erlebt, verlangt ähnliche Anwendungen auch im beruflichen Umfeld und im Kundenservice.

Vom Wunder der Kombinatorik

Wenn Produkte und Services mit kleinen Stellschrauben für die digitale Welt anschlussfähig gemacht werden, vollzieht sich das Wunder der Kombinatorik auf den Spuren des Geistlichen Raimundus Lullus. Er hat die Digitalisierung bereits in seinem Hauptwerk „Ars Magna“ im Jahr 1300 auf Mallorca vorgedacht. Seine logischen Entwürfe wurden von den Wissenschaftlern Werner Künzel und Peter Bexte in die Computersprachen Cobol sowie Assembler auf einen Großrechner übertragen und erwiesen sich als ablauffähige Software – nachzulesen in dem viel zu wenig beachteten Opus „Allwissen und Absturz – Der Ursprung des Computers“, erschienen im Insel-Verlag und über Amazon als antiquarische Kostbarkeit zu humanen Preisen noch verfügbar.

„Lullus war der erste Hacker in den himmlischen Datenbanken“, schreiben die beiden Autoren.

Seine Kombinatorik leistet bereits die Verknüpfung von allem mit allem. So entstehen Netzwerke, als deren ältester Programmierer der merkwürdige Mönch in dem von mir mehrfach besuchten Kloster auf dem mallorquinischen Berg Randa gilt. Ein lohnendes Ziel für Null-Eins-Skeptiker. Sie könnten mit der ab 1275 konzipierten Denkmaschine ein Werkzeug ausprobieren zum Finden und Erfinden von komplizierten Fragen, zum Entwerfen und Erobern neuer Räume des Denkens – eine scharfe Waffe des erkennenden Verstandes für eine digitale Agenda, die diesen Namen verdient. Ein Fernrohr für den digitalen Geist!

Um dem digitalen Geist nachzuhelfen, bringen wir auf der Next Economy Open #NEO15 in Bonn am 9. und 10. November klassische Unternehmen mit der Netzszene zusammen unter dem Motto: Matchen – Moderieren – Managen.

Das erste Ticketpaket wurde freigeschaltet. Solltet Ihr zugreifen.

Ideen für die #NEO15 sammeln wir in den nächsten Wochen und Monate auch über die Netzökonomie-Campus ein – also unsere Käsekuchen-Runde, die auf Tournee geht.

Etwa am Samstag, den 22. August beim Sommer-Dom in Hamburg.

Man hört, sieht und streamt sich.

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Samsung Pay: In Europa kooperiert Samsung mit Mastercard.

Zuckerberg-Zitat: “Wir haben entschieden, dass Werbung und Monetarisierung langfristig besser sind, wenn es eine natürliche Interaktion gibt zwischen den Menschen, die das Produkt nutzen, und Unternehmen.”

[EN] Management Culture has no Interest in making the Work Lives more productive

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Ursprünglich veröffentlicht auf Digital Naiv:

What an analysis! The consumers are empowered, the workers aren’t. Your thoughts?

… the enterprise technology that employees have to do their jobs is mostly appalling. …

Because today’s management culture has no interest in making the work lives of —particularly its knowledge workers — easier and more productive. In fact, management practice often heaps more complexity and awful, unusable systems on top of frustrated, overwhelmed employees.

And we wonder why there is a global employee engagement crisis? And we wonder why there is a productivity crisis?

via Is the Internet Hurting Productivity?.

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Meine wohl letzte The European-Kolumne: Warum Intellektuelle in den Chaos Computer Club eintreten sollten

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„Gute Leute, erlauchte Zecher und ihr, liebwerteste Gichtlinge, saht ihr jemals Diogenes, den zynischen Philosophen?“ – so begann der Renaissance-Denker Francois Rabelais seine Rede. Wirtschaft, Gesellschaft und Politik brauchen eine neue Innovationskultur in seinem Sinn. Wir brauchen freche Spinner, die für frischen Wind sorgen. Auch heute noch.

„Gute Leute, erlauchte Zecher und ihr, liebwerteste Gichtlinge, saht ihr jemals Diogenes, den zynischen Philosophen?“ – so begann der Renaissance-Denker Francois Rabelais seine Rede. Wirtschaft, Gesellschaft und Politik brauchen eine neue Innovationskultur in seinem Sinn. Wir brauchen freche Spinner, die für frischen Wind sorgen. Auch heute noch.

Twitter-Prosaist Günter Hack ärgert sich über die fehlgeleitete und ahnungslose Technik-Kritik, die von Geistesgrößen wie Evgeny Morozov mit aggressivem Sendungsbewusstsein gepaart mit Ahnungslosigkeit am laufenden Band absondern.

Morozov und seine deutschen Epigonen hätten schlicht keinen Dunst von einer IngenieursKULTUR, die das Internet und Open Software und viele andere Aspekte unseres täglichen Lebens sehr stark informiert haben.

„Sie negieren diese Ingenieurskultur, obwohl es ihr gottverdammter Job wäre, sie zu kennen und sie zu analysieren. Wenn sie es täten, dann wären sie vielleicht wirklich dazu in der Lage, eine tragfähige Analyse zu schreiben, nämlich die, inwieweit sich diese Ingenieurskultur im Valley unter Einfluss und Druck von Geheimdiensten und Risikokapital und noch mehr Geheimdiensten und noch mehr Risikokapital verändert hat“, schreibt Hack.

Rundumschläge für mehr Klicks

Das sei die eigentlich spannende Geschichte, die ein Intellektueller heute zu erzählen hätte, anstatt blind auf „der Tächnäkk” herumzudreschen, die er sowieso nicht versteht. Pauschale Rundumschläge bringen halt mehr Klicks und Aufmerksamkeit. Dabei wäre es wichtig, zu verstehen, wie sich diese Technologen ausdrücken.

„Der Job des Intellektuellen bestünde darin, mit den Leuten zu sprechen, die den Code schreiben und die generativen Feedbackschleifen aufzuzeichnen und dann Ursachen und Wirkungen allgemein verständlich zu benennen. Stattdessen bekommen wir platte Kapitalismuskritik (die einiges erklärt, aber eben nicht das Wesentliche) und Untergangsgeheul.
Der Programmierer macht also seinen Job, der Intellektuelle macht ihn nicht“, moniert Hack.

Er plädiert für eine differenzierte Archäologie im Sinne der Actor-Network-Theory.

Mehr dazu in meiner morgigen The European-Kolumne, sozusagen als Schlussakt meiner Beiträge für das Berliner Debattenmagazin.

Aber wie zitierte der liebwerteste Kollege Alexander Wallasch meinen Leitstern François Rabelais:

“Was Geduld hat, kann alles überstehen.”

Die liebwertesten Gichtlinge wird es bald als eBook geben :-)