Man hört, sieht und streamt sich im Netz: Was Google-Hangout von #Meerkat und #Periscope lernen kann

Standard
Livesteaming für jedermann

Livesteaming für jedermann

Was habe ich mir in den vergangenen Jahren die Finger wund geschrieben über die Möglichkeiten im Netz, auch die letzte massenmediale Bastion zu stürmen: Live-TV. Mein Favorit war dabei der Google-Dienst Hangout on Air, der nach wie vor die meisten Möglichkeiten für die Graswurzelrevolution der TV-Autonomen bietet. Nicht nur Einzelübertragungen, sondern Liveschalte mit mehreren Teilnehmern, Einspieler, Außenreportagen, Livestreaming via Drohnen, Greenscreening, Youtube als virtueller Rekorder für die Anschlusskommunikation im Netz, verschiedene sinnvolle Apps wie die Hangout-Toolbox und vieles mehr.

Den Hintern hat Google mit Hangout on Air nie so richtig hoch bekommen. Das liegt wohl an der engen Bindung mit Google Plus – eher ein träges Social Web-Grab. Die Frage-Button über die Google Plus-Eventseite ist beschaulich, Interaktionen laufen eher über Hashtags, die man über Twitter einfängt. Größtes Manko: Die Hangout-App für mobile Geräte, mit der man Livestreams mobil nicht starten kann. Google sollte hier schnellstens nachbessern und den gesamten Hangout-Kosmos von Google Plus abtrennen und als eigenständige Anwendung etablieren. Sonst werden Apps wie Meerkat und Periscope das Rennen machen, wie Richard Gutjahr in einem Blogbeitrag eindrücklich skizziert hat: Realtime-Journalismus – Livestream ist der neue Mainstream.

Livestreaming-Apps für die TV-Autonomen

Livestreaming-Apps für die TV-Autonomen

Sein Credo: Livestreaming-Apps werden die Art und Weise verändern, wie wir die Welt sehen.

“Nachdem Periscope nun live und damit in den Händen von Zigtausend Early Adoptern rund um den Globus ist, muss ich mich korrigieren: Der Wandel ist noch um einiges radikaler, als ich mir das hätte vorstellen können.”

Richard dokumentiert das am Beispiel der Gasexplosion im New Yorker East Village. Schnelle Smartphone-Reportagen sind der aufwändigen Berichterstattung deutlich überlegen. Die beste Berichterstattung am Tag des Gas-Unglücks sei nicht von einem traditionellen Fernsehsender gekommen.

“Auch nicht von einem erfahrenen TV-Reporter. Er stammt von einer engagierten Mitarbeiterin von Mashable, einer Tech-lastigen Nachrichten-Website, die heuer ihr 10jähriges Bestehen feiert. Die Reporterin begnügt sich an diesem Tag nicht etwa mit einem einzigen Livestream. Weil Periscope noch neu ist und viele Mashable-Leser sich gerade erst mit Meerkat angefreundet haben, bringt sie es tatsächlich fertig, mit zwei (!) iPhone 6 Plus (!!) in den Händen durch die Straßen von Manhattan zu laufen um dabei live zu kommentieren, was sie sieht.”

Während der TV-Reporter an seinen Ü-Wagen gefesselt sei und sich nur wenige Meter von seiner Standup-Position entfernen darf, konnte die Mashable-Reporterin frei herumlaufen.

“Durch diese subjektive Kameraperspektive habe ich zeitweise sogar das Gefühl, als liefe ich selbst mit ihr durch die Straßen von Manhattan, ein bisschen so, wie in einem Computerspiel.”

Was Journalisten aus diesem Fallbeispiel lernen können, hat Richard ausführlich dargelegt. Das muss ich hier nicht wiederholen. Wenn Ihr auf ichsagmal.com in der Suchfunktion Livestreaming, Ü-Wagen, Jedermann-TV oder TV-Autonome eingebt, werdet Ihr mit weiteren Blogpostings überschüttet.

Meerkat

Heute Nachmittag um 16 Uhr werde ich Hangout on Air und Meerkat bei der Live-Übertragung wieder im Doppelpack einsetzen.

Der Erdmännchen-Dienst gefällt mir übrigens besser als Periscope. Mehr Zuschauer, bessere Chatfunktion und mehr Interaktion. Aber Periscope ist ja erst seit wenigen Tagen auf dem Markt. Da wird sich noch einiges ändern. Auch bei der Frage Hochformat versus Querformat.

Aus aktuellem Anlass habe ich mal das komplette neunte Kapitel des gemeinsam mit Hannes Schleeh verfasstung Livestreaming-Opus (erschienen im Hanser-Verlag) auf Medium.com veröffentlicht.

Man hört, sieht und streamt sich im Netz :-)

Zu #Meerkat und Co.: Bremst der Rundfunkstaatsvertrag die Livestreaming-Popularisierung aus?

Standard

Ursprünglich veröffentlicht auf Kompetenzgespräche:

Livestreaming für jedermann Livestreaming für jedermann

Angesichts des riesigen Erfolgs von Livestreaming-Möglichkeiten in Deutschland über Dienste wie Twitch, YouNow, Meerkat oder Periscope hat Markus Hündgen auf Facebook die Frage aufgeworfen, wie die Medienpolitik darauf reagiert. “Nicht umsonst hat YouTube weiterhin das Livestreaming für uns alle gesperrt. Reminder: Der Rundfunkstaatsvertrag sieht noch die schwammigen Regelungen vor.” Nun sollten wir allerdings die Checkliste der Hausjuristen der Medienanstalten nicht als Ausgangspunkt der Betrachtungen nehmen, sondern die Beschlusslage der Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) und der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) vom 16. April 2013. Ich habe das im Kapitel “Wie wir Kanzlerin Merkel besiegten” des Buches “Live Streaming mit Hangout On Air: Techniken, Inhalte & Perspektiven für kreatives Web TV” ausführlich dargelegt:

Das erste virtuelle Bloggercamp im September 2012 mit einer Fernseh-Sendelizenz hat die Beschränktheit des deutschen Medienrechts offen gelegt. Wer im Netz anfängt, Liveübertragungen via Hangout on Air oder vergleichbare Plattformen laufen zu lassen, steht…

Original ansehen noch 4.307 Wörter

Zettelkasten-Fundstücke – Carl: Klopfen zwecklos. Bin vermutlich im Tran. Tritt einfach die Tür ein.

Standard

Zettelkasten

Was der Journalist H. L. Mencken am meisten bewundert, ist eine heitere Gemütsverfassung, eine Abneigung gegenüber moralischen Werturteilen und eine allumfassende Toleranz – kurz, eine sportlich faire Einstellung. Diese Haltung darf nicht verwechselt werden mit der Tendenz, den Ecken und Kanten des Lebens aus dem Wege zu gehen. Im Gegenteil: Menschen dieses Schlages sind oft muntere Streiter, die bei kräftigem Widerstand ausgesprochen aufblühen. Aber wenn sie kämpfen, tun sie es nicht wie ein Matrose, der eine Hafenkneipe in Trümmer legt. Bedrohung der nationalen Sicherheit: Bei solchen Anlässen verwandeln sich alle großen Verfechter der Demokratie in Despoten von geradezu sagenhafter Grausamkeit.

Heckenschützen, die in ihrem moralisch-selbstgerechten Schlammloch hocken, sind abstoßend. Treffend die Bemerkungen von Mencken über Freunde: Ein robuster Geist wächst über seine Freundschaften hinaus, genauso wie seine Liebschaften, seine politischen Leidenschaften und seine Erkenntnistheorie. All diese Dinge werden für ihn mit der Zeit fadenscheinig, schäbig, aufgebläht, irritierend, deprimierend. Klugheitsgebot: Man sollte der kritischen Analyse seiner Freundschaften hin und wieder ein paar Stunden widmen. Abwägen, korrigieren und einem Härtetest unterziehen.

Betrand de Jouvenel hat Probleme mit dem Konzept des starken Staates. Der moderne Mensch vermißt die alte Geborgenheit der Kleingemeinschaften oder Familie. Und dieser Mangel versetzt ihn in eine Art Heimweh, die zur Quelle totalitärer Utopien wird. Eine anonyme Gesellschaft kann jedoch nicht Quelle der Geborgenheit werden; gegenseitige Liebe und Gemeinschaftsgeist lassen sich nicht durch Verwaltungen organisieren; die Gesellschaft ist nur die Summe aller unserer Beziehungen nach Abzug derjenigen, die uns erfreuen:

„Gewiß bleibt die kleinere Gemeinschaft als die ursprüngliche Heimat des Menschen, für ihn wünschenswert und unentbehrlich. Aber jeder Versuch einer Großgesellschaft, einen analogen Handlungs- und Gefühlsrahmen aufzuzwingen, führt unweigerlich in die Tyrannei.“

Der nationalistische Phrasendrescher war früher wohl eher ein schwächliches, unsicheres Kind, das hinter dem Mäuerle gestanden und mit Dreck geworfen hat. Sein größtes Mäuerle im Leben sind seine konspirativen Gesprächsrunden, seine Treffen mit Gleichgesinnten, und sein ganz großes mentales Mäuerle ist sein Glaube, sein Größenwahn. Der nationalistische Phrasendrescher ist wenig vital. Das vertrauensvolle Sicheinlassen auf die unwägbaren Risiken des Lebens ist ihm verwehrt. Die Zukunft und die Überraschungen als Herausforderungen, als eigentlichen Stoff der Veränderung zu nehmen, ist seiner Mentalität fremd.

Der erste Erfolg für Charles Bukowski kam in Deutschland aus einer Ecke, die im normalen Literaturbetrieb wohl kaum jemand auf der Rechnung hatte: Ein Kleinverlag in Augsburg, als Quasi-Einmannbetrieb vom Studenten Benno Käsmayr geführt, veröffentlichte mit “Gedichte die einer schrieb bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fenster sprang” das Buch, auf dem sich der spätere Ruhm Bukowskis begründen sollte:

„Es ging erst los, als ich Ende ’73 mit dem Benno Käsmayr vom Maro-Verlag Kontakt hatte, der mir den Vorschlag machte, etwas mit einem Kleinverlag zu machen, der an dem potentiellen Bukowski-Publikum näher dran ist, und es mal mit Gedichten zu versuchen, die sich etwas abheben von dem, was hierzulande als Gedicht genehm ist. Ruhig einmal ein bißchen auf die ruppige Tour. Das hat dann wider Erwarten komplett eingeschlagen, der Helmut Salzinger hat in Sounds eine tolle Besprechung geschrieben, und durch Mundpropaganda hat sich das so blitzartig verbreitet, dass am Ende 50.000 Exemplare standen. Das war der Durchbruch für Bukowski in Deutschland – nicht mit ‘notes of a dirty old man’, nicht mit ‚Der Mann mit der Ledertasche’, sondern mit einem kleinen Gedichtband“, so der Bukowski-Übersetzer Carl Weissner.

Erste Begegnung mit Bukowski:

„Vor der Tür lag ein Pappschild: ‚Carl: Klopfen zwecklos. Bin vermutlich im Tran. Tritt einfach die Tür ein. Ist sowieso kaputt. Welcome in the United States. Buk.’“ (Jahrbuch der Charles-Bukowski-Gesellschaft 2000. Frankfurt: Ariel Verlag 1999. Das war’s – Letzte Worte mit Charles Bukowski. Hamburg: Verlag Rasch und Röhrig 1996).

Der geistige Ahnherr der nationalistischen Phrasendrescher ist Carl Schmitt. Die Bücher des zu kurz gekommenen und kleinwüchsigen Herrenmenschen sind noch heute ein unverzichtbarer Pornographie-Ersatz für Sandkastenspieler. Seine jungen Jahre sah Schmitt als eine Kette von Demütigungen.

„O Gott, was soll aus mir werden? Wovon soll ich leben? Ich armer Junge, der Zielpunkt der Pfeile des Schicksals, ich vielgeschlagener Unglücksrabe.“

Er fühlt sich von der ganzen Welt betrogen, sogar von seinen Zimmerwirtinnen, die falsche Rechnungen schreiben oder Sachen unterschlagen.

„Die Wäsche kam, es fehlte wieder ein Hemd. Ich wurde rasend und geriet in Wut; Ernährungssorgen, Verzweifelung, kleinmütig.“

In den Monaten vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges gehen ihm Selbstmordgedanken durch den Kopf. Schmitt will in den „Mutterschoß zurück“ und seinen „Eintritt ins Leben rückgängig machen“, winselt er. Der spätere Dezisionismus-Plauderer drückt sich allerdings vor der endgültigen Entscheidung. Von Ehrgeiz zerfressen, überreizt und fiebrig, giert er nach Anerkennung, will berühmt werden, taxiert seine Gegner und empfindet ein „großes Machtbedürfnis“. „Ich raste herum, auf dem Bett, wahnsinnig vor unsinniger, vernichtender, vernichtungssüchtiger zweckloser Gier“, sinniert der spätere Staatsrat, der sich den Nazis andiente, von einer dicken Beamtenpension träumte und nach 1945 in permanente Weinkrämpfe ob seiner verpfuschten staatlichen Laufbahn verfiel. Vor dem Beginn seiner staatlich alimentierten Juristenkarriere fühlt er sich „müde, gedrückt, jedem unterlegen und feige und furchtsam“. Die Welt ekelt ihn an und hat sich gegen ihn verschworen. Überall schlägt ihm Feindseligkeit entgegen, die Zeitgenossen sind „wandelnde Würste und schwänzelnde Giftpilze“. Klein-Schmitti macht seine ersten Gehversuche fern von Muttis Rockzipfel und sieht nur noch Schwarze Männchen. Wie viel

„Neid, Wut, Hass und Eifersucht, ja Ekel die Leute voreinander empfinden; zähle das alles zusammen, die Erde ist bedeckt davon.“

Und wenn Mutti und Vati den lieben Kleinen nicht mit den materiellen Mitteln ausstatten, die einem zartbesaiteten Streber und Einser-Juristen gebühren und das kleine Dickerchen mit eigenen Händen nichts aufbauen kann, geißelt man am besten die böse Ellbogengesellschaft. Schuld sind immer die anderen: „Der Kapitalismus als die Herrschaft des Mittels geht hilflos an sich selbst zugrunde, weil uns alle Zwecke fehlen“ und niemand die richtigen Warum-Fragen stellt. Im sündigen Kapitalismus vertauschen die Menschen die Vorzeichen des Lebens. Sie „beten die Mittel an“ und haben die „letzten Zwecke vergessen“, faselt unser Marx für Arme. Die „tiefere Wahrheit“ umschreibt Schmittchen wie folgt: Menschliches Leben besteht nur in „Kampf und Niederlage, in Schmach und Demütigung“.

„Heftig geweint über die Sorgen und den Kampf des Erdendaseins.”

Alles „ist ein Kämpfen“, und zwar mehr, als die Menschen „glauben“. Es wimmelt in Schmitts Albträumen von Feinden, und das Leben „ist ein Kampf und eine Belohnung für den Kampf, der zurückliegt. Der Kampf des Fötus um die Existenz, der Spermatozonen“. Das Leben, „die anderen Menschen, die Umstände, die Zeit sind wie der Stahl, der auf der Drehbank liegt“. Seine spätere Etatismus-Suada findet hier wohl ihren Ursprung. Die gnostischen Autoren haben es Carl Schmitt angetan. Ihre Rede von der heillosen Zeit und dem Fluch des Daseins. Wenn sich im täglichen Überlebenskampf die „Wahrheit“ des Daseins entbirgt, dann ist Gottes Schöpfung vom Teufel verhext. Genau diese „tiefere Wahrheit“ werde vom Kapitalismus verdrängt. Das Zeitalter der Reklame entlässt einen dämonischen Schein, der die Menschen vom tödlichen Ernst ihrer Existenz ablenkt. Daraus bestimmt sich für den Ernstfalltheoretiker auch das „Böse“. Der Metaphysiker des Armageddon erlernt hier das Handwerk für seine staatsautoritären Dogmen. In seinen politischen Schriften geißelt er nach seinen Tagebuchheulereien (nachzulesen in: Carl Schmitt, Tagebücher, Oktober 1912 bis Februar 1915, Akademie Verlag, Berlin 2003) die fortschreitende Säkularisierung und die zunehmende Gottlosigkeit. Den Begriff des Politischen definiert er als Erkenntnis, Freund und Feind richtig zu unterscheiden. Souverän ist Schmitt nur, wenn er über den Ausnahmezustand entscheiden kann. Je größer er sein Gedankengebäude zur Politischen Theologie und Philosophie aufbläst, desto heißer die Luft. Hätte man dem Gehirnstoffwechsel des ängstlichen Hosenscheißers frühzeitig Antidepressiva hinzugefügt, wäre aus dem Plettenberger Klein-Machiavelli vielleicht noch ein guter Werbetexter geworden: Statt apokalyptische Visionen, geistvolle Sprüche über Goldbärchen, Brandt-Zwieback oder Pamperswindeln.

Featured Image -- 15235

The Business of Freelancing, Blogging, and Books, According to Author Jennifer Armstrong

Standard

Ursprünglich veröffentlicht auf WordPress.com News:

First, I should note: I am not related to Jennifer Armstrong. But! I have followed her writing closely over the years — first during her years at Entertainment Weekly, and more recently as the author of books like Mary and Lou and Rhoda and Ted (Simon & Schuster), which offered a definitive history of the classic TV series. Her blog also happens to be a must-follow on WordPress.com: She gives glimpses into her current work (she’s doing a Seinfeld book next) and she’s refreshingly transparent about the business (and hard truths) of being a freelance writer in 2015. I spoke with her via email about the business of writing and tips for how she makes time for her own blog.

Original ansehen noch 1.846 Wörter

Featured Image -- 15232

2. Blog-Camp (Lifestyle): die Twitter-“Presseschau” (#bcl15)

Standard

gsohn:

Schöne Zusammenfassung von Peter.

Ursprünglich veröffentlicht auf www.Sozialgeschnatter.de:

Vitamine @BCL15 Vitamine @BCL15 Das 2. Blog-Camp in Hannover, diesmal zum Thema Lifestyle, war wieder eine Runde Sache. Bei Volkswagen trafen sich gestern und heute 20 Blogger, um mit Fachreferenten übers Bloggen zu diskutieren. Hier ein paar ausgesuchte Tweets zur Veranstaltung (Hashtag: #bcl15:

Original ansehen noch 1.228 Wörter