Wo bleibt die öffentliche Verwaltung mit Digitalkompetenz? Wo ist das One-Hand-Prinzip des Staates? In Bonn, in den Ländern und beim Bund sehe ich kein Umdenken @katjadoerner

In einer Zeit, in der Digitalisierung und Effizienzsteigerung an der Tagesordnung stehen, wirft der öffentliche Sektor Deutschlands Fragen auf, die drängender nicht sein könnten. Der leider mittlerweile verstorbene Professor Gottfried Richenhagen, anerkannter Experte auf dem Gebiet des Public Managements, steuert mit seinem Werk „Public Management im Wandel“ direkt ins Zentrum der Debatte. Der Sammelband, zu dem Richenhagen als Co-Herausgeber beitrug, legt den Finger auf die Wunden der öffentlichen Verwaltung und skizziert einen Weg zur notwendigen Agilität und Modernisierung. Das ist der entscheidende Punkt und nicht das ständige Geschwafel über Entbürokratisierung. Wir brauchen eine öffentliche Verwaltung mit Digitalkompetenz, die alles aus einer Hand anbietet.

Die Herausforderungen sind immens: Die Corona-Pandemie hat nicht nur Defizite in der Digitalisierung öffentlicher Dienstleistungen ans Licht gebracht, sondern auch die dringende Notwendigkeit aufgezeigt, Verwaltungsabläufe mithilfe moderner digitaler Anwendungen bürgerfreundlicher zu gestalten. Doch der Weg dorthin ist steinig. Zuständigkeitswirrwarr, veraltete Strukturen und mangelhafte digitale Kompetenz bremsen den dringend benötigten Fortschritt. Das Onlinezugangsgesetz (OZG), das als Meilenstein für die Digitalisierung gefeiert wurde, zeigt in der Praxis eher die Grenzen der aktuellen Bemühungen auf. Die ständigen Nachbesserungen des Gesetzes wirken eher wie ein Eingeständnis des Scheiterns als ein Schritt in die richtige Richtung.

Richenhagens Analyse geht jedoch über eine bloße Bestandsaufnahme hinaus. Er sah die Lösung in einer dualen Strategie, die sowohl die traditionellen Max-Weber-Prinzipien der Verwaltung beachtet als auch den dringend benötigten Raum für agile Arbeitsweisen schafft. Dies erfordert eine fundamentale Neuausrichtung in der Kultur und Struktur der öffentlichen Verwaltung – ein Paradigmenwechsel, der nicht nur technische, sondern vor allem menschliche und organisatorische Anpassungen erfordert. Der Schlüssel liegt in der Förderung außerfachlicher Kompetenzen wie Teamfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit, die für den Erfolg digitaler Projekte entscheidend sind.

Doch die Umsetzung dieser Vision stößt auf Widerstände. Traditionelle Weiterbildungskonzepte, die nicht auf die Vermittlung dieser essentiellen Kompetenzen ausgelegt sind, und ein Mangel an strategischer Personalentwicklung hemmen den Fortschritt. Ebenso problematisch ist die aktuelle Praxis der Leistungsbewertung, die echte Motivation und Anerkennung von Leistungsträgern vermissen lässt.

„Public Management im Wandel“ wirft somit essenzielle Fragen auf und bietet gleichzeitig Ansätze für deren Beantwortung. Der Weg zur digitalen und agilen Verwaltung ist zweifelsohne mit Herausforderungen gespickt, doch Richenhagen und seine Mitautoren zeichnen ein Bild der Hoffnung, dass mit dem richtigen Ansatz und Willen zur Veränderung ein moderner, effizienter und bürgerorientierter öffentlicher Sektor möglich ist. Die Diskussion ist eröffnet, und es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen die notwendigen Schritte einleiten, um den öffentlichen Sektor Deutschlands fit für die Zukunft zu machen.

In Bonn ist man davon noch meilenweit entfernt.

Kleiner Auszug meines Briefwechsels mit einem Behördenvertreter:

„Hallo Herr XYZ! Es ist ja nie eine Stelle vollumfänglich verantwortlich. Das eine Amt verweist auf das andere Amt. Ein feines Wechselbäumchen-Spiel. Ich weiß nicht, wie vielen Behörden in Bonn ich die Sterbeurkunde über den Tod meiner Frau geschickt habe und wie viele Stellen von der Änderung des Kontos informiert wurden. Als freiberuflich arbeitender Journalist muss ich halt auch jeden Tag meiner Arbeit nachgehen. 

Immer noch gehen solche Sachen auf das E-Mail-Konto meiner verstorbenen Frau. Darauf bin ich jetzt nur mit einem Trick drauf gekommen. Immer noch kommen behördliche Schreiben an den alten Namen meiner Frau. Immer wieder knallen behördliche Stellen mir Versäumniszuschläge drauf und dergleichen. 

One-Hand-Prinzipien, digitale Verwaltung, Bürger-Konto oder dergleichen sind in Bonn und Deutschland ein Fremdwort. Das ist ermüdend. Aber ich werde nicht müde, diese Dinge öffentlich zu machen. 

Irgendwann wird die Stadt dann vielleicht doch noch laufen wie in Riga. 

Sie brauchen mir nicht mehr antworten. Ich habe das Prinzip verstanden.“

Das Ganze klingt wie das Buchbinder-Wanninger-Erlebnis von Karl Valentin.

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