Wie verpasste Warnungen eine ganze Wirtschaft ins Wanken brachten #DigitalX @ProfHolm @SVR_Wirtschaft @BMWK

Schon 2021, auf der Digital X, zeichnete Professor Peter Holm von der Provadis Hochschule in Frankfurt ein klares Bild der drohenden wirtschaftlichen Katastrophe. Er und ich, Gunnar Sohn, diskutierten in unserer Schubkraft TV-Sendung über die angespannten globalen Lieferketten, die sich abzeichnenden Preissteigerungen und die Frage, welche Hilfen vom Staat zu erwarten wären. Doch während Holm die Zeichen der Zeit erkannte und deutlich vor einem Inflationsschub warnte, redeten führende Ökonomen wie Marcel Fratzscher und Christine Lagarde das Problem klein. „Eine willkommene Normalisierung der Preise,“ hieß es da. Die Inflationsrate würde sich 2022 wieder bei den gewünschten 2 % einpendeln, so die optimistischen Prognosen.

Was für ein verheerender Irrtum! Holm hatte bereits auf die massiv gestörten Lieferketten hingewiesen: ganze Häfen gesperrt, zehntausende Container auf Stau, Ware knapp. Die Kosten für Containertransporte explodierten von 1.000 auf bis zu 14.000 US-Dollar. Schon damals war klar, dass dies zu tiefgreifenden Preisschüben führen würde – und das ohne die Ukraine-Krise, die erst später hinzukam. „Das war doch eine brutale Fehleinschätzung,“ fasste Holm nüchtern zusammen.

Während die Ökonomen 2021 noch auf die Selbstheilungskräfte der Märkte vertrauten, wuchs die Krise unaufhaltsam. Der Preis für Rohstoffe stieg, die Halbleiterkrise verstärkte sich, und die Transportpreise wurden an die Verbraucher weitergegeben. Holm und ich sahen diese Entwicklungen klar voraus. Was folgte, war ein dramatischer Energiepreisschock, ausgelöst durch den russischen Angriff auf die Ukraine, und erneut versagten die Ökonomen. Es gab keine schnelle Lösung, keine Patentrezepte. Stattdessen erlebten wir 2022 die höchsten Reallohnverluste seit Jahrzehnten, während die Inflation unaufhaltsam anstieg.

Holm war nie erstaunt über seine Prognosekraft. Es war schlicht realistisch, zu sehen, dass die Probleme tief verwurzelt waren. Aber während die Unternehmen improvisierten, die Konsumenten die Zeche zahlten und die Politik versuchte, das Schlimmste zu verhindern, versagte die Zunft der Ökonomen erneut. Anstatt die Warnungen ernst zu nehmen, verharmlosten sie die Situation und schoben die Verantwortung auf äußere Faktoren wie die Ukraine-Krise.

Holms Schlussfolgerung war klar: „Wir steuern weiterhin auf eine unsichere Zukunft zu.“ Besonders die langfristigen Auswirkungen auf die Energiepreise und die globale Lieferkettenproblematik blieben schwer kalkulierbar. „Wir werden diese Probleme nicht so schnell loswerden,“ erklärte er nüchtern. Ein Blick auf die Entwicklung der Rohstoffpreise und die Abhängigkeit von fossilen Energien lässt keinen Zweifel daran, dass sich die Ökonomen geirrt haben. Holm sah voraus, dass es Jahre dauern würde, bis sich die globalen Wirtschaftskreisläufe wieder stabilisieren würden. Doch diese nüchterne Einschätzung wurde damals von der Mehrheit der Experten ignoriert.

Während die Bundesregierung auf kurzfristige Maßnahmen setzte, um die schlimmsten Auswirkungen der Energiekrise zu mildern, prangerte Holm die fehlende langfristige Planung an. Es wurde nicht in innovative Technologien oder nachhaltige Strukturen investiert. Der Fokus auf kurzfristige Entlastungspakete verschleierte die Tatsache, dass die grundlegenden Probleme unadressiert blieben.

Heute sehen wir die Konsequenzen dieses systematischen Versagens. Professor Holm lag mit seiner Einschätzung der gestörten Lieferketten und der zu erwartenden Preissteigerungen richtig. Doch die politisch beratenden Ökonomen ignorierten die Warnungen und setzten auf die falschen Rezepte.

Die hohen Reallohnverluste 2022 und der dramatische Rückgang des Konsums haben die Gesellschaft in den Grundfesten erschüttert. Und das hat sich bislang nicht geändert.

Statt endlose Regulatorik und weitere drückende Gesetze für Selbständige zu schaffen, muss der Staat endlich handeln. Deutschland ist gut darin, Ziele zu definieren, aber bei der Umsetzung hapert es. Professor Holger Hanselka forderte auf dem Forschungsgipfel, dass wir uns nicht auf einen einzigen Weg festlegen, sondern breit denken: Wärme, Mobilität, Industrieprozesse und auch die Haushalte. Der Fokus sollte auf effektive Maßnahmen gelegt werden, wie es in den USA oft der Fall ist, wo man pragmatisch an Lösungen arbeitet, statt auf Regulierungswut zu setzen.

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