Über schrumpfende Tageszeitungen und die #StoryMachine von @KaiDiekmann

Die Gesamtauflage der deutschen Tageszeitungen ist in den vergangenen zehn Jahren von über 28 Millionen auf unter 15 Millionen geschrumpft. Darauf macht der ehemalige Bild-Chefredakteur Kai Diekmann in einem hörenswerten Podcast von OMR aufmerksam. 31 Millionen Nutzer sind mittlerweile auf Facebook registriert, davon sind 21 Millionen jeden Tag aktiv.

„Die Zahl deutscher Facebook-Nutzer ist höher als die Gesamtauflage aller deutschen Tageszeitungen“, so Diekmann.

Das Mark Zuckerberg-Imperium sei also nicht irgendeine Bühne, das ist eine ganz zentrale Bühne und die muss man bespielen können. Damit meint Diekmann nicht nur die klassischen Medien, sondern auch die Unternehmenskommunikation, die er mit seiner neuen Firma Story Machine adressiert.

„Häufig gibt es noch das Missverständnis in großen Unternehmen und im Mittelstand, dass Facebook und Twitter technische Verlängerungen der Pressestelle sind oder der Marketingabteilung“, erläutert Diekmann.

Folge: Soziale Netzwerke werden mit Marketing-Botschaften bespielt. Es werde gesendet, gesendet, gesendet und es wird nicht begriffen, dass auch ein Fernsehsender, der 24 Stunden am Tag nur Werbe-Clips zeigen würde, nicht erfolgreich sein könnte.

Mehr dazu in der April-Ausgabe des prmagazins. #Flugtaxi und Seniorennetzwerke kommen da auch vor 😉

Reicht eine Topmanagement-Kaffeefahrt nach Palo Alto für den Kulturwandel aus?

Diese Frage habe ich in der Oktober-Ausgabe des prmagazins wie folgt beantwortet:

Um bei den Digitalthemen in der ersten Liga zu spielen, reicht es für Unternehmen wohl nicht aus, Pilger-Reisen zu den Tech-Giganten in Palo Alto zu organisieren, in Sneakers durch die Gegend zu laufen, auf Krawattenzwang zu verzichten, Design Thinking-Workshops zu besuchen, das kollektive Duzen in Organisationen einzuführen und nach den USA-Exkursionen sich eine Hipster-Friseur zuzulegen. Das ist Camouflage.

Als aktionistische Ausweichaktion gründet so ziemlich jedes Unternehmen etwas und dem Stichwort „Lab“ oder „Garage“. Davor steht dann meistens „Digital“. Beheimatet sind die Zukäufe oder Neugründungen meistens in San Francisco, Tel Aviv oder Berlin.

„Man erhofft sich in einem fancy Umfeld tolle radikale Innovationen. Ausgestattet mit einem dicken Budget soll der Anschluss an Unternehmen in den USA, in Asien und Israel gelingen. Es geht aber in diesen Labs primär nur um den Anfang von Innovationen. Es geht um die Frage, mit welchen Ideen die Firmen antreten könnten. Die Umsetzung ist häufig ausgeklammert“, bemerkt Detecon-Analyst Marc Wagner.

Das sei abhängig vom „Rest“ der Organisation und die beäugt das Lab-Spektakel kritisch. Im Brot-und-Butter-Geschäft werden Gehälter gekürzt, Konstrukte zur Kostensenkung in Gang gesetzt und Rationalisierung im Kundenservice durchgesetzt.

„In den Labs ballert man das Geld raus, pumpt den Kollegen die Finanzmittel in den Hintern, scheut keine Kosten und Mühen, wenn es um die Gestaltung des Arbeitsumfeldes und in der Stamm-Organisation geht, sitzen alle wie die Hühner auf der Stange. Solche Diskrepanzen motivieren nicht zur Umsetzung neuer Ideen.“

Einen weiteren Grund für die mangelhafte Innovationskultur sieht Wagner im klassischen Management, die er vor allen Dingen in Konzernen feststellt. Da werde viel von Innovationen und visionären Ideen gesprochen. In Wirklichkeit gehe es um eine gnadenlose Kapitalmarktorientierung und kurzfristige Optimierungen von KPIs – also Leistungskennzahlen mit denen Mitarbeiter gegängelt werden. Da sei kein Platz für innovative Ideen. Die Hipster in den Labs sind eher Feigenblatt-Einheiten, die beim nächsten Vorstandswechsel wieder rausfliegen.

Irgendwann schlägt der Chef-Controller zu und macht die digitalen Buden dicht. In deutschen Unternehmen gibt es extrem viele Manager, die dafür exzellent ausgebildet sind. Wir finden viele Controller, Finanzexperten und Juristen, die mit dem Kapitalmarkt umgehen können und die am Reißbrett von einer Restrukturierung zur nächsten jagen. Unternehmerischer Sachverstand ist im Top-Management aber Mangelware. Wir sind im Vergleich zu den USA viel stärker auf kurzfristige Maßnahmen gepolt, um den Kapitalmarkt zu pflegen. Mit oder ohne Reisen nach Palo Alto.

Hoffe, die Antwort ist ok 😉

Wie kann man Markenbotschafter für die Netzkommunikation ausbilden? @pr_magazin

Unternehmen sollten sie zu Barcamps schicken, empfiehlt Klaus Eck im prmagazin-Interview:

Mehr zum Thema in der November-Ausgabe.

Siehe auch:
Interview mit Nick Marten: was OTTO-Markenbotschafter ausmacht