Europas Sicherheit hängt am All: Vom GPS-Spoofing bis zur Privatisierung des Kosmos #Notizzettel

Wie ernst ist es Europa mit dem „neuen Raumfahrtzeitalter“?
Wie eng sind Sicherheit, Souveränität und Weltraum verknüpft?
Und: Wer kontrolliert in Zukunft den Orbit – Staaten oder private Akteure wie Musk, Bezos & Co.?


Rückblick auf den BDI-Weltraumkongress

  • Peter Leibinger (BDI-Präsident) forderte Tempo, Investitionen und Bürokratieabbau. Sein Satz blieb hängen: „Deutschland droht, die industrielle Renaissance im All zu verpassen.“
  • Dorothee Bär (Raumfahrtministerin) sprach von einer „großen Erzählung von Souveränität und Sicherheit“. Deutschland müsse aus dem Mittelmaß ausbrechen.
  • Josef Aschbacher (ESA) warnte vor schrumpfenden Marktanteilen – von 15 % auf 10 %.
    Er will den Ministerrat in Bremen mit 23 Mrd. € beschließen und die Vergabezeiten halbieren.
  • Michael Schoellhorn (Airbus/BDLI) brachte es sicherheitspolitisch auf den Punkt: „Ohne Schutz im All kein Schutz auf Erde, See, Luft.“
    Der Ukrainekrieg sei längst ein Weltraumkrieg.
  • Stefan Schaible (Roland Berger): Der globale Markt wachse auf 2 Billionen €.
    Europa brauche 15–26 Mrd. € Investitionen jährlich – sonst droht der Absturz.
  • Boris Pistorius (Verteidigungsminister) setzte den Schlusspunkt: 35 Mrd. € bis 2030 für Weltraumfähigkeiten.
    Aufbau eines Satellitenbetriebszentrums, offensive Abschreckungsfähigkeit im Orbit, Integration in NATO- und CSpO-Strukturen.

Das war fast schon ein sicherheitspolitisches Manifest:
Europa will Space Superiority, ähnlich wie einst Air Superiority.
Aber die Frage ist: Reichen Strategie und Geld – oder fehlt uns die Umsetzungskraft?


Europas strategische Lücke

Josef Aschbacher spricht von einer drohenden „Space Dependency“.
Wir hängen bei Navigation, Kommunikation, Wetterdaten – und zunehmend bei Verteidigung – am Tropf der USA.

Und gleichzeitig erleben wir einen Wettlauf zwischen staatlichen Akteuren und privaten Playern – SpaceX, Starlink, Amazon Kuiper.

  • Deutschland als „Weltraum-Zulieferer“, nicht als „Systemführer“.
  • Fehlt eine klare Vision: „Warum macht Europa Raumfahrt?“
  • New-Space-Startups brauchen staatliche Ankerkunden (Zitat Pelzer).
  • ESA-Reform: Vergabezeiten, nationale Eitelkeiten, Bürokratieabbau.

Sicherheitspolitik im Orbit (ca. 10 Min.)

Pistorius hat den Ton verändert – von „Science“ zu „Security“.
35 Mrd. € bis 2030, offensive Abschreckung, Integration in NATO-Strukturen.
Das klingt nach einer Militarisierung des Alls.

Und das zeigt: Der Weltraum ist längst ein Kriegsraum – nicht nur ein Forschungsraum.
Aber: Wie definiert man „Abschreckung im All“?
Satellitenabwehr? Cyber-Defence? Weltraum-Situational Awareness?

  • Ukrainekrieg als Blaupause: GPS-Spoofing – jemand sendet gefälschte Satellitensignale, die ein Navigationsgerät glauben machen, es befinde sich an einem anderen Ort oder in einer anderen Zeit. Im Unterschied zum Jamming (Störung/Abschirmung vorhandener Signale) liefert Spoofing aktiv falsche (aber plausible) Positions- oder Zeitdaten. Starlink-Abhängigkeit.
  • Europäische Satellitenaufklärung (MUSIS, Copernicus, IRIS²).
  • Dual-Use-Strategien: zivile Nutzung mit militärischer Rückendeckung.
  • Kooperation mit Afrika (Tidiane Ouattara): gemeinsamer Datenraum, Klimadaten, Sicherheit.

Hans Esselborn, Germanist aus Köln, hat das wunderbar beschrieben:
Literatur entwirft keine exakten Prognosen, sondern Szenarien – Denkexperimente, die uns auf Handlungsoptionen vorbereiten.
Sein Beispiel: Kurd Laßwitz’ Roman über eine Weltraumstation inspirierte später Wernher von Braun.
Science-Fiction kann also Zukunft vorwegnehmen – aber nicht vorhersagen.

Und Esselborn warnt auch vor der Privatisierung des Alls – Musk, Bezos und Co.
Er spricht von künftigen Piratenkriegen im Weltraum.
Das klingt nach Orwell und Asimov zugleich – aber auch nach einer Mahnung an Politik und Gesellschaft.

Literatur als Frühwarnsystem für technologische Machtverschiebungen.

Warum Science-Fiction heute wieder Leitdisziplin für Strategen werden sollte.

Privatisierung & Governance des Weltraums – braucht es eine Weltraum-UNO?

Wir brauchen Geschwindigkeit, Geld und Geschichten, die inspirieren.

Die industrielle Renaissance im All wird kein Selbstläufer. Sie ist schon längst eine Luftbuchung.

Unser Cassandra-Projekt konnte sich leider nicht durchsetzen:


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