
Ach, wie prächtig erstrahlt es doch, das goldene Zeitalter des Lautsprechers! Wir leben in einer Epoche, in der jeder zweite den Anspruch hat, gleichzeitig Prophet, Psychologe und Weltverbesserer zu sein. Es beginnt stets gleich: Eine Pose, ein Satz, ein Publikum. „Seid achtsam!“ rufen sie. „Seid reflektiert!“ „Lernt, Grenzen zu setzen!“ Und wehe, jemand wagt zu fragen, was genau das heißt – denn dann bricht das Kartenhaus schneller zusammen als die Argumentationskette eines Soap-Philosophen.
Doch am spannendsten wird es, wenn Anspruch und Wirklichkeit einander über die Füße stolpern. Der Meister der Phrasen sitzt auf seinem moralischen Thron, von dessen luftiger Höhe er mit erhobenem Zeigefinger auf die Niederungen der Menschheit herabblickt. „Wacht auf!“ ruft er, während hinter ihm die Vorhänge seiner eigenen Farce in Flammen stehen. „Sprich deine Wahrheit!“ oder „Heile dein inneres Kind!“ sind die Parolen, die wie sprühende Funken um ihn tanzen. Denn hinter jeder gut polierten Moral stecken oft genug nur Sprühdosen und heiße Luft. Und was bleibt von der großen Pose, wenn der Rauch sich legt? Eine Pfütze aus Buzzwords und Selbstmitleid.
Das Schöne an dieser Kunst des Scheiterns: Niemand scheitert so laut wie die Großen des Wichtigtuertums. Und laut muss es sein, denn die eigene Heuchelei will ja gehört werden. Aber heute reicht kein einfaches „Entschuldigung, ich war wohl etwas übermütig“ mehr. Nein, heute braucht es eine Inszenierung. Ein Spektakel, ein Feuerwerk der Selbstanklage. Hier ein bisschen Lovebombing, da ein Hauch Gaslighting – alles fein serviert auf einem Tablett aus großartigen Worten wie „Radikale Selbstverantwortung“ und „Deine Reise beginnt hier“, die gerade genug Wahrheit enthalten, um den letzten Funken Glaubwürdigkeit zu retten.
Doch was wäre diese Welt ohne die Tragikomödie des moralischen Marktschreiers? Es braucht sie, die großen Redner der kleinen Taten, die Maßregler ohne Maß, die Helden der Hohlformeln. Sie sind die Salzstangen auf dem Buffet der gesellschaftlichen Unterhaltung: krümelig, salzig, und irgendwie immer da. Und am Ende bleibt die Moral dieser Geschichte: Wer hoch hinausposaunt, sollte aufpassen, nicht über seine eigenen Worthülsen zu stolpern. Doch halt! Vielleicht liegt gerade darin die wahre Kunst: Im grandiosen, wortgewaltigen, selbstverschuldeten Scheitern.
Oder wie ein besonders kluger Kopf es formulieren würde: „Manchmal braucht es eine gute Phrase, um die eigene Farce zu verschleiern.“ Prost auf die Wichtigtuer! Ohne sie wäre das Leben nur halb so erheiternd.
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