
Es gibt Momente, in denen sich der Pulsschlag der Arbeitswelt verändert. Vertraute Strukturen geraten ins Wanken, Routinen weichen neuen Anforderungen, und das, was gestern noch stabil schien, erscheint heute fragil. Die Wirtschaft steht an einer Wegscheide: Entweder Organisationen gestalten den Wandel aktiv – oder sie werden von ihm überrollt.
In der aktuellen Ausgabe von Zukunft Personal Nachgefragt wurde genau diese Dynamik sichtbar. Wenige Wochen vor der #ZPNord, die am 26. und 27. März in Hamburg stattfindet, war die Sendung mehr als eine Vorschau. Sie war ein Seismograf für die Kräfte, die derzeit Unternehmen herausfordern. Mit Heike Riebe, Programmdirektorin der Zukunft Personal, und Barbara Kolocek, Dozentin für Arbeits- und Organisationspsychologie, wurde nicht nur über Trends gesprochen – sondern über die Weichenstellungen, die jetzt erfolgen müssen.
„Time for New Beginnings“ – aber keine leeren Parolen
„Der Umbruch hat begonnen“ – so lautete die Überschrift der Sendung, und sie ist weit mehr als eine Floskel. Heike Riebe skizzierte eindringlich, dass sich HR von einer administrativen Disziplin zu einer strategischen Instanz entwickelt. „KI ist nicht einfach eine neue Technologie, sie verändert die DNA der Arbeitswelt.“ Wer heute noch glaubt, man könne sie wie ein weiteres Software-Tool behandeln, verkennt die Tragweite dieser Entwicklung.
Barbara Kolocek hingegen betonte, dass die Zukunft nicht nur in Technologie, sondern vor allem in der Art liegt, wie Unternehmen Führung und Leistung denken. Die Kamin-Lounge auf der #ZPNord wird genau das ermöglichen – eine Arena für ungefilterte Diskussionen jenseits von Hochglanzpräsentationen.
Macht und ihre unsichtbaren Strukturen
Ein Höhepunkt der Sendung war der Einspieler mit Professor Carsten C. Schermuly. Sein neues Buch Die Psychologie der Macht beleuchtet eine Dimension, die in Unternehmen oft übersehen wird: Wer entscheidet wirklich? Organigramme, so Schermuly, seien oft nichts weiter als höfliche Fiktionen. Die wahre Macht liege nicht bei denen, deren Titel sie suggeriert, sondern dort, wo Netzwerke, Zugang zu Informationen und subtile Einflussnahme zusammentreffen.
„Wir brauchen Machtlandkarten statt Organigramme“, forderte Schermuly in der Sendung. Eine Botschaft, die für HR eine Herausforderung darstellt. Denn wenn Personalabteilungen eine strategische Rolle beanspruchen, müssen sie verstehen, wie Macht funktioniert – und wie sie genutzt werden kann, um Unternehmen nicht nur effizienter, sondern auch gerechter zu gestalten.
Schermuly formulierte es noch deutlicher: „Die Macht aus der Schmuddelecke holen, bevor sie uns dorthin zieht.“ Eine klare Ansage an die HR-Abteilungen: Wer sich nicht mit Machtstrukturen beschäftigt, bleibt Spielball dieser Strukturen. Eine Organisation, die sich blind auf Hierarchien verlässt, ohne ihre tatsächlichen Entscheidungswege zu hinterfragen, wird langfristig an den eigenen Unsichtbarkeiten scheitern.
Führung zwischen Co-Leadership und Mythen der Entwicklung
Doch Macht ist nur eine der Linien, an denen sich die Transformation der Arbeitswelt abzeichnet. Ein weiteres Thema der Sendung war die Frage, wie Führung unter neuen Vorzeichen funktioniert. Barbara Kolocek stellte in diesem Kontext zwei Sessions der Kamin-Lounge vor, die sich genau mit diesen Fragen beschäftigen:
- „WeGo statt Ego“ – Warum Co-Leadership Führung neu definiert
Birte Palzer von Beiersdorf diskutiert am zweiten Messetag (9:30 – 10:10 Uhr), warum Führung nicht mehr an einzelne „charismatische“ Personen gebunden sein muss, sondern als geteilte Verantwortung verstanden werden kann. Co-Leadership erlaubt es Führungskräften, ihre Stärken zu kombinieren und gemeinsam mit mehr Flexibilität und Diversität zu führen – ein Modell, das mit traditionellen Hierarchien kollidiert, aber gleichzeitig eine Antwort auf die sich wandelnden Erwartungshaltungen der neuen Generation ist. - Die 5 größten Mythen der Führungskräfteentwicklung
Max Braunleder von der TAM Akademie analysiert, welche verbreiteten Irrtümer Unternehmen über Führung hegen. Eines der größten Missverständnisse: Ein einzelnes Seminar könne nachhaltige Entwicklung bewirken. Führung ist ein kontinuierlicher Prozess, der nicht durch punktuelle Maßnahmen, sondern durch langfristige Impulse und Begleitung in Teams wirksam wird.
Gesundheit als unterschätzter Erfolgsfaktor
Während Unternehmen sich mit digitalen Transformationen beschäftigen, geraten die Folgen für die Gesundheit oft in den Hintergrund. In der Sendung wurde diskutiert, dass Burnout und Technostress längst nicht mehr Randthemen sind, sondern zentrale Herausforderungen für Organisationen darstellen. Zwei Sessions auf der #ZPNord greifen diese Problematik auf:
- Burnout: Vorsorge statt Nachsorge – Was HR wissen muss, bevor es zu spät ist
Kathrin Erasmus, Stress- und Burnout-Präventions-Coach, wird beleuchten, welche präventiven Maßnahmen Unternehmen ergreifen müssen, um nicht erst dann zu reagieren, wenn Mitarbeitende bereits ausgebrannt sind. - Zwischen digitalem Fortschritt und Überforderung: Wie Technostress entsteht und was Führungskräfte leisten können
Prof. Dr. Daniel Thiemann von der International School of Management analysiert, wie digitale Tools nicht nur Effizienz, sondern auch eine neue Art der Belastung schaffen. Eine überfordernde Flut an Tools, schlecht designte Usability und permanente Erreichbarkeit können zur Gesundheitsfalle werden.
Künstliche Intelligenz – Hype, Hoffnung und Ernüchterung
Neben Führung und Gesundheit war KI das dritte große Thema der Sendung. Dabei ging es weniger um die üblichen Versprechen von Automatisierung und Effizienzsteigerung, sondern um die Realität, mit der Unternehmen bereits konfrontiert sind. Die #ZPNord bietet dazu zwei Einblicke aus völlig unterschiedlichen Perspektiven:
- Nestlé unplugged: Ein Blick hinter die Kulissen der KI-Integration
Anja Kuhl von Nestlé wird berichten, wie ein globaler Konzern KI tatsächlich in seine Strukturen integriert. Von Schnittstellenproblemen bis hin zu der Notwendigkeit, einen „Toolmanager“ zu etablieren – hier gibt es keine Visionen, sondern reale Herausforderungen. - Künstliche Intelligenz – Hype, Hoffnung & Ernüchterung
Prof. Dr. Karlheinz Schwuchow von der Hochschule Bremen zeigt auf, wo Unternehmen zu viel erwarten und wo sie tatsächlich ansetzen sollten. Sein Plädoyer: KI erfordert nicht nur technologische Kompetenz, sondern eine völlig neue Art der Entscheidungskultur.
Die #ZPNord als Plattform für echte Diskussionen
Was aus Zukunft Personal Nachgefragt deutlich wurde: Die #ZPNord wird mehr als eine Fachmesse sein. Sie wird zum Forum für grundlegende Fragen, die über die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen hinausgehen. Mit Formaten wie der Kamin-Lounge oder dem neuen Talkformat von Cawa Younosi (Cawa trifft …) wird sie zu einer Plattform für jene, die sich nicht mit wohlfeilen Buzzwords zufriedengeben, sondern nach Konsequenzen fragen.
Die Sendung lieferte einen Ausblick auf eine Veranstaltung, die keine fertigen Antworten präsentiert, sondern die richtigen Fragen stellt. Und wer sie zu hören bereit ist, wird erkennen: Der Wandel hat nicht erst begonnen – er ist längst da.