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@_FriedrichMerz, laienhafte Kommunikationsfehler und die frühere Stärke der Projektgruppe Semantik in der CDU-Bundesgeschäftsstelle

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Vorbereitungen auf „Sommerinterviews“ wie jenes mit dem ZDF am vergangenen Sonntag lösen wohl im Konrad-Adenauer-Haus eine gewisse Besorgnis aus, doch große Probedurchläufe wie etwa vor einem Fernsehduell zur Bundestagswahl gibt es nicht, schreibt die FAZ. Armin Peter, der Sprecher von Friedrich Merz und der Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hero Warrings, bereiten den Partei- und Fraktionsvorsitzenden auf solche Termine thematisch vor.

“Sie liefern neuste Zahlen aus der Fraktion, Fakten zum Stand der Dinge, etwa beim Grundsatzprogramm. Zudem werden dem Vorsitzenden, wie schon den Vorgängern, mögliche Fragen vorgelegt, und auch die mögliche eigene Botschaft wird erörtert. Dabei sprechen auch die Spitzen im Adenauer-Haus und in der Fraktion miteinander, so wie ohnehin tagtäglich; also der Generalsekretär, der Bundesgeschäftsführer, die Stellvertreter und Parlamentarischen Geschäftsführer in der Fraktion”, schreibt FAZ-Redakteur Peter Carstens. Also Tagesgeschäft im Umkreis der CDU-Spitze.

Nun taucht aber ein neuer Name auf: Dirk Metz. Er war Sprecher des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) und betreibt seit einigen Jahren unter dem Nahmen „Dirk Metz Kommunikation“ eine Agentur im Frankfurter Westend und beschreibt sich selbst als gefragten Moderator. Metz gehörte von 1978 bis Anfang der 1990er Jahre zur Redaktion der Zeitschrift “Die Entscheidung” und war von 1985 bis 1987 Chefredakteur des JU-Blattes.

“Merz hat in letzter Zeit im Adenauer-Haus seinen Rat geholt, auch in die Vorbereitung des Sommerinterviews war er wohl eingebunden. In der Fraktion war zu hören, dass ihm auch die seltsame Formulierung über die CDU als ‘Alternative mit Substanz’ zuzuschreiben sei, was schon so klang, als sei die CDU der AfD irgendwie ähnlich, bloß seriöser als die Extremisten”, so Carstens.

Das sind laienhafte Kommunikationsfehler, die auch im Beraterumfeld von Spitzenpolitikern nicht vorkommen dürfen. Metz müsste es besser wissen.

Als CDU-Generalsekretär hatte Kurt Biedenkopf schon 1973 seiner Partei den guten Rat erteilt, die „Sprache als ein wichtiges Mittel der Strategie“ einzusetzen.

Ähnlich formulierte es damals sein Parteifreund Gerhard Mahler als baden-württembergischer Wahlkampfleiter. Die Sprache der CDU sei zu langweilig und pomadig. Man müsse sich um die semantische Qualität der Aussagen kümmern.

„Unter dem anspruchsvollen Namen ‚Projektgruppe Semantik‘ sammelte der gelernte Wirtschaftswissenschaftler Mahler Philologen, Marketing-Fachleute und Journalisten, um prominenten CDU-Politikern Formulierungshilfen für bessere Reden an das Wählervolk zu leisten. Bei der Lektüre von John F. Kennedys Reden und einer Roosevelt-Analyse des Politologen Waldemar Besson war Mahler die Bedeutung griffiger Kurzformeln für den Erfolg von Politikern aufgegangen“, schreibt der Spiegel.

Auch in der CDU-Bundesgeschäftsstelle beherzigten junge Parteifunktionäre die Aufforderung von Biedenkopf, sich an der „Revolution der Gesellschaft durch die Sprache“ zu beteiligen. Um den Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit, Peter Radunski, und den Planungsreferenten des Konrad-Adenauer-Hauses, Warnfried Dettling, formierte sich ein Arbeitskreis, der das Sprachdefizit der Christdemokraten beseitigen wollte. Dettlings Devise: „Wir müssen fragen. wie bestimmte Begriffe, Zeichen überhaupt ankommen und bewertet werden.“ Biedenkopf und Radunski waren für die Aufgabe wissenschaftlich vor geprägt. Der eine als Gründungsdirektor der Ruhr-Universität und der andere im RCDS.

Im Einstellungsgespräch von Radunski sagte Biedenkopf: Man müsse sich im Rahmen der Trias Wissenschaft, Wirtschaft und Politik in seinen Lebensplänen bewegen. Radunski wiederum betonte die Verbindung von wissenschaftlicher Betrachtung und praktischer Politik. Als Heiner Geißler 1977 CDU-Generalsekretär wurde, intensivierte sich der methodische Stil der Kommunikation durch den asketischen Arbeitsstil des Jesuiten Geißler.

Um ihn bildete sich ein Kreis mit verschiedenen Temperamenten und Kompetenzen: Der Pressesprecher Jürgen Merschmeier, die politischen Denker Wulf Schönbohm und Warnfried Dettling (Nachfolger war Wilhelm Staudacher) als Hauptabteilungsleiter Politik und natürlich der Berliner Dynamo Peter Radunski. Letzterer hatte übrigens eine Vorliebe für Niccolò Machiavelli, Geißler für den revolutionären Kämpfer Girolamo Savonarola: Sine ira et studio (lat. ohne Zorn und Eifer) lautete die Maxime, mit der die Polit-Strategen Entwürfe für Reden und Kampagnen konzipierte: Neues und Zugespitztes entstand, Konter wurden überlegt. Davon ist nichts mehr übrig geblieben. 

Über den Autor

gsohn
Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten.

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