
ZIVILGESELLSCHAFT! Das Wort schwebt im Raum, es donnert, es dröhnt. Wer ist das? Wer spricht da? Wer hat das bestellt? „Die Zivilgesellschaft will…“, „Die Zivilgesellschaft fordert…“, „Die Zivilgesellschaft ist empört!“ Man hört es in Talkshows, liest es in Statements, sieht es auf Plakaten. Und immer stellt sich die gleiche Frage: Wer zur Hölle ist das eigentlich?
Ich? Du? Ein Club der Wohlmeinenden? Ein erleuchteter Zirkel der Guten? Oder sind es doch nur Leute mit Interessen, Meinungen, Agenden, die sie in den Mantel der Zivilgesellschaft wickeln, weil das edler klingt als „Ich will halt, dass meine Meinung zählt“? Man könnte ja auch einfach sagen: „Ein paar Leute finden das gut“ oder „Eine Gruppe ist sauer“. Aber nein, es muss größer klingen, gewichtiger, relevanter.
Niemand ist neutral. KEINER. Alle wollen was. Geld. Macht. Einfluss. Moralische Überlegenheit. Immer dabei: der Fingerzeig, das Werturteil, die Empörung, die Selbstvergewisserung. Ein großes Theater. Tragisch-komisch. Nur ohne gute Drehbücher. Denn wenn alle für „die Zivilgesellschaft“ sprechen, wer bleibt dann noch übrig, um zuzuhören? Und wer darf widersprechen, ohne gleich als Feind dieser ominösen, ungreifbaren Instanz zu gelten?
Vielleicht einfach mal kleinere Brötchen backen. Nicht für ALLE sprechen. Sondern für sich selbst. Ehrlich, direkt, ohne großen Appell. Klingt weniger wichtig, weniger gewichtig. Aber es wäre endlich mal wahr. Und Wahrhaftigkeit ist in einer Debatte wertvoller als jedes hohle Pathos. Vielleicht könnte man dann wieder wirklich diskutieren, anstatt sich hinter einer diffusen, selbsternannten Sprecherrolle zu verstecken.