
Wie SAP im AppHaus den Entwurf menschenzentrierter Lernprozesse methodisch operationalisiert
In der Session von Karen Detken (User Experience Designerin bei SAP) und Tobias Gollwitzer, dem Senior Director des SAP AppHaus, stand kein Technologieprodukt im Fokus, sondern ein methodisch fundierter Prozess: die systematische Exploration von KI-Use-Cases im Kontext von Lernen und Transformation.
Der Bezug zur Bauhaus-Bewegung war nicht bloßes Stilzitat, sondern Ausdruck einer funktionalen Designethik: Technologie soll nicht dominieren, sondern präzise auf reale Anforderungen reagieren. Strukturen, Werkzeuge und Prozesse entstehen aus einer Analyse konkreter Problemstellungen – nicht aus Ideologien oder Innovationsrhetorik.
Discovery Workshop: Methodik statt Intuition
Der vorgestellte „AI Use Case Discovery Workshop“ beginnt mit einer kartografischen Annäherung:
🧭 Welche Aufgaben sind relevant?
🧭 Wo entstehen Reibungsverluste in Schulungsprozessen oder im Change Management?
🧭 Wo greifen bestehende Trainingsformate zu kurz?
Mit Hilfe von Personas, Journey Maps und Job-to-be-done-Analysen wird eine präzise Ausgangslage geschaffen. Erst dann erfolgt die Übertragung auf KI-Anwendungsmöglichkeiten.
Von der Analyse zur Applikation: KI als Werkzeug, nicht als Versprechen
Die daraus abgeleiteten Use Cases sind klar strukturiert. Einige Beispiele:
- Individuelle Lernpfade, dynamisch erstellt auf Basis von Rollen, Fähigkeiten und Nutzungskontexten
- Automatisierte Erstellung von Schulungsmaterialien, basierend auf Echtzeitdaten und Systemverhalten
- Feedbackmechanismen, die direkt im Nutzungskontext Lernbedarf erkennen und adressieren
Diese Vorschläge sind keine Tech-Demos, sondern Ableitungen aus gemeinsam entwickelten Szenarien – eingebettet in Unternehmensrealitäten.
Kollektive Fallarbeit: Interdisziplinär, zielgerichtet, anschlussfähig
Besonders hervorzuheben ist die Arbeitsweise: Statt Top-down-Rollouts erfolgt die Entwicklung in interdisziplinären Teams – mit Vertreterinnen und Vertretern aus HR, IT, Business und Training. Das AppHaus fungiert hier nicht als beratende Instanz, sondern als methodischer Katalysator: Es strukturiert, moderiert und sichert Ergebnisoffenheit bei gleichzeitiger Zielorientierung.
Technologischer Fortschritt braucht methodische Präzision
Die Session verdeutlichte, dass KI nicht über Workshops gesprochen werden sollte, sondern in Workshops – durch strukturierte Fallarbeit, methodisch begleitet und konsequent auf betriebliche Realitäten bezogen.
Was das Bauhaus in der Architektur leistete – eine radikale Neuvermessung von Funktion, Material und Nutzen – überträgt das SAP AppHaus auf das Feld der digitalen Transformation: durch klare Methoden, disziplinierte Analyse und eine konsequente Orientierung an konkretem Mehrwert.