
Mein Beitrag passt gut zum Kommentar von Thomas Riedel:
Auf dem Festival „Politik im Freien Theater“ in Frankfurt, haben wir uns in die Welt der Kryptowährungen begeben. Ein Thema, das in Deutschland noch nicht ganz oben auf der Agenda steht, aber in den USA und Großbritannien bereits hohe Wellen schlägt. Fußballvereine, gesponsert von Kryptowährungsanbietern, sind nur ein Beispiel dafür.
Zu diesem Thema haben wir mit dem Internet-Theoretiker Jürgen Geuther, besser bekannt als „tante“, unterhalten. Geuther hat uns einen tiefen Einblick in die Mythen rund um Kryptowährungen gegeben. Er betont, dass trotz der weit verbreiteten Vorstellung von Dezentralisierung und Demokratisierung, die Realität oft anders aussieht. Tatsächlich gibt es eine zentralistische Tendenz bei den Anbietern von Kryptowährungen und von Demokratisierung ist wenig zu sehen.
Geuther warnt vor der Macht und Machtverteilung, die mit Kryptowährungen einhergeht. Er erklärt, dass Kryptowährungen oft als Mittel des Widerstands gegen ein korruptes System dargestellt werden. Dieses Narrativ zieht vor allem junge Männer mit überschüssigem Einkommen an, die glauben, sie könnten durch ihr Verständnis des Systems reich werden.
Geuther sagt, dass die Technologie hinter Kryptowährungen nicht neutral ist. Sie ist bewusst so gestaltet, dass sie sich der staatlichen Kontrolle entzieht. Dieser antistaatliche Kern ist immer präsent und wird von einflussreichen Persönlichkeiten wie Peter Thiel unterstützt, die sich der staatlichen Kontrolle vollständig entziehen möchten.
Trotz des Versprechens von Dezentralisierung und Demokratisierung, zeigt sich in der Praxis eine zentralistische Entwicklung. Geuther erklärt, dass dies nicht auf Unwissenheit der Menschen zurückzuführen ist, sondern auf ökonomische Gründe. Er betont, dass die Regulierung von Kryptowährungen nicht neu erfunden werden muss, sondern dass bestehende Finanzmarktregulierungen angewendet werden sollten.
Geuther warnt davor, dass Transparenz allein nicht ausreicht, um die Probleme von Kryptowährungen zu lösen. Stattdessen sollten bestimmte Praktiken verboten werden. Er betont, dass es wichtig ist, Transparenz in einer nutzbaren Form zu präsentieren, da nicht jeder die Kompetenz hat, einen Transparenzbericht zu lesen und zu verstehen.
Abschließend betont Geuther, dass die Sensibilität der politischen Öffentlichkeit für das Thema Kryptowährungen gestiegen ist, aber noch nicht stark genug ist. Er fordert, dass wir uns die Situation in den USA ansehen und daraus lernen, um ähnliche Probleme in Europa zu vermeiden.