Call for Papers-Idee für die #rp16 – Wir suchen den Champion im Machteliten-Hacking

Machtelite von gestern
Machtelite von gestern

Digitale Fähigkeiten sind notwendig, aber nicht hinreichend für die Transformationsfähigkeiten von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Wenn wir weiterhin in Silos verharren und dabei ein wenig Facebook machen, ist das eben nur ein digitaler Zuckerguss

Wir brauchen Zugänge zu Wissen, Technologie, Diensten und Ideen in offenen und vernetzten Strukturen – ohne verkrustete Hierarchien, Seilschaften und Pseudoeliten. Was wir häufig in Deutschland erleben, ist das genaue Gegenteil. Die alten Eliten verbinden sich zur Absicherung ihrer Herrschaft bei gleichzeitiger Desorganisation der Gesellschaft.

Je stärker das Internet die Vernetzung vorantreibt und jeder nicht nur Empfänger von Botschaften ist, sondern auch Sender, desto stärker versuchen sich die alten Eliten abzusetzen, damit es nicht zu einem übermäßigen Vordringen von „gewöhnlichen“ Leuten in die innere Welt der Cliquen und Klüngel kommt. Der Zugang zu den Netzwerken der Herrschenden bleibt versperrt. Nachzulesen im Standardwerk von Manuel Castells „Das Informationszeitalter I – Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft“.

Über Klöster und Machtklüngel

Große Organisationen funktionieren weiterhin wie Klöster: weltabgewandt und den eigenen Regeln folgend, schreibt der Publizist Mark Terkessidis in seinem neuen Opus „Kollaboration“, erschienen in der edition suhrkamp. Er meint dabei vor allem Behörden und Beamtentum. Ähnliches lässt sich in fast allen Machtblöcken beobachten: Konzerne, Kirchen, Gewerkschaften, Stiftungen, Verbände und sonstige Zirkel agieren als geschlossene Systeme. Das Feedback und das Belohnungsszenario – Aufstieg, Ruhm, Kohle – funktionieren primär intern.

Einmal etablierte Routinen werden aufrechterhalten unabhängig von den Veränderungen der äußeren Bedingungen. Patronage und Ochsentour sind wichtiger als echte Partizipation und Transparenz. Wer diese Statik infrage stellt, wird als naiv, primitiv oder esoterisch abqualifiziert. Herrschaft in kleinen Zirkeln funktioniert nur durch das Ausschlussprinzip. Angebote zu einer Kultur des Teilens entspringen eher einer folgenlosen Rhetorik, um die traditionellen Hierarchien nicht zu gefährden.

Opium fürs Netzvolk

„Wer Freiräume gewähren will, der muss Kontrolle abgeben, ansonsten wird Freiheit nur simuliert“, so Terkessidis.

Um auch in der digitalen Welt im vertrauten Klüngel-Kreis zu bleiben, gibt es ein paar nette Selfies, Aktivitäten auf Facebook und Twitter – mehr nicht. Opium fürs Netzvolk.

Rein taktisch haben die etablierten Kräfte im Netz kräftig zugelegt – ihre digitale Kompetenz ist dennoch überschaubar. An dieser Schwachstelle sollte man ansetzen mit Machteliten-Hacking. Wir sollten die Digitalisierung und Vernetzung nutzen, um Plattformen und Formate für kollaborative Kritik zu etablieren, damit die Mächtigen vor lauter Kontrollverlust-Ängsten in Lähmung erstarren.

Man muss Gegen-Narrative in die Organisationen bringen. Die alten Eliten sind von einer Blase der Ja-Sager umgeben. Wie wäre es mit einer subversiven Injektion für kritisches Denken?

Popper, der Machteliten-Hacker

Der Philosoph Karl Popper hatte eine sehr intensive Beziehung zum leider verstorbenen Altkanzler Helmut Schmidt. Das hat den früheren Regierungschef in seinem politischen Denken sehr stark geprägt.

„Popper war indirekt ein Hacker der politischen Elite“, so Soziopod-Blogger Patrick Breitenbach.

Man brauche zudem starke Metaphern, um bei den Entscheidern der Machtelite etwas anzurichten, ergänzt brightone-Analyst Stefan Holtel.

Wie könnte eine Graswurzelbewegung die Werkzeuge des Social Webs einsetzen, um Verkrustungen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft aufzubrechen? Eine Möglichkeit bietet die Ideen-Infiltration, die der Jesuit Michel de Certeau in seinem Band „Kunst des Handelns“ für listenreiche Konsumenten aufgebracht hat.

Es geht um normale User, die beim Surfen durch die Warenwelt in den Nischen des Konformismus auf ungeahnte Autonomiemöglichkeiten stoßen, ohne sich der Aufgabe des aufopfernden Heldentums widmen zu müssen. Wer ist schon gerne Märtyrer. Es reichen kleine Regelverletzungen. Man könnte während der Arbeitszeit unauffällig anderen Tätigkeiten nachgehen, Meetings mit endlosen Monologen ad absurdum führen, Vorgesetzte mit falschen Excel-Tabellen in den Wahnsinn treiben und Macho-Manager bei der nächsten Weihnachtsfeier mit scharfsinnigen Witzen als eitle Trottel bloßstellen.

Die Zweckentfremdung von digitalen Werkzeugen bietet eine Vielzahl von dadaistischen Möglichkeiten des Anarchentums: Powerpoint-Präsentationen für den Vorstand und selbst das Intranet sind ein ergiebiges Feld für Sticheleien. Klaut der eigene Boss regelmäßig seine Führungsweisheiten aus einschlägig bekannten Ratgeberbüchern der prahlerischen Beraterzunft, empfehle ich als Fußnote schlichtweg die Quellen-Angabe. In meiner Zeit beim Telefonie-Unternehmen o.tel.o ergänzte ich die Durchhalteparolen des Kommunikationsdirektors, die er aus einem Opus von Reinhard Sprenger abkupferte, mit einer Rezension des besagten Werkes.

Angeber entlarven

Die angeberischen Exkurse des Top-Managers mit dem Charme eines Autoverkäufers über seine Karriere als Bundesliga-Torwart konterte der zuständige Mitarbeiter für das Sport-Sponsoring mit einem Zitat aus dem Bundesliga-Jahrbuch: Die fußballerische Karriere des VoKuHiLa-Schwätzers währte nur kurz, weil der Protagonist den Anforderungen des Profivereins nicht gewachsen war. Um so mehr redete er von seinen Kitzbühl-Begegnungen mit Franz Beckenbauer und Konsorten. Alle Mitarbeiter, die unter diesem Zwergen-Regime dienen mussten, konnten mit den vermittelten „Hintergrundinfos“ die Auftritte des Direktoren-Würstchens besser ertragen.

Die Nahaufnahme der Entschuldigungs-Stammelei des mittlerweile gefeuerten VW-Chefs Marin Winterkorn, die auf Youtube immer noch abrufbar ist, kann als Paradebeispiel für Machteliten-Hacking herangezogen werden – wahrscheinlich unbeabsichtigt. Mit der Kameraeinstellung wurde sichtbar, dass der cholerische Auto-Macher nicht in der Lage war, sein Ehrenwort-Statement frei zu sprechen. Der bestbezahlte CEO in Europa, der nach Auskunft des IG-Metallers Bernd Osterloh angeblich jeden Euro wert ist, schrumpfte zum Teleprompter-Rhetoriker.

Zu den Establishment-Crashern zählt auch jener schlaue CDU-Berater, der auf eine Twitter-Anfrage zur Sendelizenz für das Livestreaming-Projekt von Kanzlerin Angela Merkel eine 007-Replik entgegenschleuderte. Ergebnis: Es gab nie wieder einen Live-Hangout der Regierungschefin mit der Gefahr einer weiteren Schwarzfunk-Debatte.

Wer hat die besten Ideen für Machteliten-Hacking? Wir könnten auf der re:publica-Bühne einen Wettstreit austragen und das Publikum kürt am Schluss den ultimativen Machteliten-Hacker. Wollte ich noch einreichen im Call for Papers-Verfahren der re:publica. Macht das Sinn?

Wenn der Wettbewerb nicht genommen wird, kann man das auch via Hangout on Air machen und den Champion über ein Online-Voting ermitteln. Wer hätte Lust?

Alte Netzwerker glauben nicht an Social Networks

Im Vorfeld der Präsentation des Buches „Die Wahrheit über Netzwerken“ konnte ich mit dem Herausgeber Alexander Wolf ein kleines Interview führen über die „Geheimnisse des Netzwerkens“, die von 19 Prominenten preisgegeben wurden. Sehr viele Geheimnisse konnte ich nicht entdecken. Eher eine sehr eingeschränkte Sichtweise auf die Netzwerkeffekte des Social Web.

Aber das liegt wohl an meiner ganz persönlichen Betrachtungsweise. In meiner Service Insiders-Kolumne am Freitag möchte ich ausführlich darauf eingehen. Statements sind wie immer willkommen. Hier die Abschrift des Telefoninterviews.

GS: Herr Wolf, am Donnerstag wird dieses Opus vorgestellt. Was darf man an Geheimnissen des Netzwerkens erwarten?

AW: Ich weiß nicht, ob es Geheimnisse gibt. Es gibt aber auf jeden Fall Mythen, die aufgeklärt werden. Mich hat zum Beispiel überrascht, dass man wenn man in der Politik oder in der Wirtschaft oben unterwegs sein will, ab und zu seltsame Geschäfte machen muss. Ich will nicht sagen schmutzige Geschäfte, aber man muss ein Netzwerk aus Freunden und Unterstützern aufbauen und dieses Netzwerk auch nutzen, sonst kommt man nicht vorwärts. Alle die Diskussionen, die geführt werden über das offenlegen von allem, Transparenz usw., sind eigentlich eine Illusion. So wird es nie sein. Wer in der Politik tätig ist, hat ein Unterstützer-Netzwerk von Leuten, die einem in schwierigen Situationen helfen und denen man auch ab und zu helfen muss. Das läuft immer diskret und kann nicht offengelegt werden.

GS: Was wird Herr Fritzenkötter erzählen?

AW: Herr Fritzenkötter ist jemand und das hat mich am meisten beeindruckt, der gesagt hat, es geht immer um Transparenz. Wenn man in Loyalitätsprobleme kommt und ein guter Freund um etwas bittet was man nicht geben kann ohne bestimmt Regeln zu verletzten, dann hilft immer Transparenz. Das hat mich bei Fritzenkötter sehr beeindruckt. Wenn ihn früher ein Journalist etwas gefragt hat, über ein Thema was Kohl nie wirklich erzählen wollte, hat er gesagt, „hör zu, ich erzähle dir alles, aber ich erzähle dir jetzt nur den Teil den ich dir erzählen darf und mehr kann ich dir leider nicht erzählen.“ Es ist nicht wie man es heute macht, indem man irgendwelche Halbwahrheiten oder Plattitüden in die Welt setzt und die Journalisten täuscht. Er sagt, er habe immer versucht die freundschaftliche Ebene beizubehalten und dem anderen klar zu machen, wenn du wirklich mein Freund bist, dann akzeptierst du auch, dass ich dir in meinem Job nicht alles erzählen kann. Das ist ein Kodex, den es heute nicht mehr so gibt.

GS: Das was man früher unter Drei nannte.

AW: Das gibt es heute so nicht mehr. Der Wettbewerb ist härter geworden und weil der Journalist auch sagt, dass er alles was er kriegen kann gegen dich verwenden wird. Er hatte noch einen anderen Kodex.

GS: Welchen Kodex hat er denn heute?

AW: Heute sagt er, dass er sich nur mit Leuten trifft, die er auch privat gerne trifft. Er hat keine Lust, Leuten zum gefallen Networking zu machen. Er will sich nicht mit Leuten umgeben und Kontakte pflegen, die er nicht inspirierend findet. Nur wenn man sich inspirierend findet, kann es auch eine belastbare Beziehung sein.

GS: Welche Erkenntnisse bietet das Buch? Grenzen Sie das ab zu den Netzwerken ab, die man klassisch als Seilschaften bezeichnen kann? Was sieht das Networking heute aus?

AW: Dieter Kronzucker hat es sehr schön gesagt in einem Gespräch, das im Buch ist. Er meinte, die Social Networks werden alle so schnell wieder vergehen wie sie gekommen sind. Damit meint er nicht, dass es Facebook nicht mehr geben wird, aber er meint die Wichtigkeit die wir Facebook momentan geben, wird abnehmen. Xing, LinkedIn, Facebook usw. sind nichts anderes als Online-Adressverzeichnisse und Online-Fotodatenbanken, wo man anderen die Möglichkeit gibt, Dinge schnell über einen zu erfahren. Es sind keine belastbaren Netzwerke. Sie können keine Freundschaften und belastbaren Beziehungen über Xing aufbauen, weil sie kein Vertrauen im Internet aufbauen können. Wir wissen ja noch nicht mal, ob der Facebookfreund, den wir haben, wirklich so aussieht oder ob der überhaupt existiert.

GS: Das weiß ich bei meinen Facebookfreunden schon. Verwechseln Sie nicht so ein bisschen die Begriffe? Bei meinen Facebookbekanntschaften geht es ja nicht um Freundschaften im engeren Sinne. Facebook erweitert die Möglichkeiten, Beziehungsnetzwerke aufzubauen.

AW: Da haben Sie recht. Facebook ist das Königreich der schwachen Beziehungen. Vor allem bei Xing ist es noch viel mehr der Fall. Es ist deutlich auf den Nutzwert des Anderen fokussiert. Bei Xing kann ich tatsächlich nachschauen „ich brauche einen Zahnarzt“ und ich kann sehen ob jemand in meiner Umgebung einen Zahnarzt kennt, der sich auf Implantate spezialisiert hat. Es sind schwache Beziehungen, die ich dazu benutzen kann. Allerdings ist Netzwerk immer etwas, das auf belastbaren Beziehungen besteht und wo ich auch nach 11 Uhr noch anrufen kann. Wenn wir beide uns über Xing verlinken und ich weiß, wenn ich in Bonn bin dann kenne ich da jemanden. Aber kann ich Sie nachts um 11 Uhr anrufen mit einem Problem? Wohl kaum.

GS: Auch weil im Social Web andere Spielregeln gelten. Es geht um Geben und Nehmen. […] Es bieten sich viele Optionen, die ich sonst nicht habe.

AW: Da würde ich sagen, die Social Networks sind einfach nur ein weiteres Medium, zum Telefon, zum Brief, zur E-Mail, um Interaktionen zu gewährleisten. Es ist nicht unbedingt einfacher, wenn wir über Facebook chatten, als wenn wir uns gegenseitig anrufen. Es ist eine weitere Dimension. Im Endeffekt müssen wir miteinander zu tun haben, wir müssen interagieren und uns gegenseitig helfen. Wir bauen ein Vertrauen zueinander auf und wenn wir durch diese Interaktionen Vertrauen aufbauen, dann ist es eine belastbare Beziehung. In dem Falle ist es auch gut, die Beziehung über social media weiter zu pflegen.

GS: Xing ist ein abgeschlossener Kosmos. Es sind ganz unterschiedliche Definitionen von Netzwerken.

AW: Bei den Social Media im klassischen Sinne geht es um schwache Beziehungen und um Masse. Die Frage ist, was man möchte. Wenn ich im Endeffekt in jedem fortkomme möchte, also strategische Partner haben möchte, dann brauche ich so etwas wie die klassische Seilschaft oder Klüngel wie Herr Bosbach sagt. Das sind Leute die genau wissen wer ich bin, die vertrauen mir, die kann ich anrufen, ihnen eine Mail schreiben oder bei Facebook eine Nachricht. Die anderen, die ich in meinem großen Kreis bei Facebook, Xing oder LinkedIn habe, sind mein potenzielles Kommunikationsnetzwerk. Hier schicke ich meine Nachricht an die Welt raus. Es sind zwei unterschiedliche Funktionen. Wenn ich allerdings Demonstrationen organisieren möchte, dann ist Facebook natürlich ein ideales Medium.

GS: Welche Arten von Netzwerken sind denn auffällig. Gibt es bei den 19 Prominenten auch ein Open-Source Modell?

AW: Beispielsweise Herr Nerz von den Piraten, dessen Oberbegriff ist die Transparenz. Er ist einer von den Piraten, die das Thema Transparenz bei den Piraten ganz oben auf die Agenda gesetzt haben. Er sagt, dass es wichtig ist, dass man nicht abrutscht in diese mafiosen Seilschaftsstrukturen, bei denen man nur noch diskret sein muss und wo man nur noch Geheimniskrämerei betreiben muss und man halblegal agiert. Das kann man auch als Quintessenz nennen. Man muss offen und transparent sein aber auch abwägen, wenn man von Freunden Informationen bekommt und die nicht weitererzählt. Es ist immer eine Grauzone dabei. Transparenz ist das oberste Prinzip, gleichwertig neben Loyalität.

Na ja, etwas dünn. Das Interview habe ich ein wenig redigiert und meine Fragen etwas verkürzt. In der Audioversion kann man sich das ja noch einmal in Ruhe anhören. Sind nur 10 Minuten. Urteil von Albert Klamt: Obwohl jung, ist Wolf durch konventionelles Denken limitiert.

Ich weiß nicht, ob darüber auch beim Netzpolitik-Marathon in Berlin disputiert wird, beim Blogger Camp in Nürnberg werden wir das wohl aufgreifen.

Lieber Steuerzahler in Köln: Das Stadtmuseum bekommt eine „Schenkung“ und die Stadt ein Problem….

Fünf Millionen für den Erweiterungsbau des Stadtmuseums: Der Hauptausschuss der Stadt Köln hat das Angebot der Stifter angenommen. Siehe auch den Bericht in der Kölnischen Rundschau: „Einige“ juristische Fragen müssen allerdings noch geklärt werden. Im Schenkungsvertrag sind mehrere Fallstricke festgelegt, die der öffentlichen Hand noch schwer im Magen liegen werden…“Etwa in der Verpflichtung der Stadt, das Museum auf unbegrenzte Zeit als organisatorische Einheit am jetzigen Ort zu betreiben. Andernfalls kann die Stiftung vom Vertrag zurücktreten und die investierte Summe zurückfordern“, so die KR.
Alles weitere steht in meinem Blogbeitrag von gestern: Stadtmuseum: Der Kölsche Klüngel lebt! Wie sich ein Geschenk zum Sprengsatz für Steuerzahler entwickeln kann

Stadtmuseum: Der Kölsche Klüngel lebt! Wie sich ein Geschenk zum Sprengsatz für Steuerzahler entwickeln kann

Klüngel überallIm Streit um den Anbau des Kölners Stadtmuseums hat der Bund deutscher Architekten (BDA) dem Stifterehepaar einen Erpressungsversuch vorgeworfen. Das berichtet der WDR. Das Ehepaar Hans und Marlies Stock hat eine Frist bis Montag (also heute) gesetzt. Bis dahin müsse der von ihnen favorisierte Architekturentwurf vom Rat akzeptiert werden, so die Bedingung für die Stiftung in Millionenhöhe.

„Nach BDA-Ansicht verstößt die im Schenkungsvertrag formulierte Vorgehensweise gegen das europäische Vergaberecht. Auch andere Details des Vertrages bergen aus Sicht des BDA erhebliche Risiken“, berichtet die Kölnische Rundschau.

Der Schenkungsvertrag sehe vor, dass Planung, Bauleistung sowie Projektsteuerung und -leitung von der Stiftung in Auftrag gegeben werden. „Obwohl also die Stiftung und nicht die Stadt als Bauherr auftritt, handelt es sich nach Ansicht des BDA um ein öffentliches Bauvorhaben, das ausschreibungspflichtig ist. Gestützt wird die Auffassung durch Fachanwalt Dr. Stefan Deckers: Auch wenn die öffentliche Aufgabe auf eine private Organisation übertragen werde, sei eine europaweite Ausschreibung notwendig“, so die KR.

Die Schenkung in Höhe von fünf Millionen Euro sei an zahlreiche Bedingungen geknüpft, die der Stadt Köln noch schwer im Magen liegen könnten, berichten Insider in Köln. Der Schenkungsbetrag decke nicht in Ansätzen die Kosten, die mit dem Umbau, der Sanierung und dem Betrieb des Museums verbunden sind. Hier werde dann wieder der Steuerzahler zur Kasse gebeten.

Bedenklich erscheint dem BDA, dass den Stiftern ein weit reichendes Mitspracherecht hinsichtlich der Museumskonzeption eingeräumt werden solle. Bei Verstößen könnten die Stifter (und natürlich auch die Erbengemeinschaft) vom Vertrag zurücktreten und die investierte Summe einklagen. Das „Gestaltungsrecht“ verjähre nicht, sondern vererbe sich. Das heiße, dass selbst ein Ururenkel der Stifter den Betrag zurückfordern könne, wenn er das Konzept für nicht zukunftsfähig halte.

Das Ganze erinnert ein wenig an das Versprechen der Kommunalpolitiker beim Bau der Köln-Arena. Das sollte ja die Stadt keinen Cent kosten und wurde gekoppelt mit dem Bau und der Anmietung des Technischen Rathauses. Hier wurde ein Mietvertrag für 30 Jahre abgeschlossen. „Insgesamt hat die Stadt Köln für die 120.000 Quadratmeter Bürofläche während der Laufzeit des Mietvertrag rund eine halbe Milliarde Euro zu zahlen“, so der Hinweis des inzwischen verstorbenen Soziologen Erwin K. Scheuch.
Scheuch
Welche Rolle damals der Verleger Alfred Neven DuMont spielte, kann man dem Scheuch-Buch „Parteien außer Kontrolle“ entnehmen. Welche Rolle der Verleger beim Stifter-Ehepaar spielt, dürfte den Kölnern ja auch bekannt sein…….Da braucht man nur den Kölner Stadt Anzeiger lesen…..Zitat: „Die Stifter des Anbaus für das Kölnische Stadtmuseum haben ihre Frist verlängert. Ehrenbürger Alfred Neven DuMont hat sich persönlich bei den Mäzenen für einen Aufschub des Ultimatums eingesetzt.“…..“Einmütig stellten die Stifter und Neven DuMont fest, dass sich der Umgang mit Mäzenen dringend ändern müsse. Das sei im Sinne der Stadt. Im Sinne ihrer Bürger.“…..Hm, ja, äh, sehr objektiv berichtet……

RügemerUnverzichtbare Lektüre: Werner Rügemer, Colonia Corrupta: Globalisierung, Privatisierung und Korruption im Schatten des Kölner Klüngel.