Liebe Verbraucherzentrale, Reförmchen beseitigen nicht den Call Center-Terror!

Jutta Gelbrich, Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen und der hessische Verbraucherschutzstaatssekretär Mark Weinmeister haben Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner aufgefordert, sich für schärfere Regelungen im Kampf gegen unerlaubte Telefonwerbung einzusetzen. Die bisherigen gesetzlichen Vorschriftenreichten nicht aus, um Verbraucher wirksam vor unerlaubter Telefonwerbung zu schützen und den Abschluss von ungewollten Verträgen zu verhindern, erklärten Gelbrich und Weinmeister in Frankfurt. Soweit so gut. Das deckt sich ja mit den Analysen der Bundesnetzagentur.

Interessant sind die Zwischenergebnisse einer von den Verbraucherzentralen bundesweit durchgeführten Umfrage. Mit den Mitteln der Demoskopie will man die Wirksamkeit der im August 2009 in Kraft getretenen Rechtsvorschriften zur Bekämpfung unerlaubter
Telefonwerbung überprüfen. Wie ich bereits mehrfach dargelegt habe, müssen Firmen, die Werbeanrufe ohne ausdrückliche Einwilligung
der Verbraucher tätigen, mit Bußgeldern bis zu einer Höhe von 50.000 Euro rechnen. Zudem ist es Werbung treibenden Unternehmen seither nicht gestattet, ihre Rufnummern zu unterdrücken. Firmen, die das nicht beachten, müssen mit Bußgeldern in Höhe von bis zu 10.000 Euro rechnen. Trotz dieser Regelungen erhält die Verbraucherzentrale Hessen nach eigenen Angaben weiterhin zahlreiche Beschwerden,
in denen sich Verbraucher über die verbotenen Telefonanrufe beklagen.
Von 1.830 befragten Verbrauchern aus Hessen haben 95,8 Prozent der Befragten vorab keine Zustimmung zu einem Werbeanruf erteilt. 47,5 Prozent wurde beim Anruf ein Vertrag untergeschoben. 24,3 Prozent der Angerufenen sollten eine kostenpflichtige Nummer zurückrufen. Bei den meisten Anrufen, die die Hessen erhielten, drehte es sich laut Gelbrich um Werbung für Gewinnspiele und Lotteriedienstleistungen (69%).16,3% der hessischen Teilnehmer erhielten einen Anruf von Energieversorgern, Telefon- und Internetdienstleistern, einem Zeitschriftenvertrieb oder einem Dienstleister für Bank und Finanzprodukte. „Ganz offensichtlich haben die gesetzlichen Neuregelungen nicht das gewünschte Ergebnis gebracht. Es kann nicht sein, dass Verbraucher trotz eines gesetzlichen Verbotes Werbeanrufe erhalten und sich hinterher gegen untergeschobene Verträge zur Wehr setzen müssen. Verbotene Telefonwerbung darf sich nicht länger lohnen“, erklärte

„Der Verbraucher muss vor diesen Praktiken wirksam geschützt werden“, sagte Weinmeister. Gemeinsam mit Gelbrich forderte er, dass solcherart am Telefon geschlossene Verträge von Verbrauchern schriftlich bestätigt werden müssen. Die Hessische Landesregierung habe sich laut Weinmeister bereits im Jahr 2008 im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens für die schriftliche Bestätigungslösung ausgesprochen. Der Bundestag sei seinerzeit aber nicht gefolgt. Weinmeister forderte zudem höhere Bußgeldstrafen für die Unternehmen.

„Die derzeitige Höchstgrenze von 50.000 Euro ist zu niedrig, um unerlaubte Telefonanrufe wirksam zu unterbinden. Unternehmen lassen sich davon nicht abschrecken, ihre betrügerischen Methoden fortzusetzen“, sagte Weinmeister. Hier müssten höhere Sanktionen angedroht werden. „Auch wir fordern höhere Bußgelder, vor allem für Werbeanrufe aus Anrufautomaten und über predictive dialer“, stimmt Gelbrich zu. „Aber wir wissen, dass dies allein immer noch nicht ausreicht, um schwarze Schafen wirksam abzuwehren. Der Aufwand, solche Anrufe zu dokumentieren und zur Rechtsverfolgung weiterzugeben, ist vielen Verbrauchern viel zu hoch“, bekräftigte Gelbrich die langjährige Forderung der Verbraucherzentralen nach einer gesetzlichen Regelung zur Unwirksamkeit von Verträgen bei unerlaubter Telefonwerbung.

In Hessen kapriziert man sich nun auf zwei Forderungen. Höhere Bußgelder und eine schriftliche Bestätigung von telefonisch abgeschlossenen Kaufverträgen. Reicht das aus, um den Call Center-Terror zu beenden?

Mitnichten. Höhere Bußgelder haben keine durchschlagende Wirkung, weil es extreme Vollzugsprobleme gibt. Bei der Unterdrückung der Rufnummer sind Verbraucher hoffnungslos überfordert und sollten laut Bundesjustizministerium Sherlock Holmes spielen. Siehe: Tante Erna, Sherlock Holmes und die dilettantischen Regeln gegen unerlaubte Telefonwerbung – Call Center-Gauner ändern ihre „Geschäftsmodelle“.

Die Spam-Wellen mit der Aufforderung zum teuren Rückruf über 0900er-Nummern sind laut Bundesnetzagentur schwer in den Griff zu bekommen. Eine Strafverfolgung, aber auch die Vollstreckung von Geldbußen, scheitere häufig schon daran, dass die Hintermänner im Ausland sitzen und für deutsche Behörden kaum erreichbar seien. Häufig werden die Rufnummern auch über Briefkastenfirmen angemeldet, um die Identität zu verschleiern. Da können die Bußgelder auch auf 100 Millionen Euro erhöht werden – es scheitert an der Vollzugspraxis, liebe Verbraucherschützer.

Bleibt als Reförmchen die schriftliche Bestätigung übrig. Das würde die Drückerkolonnen sicherlich in ihrem Aktionismus bremsen. Aber wie steht es mit der generellen Möglichkeit (im BGB geregelt), mündlich Verträge abzuschließen? Das ist für mich als Verbraucher doch von Vorteil, wenn ich weiß, was ich bestellen will. Warum macht man es nicht so, wie es der Call Center-Experte Jens Klemann von Strateco vorgeschlagen hat – Umkehrung der Beweislast und Aufzeichnungspflicht für Call Center: Läge die Beweislast im Falle einer Anzeige durch den Verbraucher beispielsweise beim Call Center selbst, würden alle seriösen Anbieter von sich aus gerne eine umfassende Qualitätssicherung und Dokumentation mit Anrufaufzeichnung einführen.

Dann noch eine Frage an die Verbraucherschützer. Nach der Umfrage handelt sich bei rund sieben von zehn nervigen Call Center-Anrufen um Gewinnspiele und Lotteriedienstleistungen. Bei Lotterien handelt es sich in Deutschland doch um staatliche Anbieter – es gibt so etwas wie den Glücksspielstaatsvertrag. Haben sich die Verbraucherschützer mal mit den Auftraggebern der Call Center-Drückerkolonnen beschäftigt? Dann sollte der Staat erklären, wie dieser Call Center-Terror im staatlichen Auftrag zu werten ist.

Internet-Glücksspiele wachsen rasant: Geschäft machen Anbieter in Großbritannien, Malta und Gibraltar

Das deutsche E-Business verzeichnet glänzende Umsätze. Bereits im Jahr 2009 – so eine Prognose des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) http://www.bitkom.de könnte der Umsatz auf 694 Milliarden Euro ansteigen. „So wie der FC Bayern München auf unabsehbare Zeit die Bundesliga anführt, so scheinbar uneinheilholbar aktiv sind die Deutschen im WWW und besonders im europäischen Internethandel“, so Rechtsanwalt Dr. Wulf Hambach http://www.ra-hambach.com.

Das internationale Medien- und Marktforschungsinstitut Nielsen http://www.nielsen-media.de berichtet, dass innerhalb von nur drei Jahren der Anteil der Online-Spieler um 76 Prozent gewachsen ist. Im Juli 2007 haben bereits 9,2 Millionen Deutsche Online-Gaming Webseiten besucht. Getoppt werde das Potenzial des noch von dem des Online-Gambling beziehungsweise dem Internet-Glücksspiel, so Hambach. Doch es gibt auch Unwägbarkeiten: „Bis zum endgültigen Ende des Glücksspielmonopols in Deutschland bleibt nicht nur die Rechtslage zersplittert. Auch wirtschaftliche Schätzungen lassen sich mangels Regulierung und Überwachung sowie dem damit einhergehenden anwachsenden Schwarzmarkt im Bereich des nicht lizenzierten Glücksspiels kaum vornehmen“, meint der Münchener Jurist. „Der Kelch der wachsenden Online Gambling-Umsätze geht vor allem an Anbieter in Großbritannien, Malta und Gibraltar.“

Verschlechtert habe sich hingegen die Situation der staatlichen Glücksspielanbieter des Deutschen Lotto- und Toto Blocks http://www.lotto.de und deren Destinäre, die zuletzt Umsatzeinbußen in Rekordhöhe verzeichneten. Seit Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrages seien die Umsätze – laut Toto-Lotto Niedersachsen – bei Sportwetten dramatisch eingebrochen.

Im Vordergrund sollten nach Auffassung von Branchenexperten jedoch nicht juristische Reglementierungen stehen, sondern erfolgreiche wirtschaftliche Unternehmungen. Das Wettnetzwerk Betwitch, ein Tochterunternehmen der Düsseldorfer Top-Wetten AG http://www.top-wetten-ag.de, baut beispielsweise seine Multi Channel-Angebote weiter aus. Drei neue Angebote sind vor kurzem auf http://www.betwitch.com online gegangen: Die frei zugängliche Betwitch Island in der virtuellen Welt von Second Life, ein internationaler Chat-Room sowie ein polnisches Sprachmodul.

„Wir haben den grenzenlosen Wettspaß weiterentwickelt. Unsere User kommunizieren auf Betwich im Chat-Room oder besuchen die Betwitch Island in Second Life. Dort können sie es sich mit Ihren Wettfreunden und Wettgegnern gut gehen lassen oder über Wettereignisse diskutieren“, sagt Claudine Cassar, Managing Director und Mitbegründerin der Betwitch Limited/Malta.

Betwitch-Island entstand in Kooperation mit der österreichischem Firma ToCh in Graz http://www.toch-sl.at . „Es war eine besondere Herausforderung, mit den Second Life-Spezialisten von ToCh zusammen zu arbeiten. Wir sind ziemlich stolz darauf, dass wir mit dem Auftritt in dem weltweit boomenden Gaming-Markt eine Pionierrolle spielen dürfen“, kommentiert Cassar den Abschluss der erfolgreichen Zusammenarbeit. „Wir bauen konsequent an dem ‚virtuellen Las Vegas’ weiter.“