Kultur des Teilens oder Geschlossene Gesellschaft?

Die feine Gesellschaft

Was ist die Alternative zu Facebook, wenn man nicht besonders viele, sondern die wichtigen Menschen erreichen möchte, also meine engsten Freunde oder – als Marke – meine echten Fans, die mit Leidenschaft für die Marke eintreten? Diese Frage stellt Bernhard Steimel in seinem neuen Beitrag für den Smart Service-Blog.

„Wenn man Paul Adams Circle-Theorie folgt, dann liegt ein Schlüssel in der Exklusivität. Wer im digitalen Raum Erlebnisse nur mit ausgewählten Menschen teilen möchte, der tut gut daran, Mechanismen zu nutzen, die das Weiterverbreiten unterbinden. So wie die Restrealität: ‚Als der Berliner Club Ostgut nach einer mehrtägigen Abschlussparty im Jahr 2003 geschlossen wurde, verloren Tausende Berliner ihre geistige Heimat. Auf restrealität.de trafen sie sich wieder, sinnierten über Partys und alles, was dazugehört … Rein darf nur, wer einen kennt, der schon drin ist.‘ Restrealität funktioniert wie eine geschlossene Gesellschaft. Wie bei elitären Golfclubs müssen Mitglieder für Neulinge bürgen und das Besondere ist, dass jedes Mitglied nur eine beschränkte Anzahl an Bürgschaften abgeben darf. Für Außenstehende bleibt verborgen, was in der Community passiert“, so Steimel.

Aber warum bezieht man das auf die Sechs-Ecken-Theorie, die wesentlich älter ist als das Gedankengebäude von Paul Adams?

Wie kann ich in diesem exklusiven Kreis neue Entdeckungen machen? Wie kann ich von der Weisheit der Vielen profitieren? Welche Überraschungen erlebe ich? Welche Crowdsourcing-Effekte löse ich aus?

Man kann ja so etwas aufsetzen oder in irgendeine Geheimloge eintreten und sich gegenseitig auf die Schulter klopfen. Mich persönlich interessieren solche geschlossenen Zirkel überhaupt nicht.

Man möchte unter sich bleiben

Adams erwähnt ja in „seiner“ Circle-Theorie die unterschiedliche Bindekraft in Netzwerken. Der Soziologe Mark Granovetter nennt das in seiner Netzwerktheorie die schwachen und starken sozialen Bindungen. Mit den engeren Kontakten kommuniziere ich über E-Mail, Skype, Hangout und immer seltener über das gute alte Telefon – die öffentliche Kommunikation in sozialen Netzwerken zielt aber auf die entfernteren Bekanntschaften und auf die anonyme Gemeinschaft aller anderen Mitglieder. Und genau da liegt der Reiz.

Digitales Hausrecht, wie es Bernhard Steimel formuliert, klingt in meinen Ohren nach Hausmeister-Herrschaft, Vereinsmeierei, Geschäftsordnung, Vorschriften und Kassenwart. Das genaue Gegenteil von einer offenen Kultur des Teilens und der Beteiligung. Nicht mein Ding – hat mit Netzwerk-Gesellschaft nicht viel zu tun. Aber darüber würde ich mich mit Bernie gerne streiten.

Wenn man auf Facebook und Co. etwas Privates als privat postet, sollte es allerdings auch privat bleiben: Privacy-Problem im Facebook Seitenmanager.

Siehe auch:

Social Media und die Kraft der schwachen Verbindungen.