Einsam im Social Web: Wo sind nur die Interaktionen?

Die Einsamkeit des Barcamp-Organisators am Aufbautag
Die Einsamkeit des Barcamp-Organisators am Aufbautag

Nur ein Prozent aller Social Web-Beiträge erzielt nach einem Blogpost von Wiwo-Redakteur Michael Kroker überhaupt Nutzer-Reaktionen wie Retweets, Likes oder +1 – das aber dann gleich in einem enormen Ausmaß. Kroker verweist eine Studie der Beratungsfirma SocialFlow

Die restlichen 99 Prozent aller Beiträge erzielen wenig bis gar keine sozialen Interaktionen. Genau aus diesem Grund sei es durchaus eine sinnvolle Strategie, Beiträge in den sozialen Netzwerken mehrfach zu posten, um Reaktionen zu bekommen.

Völlig auf Posting verzichten sollten User laut SocialFlow nicht – Stichwort “Long Tail” – und verweisen auf eine Fernseh-Analogie:

„Auch wenn praktisch jede TV-Sendung im Vergleich zum Super Bowl unbedeutend erscheine, bedeute dies nicht, das keiner mehr Alternativ-Sendungen kreieren solle. Dasselbe gelte für Beiträge in den sozialen Netzwerken – auch wenn man nicht Justin Bieber oder Barack Obama heiße“, schreibt Kroker.

Die Analyse von SocialFlow korrespondiert mit den Erkenntnissen des Marktforschers Jakob Nielsen, der 2006 die 90-9-1-Regel für Online-Communities formulierte. Demnach konsumieren 90 Prozent die Informationen eher passiv, neun Prozent tragen gelegentlich etwas mit eignen Beiträgen bei und nur ein Prozent sind wirklich aktiv bei der Erstellung von Inhalten. Nielsen spricht von einem “Ungleichgewicht der Partizipation” und empfiehlt Maßnahmen wie Vereinfachung der Anwendungen, Belohnungssysteme, Editiermöglichkeiten auf Basis von Vorlagen und dergleichen mehr, um das Phänomen der mangelhaften Beteiligung zu ändern.

Großbritannien kommt übrigens zu einer anderen Verteilung – ist doch ein echter Hoffnungsschimmer: Der Anteil der Aktiven im Social Web liegt demnach bei 17 Prozent. 60 Prozent laden Fotos hoch, starten Diskussionen oder beteiligen sich in User-Gruppen. Nur 23 Prozent bleiben passiv.

Man sollte auch nicht zuviel erwarten. Es gibt im Social Web extrem geteilte Öffentlichkeiten, sehr unterschiedliche Zeitfenster für Aufmerksamkeit und starke Konkurrenz. Jeder Mensch muss selektieren, um nicht in der Flut der Informationen zu versinken. Und diese Selektion läuft nach bestimmten Mustern ab: Neuigkeit, Nähe, Tragweite, Prominenz, Dramatik, Kuriosität, Konflikt, Sex, Gefühle und Fortschritt. Das sind die entscheidenden Ingredienzien für den Wert einer Nachricht. In der Nachrichtentheorie von Galtung und Ruge, die durch eine Vielzahl von Untersuchungen empirisch untermauert wurde, werden die Nachrichtenfaktoren noch etwas präzisiert: Schwellenfaktor eines Ereignisses, Eindeutigkeit der Nachricht, Tragweite, Überraschung, Kontinuität (rauscht etwas wie ein Lauffeuer durch die Öffentlichkeit – Mem-Stärke würde ich das nennen), Personalisierung und Negativismus (Konflikt, Kontroverse, Aggression, Zerstörung und Tod).

Aber will man das überhaupt immer erreichen? Die große Bühne?

Was denkt Ihr? Lasst mich jetzt nicht ohne Interaktionen hängen, sonst marschiere ich wieder in den Köln-Turm 😉

GuessWhapp und die Kultur der Beteiligung: Neuer Dienst sucht kreative Blogger

Fragen und die Kunst der Interaktion
Fragen und die Kunst der Interaktion

2006 hat Jakob Nielsen bekanntlich die 90-9-1-Regel für Online-Communities formuliert. Demnach konsumieren 90 Prozent die Informationen eher passiv, neun Prozent tragen gelegentlich etwas mit eignen Beiträgen bei und nur ein Prozent sind wirklich aktiv bei der Erstellung von Inhalten. Nielsen spricht von einem “Ungleichgewicht der Partizipation” und empfiehlt Maßnahmen wie Vereinfachung der Anwendungen, Belohnungssysteme, Editiermöglichkeiten auf Basis von Vorlagen und dergleichen mehr, um das Phänomen der mangelhaften Beteiligung zu ändern.

Nach Analysen von BBC ist die Nielsen-Verteilung wohl nicht mehr zu halten, da sich heute bereits 17 Prozent der Menschen intensiv im Social Web beteiligen. 60 Prozent sind aktiv beim Hochladen von Fotos, beim Start von Diskussionen oder bei der Gründung von Initiativen, da das technische Rüstzeug für die Beteiligung im Social Web immer komfortabler und einfacher in der Handhabung wird. Nachzulesen in dem Beitrag „90-9-1 war gestern“.

Egal, welcher Wert nun wirklich den Tatsachen entspricht, jede Maßnahme zur Verbesserung der Partizipation ist sinnvoll. So auch das Düsseldorfer Projekt GuessWhapp.

„Wir wollen die Verbindung zwischen Lesern und Autoren eines Blogs verbessern. Selbst als Fan von Blogs habe ich nicht immer die Zeit und die Möglichkeit, einen langen Kommentar zu schreiben. Und selbst ein Like oder das Weiterempfehlen über Twitter sind manchmal nicht ausreichend genug, um eine Verbindung zum Blog-Autor aufzunehmen. Vielleicht gibt es etwas, was dazwischen liegt, was nicht so aufwändig ist, aber gleichzeitig mehr ist als ein Ja oder Nein, Plus oder Like“, sagt Olaf Peters, der zu den fünf Initiatoren von GuessWhapp zählt, im ichsagmal-Interview.

Olaf Peters
Olaf Peters
Hier könnte man Umfragen verwenden, die sich schnell an unterschiedlichen Stellen eines Textes einbetten lassen, um den Blog-Autoren ein Instrument an die Hand zu geben, die Leser inhaltlich besser zu engagieren und das mit einem Klick. Schon bei der Formulieren eines Texte könnte der Autor sich provokative, sachliche oder lustige Fragen überlegen, um zu verschiedenen Aspekten seines Beitrages Rückmeldungen zu bekommen.

„Ich hoffe, dass wir viele Blogger finden, die mit diesem Dienst kreativ umgehen“, so Peters.

Überall, wo man html einbinden könne, sei der Einsatz des Umfrage-Tools möglich. Man registriert sich kostenlos auf der Website von GuessWhapp, wird freigeschaltet und kann sich mit Fragen austoben. Ist man mit der Frage und den Antworten fertig, wird ein html-Code eingeblendet. Kopieren und an der Stelle des Textes setzen, die die Interaktion befördern soll. Hier noch eine pdf, die das Ganze erklärt: Fragen und Antworten anlegen

Also, liebe Blogosphäre, legt los und berichtet über Eure Erfahrungen mit GuessWhapp. In ein paar Wochen laden wir dann Olaf Peters zu Bloggercamp.tv ein, um mit ihm über die Resonanz bei den Bloggerinnen und Bloggern zu sprechen.