Die von Hackern forensisch überprüften Datenträger offenbarten schon bei der Enthüllung des Staatstojaner-Skandals die Gier von Behörden, nach Lust und Laune jedes Detail der Privatsphäre einer „verdächtigen“ Person zu speichern. Beschränkungen von Legislative und Judikative scheinen die Schlapphut-Fraktion nicht zu stören. Das gesamte Prism-Szenario würde bei einem privatwirtschaftlichen Konzern für eine mediale Steinigung reichen, von dem sich der Delinquent nicht mehr erholen könnte. Aber was ist mit diesen amorphen Sicherheitsbehörden des Staates? Der Bundesinnenminister weiß von nichts, die Kanzlerin spielt das Unschuldslamm und von den Sicherheitsdiensten wird man verscheißert.
Wer schützt denn nun die Freiheitsrechte des Bürgers? Wer schaut denn mal genauer hinter die Kulissen von BND, Verfassungsschutz und BKA? Warum betreiben die Staatsorgane so eine Geheimniskrämerei, wenn es um den Einsatz und den Erwerb von Spionage-Equipment geht? Welche Parlamentarier laufen auf Ballhöhe mit den Überwachungsmöglichkeiten des Staates? Und mit welchen Konsequenzen müssen Dienstherren und Dienstfrauen überhaupt rechnen, die gegen Verfassung und Gesetze verstoßen haben?
Die Sicherheitsbehörden verfahren wohl nach dem Motto, was die Öffentlichkeit nicht weiß, macht sie nicht heiß. Irgendwo findet sich schon ein kleines Zeitfenster, um die illegalen Praktiken ex post durch Gesetzesnovellen zu legalisieren.
Man sollte den Leuten nicht einreden, über Regeln und Gesetze besser geschützt zu werden, wenn sogar wegweisende Urteile des höchsten Gerichtes ignoriert werden. Das ist ein trügerischer Glaube. Es geht um die Hans-Peter-Friedrich-CSU-Schräglage der öffentlich artikulierten Sicherheitsrisiken, die von den wirklich schwerwiegenden Risiken für die Privatsphäre ablenken. Die Verteidigung des Privaten ist beim Staat in schlechten Händen. Das sollte man generell bedenken, wenn wieder über Verbote, Regulierungen, neue Überwachungsbehörden und sonstige Drangsalierungsmethoden nachgedacht wird. Thema meiner morgigen The European-Kolumne.
Meine Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz über den Zugriff von deutschen Sicherheitsbehörden auf PRISM-Daten sind ja bekanntlich abgeschmettert worden. Nur das BKA hat in der Begründung einige Ankerpunkte freiwillig oder unfreiwillig für weitere Recherchen hinterlassen.
Vermittlung bei Anfrage „Spähprogramm Prism“
Datum 16. Juli 2013 11:01:38
An Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bitte um Vermittlung bei einer Anfrage nach dem IFG, UIG, VIG. Die bisherige Korrespondenz finden Sie hier:
Ich bin der Meinung, die Anfrage wurde zu unrecht abgelehnt, weil der Verweis des BKAs auf den Aufwandsvorbehalt nicht schlüssig ist. Schon bevor ein konkretes Informationsbegehren eingeht, muss die Behörde sich so organisieren, dass der spätere Aufwand zur Informationserteilung gering gehalten wird. Beispiele für solche vorwirkenden Pflichten für das Informationsmanagement in Behörden sind eine Speicherungspflicht für Datenübermittlungen, die Verpflichtung zur Einführung effizienter, kostensparender Verfahren zur Auskunftserteilung und besondere Anforderungen an die Aktenführung.
Sie dürfen meinen Namen gegenüber der Behörde nennen.
Mit freundlichen Grüßen
Gunnar Sohn
Und an das BKA:
Sehr geehrte Damen und Herren,
1) In Ihrem Antwortschreiben erklären Sie: “Ein solches zielgerichtetes Zusammenstellen wird weder vom IFG, noch von einem anderen von Ihnen zitierten Gesetzt erfasst”. Bitte teilen Sie mir den einschlägigen IFG-Paragrafen mit, auf dem diese Entscheidung beruht.
2) Desweiteren schreiben Sie:
“Dem BKA liegen keine Informationen vor, mittelbar und unwissentlich Daten aus PRISM erhalten oder Zugriff auf diese gehabt zu haben.” Bitte teilen Sie mir mit, ob Ihre Behörde unmittelbar und/oder wissentlch Daten aus PRISM erhalten hat.
3) Generell lege ich gegen die Ablehnung meines Antrags auf Informationszugang Widerspruch ein.
„Die eigenschaftslose Stadt ist alles, was von dem übrig bleibt, was früher einmal Stadt gewesen ist“, schreibt Rem Koolhaas in seinem Opus „Die Stadt ohne Eigenschaften“.
Hier bin ich nicht Mensch, hier will ich nicht sein
Der Verfall der Urbanität setzte mit dem Bau der Fußgängerzonen in den 50er und 60er Jahren ein. „Ramschläden oder leere Ladenlokale prägen seither die ohnehin schlichte und auswechselbare Bebauung“, so Eva Pasche. Nachzulesen im Buch des Fotografen Rüdiger Kramer „Fussgängerzonen – Bilder aus Städten“.
Wer so etwas baut, braucht sich über ausbleibende Kunden nicht wundernFlanieren und Verweilen – aber nicht hier
Händler in Fußgängerzonen sollten nicht gegen das Internet protestieren, sondern die Abrissbirne beauftragen für eine Änderung der Baukultur.
In den Mittagsstunden habe ich mir das Vergnügen bereitet, das Anti-Sprayer-Tatort-Jugendzimmer im Bonner Stadthaus aufzusuchen.
Das Ganze ist noch bis Mittwoch vor dem Ratssaal zu bewundern. Bis auf ein paar Mitarbeiter der Verwaltung, die auf dem Weg zur Kantine sich über die Exponate der Polizei lustig machten, war in der Ausstellung tote Hose.
Das fachkundige Personal machte es sich in einer Ledersessel-Sitzgruppe oberhalb der Infotafeln gemütlich und glänzte nicht gerade mit Dialogbereitschaft. Erst auf meine Nachfrage, wer denn mal als Ansprechpartner zur Verfügung stehen könnte, bequemte sich ein Vertreter der Polizei aus seinem Sessel und fragte, was ich denn genau wissen wolle. Natürlich wollte ich erfahren, auf welchen Erkenntnissen die Zusammenstellung der Exponate für den Tatort Jugendzimmer beruhen.
Es seien Ergebnisse der polizeilichen Ermittlungsarbeit in Bonn und NRW, die zur Zusammenstellung der verdächtigen Indizien für eine kriminelle Sprayer-Karriere führten.
Ob die Polizei denn auch Hausbesuche bei den besorgten Eltern machen würde, um das Jugendzimmer in Augenschein zu nehmen? Das könne die Polizei natürlich nicht als Beratungsgespräch machen, antwortete der Mitarbeiter. Schließlich sei man Strafverfolgungsbehörde. Ob denn Eltern sich nach der Kontrolle des Jugendzimmers ihres Kindes direkt bei der Polizei melden würden, wollte ich noch wissen. Ja, es gebe verzweifelte Eltern, die keinen anderen Ausweg sehen und die Polizei kontaktieren.
Verdächtige Schuhe
Ob das Ganze nicht Anstiftung zum Denunziantentum sei, fragte ich den Jugendzimmer-Tatort-Experten am Ende des nicht sehr informativen Gesprächs. Jedenfalls komme das bei mir so an. Könne er sich nicht vorstellen, dass man diese Aktion falsch versteht?
Missverständnisse könne man nicht ausschließen. So sei aber die Ausstellung nicht ausgerichtet. Nun ja. Eine peinliche Aktion des Oberbürgermeisters und des Polizeipräsidenten.
Eine „Besonderheit“ erwartet die Bürgerinnen und Bürger in einem „Jugendzimmer“, das im Stadthaus besichtigt werden kann – mit kompetenter Fachberatung der Polizei und der Stadtverwaltung. Dort lernen Eltern und andere Erziehungsberechtigte, wie sie die Gemächer ihrer Zöglinge ausspionierenobservierenfilzen liebevoll begutachten sollten, um frühzeitig „schädigendes Verhalten“ zu entlarven. Dabei sollte man auch auf Anzeichen achten, ob die lieben Kleinen dem Konsum von Cannabis frönen oder regen Handel mit Rauschmitteln betreiben. Eine aufgeschnittene Getränkeflasche zum Beispiel sei ein sehr einfaches Rauchgerät.
Den Vorwurf der Spionage weist dieser Mann natürlich weit von sich. Es gehe ja nur um Prävention.
Da diese Geisteshaltung nur von Montag bis Mittwoch von 12 bis 14 Uhr zu bewundern ist, konnte ich gestern nicht recherchieren, welche Profiler-Befunde im Jugendzimmer auf eine kriminelle Sprayer-Karriere hinweisen.
Aber vielleicht könntet Ihr mir helfen und eigene Indizienketten entwerfen.
Etwa exzessive Tapetenschmierereien mit Fingerfarbe, Anhäufungen von leeren Spraydosen im Gelben Sack des Nachbarn, Einsatz der Sprayer-App ArtStudio auf dem Tablet-PC des Kindes (siehe Foto oben), verdächtige Leerstellen im Kellerregal mit den Utensilien zur Renovierung der Wohnung, ständige Müdigkeit des Kindes am Frühstückstisch (verweist auf nächtliche Exkursionen auf den Bahngleisen zwischen Bonn und Köln), farbverschmierte Seife im Badezimmer, How to-Youtube-Videos aus der Reihe „Wie Sprayer den Hausmeister-Brigaden entkommen“, Sprayer Hoodies auf dem Weihnachtswunschzettel und, und, und.
Und wenn die Eltern schon in Habachtstellung sind, sollten sie die eigenen Sprösslinge direkt nach weiteren Auffälligkeiten inspizieren. Als Standardwerk für die familiäre Fahndung empfehle ich „Grundlagen der Polizeipsychologie“ (Hogrefe Verlag). Im Kapitel „Jugendliche Hacker“ können Mama und Papa wichtige Erkenntnisse für Fahndungserfolge im Jugendzimmer sammeln. So gelingt der erzieherische Rundumschlag für die Aufzucht eines wohlgeformten Nachwuchses. Einen Hacker, Cracker oder Crasher in den eigenen vier Wänden erkennt man an der spielerischen, kreativen und findigen Art des Umgangs mit anderen Menschen.
„Sie besitzen Witz, sind belastbar, provozieren gerne und zeigen meist eine ausgeprägte Schadenfreude. Gleichzeitig neigen sie kaum zu Aggressivität.“
Bei den gefährlichen Nerds handelt es sich um „introvertierte Datenmenschen, die außer der Informatik keine Interessen haben. Sie sind oft sozial isoliert und zeigen beinahe autistische Züge. Daneben sind Idealismus und Narzissmus typisch für sie.“
Die Ausstellung im Bonner Stadthaus sollte also für die nächste Aktionswoche thematisch erweitert werden, um die Präventionsfahndung ganzheitlich betreiben zu können.
So manch ein Schaufenster verdient die dauerhafte VerdunklungZumindest 50 Geschäfts-Inhaber in der niederrheinischen Metropole St. Tönis. Sie kleben ihre Schaufenster mit schwarzer Folie zu, damit „ihre“ Kunden mal erleben, was das böse Internet so alles bewirken kann.
„Der örtliche Werbering hat zu dieser provokanten Kampagne aufgerufen. Statt üppiger Auslagen und liebevoller Dekorationen sind dann nur noch schlichte Papptafeln zu sehen. Darauf stehen Sprüche wie: ‚So sieht eine Innenstadt ohne Fachgeschäfte aus‘ oder ‚Hier werden Sie noch mit Namen angesprochen‘. Der Werbering will mit der Aktion die Käufer in den Fußgängerzonen wachrütteln: Wenn das so weitegeht, könnten hier bald überall die Lichter ausgehen“, so der Betroffenheits-Bericht von WDR 2.
Man habe ja eigentlich nichts gegen das Internet, tönt es in St. Tönis. Der Online-Handel sei eine Ergänzung für die „Fachgeschäfte“. Aber dieser elende Beratungslau der Kunden könne nicht länger hingenommen werden. Da kommen doch glatt Leute in das Geschäft rein, probieren Pullover, fotografieren die ersehnten Stücke, fragen direkt über eine App nach dem günstigsten Anbieter und verschwinden wieder ohne Kauf aus dem Geschäft.
„Für viele Geschäfte gehe es inzwischen um die blanke Existenz, befürchtet Werbering-Chef Stefan Robben. Deshalb soll die Kampagne mit den schwarzen Schaufenstern das Szenario einer leeren Innenstadt darstellen“, führt WDR 2 weiter aus.
Mit der Aktion wolle man zeigen, wie eine Fußgängerzone ohne Ladenlokale aussehen würde. Viele könnten sich das ja gar nicht so vorstellen.
Kippen-Müll-Blumen-Kombi
Es gehe ja nicht nur um die einzelnen Läden: Man könne in den Fußgängerzonen flanieren, klönen und sich mit Freunden treffen.
„Die Händler seien es auch, die für festliche Weihnachtsbeleuchtung und Blumenkübel in den Einkaufspassagen sorgen“, so WDR 2.
Die Fußgängerzone in St. Tönis mit ihren rund 50 „Fachgeschäften“ dürfte ungefähr so groß sein wie die Verkaufsmeile in Bonn-Duisdorf. Dort werde ich kompetent bedient von fünf Friseuren, vier Bäckereien, sechs Optikern, vier Döner-Grillmeister und der üblichen Zahl an Telefon-Inkompetenz-Hier-können-Sie-nicht-kündigen-Zentren. Nicht zu vergessen die unverzichtbaren Sonnenstudios mit ihren ganzjährig gut durchbräunten Beraterinnen, den obligatorischen Nagel-Fußpflege-Haarverlängerungs-Tempeln und Massage-Salons mit den Verkaufsschildern „Ohne Erotik“.
Tierfutter konnte ich in einem Kram-Laden mit der originellen Namensgebung „Schnauze“ einkaufen – leider hat dieser Anbieter die erste Jahressteuer-Erklärung nicht mehr erlebt. Urbanität, liebwerteste Fußgängerzonen-Gichtlinge, sieht anders aus. Die Plätze und Boulevards in den Städten sind schon lange verschwunden und wurden ersetzt durch auswechselbare Blumenkübel-Urinal-Ödnis.
Ödnis in der Zone
Wo sind sie hin, die urigen Kneipen, Kaffeehäuser und Manufakturen mit handgefertigten Erzeugnissen?
Berliner Kneipenkultur: Leydicke in Schöneberg. Aus: Wolf Jobst Siedler, Die gemordete Stadt – Abgesang auf Putte und Straße, Platz und Baum.
Was für eine Fachberatung bietet denn das Verkaufspersonal in den Fußgängerzonen-Läden? Wirkliche Profiberatung finde ich eher in Foren, Youtube-Filmen und bei den Kundenbewertungen im Netz. Preisvergleiche über spezielle Apps sollten für Verkäufer eher ein Ansporn sein für besseren Service und nicht mit Smartphone-Verboten beantwortet werden.
Deshalb ist auch die Anbieter-Diktatur von Markenartiklern und Fachhändlern ein hoffnungsloses Unterfangen, die wegen der „Beratungsintensität“ ihrer Produkte den Onlinehandel unterbinden wollen.
Beratung bekomme ich über virtuelle persönliche Assistenten, die meine Einkäufe optimieren, Produkte und Dienstleistungen bewerten und über die Expertisen anderer Kunden informieren. Unternehmen, die mit ihren vernetzt organisierten Kunden nicht mithalten können, verschwinden vom Markt. Auch in St. Tönis.
Der stationäre Handel muss das aber nicht unbedingt begreifen. Die ehrbaren Blumenkübel-Kaufleute könnten ja den 6. August zu einem jährlichen Anti-Internet-Berners-Lee-Protest-Tag ausrufen. An diesem Tag ging nämlich vor 22 Jahren die erste Website online.
Vielleicht hättet Ihr ja auch Lust, eine Blumenkübel-Blogparade zu starten. Motto: Meine Fußgängerzone soll noch schöner werden.
Online-Geschäft und stationärer Handel greifen angeblich immer besser ineinander. Immer mehr Anbieter würden die unterschiedlichen Vertriebskanäle miteinander verknüfen, um den Kunden ein durchgängiges Einkaufserlebnis zu ermöglichen. Wie im vergangenen Jahr auch, wird der IBM Omnichannel Maturity Index 2013 vom Elektronik-Fachhandel mit Conrad auf dem ersten Platz angeführt, doch die Abstände werden enger: Warenhäuser und Mode schließen auf, allerdings bietet das Fashion-Segment immer noch ein eher uneinheitliches Bild. Der Lebensmittelhandel hinkt aufgrund der geringen Brutto-Margen und der hohen Logistikanforderungen nach wie vor hinterher.
„Die Kunden differenzieren immer weniger zwischen Online und Filiale“, sagt Roland Scheffler, Partner in der Strategieberatung bei IBM Global Business Services.
Stationäres Geschäft und Online-Handel müssten sich deshalb ergänzen und können sich im besten Fall auch gegenseitig beflügeln. Ein nahtloses, durchgängiges Kundenerlebnis sei dabei wichtig für den Erfolg. Kanalübergreifende Kundenbindungsprogramme gehörten dazu. Sie werden derzeit jedoch von weniger als der Hälfte (47 Prozent) der untersuchten Unternehmen eingesetzt.
Auch in diesem Jahr schnitten die großen Elektronik-Händler am besten ab, mit Abstand führend bleibt Conrad. Das Unternehmen erreichte mit 82 Prozentpunkten (Saturn: 66 Prozent, Media Markt: 64 Prozent) die höchste Punktzahl. Insgesamt fünf der besten zehn Unternehmen kommen aus diesem Segment.
Generell trägt der Handel auch dem Trend zum Mobile Business Rechnung: Über eine mobile App verfügen 56 Prozent (Vorjahr 41 Prozent) der untersuchten Unternehmen, eine mobile Website bieten 63 Prozent (Vorjahr 47 Prozent). Mobile Bestellungen sind bei 32 (App) beziehungsweise 54 Prozent (mobile Website) möglich.
Insgesamt kommen die Autoren der Untersuchung zu dem Schluss, dass es bei der Entwicklung integrierter Handelskonzepte nicht den einen „Königsweg“ gibt:
„Wir beobachten, dass die klassischen Filialisten ihre Online-Kompetenz rasch erweitern und die ehemaligen reinen Online-Händler zum Teil sehr erfolgreich ein Filialnetz aufbauen“, behauptet IBM-Mann Scheffler.
Ich sehe das nicht so – zumindest beim stationären Handel sehe ich den Wandel nicht. Auch nicht bei den zitierten Elektronikketten.
„Wenn sie Flügel an ein Auto montieren, wird es trotzdem kein Düsenjet werden. Es geht eben nicht um den Wettbewerb der Vertriebswege, um Omni-Channel. Am Markt entscheidet das Businessmodell. Der Kampf verläuft zwischen Product Centricity gegen Consumer Centricity. Die von IBM ausgelobten Branchensieger, wie Conrad, Saturn und Mediamarkt kämpfen nicht miteinander um ein Omni-Channel-Maturity-Ranking,
sondern um Konsumenten. Ihre Herausforderer halten sich nicht an traditionelle Branchen- und Landesgrenzen um Kunden zu gewinnen, sie organisieren und optimieren Beziehungen und verkaufen nebenbei Produkte. Es handelt sich um die Unternehmen der Netzwerkökonomie, wie Amazon, Ebay, Google und vielleicht auch einmal Zalando“, kommentiert Trendforscher Professor Peter Wippermann.
„Omnichannel ist hier nur eine weitere Worthülse. Entscheidend wird sein, ob Unternehmen bereit sind, konsequent ihre Prozesse auf den Prüfstand zu stellen und auf Einfachheit, Durchgängigkeit und Konsistenz zu trimmen.“
Multichannel, Cross Channel und jetzt Omnichannel kaum ein Kraut ist gegen die Vergesslichkeit der meisten Unternehmen gefeit.
Die Unternehmen seien zwar auf vielen Kanälen auf Sendung gegangen, ohne die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass man die Kunden entlang dieser Kontaktpunkte wiedererkennt und ihnen ein konsistentes Service-Erlebnis vermittelt.
„Diese Digitale Demenz wird meines Erachtens bis 2020 zum strategischen Wettbewerbsnachteil, wenn der Typus des digital vernetzten Kundens nicht die Ausnahme, sondern der Regel sein wird“, so Steimel.
Wie seht Ihr das? Hat der stationäre Handel in Deutschland wirklich den Amazon-Gong schon gehört und die richtigen Konsequenzen gezogen?
Würde gerne zu dieser Frage ein paar Hangout-Interviews machen. Wer interessiert ist, sollte sich bei mir melden.